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Full text of "Philologus"

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Kj^ujc/ru 




UHi 



Pro^sor 
Lehm^^-Haupt 

Irafebruck, 



, 




PHILOLOGUS 

ZEITSCHRIFT 

FÜR 

DAS CLA88I8CHE ALTEETHUM 

BEGRÜNDET 
VON F. W. SCHNEIDEWIN und E. t. LEüTSCH 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

OTTO CEUSIUS 

IN MÜNCHEN 

Supplementband X. 

0- 




S^An 



LEIPZIG 

DIETERICH'SCHE YERLAGSBUCHHANDLÜNG. 

THEODOR WEICHER 
1907. 



?R 
Nr. 10 



Druck von H. L a u p p jr in Tübingen. 



Inhalt des zehnten Supplementbandes. 

Seite 

üntersucliung zur Geschichte von Eran. Von J. Marquart. II 

(Schluß) 1 

Die üeberlieferungsgeschichte des Horaz. Von Fr. Vollmer . . 259 

De Senecae Hercule Oetaeo. Scripsit Aemilius Äckermann . . . 323 
Das Ausleben des Clauselgesetzes in der römischen Kunstprosa. 

Von Th. Zielinski . 429 

Die Philostrate. Von Karl Münscher 469 

Untersuchungen über die Lucianische Vita Demonactis. Von 

K. Funk 561 

Zum Sprachenkampf im römischen Reich. Von Ludwig Hahn . 675 



I. Die Namen der Magier. 

In der syrischen Schatzhöhle wird erzählt, wie die Magier 
bei der Erscheinung des wunderbaren Sternes voll Bestürzung in 
ihren gelehrten Büchern forschten und nun im Orakel des 
N i m r d 1) fanden , dass ein König in Juda geboren werden 
würde. Sofort verliessen sie den Osten und zogen mit Geschenken 
an Gold, Weihrauch und Myrrhen, die sie in den Bergen von 
Nöd geholt hatten, zum neuen Könige, um ihm ihre Huldigung 
darzubringen. „Die folgenden aber sind diejenigen, welche Opfer 
darbrachten, Könige und Söhne von Königen: HormizJcar (Hor- 
mizdäSy) von Mä;^ozde"), der König von Persien, der den Titel 
,Kötiig der Könige' führte und in Adorwlgän^) unten ^) resi- 
dierte; Äzdeger^)^ der König von Sabä, und Parwazd'^) ^ der 
König von Schebä, das im Osten liegt. Und als sie sich an- 
schickten hinaufzusteigen, geriet in Bestürzung und Schrecken das 
Reich der Riesen^) — es war aber ein sehr starkes Heer — so 
dass auch alle Städte des Ostens vor ihnen in Furcht gerieten. 
.... Magier aber wurden sie genannt wegen der Magiertracht, 



^) Die arabische Übersetzung S. ^Tö, 5: „in dem Orakel, welches 
Jöntön, der Sohn des Nüh, dem Nimrod gegeben hatte, als er mit ihm 
zusammentraf". 

2) BA JJ|^!0^0O) , S 1J|2D^OO) , V ;opo^OO) ♦ 

^) BS ^JjQUto, Ar. Ji^*^-/i$>, Thatsächlich ist der Ausdruck 

^JJQn2DJ unübersetzbar. S. u. S. 6 f. 

^) SV ^^^Ojj^, A ^^OjJ:^, B ^^10j)z5; vgl. La gar de, 
Mitteil. HI 73. 

•*) Ar. ^^j^i\ J.a^l ^. 

') ^ T'^l^ ^^- K^j^^^ ^- 1- ^^^)» \)^?/ d.L^L^ojL 

') B )0V3, Ar. ^\^^, V. l.yi, ^i'^. 

^) D. i. Kana'an, wo einst die Riesen gehaust hatten. S. u. S. 3. 

Marquart, Untersuchungen. II. 1 

• r^ Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 



^ J. Marquart, 

mit welcher die Heidenkönige bekleidet waren, welche, wenn sie 
ein Opfer veranstalteten oder ihren Göttern Spenden darbrachten, 
zwei Trachten anlegten, die des Königtums innen und die des 
Magiertums aussen"^). 

Diese Erzählung geht natürlich aus von der messianischen 
Psalmstelle 72, 10: 

«ü'^^ij;; Iit\ji2 D-^i^NT t^m^n '^i;)hi2 

Hier ist also das den Spätem unverständliche Tarsts auf Persien 
(Pars) bezw. das Partherreich bezogen worden. 

Vom dritten Könige erzählt die erweiterte Recension A noch 
folgendes: „Als der Sohn des Königs von Schebä noch ein kleiner 
Knabe war, brachte ihn sein Vater zu einem Rabbi, und er lernte 
die Schriften der Hebräer besser als alle seine Gefährten und 
Volksgenossen ; und er sagte zu seinen Dienern, dass auch in allen 
Geschlechtsregistern geschrieben stehe, dass der König in Bethlehem 
geboren werden solle" 2). Und als die Magier dem Messias Opfer 
darbrachten und den Lobgesang der Engel hörten, die bei ihm 
auf- und niederstiegen , sagt Parwazdä«)' zu seinen Gefährten : 
„Jetzt weiss ich, dass die Prophezeiung des Jesaias wahr ist. 
Denn als ich in der Schule der Hebräer war, las ich im Jesaias 
und fand darin folgendes: „denn ein Kind ist uns geboren" etc. 
(Jes. 9, 6)3). 

Drei Magier mit ganz ähnlichen Namen kennt die Schatz- 
höhle schon zur Zeit des Nimrod. Es heisst nämlich von Salomo: 
„Er baute Tadmor in der Wüste*), und führte dort grosse 
Wunderwerke aus. Und als Salomo an den Fuss des Gebirges 
gekommen war, das Sä'lr heisst, fand er dort den Altar, welchen 
Paiwarzhar^)^ Paiwarzanl^) -and Jazdwär'^) erbaut hatten. Diese 
hatte nämlich Nimrod der Riese zu Bal'am, dem Priester des 
Berges geschickt , weil er von ihm gehört hatte , er verlege sich 
auf die Sternbilder; als sie nun an den Fuss des Sä'Tr gekommen 



1) Die Schatzhöhle hrsg. u. übers, von C. Bezold S. m, 8 flP. 
ri^A, 10 ff. = S. 57. 58 der Übersetzung. 

^) s. rn, 3-8. 

") S. m, 10 ff. = S. 59 d. Übs. 

^) 2 Chron. 8, 4. Jos. uqx^ 8 § 154. 

') B ;DJQ-3, SV ;DJV3, Ar. ^s>jy, v. 1. ^3>^/> , ^j^jy> 

d. i.^'^jy. 

ß) BSV 0-J5Q-3, fehlt bei Ar. 

B jojl-, VA ^O^Jp, S ^ojM; Ar. ls>_j^\ , v. 1. J^jy^ , 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 3 

waren, bauten sie dort einen Altar der Sonne ^); und da ihn 
Salomo sah, baute er dort eine Stadt, und nannte sie Heliopolis 
d. i. Sonnenstadt" ''^). Diese eigentümliche Kombination wird da- 
durch verständlich, dass der Moabiterkönig Balaq als König der 
Riesen galt (Ja'qübl, Hist. I fv; Qazwini I ffi) und mit der 
Landschaft Belqä' pUJLJI zusammengebracht wurde"). Auch liegt 
wohl eine Verwechselung des Gebirges Se'Tr mit dem SanTr ^"^jir) 
(Hohel. 4, 8), einer Kette des Antilibanos nördlich von Damaskus, vor. 

Diese Stelle steht mit einer früheren im Zusammenhang, wo 
es heisst: „In den Tagen des Ar'ü (l5>^, 'Payai)) machten sich 
die Me9räer d. i. die Ägypter den ersten König, namens Pontos, 
der über sie 68 Jahre herrschte. In den Tagen des Ar'ü herrschte 
(gleichfalls) ein König in Schebä und Öphir und in Hawllä. Es 
regierten nun in Schebä 60 Töchter von Schebä, und viele Jahre 
lang herrschten in Schebä Weiber, bis zur Regierung des Salomo, 
des Sohnes Davids. Über_die Söhne Ophirs*) herrschte aber der 
König Lephörön ^) , jder Öphlr aus goldenen Steinen erbaute ; 
denn alle Steine in Ophir sind von Gold. Und über die Söhne 
Hawilä's herrschte der König ITawlI*), der Hawilä erbaute"^). 

Unter Re'ü herrschte also noch ein König in Schebä, später 
aber Frauen bis auf Salomo, zu welchem die Königin von Schebä 
kam (S. U. , 4). Unter Schebä versteht der Verfasser nicht 
Südarabien, das alte Reich von Saba, sondern Indien, wie 
aus dem Beisatz „welches im Osten liegt" (S. t*n, 12) hervor- 
geht. Man bezeichnete Südarabien und das gegenüberliegende 
Abessinien als „äusseres Indien" (?) ^^cü ^Ii/öia, India citerior) im 
Unterschiede vom „inneren" oder eigentlichen Indien (// ivöoT£()M 
'Ivdiaf India ulterior). Schon bei Rufinus (h. e. I 9) begegnen 
wir aber einer Verwechselung dieser beiden Begriffe. Er behauptet, 
nach India ulterior sei vor den Zeiten Konstantins noch keine 
apostolische Predigt gekommen und definiert dasselbe als zwischen 
India citerior (dem glücklichen Arabien) und Parthien in der 
Mitte gelegen, sed longo interior tractu. Allein gleich nach- 



1) Vgl. Num. 23, 1 ff. 7. 14. 28 ff; 24, 17. 

2) Vgl. ivA, 10 ff. = S. 43 d. Übs, 

^) Vgl. Grünbaum Neue Beiträge zur semitischen Sageukunde 
S. 181, 185. 

*) A am Rande: „das ist Hind (Indien)". 

^) Ar. . MjJ 3l , V. 1. i-\y:\j^ ' Ii^ äthiopischen Klemens heisst der 
König von Sebä, der auch Ophir erbaut, Farnös = (j^jS aus . m jr[;^ • 
Als ursprüngliche Form vermutet deshalb Bezold S. 77 Anm. 112 der 
Übersetzung mit Recht >55QS/ statt >^1Q2i!^, also ein Eponymos 
von V^o/. 

6) S. It^A, 5—14. in, 6—13 = S. 30/31. 

1* 



4 J. Marquart, 

her wird Frumentius als der erste Apostel jener Länder genannt, 
der aber vielmehr in Abessinien das Evangelium gepredigt hat. 
Dasselbe wird dann von Sokrates, Sozomenos und Theodoret wieder- 
holt. Kosmas Indikopleustes in seiner Topographia Christiana ver- 
steht unter dem „inneren Indien" immer Südarabien, wogegen 
Johannes von Ephesos den König der Homeriten .^Qu2Q-»J (1. >Qi2Q^^ 
= /ilfivov^ acc.) richtig als König der ^^q.qqd/ == roüv 'i^co 
^IvÖmv bezeichnet^). In den apokryphen Apostelgeschichten aber 
begegnet uns jene Verwechselung auf Schritt und Tritt-). 

Man sieht nun unschwer, dass die Namen «jj^Q^ und 
lljOVS (so die vollständigere Form) auf dieselbe Grundform zurück- 
gehen. Beide lassen sich ohne Mühe in i^ov2> bezw. <^i.rt*o> 
Farr-wmdäd^) „vom Glück erlangt" oder „Glück erlangt habend" 
verbessern, dies ist aber nur eine Art Übersetzung von Gundafarr, 
in den Thomasakten ;2üJQ^^für ^^q^), gr. rovvScccpOQog, auf 
den Münzen 'YvdocpiQQrjQy TovSocpccgrig^ ind. Oomdafarna^ Guda- 
pJiara^ Gadaphara etc.^), ap. Wmda(h)-farnä^ gr. 'lvTa(fgevt]g für 
^IvracfiQvrig (Her. y 70. 78. 118 ff.), Kie^.^ÄT acpigvrig statt !4i/Ta- 
q)iQV7]gf aw. * Wmdat - hwar9nanh „die Majestät erlangend"^). 
Der Name Gundaphar ist noch nach der Kompositionsweise der 
alten Sprache gebildet und war deshalb gleich sehr vielen anderen 
parthischen Namen, besonders der älteren Zeit, den Persern der 
Sasanidenzeit noch weit weniger verständlich als der grösste Teil 
der altgermanischen Namen den Deutschen im 13. und 14. Jahr- 
hundert. Man suchte sich deshalb dieselben mundgerecht zu 
machen, indem man sie etymologisierte, wobei es natürlich bei der 
grossen Verschiedenheit der Wortbildung und Kompositionsweise 
der alten bildungsreichen Sprache von derjenigen der modernen 



^) Assemani, B. 0. I 359. Vgl. Gutschmid bei Nöldekc, 
Gesch. der Perser und Araber 186 N. Gemeint ist {jf\^ 3,3. 

2) Vgl. K. A. L i p s i u s , Die apokryphen Apostelgeschichten I 285. 
II 2, 59. 64. 132 f. 

^) Der Name ist belegt bei Tab. I Hv. , 11. 14. 16 (a. 13 H.) mit 
der Var. oliAi^Li Farr-ä-windäS bei Ibn al A^ir III trc, 23, die mit 
oIvAajIJs bei Ist. ifA, 4. Ibn Hauq. l'.i, ann. l> identisch ist. Vgl. 
G. Hoff mann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 297; F. Justi, 
Iranisches Namenbuch S. 90 a. 91b. 98 b. 

^) Wright, Apocryphal acts of the Apostles I S. y^JbJO , 3. 

^) Die Münzen bieten im griechischen Texte bald TNJO<PEPPOT, 
bald rONJO<PAPOT, rONJA^APOT. S. Percy Gardner, The 
coins of the Greek and Scythic kings of Bactria and India in the British 
Museum p. 103—106, PI. XXII, 5—13. Die Kharoslhilegende zeigt 
neben Gadapharasa (gen.), Gudapharasa d. i. * Gudapharrassa auch die 
genauere Namensform Gomdafarna. Vgl. Otto Franke, ZDMG. 50, 
603; G. Bühler, Indian Antiquary, May 1896. p. 141 N. 5. 

**) Vgl. G. Ho ff mann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 287. 



Untersuchungen zur Geschichte von Er an. 5 

Dialekte, die den Flexionsreichtum jener zum grossen Teil als 
unnützen Ballast über Bord geworfen hatten, an mannigfachen 
Missverständnissen nicht fehlen konnte. 

Der in Farr-windä^ steckende Gundaphar, der Herrscher des 
Sakenreiches im westlichen Indien und in Ariana , stammte aus 
dem parthischen Adelshause der Suren und war ein Zeitgenosse 
des Fartherkönigs Gotarzes II. , der sich nach seiner Vertreibung 
im Jahre 42 n. Chr. in sein angestammtes Fürstentum Hyrkanien 
und Karmanien zurückgezogen hatte i). Während in den Thomas- 
akten der indische König Gundaphar als Beschützer des Apostels 
Thomas gepriesen wird, erscheint Gotarzes als hartnäckiger Feind 
der neuen Lehre und eifriger Verteidiger des alten Glaubens, wes- 
halb er schlechtweg den Namen Mazdai führt, der ihn als eifrigen 
Mazdaverehrer bezeichnet^). Gundaphar ist auch in den syrischen 
Alexanderroman verflochten worden. In einem im griechischen 
Texte (Pseudo-Callisthenes ed. C. Müller 3, 17) fehlenden Stücke 
des Briefes Alexanders an Aristoteles wird erzählt, wie Alexander 
von Prasiake nach 10 Tagen zu einem hohen Berge kommt, wo an 
einem Flusse ein mächtiger Gott in Gestalt eines Drachen (näga) 
hauste. Alexander vernichtet den Drachen mit Hilfe dersellDen 
List, die Daniel gegen den Drachen angewandt hatte, und kommt 
dann zu einem hohen Gebirge, von welchem der Fluss Birastös 
(p. 196, 2 QpoAflDVO, p. 193, 13 op^ NCY>;^ , lies Of>-N fir>»n^ 

BiddcxTiQ^ Ptol. VII, 1 p. 447, 18 BiSaöni^g) entspringt. Der ganze 
Berg bestand aus Saphir und hatte Überfluss an Quellen und Wasser- 
sprudeln. Hier gründete Alexander die Stadt „Alexandria, die Königin 
der Berge" — ohne Zweifel ^Als^dvdgsia i) ngog Kavxdöco'^) — 
und liess seine Truppen da zurück, er selbst aber zieht mit zwanzig 
seiner Freunde aus und gelangt zunächst nach Qätön ^L|ä , wo er 
drei Tage rastet. Ich vermute, dass dies derselbe Ort ist wie 
Cartana oppidum sub Caucaso, quod postea Tetragonis dictum 
Plin. h. n. 6, 92. Von da marschiert er 10 Tage auf gebirgigem 
Pfade durch wasserreiche Gegenden und dann weitere 15 Tage 
durch eine Wüste, bis er zu den Grenzen von (Jim gelangt. Als er 
den Hof des Königs von Qin erreicht, gibt er sich für Pithäös, den 
Gesandten des Königs Alexander aus und wird von Gundaphar^ 
dem Heerführer des Königs verhört (S. 195, 5). Reich beschenkt 
kehrt er alsdann wieder zu seinem Heere zurück. Die vorliegende 
Erzählung versteht unter dem König von ()m offenbar den Kaiser 



^) Siehe meine Beiträge zur Geschichte und Sage von Eran 
ZDMG. 49, 641. 

2) Siehe vorläufig meine Chronologie der alttürkischen Inschriften 
S. 67 Anm. 3. 

^) Wie der Fluss Bidastes zeigt, hat hier eine_ Vermischung zwi- 
schen Alexandreia Bukephalos am Hydaspes (Vitastä) und Alexandreia 
am Kaukasos stattgefunden. 



6 J. Marquart, 

von China. Ursprünglich war aber wahrscheinlich nicht dieser 
gemeint, sondern der König der Kusan, der, wie Sylvain 
Levi aus chinesischen Übersetzungen buddhistischer Legenden 
nachgewiesen hat *) , in Nachahmung des chinesischen Kaisertitels 
„ Himmelssohn " {t'ien-tzo) sich den Titel devaputra oder voll- 
ständiger Cenasthäna-devaputra^ chinesisch abgekürzt Cen-tan, 
pers. ,*-«j*J baypür, sogdisch ,*.äx5 fayfür^), arm. Cen-bakur^) 
beilegte. Der Sakenkönig Gundaphar wurde also zunächst zum 
Heerführer des Grosskönigs der Kusan (Jüe-^i) degradiert, welcher 
das Eeich der Saken vernichtet hatte. 

Der Name ;ojlQ*^ ist augenscheinlich von den Schreibern 
nach dem bereits verdorbenen ^Jj^Q^ (aus j^^ovS) gemodelt und 

52 4 3 1 • 

zunächst aus ;d)*[2D]100) verstumm. elt worden. Er entspricht offen- 
bar dem ersten der drei Magierkönige ^)*.>d^oO) oder jj^^oiOO). 
Mit dem diesem Namen beigegebenen Zusatz ^jjQ^iDJ ist nichts an- 
zufangen ; er ist schlechterdings unübersetzbar. Ich vermute, dass 

^) Sylvain Levi, Deux peuples meconnus. Melanges de Harlez 
182 s. Notes sur les Indo - Scythes. Journ. as. 1896, 2, 452. 457. 469. 
472 5 1897, 1, 23 Note 2. Zuerst findet sich der Titel devaputra auf 
Münzen des Kusankönigs Kuyula Kara Kaphsa (Cunningham. Num. 
Chron. 1892, 66. PI. IV, 9), der wohl mit Kozulo-Kadphizes identisch ist. 

2) Dies ist im Persischen der ständige Titel des Kaisers von China. 
Vgl. al Chuwärizml, Mafätlh al 'ulöm ed. van V loten S. 151, 2. IT., 7 
(wo zu lesen ist ^Ji Kj^iA^JLj ^j^i j.^ ^j-*.JU). Bei Tab. I l'M, 11 
heisst es: „Fre^ün machte den Tue zum König über die Gegend der 
Türken, Chazaren und Cin, und man nannte dieselbe Lij (jv/:? Cln 
hayä'^, wofür cod. Spr. 30 richtiger J.^Lij (j^-^ = (-''^n bayapuhr hat. 
Der Kaisertitel ist also irrtümlich als Landesname aufgefasst worden. 
Die Form ^t fay wird von den Wörterbüchern für fer;/anisch er- 
klärt; s. iTorn, Neupersische Schriftsprache § 35, 2 S. 78 (SA. aus 
dem Grundriss für iranische Philologie Bd. I, 2, Lieferung 1). 

Nach Ernst Kuhn, Barlaam und Joasaph S. 37 hätten schon 
die Vorfahren der Arsakiden in ihrer östlichen Heimat den chine- 
sischen Kaisertitel ^ Himmelssohn " angenommen und ihn als baypür, 
fuyfür nach dem Westen übertragen. Erst von letzterem wäre das 
devajjutra der Kusankönige und weiterhin das "NrT"^ T'2 "»"nni!: 1^73 = 
dx yavove d^eov der Sasaniden ausgegangen. Diese Auffassung ist in- 
dessen völlig unhistorisch. 

^) Moses Xor. Geogr. ed. Soukry p. 46, 12 = 62 der Übersetzung. 
Balcur ist die armenische Form des parthischen Namens Uaxopog, den 
man sich als jj-i^^ zurechtlegte und daher , da «.j in manchen Dia- 
lekten auch König bedeutete (al Chuwärizml \\^ , 1. i{*. , 7; BerünT, 
Chronologie IT^, 9), mit Sähpuhr „ Königssohn " übersetzte. So heisst 
z. B. der persische König Säpür II. bei Prokop Pers. 1, 5 p. 26 Ilaxov- 
Qiog, in der entsprechenden Stelle des Faustos Byz. 4, 20 dagegen Sapuh. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 7 

der ursprüngliche Text lautete: ^j|ä oO)J „(Hormizkar) ä.i.3Iazdai'^. 
Die Lesart ;d).^100) Hormizhar lässt sich vom iranischen Stand- 
punkte aus nicht rechtfertigen, wogegen ;ojOV-3 Perdzhar = 
np. i 5yAj „Victor" einen guten Sinn gäbe. Das Ursprüngliche 
wird aber ;2)J^ä^0O) Hormizdfarr „von Hormizd Glück besitzend" 
sein, wovon Hormizdäd lediglich erleichternde Korrektur ist. Man 
hat sich also nicht daran gestört, dass Mazdai in den Thomasakten 
als Feind des Christentums erscheint, und ihn ganz naiv 
unter die drei Magier aufgenommen. Ein J-/)^ oder •/> <^ er- 
scheint auch in den arabisch - persischen Arsakidenlisten , unter 
welchem, wie später gezeigt werden soll, gleichfalls Gotarzes II. zu 
verstehen ist. Die Residenz des Königs in A^orbaigän würde aller- 
dings besser auf Gotarzes' Vorgänger und Schwager Artabanos IL 
passen, einen Sprössling des alten Königshauses von Atropatene, der 
aber in weiblicher Linie von den Arsakiden abstammte. Nachdem 
er zunächst die Krone seines Erbreiches Medien gewonnen hatte, 
wurde er später auf den Thron des Königs der Könige berufen, 
und ward so der Begründer der weiblichen Arsakidenlinie. Freilich 
war Atropatene gerade dasjenige Land, das — abgesehen von 
Pars — unter einer altpersischen Dynastie am längsten von der 
unmittelbaren Herrschaft der Parther freiblieb. Seitdem aber 
Artabanos den Thron von Ktesiphon bestiegen, ward es ein gut- 
parthisches Land und erscheint in der arabisch -persischen Über- 
lieferung als ein Hauptgebiet der Pahlawlk's. Wie lange es nachher 
noch ein eigenes Königreich geblieben ist, lässt sich bis jetzt nicht 
bestimmen; ebensowenig vermögen wir zu sagen, ob in der That 
jemals Ganzak, die Hauptstadt von Atropatene, den Grosskönigen 
als zeitweilige Residenz gedient hat, da unsere Quellen sich nur 
auf die Periode vor dem Aufkommen der weiblichen Arsakiden- 
linie beziehen i). Der Ausdruck „in ÄJorwTgan unten" r]iy,A*fc«\ ^1 
ist vielleicht mit Nöldeke (briefliche Mitteilung) durch die 
Annahme zu erklären, dass dem Verfasser eine Karte vorlag, in 
welcher Süden (mit Indien) oben und Norden (mit Äc)'orbaigän) 
unten war, wie in den arabischen Karten. 

Über das oben erwähnte Orakel des Nimrod erhalten wir 
11 r% 16— Sn = I 33 Auskunft^): „In den Tagen Nimrods des 
Riesen wurde ein Feuer gesehen , das aus der Erde aufstieg. 
Und Nimrod stieg hinab, sah es und betete es an und setzte 
Priester ein, die dort dienen und Weihrauch hineinwerfen sollten. 



^) Strab. in 13, 1 p. 522 sagt, dass die Partherkönige im Sommer 
in Ekbatana und im Winter in Seleukeia am Tigris residierten. 

'^) Die folgende Erzählung ist benutzt von Ja'qübi, Hist. I t*,, in 
der arabischen Catene bei Lagarde, Materialien zur Geschichte und 
Kritik des Pentateuchs I S. 96, sowie bei Eutychius ed. Pocock I 62. 64. 
Vgl. Grünbaum, Neue Beiträge zur semit. Sagenkunde 94 f. 



g J. Marquart, 

Seit dieser Zeit begannen die Perser das Feuer anzubeten (138) 
bis auf den lieutigen_ Tag. [Es fand aber der König Slsän ') 
eine Wasserquelle in Ä^orbigän^), und machte ein weisses Pferd 
und stellte es daran auf; und diejenigen, welche sich badeten, 
beteten dieses Pferd an. Von da an begannen die Perser dieses 
Pferd anzubeten.]^) ^imrod aber ging nach Nöqdörä^), d. i. Nöd, 
und als er zum See Okras ^) kam, fand er dort den Jöntön^), den 
Sohn des Nöh. 

Er stieg nun hinab und wusch sich in jenem See, und opferte 
und betete den Jöntön an. Jöntön sprach zu ihm: Du bist 
König und betest mich an? Nimrod erwiderte ihm: Deinetwegen 
bin ich hierher herabgekommen. Er verweilte nun bei ihm drei 
Jahre, und Jöntön lehrte den Nimrod Weisheit und das Buch der 
Offenbarung und sprach zu ihm : Komm nicht wieder zu mir ! Und 
als er vom Osten heraufgekommen war und begann, dieses Orakel 
anzuwenden, verwunderten sich viele über ihn. Als aber Jazsar^), 
jener Priester, der jenem Feuer diente, das aus der Erde hervorkam, 
sah, (140) wie Nimrod in jenen alten Bahnen der Offenbarungen sich 
bewegte , bat er jenen Dew , der um jenes Feuer erschien , sie 
möchten ihn die Weisheit Nimrods lehren. Und wie es die Ge- 
wohnheit der Dewe ist, diejenigen welche sich ihnen nahen, durch 
die Sünde zu verderben, sprach jener Dew zu jenem Priester: 
Kein Mensch vermag Priester und Magier zu sein, ehe er sich 
nicht mit seiner Mutter und mit seiner Schwester begattet. Jener 
Priester aber that, wie ihm der Dew gesagt hatte ^). Von da an 
begannen die Priester und Magier und Perser, ihre Mütter und 
Schwestern und Töchter zu nehmen. Und dieser Priester Jazsar 
begann zuerst die Stellung des Horoskops anzuwenden und die 
Schicksale und Lose und Zufälle und die Zuckungen der Glieder 



*) Ar. (j^-Law, V. I. ..yiXs:. ..^j ..4.Av».juvg; im Clem. Aeth. SäSj im 
äthiopischen Adambuch (Trumpp, Abh. der bair. Ak. XV, III.) Saihän. 

2) A >^^^p , Ar. ^.jLXxjy I , V. 1. j^LfVjy I = ^^\.^\j^jj>] . 
Vgl. Lagarde, Mitteil. III 63. 

3) Nur A und Ar. 

^) So ß; die übrigen J^OtJOO-., J^*iöQ-, Ar. ^^A'iLj, yyiU (?.), 

5) So B; Ar. Jü\jj^\ (P), y^^yl = ^^jü] •, die übrigen ^*^/, 
Clem. Aeth. Teräwes = ^j^»^Jo\ , 

^) A am Rande: Diesen Jöntön zeugte Nöh nach der Sintflut und 
ehrte ihn hoch und schickte ihn nach Osten, dass er dort wohne. 

') So B ; S VJLp , V *^p/ 5 A *^.JL^/, Ar. ^^Ojf, v. 1. j^,^^J, 
^jA^IlXjI; Lagarde, Mat. 96 j.L;^ q.j| ^^l^Aii, 

^) A: „Und Idäser der Priester that so". 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 9 

und derartige Dinge der Chaldäerkunst. Dieses ist aber eine Trug- 
lehre der Dämonen, und jene welche ihr dienen, werden mit den 
Dämonen ihre Strafe empfangen am Tage des Gerichtes. Jenes 
Orakel des Nimrod aber hat (142) keiner von den rechtgläubigen 
Lehrern verworfen, denn auch diese haben es benutzt. Die Perser 
aber nannten es Orakel, und die Eömer Astronomia". 

Den Inhalt jenes Orakels selbst erfahren wir aus Salomon, 
dem Metropoliten von Ba9ra (um 1222), der vielfach aus sehr 
alten Quellen schöpfte und in seiner „Biene" Kap. 37 folgende 
„Prophezeiung des Zarä<5öst über unsern Herrn" mitteilt ^) : 

„Dieser Zarä^öst ist Barü;^ der Schreiber. Als er an der 
Wasserquelle Glösä von Hörin sass, wo das königliche Bad errichtet 
worden war, sagte er zu seinen Schülern, dem König Gusnasp 
und Säsän^) und Mahimad: Höret, meine Söhne und Geliebten, 
denn ich will euch ein Geheimnis offenbaren über den grossen 
König, der künftig in der Welt aufstehen wird. Am Ende der 
Zeit und bei der Endzerstörung wird ein Kind im Schosse einer 
Jungfrau empfangen und in ihren Gliedern gebildet werden, 
ohne dass ihr ein Mann genaht ist". Es wird alsdann seine 
Kreuzigung, Erhöhung und Wiederkunft verkündet. Darauf fragt 
Gusnasp: „Dieser, von dem du diese Dinge sagst, woher hat er 
seine Macht? Ist er grösser als du? oder bist du grösser als 
er?" Zarädust erwidert: „Er ist aus meinem Geschlecht ent- 
sprossen. Ich bin er, und er ist ich, und er ist in mir und ich 
in ihm. Wenn sich der Beginn seiner Ankunft zeigt, werden 
Zeichen am Himmel gesehen werden , und sein Licht wird das 
des Himmels übertreffen". Er ermahnt seine Schüler sodann, auf 
diese Zeichen zu achten, und wenn der Stern erscheine, Gesandte 
mit Geschenken an ihn zu schicken. „Dieses sind die Dinge, 
welche von diesem zweiten Bal'am gesagt wurden, und Gott hat 
ihn nach seiner Gewohnheit gezwungen, dies zu verdolmetschen; 
oder er stammte aus einem Volke, das mit den Prophezeiungen 
über unsern Herrn Jesus Christus bekannt war, und zeigte sie 
vorher an". 

Die geheimnisvolle Prophezeiung des Zarädust bezog sich also, 
wie man sieht, auf die Geburt des Sausjant vor der Welterneuerung 
am Ende der Tage ^). Am Ende eines jeden der drei letzten Jahr- 
tausende der Welt wird eine im See Käsava in Sagistän badende 
Jungfrau schwanger von dem dort aufbewahrten Samen Zara?9'ustras. 
So werden Uxsjat-drHa ^ Uxsjat-ndmö und Saosjant geboren wer- 
den, von denen jeder am Ende seines Jahrtausends die in Ver- 



1) The Book of the bee, ed. E. A. Wallis Budge S. .^ = 
81 der Übs. 

^) V. 1. ^^Xk^CD. 

^) S. bereits Ernst Kuhn, Eine zoroastrische Prophezeiung in 
christlichem Gewände. Festgruss für Roth S. 217 ff. 



10 J, Marquart, 

fall geratene Mazda - Religion wiederherstellen wird. Der letzte, 
Saosjant, wird die Auferstehung und das mit der Welterneuerung 
und der Ausrottung des Bösen beginnende selige Zeitalter herbei- 
führen^). Diese Lehre der Magier kannte schon Theopompos (fr. 71 
bei Laert. Diog. prooem. p. 2), und es spricht nichts dagegen, 
dass die Sage von der wunderbaren Geburt des Saosjant ebenso 
alt ist. Die Christen haben diese Kunde, wie schon E. Kuhn 
(a. a. 0. 219 f.) vermutet hat, wohl der apokryphen Schrift 
Hystaspes entnommen, welche, wie wir aus Justin und Lactantius 
schliessen dürfen, sicher die Prophezeiung vom Ende der Welt 
enthalten hat^). Wie die Schatzhöhle selbst angibt, war jenes 
Orakel des Nimrod schon früher auch von orthodoxen Theologen 
benutzt worden. Seine Aufnahme durch die Christen setzt aber 
voraus, dass zur Zeit derselben noch chiliastische Hoffnungen und 
Erwartungen weite Kreise beherrschten. 

Unter dem König Gusnasp ist natürlich Gustäsp (lies 
. o>or> K A <^ - ) oder Wistäspa, der Beschützer Zarai9ustras zu ver- 
stehen. Die Quelle Glösä de-Hörin ist offenbar identisch mit 
dem See Okras, an welchem Nimrod den Jöntön traf und dessen 
Unterweisungen genoss. Wahrscheinlich ist davon aber auch die 
Quelle, welche Sisän nach dem nur in A sich findenden Zusatz 
in ÄJorbaigän entdeckt, nicht verschieden. Das an derselben auf- 
gestellte und göttlich verehrte weisse Ross ist ohne Zweifel ein 
Symbol des Feuers Xtur-gusnasp (Hengstfeuer), d. i. des Blitzes, 
das in Ganzak (Tacht-iSulaimän) östlich vom Urmiasee, der süd- 
lichen Hauptstadt von ÄJorbaigän verehrt wurde. Die genannte 
Quelle kann also kaum etwas anderes sein, als der innerhalb der 
Stadt Ganzak gelegene See Caecasta (Cest)^ nach welchem die 
Stadt bei den Arabern ix^il genannt wird'^). 

Wie hier erscheint Wistäspa auch in der romantischen Ge- 
schichte aus Chares von Mitylene (bei Athen. 13, 35 p. 575) als 
König von Medien bis zu den kaspischen Thoren. Mahimaö 
ist ohne Zweifel Zarai^-ustras leiblicher Vetter und erster Schüler 
MaiSjöi-mänha, der Spitäma (Jas. 51, 19; jt. 13, 95). Man hat 
also o^Ä*^Ä zu schreiben für ^^o^>D • Unter noon oder ort^on 
kann dann nur Gämäspa (Jasna D9gä7näS2ja) der Sohn des Hwogwa 
verstanden werden, der weise Minister des Wistäspa, der erste am 
Hofe des Wistäspa, der die neue Lehre annahm und welchem 



1) Vfrl.Darmesteter, LeZendavestan521 n.ll2, HIp.LXXIX; 
Bundah. XXXn, 8-9. 

2) Justin, apol. 1, 20. 44; Lactant. Inst. VH 16. Vgl. Windisch- 
mann, Zoroastrische Studien 293. 

'^) Vgl. G. Hoffmann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer 
248. 250 ff. Bei Tab. I lli, 12 cod. Tn heisst der See c>.avL> ^j = 
War-i CeSt. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 11 

Zarat^ustra seine Tochter Pouruöista vermählte (Jasna 46, 17. 
49, 9. 51, 18.; jt. 5, 68. 13, 103. 23, 2. 24, 3). In der Schatz- 
höhle S. ll^A, 2 = 31 erscheint Slsän^) als Minister des Nimrod 
und erhält den Beinamen J^qjd) „der Weber". Wie Sisän in der 
erweiterten Recension der Schatzhöhle in ÄJorbaigän auftritt, so 
lässt Mas'üdi (Murüg II 127) den Gämäsp aus Ä<5orbaigän stammen: 
„Nach dem Tode des ZaräJust nahm der weise Gämäsp-) seine 
Stelle ein, der aus A^orbaigän stammte. Er war der erste 
MöbaJ, der nach Zarä(5ust unter ihnen auftrat, indem ihn der 
König Bistäsp für sie bestellt hatte". 

Jetzt ist es auch möglich , den Namen des dritten Magier- 
königs zu erkennen. Der Priester \ml\^ ist natürlich kein anderer 
als ZaraOustra^ und die Änderung in ;.aL^>/, ^^->jl und A.i:o.t 
bei A und dem Araber rein willkürlich. Die nächstliegende Ver- 
besserung ist jtjij , vgl. die armenische Form Zradast aus *Zura- 
dast und die Verderbnis von ji^^^::i.v Ähdagases in ^^j^2i\, (Vater 
des *AwTJä) und] %ji^\. , ^^Jt^.^ in der Addailegende ed. Phillips 
p. 18, 4. Allein mit diesem Namen hängt der des dritten Magiers 
aufs engste zusammen: 

s. i^n, 11 ;^?j/'), A jv^p/. 

S. Iva, 13 B JOJI-», S ho)\s, VA lOjJp. 

S. rA, 13 B ;jt;^, S ;jL)J, V ;jtp/, A \^^^i . 

Nun hat bereits Cureton (Spicil. Syr. 81) bemerkt, dass Theodoret 
den Urheber des hwaetwada&a (der Ehe mit den nächsten Bluts- 
verwandten) ZaQadiiq nennt: ^jlAXd xara Tovg Zagädov ndXai 
Jlkgoai noliTSVÖ^svoi vöfiovg , xai ui^tqccöl y.al c(Se2.q)a7g 
ddewg y.al fievrot y.al ß^vyaTgaov f,iiyvvfievot.^ xal hvofiov 
Ti)v nagavofiiav rofii^ovreg^). Die Namensform Zagddtjg für 
Zara«9ustra begegnet aber auch sonst, so z. B. in den Anathema- 
tismen gegen die Manichäer: dvaß-e^aTi^M Zagddt]v, 6v 6 Mccvtjg 
lieov ikeyB ngo avrov cpavivra nag 'IvSolg xal Ilegöaig, xai 
i)hov aTiexdKsi * avv avrw Se xal rag Zagadeiovg bvo^a^o- 
fiivag sv^dg^). Das Ursprüngliche ist also vielleicht jtOl^j. 
Möglicherweise hat aber die ursprüngliche Quelle mit verschiedenen 
Namensformen abgewechselt: s^Jlj (jlJ^J ?), OJ^j (lioj ?) und jlJ^J. 



1) Ar. ^.^LvU, 



.:>. 



i^?)/ 



) cod. L^ und D ^J/»L«Li>, ed. ^_^LiL3», lies y.*-UL: 

) Die Varr. des Arabers führen auf ,L:>-;jj ♦»^^^j j^^^jh' 



*) 'EXIv"- nad'r]fj. d'Eoaitf.vxiv.i}. Ilepi v6iio)v &' ed. Gaisford p. 351. 
5) S. Windischmann a. a. 0. 264 N. 3. 



12 , J. Marquart, 

de Lagarde, Mitteil. III 72 f. hat also mit Eecht gegen 
die Identifikation der drei Magiernamen mit denen der sasanidischen 
Könige Jazdegerd II. , Hormizd III. und Peröz (438 — 484) ^) 
protestiert. Freilich sind seine eigenen Winke noch viel bedenk- 
licher und reine Irrlichter. Er erwartet für „Jazdegerd" einen 
äthiopischen Namen-, und sieht in den Magiern die Vertreter von 
Sem, Cham und Japheth. 

Jetzt kann es uns nicht mehr schwer fallen, auch die übrigen 
Magierverzeichnisse zu analysieren und in ihre Elemente zu zer- 
legen. Man findet sie zusammengestellt bei Albr. Wirth, Aus 
orientalischen Chroniken S. 202 ff", und E. Nestle, Marginalien 
und Materialien S. 67 ff. 

Nach dem syrischen Lexikographen Bar Bahlül^) stammten 
die Magier aus Persien, von den Söhnen des 'Elam, Sohnes des 
Sem. Sie waren berühmte Fürsten und vornehme Männer des 
Landes Persien, hatten aber auch viel Volk und eine Geleitstruppe 
von mehr als 1000 Mann bei sich, so dass Jerusalem in Be- 
stürzung geriet, als sie anlangten ^). Bar Bahlül gibt nun zunächst 
zwei Gruppen von Namen der Magier: 



I. 


^0*A ^^rufcm 




^^OO) Hormen 




juu*^ Tahses ; 


lach andern 




IL 


)00O);SlQ >^ Güdafarhöm 




]^^juu*iV Ärtahsast 




Jv2i!^0 Jia^\ Leßü8ä und Älperä. 



Hier ist ohne weiteres deutlich , dass ^ovi^ auf .^< r>o^\ 

(ursprünglich ^;q2>/), den König von Ophir (oben S. 3 u. Anm. 5) 
zurückgeht. Dasselbe gilt für JjCcJ^ (aus j4 nO^\ ) und J *^o>^ 

^lOOj ist einfach Verschreibung für l^jß^oO) = Hormizd^ 
eine Abkürzung von HormizdäJ; aju«J. ist lediglich Verstümmelung 
von J^wjuu^lV -Ärtahsast^ und unter diesem Könige ist der Freund 
des „Gottesvolkes", der Gönner des Ezra und Nehemja zu ver- 
stehen. Den Namen )QOO)V'2>JQ,^ haben wir wohl in zwei Namen 

1) Nöldeke, Lit. Cbl. 1888 Sp. 234. — Als ich die thörichte 
Anmerkung 2 bei Wirth, Aus oriental. Chroniken 203 schrieb, war 
mir die Schatzhöhle nicht zugänglich, und ich kannte die Namen nur 
aus Budge, The book of the bee S. 84 n. 2. 

•^) Ed. Rubens Duval col. 1002 f. 

''^) Dieser Passus findet sich wörtlich schon bei Jakob von Edessa 
(t 708). S. Eb. Nestle, Marginalien und Materialien 71/72. 



t7- 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 13 

;ä1Q,^ und )oooj zu zerlegen. Der letztere erinnert an das 
)0O)0O) ini vierten Verzeichnis, ist aber vielleicht gleichfalls nur 
eine Verstümmelung von Hormizd. 

III. Auf persisch sollen die Namen der Magier lauten: 
Beh-ämad (er kam gut), Züd-ämaö (er kam schnell)^), und 
JDrust-äma8 (er kam heil). 

IV. Zum Schluss gibt Bar Bahlül eine Liste von zwölf 
Namen, die sich auch bei Ps. Dionysius von Telmahre, Dionysius 
Bar9alibT (f um 1171), Michael Syrus und Salomo von Ba^ra und 
in einer „Weissagung des Propheten Daniel" findet 2). Sie wird 
etwa folgendermassen herzustellen sein: 

^) JDo;^QD ;3 ^) jipoioo) / ^I^V *t^ ?Woic» 

Zahrwendäö bar Artaßän ^ Ahdüjäö 

Hormizdäd bar Sanafrüq i Haöwendäd bar Artäßan 

^) VS^JQ,^ V^ ^) . o^ro Kart WeSfäsp bar Gundefar 

^^)jD010^.^» ;3 ^)^Ä'V ^rsak bar Mlhröq 

Diese vier brachten Gold. 

') Var. ^l^O) . 

") Dionysii Telmahharensis Chronicon ed. Tullberg, Upsala 
1849 p. 74. Nestle, Porta linguae syr.^.p. 85. The book of the bee 
p. 93 (= 84 der Übs.). Die armenische Übersetzung des Michael war 
mir nicht zugänglich. Die Liste in der „Weissagung des Propheten 
Daniel" teilt Budge, The book of thc bee p. 84 n. 2 der Übs. mit. 
Ich bediene mich folgender Abkürzungen: 

D = Dionysius Bar^alibi. 

Dion. = Ps. Dionysius von Telmahre. 

Dan. = Weissagung des Daniel. 

BB = Bar Bahlül. 

S = Salomo von Ba^ra. 

"^) S J^O^j , Dan. J^O*^-»J , D I^JOJOJ . 

^) D ^iV, Dan. ^p^lJQjO. 

5) Dion. JpO^OO), D om. 

^) So S cod. C; V. 1. J30;^<-.flD, vvpV^OD, Dan. vnO'^OD, 
om. D. 

') D BB ^NjlO , Dion. vO>jNjlo/ , S ^XmjLQ^, Dan. 

«) D Dion. ;2>JQ^, Dan. JS^JQ^^. 
«) Dan. ^jl;-./. 
'0) Dion. JDOlOJi», BB ^OJO>2D , D ^JCH». 



14: J- Marquart, 

^)^0)^0 *^ ^)ltJOij Zarwandäö bar Warzüö 
O^QQO ;s ^)oo^V ^rihü bar Xesrö 
^)fc\ua** V^ ^)fc^JLÄ-yJjV Ärtahsast bar Hawllad- 
')v^VJuJt ;:i ''O O^I^^ofc^A./ Ästön^ahddan bar Slsrön 
Diese vier brachten Myrrhen. 

^))00)00) 4^ ^)JD0^0J*»» Mthröq bar Höhäm 

^^)^->. v^ ^^)jl;-ju*/ Ahslres bar Qalihän 

^^)^\,-2i V^ ^''^)ww.jji. Qardefnäh bar Baladän 
o 
* . ^^)v ^^ ;^ ^^)^1o;iO Merödax bar Baladän 

Diese vier brachten Weihrauch. 

Woher PF^'vi{äs^ (Gustäsp) und Gundafar stammen, haben wir 
bereits gesehen, ebenso kann über die Herkunft des Hormizdäc)' 
kein Zweifel bestehen: es ist der erste der drei Magier in der 
Schatzhöhle. Dann erkennt man aber unschwer, dass j^oiO)) zu- 
nächst nach Nr. 5 zurechtgemacht ist aus i^050) (BB) und dieses 



1) Dan. J|JO^O)j , Dion. BB ^JOIj , D ^JOJj . 

2) S V. 1. JJOIO» JOJOIO, Dau. jO^O , D J^O, Dion. JOJO , BB 
♦J^O^O, V. I. jJO^O. 

«) S oo^^w/. 

*) S Dan. Dion. ^jua^V , D h^Mu^h/. 

5) S ^^^Q^, D BB NAo-, V. 1. N^^, Dan. ^^ . 

6) S V. 1. >$P^^jl/, 0^\jo)^/, Dan. ^p\b^/, Dion. D 
BB goZiJNjt/. 

') BB V. 1. >5;ju., D >$;AJt, Dan. ^JO^^. 

s) Dion. JDO^O^, BB )OOJOpa, D jOOJO^. 

») Dion. )Q200O), S )0O)a^ , Dan. )a.O)a^. 
^«) D JtV-wa/, Dion. sJt'tJU./. 
1^ Dan. ^^,, D Jii^j., BB v. 1. >$Cl.., S ^h-. 

12) S Dan. wmSLji., Dion. wm^JVJ oder ww^JI.. 

- O n) O 

13) Dan. ^J^ii^Iii. 
") D BB wjOrtiD. 



15) S ^,\Z», V. 1. vj^-^, '^-::i, D'On. BB D^^^ 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 15 

> 

dem ijovS bezw. i^o;Ä Farr-windäd der Schatzhöhle entspricht. 
Die Willkür, mit der diese Namen mit einander in ein genealogisches 
Verhältnis cresetzt werden, darf uns nicht irre machen. Artabän 
ist wohl der historische König Artabanos II., der Zeitgenosse des 
Gundaphar; Sanatrüq aber ist der armenische König, unter welchem 
die Apostel Thaddaeus^) und Bartholomaeus das Martyrium er- 
litten haben sollen. Sein Name wird in den apokryphen Apostel- 
geschichten meist in greulicher Weise verunstaltet, z. B. Astreges^ 
Astriages und gar Astyages^), bei Salomon von Ba9ra S. ^^J^, 
^AiÄ^OO) u. ä. Er regierte nach Mar Abas von 167 — 196 n. Chr, 
und erbaute sich einen Palast in Mcur oder Mcurk' am Euphrat^), 
in dessen Trümmern späterhin, als man die Pfeiler jenes Palastes 
für die Pforte des Königs der Perser verlangte, eine Säule ge- 
funden worden sein soll mit einer griechischen Inschrift, welche 
ein Verzeichnis der armenischen und parthischen Könige enthielt*). 
Diese Erzählung knüpft an den grossen Streifzug des Königs 
Säpür II. nach dem westlichen Armenien im Jahre 359 an, auf 
welchem derselbe bis nach Mzur , Daranaie und Ekeieac' ge- 
kommen sein soll-^). Das Grabmal des Königs befand sich in der 



*) Mos. Xor. 2, 34; Faust. Byz. 3, 1. Vgl. Dashian, Die edesse- 
nische Abgarsage. WZKM. 1890, S. 144 ff. 

'-*) Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten I 147. 210 ff.; 
II 2, 55. 66 f. 104. Vgl. auch Justi, Iran. Namenbuch 282. 

3) Faust. Byz. 4, 14 S. 115. 

^) Mar Abas bei Sebeos ed. Patkanean S. 1, wo Z. 9 für 
'A IT^f/'^' ^""z."^/' zu lesen ist 7' IT^r/'^ ^utqut^li ^in der Stadt 
Mcur'^. Erst dem Ps. Moses 2, 36 S. 113 ist es vorbehalten geblieben, 
ihm die Wiederherstellung von Mchin (Nisibis) zuzuschreiben, das er 
aus Mar Abas (S. 9, 2. 9, wo zu lesen 7' |r^^'^/«#/ für 7' IT/'^"'^"^) als 
Residenz des ersten armenischen Arsakiden Arsak des Jüngeren kannte. 
„Aber was immer für Thaten des Sanatruk geschehen sein mögen, so 
haben wir doch keine der.^Erwähnung wert gehalten ausser den Grün- 
dungen der Stadt Mcbin (Überarbeitung von Faust. 4, 14 S. 115). Denn 
nachdem sie von einem Erdbeben verschüttet war, liess er sie zerstören 
und prächtiger wieder auibauen und von neuem mit einer Mauer und 
einem Vorwerk umgeben. Sich selbst liess er in der Mitte als Bild- 
säule aufstellen, ^ine Drachme in der Hand haltend, was etwa andeutet, 
dass zur Erbauung dieser Stadt alle Schätze aufgebraucht wurden und 
nur diese einzige übriggeblieben war". 

IT^/*/'^' ist also im Auszuge aus Mar Abas nachträgliche Korrektur 
nach dieser Stelle des Moses. Damit fällt die Schwierigkeit, für Sanatruk 
den Besitz der Festung Nisibis zu erweisen (ZDMG. 49, 650 f.), weg. 

Über Mcur^ arab. j^j«* ^3»'^r^> welches dem östlich vom Euphrat 
gelegenen Teile des Landes Mugri bei Salmanassar II. entspricht, vgl. 
H. Geizer, Georgius Cyprius p. 183 s. Kiepert, Die Landschafts- 
grenze des südlichen Armeniens. Monatsber. d. Berl. Akad. 1873, S. 201. 
Ibn Serapion ed. Guy le Strange. JRAS. 1895, 13. 64. 

^) Faust. 4, 24 S. 141. Vgl. Amm. Marceil. 19, 6, 1, wonach 
Säpür auf diesem Zuge unter andern befestigten Plätzen auch Ziata 
castellum einnahm, syr. ^^) Land, Anecd. Syr. II 61, 12 (Nöldeke, 



16 J- Marquart, 

Festung Ani (Kamacli) am Euphrat, der Nekropole der armenischen 
Könige^), und war so fest, dass es allein der Zerstörung durch 
die Perser entging. 

Suidas hat aus einem unbekannten griechischen Historiker^) 
eine Notiz über unsern König aufbewahrt, die ihn in sehr günstigem 
Lichte darstellt: ^avazQovxfjg ^ÄQfisviMV ßaailevg^ 6g t6 fitv 
öwfia ^vfif4.STQ0V slx^f ^^^ yvcüfiriv 8h. ^kyag hxvyxav^v üg 
änavT a^ ov^ vmOTa dh slg rd 'igya ra TiolifiLa. 
iöoxsi ök xal TOI dixalov cpvXa^ dxQißrig yevia&ccij xal rce 
dg rrjv Slairav lüa xal rolg xQariaroig ' Ekkrjvoov ts xal 
'Pcoficcicüv xsxokccüfievog. 

Ps. Moses Chor. 2, 36 lässt den Sanatruk auf der Jagd durch 
einen Pfeil getötet werden zur Strafe für die Martern, die er 
seiner Tochter Sanducht bereitet hatte. In der That aber fiel er 
im Jahre 196 n. Chr. im Kampfe gegen die Alanen oder Mazk^it^k\ 
die unter ihrem König Wsnasp ISurhap einen Einfall in Armenien 
gemacht hatten ^).'^ Es ist übrigens zu beachten, dass hier Sanatruk 
nicht selbst als einer der Magier erscheint, sondern nur als Vater 
eines derselben. 

Der Vater von Nr. 5, loj^O mit mannigfachen Varianten, 
verdankt seinen Namen dem Magier ioi|«» der Schatzhöhle, d. i. 
ursprünglich Zarädust, aber auch der scheinbar ganz tadellos 
persische Name J^oij Zarwandäd*) ist lediglich aus einer hand- 
schriftlichen Variante jenes JOI)-», Olij zurechtgemacht. Hawila& 
ist natürlich der König des goldreichen Hawila (oben S. 3), 
als dessen Produkte Gen. 2, 11 ausserdem nb'in und der soham- 
Stein genannt werden. Von den Späteren (schon Jos. aQX- 1, 147) 
wird Hawila ebenso wie Ophir nach Indien verlegt. Im zweiten 
Teil des Namens ^jQZiiJONjt/ , < ft^\ bezw. j n-^t erkennen 
wir dann leicht den König von Ophir, -ft4 ftQ>\ bezw. ^^o2)l 
wieder ^). 

Sisrdn ist dem König ^qjlV*jl Slrsdn ^) von Bela* ent- 



WZKM. X 169), später ^]^ ]\cr\.. ^ arab. Sux qao^ , arm. Karherd^ 
das heutige Charput. 

1) Faust. 4. 24 S. 112. Vgl. 3, 12, Agathaug. bei Langlois I 167b. 

-) Petros Patrikios, an den man zunächst denkt, kann es wegen 
des ^vfifiETQov nicht sein, ebensowenig Kassios Dien. 

^) S. meine Chronologie der alttürkischen Inschriften S. 92. Bei- 
träge zur Geschichte von Eran. ZDMG. 49, 649 f. 

1) Vgl. Justi, Namenbuch 383/84. 

^) Doch wäre es auch möglich, dass der in Verbindung mit dem 
Satrapen Sisines von Arbäja genannte '^DTIi^ri'ü ^a&^aßov^arr^g (eig. 
"»^nrnn?:) Ezra 5, 3 zu Grunde läge und die LA. ^jCCijfckJt/ vor- 
zuziehen wäre. 

«) V >5;JUA, A JS.£0, Ar. ^Xav^j. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 17 

nommen, der nach der Schatzhöhle S. iö. , 8 (= 36 der Übs.) sich 
mit dem König Bera' von Sodom, Barsa' von Gomorrha, Jebüs, 
dem König von Damaskus (Darmgsuq) , Boqtor , dem König der 
Wüste und andern Königen bei Melchisedek versammelte und 
demselben die Stadt Jerusalem erbaute (vgl. Gen. 14, 2). Wir 
werden uns also nicht mehr wundern, wenn wir nicht bloss 
Artachsast, den Beschützer Ezras und Nehemjas, sondern auch eine 
Reihe anderer Freunde des „ Gottesvolkes " unter die Magier ver- 
setzt sehen, wie Achslres (Achsawars), den Judenfreund des 
Estherbuches , Qardenäch d. i. ^a^sgSovog (Asarhaddon) , unter 
welchem der Jude Achikar assyrischer Finanzminister wurde und 
dessen Oheim Tobit nach Ninive kam (Tob. 1, 21. 22 ed. Swete), 
und vor allen Merodakh bar Baladän, d. i. pttbi p pNbä ^"in72 
Jes. 39, 1 = 2 K. 20, 12, den chaldäischen König Marduk-abal- 
iddina, den Zeitgenossen des Messiaspropheten Jesaja, welcher an 
den judäischen König ChizqTja eine Gesandtschaft mit reichen 
Geschenken schickte und ihm eine Allianz gegen Assyrien anbot. 
Die Lesart MardUx bar Bei denkt dagegen an den Gott Bel- 
Marduk selbst und passt nicht in den Zusammenhang dieser Liste. 

In J0O1Oj*2O Nr. 9 habe ich schon vor Jahren Mahrawäk 
= aw. Mäß^rawäha erkannt ^). Vielleicht haben wir als ur- 
sprüngliche Lesart jOoiOpiD Manharwäk anzunehmen, was der 
gewöhnlichen Transskription des aw. mäß-ra im Pahlawi, mauß-ar^ 
noch, näher käme. Die richtige Etymologie von )0O)0O) bat 
Justi gefunden^): es ist Hu-wahm = aw. "^ha-wahma „sehr 
fromm*. Das Awesta kennt einen Mäi9rawäka, Sohn des Säimuzi, 
der als aeßrapaiti {herpat) und hamidpaüi bezeichnet und als 
Bekämpfer der Ketzer gepriesen wird jt. 13, 105, ausserdem wird 
ein Wahmae-^äta, Sohn des Mäi^rawäka genannt jt. 13, 115. Diese 
beiden Personen sind in späterer Legende offenbar zusammen- 
gefallen, der Name Huwahm entspricht dem aw. Wahmae^äta „in 
Lobpreis (Gottes von Seiten der Eltern) geschenkt" (Justi). Es 
steht nichts der Annahme im Wege, dass in apokryphen Evangelien 
so gut wie Ma^jamäh (Mai^jöimänha) auch der Aei^rapaiti Mäi9ra- 
wäka in Verbindung mit messianischen Prophezeiungen Zoroasters 
genannt war. 

In OO^V niöchte ich den Namen des Ahnherrn der edesse- 
nischen Königsfamilie, Q^^/ Arjü „Löwe* erkennen^). Dann 
stünde OVOQO Xesrö für ^OöQoriQ (sonst gleich XoaQÖtjg, Chosrau), 
wie nach Prokop. Pers. I 17 p. 85 ein alter König von Edessa 
in der Partherzeit hiess, nach welchem die Landschaft Osroöne 



1) Bei Albr. Wirth, Aus orientalischen Chroniken 206/7. 
^) Iran. Namenbuch 140 a. 

3) The doctrine of Addai ed. Phillips p. 47. Vgl. meine Assyriaka 
des Ktesias S. 515. 

Marquart, Untersuchungen. II. 2 



18 J. Marquart, 

benannt wurde ^). Freilich lautet der syrische Name von Edessa 
^0)1o/ Orhäi^ und Ps. Dionysios von Tellmahre S. 65 nennt 
deshalb als Eponymos der Stadt den Orhäi bar Hewjä. Allein 
dies brauchte den Verfasser unserer Liste nicht zu stören. 

Der Name Ar sah bot sich natürlich von selbst. Dagegen 
möchte ich im Namen seines Vaters jOO^O>-Ä Mlhröq nicht den 
awestischen Magiernamen Mä\Jrawäka erkennen. Vielmehr er- 
blicke ich darin nur eine der vielen Verschreibungen des Namens 
J0o;AiJ2D, vielleicht auf eine Nebenform jOoiO^i-flD *Sanahrük 
zurückgehend 2). 

Es hat sich also herausgestellt, dass der historische König 
Gundafarr in sämtlichen Verzeichnissen den Mittelpunkt bildet, 
auch in demjenigen, welches im Westen die Oberhand gewonnen 
hat und nachweisbar zuerst in den Excerpta Latina Barbari er- 
scheint^), während die übrigen Namen aus verschiedenen Legen- 



^) Vgl. Gutschmid, Untersuchungen über die Geschichte des 
Königreichs Osroene S. 10. 

2) Etymologie und Lautverhältnisse dieses Namens sind noch un- 
klar. Der erste Partherkönig dieses Namens (76 — 67 v. Chr.) wird von 
Ps. Lukian, Makrob. 15 Uivatgonlflg , von Phlegon fr. 12 bei Phot. 
cod. 97 = Müller, FHG. III 606 HivatQovxrig , von Appian Mithr. 104 
UlvtqUt]? genannt. Der zweite Partherkönig S., der beim Partherfeld- 
zug des Trajan regierte und a. 116 n. Chr. vertrieben wurde, heisst bei 
Malalas S. 270 2avccxQOvv,iog (aus Arrian). Der König von Armenien 
endlich, von welchem oben die Rede ist, UccvatQov-arig , wird von Kass. 
Dion 75, 9, 6 als Vater des Ovoloyaiaog (Walars) bezeichnet. Die Syrer 
schreiben JOOV^XCD oder 0\hxCO , die Armenier SanatruJc und die 

persisch-arabischen Quellen 'i. .Liaaw (mit ü) Tab. I aI'» , 6, arabisiert 
^^Jol^. Vgl. Justi, Namenbuch 282. Ps. Mos. Chor. 2,36 S. 114 

leitet Sanatruk vom Namen seiner Amme Sanot und dem arm. turJc' 
„Geschenk" ab. Die ursprüngliche Sage sprach aber offenbar von 
einer von den Göttern gesandten weissen Hündin, welche das Kind in 
Obhut nahm, woraus erst der Rationalismus des Moses eine Frau ge- 
macht hat, wie Her. a 110. Dies setzt eine Nebenform *san- ,Hund' zu 
aw. span- (gen. süno) voraus, wie np. iJ>.-w zu med. öTtdxa, späh (Hamza 
bei Jäqüt III ft, 17 ff. = I n^ 21 ff.), skythisch 67tdya bei Hesych.: 
Ttayairi ■avcov cnvd'iGzl, wofür zu lesen: (o)7tdya- j] xvcov 6%. 

^) Bei Schöne, Eusebii Chron. I App. p. 228: Magi autem voca- 
bantur Bithisarea Melichior Gathaspa. In diesem Gathaspa hat be- 
kanntlich zuerst Gutschmid, Die Königsnamen in den apokryphen 
Apostelgeschichten. Rh. Mus. 1864 S. 162 = Kl. Sehr. II 334 den Gunda- 
farr erkannt. Der Armenier Wardan folgt derselben Tradition; bei 
ihm heissen die Magier: 

Melk'on der Perser; 

^iuuiinuM[i Daspar (v. 1. ^uiptuuuiuiii Daraspar) der Inder; 

Baldasar Arab. 
Es ist zu lesen *\>uMq.äuuu{uMp Qadaspar = FadaanocQ. Vgl. Baum- 
g artner, ZDMG. 40, 508 N. 1. Da in anderen Verzeichnissen einer 
der drei Könige Malachathy Malgalat, Magalach heisst, was nuntius 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran, IQ 

den, namentlich aber aus der Schatzhöhle, zusammengetragen und, 
soweit sie ursprünglich historisch sind, den verschiedensten Zeit- 
altern angehören. Viele Namen sind aber auch reine Erfindung, 
und sämtliche dieser angeblichen Magier sind sehr willkürlich 
geordnet und miteinander verbunden worden. 

Sehr merkwürdig ist es, dass die Addailegende auf die Zu- 
sammenstellung dieser Verzeichnisse gar keinen Einfluss ausgeübt 
hat : weder von Narse, dem König der Ai^'öräje, d. i. dem jüdischen 
König Izates von Adiabene und seinen Fürsten, noch dem später 
an seine Stelle getretenen Abgar Ukkämä von Orhäi findet sich 
in den Verzeichnissen die geringste Spur. Die Erklärung für diese 
auffällige Thatsache muss ich einer andern Gelegenheit aufsparen. 
Soviel aber ist ohne weiteres klar, dass die Thomasakten in Edessa 
weit früher bekannt gewesen sein müssen als die Edessa ursprüng- 
lich fremde Addailegende. 

Hoffentlich bleiben nun die vielgereisten Magier von den 
Geisterbeschwörungen der Theologen und Orientalisten etwas ver- 
schont und dürfen sich der wohlverdienten Ruhe in der rheinischen 
Kathedrale erfreuen. 



2. Alexanders Marsch von Persepolis nach Herat. 

Nach der Verbrennung von Persepolis und der Ernennung 
eines neuen Satrapen von Pars rückte Alexander nach Medien 
vor, wo Dareios, wie er hörte, sich aufhielt. Dareios hatte be- 
schlossen in Medien (Ekbatana) zu bleiben, so lange Alexander 
bei Susa oder Babylon verweilen würde, und dort abzuwarten, 
ob etwa ein Umschwung des bisherigen Glückes Alexanders ein- 
treten würde, aber nach Parthyaia und Hyrkanien und weiter 
nach Baktrien zu ziehen, wenn jener gegen ihn anrücken sollte. 
Während er nun die Frauen und den Tross zu den Kaspischen 
Thoren vorausgesandt hatte, war er selbst mit der Truppen- 
macht , die sich wieder um ihn gesammelt hatte , in Ekbatana 
geblieben. Auf die Nachricht davon zieht Alexander gegen 
Medien und unterwirft auf dem Marsche dahin die Uagai- 
rdxai und setzt über sie einen Satrapen. Als er aber auf dem 
Marsche die Nachricht erhält, Dareios habe beschlossen ihm zum 
Kampfe entgegenzuziehen, da er Verstärkungen von Skythen und 
Kadusiern erhalten habe, lässt er den Tross nachfolgen und das 
übrige Heer gefechtsbereit vorrücken. Am 12. Tage kommt er 
nach Medien (d. h. von Persepolis aus zur Grenze von Medien 



('^NbTs) bedeuten soll, so wird man den Namen Melichior , Melchior 
damit zusammenzubringen und als "nN'^^Nb73 „Bote des Lichtes" (des 
durch den Stern angekündigten Messias) oder „mein Bote ist das Licht" 
aufzufassen haben. Bei letzterer Auffassung würde der Name des 
Magiers eine Art Programm des Lichtkönigs enthalten. 

2* 



20 J- Marquart, 

und Paraitakene). Dort erfährt er, Dareios besitze keine schlag- 
fähige Streitmacht, noch seien Hilfsvölker der Kadusier oder 
Skythen eingetroffen, sondern Dareios habe sich zur Flucht ent- 
schlossen. Darauf rückt Alexander mit noch grösserer Eile vor, 
und als er noch drei Tagemärsche von Ekbatana entfernt ist, 
kommt Bistanes, ein Sohn des Ochos zu ihm und meldet, Dareios 
sei seit fünf Tagen auf der Flucht. 

Dareios hatte also Ekbatana bereits verlassen, als Alexander 
noch acht Tagemärsche von demselben entfernt war, und als 
dieser an der medischen Grenze von dem Entschluss des 
Dareios, zu fliehen, Kunde erhielt, war derselbe bereits seit drei 
Tagen aus der medischen Hauptstadt entwichen. Die medische 
Grenze war also fünf Tagemärsche von Ekbatana entfernt und 
der gesamte Marsch von Persepolis bis Ekbatana betrug 17 Tage- 
märsche. Wie wir unten sehen werden, befand sich die medische 
Grenze wahrscheinlich bei der Stadt Rapsa. Von hier bis nach 
Persepolis rechnet nun die Karte des Castorius 86 Parasangen oder 
12 Tagereisen ä 7 Parasangen, bis Ekbatana aber nur 30 Par. 
oder fünf schwache Tagereisen ä 6 Par.^) Alexander kann also 
bei der Unterwerfung der Paraitaken keinen irgendwie nennens- 
werten Umweg gemacht haben, vielmehr führte seine Route direkt 
durch ihr Gebiet. 

In Ekbatana entlässt Alexander die thessalischen Reiter und die 
übrigen Bundesgenossen in die Heimat und befiehlt dem Parmenion 
mit den Söldnern, den Thrakern und der übrigen Reiterei, ausser 
den Hetairen, am Lande der Kadusier entlang nach Hyrkanien zu 
ziehen. Für Kleitos, der krank in Susa zurückgelassen worden 
war, hinterliess er die Ordre, sobald er von Susa nach Ekbatana 
käme, mit den 6000 Makedonen, die zur Bewachung der in der 
Burg von Ekbatana hinterlegten Schätze aus den persischen Königs - 
Schlössern zurückgelassen wurden, nach Parthien zu ziehen. Er 
selbst aber zog mit der Reiterei der Hetairen, den Aufklärungs- 
und Söldnerreitern unter Erigyios, sowie der makedonischen Pha- 
lanx und den Bogenschützen und Agrianern in Eilmärschen gegen 
Dareios, und erreichte am 11. Tage Ragai, von wo die Kaspischen 
Thore in diesem Tempo in einem Tagmarsch zu erreichen waren. 
Dareios hatte jedoch den Pass bereits hinter sich, doch hatten ihn 
schon viele verlassen und sich aufgelöst , um ihre Heimat zu er- 
reichen, nicht wenige ergaben sich auch dem Alexander. Da dieser 
die Unmöglichkeit einsieht, den Dareios sofort zu ergreifen, so 
hält er in Ragai fünf Tage Rast, um seinen erschöpften Truppen 
Ruhe zu gönnen. 

Plutarch, der hier einer Quelle folgt, weiche die Ergreifung 



^) Über die genaueren topographischen Details kann ich für vor- 
liegenden Zweck auf Tomascheks Abhandlung Zur historischen Topo- 
graphie von Persien I., SBWA. Bd. 102, S. 145 ff. (1883) verweisen. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 21 

des Dareios durch Bessos schon in Ekbatana erfolgt sein Hess, 
und sich auch sonst mit der romantischen Gruppe berührte, in 
Einzelheiten aber noch viel genauer war als diese, erzählt (Alex. 42), 
dass Alexander auf die Nachricht von der Ergreifung des Dareios 
durch Bessos die Thessaler in die Heimat entliess und ihnen noch 
2000 Talente über den schuldigen Sold auszahlen Hess, dann aber 
die Verfolgung fortsetzte, die langwierig und beschwerlich ge- 
wesen sei, da er in 11 Tagen 3300 Stadien durchritten habe. 
Die meisten aber wären ermattet, zumal in der wasserlosen Wüste 
(vgl. Arr. y 20, 1). Allerdings hat die Quelle Plutarchs die 11 Tage 
von Ekbatana bis Ragai und den Marsch von da bis zur Auf- 
findung der Leiche des Dareios zusammengeworfen und rechnet 
jene 11 Tage bis zur Katastrophe des Dareios. Es kann aber 
nicht zweifelhaft sein, dass die Angabe sich ursprünglich nur auf 
den Marsch von Ekbatana bis Ragai bezogen haben kann. Alexander 
hätte also damals täglich 300 Stadien zurückgelegt; der ganze 
Weg von Ekbatana nach Raj hätte, wenn man den Parasang nach 
seinem Normal wert zu 30 Stadien rechnet, 110 Parasangen oder 
15 ^/g Tagereisen ä 7 Par. betragen. 

Allein die arabischen Itinerare bemessen die Entfernung von 
Hamadän nach Raj auf nur 62 (Ihn Rusta 51v, 11 ff.) oder 
64 — 65 Par.^) = 9 Tagereisen ä 7 Par. Alexander müsste also 
einen ganz ungeheuren Umweg, zuerst in nördlicher Richtung etwa 
bis Zängän, und weiter über Kazwin gemacht haben, was um so un- 
erklärlicher wäre, da er doch das grösste Interesse daran hatte, den 
Dareios auf der geradesten und schnellsten Route zu erreichen. Wir 
müssen also zuerst einen festen Massstab für die Märsche Alexanders 
gewinnen. Es ist hier auszugehen von der Lage der Stadt Heka- 
tompylos. Diese lag nach dem Geschichtsschreiber der Parther, 
Apollodoros von Artamita, 1260 Stadien östlich von den Kaspischen 
Thoren (Strab. la 9, 1 p. 514), und diese Angabe wird gestützt 
durch die Lage von TccyT] (so ist zu lesen für TAPH)^ welches 
nach demselben Schriftsteller 2) 1400 Stadien von den Kaspischen 
Thoren entfernt war (Strab. la 7, 2 p. 508), also 140 Stadien nörd- 
lich von Hekatompylos lag. Tage war nach Strabon (d. i. Apollodor) 
eine hyrkanische Königsburg ^) ; Antiochos d. Gr. rückt von 
Hekatompylos, das mitten in Parthyene lag, nach Hyrkanien vor 
und kommt zuerst nach Tayal (Polyb. i 28, 7. 29), das demnach 
bereits zu Hyrkanien gehörte. Hekatompylos muss also in der 
Nähe von Tayai gelegen haben. Die Burg Tdyri , arab. vJsLLil , 
war noch in der altern Chalifenzeit berühmt : es war ein ungemein 



1) Ibn Chordädbih n , 3 ff. Qod. 1*.. , 6 ff. 

2) Dass diese Notiz aus Apollodor, nicht, wie Behr, De ApoUo- 
dori Artamiteni reliquiis p. 11 s. meint, aus Eratosthenes stammt, be- 
weist schon das Verhältnis zu der Entfernung von Hekatompylos. 

^) Über den Beisatz fitxpov vn^g tfjg ^ccldrtrig WQV^Lhvov s. unten, 



22 J- Marquart, 

festes Schloss in Tabaristän, in welchem sich der Spähpet im 
Jahre 141 H. (758/59) vor den Arabern verschanzte i) , und das 
den persischen Königen als ya^ocfvlaxiov gedient haben sollte : 
Manö^öihr soll es zuerst dazu gemacht haben ^). 

Die Lage des Schlosses Tayr} ist uns nun bekannt: es ist 
unzweifelhaft das heutige Täk (bei Melgunoff, Das südliche 
Ufer des Kaspischen Meeres 143 f. Tok)^ 5 miles nördlich von 
Däm^än auf dem Wege in das ' AlTcäsmä-Thal , 5^/2 Farsang sw. 
von Deh-i Mollä^). Daraus muss sich auch die Lage von Heka- 
tompylos ungefähr feststellen lassen: 140 Stadien oder 4^/3 Par. 
südlich von Täk führen uns genau zu den Ruinen zwischen Frät 
und Däm/än (16 + 5 miles s. von Täk), wo General Houtum- 
Schindler (Zeitschr. der Gesellschaft für Erdkunde 1877, 217) 
das alte Hekatompylos ansetzt. 

Völlig abweichend von ApoUodor gibt aber Eratosthenes die 
Entfernung der Stadt Hekatompylos von den Kaspischen Thoren, 
d. h. offenbar vom Beginn derselben, auf 1960 Stadien an (Strab. la 
8, 9 p. 514). Diese Zahl lässt sich kontrollieren durch eine andere 
Angabe, wonach man von den Kaspischen Thoren bis Alexandreia 
im Areierlande d. i. Herät (in runder Summe) 6400 Stadien zählte. 
Da Eratosthenes von Hekatompylos bis Herät 4530 Stadien rechnet, 
so ergäbe sich als Gesamtsumme 8490 Stadien, d. i. gerade um 100 
zu viel. Plin. h. n. 6, 44 (vgl. 61) gibt die Entfernung zwischen 
Hekatompylos und den Kaspischen Thoren nach Diognetos und 
Baiton, den Bematisten Alexanders auf CXXXHI p. an. Da sich 
nun aus dem Verhältnis der weiteren Angaben des Plinius zu 
denen des Eratosthenes ergibt, dass derselbe bei der Reduktion in 
normaler Weise 8 Stadien auf die römische Meile rechnete*), so 
folgt notwendig, dass die Zahl 133 falsch sein muss. Schreibt man 
dagegen CCXXXni p. , so erhält man genau 1864 Stadien^): 
1860 + 4530 = 6390. Bei Eratosthenes ist also 1860 herzustellen, 
und es ist klar, dass er hier einfach den Bematisten gefolgt ist. 



1) Tab. m ii^v, 3. Ihn al Faq. I^i» , 8. 

2) Ibn al Faq. l^L , 8. ^W , 3. Berüni rf 1 , 3 fiF. Manöscihr ent- 
spricht in dieser Sage dem Partherkönig Mithradates I. der Geschichte, 
welcher in Hyrkanien residierte und dort an seinem Hofe den ge- 
fangenen Demetrios 1. Nikator in freier Haft hielt. 

^) S. Tomaschek, Zur bist. Topographie von Persien I 82. 

^) Genau acht Stadien auf die römische Meile ergeben die Strecken 
Alexandreia Areion — Prophthasia (1600 Stadien, 199 mp.) und Ara- 
chotoi — Ortospana (2000 Stadien, 250 mp.). Für die Strecke Heka- 
tompylos — Alexandreia Areion (4530 Stadien, 575 mp.) dagegen würde 
man 565 mp. erwarten, und die 565 mp. von Prophthasia nach Ara- 
chotoi setzen 4520 statt 4120 Stadien voraus. 

^) Dagegen sagt Amnüan 23, 6, 43: et Hecatompylos , a cuius 
finibus per Caspia litora adusque portarum angustias stadia quadra- 
ginta numerantur et mille. Diese würden 130 mp. entsprechen. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 23 

Für dieselbe Strecke, d. h. vom Beginn der Kaspischen Thore 
bis Däma;'än, rechnen nun die arabischen Geographen 46 Para- 
sangen (s. u.) oder 6^/2 Tagereisen zu 7 Par. Stellt man also 
beide Angaben einander gegenüber, so ergibt sich, dass hier der 
arabisch - persische Parasang = 40,435 Stadien der Bematisten 
ist. Das hier zu Grunde gelegte Stadion kommt also dem des 
Eratosthenes (= 157,5 m.), welcher 40 Stadien auf den ägyptischen 
Scheines von 6300 m. rechnete i), äusserst nahe. 

Die 1260 Stadien des ApoUodoros von Artamita dagegen er- 
geben genau 42 Parasangen zu 30 Normalstadien. Wendet man 
nun diese Erkenntnis auf den lltägigen Marsch von Ekbatana 
nach Ragai mit einer Länge von 3300 Stadien an, so ergibt sich 
als dessen wirkliche Länge 81^/2 Par. d. i. 11^/2 gewöhnliche 
Tagereisen ä 7 Par. gegenüber den 62 oder 64 — 65 Par. der 
arabischen Geographen. Die heutige Route von Hamadän nach 
Teheran beträgt sogar nur 188 Miles = 47 Par. (Houtum- 
Schindler, Zeitschr. d. Ges. für Erdkunde 1879, S. 114). Die 
damalige Route müsste also thatsächlich einen beträchtlichen Um- 
weg von 16 — 19 Par. gemacht haben, da man sogar von Hamadän 
über Qazwin nach Raj nur 40 -1 27 = 67 Par. rechnete.-) 

Die Karte des Castorius rechnet von Hecantopolis d. i. ^Ex- 
(ßcCT)ava 1] 716hg nach Europos (Raj) , wenn die Zahlen richtig 
überliefert sind, 92 Masseinheiten. Tomaschek sieht darin 
Parasangen, allein schon Kon r ad Miller, Die Weltkarte des 
Castorius 109 hat Zweifel hieran geäussert und vermutet, dass 
wir vielleicht den Scheines des Isidor von Charax = 25 Stadien 
= 3 rem. Meilen zu Grunde zu legen haben. Gehen wir nun 
mit Tomaschek davon aus, dass die 80 Scheinen des Isideros 
für die Strecke von Xccla (Holwän) bis Hamadän den 61 Para- 
sangen der arabischen Itinerare ^) für dieselbe Strecke entsprechen, 
welch letztere Zahl auch die Quelle der Karte des Castorius ge- 
beten hatte, so ergeben 92 Scheinen gerade 70 Parasangen = 
2835 Stadien, oder 10 gewöhnliche arabische Tagereisen ä 7 Par., 
11^2 kleine Tagereisen ä 6 Par. Damit ist M i 1 1 e r s Vermutung 
aufs glänzendste bestätigt. Die Reute führte wohl zuerst nord- 
östlich durch die Landschaft ^lyQiavi]^)^ im Mittelalter Charrakän 



*) Vgl. Fr. Hui t seh, Griechische und römische Metrologie^ 60 f. 
und N. 6. 

2) Ibn Chord. h, 12. {*!*, 9. Ibn Rusta \% , IL i1i , 2. 

3) So Ibn Chord. H, 8fF. H, SflP. Bei Ibn Rusta ilö, 7 ff . sind 
mehrere Zahlen in Unordnung. 

*) Vgl. Strabon toc 13, 8 p. 525: do-att 6h aiyiGxov slvai iiiiTcog 
ri)? MriSlccg tb anb tf]g rov ZdyQOv vnsQd'BGaas, i^TtSQ -Kalsltai MtiSi-kt] 
Ttvlri, slg KccöTtiovg nvXag ^La tf]g ZiyQiavfig Gtadlcov tstQa%L6xdl(ov 
ky,ax6v. Die ganze Entfernung vom Passe von Holwän bis zu den 
Kaspischen Thoren wird also hier auf 4100 Stadien = 136 Parasangen 
zu 30 attischen Stadien geschätzt, wovon nach ApoUodoros von 



24 J« Marquart, 

(jetzt Kara;/än), nach Kazwln, und von da so. nach Ragai. Die 
auf der Tabula 50 {(J^olvoi) d. i. 38 Par, von Hamadän ver- 



Artamita 500 Stadien =16 Par. ä 30 Stadien auf die Strecke von 
Ragai bis zu den Kaspischen Thoren entfallen (s. o.). Die arabischen 
Geographen rechnen für diese Strecke 18 Parasangen oder zwei Tage- 
reisen (s. u.). Da nun an der zweiten Stelle Apollodoros von Artamita 
ausdrücklich citiert wird, so ist es mehr als wahrscheinlich, dass auch 
die erstere Angabe über Poseidonios auf ihn zurückgeht, was schon 
aus dem angewandten Massstabe zu schliessen wäre. Die nach Abzug 
jener 500 Stadien übrigbleibenden 3600 Stadien ergeben 120 Parasangen, 
die sich aufs genaueste mit den Angaben der arabischen Geographen 
decken: von Mäh - Druwäspän .Ia^wI^.oL« (nach einem Perser Mäh- 
Drmoäsp u^i^wwl^jOL* , Dihqän von Bäbil Mahrüd a. 76/77 H. benannt, 
Tab. II 1i1 , 10. '\ff, 4), dem ersten Orte jenseits des Passes von Holwän, 
bis Raj rechnet Ibn Chordädbih 57 + 64 = 121 Par. (Ibn Chord. i1, 8 ff. 
vgl. Qod. Ha, 4 ff. Ibn Rusta Hö , 7 ff . Moq. i^o , 6 ff.). Apollodor 
kannte also bereits dieselbe Strasse, welche später die arabischen Geo- 
graphen beschrieben haben. 

Die Landschaft SiyQiavri wird bei Ptol. 6, 2 p. 391 f. I^iyQLaviv.ri 
genannt. Es heisst hier in der Beschreibung Mediens: (y,axi%ovai) ta 
lihv ccvcctoXiyimtSQa tov Zdygov OQOvg ^JayccQtLOL, fisd'' ovg iyttstatai 
y^^XQi- rfjs IlaQ&Lag i] XoQoybiQ'Qrivi] ccQzn'KcottQav i%ov6a tr]v 'EXv^cct^cc 
(1. JsXv^a'ida), rig ta ^hv TtQog avatoXag 'nati^ovai Tcctcovqol' caih 8\ 
^söT^lißgiag elöl tfjg Xcogo^iid'Qrivfjg ot ts 2idiY,Bg xal i] Siyqiav iy.r] 
Y.al 7] ^Pccyvavri. Die ZayäQXioi stammen aus veralteter Quelle und sind 
richtig bei Arbela und weiter östlich anzusetzen (s. meine Untersuchungen 
z. Gesch. von Eran I 60 N.). Unter XcoQo^iiQ'Qrivri kann im Sinne des 
Ptolemaios nur die Elburzkette verstanden werden, die sonst den Namen 
nagaxodd'Qag (bei Ptol. TlaQxodd'Qag) führt, JtXv^atg d. i. Delum bildet 
eigentlich nur einen Teil derselben. I^LygiccvL-at] entspricht wohl un- 
gefähr der heutigen Provinz Kazwln , dem Dastaba (pers. Dast-i paj 
„Ebene am Gebirgsfuss") der Sasaniden- und älteren Chalifenzeit. Die 
Eidi-Ki-g sind dann wohl weiter westlich zu suchen. 

Die Landschaft ZiyQiavri bezw. Ziygiarfuri verdankt ihren Namen 
wohl ebenfalls einem Volksstamme. Plinius h. n. 6, 118 erwähnt nämlich 
in anderer Gegend zwei Volksstämme Silias und Sürae nebeneinander, 
deren Namen unmittelbar an die Zi8iy,£g und die Landschaft Ziygiavti 
erinnern. Der Text lautet: „Gurdiaeis vero iuncti Azoni, per quos Zerbis 
fluvius in Tigrim cadit, Azonis Süices montani et Orontes, quorum ad 
occidentem oppidum Gaugamela, item Suae in rupibus. Supra Silicas 
Sitrae, per quos Lycus ex Armenia fertur, ab Sitris ad hibernum 
exortum Azochis oppidum, mox in campestribus oppida Diospege, 
Polytelia, Stratonicea, Anthemus". 

Die Sitze dieser beiden Stämme lassen sich nun mit einiger 
Sicherheit bestimmen. Der Zerbis ist der kleine Zäb, kurdisch Zerb 
(Kiepert, AG. § 128 N. 3. Nouvelle carte generale des provinces 
asiatiques de l'Empire ottoman, 1883), dessen beide Hauptquellflüsse 
weit von einander entspringen. Der eine, Kelur genannt, kommt aus 
der Landschaft Lähigän , fliesst südöstlich und vereinigt sich unweit 
Alot mit dem Fluss von Bänä (Berözä), und strömt nun nach Westen. 
Der südlichste Hauptarm entspringt auf der Ostseite des Awroman-dagh 
und vereinigt sich mit dem nördlicheren Öämi-Qyzylgik, der einen nörd- 
lichen Nebenfluss, den Sirwänfluss, aufnimmt, in der Nähe von Machüd ; 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 25 

zeichnete Station Spane fällt wohl in die Nähe von Kazwin. Was 
nun die für den Marsch Alexanders angenommene Summe von 
3300 Stadien anlangt, so ist zunächst zu betonen, dass Plutarch 



der vereinigte Südarm, auch Siwäbfluss genannt, vereinigt sich alsdann 
mit dem Kelur oder Altun-su bei Sinek (Gr. Ho ff mann, Auszüge aus 
syr. Akten pers. Märtyrer 267 f.). Über den Azoni sitzen die Silices 
und Orontes, und westlich von diesen ist Gaugamela am Gömalfluss, 
dem westlichen Hauptarm des Chäzir, bei den Alexanderhistorikern 
Bov^coSog (Arr. y 8, 7) oder Bumelus (Curt. 4, 9, 10). Der Gömalfluss ist 
benannt nach einem grossen Dorfe Gaumal der Provinz Margä im NO. 

des Elfefgebirges , bei Jäqüt J^^^ , bei Thomas von Marga, The Book 
of Governors ed. E. A. Wallis Budge p. 164, 1 (mir nicht zugänglich) 
Gögmal (vgl. G. Hoffmann, Auszüge 194. Th. Nöldeke, Lit. Chi. 
1893. Sp. 1752). Es ist ohne Zweifel identisch mit Tel Gömel, nördlich 
vom Gebel Maqlüb, auf Kieperts Karte. Die Orontes und Silices 
sind also östlich vom Chäzir anzusetzen, und zwar letztere wohl noch 
über den grossen Zab hinaus. Suae ist. wie der Satzbau an die Hand 
gibt, ebenfalls eine Stadt, und wohl identisch mit Zovga bei Ptol. 6, 1 
p. 389, 14 unter 83» L. 46» 40' Br. 

Der Lycus ist der grosse Zäb (Arr. y 15, 4). Derselbe fliesst zuerst 
südlich durch die Landschaft Albäg, nimmt dann den Nehib-cai auf 
und fliesst nun sw. an öülamerk vorbei. In der Landschaft Tijäri 
wendet er sich östlich, nimmt den von Amädlja kommenden Ghärafluss 
und bei Rizän den durch die Vereinigung der Flüsse von Semdinän 
und Nauca gebildeten Fluss von Sirwän, endlich im Gebiete der ZibärT- 
Kurden den Rawändiz-cai auf, dann schlägt er wieder eine südwestliche 
Richtung ein. Die Sitrae sind also nach Plinius in dem thatsächlich 
ehemals zu Armenien gehörigen Ursprungsgebiet des Grossen Zäb, der 
Landschaft Albäg (armen. Gross- Albak, dem heutigen türkischen vLil 

entsprechend, und Klein-Albak mit dem Hauptorte Gülamerk) zu suchen. 
Die Namen Zl^Ltieg und I^iyQiaviy.ri südlich von X(OQ0[Li%'Q7\vr\ 
sind offenbar von den Silices und Sitrae des Plinius (d. i. ElÄlKEE 
und 2:iTPAI, verlesen für ZIJIKE2J und ZIFPAI) nicht verschieden. 
Wir haben aber nicht den geringsten Anhalt zu der Annahme, dass 
die Sitze dieser beiden Völkerschaften sich ununterbrochen vom Strom- 
gebiete des Grossen Zäb bis an den Elburz erstreckt hätten. Vielmehr 
werden wir uns daran erinnern müssen, dass nach Strabons Aussage 
Abteilungen der Amarder, Tapuren, Kvqxlol und anderer Nomaden- 
stämme sowohl im nördlichen Atropatene als im Zagros und Niphates 
(armen. Npat) sowie in Pars zersprengt wohnten (toc 13, 3 p. 523). 
Marder kennt auch Ptolemaios in Armenien (5, 12 p. 360, 12) und nach 
ihnen ist die Landschaft Mardastan in der Provinz Waspurakan be- 
nannt (Ps. Moses Geogr. ed. Soukry p. 32). Ebenso gab es Asagarta 
in der Gegend von Arbela und im Osten. Und in welcher Weise die 
ehemals weit verbreitete Nation der Matiener, nach denen der See von 
Urmia im Altertum den Namen „der mantianische" erhielt, in histori- 
scher Zeit zersprengt war, hat jüngst Th. ßeinach lichtvoll aus- 
einandergesetzt (Revue des etudes grecques 1894, 313 — 318). Wir werden 
also in den Silices und Sitrae (r. 2lyqccl) des Plinius am Grossen Zäb 
und den HiSinss und den Einwohnern von ZiyQiavL-Kri südlich von 
X(OQ0^i%'QrivYi (Elburz) je zwei von einander räumlich getrennte Ab- 
teilungen derselben Völkerschaften zu erkennen haben. 



26 J« Marquart, 

hier einer Quelle der romantischen Klasse folgt, die jene Zahl 
wohl kaum aus den ßrjpLccTiarai geschöpft haben wird. Sie wird 
vielmehr einfach auf die Weise entstanden sein, dass der Verfasser 
den Tagemarsch durchschnittlich zu 300 Stadien annahm. Viel- 
leicht sind aber in jenen 11 Tagen auch noch mehrere Rasttage 
enthalten. Noch einfacher wäre die Differenz zwischen Plutarch 
und der Tabula zu erklären, wenn wir annehmen dürften, dass 
Alexander unterwegs noch Kämpfe zu bestehen gehabt hätte, wo- 
durch Abweichungen von der Heerstrasse unvermeidlich gewesen 
wären. Freilich ist davon nichts berichtet. Ich glaube aber trotz- 
dem, dass wir an der Identität der Route Alexanders mit der der 
Tabula nicht zu zweifeln brauchen. 

Fassen wir nun das Resultat unserer bisherigen Untersuchung 
zusammen, so ergibt sich uns, dass Alexanders Marschleistungen 
wohl den Hellenen, die an Märsche von nur 150 Stadien und 
Tagereisen von 200 Stadien gewöhnt waren (Her. s 53. 8 101)^), 
als Wunder der Schnelligkeit erscheinen mussten, und auch uns 
noch in Anbetracht des zu durchziehenden schwierigen Terrains — 
der Weg führte teilweise durch wasserlose Wüste — und der 
Jahreszeit hohe Achtung abnötigen. Allein vom Standpunkt des 
heutigen preussischen Infanteristen oder gar der arabischen Reiter- 
geschwader müssen sie beträchtlich von ihrem bisherigen Nimbus 
verlieren. 

Kehren wir nunmehr zu Alexander zurück, den wir in Ragai 
verlassen hatten. Hier, in der letzten Stadt Mediens, ernennt er 
den Perser Oxodates (ap. Waorsudäta „von Wachsu geschaffen)" 2) 

1) Vgl. Fr. Hultsch a. a. 0. 51 N. 1. 

'^) Bei Curt. 6, 2, 11 und 8, 3, 17 Oxydates. Justi, Iran. Namenbuch 
233 übersetzt „zum Wachstum geschaffen". Das Wort waxm enthalten 
auch die Namen 'Oi,vä.qxr\is = ^WaxSu-warta „von Wachsu beschützt'^ 
(von W .war „wehren") , sowie der auf einer Groldmünze vorkommende 
Name eines Satrapen "'"lITöm Waxm-warja (Num. Chron. 1879, 8. 
PI. I, 2, von P. Gardner ganz falsch gelesen), der unter Antiochos II. 
Theos (um 250 v. Chr.) wahrscheinlich in Hyrkanien ("11, Abkürzung 
von "plT Wrhän) den Königstitel angenommen haben muss. Der Name 
Waxm-warja bedeutet „erwünschtes Wachstum besitzend". Wachsu war 
der Name des Genius des Wassers (Apäm napät oder ArdwisüraV) und 
besonders des Oxusstromes bei den Chwärizmiern (Berüni ^*l^v) und er- 
scheint als OAX|)0 Oaxso auf einer Kusänmünze bei Cunningham, 
Coins of the Kushans. Num. Chron. 1892, p. 121. PI. XXIII, 12. Vgl. 
die Beschreibung p. 156: „This figure differs entirely from 0X{)0 [Oxso] 
als well as from 0K|)0 [ohso = skt. uksan^ der Nandistier des Siva], 
so that there is no possibility of the legend being blundered. The 
figure is that of an old man holding a long sceptre in his right hand, 
and carrying what looks like a dolphin or fish in his left 
hand. If I could be sure as to the fish or dolphin, I should be 
inclined to accept the figure as the god of the „Oeean" 
[von mir gesperrt]. — Den Namen des Oxus tragen auch die von 
Ptol. 6, 12 p. 422, 28 an die sogdischen Berge versetzten 'O^vdqadvoi 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 27 

zum Satrapen von Medien, das ja nun im Grossen und Ganzen 
für unterworfen gelten konnte, worauf er selbst (vg ^ni JJao- 
Ovatovg zieht. Am ersten Tage soll er bis zu den Kaspischen 
Thoren gekommen sein, welche von jeher die Grenze zwischen 
den Provinzen Medien und Parthien gebildet hatten, am zweiten 
passiert er das Defile und durchzieht das Kulturgebiet von Chwär 
jenseits desselben, das bereits zur Provinz Parthien gehörte^). 

Ibn Chord. H", 12 ff. rechnet von Raj nach Mufaddaläbä^' 
4 Par., dann ^^mi\S Käsp 6 Pars., dann AfrlJln 8 Par. , dann 
Chwär 6 Par. Istachri hb, 3 ff. nennt folgende Stationen: Eaj 
1 Tag Afri^Tn 1 Tag Kuhandih (das alte Dorf) 1 Tag Chwär. 

Auch Ibn Rusta nennt AfrI(Jün unmittelbar hinter Raj. Es 
ist nach ihm 9 Par. von Raj entfernt. Daraus folgt zunächst, 

dass bei Ibn Chord. herzustellen ist: K-ajUS ^^lXj^ü ^Jl ^J\ ^/i*, 

^\ ^\j^\.i. Die Summe von 24 Par. bei Ibn Chord. stimmt zu 

Istachri's 3 Tagereisen, nur dass bei Ibn Chord. grosse Tagereisen 
ä 8 Par. angenommen werden. 

Ibn Rusta ill, 6 ff. beschreibt den Weg folgendermassen : 
„Von Raj nach AfriJün .»^Xj^ü 9 Par. Der Weg führt durch 
das Kulturland von Raj , bis man zum Dorfe Karmäna (Garmäba 
wU J' ?) kommt ; rechts und links vom Wege sind Berge , und 
man kommt an laufenden Kanälen, gegen 80 an der Zahl, vorbei 
— (daher) der Name HastäÖ-rödän (die 80 Flüsse) — die man 
sämtlich überschreitet, bis man zum Dorfe Afrl^ün kommt. Von 
AfrlJün nach Chwär sind zweimal 8 Par. (d. h. 2 Tagereisen ä 
8 Par.) 2). Der Weg führt eine Zeit lang durch Kulturland, dann 
durch Wüste, bis man zu einem Dorfe am Eingange eines Passes 
kommt, das Kesp (1. ^.^^^.^5^) heisst und wo früher die Station 
war. Heutzutage wird aber dort nicht mehr Halt gemacht, sondern 
die Karawanen gehen daran vorbei nach Chwär und marschieren 
durch einen Engpass von 5 Par. Länge". 

Die Entfernung von zweimal 8 Par. zwischen Afrl^ün und 
Chwär stimmt mit dem wiederhergestellten Texte des Ibn Chordär^bih 
überein. Das Dorf .^^^S (ebenso Jäq. IV r^^^ 2) oder Käsp 
am Eingange der 5 Par. langen Kaspischen Thore^) entspricht 



(so 1. mit codd. B E Pal. 1) d. i. *Waxsu-drajana „Anwohner des 
Oxussees" , sowie die Oxyttagae Plin. h. n. 6, 48, bei Solin c. 49, 1 
Oxistacae am See Oaxus. 

^) Plin. 6, 44: Mox eiusdem Parthiae amoenissimus situs qui 
vocatur Choara. Über Strab. ia 9, 1 p. 514 s. u. 

■2) Cod. 4^^i^s &.-<iU:i &.>jiUS Jj.& J| ^^^^lXj^I O"^^' ^^^ 
Ausdruck ist schlecht, kann aber nicht anders aufgefasst werden. 

^) Nach Isidor von Charax , 6xa%'iLol TlaqQ'i'Koi § 7 , hatten die 
Thore ihren Namen von dem Gebirgszug, durch den sie führten. Das 



28 J- Marquart, 

o - > 

völlig dem Kuhan-dih »Js.x^i' des Istachri, sowie dem heutigen 

Aiwän-i Keif, das von Qysläq, dem alten Chwär 22 miles oder 
5^/2 Par. entfernt ist. Zur Zeit des Ibn Rusta hielten aber die 



hier genannte Dorf Käsp oder Kesp hatte noch in der älteren Chalifen- 
zeit den alten Namen bewahrt. Plin. 5, 99 leitet den Namen des Kaspi- 
schen Gebirges von einem Volke der Kaspier her. Dies sind gewiss 
die KdomoL Her. y 92 und Plin. 6, 114: habet ergo ipsa (Media) ab 
ortu Caspios et Parthos. Bei Herodot stehen die KäöTtioi neben den 
Jagaltcci, die nach Ptol. 6, 2 p. 392, 4, wo r] JaQUxig x^Q^ unter dem 
'laöovLOv OQog ö. von ^Payiavt] verzeichnet wird, ebenda anzusetzen sind, 
und den TlavöLTiaL d. i. den 'ATtaOicc-nai , die wir schon um 230 v. Chr. 
in den Steppen westlich vom Oxos finden Polyb. ^ 48, Strab. la 8, 8 
p. 513 (wo auch für ATTAZIOI zu lesen ist AP A2:i[AK]AI) , Steph. 
Byz. s. V. 'AnaöLccKcci, bei Ptol. 6, 12 p. 422, 25 (wo sie aber ganz falsch 
an die oxischen Berge versetzt sind, wie die 'Icctioi und Td%OQOi d. i. 
die Jüe-ci an den nördlichen Abschnitt des Jaxartes) IlccoUai, bei 
Plin. 6, 50 und Mela 3, 39 Pestici, Mela 3, 42 Paesicae. Spuren jenes 
ehemals weitverbreiteten Urvolkes finden wir ferner an der Südwestküste 
des nach ihnen benannten Meeres, am Unterlauf des Araxes, von wo 
sie sich später mehr nach dem Binnenland in die Gegend der Stadt 

P'aitakaran (arab. ..LäXAxJ^) zurückzogen (s. K. J. Neumann, Patrokles 

und der Oxos. Hermes Bd. 19, 173); ebenso weist der Name des Käsp- 
röty des Flusses von Tös-Mäshäd, Bundahisn p. 53, 3 (West, PT. I 
81 f.), jetzt Käsäf-rüd, im Epos Käsak-röt (arab.-pers. ö^^yJS Tab. I 
1.1 , 9. 1a. , 7) auf jenes Volk. Wir finden sie aber insbesondere östlich 
von Baktrien: Her. y 93 steuern sie mit den Saken, tj 67 werden sie 
hinter Gandärern und Ja&Uai (d. i. ^Dadika, Darden) aufgeführt. Sie 
trugen Pelzröcke und führten einheimische Rohrbogen und kurze 
Schwerter als Waffen. Nach tj 86 dienten sie auch als Reiter und 
folgen auf die Baktrier. Sie müssen also damals noch im Besitz von 
Ebenen gewesen sein, und wir werden sie nicht allzuweit von Baktrien 
suchen dürfen. Aus Ktesias erfahren wir, dass sie eine besondere 
Rasse von Kamelen züchteten , deren Haare der milesischen Wolle 
an Zartheit gleichgeachtet wurden, so dass die daraus hergestellten 
Stoffe den Priestern und Vornehmen als Kleidung dienten (ApoUon. 
bist, mirab. 20 aus Ktesias' 10. Buche. Aelian bist. an. 17, 34). Toma- 
schek, Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen Norden 
I 35 (SBWA. Bd. 116, 15, 1888, S. 749) will auch bei Plin. 6, 55 (ab 
Attacoris gentis Thuni et Focari, et iam Indorum Casiri introrsus ad 
Scythas versi humanis corporibus vescuntur) CASPII für CASIRI lesen, 
obwohl letzteres auch 6, 64 in der Schreibung Cosiri wiederkehrt, und 
sieht in den heutigen Buris in den Hochthälern Hunza und Nagar 
nördlich von Gilgit den einzigen Überrest dieser Urbevölkerung. Viel- 
leicht dürfen wir auch in den bei Her. ri 86 neben den Parikaniern 
genannten KdöTtioL, falls die LA. richtig ist, einen nach SO. ver- 
schlagenen Rest derselben Bevölkerung erblicken. 

Ein ebenso versprengtes vorarisches Volk sind die J'apuren. Der 
Alexanderzug zeigt sie uns im Elburz etwa nördlich von Semn n. 
Später nehmen sie auch die Sitze der Marder beim heutigen Amul 
ein (s. u.). Eine andere Abteilung dieses Volkes sass zwischen den 
Hyrkaniern und Areiern (Strab. la 8, 8 p. 514), und an diese erinnerte 
wohl noch der Rustäk Taharän bei Sarachs, sowie labarän oder 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 29 

Karawanen nicht mehr in Käsp, sondern in einem Karwänseräi 
2 Par. weiter westlich , 8 Par. von Afri^ün , so dass die ganze 
Strecke folgendermassen lautet: 



Ihn Chord.: 






Ibn Rus 


ta: 




Raj 






Raj 






Afri^un 


8 


Par. 


Afrl^ün 


9 


Par. 


Mufaddal äbä^ 


4 


it 


Neue Station 


8 


f) 


Käsp (Kuhan-dih) 


6 


•n 


Kesp (2) 1 
Chwär (6) / 


8 




Chwär 


6 


n 


j» 



24 Par. 25 Par. 

MuqaddasT f.., 11 nennt folgende Stationen: Raj 1 Tag 
Kllin ^JL^ 1 Tag Kes ^j^^./ (= Kesp) 1 Tag Chwär, Hier ent- 
spricht also Kilin dem AfriJün der älteren Geographen. Jener 
Ort ist aber heute noch bekannt und liegt gegen Warämin zu, 
woraus sich auch für Afrl^ün eine benachbarte Lage ergibt. Bis 
zum Orte Käsp am Eingange der Kaspischen Thore rechnete man 
also 18 bezw. 19 Par. oder zwei (starke) Tagereisen. Damit stimmt 
die Angabe des Apollodoros von Artamita fast völlig überein, wo- 
nach Ragai von den Kaspischen Thoren 500 Stadien = 16=^/3 Par. 
entfernt war (Strab. la 13, 6 p. 524 fin.). Heute rechnet man 
allerdings von den Ruinen von Raj bei Sah 'Abdul 'Azim bis zum 
Beginn des Sär-darra-Passes nur 52 miles = 14 Par. oder zwei 
Tagereisen^). Die Differenz erklärt sich daraus, dass die von 



Täbarärif die Hauptstadt der Provinz Tös (beim heutigen Mäshäd). 
Vgl. meine Assyriaka des Ktesias 614 N. 383. Unters, zur Gesch. von 
Eran S. 70 N. 76 (Philologus Bd. 55, 238). Sie waren aber ohne Zweifel 
in historischer Zeit überall von den Ariern aus den Ebenen in die ent- 
legeneren Gebirgsthäler zurückgedrängt worden. Auch östlich von der 
Wüste von Margiana waren sie verbreitet (Ptol. 6, 10 p. 418. Dionys. 
7tSQi7]Y. '^^^ ff-) j wohl im heutigen Bädchiz. Nach Strabon La 13, 3 
p. 523 gab es sogar im nördlichen Atropatene Horden dieser räuberischen 
Nomaden, wie auch der Amarder und Kyrtier (Kurden), und es scheint, 
dass auch der Zagros und Niphates versprengte Abteilungen dieser 
Nationen beherbergten, wenn Strabons Ausdruck nicht auf die speziell 
genannten Kvqtlol und Magdot zu beschränken ist: 17 äh nQoadQycnog 
OQSLvr] y.al tga^bla xal ipv^Qcc, Kadovoiav ■Katoiy.iu tav oqelv&v ■nal 
'AiiccQ&ayv yial Tcctivqcov ytcci KvQticov Kai aXXcov toLOvtcov, ot \LStava,6tai 
blül y.al IriGXQi-Koi. xal yccQ 6 ZdyQog %al 6 NirpatTis xatsGTtaQjisva 
i%ov6i td B%'vi] Toj-uro:, ■aal ol iv Tjj Il8Q6idi Kvqtlol lial MaQdoL {y.al 
yccQ ovtco liyovxaL ol "A^aQ&OL) y.al ol iv t^ 'Aq^isvlcc ^bxql vvv ö^co- 
vv^iag 7CqoaayoQ£v6[isvoL xii? avti]g uglv Idiag. Darnach wird man es 
wagen dürfen, auch die von Ptoleraaios 6, 14 p, 427, 19 östlich von den 
TdnovQa ögr] und den ^JvrißoL HyivQ'aL angesetzten TaitovQaloL als einen 
weit nach Osten verschlagenen Bruchteil derselben Nation aufzufassen. 
Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen 
Norden H 51 (SBWA. 1888 Bd. 117, 1) versetzt die TditovQa Öqti nörd- 
lich vom Sir-darjä, vom Kurama-tau bis zum Catqal-tau. 

^) Tomaschek a. a. O. 12. S. 79 dagegen gibt derselbe nur 
44 Miles an. 



30 J- Marquart, 

den arabischen Geographen beschriebene Route eine mehr südliche 
Richtung hatte. Allein schon a priori werden wir anzunehmen 
haben, dass die Route Alexanders eher mit der des Apollodoros 
und der arabischen Geographen als mit der heutigen überein- 
stimmte. Behalten wir nun im Auge, dass des Apollodoros 
1260 Stadien ä Vso P^-r. von den Kaspischen Thoren bis Heka- 
tompylos nur 42 Par. gegenüber den 46 der arabischen Geographen 
und der Bematisten ergeben, so muss auch zwischen den 500 Stadien 
= 16^/3 Par. gegenüber den 18 (19) Par. der Araber ein be- 
stimmtes Verhältnis obwalten. Wir dürfen also für die Bematisten 
18 Par. zu Grunde legen und erhalten so für die Entfernung 
Ragai — Kaspische Thore eine Länge von 720 Stadien. Dass 
Alexander diese an einem Tage durcheilt haben sollte, ist ganz 
undenkbar, und wir müssen anerkennen, dass hier die Angabe 
Arrians falsch ist. Aus den vorangehenden wie aus den folgen- 
den Untersuchungen ergibt sich, dass wir uns von den Märschen 
Alexanders keine gar zu übertriebenen Vorstellungen machen dürfen. 
Auch wenn Alexander diese Strecke in zwei Tagen zurücklegte, 
war dies für eine Armee eine ganz anerkennenswerte Leistung. 
Der zweite (richtig dritte) Marschtag führte nach Tomaschek 
über Chwär bis Aradän und hatte eine Länge von 34 Miles = 
9 Parasangen. 

An der Grenze des Kulturgebiets von Chwär kommen zu 
Alexander Bagistanes^ ein vornehmer Babylonier und Artibelos^), 
einer der Söhne des Satrapen von Babylon Mazdai, und melden, 
dass Dareios von dem Hazarapet Nabarzanes, dem Satrapen von 
Baktrien, Bessos und von Brzavanta, dem Satrapen von Arachosien 
und Drangiana festgenommen worden sei (Arr. y 19 — 21, 1). 

Eine völlig abweichende Darstellung finden wir bei Curtius, 
der hier für uns der einzige vollständige Vertreter der romantischen 
Gruppe ist. Nach ihm hatte Dareios in Ekbatana zuerst be- 
schlossen, nach Baktrien zu gehen, änderte aber dann seinen Plan, 
da er fürchtete, der Schnelligkeit Alexanders doch nicht entfliehen 
zu können, obwohl dieser noch 1500 Stadien entfernt war, 
itaque proelio magis quam fugae se praeparabat 
(5, 8, 1. 2; vgl. 9, 13). Er fordert also in einer Rede seine Leute 
auf, nochmals das Glück der Waffen zu versuchen. Curtius ver- 
legt nun gleich hierher den Beginn der Meuterei des Bessos und 
Nabarzanes. Diese widersetzen sich dem Plane des Dareios, eine 
neue Schlacht zu liefern, und fordern den Rückzug nach Baktrien 



1) Arr. 7 21, 1 'AvtlßriXos, ^ 6, 4 'ÄQtLßoXrig. Das Richtige ist 
'AQtißrilog, Der Name ist babylonisch = Ardu-Bel „Diener des Bei". 
Curtius 5, 13, 11 gibt dem Manne den Namen ßrochubelus, was nicht 
wohl etwas anderes sein kann als ein Schreibfehler für Oroduhelus (vgl. 
Terioltes IX, 8, 9 für Terid(a)tes, TriQiSdxrig Diod. 17, 81, 2. Unter- 
suchungen I 70). Wie rasch übrigens die in Babylon begüterten vor- 
nehmen Perser babyionisiert wurden, dafür liefert eine vom 1. Duzu 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 31 

und die einstweilige Übergabe der königlichen Gewalt an den 
Satrapen Bessos. Da Dareios sich ausser Stande sieht, seinen 
Plan, dem Feinde entgegenzuziehen, auszuführen, so bleibt er zu- 
nächst völlig fassungslos und unthätig in Ekbatana (9, 13). Am 
folgenden Morgen jedoch machen ihm Bessos und Nabarzanes ihre 
Aufwartung und der König lässt sich zur Flucht bewegen (10, 15: 
Alexandri manus, quas solas timebat, effugere properabat). 

Auf dem Marsch gewinnt die Gefahr für den König greif- 
bare Gestalt, vergeblich bittet ihn aber Patron, der Führer der 
hellenischen Söldner, sich seinem Schutze anzuvertrauen. In der 
folgenden Nacht wird er von Bessos und Nabarzanes gefangen 
genommen, mit goldenen Ketten gefesselt i) und auf der Flucht mit- 
geschleppt. Dies geschah nach Justin 11, 15, 1 in vico Parthorum 
Thara. Artabazos mit den treugebliebenen Persern und den 
Hellenen zieht nach Parthiene, die Perser aber, nunmehr führerlos 
und durch die Versprechungen des Bessos geködert, folgen den 
Baktriern und holen sie am dritten Tage wieder ein^). Sobald 
Alexander erfuhr, dass Dareios von Ekbatana aufgebrochen sei, 
gab er den Marsch dahin auf und setzte die Verfolgung energisch 
fort. In Tabai, einer Stadt an der Grenze von Paraitakene, er- 
fährt er durch Überläufer, dass Dareios in wilder Flucht Baktra 
zueile. Certiora deinde cognoscit ex Bagistane Babylonio : <Cnon!!> 
equidem vinctum regem, sed in periculo esse aut mortis aut 
vinculorum adfirmabat (13, 1 — 3). 

Diese Darstellung des Curtius wird man zunächst so ver- 
stehen, dass die Gefangennahme des Dareios auf dem Marsche von 
Ekbatana nach Ragai erfolgt sei. Alexander aber, der nach ihm 
nicht nach Ekbatana gekommen ist, sondern gleich auf die Nach- 
richt von der Flucht des Dareios den Marsch dahin aufgab, hätte 
wohl die direkte Route von Paraitakene nach Ragai über Kasan 
und Qomm eingeschlagen. 

des Jahres IV des Xerxes (Akkasiarsi) datierte Vertragstafel einen 
merkwürdigen Beleg. Es wird auf derselben ein gewisser Kibi-Bel ge- 
nannt, der Sohn eines Persers Mardinija, der bereits selbst auch einen 
babylonischen Namen angenommen hatte (J. Oppert, Revue des 
etudes juives 1894, p. 84). Nichts hindert, in diesem Mardinija den 
bekannten Mardunija, den Sohn des Gaubruwa zu sehen, der uns als 
in Babylonien ansässig, bei dem Aufstand der Babylonier unter Xerxes 
entgegentritt (Ktes. ecl. 21. Vgl. meine Assyriaka des Ktesias 624 f.) 
und in der Schlacht bei Plataiai a. 479 fiel. 

^) Der Satz Ne tamen bonos . . . sequebantur (5, 12, 20) ist an 
falsche Stelle geraten und gehört hinter § 16: rex curru . . . inponitur. 

2) Damit kann nicht der dritte Tag seit der Ergreifung des 
Dareios gemeint sein, sondern nur seit dem Aufbruch von Ekbatana. 
Denn nachdem Alexander von Bagistanes erfahren hat, dass Dareios 
zwar noch nicht gefesselt sei, aber in grösster Gefahr schwebe, legt er 
in zwei Tagen 1000 Stadien zurück und holt die Verschworenen ein 
(13, 6 fi*.). An dem verhängnisvollen Tage, der der Flucht vorausging, 
war Alexander noch 1500 Stadien entfernt (8, 2), am Morgen der Flucht 
aber hatte sich die Entfernung ohne Zweifel bedeutend verringert. 



32 J- Marquart, 

Die Stadt Tabae ist nach Curtius offenbar nicht identisch 
mit dem Orte, wo Alexander zuerst die Flucht des Dareios erfuhr, 
sondern nördlich von diesem zu denken. Nun ist aber TABAE 
eine Verlesung für FABAI, und dieses war die Hauptstadt der 
Landschaft Gabiene, die im weiteren Sinne zur Provinz Paraitakene 
gehörte (vgl. Diod. id- 26, 1. 5. 34, 7) und seit der seleukidischen 
Satrapieneinteilung eine Provinz von Elymaia bildete (Strab. ig 

1,18 p. 745). Gabai entspricht dem arabisch-persischen ^ Gaf, 
der Altstadt von Ispahän, wie C. F. Andreas zuerst gesehen 
hat^). Es befand sich daselbst ein achaimenidischer Palast (Strab. 
le 3, 3 p. 728). Das eigentliche flagaiTaxfjvij, dessen Name sich 
in dem des Distriktes Faraidän (volkstümliche Form Färiä), 
arab. ,.>jjoJ Farldin, einmal auch ..j js-j-si ^) am Oberlauf des 

Zajändä-rüd nw. von Ispahän erhalten hat, erstreckte sich offenbar 
nördlich und nw. von Ispahän. Die Grenze gegen Medien bildete, 
wie es scheint, die Stadt 'Päifja^ welche nach C. F. Andreas 
dem heutigen Gulpäigän (arab. .ii3Lj.:>- OarpäSakän) oder besser 
dem heutigen Sähwärdi im nördlichen Teile des Distriktes Faraidän 
entspricht^). Gabai lag nur gegen Osten in Paraetacene ultima, 
indem schon in der altern Partherzeit die Städte Issatis (Jezd, 
arab. -per. »SiS Ka&a d. i. Haus) und Kalliope den Parthern ge- 
hörten*). Wenn also Gabai in der guten Überlieferung des 
Ptolemaios und Aristobulos genannt war, so kann dies nur in dem 
Bericht über die Unterwerfung der Paraitaken und die Einsetzung 
des Satrapen Oxathres (Arr. y 19, 2) gewesen sein. Nach der- 
selben erfährt aber Alexander zunächst den Entschluss des Dareios, 
eine neue Schlacht zu wagen , und erst an der medischen Grenze 
hört er, dass Dareios sich zur Flucht entschlossen habe. 

Man sieht also, wie sehr die richtige Aufeinanderfolge der 
Ereignisse bei Curtius verschoben ist. Die beiden Überläufer 



^) Bei G. Hoff mann, Auszüge aus syr. Akten per. Märtyrer 
S. 132 N. 1130. 

2) Tab. I \f^> , 9 antworten die Araber den Persern auf deren 
Friedensanerbietungen : „Nie wird zwischen uns und euch Friede 
sein, bis wir den Honig von Afridln essen mit Citronen von Kü-O-ä". 
Dass hier von dem Gau der Provinz Ispahän und nicht von dem 
unten behandelten Dorfe die Rede ist, ergibt sich daraus, dass als 

Heimat des vorzüglichen Honigs, des sogenannten „medischen" (^oUl), 
Ispahän galt (Ibn Rusta Iöv, 4. Ibn al Faq. H^ , 8). 

^) Pauly- Wissowa^ s. v. Andriaka. Vgl. Tomaschek, Zur 
histor. Topographie von Persien I 24 ff. 

*) Plin. h. n. 6, 44: duae urbes ibi Parthorum oppositae quondam 
Medis, Calliope et alia in rupe Issatis. Vgl. 6, 113. Polyb. 10 fr. Vor 
der Eroberung Mediens durch Mithridates I. hatten sie als parthische 
Vorposten gegen das seleukidische Medien gedient. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 33 

BiGtavTig, der dem Alexander drei Tagereisen südlich von Ekba- 
tana meldet, dass Dareios bereits fünf Tage auf der Flucht sei 
(Arr. y 19, 4. 5), und Bayiötdvrjg, der ihm zwei Tagemärsche 
östlich von Ragai die Gefangennahme des Dareios meldet (Arr. y 
21, 1), sind bei Curtius zusammengeworfen, und die Ereignisse 
von der Flucht bis zur Gefangennahme des Dareios, die bei Arrian 
einen Zeitraum von nahezu 30 Tagen in Anspruch nehmen'), sind 
bei ihm ganz dramatisch auf einige Tage zusammengedrängt. Der 
Grund der Verschiebung lässt sich aber hieraus nicht erkennen. 
Dieselbe erklärt sich nur daraus , dass der Verfasser durch 
geographische Vorstellungen beeinflusst war. Die beiden Haupt- 
städte Mediens , Ragai und Ekbatana, sind nämlich bei 
ihm völlig zusammengeworfen. Bei Strabon ig 1 , 17 
p. 744 finden wir sodann folgende Grenzbestimmungen : ravtrj Sh 
{ty TIeQGiöi) öwarcreL r\ IIccQancciirjvri %al rj KoCCaia fjie%QL 
KaöTt Icov Ttvl&v, oQSivcc %ca lrjaTQi%a e^vr]. rrj öe SovcISl 
7] ^EXvfial'g %al avtrj tQcc%eta rj TtoXXrj %al IrjGrQiTii]' tij öe 
^EXvfjicctSi, xa TteQL xov ZdyQov %ccl rj Mrjöla. Den Landschaften 
Paraitakene und Kossaia wird also eine Ausdehnung bis zu 
den Kaspischen Thoren gegeben und nach la 13, 6 p. 524 
bilden Parthyaia, die Berge der Kossaier und die Paraitakener die 
Ostgrenze von Gross-Medien ^). Diese Angaben gehen wohl ohne 
Zweifel in letzter Linie auf Eratosthenes zurück. Dann folgt aber 
unmittelbar, dass die Quelle der Erzählung des Curtius jünger 
als Eratosthenes sein muss, was auf Agatharchides vortrefflich 
passt. Zur Erklärung der hier der Landschaft Paraitakene gegebenen 
östlichen Ausdehnung darf vielleicht an das oben erwähnte AfrT^ün 
zwischen Raj und den Kaspischen Thoren erinnert werden^). Der 
Name .^^^Xj-sI oder ^jlXj-sI geht wohl auf ^para-ita „umflossen" 

zurück, dessen Ableitung Tlaqaixd%ai = para-t(a-7ca (als Volks- 
name) oder TIaQaixa7i7\vri (mit hellenischer Endung) uns in den ver- 
schiedensten Gegenden Irans als Landschaftsname begegnet. Die 
betreffenden Landschaften*) sind sämtlich von zahlreichen Flüssen 
oder Kanälen bewässert. Der Name Äfrldün oder richtiger 
PareSün bezeichnete also wohl ursprünglich das von 80 Kanälen 



^) Flucht 8 Tagereisen von Ekbatana -}- Rast in Ekbatana -f- 
11 Tage bis Ragai -\~ 5 Tage Rast -f- 2 Tage bis zur Ankunft des 
Bagistanes. 

^) tovtoLs TS öi] dcpOQi^stat Ttgbg sco (rj ^sydlrj Mrjöia) xat stt totg 
TIaQ aix ay.r\v olg , ot cvvaTtxo'VGi II^QGcag oqslvoI y-aX avtol yial IrjßtQiy.oi. 

^) Es ist zu beachten, dass die Alexandergeschichte auch einen 
Stamm der Tapuren neben Kossaiern in der Nachbarschaft der Persis, 
also im Zagros kennt (Arr. 7, 23, 1), wodurch Strabons Angabe la 13, 3 
p. 523 (oben S. 29 Anm.) bestätigt wird. Es lag natürlich nahe genug, 
diese Tapuren mit denen nordöstlich von Ragai zu verbinden. 

^) 1) nördlich von Pars, 2) in Drangiana, das spätere Sakenland 
Say,a6xdvr\, 3) am obern Oxos, das mittelalterliche Chottal. 
Marquart, Untersuchungen. II. 3 



34 J- Marquart, 

des Gagamd (pers. HastäJ-rö^än) befruchtete Kulturland südöst- 
lich von Raj ^). Die Schreibung ^juXj-M findet sich bei Tab. I 
t*fr,, 9 auch für den gewöhnlich ^j j^j s genannten Rustäk von 
Ispahän, welcher den Namen der Provinz Uaqaiza'üvivri bewahrt hat. 

Wenn sich aber Paraitakene bis zu den Kaspischen Thoren 
erstreckte und Gabai in Paraetacene ultima lag, so hatte 
Alexander freilich von da nicht mehr weit bis zu dem Orte, wo 
Dareios gefangen genommen worden war. Dieser heisst bei Justin 
Thara und wird als vicus Parthorum bezeichnet. Da Curtius 
die Ergreifung des Dareios bereits in der ersten Nacht nach dem 
Aufbruch von Ekbatana (praktisch = Ragai) geschehen sein lässt, 
so kann unter Thara kaum ein anderer Ort gemeint sein als 
Choara^), die erste Stadt in Parthien (Plin. 6, 44). Freilich 
brauchte Alexander nach Arrian von Ragai bis dahin bezw. zu dem 
3 Pars, weiteren Aradän zwei Tage. Von diesem Gesichtspunkte 
aus erklärt sich die völlige Umarbeitung der ursprünglichen Be- 
richte. Der romantische Bericht hat also den Ort der Ergreifung 
des Dareios mit der Stadt, in deren Nähe Alexander von derselben 
benachrichtigt wurde, verwechselt. Trogus schrieb wohl OHARA, 
und eine ganz ähnliche Form findet sich bei Orosius 1 , 2 , 16 : 
der Kaukasus heisst a fönte Tigridis usque ad Charras civitatem 
inter Massagetas et Parthos mons Ariobarzanes ; a Charris civitate 
usque ad oppidum Catippi inter Hyrcanos et Bactrianos mons 
Memarmali etc. Ariobarzanes ist aw. Hara hdvdzaitis^ der heutige 
Alburz, es kann also mit Charrae hier nur die Stadt Choara am 
Ende der Kaspischen Thore gemeint sein 3). Vielleicht ist mit 
Rücksicht auf obige Stelle des Justin auch bei Plin. 6, 44 (oben 
S. 27 Anm. 1) für amoenissimus situs qui vocatur Choara zu 
lesen a. vicus q. v. Ch. 

Nachdem Alexander die Gefangennahme des Dareios erfahren, 
beeilte er sich noch mehr und nahm nur die Hetairen, die Auf- 
klärungsreiterei und die kräftigsten und leichtesten Fusssoldaten 
mit; nicht einmal die unter Koinos zum Fouragieren ausgesandten 



^) Ein anderer Ort namens ..^»Ajysf lag auf dem Wege von 
Tabasain durch die Wüste nach Turslz, 20 Fars. östlich von Tabasain 
Ibn Chord. ö^, 3, wahrscheinlich in einer Oase. 

2) Ganz mechanisch, ohne Rücksicht auf die Eigenart der Quelle, 
sucht diesen Ort Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien 
I 80 zu bestimmen. Überaus naiv ist dagegen der Versuch von Adolf 
Sonny, Jahrbb. f. Phil. u. Pädagogik 1891, Bd. 143, 278 ff, der in 
den drei Namen 'Pdyca (Arrian), Tabae (Curtius) und Thara (Justin) 
eine und dieselbe Ortlichkeit sieht. Er steht würdig neben Kr auths, 
dieselbe Zeitschrift zierender Entdeckung der „verschollenen Länder 
des Altertums". 

^) Vgl. über diese Stelle meine Schrift : Eränsahr nach Ps. Moses 
Chorenac'i. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 35 

Reiter wartete er ab. Über die Zurückbleibenden setzte er den 
Krateros mit dem Befehle , in massigen Tagemärschen zu folgen. 
Alexander marschierte die ganze Nacht und den folgenden Morgen 
bis gegen Mittag, und dann nach kurzer Rast wiederum die ganze 
Nacht hindurch bis Tagesanbruch, und erreicht nun das Lager, 
von welchem Bagistanes nach Ergreifung des Dareios aufgebrochen 
war. Hier erfährt er, dass Bessos die Gewalt ergriffen habe, dass 
aber Artabazos und die hellenischen Söldner, nicht im stände, das 
Geschehene zu hindern, von der Heerstrasse abgebogen seien und 
für sich nach den Bergen zu marschieren. Trotz der Erschöpfung 
der Pferde und Mannschaften setzt Alexander den Gewaltmarsch die 
Nacht und den folgenden Tag bis zum Mittag fort, bis er zu einem 
Dorfe kam, wo die Verschworenen am vorhergehenden Tage gelagert 
hatten. Hier erfuhr er, dass die Barbaren beschlossen hätten, des 
Nachts zu marschieren. 

Seit der Ergreifung des Dareios waren mindestens 5 — 6 Tage 
verflossen^), die genügt hätten, den Verschwornen einen tüchtigen 
Vorsprung zu sichern. Allein die mit der Ergreifung des Dareios 
ausgebrochene Revolution und die dadurch hervorgerufene Un- 
schlüssigkeit hatte offenbar noch ein längeres Verweilen im 
Lager nach dem Weggang des Bagistanes zur Folge. Auf diese 
Weise war viel kostbare Zeit verloren worden. 

Alexander erkundet nun von den Eingebornen einen kürzern 
Weg, der aber durch wasserloses Land führe, und da er einsieht, 
dass das Fussvolk seinem Gewaltritt nicht würde folgen können, 
so lässt er gegen 500 Reiter absitzen und macht dafür die Offiziere 
und die tüchtigsten Leute des Fussvolks in ihrer Infanteriebewaffnung 
beritten. Dem Nikanor und Attalos, den Führern der Hypaspisten 
und Agrianen befahl er, die Zurückgebliebenen ebenfalls in möglichst 
leichter Rüstung auf der Heerstrasse heranzuführen, das übrige Fuss- 
volk sollte in Schlachtordnung nachfolgen. Er selbst brach mit 
den 500 „ Doppelkämpfern " und der Reiterei^) gegen Abend auf 
und legte die ganze Nacht hindurch gegen 400 Stadien zurück, 
bis er gegen Morgen auf die ungeordnet und unbewaffnet mar- 
schierenden Barbaren stiess. Die meisten wandten sich alsbald 



^) 2 — 3 Tage Marsch des Bagistanes vom Ort der Festnahme des 
Dareios bis zum Lager Alexanders -f- 2 Tage Marsch Alexanders bis 
zum Ort der Festnahme des Dareios -\- 1 Tag bis zum letzten Lager 
der Verschwornen. 

2) Arrian y 21 , 7 ff . erwähnt die Reiterei nicht besonders. Dass 
aber Alexander auf seinem Gewaltritt die Reiterei bei sich hatte, würde, 
wenn es sich nicht von selbst verstünde, sowohl aus der Pointe jener 
Massregel (er will auf die Mitwirkung der Infanterie nicht verzichten, 
da diese aber zu Fuss nicht mehr zu folgen vermag, so lässt er sie in 
ihrer eignen Bewaffnung aufsitzen) als auch aus dem Fehlen der 
Reiterei unter den .Zurückgebliebenen folgen. Die Romantiker sind 
hier also genauer. Überhaupt ist Arrian's Auszug hier ganz besonders 
liederlich. 

3* 



36 J- Marquart, 

zur Flucht, sobald sie Alexander in Sicht bekamen, nur wenige 
ermannten sich zur Abwehr, nahmen aber gleichfalls Reissaus, 
nachdem einige gefallen waren. Als Alexander bereits nahe war, 
stiessen Nabarzanes und Barsaentes den Dareios nieder, der bald 
darauf verschied, und flohen mit 600 Reitern. Da die Feinde 
nach allen Richtungen auseinanderstoben und seine Leute völlig 
erschöpft waren, sah Alexander die Unmöglichkeit ein, die Verfolgung 
fortzusetzen. Er wartete also die Ankunft der zurückgelassenen 
Truppen ab und sandte den Leichnam des Dareios zur Beisetzung 
in den Königsgräbern nach der Persis. 

Darauf ernannte er den Parther Amminapes^) zum Satrapen 
der Parther und Hyrkanier und erwartete die Ankunft der bei der 
Verfolgung zurückgelassenen Abteilungen des Heeres. Nachdem 
er diese an sich gezogen, rückte er gegen Hyrkanien vor. 

So der lakonische Bericht des Arrian. Nach Curtius dagegen 
legt Alexander, nachdem er von Bagistanes erfahren hat, dass 
Dareios zwar noch nicht gefesselt sei, aber in höchster Gefahr 
schwebe, in einem Gewaltmarsch bei Tag und Nacht 500 Stadien 
zurück und erreicht das Dorf, wo Dareios gefangen worden war. 
Bald darauf treffen zwei Überläufer Orsilos und Mithracenes ein 
mit der Meldung, die Perser seien nur mehr 500 Stadien entfernt. 
Gegen Abend bricht nun der König mit 6000 auserlesenen 
Reitern und 300 Doppelkämpfern auf, indem er die Phalanx mit 
dem Befehle, so schnell wie möglich zu folgen, zurückliess. 
Unterwegs soll er nach Justin 11, 15, 4 multa et periculosa 
proelia bestanden haben. Nachdem er 300 Stadien zurückgelegt, 
kommt ihm Brochubelus , der Sohn des Mazaios , der ehemalige 
Satrap von Syrien, entgegen mit der Nachricht, Bessos sei nicht 
mehr als 200 Stadien entfernt. Sein Heer, das ungeordnet und 
unvorbereitet marschiere, scheine nach Hyrkanien marschieren zu 
wollen. Nun gieng es im gestreckten Galopp auf die Feinde. 
Beim Herannahen Alexanders suchten Bessos und seine Mit- 
verschwornen den Dareios zu bewegen, zu Pferde zu steigen und 
sich mit ihnen durch die Flucht zu retten. Da er sich aber dessen 
weigerte, stiessen sie ihn nieder und flohen nach verschiedenen 
Richtungen , Bessos nach Baktrien , Nabarzanes nach Hyrkanien. 
Artabazos mit den treugebliebenen Persern und den hellenischen 



^) Bei Arrian y 22, 1 liest man 'Aiiiilvccötctis, allein die Form des 
Curtius 6 , 4 , 25 Minapis weist darauf hin , dass dessen Gewährsmann 
im zweiten Teil nicht ap. aspa gefunden hat. Im ersten Teil erkennt 
man aw. wahma „Lobpreis" ; vgl. aw. Wahmcm-Säta oben S. 17 , Me- 
dates Curt. 5, 3, 4. 12. 15, MaSkrig Diod. 17, 67, 4 = Otfx-rjTa^Tjs Ps. Call. 
n 11 cod. A? (Ausfeld, Zur Kritik des griech. Alexanderromans, 
Karlsruhe 1894, S. 24), Amedines Curt. 7,5,4. Der zweite Teil ist 
wohl ap. napä „Enkel, Sprössling" ; vgl. 'AQ-vdnr\? Xen. Hell, a 3, 12 
und dazu 'AQ-t6%[L7\? Her. rj 73, 'ÄQ-itdrir]? Plut. Artox. 30, TIccQcc-Ttira 
Xen. Hell. 4, 1, 39. 40. Vgl. auch den Namen der Stadt MsvaTtia in 
Baktrien Ptol. 6, 12 p. 421, 4 Wilberg. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 37 

Söldnern hatte sich schon nach der Ergreifung des Dareios nach 
Parthiene gewandt (5,12,18). Die ihrer Führer beraubten 
Barbaren lösten sich planlos auf, nur 500 Reiter hatten sich 
versammelt, noch unsicher, ob Widerstand oder Flucht vor- 
zuziehen sei. Sobald Alexander die Demoralisation des Feindes 
sah, sandte er den Nikanor mit einem Teil der Reiterei aus, um 
die Flucht zu verhindern , und folgte selbst mit den Übrigen. 
Ungefähr 3000, die Widerstand versuchten, wurden getötet, der 
Rest aber wie eine Viehherde herbeigetrieben, da der König dem 
Blutvergiessen Einhalt zu thun befahl. Dem Alexander selbst 
hatten kaum 3000 Reiter zu folgen vermocht, die Gesamtmasse 
des Trosses aber fiel den langsamer Nachrückenden in die Hände. 
Die Pferde, die den Wagen des Dareios zogen, waren jedoch von 
der Heerstrasse abgewichen und nach vier Stadien in einem 
Thale vor Erschöpfung stehen geblieben , wo der Wagen von 
einem Makedonen aufgefunden wurde. 

Unter den Gefangenen befanden sich gegen 1000 adlige 
Perser , worunter des Dareios Bruder Oxathres ^). Alexander 
ernannte hier den Perser Oxydates, der von Dareios zum Tode 
verurteilt worden war und noch in Fesseln lag, zum Satrapen 
von Medien und marschierte dann nach Parthiene. 

Von jetzt ab stehen uns ausser dem Bericht des Curtius 
auch ausführlichere Erzählungen des Trogus-Justin und Diodor 
zur Verfügung. Da letzterer, wie wir sehen werden, die ur- 
sprüngliche Reihenfolge der gemeinsamen Quelle am treuesten 
bewahrt hat, so werden wir ihm fortab folgen. 

Auf der Verfolgung des Dareios waren Alexander grosse 
Schätze in die Hände gefallen, vor allem der Königsschatz von 
Ekbatana im Betrage von 8000 Talenten 2). Nach dem Tode des 
Dareios entlässt Alexander nun die Thessaler und übrigen hellenischen 
Bundesgenossen-''), indem er ihnen den vollen Sold bis zu ihrer 
Rückkehr in die Heimat auszahlen Hess, ausserdem aber jedem 
Reiter ein Talent, jedem Fussgänger 10 Minen schenkte^). Von 



1) Vgl. Plut. Alex. 43. Diod. i^ 77, 4. 

2) Diod. L^ 74, 5 ; ebenso Strab. ls 3, 9 p. 731. Dagegen 7000 Talente 
nach Arrian y 19, 5. 

^) Plut. Alex. 42 folgt einer altern Gestalt der romantischen Version : 
die Thessaler werden entlassen, nachdem Alexander die Kunde von der 
Ergreifung des Dareios durch Bessos erhalten hat. Darauf haben 
aber Alexanders Truppen erst noch die Strapazen einer 1 1 tägigen Ver- 
folgung durchzumachen, auf welcher sie 3300 Stadien zu Pferde zurücklegen, 
bis sie die Leiche des Dareios erreichen. Nach Arrian aber wurden 
die hellenischen Bundesgenossen bereits in Ekbatana entlassen. Die 
11 Tagesritte des Plutarch gehen offenbar auf die 11 Tagemärsche 
Alexanders von Ekbatana bis Ragai (Arr. y 20, 2) zurück. 

*) Nach Arrian y 19 , 5 und Plut. Alex. 42 gab er ihnen ausser 
dem Sold noch 2000 Talente. 



38 J- Marquart, 

denen aber die weiter dienen wollten , gab er jedem 3 Talente. 
Im ganzen wurden so , mit Einrechnung der Scbmucksachen und 
Trinkgefässe, 13 000 Talente an die Soldaten verteilt, noch melir 
aber war, wie man vermutete, unterschlagen und geraubt worden i). 

Nach dem Tode des Dareios ergriff die Makedonen eine 
ganz ähnliche Stimmung wie die Deutschen nach der Gefangen- 
nahme Napoleons bei Sedan; sie glaubten den Feldzug beendet 
und die Rückkehr in die Heimat nahe, zumal sie Alexander bei 
der Nachricht, dass Dareios selbst in Gefahr schwebe, zur äussersten 
Anstrengung angefeuert hatte durch die Aussicht: „Maximum 
opus , sed labor brevissimus superest. Dareus haud procul, 
destitutus a suis aut oppressus: in illo corpore posita 
est nostra victoria et tanta res celeritatis est praemium 
(Curt. 5,13,4). In dieser Hoffnung wurden sie noch bestärkt 
durch die Kunde, dass die hellenischen Bundesgenossen in 
die Heimat entlassen würden. Der hinreissenden Beredsamkeit 
Alexanders gelang . es indessen , seine Makedonen von der Not- 
wendigkeit der Fortsetzung des Kampfes und der Vernichtung 
der Mörder des Dareios zu überzeugen und so brach er mit 
seinem Heere gegen Hyrkanien auf. Am dritten Tage lagerte er 
in der Nähe der Stadt Hekatompylos 2) , und gönnte seinen 
Truppen mehrere Tage Rast, da diese Stadt mit allen Lebens- 
bedürfnissen reichlich versehen war. 

Es ist ohne weiteres klar, wie dramatisch hier alle effekt- 
vollen Motive zusammengedrängt sind. Schon in Ekbatana fassen 
Bessos und Genossen den Plan, den Dareios zu beseitigen, und 
bereits in der ersten Nacht nach dem Aufbruch von der medischen 
Hauptstadt wird er von ihnen festgenommen und fortgeschleppt. 
Nachdem Alexander erfahren hat, dass Dareios in Gefahr schwebt, 
erreicht er in einem Tage den 500 Stadien entfernten Ort, wo 
Dareios gefesselt worden war, und in einem weiteren Marsche 
von 500 Stadien gelangt er zur Leiche des Dareios. Diese 
Ereignisse, die bei Arrian 4 Tagemärsche ausfüllen, sind also 
hier auf zwei Tage zusammengedrängt. Da Alexander nach dem 
Tode des Dareios einen Satrapen von Medien ernennt, so wird 
wohl vorausgesetzt, dass er sich noch auf medischem Boden befand. 
Nach Arrian y 20 , 3 erfolgt die Ernennung des Oxydates aller- 
dings in Ragai. Auch der dreitägige Marsch bis nach Hekatompylos, 
das nach Diodors Darstellung offenbar in Parthien und in der 
Nähe der Grenze Hyrkaniens gedacht ist, sowie der Ausdruck des 
Curtius 6, 2, 12 hinc in Parthienen perventum est 
weisen darauf hin, dass nach der Vorstellung der Quelle Alexander 



^) Vgl. Justin 12, 1, 1. Curt. 6, 2, 10 sehätzt die Beute auf 
26000 Talente, wovon 12000 (r. 13000) unter die Soldaten verteilt 
wurden, par huic pecuniae summa custodum fraude subtracta est. 

2) Über Hekatompylos s. S. 39 ff. 44. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 39 

sich bei der Auffindung der Leiche des Dareios noch nicht auf 
parthischem Boden befand. Dabei ist aber merkwürdig, dass die 
Anzahl der Märsche Alexanders von Gabai, wo er zuerst die 
Flucht des Dareios erfährt, bis nach Hekatompylos wahrscheinlich 
mit den 6 Gewaltmärschen von Ragai bis zur Auffindung der 
Leiche des Dareios nach Arrian übereinstimmt. Die Entlassung 
der Bundesgenossen, die bereits vor einem Monat in Ekbatana 
stattgefunden hatte, wird hier zu einem Momente höchster 
Spannung verwertet, in welchem der siegreiche König nach 
beispiellosem Glücke fast an der Vollendung seiner Sieges- 
laufbahn gehindert worden wäre. 

Curtius lässt den Alexander nach der Auffindung der Leiche 
des Dareios nach Hekatompylos in Parthiene gelangen und verlegt 
hieher die Entlassung der hellenischen Söldner und die Hoffnung 
der Makedonen auf sofortige Heimkehr. Von da gelangt er am 
dritten Tage durch Parthiene an die Grenzen von Hyrkanien. 
Allein dass jene Szene ihre richtige Stelle im Sinne der Urquelle 
nur unmittelbar nach dem Tode des Dareios haben kann, wo sie 
bei Diodor richtig steht , folgt aus ihrer Begründung. Curtius 
oder sein Gewährsmann hat also die Urquelle eigenmächtig ver- 
schlimmbessert. Dass natürlich letztere auch nicht den Beisatz 
zu Hekatompylos enthalten konnte : condita aGraecis, ist 
selbstverständlich. Dadurch wäre ja bereits di^ ganze Erzählung 
jedem denkenden Leser als widersinnig hingestellt worden. Diese 
Notiz ist wohl einer Chorographie entnommen. Die Bemerkung 
über den skythischen Ursprung der Parther (vgl. 4, 12, 11), 
näherhin ihre Abkunft von den europäischen Skythen stammt 
aus Agatharchides ^). 

Die Vorlage des Trogus 11, 15, 1 lässt den Dareios bereits 
auf parthischem Gebiet gefangen genommen werden und verlegt 
folgerichtig auch jene Erregung unter den Makedonen infolge 
ihrer Erwartung der Beendigung des Krieges nach Parthien (12, 3, 1), 
nennt aber den Namen der Stadt Hekatompylos nicht. Sie hat 
also die Hauptquelle Agatharchides wie so häufig aus einer 
Nebenquelle verbessert. 

Da es den Romantikern darauf ankam, die Ereignisse nach 
rhetorischen Gesichtspunkten zu gruppieren, wobei sachliche und 
geographische Rücksichten, wie wir bereits gesehen, völlig in den 
Hintergrund traten , so können wir von der Behauptung , dass 
Alexander von der Auffindung der Leiche des Dareios noch 
3 Tage bis Hekatompylos gebraucht habe, völlig absehen. Soviel 
ist klar, dass die Urquelle dieser Darstellungen von der Geographie 
von Parthien eine ebenso mangelhafte Vorstellung hatte wie von der 
von Paraitakene. Denn Hekatompylos lag ja im Herzen von 



Vgl. meine Untersuchungen zur GeschJ von Eran I 35. 



40 J- Marquart, 

Parthien {iv ^iarj tri IlaQ&vfjvrj Polyb. t 28,7 a. 209), und war 
die Hauptstadt der Landschaft Komis, arab. n^^ gi'- Kcj^LarjVT], 

welche den Mittelpunkt der alten Provinz Parthien und in der seleu- 
kidischen Satrapieneinteilung eine der sechs Provinzen bildete, in 
welche das alte Parthien zerlegt worden war. Die Landschaft Komis 
gilt noch bei dem Armenier Sebeös (7. Jh.) als Stammsitz der 
Parther oder PaThav^). Medien aber reichte vom Passe von 
Holwän bis zu den Kaspischen Thoren^). 



^) Seb. 57. 58/59. Vgl. mein Eränsahr nach der Geographie des 
Ps. Moses Chorenac'i S. 7L 

2) Strab. ta 3 , 8 p. 525. Arrian , Ta ^stcc 'AXi^aväqov § 35 in 
C. Müll er 's Arrian p. 245. 

Ein Muster von Unklarheit und Unkritik ist Spiegel's Exkurs 
„Parthien" (Eranische Altertumskunde II 630—632). Er hat nicht 
einmal gesehen, dass des Ptol. IIccQravtLKriv'^ und XoQoavi] einfach 
Verballhornungen von Isidoros' 'AnavaQ'ntLKriv'^ und Xoccqtivt] sind. 
Die Stelle des Strab. icc 9 , 1 p. 514 beruht ja allerdings z. T. auf 
Irrtum und lässt an Klarheit des Ausdruckes zu wünschen übrig. Es 
ist deshalb sehr zu bedauern, dass sich durch Spiegel's Bemerkung : 
„auch sagt er (Strabon), dass Choarene und Komisene erst später zu 
Parthien hinzugefügt worden sei" auch Gutschmid, Gesch. Irans 
S. 43 f. zu der Annahme verleiten Hess, Komisene und Choarene hätten 
früher zu Medien gehört. Sieglin in der neuen Ausgabe von 
Spruner -Menke's historischem Atlas ist ihm darin blindlings 
gefolgt. Strabon behauptet zunächst: 'H dh Ila.Q%'vaia itollri ^ihv 
ovv, £6Tt,- ovvst^XsL yovv iistä x&v 'Tqticcv&v [Kata] tä IltQGfKCi xal 
lista xavxa twv MaTisdovcov yiQatovvtojv iitl xQOvov itoXvv. TCQog 6h tfj 
GiiLKQOtriTi SaGsta ytal ÖQSLvrj iatt, v,al anoQog, mors Slo. tovto ^qoiio) 
äiS^iäGL tbv kavrav ol ßaöiXatg ö^Xov, ov Svvaiiiv7]g tqicpBiv xfig y^coqag 
ov8' 8Til ^imQov ■ ccXXa vvv riv^riraL. Allein die Meinung, dass Parthien 
in persischer Zeit kleiner gewesen sei als später, ist falsch. Die An- 
fänge des parthischen Kelches der dahischen Parner waren allerdings 
klein, und dieses beschränkte sich ursprünglich auf die Landschaft 
UccQd-vrivri mit der Stadt Nlücck, wo die Gräber der parthischen 
Könige lagen (Isidor von Charax, Utad'^ol TIaQQ'iv.oi § 12. Vgl. 
Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien I 74). Strabon 
fährt dann fort: \iiQ7\ d' iotl tfjs TIaQ%'vr\vfig V '^^ K(o^i6r\v7\ ■aal rj 
XoQT^vri, G^sdov di xi %a\ xk pLBXQi nvX&v KccöTticov %cu 'Pccy&v %al 
TaTtvQov övxcc xfjg MriSiag tvqoxsqov , sgxl d' 'ÄTtd^sia ttai ^ÜQücylua, 
noXsig nsQL iro;g rdyccg. Zunächst sind die Worte 6%8dbv di xi xal xcc 
^i%Qi TtvX&v Ka67tl(ov neben r] XcoqtJvti sachlich eine Tautologie, da ja 
die Landschaft Xcoq7]v7] (Chwär) westlich bis zu den Kaspischen Thoren 
reichte. Wenn also Strabon gut berichtet war, so muss der Text, wie 
er vorliegt, notwendig verdorben sein. Es wird zu lesen sein yial rj 
X(0QriV7} {i'^XQi 7t V X&v KaöTcLcov , o^^dov äs xi y.al xcc <f^£;^p^> 
^Fayöiv xat Tanvgcov övxcc xfjg Mriäiag tvqoxsqov , sxl d' 'AndiiBia -kcu 
"HqccTiXsia TixX. Die Worte övxa xfjg MriSiag tiqoxsqov würde vom rein 
grammatischen Standpunkte aus gewiss niemand auf ij xs KcoiiiGrivri 
'Koi 7] Xo>Qr\vri, sondern nur auf das letzte Glied Gi^dbv ds xi y,al xk 
yj. P. y.ul T. beziehen, und von den Gebieten westlich von den 
Kaspischen Thoren bis Raj und nördlich bis zu den Tapuren ist die 
ehemalige Zugehörigkeit zu Medien auch sachlich korrekt. Denn die 
Tapuren wohnten im 2. Jh. v. Chr. nicht mehr in den Bergen nördlich 
von Semnän, sondern hatten seit der Verpflanzung der Marder nach 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 41 

Für uns handelt es sich nur um die Frage , ob Alexander 
in der That in der Nähe von Hekatompylos die Leiche des 
Dareios aufgefunden und darauf mehrere Tage daselbst gerastet 
hat. Arrian berichtet allerdings nichts von einer mehrtägigen 
Rast nach dem Tode des Dareios. Allein da Alexander vor dem 
Weitermarsch die Ankunft der bei der Verfolgung zurückgelassenen 
Truppen abwartete, so musste er notwendig mehrere Tage Halt 
machen, da Krateros mit dem Fussvolk schon am zweiten Tage 
nach dem Aufbruch aus Ragai mit dem Befehle, in massigen 
Märschen zu folgen , zurückgelassen worden war (Arr. y 21,4). 
Der Auszug des Arrian ist also hier sehr unvollständig. Die 
Hauptfrage ist demnach die : wie weit ist Alexander auf seinen 
6 Märschen von Ragai bis zur Auffindung des toten Königs 
gekommen ? 

Mordtmann hat nun von numismatischen Erwägungen 
aus, die aber in keiner Weise überzeugend sind, Hekatompylos 
beim heutigen Sährüd, 1 Fars. sw. von Bistäm, gesucht^), und 
lässt den Dareios in der Nähe dieser Stadt ermordet werden. 
In letzterer Annahme folgt ihm auch Tomaschek, obwohl dieser 
an der Lage von Hekatompylos bei Dämayän festhält. Seine 
Berechnungen sind indessen verfehlt. Als die grösste Leistung 
auf der ganzen Verfolgung galt offenbar der letzte Ritt von 
400 Stadien (Arrian 3, 21, 9), wobei aber nicht, wie Tomaschek 
will, Normalstadien (er rechnet 33 Stadien auf den Parasang), 
sondern Itinerarstadien zu Grunde zu legen sind, von denen 
40, 435 auf den Farsang gehen (s. o. S. 23). Derselbe betrug 
also rund 10 Fars. Der Weg von den Kaspischen Thoren (d. h. 
von deren Beginn) bis nach Hekatompylos betrug nun nach den 
Bematisten 1860 Stadien = 46 Farsangen. Über diese Route 
sind wir , abgesehen von modernen Reisenden , durch Ihn Rusta 
gut unterrichtet. Derselbe gibt von der Strecke von Chwär am 



Charax in der Nähe der Kaspischen Thore durch den Arsakiden 
Phradates I. deren Sitze um Amul eingenommen. Der Elburz ('0()- 
Q^oyLoqv^ävxioi) aber gehörte nach Her. 3 , 92 zur medischen Satrapie. 

Spätestens unter König Phradates I. gehörten aber jene beiden 
Gebiete zu Parthien, also lange vor der Eroberung des übrigen Mediens 
durch Mithridates I, (um 145 v. Chr.), wie eben aus der Nachricht 
über jene Verpflanzung der Marder hervorgeht. Ja die Städte Ka'kXi6'jtr\ 
und Issatis (Jezd), citra deserta ab occasu (Plin. h. n. 6, 113), 
oppositae quondam Medis (Plin. h. n. 6,44) gehörten schon im 
Jahre 209 den Parthern (Polyb. 10, 31, 15 aus Steph. Byz. s. v. 
JCaHtOTTTj). 

Im einzelnen können wir die successive Eroberung der einzelnen 
Provinzen des alten Parthien durch die Parner nicht verfolgen. Doch 
spricht nichts gegen die Annahme , dass die Arsakiden nach der Be- 
wältigung der Könige Andragoras von Parthien (Justin 41,4,7) und 
W axsu warja von Hyrkanien (Justin 41, 4, 85 vgl. oben S. 26 Anm. 2) 
ihre Residenz in Hekatompylos aufschlugen. 

^) Hekatompylos. Sitzungsber. d. bair. Akad. 1869, 1,511 ff. 



42 J- Marquart, 

Ausgange der Kaspischen Pforten bis zur Ostgrenze von Komis 
folgende Beschreibung (p. t11 12 ff.): 

„Von Chwär nach Qa^r al milh {Diz-i namah) sind 7 Fars. 
Der Weg führt durch Kulturland, bis man zu einer Brücke über 
ein trockenes Flussbett kommt und sie überschreitet, dann von 
da nach Qa^r al milh. Von Qapr al milh nach Ra's as kalb 
(Hundskopf) 7 Fars. Der Weg führt durch Salzboden , welchen 
eine Heerstrasse durchzieht , bis man zu einer Brücke kommt, 
welche man überschreitet und weiterzieht, bis man zu einem 
Dorfe kommt namens Mardkustän. Dort ist ein Schloss gleich 
einem Leuchtturme , auf welchem ein Wächter ist , der diesen 
Weg bewacht. Dann steigt man bald auf- bald abwärts, 
wobei man rechts und links Berge hat, bis man zu einem Dorfe 
kommt namens Ea's al kalb. Und von Ra's al kalb bis Simnän 
sind 8 Fars. durch ebenes Land, wobei man rechts Wüste und 
Berge und links Wüste hat, bis man nach Suhr darra'^) kommt, 
und von da dann nach der Stadt Semnän. Von Semnän nach 
Achurln sind 9 Fars. Der Weg führt durch eine gleichmässige 
Ebene , dann kommt man zu einem Defile , das man betritt und 
4_ Fars. weit passiert, wobei man zu einem Ribät kommt namens 
Ahi-Ähuwän^ dann zieht man vorbei zu einem Dorfe namens 
Ächurln. Von Ächurin zum Dorfe Däja 5 Fars. Der Weg führt 
durch ebenes Land bis Dih-i däja, wo die Station ist. Von 
Dih-i däja nach Dämayän, der Hauptstadt von Qümis, 4 Fars. 
Der Weg führt durch ebenes Land, bis man nach Qümis kommt. 
Das meiste was (hier) verkauft wird, sind die weissen Stoffe zum 
Kopfbund. Von Qümis nach al Haddäda 7 Fars. Der Weg führt 
durch dessen Kulturland, bis man zu einem Ribät und Ruinen 
kommt. Man sagt, dass es Häuser seien, die durch ein Erdbeben 
verschüttet worden seien. Dann zieht man rechts und links 
zwischen Dörfern hin, bis man nach al Haddäda kommt. Von 

al Haddäda nach Ba^as (Bic^as (ji;/Äj) 7 Fars. Der Weg führt 

durch ebenes Land rechts und links und zusammenhängende 
Dörfer, bis man nach Badas kommt, um welches rings Saatfelder 
und Gärten sind." 

Bidas lag 2 Fars. östlich von Bistäm ^). Es ist dem Namen, 
vielleicht auch der Sache nach identisch mit Bna^a in Areia, 
das Ptol. 6, 17 p. 433, 12 unter 103° 40' L. und 38« Br. setzt'^). 

Ibn Rusta's Beschreibung verhält sich zu den übrigen 



1) cod. rsy ^^ lies ».0 j^^, Qod. ^J, 3 p'-y^, heute SurchaJc. 

2) Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien II 77. 

^) Ptol. rechnet auch die Nioaloi und 'Aotaßrivol, die Bewohner 
der parthischen Provinzen Nriaaia und 'AötavTiv^ (6)9 zu Hyrkanien 
gerechnet, 6, 5 p. 400, 2 in Taßurivi] verstümmelt) zu Areia. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 



43 



arabischen Itineraren (Ibn Chord. rr, 14 ff. Qod. r.l, 1 ff • Ist. ^öI, 4 ff. 
Moq. (^vt, 13 ff.) folgendermassen : 



Ibn Kusta: 



Ibn Chord. und 
Qodäma: 

Chwär 



Chwär 

Brücke 
QaQralmilhTFars. Qa^ralmilhTFars 

Brücke 

Diz-i Mardkustän 
Ka'salkalbTFars. 

Suhr darra 
Simnän 8 Fars. 

Engpass 4 Fars. 

Abi-Ahuwän 
Achurln 9 Fars. 
Dih-i drija 5 Fars. 
Dnmayän 4 Fars. 

Ribät u. Ruinen 
alHaddäda7Fars. 



Ra'salkalbTFars. 

(Surch 4 F.) 
Simnän 8 Fars. (4) 



Achurln 9 Fars. 

(Qarjat däja 4 F. 
Qümis 8 Fars. (4) 



BicJ'as 7 Farsang 



alHaddädaTFars. 

stän 4 Fars.) 
Bi^as (Guc^as 

uX.Ay)^)7(3)F. 



Istachri : 

Chwär 

Qarjat al müh 1 T. 

Ra's al kalb 1 Tag 

Simnän 1 Tag 

'All äbäd 1 Tag 
Garmgüi 1 Tag 

Dämayän 1 Tag 

al Haddäda 1 Tag 

Bi^as 1 Tag 



Moqaddasi: 

Chwär 

Qarjat al milh 1 T, 

Ra's al kalb 1 Tag 

Simnän 1 Tag 

Ribät 1 Tag 
Garmgüi 1 Tag 

Dämayän 1 Tag 

al Haddäda 1 Tag 

Bidas 1 Tagi) 



Aus diesen Itineraren ersieht man, dass in arabischer Zeit 
der Weg vom Ausgang der Kaspischen Thore bis nach Dämayän, 
der Hauptstadt von Qümis auf 39 bezw. 40 Fars. oder 6 Tage- 
reisen ä 6^/2 Fars. geschätzt wurde. Dazu kommt die 6 Fars. oder 
1 Tagereise betragende Strecke vom Eingang der Kaspischen 
Thore bis nach Chwär , woraus sich für die cranze Strecke vom 
Beginn der Kaspischen Thore bis nach Dämaj/än 39 (40) -}- 6 = 45 
(46) Fars. oder 7 Tagereisen ergeben, welche den 1860 Stadien 
der Bematisten von den Kaspischen Thoren bis Hekatompylos 
genau entsprechen und welche Alexander, wenn er die Leiche 
des Dareios bei Hekatompylos fand, in 5 Tagemärschen durch- 
messen hätte. Daraus ergäbe sich eine durchschnittliche Marsch- 
leistung von 372 Stadien oder 7^/2 Fars. pro Tag, also immerhin 
beträchtlich mehr als für die Strecke von Ekbatana nach Ragai, 
für welche durchschnittliche Märsche von 300 Stadien voraus- 
gesetzt werden. Auch Arr. y 25, 6 wird ein Marsch von 300 Stadien 
schon als eine grosse Leistung betrachtet. Jenen 7 Tagereisen 
sind aber noch die 2 Tagereisen oder 18 (19) Fars. von Raj nach 
Käsp zuzurechnen, welche Alexander angeblich an einem Tage, 



^) Ebensoviel betrug die Entfernung von al Haddäda nach Bistam, 

p. ^vr, 3. 

^) So ist zu lesen für (^y*S bezw. ij^y^ der Hs. 



44 J- Marquart, 

nach unserer Meinung dagegen in zwei Tagen zurückgelegt hat. 
Nach Mordtmann's und Tomaschek's Ansicht dagegen 
soll Alexander die ganze 77 (Ihn Chord.) bezw. 79 (Ibn Rusta) 
Fars. oder 11 Tagereisen betragende Strecke von Raj bis Bi^as 
in der Nähe von Sährüd in 6 Tagen durchmessen haben i)! 

Soviel ich sehe, spricht also nichts dagegen, dass Alexander 
in der That in der Gegend von Hekatompylos den toten König 
der Könige einholte. Seine beiden letzten Märsche führten ihn von 
Semnän rechts durch Sandsteppe über das Dorf ^Alah und die 
Quelle Garmäb, weiter über Doseir und Frät nach Dämayän. 
Wahrscheinlich war das in der Nähe gelegene Hekatompylos 
schon in achaimenidischer Zeit die Residenz des Satrapen von 
Parthien gewesen, und es ist daher ganz natürlich, dass Alexander 
den Aufenthalt , den er machen musste , dazu benützte , um den 
neuen Satrapen gleich in seine Hauptstadt einzuführen und ihm 
Achtung zu verschaffen. Man darf hiergegen nicht einwenden, 
dass Hekatompylos nach Appian Syr. 51 eine Gründung des 
Seleukos Nikator sei, womit Curtius' Bezeichnung condita a 
Graecis übereintrifft. Denn dass die Stadt schon zu Alexanders 
Zeit bestanden haben und von ihm berührt worden sein muss, 
ergibt sich daraus , dass sie von Baiton und Diognetos , den 
Bematisten Alexanders in ihren Berechnungen der Märsche des- 
selben genannt war (Plin. n. h. 6, 61. 44). Es kann sich demnach 
unter Seleukos nur um eine Neugründung gehandelt haben, wie 
bei Ragai - EvQcoTtog , Merw - ^Avtloxelcc , etc. Freilich haben die 
Romantiker augenscheinlich den Aufenthalt Alexanders in dieser 
Stadt nach dem spätem Besuche Antiochos' d. Gr. (Polyb. l 28, 7. 
29, 1) und unter dem Gesichtspunkt der nachmaligen Hauptstadt 
des Partherreiches, das bestimmt war, die Herrlichkeit des iranischen 
Reiches wieder aufzurichten und der Monarchie der Nachfolger 
Alexanders in Syrien den ersten Stoss zu versetzen, weiter aus- 
geschmückt (Curt. 6, 2, 12ff. , vgl. Justin. 11, 15, 1). Für die 
Bedeutung der Stadt in seleukidischer und der altern parthischen 
Zeit spricht die Thatsache, dass dort von allen Seiten die Wege 
zusammenliefen, wovon die Stadt ihren Namen hatte {t&v ös 
dioöcov <^Tc6v^ (psQOvß&v ETtl TCccvxag tovg tibqlE, toTtovg ivtccvd'a 
oviiTtLTttovöcbv ano tov Cvfjißalvovtog 6 toTtog tilricpe zriv Tt^oörj- 
yoQiav Polyb. t 28, 7). Später, offenbar zur Zeit der über 
Hyrkanien und Karmanien gebietenden Dynastie des Gotarzes, die 
sich unter Volagases I. unabhängig machte, bildete die 140 Stadien 
weiter nördlich gelegene hyrkanische Königsburg Tage den 
Mittelpunkt des Strassennetzes ^). Bei den Persern gilt Dämayän 



^) Ihn al Faq. t^U^ 18 gibt fälschlich die Entfernung von Raj 
nach Dämayän auf 80 Fars. an. 

2) Karte des Castorius Segm. XII, 2 ed. Miller (Nagae). Geogr. 
Rav. p. 47,2 (Age). 48,5 (Thage). Vgl. Tomaschek a.a.O. 79. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 45 

stets als die Hauptstadt von Komis, also als Nachfolgerin von 
Hekatompylos. Die Städteliste von Iran § 19 spielt auf eine 
Legende an, nach welcher Az-i dahäk der Usurpator {pat) die 
fünftürmige Hauptstadt von Komis zu seinem Harem (sapstän) 
machte. Da Az-i dahäk im iranischen Epos der Vertreter der 
Seleukidenherrschaft ist, so sieht man, dass der seleukidische 
Ursprung (richtiger Neugründung) der Stadt nicht völlig vergessen 
war. Wir verdanken dem arabischen Dichter und Belletristen 
Abu Dulaf Mis'ar b. al Muhalhil (um 941 n. Chr.) folgende Be- 
schreibung der Stadt (bei Jäq. II öi^l): „Dämayän ist eine 
obstreiche Stadt, deren Früchte prima sind und deren Wohlgerüche 
bei Tag und Nacht nicht aufhören. Es gibt daselbst ein von 
den Kisrä's herrührendes wundervolles Wasserschloss , dessen 
Wasser aus einer Höhle im Berge kommt und, sobald es von 
dort herabgeflossen ist, in 120 Kanäle geteilt wird für 120 Rus- 
täqe, wobei kein Anteil^) den andern übertrifft, und es ist nicht 
möglich, es auf etwas anderes als diese Wasserversorgung anzu- 
passen. Es ist in hohem Grade merkwürdig; ich habe in den 
übrigen Ländern seinesgleichen nicht gesehen noch ein schöneres 
in Augenschein genommen. Und es gibt daselbst ein Dorf, das Dorf 
der Kameltreiber genannt, wo sich eine Quelle befindet, aus welcher 
Blut hervorsprudelt. Hieran ist nicht zu zweifeln, weil es alle Eigen- 
schaften des Blutes vereinigt. Wenn Quecksilber darein geworfen 
wird, so wird es sofort zu trockenem hartem mannigfach ver- 
wertbarem Stein. Dieses Dorf ist auch unter dem Namen Fangän 
bekannt. In Dämayän gibt es eine vorzügliche Apfelsorte , die 
von Komis (al qümisi) genannt, schön rot, die nach dem "^Iräq 
exportiert wird; und es gibt dort Alaun- und Salzbergwerke, 
aber keinen Schwefel, dagegen Gruben von reinem Gold". 

Für den nun folgenden Marsch über das Gebirge nach der 
Ebene von Hyrkanien sind unsere Berichte so summarisch, dass 
es fast unmöglich scheint, von dem Verlauf desselben eine Vor- 
stellung zu gewinnen. Ich stelle zur rascheren Übersicht die 
beiden Berichte Arrians und der Eomantiker einander gegenüber. 

Arrian y 23—24. Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76. 

Nachdem die auf der Ver- 
folgung zurückgelassenen Truppen 
sich eingefunden hatten, verliess 
Alexander die Strasse nach Cho- 
räsän und rückte gegen Hyrkanien, 



— Es scheint, dass dabei Hekatompylos gar nicht mehr berührt wurde. 
Nur so erklärt sich die auffällige Thatsache, dass Isidor von Charax, 
6xa%'[iol TlaqO'i'iioi § 9 in Komisene keine einzige Stadt kennt. 

1) L. ^.w.5. 



46 J- Marquart, 

Arrian y 23—24. Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76. 

da er erfahren hatte, dass die 
hellenischen Söldner des Dareios 
sich in die Berge der Tapuren 
geflüchtet hatten, und er diese 
sowie die Tapuren erst nieder- 
werfen wollte. Er teilte jetzt 

sein Heer in drei Corps : er selbst Nach der Rast in Hekatom- 

wählte mit dem leichtesten und pylos Hess Alexander den Krateros 
zahlreichsten Teil den kürzesten, mit seinen eigenen und des Amyn- 
aber auch beschwerlichsten Weg, ^^^ Truppen, 600 Reitern und 
den Krateros sandte er mit seiner ^^0 Bogenschützen zum Schutze 
und des Amyntas Phalanx und ^^^ Provinz Parthien gegen einen 
einer Anzahl von Bogenschützen Emfall der Barbaren [d. h. wohl 
und wenigen Reitern gegen die ^^^ Tapuren] zurück und befahl 
Tapuren, Erigyios aber sollte ^^^ Erigyios, das Gepäck auf 
mit den Söldnern und der übrigen ebenem Wege hinüberzuführen. 
Reiterei auf der längeren Heer- ^^ selbst rückte mit der Phalanx 
Strasse den Tross und die Bagage "^^^ ^^^ Reiterei 150 Stadien 
hinüberführen. Nachdem man ^^r und lagerte alsdann in valle, 
die ersten Berge passiert hatte, ^^« Hyrcamam adeunt, in der 
wurde o-erastet. Nähe eines grossen Felsens, an 

dessen Fuss ein beträchtlicher 
Darauf zog der König mit Fluss namens Zxi^oix^q aus einer 
den Hypaspisten und den leich- Höhle hervorbrach. Wir werden 
testen der makedonischen Phalanx <iie Beschreibung desselben unten 
sowie einigen Bogenschützen auf näher mitteilen, 
schwierigem und gefährlichem 
Pfade voraus , (pvXayiaq x{bv 
oöwv oiatalLTtcbv i'va 6 (p a - 
XeQOv t i avx ü icpalv ex o , 
mg ^7] xolg etio (lavo tg %ax^ 

iaetvO ETtld'Ol-VXO OL XCC OQTj 

£%ovxeg x&v ßcc^ßd^cov. Als 
er mit den Bogenschützen die 

Engpässe überwunden hatte, la- Am vierten Rasttage 

gerte er in der Ebene an traf ein Brief des Nabar- 

einem nicht bedeutenden zanes ein, worin dieser sich 

Flusse. Hier erschien vor ihm wegen seiner Teilnahme an der 

Nabarzanes, der Hazarapet Ermordung des Dareios ent- 

des Dareios, sowie Phrataphernes, schuldigte und im Falle der 

der Satrap von Hyrkanien und Amnestie die Sache des Bessos 

Parthien mit andern vornehmen zu verlassen versprach. Hierauf 

Persern , um sich zu ergeben, brach man auf und quadrato 

Wie die spätem Verhältnisse tum agmine ibat, specula- 

lehren, wurde Phrataphernes, viel- tores subinde praemittens, 

leicht während der 15 tägigen qui explorarentloca. So 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 47 

Arrian y 23—24. Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76. 

Rast in Zadrakarta (vgl. Justin zog man auf fast unwegsamem 
12, 4, 12), in seiner Satrapie Pfade, auf dem die Urwälder 
bestätigt und die Ernennung des von Mäzandarän und Sturzbäche 
Amminapes wieder rückgängig und tiefe Schluchten den Marsch 
gemacht. Alexander hielt hier vielfach hemmten, 20 Stadien 
4 Tage Rast und erwartete weit, bis man, ohne einem Feinde 
die auf dem Marsche Zurück- zu begegnen, endlich in eine 
gebliebenen. kultiviertere Gegend gelangte. 

Alexander unterwarf nun sämt- 
liche Städte Hyrkaniens bis zum 
Kaspischen Meere und durchzog 
das Land bis zu den sog. „glück- 
lichen Dörfern" (Diod. 17, 75, 4), 
die an Lebensmitteln Überfluss 
hatten und sich besonders durch 
die Menge an Obstbäumen und 
köstlichen Trauben auszeichneten. 
30 Stadien weiter kam Phrata- 
phernes zum Heere und ergab 
sich und die, welche nach dem 
Tode des Dareios geflohen waren, 
dem Sieger. 

Von da rückte er auf Zadra- Darauf kam man zur Stadt 

karta, die Hauptstadt Hyrkaniens Arvae^ wo Krateros und Erigyios 

zu, und auf dem Marsche dahin ^) eintrafen, die Phradates, den 

vereinigte sich das Korps des Satrapen der Tapuren, mit- 

Krateros wieder mit ihm, das brachten. Derselbe wurde zu 

zwar die hellenischen Söldner Gnaden aufgenommen und erhielt 

des Dareios nicht getrofi"en, aber die Statthalterschaft über die 

die ganze Gegend, soweit es Tapuren zurück, während über 

dieselbe durchzogen hatte, teils Hyrkanien Minapis, der unter 

mit Gewalt, teils durch freiwillige Ochos als Verbannter an den 

Ergebung der Bewohner unter- Hof Philipps gekommen war, 

worfen hatte. Dann traf auch gesetzt wurde. 

Erigyios mit dem Tross und der Alexander unterwarf nun Hyr- 

^o^g^ 61I1- kanien und die umwohnenden 

Wenig später erschien aber Ar- Völkerschaften, und schon hatte 
tabazos nebst dreien seiner Söhne, man das äusserste Ende Hyrkaniens 
sowie eine Abordnung der hei- betreten , als A r t a b a z o s mit 
seinen 9 Söhnen und den Ver- 

^) So richtig B, Niese, Gesch. wandten des Dareios, sowie einer 

der griech. und makedonischen Abordnung der griechischen Söld- 

Staaten I 108. Droysen, Gesch. pi^traf Arfphayn^ wird nk 

des Hellenismus I^ 1 , 332 nimmt ^f ^ ^™*- ^rtebazos ward ais 

fälschlich Zadrakarta als Vereini- ehemaliger Gastfreund des Phi- 

gungspunkt der drei Heersäulen an. lippos zuvorkommend aufgenom- 



48 J- Marquart, 

Arrian y 23—24. Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76. 

lenischen Söldner und W ä t a - men. Als man darauf lagerte, 
fra^äta {AvxocpQaddxrig) ^ der wurden die mit Artabazos ge- 
Satrap der Tapuren. Letzterer kommenen Griechen vorgelassen, 
erhielt seine Satrapie zurück, Sie erklärten, sich nur ergeben 
Artabazos und seine Söhne wurden zu wollen, wenn auch den Ge- 
ehrenvoll aufgenommen, den Ge- sandten der Lakedaimonier und 
sandten der hellenischen Städte Sinopeer, die an Dareios geschickt 
aber wurde bedeutet, mit ihnen worden waren, Sicherheit gewährt 
sei keine Kapitulation möglich, würde. Allein es wurde ihnen 
sondern sie müssten sich auf bedeutet, sich auf Gnade und 
Gnade und Ungnade ergeben, Ungnade zu ergeben, was sie 
was sie dann zusagten. nach langem Zaudern endlich 

annahmen. So erschienen denn 
die 1500 Söldner, wozu noch 
90 früher an Dareios geschickte 
Gesandte kamen, im Lager. Sie 
wurden begnadigt und mussten 
unter Alexander weiterdienen, die 
übrigen wurden entlassen mit 
Ausnahme der Lakedaimonier, 
welche in Gewahrsam gehalten 
wurden. 
Alexander errichtete hier ein Hierauf durchzog Alexander 

Standlager 1) und zog an der die Küste Hyrkaniens und fiel 
Spitze der Hypaspisten, der Bogen- ins Land der Marder ein, die 
schützen und Agrianer, der Pha- allein keine Gesandten geschickt 
langen des Koinos und Amyntas, hatten. Der König liess den 
der Hälfte der Hetairen und Tross mit einer Bedeckung zurück 
der neuformierten Akontisten zu und marschierte die Nacht hin- 
Pferd gegen die Marder. Er durch, bis man bei Tagesanbruch 
durchzog den grössern Teil ihres den Feind in Sicht bekam. Dieser 
Gebietes und tötete viele auf hatte die Zugänge des Landes 
der Flucht, manche auch die mit 8000 Mann besetzt, allein 
Widerstand versuchten, und nahm der König griff sie an und hieb 
viele gefangen. Seit Menschen- die meisten nieder, die übrigen 
gedenken war kein Feind in ihr aber verliessen die besetzten Hügel 
Land eingedrungen wegen der Un- und flohen. Alexander verheerte 
wegsamkeit desselben und wegen nun ihr Gebiet, allein das Innere 
der Armut und Wehrhaftigkeit des Landes bot dem Marsche 
der Marder, und deshalb hatten eines Heeres die grössten Seh wie- 
sle sich auch keines Einfalles rigkeiten. Hohe Gebirge und 
Alexanders versehen, zumal er unwegsame Wälder und Felsen 
ja schon weiter vorgerückt war. umsäumten es, in der Ebene aber 
So wurden sie denn gewisser- hatten die Einwohner die dicht 

verwachsenen Wälder künstlich 

1) Dies ergibt sich aus c. 24, 4. noch unzugänglicher gemacht. Es 



Untersuchungen zur Gesclaichte von Eran. 



49 



Arrian y 23 — 24. 
massen unversehens überfallen 
und gefangen. Viele von ihnen 
aber flohen in die hohen und 
steil abfallenden Berge ihres Ge- 
bietes, in der Annahme, dass 
Alexander hieher nicht vordringen 
werde. Als er aber auch dahin 



vorrückte, schickten sie Gesandte 
und übergaben sich und ihr 
Land, worauf sie Alexander Auto- 
phradates, dem Satrapen der 
Tapuren unterstellte. 

Alexander kehrte darauf ins 
Standlager zurück und fand hier 
die hellenischen Söldner vor, 1500 
an der Zahl, sowie die Gesandten 

Marquart, Untersxichungen. II. 



Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76 
gab nur ein Mittel, sich mit 
dem Schwert einen Weg durch 
das Dickicht zu hauen, was frei- 
lich sehr umständlich war. Dabei 
lauerten ihnen die Eingebornen 
wie richtige Jäger Völker überall 
im Dickicht auf und belästigten 
von da aus, einer regulären Truppe 
unerreichbar, durch ihre Geschosse 
die Makedonen. Zuletzt liess 
Alexander den Wald von seinen 
Soldaten umzingeln, um, wo es 
möglich wäre, einzudringen. Al- 
lein sehr viele verirrten sich und 
einige, darunter auch das Leibross 
des Königs, derBukephalas wurden 
abgeschnitten. Der Verlust seines 
Streitrosses versetzte den König 
in die äu'sserste Wut, und es 
scheint , dass die Romantiker 
hierin die ersten Anzeichen seines 
gleich darauf ausbrechenden Cä- 
sarenwahnes erblickten. Er drohte 
das Land völlig zu Grunde zu 
richten und den ganzen Stamm 
der Marder auszurotten , wenn 
sie das Pferd nicht zurückgäben, 
und machte sich auch alsbald 
daran, die Drohungen auszuführen. 
Er liess die Wälder niederhauen 
und die durch verschlungenes 
Geäst unwegsame Ebene mit Erde, 
die von den Bergen herbeigeschafft 
wurde, aufschütten. Schon war 
das Werk bis zu einiger Höhe 
gediehen , als die Barbaren an 
der Möglichkeit, ihr Land zu 
behaupten, verzweifelnd, das Pferd 
mit kostbaren Geschenken her- 
beiführten und sich ergaben, indem 
sie Geiseln stellten. Der König 
unterstellte sie darauf dem Phra- 
dates und kehrte am 5. Tage 
ins Standlager zurück. Den Ar- 
tabazos entliess er sodann nach 
Hause. Nun kam man zur Haupt- 
4 



50 J- Marquart, 

Arrian y 23—24. Curt. 6, 4—5, 23. Diod. 17, 75. 76. 

von Sparta, Athen, Sinope, Kai- stadt von Hyrkanien, wo der 
chedon , die an Dareios gesandt Palast des Dareios ^) gewesen 
worden waren und sich nach war. Hier erschien N a b a r - 
dessen Tode den Griechen an- zanes, nachdem er Verzeihung 
geschlossen hatten. Die Gesandten erhalten, mit ungeheuren Ge- 
von Sparta und Athen wurden schenken, worunter der Eunuch 
festgenommen und in Gewahrsam Bagoas, der Geliebte des Dareios 
gehalten, die von Sinope und und später des Alexander. 
Kalchedon entliess er, weil ihre 
Städte persische Unterthanen ge- 
wesen waren und nicht zum 
hellenischen Bunde gehört hatten. 
Ebenso wurden von den Söldnern 
die, welche vor dem hellenischen 
Bündnis in persische Dienste ge- 
treten waren, freigegeben, die 
andern mussten in seine Dienste 
übertreten. Hierauf zog er nach 

Zadrakarta, der grössten Stadt ^ , '^ ^; '' wohl des Dareios II. 
„ T . ' ^- -n -n 1 Ochos, der vor seiner Thronbestei- 

Hyrkaniens, wo die Residenz der guDg Satrap von Hyrkanien gewesen 
Hyrkanier war. war Ktes. Pers. 44. 

Von Dämayän aus war der natürliche Weg Alexanders nord- 
wärts über Täk durch das ^ All -öäsmä- Thal. Die Streitmacht des 
Krateros muss wieder eine Strecke westwärts gezogen sein, da 
die Griechen, welche sie aufsuchen sollte, schon von dem Orte 
aus, welchen Alexander am vierten Tage nach dem Aufbruch 
aus Ragai erreichte, d. h. etwa von Semnän {ZijfiLvcc) aus sich 
nordwärts in die Berge der Tapuren gewandt hatten. Diese sind 
also nördlich von Semnän im Sawäd-küh und weiter östlich zu 
suchen. Die längere Heerstrasse, auf welcher Erigyios die Bagage 
hinüberführte, kann nur über Sährüd geführt haben. 

Weit schwieriger ist es aber, den Sammelpunkt der drei 
Heersäulen auf der Nordseite der Elburzkette zu bestimmen. Für 
die Charakteristik der Urquelle des Diodor und Curtius ist es 
von Wichtigkeit, dass sie, wie man sofort sieht, die beiden Rasten 
Alexanders zu Beginn und nach Beendigung des Gebirgsüberganges 
zusammengeworfen hat, so dass die Beschreibung des Verlaufs 
desselben ganz unbrauchbar geworden ist. Die Rehabilitierung 
des Nabarzanes ist, entsprechend der Schwere seines Verbrechens, 
sehr psychologisch und ganz in der Weise eines modernen Romans 
in zwei successive Akte zerlegt. Nach Curtius wäre es dem 
Krateros und Erigyios auch geglückt, den Satrapen der Tapuren, 
Phradates in ihre Gewalt zu bekommen. Auch hier sehen wir 
wieder das Bestreben obwalten, die Ereignisse mehr nach rheto- 
rischen als nach rein sachlichen Gesichtspunkten zu gruppieren 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 51 

und zu gestalten. Vor allem ist hier der Irrtum jener Quelle 
zu beseitigen, dass Alexander schon vor dem Zuge gegen die 
Marder ganz Hyrkanien durchzogen und dessen sämtliche Städte 
his zur Küste des Kaspischen Meeres sowie die benachbarten 
Völkerschaften unterworfen (Diod. 17, 75, 3. 76, 1) und 
beim Eintreffen des Artabazos unmittelbar vor der Errichtung 
des Standlagers bereits ultima Hyrcaniae d. i. nach dem 
Zusammenhange die jenseitige Grenze von Hyrkanien erreicht 
hatte (Curt. 6, 5, 1). Diese Auffassung beruht lediglich auf einem 
Missverständnis des Ausdrucks ultima Hyrcaniae = ta 
k'öxarci trjg ^TQKccvlag, der im Sinne der zeitgenössischen Quellen 
den Beginn des hyrkanischen Gebietes bezeichnete, wo Alexander 
nach Überwindung des Gebirges rastete (Arrian y 23, 4), nicht 
aber dessen Ende. Allgemein nimmt man nun an, dass Alexander 
und vor allem Erigyios direkt nach Zadrakarta, das man ein- 
stimmig beim heutigen Astaräbäd sucht, gezogen sei. Alexander 
wäre über Tlk, Kalätä und Cär-deh durch den Engpass Samsir- 
bur nach dem Thale Caman säwar und von da über den Berg 
Gihän-numä auf steil sich hinabwindendem Pfade nach Astaräbäd 
gelangt^). Den Erigyios lässt man meist den grossen Umweg 
über Bistäm, Gägerm und Kälpüs im Gebiet der Göklän-Turk- 
menen (etwa 15 Fars. von Astaräbäd) einschlagen 2) , wo freilich 
der leichteste Übergang über das Elburzgebirge ist^). Allein 
Gägerm an der Strasse nach Chorasan ist von Dämayän aus 
bereits ein so vorgeschobener Posten, dass es als höchst unwahr- 
scheinlich erscheinen muss , dass Alexander gerade seinen Tross 
selbst einem fliehenden Feinde so stark exponiert hätte. Für 
weit wahrscheinlicher müsste es gelten, dass Erigyios von Sährüd 
vielmehr über das Gebirge GalälT nach Kalätä, von da über Täs 
und den Berg Calßalijän nach Bälä-Sähküh und weiterhin über 
den Kamm des Elburz nach Zijärät und Astaräbäd marschiert 
wäre. Alexander hielt nach Überwindung der Pässe an einem 
nicht bedeutenden Flusse in der Ebene, also nach dieser Auf- 
fassung in der nächsten Nähe von Astaräbäd 4 Tage Rast. Nach 
dem Aufbruch aus dem Lager marschiert er auf Zadrakarta, und 
auf dem Wege dahin vereinigen sich mit ihm zunächst das Korps 
des Krateros, welches die Berge der Tapuren durchzogen hatte, 
und bald auch die Abteilung des Erigyios. Nach dieser Annahme 
müsste also die Division des Krateros, die von Dämayän wieder 
2 Tagemärsche bis Semnän hatte zurückmarschieren müssen und 
von da über Gör-i sälid und Peröz-köh den Weg durch das 

^) Vgl. G. Melgunoff, Die südlichen Ufer des Kaspischen 
Meeres 144f. 133. 

2) Spiegel, Eran. Altertumskunde II 536 N. 2. Droysen, 
Gesch. des Hellenismus P, 1, 382 N. 2. 

3) Melgunoff a. a. 0. 143. 

4* 



52 J- Marquart, 

Thal des Talär nach ^All äbäd eingeschlagen und hier die Strasse 
über Säri und Gäz nach Astaräbäd erreicht^), also den weitesten 
Weg zurückgelegt hätte , vor der Vereinigung mit Alexander be- 
reits Zadrakarta passiert haben. 

Diese Auffassung ist indessen mit der Darstellung Arrians 
unvereinbar. Sowohl aus Arrians wie aus Curtius' Bericht geht 
klar hervor, dass keine der drei Abteilungen Zadrakarta vor dem 
Zuge gegen die Marder erreicht hatte. Die Vereinigung der 
drei Heersäulen muss also westlich von Astaräbäd stattgefunden 
haben, und da die Abteilung des Erigyios zuletzt eintraf, so muss 
das hernach errichtete Standlager dem Endpunkt ihres Weges 
am nächsten liegen. Daraus ergibt sich, dass Erigyios nur beim 
heutigen Gäz die Küste erreicht haben kann, und dass sein Weg 
von Sährüd über Täs (6 Fars.), von da über den Berg Cal^alijän 
nach Bälä Sähkü, weiterhin über das Thal Caman säwär nach 
Rädkän (6 Fars.) und von da über Barkuläh (1 Fars.) nach Gäz 
(4 Fars.) führte. Von Gäz bis Sährüd rechnet man heute im 
ganzen 19 Fars. '^). Dazukommt noch die Strecke von Sährüd bis zu 
den Ruinen von Hekatompylos bei Frät , welche 26 + 16 + 16 
= 58 miles oder 14^/2 Fars. = 2 Tagereisen beträgt, im ganzen 
also 5 Tagereisen. Melgunoff brauchte in schlechter Jahreszeit 
von Gäz bis Sährüd 5 Tage. 

Alexander muss demnach noch weiter westlich die Küste 
erreicht haben , etwa bei Pul-i Nikäh. Er zog also von Heka- 
tompylos zunächst nördlich nach Täk, von wo der Weg durch 
eine Schlucht links von diesem Dorfe und dann durch eine ge- 
birgige Gegend weiterführt. Nach Überschreitung^ der ersten 
Berge lagerte man, vermutlich beim Engpass Cäsmä-i 'Ali. 
Melgunoff gibt von diesem Wege folgende Beschreibung 
(S. 144): „Drei Farsakh von Tok ist ein Schwefelquell mit 
klarem und frischem Wasser, von wo aus man die damganischen 
Salzseen sehen kann. Der Weg führt denn immer weiter durch 
Schluchten, in denen man bei jedem Tritte ein hohles metallenes 
Dröhnen hört, bald stärker, bald schwächer, welches von früheren 
unterirdischen Kanälen herrühren soll, durch welche einmal das 
Kaspische Meer mit dem persischen Meerbusen in Verbindung 
gestanden haben soll; andere meinen, es- rühre von den in den 
Bergen lagernden Metallen her. Nachdem man einen Hügel und 
ein altes Karawanserai am Fusse desselben hinter sich hat, kommt 
man durch ein Thal nach Tschaarde oder Tschahordeh »ji.g.:^^)^ 
welches vier Farsakh von dem Schwefelquell entfernt ist. Das 

1) Vgl. J. G. Droysen, Gesch. des Hellenismus P, 1 , 382 N. 2. 

-) Melgunoff, Die südlichen Ufer des Kaspischen Meeres S. 127 ff. 

^) Auf dem vom kriegstopographischen Bureau in Taschkent 
bearbeiteten Blatt XVHI der Karte des asiatischen Kussland Cahadar- 
deh Hara^ap-Äexi. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 53 

Dorf Tschahorde liegt in einer von drei Seiten mit hohen Bergen um 
gebenen Aue, mitten zwischen Gärten, und besteht eigentlich aus vier 
Dörfern. ... In den nahen Bergen hausen Tiger, Panther und der- 
gleichen. . . . Von Tok bis Tschahorde rechnet man 7 Farsakh" u. s. w. 

Diodor und Curtius lassen Alexander allerdings bereits 
150 Stadien von Hekatompylos Rast machen, in valle^ qua 
Hyrcaniam adeunt^ wie Curtius (6, 4, 3) sagt. „Nemus praealtis 
densisque arboribus umbrosum est pingue vallis solum rigantibus 
aquis, quae ex petris imminentibus mananf. In der Nähe war 
ein grosser Felsen, an dessen Fuss ein beträchtlicher Fluss namens 
Stißoir7]g (Curtius Ziobetis für Ziboetis , *Sttbawatis) aus einer 
Höhle hervorbrach. Derselbe floss zuerst 3 Stadien in ungestümem 
Gefälle dahin , und teilte sich dann bei einem zitzenförmigen 
Felsen, an dem er sich brach. Unter diesem befand sich ein 
gewaltiger Schlund, in welchen der Fluss mit mächtigem Getöse 
hinabstürzte und 300 Stadien weit unterirdisch floss, bis er 
wieder zu Tage trat und sofort in einem nunmehr 13 Stadien 
breiten Bette dahinfloss , das aber bald wieder eingeengt wurde. 
Endlich fiel er in einen andern Fluss namens Ridagnus. Die 
Eingebornen behaupteten , dass solche die beim Eingang dieser 
Höhle hinabgelassen würden, beim Wiederaustritt des Flusses 
wieder zum Vorschein kämen. Alexander habe dann zwei Leute 
in den Schlund hinabwerfen und konstatieren lassen, dass sie am 
bezeichneten Orte wieder herausgeworfen worden seien. 

Die angegebene Entfernung führt uns unzweifelhaft nach 
Tak. Es ist deshalb gewiss nicht zufällig, dass Ibn al Faqih^) 
dasselbe Phänomen von Täq oLLJI berichtet. Seine Beschreibung 
lautet: „Täq ist ein schwer zu begehender Tunnel an einer Stelle 
des Berges, den selbst ein Fussgänger nur mit Anstrengung 
passieren kann. Dieser Tunnel gleicht einem kleinen Thore. 
Wenn man ihn betreten hat, schreitet man darin etwa eine 
Meile in tiefer Finsternis voran, dann kommt man heraus zu 
einem weiten Ort ähnlich einer Stadt, den die Berge von allen 
Seiten umringen, und zwar Berge, die niemand zu besteigen ver- 
mag wegen ihrer Höhe , und wenn ihm das auch glücken würde, 
so vermöchte er nicht abzusteigen. Auf dieser Flur sind Höhlen 
und geräumige Kammern, deren Ende man teilweise nicht erreichen 
kann. In der Mitte derselben befindet sich eine wasserreiche 
Quelle, die aus einem grossen Felsen hervorsprudelt und deren 
Wasser wieder in einen andern Felsen hinabsinkt, der etwa 
10 Ellen vom andern entfernt ist, und niemand kennt nachher 
den Verbleib ihres Wassers. In den Zeiten der Könige der 
Perser pflegten diesen Tunnel zwei Mann zu bewachen, die eine 



^) Bei Jäq. III f1., 10 ff. Vgl. die abgekürzte Bearbeitung Bibl. 

Geogr. V (^L,9— 12. 



54 J- Marquart, 

Strickleiter bei sich hatten, die sie hinabliessen* vom Orte, wenn 
einer von ihnen hinabsteigen wollte, lange Zeit hindurch ^). Und 
beide hatten alles was sie brauchten, bei sich auf viele Jahre. 
Die Lage bezüglich dieses Tunnels und dieses ya^ocfvlccKLOv blieb 
ununterbrochen in dem beschriebenen Zustand, bis die Araber die 
Herrschaft antraten. Da begehrten sie hinaufzusteigen, es war 
aber zu schwierig, bis al Mäzijär die Herrschaft von Tabaristän 
antrat. Der fasste diesen Ort ins Auge und lag eine Zeit lang 
vor ihm, bis die Hoffnung, ihn zu besteigen, sich ihm geebnet 
hatte. Da stieg ein Mann von seinen Leuten hinauf. Als er 
nun angelangt war, Hess er Stricke herunter und liess Leute 
hinaufklettern, darunter den al Mäzijär selbst. Schliesslich richtete 
er seine Aufmerksamkeit auf die Gelder, Waffen und Schätze, 
die in jenen Höhlen und Kammern waren. Da betraute er mit der 
Bewachung von all dem Leute von seinen Vertrauten und gieng weg. 
Der Ort blieb nun in seiner Gewalt, bis er gefangen wurde, und die 
mit dessen Bewachung Betrauten entweder kapitulierten oder 
starben. Der Weg ist abgeschnitten bis zu diesem Zeitpunkte." 
Dass Curtius-Diodor und Ibn al Faqih dieselbe Örtlichkeit 
im Auge haben, ist unverkennbar. Wenn die Entfernung zwischen 
den beiden Felsen bei erstem auf 3 Stadien anstatt auf 10 Ellen, 
wie bei Ibn al Faqih angegeben wird, so kann dies um so 
weniger gegen die Identität entscheiden, als Curtius die Breite 
des Bettes des wieder zu Tage getretenen Flusses auf 13 Stadien(!) 
angibt, während doch der Euphrat nach Xenophon nur 4 Stadien, 
der Maiandros nur 2 Plethren breit war (Anab. 1, 2, 5. 4, 11). 
Dass man zu Alexanders Zeiten zu wissen glaubte, wo der in 
den Felsschlund versunkene Fluss wieder zum Vorschein komme, 
im 9. Jh. n. Chr. aber diese Kunde verschollen war, hat gleich- 
falls nichts zu bedeuten. Natürlich kann aber Alexanders Heer 
nicht an der Stelle jenes Phänomens selbst gelagert haben, sondern 
nur unten im Thale; höchstens eine kleine Sicherungsabteilung 
kann dasselbe erkundet haben. Ich glaube aber, dass die ganze 
Beschreibung dieses Ortes gar nicht ursprünglich der Alexander- 
geschichte angehört, sondern einem Bericht über Antiochos des 
Grossen Feldzug im J. 209 entlehnt ist, welcher thatsächlich von 
Hekatompylos aus nach Tayai gelangte und hier seine Dispositionen 
für den Marsch über das Gebirge traf (Polyb. 10, 29, 3). Dafür 
sprechen besonders die 150 Stadien von Hekatompylos bis zu 
jenem Lagerort, welche genau der aus Apollodoros von Artaraita 
zu erschliessenden Entfernung zwischen Hekatompylos und Täyr\ 
= 140 Stadien = rund 5 Fars. entsprechen, aber hinter der nach 
dem sonstigen Wegmass der Bematisten zu erwartenden Anzahl 
(ca. 200 Stadien) erheblich zurückbleiben. Im Unterschiede von 



^) Der Auszug: „vom Gipfel des Berges zu denen, welche zu 
ihnen hinaufsteigen wollten; sonst gab es absolut keinen Weg dahin". 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 

den Bematisten und Alexanderhistorikern rechnete aber Polybios 
nach attischen Stadien zu 185 m. 

Ihn al FaqTh weiss noch eine andere merkwürdige Natur- 
erscheinung aus der Umgebung von Täq zu berichten: „Sulaimän 
b. 'Abdallah erzählt, dass neben diesem Täq etwas wie ein Laden 
sei , und dass , wenn jemand zu ihm komme und ihn mit 
Menschenkot besudle , oder mit sonstigem Schmutze , sich alsbald 
mächtige Wolken erheben und auf ihn herabregnen, so dass sie ihn 
waschen und reinigen und jener Schmutz davon abgeht. Das ist in 
der Stadt bekannt, indem es deren Einwohner wissen und keine zwei 
von den Einwohnern dieser Gegend an dessen Richtigkeit zweifeln, 
und es bleibt kein Schmutz daran weder Sommers noch Winters^)." 

Berüni, der dieselbe Sage erwähnt^), nennt den Ort „Laden 
Salomos des Sohnes Davids" und sagt, dass er in der Höhle 
Ispahbe^än .!LX>..g.*jo! im Berge Täq in Tabaristän liege ^). 
Nun erzählt Melgunoff S. 144: „In der Nähe von Tschahorde 
[7 Fars. von Tok] ist ein Brunnen, Tscheschmebad c>[j».^^:>' ^ 
Windbrunnen genannt. Die Perser glauben, dass, wenn man 
irgend etwas Unreines hineinwirft oder ein Ungläubiger ihn 
berührt, sich plötzlich ein Sturm oder Gewitter erhebe. Aga 
Mohammed Khan, erzählt man, wollte die Wahrheit dieser Tradition 
erproben, aber in einem Augenblicke wurde sein ganzes Heer 
durch einen starken Sturm niedergeworfen." Wenn die Örtlich- 
keiten auch nicht genau stimmen , so ist es doch dieselbe Sage, 
die also auf eine weiter abliegende Lokalität übertragen ist. 

Hinter Kaläta verliess Alexander die Strasse, welche rechts über 

V ^ V ' V 

Cahär-deh und weiter durch den Pass Samsirbur nach Caman-säwar 
und von da einerseits über Rädekän nach Gäz, andererseits nach Asta- 
räbäd führte, und zog links auf der Strasse, die auf der oben S. 52 Anm. 3 
erwähnten russischen Karte des asiatischen Russlands verzeichnet ist, 
über Namäkä, Badali, Nabendi nach Pul-i-Nikäh, wo er in der Ebene 
am Ufer des Nikäh Rast hielt*). Der Weg Alexanders war also 
in der That nicht viel kürzer, dagegen allerdings weit beschwer- 
licher als der des Erigyios. Leider fehlt uns jede Angabe darüber, 
wie lange Alexander zu dem Gebirgsübergang gebraucht hat. 

^) Jäq. HI fil, 4flF. Bibl. Geogr. Arab. V i^L. 13—16. 

-) Chronologie S. l'fl, 3 (=235 der Übersetzung S ach au 's). 

' o ~ 

^) Diese Höhle ^.,iLXA.g^ADf ist natürlich nicht zu verwechseln 
mit der gleichnamigen Stadt, die nur 2 Meilen vom Meere entfernt 
war, Ibn al Faq. t^r, 10. t^t., 7. 

•*) Es ist anzuerkennen, dass Niese, Gesch. der griech. und 
makedon. Staaten I 108 N. 1 , sich der Schwierigkeiten des herkömm- 
lichen Ansatzes des Lagerortes bei Zadrakarta voll bewusst geworden 
ist. Freilich liegt Säri, an das er denkt, wieder zu weit westlich. 



56 J- Marquart, 

Von da schlug er den Weg östlich der Küste entlang über Asräf 
und Gäz nach Zadrakarta ein. In der Nähe von Asräf haben 
wir die svöatfioveg ^cofiai zu suchen , deren üppige Vegetation 
so hoch gepriesen wird (Diod. 17, 75, 4 — 7 vgl. Curt. 6, 4, 21. 22). 
„Durch ihre malerische Lage und den Reichtum der Vegetation 
zeichnet sich die Stadt vor allen andern Städten an der südlichen 
Küste des Kaspischen Meeres aus , dennoch aber ist der Distrikt 
Aschref einer der ärmsten in der ganzen Provinz Mazanderan" ^). 
Zunächst traf nun von Westen her das Korps des Krateros ein, 
und bei Gäz langte auch Erigyios mit der Bagage an. Als dann 
auch Artabazos und die Abgesandten der hellenischen Söldner 
eintrafen, wurde gehalten. Artabazos und die hellenischen Söldner, 
die ja einen beträchtlichen Vorsprung hatten , da sie schon von 
Semnän aus sich in die Berge gewandt hatten und deshalb von 
dem Korps des Krateros nicht mehr erreicht worden waren, hatten 
den Satrapen der Tapuren , Wätafrad^äta veranlasst , mit ihnen 
nach Hyrkanien zu ziehen und standen offenbar bereits östlich 
von Zadrakarta. Der Ort des Standlagers, das heutige Gäz, besitzt 
eine strategisch sehr wichtige Lage , da er die Verbindung 
zwischen Tabaristän und Gurgän beherrscht. Von Gäz rechnet 
man 6 Fars. nach Astaräbäd (Melgunoff, Die südlichen Ufer 
des Kaspischen Meeres 112). Hier muss die alte Stadt Tames 
^C:'^^f:^h oder Tamesa 2i.^^^b ^ 2>^^^j gelegen haben, welche in 
der Sasaniden- und altern Chalifenzeit eine wichtige militärische 
Rolle spielte. Sie war 7 Fars. von Astaräbä(^ entfernt (Ibn al 
Faq. (^(^«j 6) und lag an der Grenze zwischen Tabaristän und 
Gurgän"). Genau war die Grenze bei Ribät-i Ächor zwischen 
Tames und Astaräbä(^ (Ibn Rusta Ifi, 11). Bei Tamesa befand 
sich eine vom Gebirge bis zum Meere reichende Backsteinmauer, 
welche Chosrau Anösarwän zum Schutze des Landes gegen die 
Einfälle der Türken erbaut hatte ^). Köhijär, der Bruder des 
Spähpets Mähjazdjär*) zerstörte im Auftrage des letztern Stadt 
und Mauer von Tames, um den dort angesiedelten Arabern ihren 
Stützpunkt zu entziehen. Darauf liess Sarchästän ^) , der Wezir 
des Mähjazdjär, die Mauer des Chosrau wiederherstellen und 
noch ins Meer hinein erweitern und mit Türmen verstärken und 
errichtete ein festes Lager, um den Truppen des Emirs *^ Abdallah b. 
Tähir den Zugang zum Lande zu verwehren. Die einstige Bedeutung 



1) Melgunoff S. 149. 

2) Ibn al Faq. r»^ 19. Ibn Rusta lö., 2. 

3) Ibn Rusta tö., 4ff. = Ibn al Faq. t^.f, 7 ff. Tab. III Ifvö. 

*) So Bai. rf, 14. \^n, 7 ff. „den Ized Mäh zum Helfer habend' 
gewöhnlich abgekürzt a^j^-*. 

5) Tabaristanisch für ^[.X^\j.d>j^X^ (Cahir eddin). 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 57 

von Tamesa tritt noch in der Überlieferung des iranischen Epos 
bei Firdausi zu Tage , bei welchem es als Residenz des Fredün 
erscheint^), welcher hier dem Partherkönig Mithridates I. entspricht. 
Der Peldzug gegen die Marder führte Alexander bis in die 
Gegend von Ä m u 1 , das von denselben seinen Namen hat. Ämul 
ist die regelrechte neupers. Form des alten Volksnamens Mccqöoc 
oder "AfiaQÖoi', ap. *Mrda oder *Äinrda. Unter dem Namen 
"A^aqdoL lernte Patrokles dieses Volk am östlichen Ufer des unteren 
Spe(^-rö(5~ (Qyzyl-özän) kennen. Ihr Gebiet wird ganz so geschildert 
wie noch in der Chalifenzeit Tabaristän, dicht bewaldet und un- 
wegsam , mit vielen Schluchten und hohen Bergen. Manches 
arabische Heer wurde hier mit blutigen Köpfen heimgeschickt, 
und auf Ma^qala b. Hubaira, der unter Mu'äwija bei einem Ver- 
suche, in Tabaristän einzudringen, in dessen Engpässen den Unter- 
gang gefunden hatte, ward das Sprichwort gemünzt: „bis Ma9qala 
aus Tabaristän zurückkehrt ^). Der Partherkönig Phradates I. 
unterwarf die Marder wiederum und verpflanzte sie nach der 
Stadt Xccqa^ in der Nähe der kaspischen Thore-^). Ihre Sitze 
nahmen alsdann die Tapuren ein, von denen das Land später den 

Namen Tabaristän (Münzen pf3;2i^^f Tapurstän) erhielt. Ein 
anderer Stamm des weitverzweigten Volkes der Marder wohnte in der 
Nähe des Oxus, und zwar nicht bloss an dessen Mündung*), sondern 
auch viel weiter östlich^), wo noch im Mittelalter die Stadt Ämul 
oder Ärnüi] chin. Mu^') (heute Cärgüi) ihren Namen bewahrt hatte. 
Dass wir die Sitze der Marder bei Ämul und das Standlager 
Alexanders bei Tames richtig bestimmt haben , wird durch die 



1) In Rückert's Übersetzung Bd. 172. 115. 130. Freilich findet 
sich in den arabisch-persischen Reflexen des Chod'äi-nämak keine Spur 
davon. — Vgl noch über Tamesa Spiegel, Eran. Altertumskunde I 69 
N. 1. CahTr eddin IT f. Dorn, Auszüge aus muhammedanischen Schrift- 
stellern S. 37. 73. 

2) Bai. i^(*'ö, 4—10. 

^) Justin 41, 5, 9. Isidor v. Charax, ctccd'^ol TIaQ'd'i'aoi § 7 bei 
C. Müller, Geogr. Gr. min. I 251. Vgl. oben S. 25 Anm. und 
mein „Eränsahr" S. 135 f. und Anm. 7. 

^) Mela 3, 39: intus sunt ad Caspium sinum Caspii et Amazones 
sed quas Sauromatidas adpellant, ad Hyrcanium Albani et Mochi (Mükän) 
et Hyrcani, in Scythico Amardi et Pestici et iam ad fretum 
Derbices. 

3, 42: Jaxartes et Oxos per deserta Scythiae ex Sugdianorum 
regionibus in Scythicum (sinum) exeunt, ille suo fönte grandis, hie 
incursu aliorum grandior, et aliquamdiu ad occasum ab Oriente ad 
septentrionem converso inter Amardos et Paesicas os aperit. Die 
Paesicae oder Pestici (Plin. 6 , 50) sind die 'ATtaGiccnoci des Polybios 
i 48 und Strab. la 8, 8 p. 513, die IlavöUcct Her. y 92. S. oben S. 28 Anm, 

^) Plin. h. n, 6, 47 : Ab huius (Margianae) excelsis per iuga Caucasi 
protenditur ad Bactros usque gens Mardorum fera, sui iuris. 

®) S. meine Chronologie der alttürkischen Inschriften S. 64 f. 



58 J- Marquart, 

Angabe des Curtius aufs schönste bestätigt, dass Alexander am 
5. Tage nach der Unterwerfung der Marder das Standlager wieder 
erreichte (6, 5, 22 inde quinto dieinstativarevertitur). 
Die beiden Rezensionen des Istachri ^(1 geben folgende Itinerare 
von Ämul nach der Hauptstadt von Gurgän: 

cc ß (C, E, und L) 

Amul 
Mela 2 Fars. 1 

,0*3 } 1 marh. 

^? 3 . i 

Sari ja 1 marh. 

Bärist 1 marh. Nämija^) 1 marh. 

Abädän 1 „ ^^^\jJ-) 1 y> 

Tamesa 1 „ Tamesa 1 „ 

Astaräbä^ 1 marh. 

Ribät Haf9 1 „ 

Gurgän 1 ^ 

Das erstere Itinerar ist von Särija ab von Muqaddasi t*^vr, 14 ff. 
aufgenommen worden, das zweite findet sich teilweise bei Ibn al 
Faq. \^\^,, 5 wieder, wo es folgendermassen lautet: 

Nämija 8 Fars.*) 

Tames 6 „ 

Astaräbäd 7 „ 
Sahristän 14 „ 

(35 Fars.) 

Dass hier Ibn al Faqih das richtige hat und Nämija näher 
bei Tames lag, scheint sich schon daraus zu ergeben, dass Mihrawän, 
welches in cod. C des Istachri dessen Stelle einnimmt, 10 Fars. 
von Särija entfernt war (Ibn al Faq. l^.t^, 13). Eben darauf 
führt Ibn al Faqih's Bemerkung r".5^, 12: „Zwischen Särija, 
Nämija und Tames sind 20 Fars.". Diese Angabe ist freilich 
sehr ungenau ausgedrückt, kann aber doch nur den Sinn 
haben, dass man von Särija über Nämija nach Tames 20 Fars. 
rechnete, während er S. i^.^*, 13 (daraus Jäq. III öfv, 16) die 
Entfernung zwischen Särija und Tames (also wohl auf direktem 



^) C ^J^j^, Diese Stadt hatte eine Kanzel und lag nach Ibn 
al Faq. 5^.^, 13 10 Fars. von Särija. 
2) Cod. F ,i5^U, ^^^\J)^\. 

') J .10". 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 59 

Wege) nur auf 16 Fars. angibt. Nämija war nur ein Dorf ^), das 
seinen Namen (&.xyolJ, arabisiert aus np. /jLj, pbl. nämik , nam- 
haft", oder, falls X.x^Lj zu lesen, np. /iLj, phl. bämik „glänzend", 

aw. hämja) in historischer Zeit nicht rechtfertigte. Es wird mit 
Tarn es zusammen in der Eroberungsgeschichte (a. 30 H.) ge- 
nannt ^). 

Sollte dagegen ^^^^1 derselbe Ort sein wie das heutige 
Dorff (ww|-*.j^J Llmräs östlich von Asräf an der Grenze der 
Kreise Kulbäd und Asräf ^), so hätte Istachri die richtige Reihen- 
folge bewahrt. Wenn aber damit auch Jäqüt's ^^y^*) identisch 

sein soll, so muss seine Angabe, dass es nur 1^/2 Fars. von Astaräbäd 
entfernt sei, notwendig falsch sein. 

Neuere Reisende geben folgende Route von Säri nach Asta- 
räbäd 5) : 

Säri 

Asräf 8 Fars. 

Kulbär 5 „ 

Sär mahallä 7 „ 

Astaräbäd 8 „ 

Von Ämul gab es auch einen direkten Weg nach Särija, der 
Turunga nicht berührte, sondern in einer Tagereise nach Mämatir 
-AJa/iU, und von da in einer weiteren Tagereise nach Säri führte ^). 
Muqaddasi {*^vr, 13 hat hier wieder Verwirrung gestiftet. Sein 
Itinerar lautet: 

Amul 

Mämatir 1 marh. 

Särija 1 „ 

Beginn der Grenze 3 - 



■'ö-' 



Allein Turunga lag ja vor Sanja. Es muss also richtig 



1) Bai. ri^'f , ult. Nach Tab. I I'aI^'v, 14 war es keine Stadt, 
sondern eine wüste Ebene. 

*) Die Vermutung Wüsten felds (Jäqüt V 298), dass '»^^ 
mit ,^jt^^^ identisch und nur eine falsche Schreibung statt ä-s^^a^Lj 
(vielmehr K.avwoLj] sei, ist also abzulehnen. 

3) Melgunoff, S. 161. 

*) Jäq. IV l^vl, 7. 

^) Mordtmann, Hekatompylos. SB. der bair. Akad. 1869, 1, 535. 

«) Ist. Hv, 2 = Ibn Hauqal ^ö, 12. 



60 J- Marquart, 

beissen: ^JS ^Jf 3I | Ä.).s>y, ^^LwU ^Ji jJf ^^ J.i>LJV 

Ebenso unricbtig ist die Angabe des Ibn al Faqih {*^»r, 15: 
„Die Hauptstadt und zugleich die grösste Stadt von Tabaristän 
ist Amul, wo die Stadthalter residieren, dann Mämatir, die 6 Fars. 

von einander entfernt sind, dann Turunga K.^* J', eine kleine Stadt, 

die 6 Fars. von Mämatir entfernt ist, dann Särija.* Tumnga 
muss in der Nähe von Mämatir gelegen haben und kann nur von 
Ämul 6 Fars. entfernt gewesen sein. Heute rechnet man von 
Amul nach Bärfurüs, dem alten Mämatir, 7 Farsach subuk = 
1 Tagereise, und von da nach Säri 7 Fars.^), BalädurT bei Ibn 
al Faqlh ^,^, 14 (= Jäq. HI ö.f , 12) gibt die Entfernung 
zwischen Amul und Särija auf 13 Fars. an 2). 

Wir erhalten demnach folgende zwei Itinerare: 
Ämul Ämul 

i^i^ 2 Fars.l 

Mämatir 6 Fars. (1 marh.) '^Ji 3(?) „ J ^ "^^^^' 
Särija 1 marh. Särija 1 marh. 

c:^-^W ■'■ n ^iS«^\J, 1 » I oder 

^\c>i^ 1 „ Nämija») 8 Fars. (1 marh.)/ umgekehrt 

Tamesa 1 „ Tames 6 „ (1 „ ) 

Astaräbä(^ 7 Fars. (1 marh.) 
Ribät Haf9 1 marh. 1 14 p« 5. 
Gurgän 1 „ / 

Die Entfernung von Ämul bis Tamesa beträgt also genau 
5 Tagereisen, und von da hatte man noch eine Tagereise bis 
Astaräbäd (Zadrakarta). 

Tomaschek identifiziert die von Curtius genannte Stadt 
Arvae, bei welcher die Wiedervereinigung mit den Corps des 
Krateros und Erigyios stattfand, mit dem von Ptol, 6, 9 unter 
980 L 400 30' Br. aufgeführten 2:c^^j3a. Ist diese Gleichsetzung 
richtig, so wäre Sd^ßa der antike Name von Tamesa. 

Antiochos d. Gr. scheint im Jahre 209 im wesentlichen den- 



1) Melguiioff a. a. 0. S. 176. 

2) Wenn Jäq. III I., 9 dafür 18 Fars. gibt, so hat er die beilbn 
al Faq. {^.r, 16 nicht angegebene Entfernung Turungk- Särija (1 Tage- 
reise) fälschlich dazugerechnet. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran, 61 

selben Weg gemacht zu haben wie Alexander. In Tagai ward 
er von den Eingeborenen über die Schwierigkeit der zu passierenden 
Gegend unterrichtet, bis man zu den Übergängen des Labos- oder 
Labutasgebirges gelange , die nach Hyrkanien führen. Er teilte 
nun sein Heer in 3 Abteilungen und gab jeder eine Anzahl 
leichtbewaffneter Truppen und Pioniere bei, welche im Notfall 
die von den Feinden besetzten Höhen erklimmen und die Wege 
in Stand setzen konnten. Die Schwierigkeiten des Weges stellten 
sich aber als viel bedeutender heraus, als der König sie sich vor- 
gestellt hatte. Die Länge des Aufstieges betrug gegen 300 Stadien 
(= 10 Fars.), währenddessen der Weg grösstenteils durch die 
tiefe Schlucht eines Gebirgsbaches führte , welche häufig durch 
herabgestürzte Felsblöcke und Baumstämme versperrt war; wo 
dies nicht der Fall war, hatten die Eingeborenen künstliche Ver- 
haue hergestellt und den ganzen Hohlweg entlang die geeignetsten 
Vorsprünge besetzt, von denen aus sie das makedonische Heer 
belästigen konnten. Allein die Massregeln des Königs bewährten 
sich, und als es beim ersten Wachtposten zum Zusammenstoss mit 
der ersten Division unter Diogenes kam, erkletterten die Leicht- 
bewaffneten des Diogenes ohne weiteres die Seitenwände der 
Schlucht und gewannen so einen höheren Standpunkt als die Feinde, 
denen sie mit ihren Geschossen, besonders mit den Schleudern, 
sehr zusetzten. Hatten sie dann dieselben von ihren Posten ver- 
trieben, so erhielten die Pioniere Gelegenheit den Weg ungestört 
in Stand zu setzen. Auf diese Weise gelang es der Armee des 
Antiochos, die Engpässe sicher, wenn auch langsam und mit 
grossen Schwierigkeiten zu überwinden, bis man endlich am achten 
Tage die Höhen des Labos erreichte. Darunter ist wohl die letzte 
Gebirgskette zu verstehen, welche man auf dem Wege nach 
Hyrkanien zu übersteigen hat. Hier hatten sich die Feinde ge- 
sammelt, entschlossen, den Makedonen den Übergang zu wehren, 
und es entspann sich ein heisses Gefecht, in welchem Antiochos 
jedoch dank der Tüchtigkeit seiner Leichtbewaffneten, welche eine 
grosse Umgehung ausgeführt und die überragenden Punkte im 
Rücken der Feinde besetzt hatten, Sieger blieb. Der Feind wandte 
sich zur Flucht, der König liess aber die Seinigen von der hitzigen 
Verfolgung durch Trompetensignale zurückrufen, da er in ge- 
schlossener Ordnung nach Hyrkanien hinabziehen wollte. Darauf 
zog er nach Tcc^ßqa^^ einer unbefestigten Stadt, die aber einen 
ziemlichen Umfang hatte und einen Palast besass, und hielt dort 
Rast. Da aber die meisten der aus der Schlacht geflohenen Feinde 
sowie die Einwohner der Umgegend sich nach der nicht weit von 
Tambrax gelegenen Stadt ZiQvy'E, zurückgezogen hatten, welche 
wegen ihrer Festigkeit und ihrer sonstigen günstigen Lage ge- 
wissermassen die Residenz von Hyrkanien war, so beschloss er 
diese gewaltsam zu nehmen. Die Stadt war von einem dreifachen 
Graben umgeben, jeder wenigstens 30 Ellen breit und 15 Ellen 



Q2 J- Marquart, 

tief. An den Rändern eines jeden lagen doppelte Wälle, und 
zuletzt ein mächtiges Vorwerk. Die Parther wehrten sich tapfer, 
allein der Übermacht des Königs gelang es schliesslich, die Gräben 
aufzufüllen und die Mauern durch Minen zum Einsturz zu bringen. 
Nun töteten die Parther die in der Stadt ansässigen Hellenen, 
plünderten die wertvollsten Geräte und versuchten sich während 
der Nacht durchzuschlagen. Allein als der König dies gewahr 
wurde, schickte er ihnen den Hyperbasis mit den Söldnern nach, 
welcher die Feinde wieder in die Stadt zurücktrieb. Als nun 
die Infanterie durch die Bresche eindrang, verzweifelten sie am 
weiteren Widerstand und ergaben sich. 

Leider lassen sich die beiden Städte Tcc^ßQcc'^ und Eiqvyh, 
bis jetzt nicht mit irgend welcher Sicherheit identifizieren. Es 

gab wohl eine sehr feste Burg ^ jio Tabarah auf dem Gipfel 

eines kleinen Berges in der Nähe von Raj, rechts von der Strasse 
nach Chorasan, die vom Selgukensultan Togrul b. Arslan im 
Jahre 588 H. zerstört wurde (Jäq. III ö.v^ 19 ff.), dagegen ist in 
Hyrkanien und Tabaristän weder heute noch im Mittelalter ein 
ähnlicher Name zu finden. Cahir-eddm p. 10, 14 gibt allerdings 
an, dass ^h im Dialekt von Tabaristän »Berg* bedeute. Man 

kann vermuten, dass Tambrax beim heutigen Säri lag, dann hätten 
wir ZC^vyh, etwa in dem eine Tagereise westlich von Särija ge- 
legenen Ort ^^' j oder c^j^ Turunga der arabischen Geo- 
graphen zu suchen, der eine Kanzel besass. Dorn, Caspia 49 
stellt für Sirynx auch den x-^j ^^i.j.j Türeng-täpä (Fasanenhügel) 

im Gebiete von Astaräbäd zur Verfügung, wo man viele Alter- 
tümer gefunden hat. Jedenfalls hat der Name Zi^vy^ mit Särl 
LcLm arabisiert K>j,Lw nichts zu thun. Denn wie der dazu er- 
fundene Eponymos ^j^^Lw bei Cahir-eddin t^*^ 3 etc. beweist, ist 
ßärl dialektische Umbildung von Särm. Der Name Särüi oder 
älter Ö5,l>w. Särük aus Sarbüh ist aber ursprünglich ein Appella- 
tivum mit der Bedeutung „Burg" oder „Palast" ^). Die appella- 



^) Zum Übergang von ü in l vgl. Hörn, Neupers. Schriftsprache 
S. 27 § 5, 6. — \3*)^mA\ hiess ein uralter auf Tahmörup zurückge- 
führter Palast in Ispahän Ihn Rusta III", 1 , bei Hamza {*'♦, 3. tiv, 8. 
Ha. 5 V. u. t11, 4 v. u. Fihrist Tf., 16. 27. t*fl, 14 xj_5jLv. sowie die 
Burg von Hamadän, in welcher man das von &am gegründete 
Wara erblickte, Jäq. IV IaS^, 8. Ibn al Faq. Hi, rft, m, wo- 
für | Jäq. III % 18 vgl. IV iAi^, 9. 14 die neupers. Form ^^ 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 03 

tive Bedeutung des Namens TdfißQa^ würde es erklären, wes- 
halb derselbe später durch ein anderes Appellativum ersetzt worden 
wäre. Haben wir dagegen ^j^^^\ 1 mit dem heutigen Limräs 

gleichzusetzen, so könnte Tambrax mit dem mittelalterlichen 
Nämija zusammenfallen. 

Strabon La 7,2 p. 508 schreibt TaAAßQOTiri für TdMßQaaa 
(acc.)^). Wenn er aber zum ßaßlleLov Tdyrj (s. o. S. 21) bemerkt: 

(pccüL fiLKQOv VTCSQ T'^g d'aXdttTig l6 Qv (jLEvov, SO bcruht 
dies auf einer Verwechslung mit Tcc^ßQa^, wie die Entfernung 
Tage's von den Kaspischen Thoren unwiderleglich beweist. Neben 
diesen beiden nennt er noch zwei andere hyrkanische Städte 
2!a(jLaQLav7J und KaQTa. Letzteres dürfte dem ZaßQCLTiaQxa Arrians 
entsprechen, Zcc^aqiavri aber ist dieselbe Stadt, die von Ptol. 6, 9 
p. 416, 11 ZaQccfidvvrj geschrieben und an die hyrkanische Küste 
unter 94'^ 15' L. 40« 30' Br. gesetzt wird. Bei Plin. 6, 113 ist 
der Name in Maria verstümmelt. Dorn, Caspia 54 N. 1. 120 

o 

denkt für ZainaQmvri an U.g.-i;^), eine Stadt in den Qären-bergen, 

1 Tagereise von Särija Ist. S*.ö, H. T.v, 2, was aber mit den 
Daten des Ptol. nicht stimmt. 

Nachdem Alexander in Zadrakarta 15 Tage Rast gehalten 
hatte , welche mit Opfern und gymnischen Spielen zu Ehren der 
Götter ausgefüllt wurden, brach er wiederum nach dem Land der 
Parthyaier auf. Nachdem er diese unterworfen hatte, setzte er 



angibt. yJ^^Lj^ scheint auch der Name der Stadt Ö3I in Sagi- 

ßtän gewesen zu sein (Mas. VIII 42 cod. A), Eine ältere Form 
ist erhalten im Namen der Burg von Karchä de Beth Selöch in 

Garamaea, ^Q^;CD Sarbüi (G. Hoffmann, Auszüge S. 45. 269), die 
identisch ist mit dem im gnostischen Hymnus bei W r i g h t , The 
apocryphal acts of the apostles I p. O^i, 6. QJ^l^ 15. }\^^ 14 ge- 
nannten vvCOVOD Sarbüg. Die älteste Form ist also offenbar *Sarbük 

oder *Särbük. Nun heisst es im Bund. 29, 14 (West, PT. I 120): „The 
enclosure formed by Jam is (in) the middle of Pars, in Sruvä (T D pahl. 
Srübäk); thus, they say, that what Jim formed (Jam-kart) is below 

Mount Jamakän(TD Camakän)". Ich vermute deshalb, dass fj^^'O ^i^ 

Fehler ist für ^üii'O 'SlarSwZ;. Der Übergang von b in die Spirans ß 

nach r ist regelmässig, wie der entsprechende des g in y (Mary). Vor 
ü fällt das ß leicht aus, z. B. MerhuzaUf Mehruzan, Meruzan = 
MiQ'QO^ovlccvrig; vgl. Mehendak, Mehundah = Mihrevandak y '^Mi^ra- 
ßandaka. — S. jetzt auch mein „Eränsahr nach der Geographie des 
Ps. Moses Chorenac^i 134 f. 



1) Vgl. Dorn, Caspia 129. 

2) Jäq. III t*^f{^ schreibt unrichtig ,Lg.-f^ , 



64 J- Marquart, 

ihnen, wie Justin 12,4, 12 berichtet, einen vornehmen Perser 
zum Satrapen, von welchem die nachmaligen Könige der Parther 
abstammten. Wir machen auch hier wieder die Beobachtung, 
dass der Gewährsmann des Trogus seine Hauptquelle selbstständig 
verbessert. Es war ihm bekannt, dass in parthischer Zeit die 
Städte Arsace (Aaad% Äsak) in der östlich an Hyrkanien stossenden 
parthischen Landschaft ^AatavTiv^ und Nlaccia in der Landschaft 
Parthyene (s. u.) die wichtigsten Orte von Parthien waren, und 
er hielt sich zu der Annahme berechtigt, dass es schon in 
achaimenidischer Zeit so gewesen sei. Demnach war die Unter- 
werfung der Provinz Parthien erst mit der Sicherung dieser 
Landschaften beendigt. Der Auszug des Justin ist freilich offenbar 
lückenhaft und verwirrt. Der Text lautet: Parthis deinde 
domitis praefectus bis statuitur ex nobilibus Per- 
sarum Andragoras; inde postea originem Parthorum 
reges habuere. Allein Andragoras war der seleukidische 
Satrap von Parthien , welcher im Jahre 250 v. Chr. (L. Manlio 
Vulsone M. Atilio Regulo coss. , lies C. Atilio Eegulo) ^) sich in 
seiner Provinz selbstständig machte und Goldstatere zum Zeichen der 
Suveränetät mit dem Typus des Viergespanns schlagen Hess-), aber 
nach der Niederlage des Seleukos Kallinikos gegen die Galater 
um 235 den dahischen Parnern des Arsakes erlag (Justin 41 , 4, 
4 — 7). Hier bezeichnet Justin den Arsakes als vir incertae 
originis, allein es ist nicht zu zweifeln, dass sein Gewährsmann 
an der ersten Stelle thatsächlich den Arsakiden einen altadeligen 
persischen Stammbaum geben wollte. Statt Andragoras muss also 
ursprünglich ein anderer Name dagestanden haben, und zwar 
höchst wahscheinlich Phradates. . Dieser führt nach Curt. 4, 
12, 9 in der Schlacht bei Gaugamela die Kaspier, 6, 4, 24 wird 
er als praefectus Tapurorum bezeichnet und 6, 5, 21 werden auch 
die besiegten Marder seiner Verwaltung unterstellt. 8 , 3 , 17 
wird Phrataphernes, welcher mit der Verwaltung von Hyrkanien, 
der Marder und Tapuren betraut wird, und 9, 10, 17 als Satrap 
der Parthyaier auftritt, als Nachfolger des Phradates 
bezeichnet, den er gefangen zu Alexander schicken soll (vgl. 
Arrian 4,18,2). Später wird Phradates hingerichtet, weil er 
im Verdachte stand, nach dem Königtum zu streben 10, 1, 39. 
Es ist demnach klar, dass Curtius den Phradates auch als Satrapen 
von Hyrkanien und Parthien betrachtet haben muss. Der Name 
Phradates, eine Abkürzung von AmocpQadaxrig = ap. Wätafraöäta 



1) Vgl. Droysen, Gesch. des Hellenismus UV-, 1, 364 N. L 
365 N. 23. 

2) Siehe P. Gardner, Numismatic Chronicle 1879 p. 8ff. The 
coins of the Greek and Scythic Kings of Bactria and India in 
the British Museum. London 1886 p. 1. PI. I 1. 2. Henry H. 
Howorth, The initial coinage of Parthia. Num. Chron. 1890 
p. 33-41 (töricht). 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 65 

„von Wäta (dem Windgott) geschaffen" , der im arsakidischen 
Königshaus vom vierten Partherkönige an öfter vorkommt, gab 
aber dem Gewährsmann des Trogus Veranlassung , der von 
Agatharchides erfundenen Genealogie der Arsakiden, welche auf 
einen Sohn des Artaxerxes Mnemon zurückführte^), eine andere 
gegenüberzustellen, welche den unbestreitbaren Vorzug hat, dass 
sie sowohl in der Chronologie als in den geschichtlichen Ver- 
hältnissen sich innerhalb der Grenzen des Wahrscheinlichen hält. 

Von Parthien gelangt Alexander zu den Grenzen von Areia 
{Haraiwa) und nach Zovöia, der ersten Stadt von Areia, wo 
Satibarzanes , der Satrap der Provinz sich zur Huldigung einfand 
und in seiner Satrapie bestätigt wurde. Der König gab ihm 
gegen 40 Lanzenreiter unter Anaxippos mit, um beim Durchzug 
des Heeres durch das Land der Areier dieses zu schützen. Daraus 
geht hervor, dass Alexander zunächst beabsichtigte, die süd- 
östlichen Satrapien Areia, Drangiana und Arachosien zu durch- 
ziehen und zu sichern, um sich erst dann gegen Bessos zu wenden. 
Da erschienen aber einige Perser bei ihm mit der Nachricht, 
dass Bessos die königlichen Abzeichen und den Thronnamen 
Artaxerxes angenommen habe und über die nach Baktra geflohenen 
Perser sowie zahlreiche Baktrianer verfüge; auch erwartete er 
skythische Bundesgenossen. Diese Botschaft bewog Alexander, 
der nunmehr seine gesamte Streitmacht wieder beisammen hatte, 
nachdem Philippos auch die in Medien zurückgebliebenen thessa- 
lischen Freiwilligen, sowie die berittenen Söldner herangeführt 
hatte, seinen Plan zu ändern und unverzüglich auf Baktra zu 
marschieren. 

Man identifiziert SovGia jetzt gewöhnlich mit dem mittel- 
alterlichen Tös ^j^i?, arm. Tos in der Nähe von Mäshäd. 
Freilich stehen dieser Gleichung lautliche Bedenken entgegen, die 
ich nicht zu beheben weiss. Man müsste annehmen, dass eine 
griechische Umformung in Anlehnung an den Namen des be- 
rühmten Zov6a stattgefunden hätte. Umgekehrt haben die Araber 

V , O 3 

den Namen von Söstar, Sostrate d. i. H&atQcc re in JC^^j* Tusfar 

arabisiert ^). Ist die Gleichung richtig, so lässt sich wenigstens 
soviel erkennen, dass Alexander von Zadrakarta aus auf direktem 
Wege am Gurgän-rüd entlang nach Gurgän und von da über 
Samalgän und Bugnürd ins Atrekthal gelangte, wo die zur 
achaimenidischen Satrapie Parthien gehörige seleukidisch-arsakidische 
Provinz ^Aatavrjvrj , arab. Lx^i Ustuwä lag. Ihr Hauptort war 
im Mittelalter Ghabücän^ heute Ghücän. Von da gelangte er 
über den Köh-i Allähu akbar ins Thal des Käschäf-rüd, im 



1) S. diese Unters. I 29 ff. 

2) Vgl. mein „Eränsahr" S. 144 Anm. 8. 

Marquart, Untersuchungen. II. 



ßQ J. Marquart, 

Bundahisn XX 30 Käsp, im Epos Käsak-röt, arab.-pers. 3^^^ 
(Tab. I r'\, 9. *1a., 7) genannt i). 

Die eigentliche Landschaft nccQ&vfjvrj mit dem avXmv IIciQd-civ, 
dem heutigen Därrä Gäz und der Ebene Nriöalcc (ap. Nisäja) beim 
heutigen Asxäbäd, sowie die Landschaften ^ATtccvccQKtiKfiv^ mit 
Ab e ward und Margiana mit dem uralten Marw hat Alexander 
aber auf seinem Zuge nicht berührt. Die Gründung der Stadt 
Alexandropolis bezw. die ümnennung des alten Nisaia in Parthyene ^), 
sowie die Neugründung von Marw unter dem Namen Alexandreia ^) 
muss also zu einer spätem Zeit stattgefunden haben, wahrschein- 
lich während des Winterlagers in Zariaspa 329/28 v. Chr., wo 
sich auch der Satrap Phrataphernes von Parthien einfand, der 
den von Bessos ernannten Satrapen von Parthien Barzanes ge- 
fangen herbeiführte (Arr. 4 , 7 , 1) *). Mit der nicht lange vor 
Alexanders Tode erfolgten Sendung des Herakleides nach Hyrkanien, 
um Schiffe für eine Entdeckungsfahrt auf dem Kaspischen Meere 
zu bauen (Arr. 7 , 16 , 1 — 4) , wird man diese Gründungen 
keinesfalls in Verbindung bringen dürfen. Dass aber die Makedonen 
thatsächlich auch nach Nisaia gekommen sind, ergibt sich aus 
der Bemerkung des Strabon ia 7,3, dass der Ochos durch jene 
Landschaft fliesse, die ebenso wie die Behauptung, dass der Ochos 
und Oxos gleich dem Jaxartes ins Kaspische Meer münden 
{la 7, 4 p. 510), auf Polykleitos von Larisa zurückgeht 5). 

Die Karte des Castorius nennt nach NAGAE d. i. Thagae, Täk 
folgende Stationen: XX Catippa. XX fociana. X Stai. XXXV Saphani. 
Tomaschek setzt Catippa, wofür Orosius 1, 2, 16 Gattppi liest, 
nach Astaräbäd, fociana (Geogr. Rav. 2, 3 p. 48, 6 Gugitana), das 
er mit Ptolemaios' TccvKidva (6, 17 p. 433, 25) identifiziert, nach 
dem Karwanserai Candä-äbäz an der Vereinigung der Quellen des 
Gurgän-rüd. Allein TavMccva liegt bereits in Areia, unter 106 ^ 30' L. 
und 36 ° Br. Catippa ist wohl identisch mit Ptolemaios' KACAIIH 
(für KAOAIIH?) unter 95 ^ 30' L. 40« 20' Br. Die Form 
Catippa erinnert an Xenippa Curt. 8, 2, 14 (aus aw. achsaena 
„braun", phl. chasen, np. chasin, und äp- „Wasser*?) und beruht 
wohl gleich diesem auf Hellenisierung. Orosius liest von seiner 
Karte ab, dass der Kaukasus von den Tigrisquellen bis zur Stadt 

1) S. 0. S. 28 Anm. 

2-) piin 6, 113 regio Nisiaea Parthyenes nobilis, ubi Alexandro- 
polis a conditore. Vgl. Isidor von Charax, ötad'piol UocqQ-. § 12: iv- 
rsv&sv JJagd'vrivi] , a%olvoi X8 , rig avXcav tlagd'av. Nloa rj TtoXig äito 
6%oivaiv g', ^vQ'a ßaaikvKcu tacpai. "Ellrivsg d\ Nlooclccv XiyovGiv. Wie 
die verwandten Stellen lehren, ist zu schreiben Niaccn noXtg. Bei 
Plinius vermute ich deshalb regia Nisaea Parthyenes nobilis. 

3) Plin. h. n. 6, 46. 

"*) Vgl. Droysen, Gesch. des Hellenismus HI 2, 215. 

^) Vgl. Arnold Behr, De ApoUodori Artamiteni reliquiis atque 
aetate. Argentorati 1888 p. 15. 17. vgl. 11 f. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 67 

Charrae d. i. Chwär inter Massagetas et Parthos Ariobarzanes 
heisse; a Charris civitate usque ad oppidum Catippi inter Hyrcanos 
et Bactrianos mons Memarmali, ubi amomum nascitur; a quo 
proximum iugum mons Parthau dicitur; ab oppido Catippi usque 
ad vicum Safrim inter Dahas, Sacaraucas et Parthyenas mons 
Oscobares, ubi Ganges fluvius oritur et laser nascitur. Wie die 
uns erhaltene Karte des Castorius zeigt, stehen die auf derselben 
verzeichneten Flüsse , Gebirge und Völkernamen unter sich und 
mit den Stationen meist in gar keiner Beziehung. Wir sehen 
aber soviel, dass auf das Gebirge nördlich von Chwär bereits der 
Name des Götterberges, * Harabrzatis ^ aw. Hara hdr^zaiti^ np. 
Alburz übertragen war. Für die genauere Lokalisierung dieses 
Gebirges kommen jedoch die in der Nähe desselben verzeichneten 
Massageten und Parther nicht in Betracht; erstere werden von 
Ptol. 6, 10 p. 418 nach Margiana, unter die Derbikker gesetzt. 
Weiterhin werden wir etwa festhalten dürfen, dass das Gebirgs- 
system, welches sich von Hyrkanien gegen Baktrien und Areia 
hin erstreckt, den Namen Memarmali oder, wie die Kosmographie 
des sog. Aethicus (bei Alex. Riese, Geographi latini minores 
p. 94, 22) richtiger hat, Menalius führte^). Dieser Name wird 
von arkadischen Kolonisten in Erinnerung an ihren heimatlichen 
Berg Mainalon aufgebracht worden sein. Vielleicht haben wir 
diesen Gebirgszug mit dem Maenacha des Awestä (Zamjäd jt. 4) 
zu identifizieren. Ein Abschnitt dieses Gebirgssystems war als 
Tnons Parthau bezeichnet, d. i. ohne Zweifel die Gebirgsketten, 
welche das Thal des obern Atrek und des Käschäf-rüd ein- 
schliessen. Noch weniger hat der Oscobares mit der über ihm 
verzeichneten Route Catippi- Safri und den darüber verzeichneten 
Völkern Dahae und Parthyenae zu thun — diese gehören viel- 
mehr in die Nähe des m,ons Parthau — dagegen gehören 
allerdings die Sacaraucae in sein Bereich, wie ich anderswo zeige. 

Der Ort Safri, bei Isidor Zacpqt^ in der Tabula Saphani 
(Geogr. Rav. p. 47 , 22 Saphar) ist wohl identisch mit ÜLcpaQrj, 
das Ptol. unter 107 <^ 15' L. 38 "" 15' Br. in Areia verzeichnet. 
Man hat zu beachten, dass er die ^Aöraßrjvol und Niöaloi ebenso 
wie die Ma68(oqccvoi (in Mazdörän) in den Norden von Areia 
versetzt. 

Alexander hatte , wie wir gesehen , zunächst den Plan , von 
Tös über Mäshäd nach Herät zu ziehen, als er sich durch die 
Nachrichten über Bessos bestimmen liess, unverzüglich auf Baktra 
zu marschieren. Er zog also das Thal des Käschäf-rüd entlang 
nach Pul-i chätün , um von da aus zunächst das obere Marw 
{Marw-i rot, j. Muryäb-i bälä) zu erreichen. Auf dem Marsche 



^) Memarmali ist aus falscher Auffassung einer Korrektur j^^rnnUd 
entstanden. 

5* 



68 J- Marquart, 

dahin erhielt er aber die Nachricht, dass Satibarzanes die make- 
donischen Posten getötet habe, die Areier bewaffne und in 
Artakoana, der Residenz von Haraiwa zusammenziehe. Sobald 
Alexander aus dem Bereich der von Norden nach Herät führenden 
Strassen sei , wolle er von da mit seiner Streitmacht zu Bessos 
stossen. Nun gab der König alsbald den Marsch nach Baktra 
auf und zog an der Spitze zweier Phalangen, der Ritterschaft 
und der Lanzenreiter sowie der Bogenschützen und Agrianer in 
Eilmärschen gegen die Areier, während er die übrigen Truppen 
unter dem Befehle des Krateros zurückliess. In zwei Tagen legte 
er gegen 600 Stadien zurück und gelangte in die Nähe von 
Artakoana, allein auf die Nachricht, dass Alexander schon in der 
Nähe sei, entfloh Satibarzanes mit wenigen Reitern^), da die 
Mehrzahl seiner Soldaten ihn auf der Flucht verliess, sobald auch 
sie erfahren hatten , dass Alexander anrücke. Dieser verfolgte 
nun die, welche ihre Dörfer verlassen und sich dem Abfall an- 
geschlossen hatten, in ihre Schlupfwinkel und begann hier die 
Reihe jener fürchterlichen Strafgerichte, durch welche er sich 
unstreitig einen Platz neben einem Sulla und Gingiz-chan erworben 
hat. Was nicht dem Schwerte zum Opfer fiel, ward zu Sklaven 
gemacht. 

Diodor und Curtius lassen ihn dabei ein unnahbares Felsen - 
nest erobern. Die Beschreibung dieser Heldenthat bei Curt. 6, 6, 
26 — 32 stimmt überraschend mit der Erzählung der Einnahme 
einer festen Stadt durch Alexander im syrischen Alexanderroman 
(ed. Budge S. 203, lOff. = 114 der englischen Übs.), nur dass die- 
selbe hier nach Sdd d. i. Sogdiana verlegt ist. Die Stelle fehlt 
in den uns erhaltenen griechischen, lateinischen und armenischen 
Texten, muss aber aus dem Griechischen übersetzt sein. Ich 
stelle die charakteristischen Züge der beiden Berichte (den 
syrischen nach Budge's Übersetzung) neben einander: 

Curt. 6, 6, 26flf. Budge p. 203, 10 ff. 

Alexander bemüht sich zuerst, Alexander sieht im Lande 

einen Weg gangbar zu machen: Söd einen grossen Fluss, der 
deinde , ut occurrebant inviae nach Südwesten fliesst und schwer 
cotes praeruptaeque rupes, inritus zu überschreiten ist. Von Ge- 
labor videbatur obstante natura, sandten erfährt er nun, dass alle 
In seiner Verlegenheit kommt Vornehmen des Landes an einem 
ihm aber das Glück zu Hilfe. Orte sich aufhielten. „Und mit 
Vehemens favonius erat, et mul- 50 Reitern gieng ich voraus in 
tarn materiam ceciderat miles, der Nacht, um zu gehen und 
aditum per saxa molitus. Haec den Weg auszuforschen und die 
vapore torrida iam inarserat. Stadt zu sehen. Denn es war 
Ergo adgeri alias arbores iubet Nacht und wir kannten die Ge- 



1) Nach Diod. c. 78, 2 und Curt. 6, 6, 22 mit 2000 Reitern. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 69 

Curt. 6, 6, 26fif. Budge p. 203, 10 ff. 

et igni dari alimenta: celeriter- wohnheit der Gegend nicht, und 
que stipitibus cumulatis fastigium deshalb war ich auch furchtsam, 
montis aequatum est. Tunc un- Da gieng ein qundäqör weg 
dique ignis iniectus cuncta con- und erforschte den Weg, kehrte 
prehendit. Flammam in ora hos- zurück und kam zu mir und sagte 
tium ventus ferebat, fumus ingens zu mir: Der Weg ist leicht und 
velut quadam nube absconderat die Stadt ist nicht gross. Da- 
caelum. Sonabant incendio silvae rauf zogen ich und meine Truppen 
atque ea quoque, quae non incen- gegen jene Stadt. Und ich Hess 
derat miles, concepto igne proxima die Homer blasen und die Truppen 
quaeque adurebant. Barbari sup- die Stadt umringen. Und ich 
pliciorum ultimum, si qua inter- liess viel Holz herbeibringen und 
moreretur ignis, efFugere temp- rings um die ganze Stadt ein 
tabant , sed qua flamma dederat Feuer anzünden, und die Truppen 
locum, hostis obstabat. Varia ausserhalb des Feuers stehen, 
igitur caede consumpti sunt : alii Und ich befahl , jeden , der aus 
in medios ignes, alii petris prae- der Stadt fliehen würde, zu töten, 
cipitavere se, quidam hostium Als die Leute in dieser Stadt 
manibus obtulerant, pauci semi- den Schall der Hörner hörten, 
ustulati vfnere in potestatem. kamen sie aus den Häusern heraus 

und sahen das Feuer rings um 
die Stadt, und einige von ihnen 
wollten fliehen. Als sie aber 
aus der Stadt flohen, und von 
der Hand meiner Truppen starben, 
da kam ihr Haupt und die Vor- 
nehmen (204) in jener Stadt 
heraus aus der Stadt und riefen 
mit lauter Stimme: „König Ale- 
xandres, wende deinen Grimm 
in Versöhnung und gebiete deine 
Diener nicht zu töten". Darauf 
liess ich sie vor mich kommen, 
und als sie gekommen waren, 
befahl ich sie in Gewahrsam zu 
nehmen. 

Nach Curtius hätte Alexander inzwischen den Krateros zur 
Belagerung von Artakoana zurückgelassen, wohin sich 13 000 Be- 
waffnete geflüchtet hatten. Nach der Rückkehr Alexanders von 
seiner Blutarbeit hätte sich die Festung alsbald ergeben, als er 
Miene machte, die Belagerungstürme heranzuführen. Allein diese 
Darstellung ist mit der Erzählung Arrians unvereinbar, der von 
einer Belagerung der Hauptstadt überhaupt nichts weiss. Die 
Situation ist sehr ähnlich wie bei der Züchtigung der sieben Städte 
von Sogdiana, Arr. 4, 2, 1. Curt. 7, 6, 10, wo Alexander in der 



70 «J« Marquart, 

That den Krateros zur Belagerung von Kyropolis, der be- 
deutendsten derselben, aussendet, während er selbst sich gegen 
die fünf zunächstliegenden Plätze wendet und dieselben ausmordet. 
Wir werden später sehen, dass die im syrischen Alexanderroman 
erzählte Episode in der That dem Strafgericht gegen die 
sieben sogdischen Städte entspricht, und ich glaube daher, dass die 
von Curtius und Diodor berichtete Geschichte ursprünglich nur 
eine Variante der sogdischen Blutthat ist, die dann von einem 
Romantiker bei der Eroberung von Areia verwandt worden ist. 

Wie weit Alexander bereits nach dem Osten vorgerückt war, 
als er seinen Vormarsch gegen Baktra einstellte und sich gegen 
Herät wandte , lässt sich aus unsern Berichten nicht entnehmen. 
Jedenfalls kann er aber Marw-i rö^ noch nicht erreicht gehabt 
haben. Denn wäre er von Bälä-Muryäb her gegen Herät an- 
gezogen, so hätten ihm die Begleiter des Satibarzanes auf ihrer 
Flucht nicht entgehen können. Er muss also yon Westen her 
gegen die Stadt gerückt sein. Der König wird demnach, um 
die Wüste zwischen Tegend und Muryäb zu vermeiden, von Pul-i 
chätün südöstlich zum Egri-gök, einem linken Nebenfluss des 
Kusk-rüd an der heutigen afghanisch-russischen Grenze gezogen 
sein. In der Gegend von Ak-robät oder Cokan sor erfuhr er 
den Abfall des Satibarzanes und zog sofort südwärts durch das 
Quellgebiet des Egri-gök über die Berge von Herät, wohl über 
Cäsmä-säbz nach Nauchän gegenüber von Birnäbäd. Wie die 
600 Stadien unterzubringen sind, welche Alexander in 2 Tagen 
zurücklegte, ist schwer zu bestimmen. Offenbar sind sie nur bis 
zu dem Punkte gerechnet, wo Alexander die Thalebene des 
Hare-rüd erreichte. Jedenfalls war aber Alexander von der 
Langsamkeit und Bedächtigkeit weit entfernt, die seine modernen 
Erben in Moskau, freilich keineswegs immer zum Nutzen der 
von ihnen vertretenen Kulturaufgabe , auszeichnet , und er hätte 
in diesem Schneckentempo wohl auch sein Ziel nie erreicht. 
Satibarzanes ist wohl nicht auf der Strasse von Herät über 
Marw-i röö nach Balch geflohen, sondern auf dem schwierigen 
Weg, der von Herät ostwärts dem Thal des Hare-rüd entlang 
ins Gebirge und vom Quellgebiet des Flusses über die Pässe 
des Hindukus in die Thäler des Dehäs (Balchäb) und Sari-pul 
(des Flusses von Schibergän) , sowie über Bämijän in die Thäler 
der Flüsse von Chulm und Qunduz führt. 

Eratosthenes berechnet den ganzen Weg von Hekatompylos 
bis ^AXs^dvÖQSLa rj iv 'Agetoig auf 4530 Stadien (Strab. m 8, 9 
p. 514), womit Plinius' 575 mp. bis auf 10 röm. Meilen über- 
einstimmen. Es wird also zu schreiben sein DLXV. Die Entfernung 
der Provinz Areia von Hyrkanien wird auf etwa 6000 Stadien 
geschätzt (m 10, 1 p. 516), eine Angabe, die auf einer Ver- 
wechslung mit der Distanz von den Kaspischen Thoren bis nach 
Alexandreia Ar. (6400 Stadien la 8,9 p. 514) beruhen muss. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 71 

Die Länge von Areia wird auf 2000 Stadien angegeben, die Breite 
in der Ebene auf 300 Stadien. 4530 Stadien würden etwa 
113 Fars. und 16 arabischen Tagereisen ä 7 Fars. entsprechen. 

3. IlcxQcc^oaß^Qag, TlagonaViGccdai, ParaSäta. 

UccQaxodd'Qccg ist der Name des Alburzgebirges bei Strab. 
ICC 8, 1 p. 511: naXEttat 6e xb (ii%Qi' 6svqo (bis zum Flusse Ochos- 
Tegend und Hd^viog) ccTtb zfig ^Aq^Bviag ÖLatstvov ^ ^vkqov ano- 
Ulnov naqaiodO'Qag. Vgl. 8, 8 p. 514. 12, 4 p. 522. 14, 1 p. 527. 

Dazu verhält sich der Pahlawlname Pataschwär{-gar)^) wie 
Pesdäö zu aw. Para-öäta, d. h. Pataschwär ist die Übersetzung 
von UaQaxodd'Qag . 

de Lagarde, Beiträge zur baktrischen Lexikographie 51. 
Mitteilungen I 148 erklärt PeSxwar [so !] oder Padaschwar(-gar) 
[so!] als „das vor Xwar [lies Ghwär ,L3»] d. i. Xcoqyivt]^) 

gelegene Land". Die Pahlawiform von Chwär ist aber Chwärlh 
(Bundah. XII 2 West), das auf ap. *IIu-äd'ra zurückgeht^). 
Letztere Form setzt in der That TLaqaiod^qag noch voraus, 
während bereits Strabon la 9, 1 p. 514 (aus jüngerer Quelle) die 
Landschaft Xcoqtjvyj, Isidor von Charax XociQrjvrj^) nennen, und 
die Stadt bei Plin. 6, 44 Choara, bei Oros. I 2,16 Charrae 
heisst. Der persische Stamm (richtiger Sippe) Pätishuwaris 



1) Derselbe findet sich auch bei Ihn al Faqih ^.^^ ult. , wo für 

das -. .y^\0o^^ oder ^.»-iiliAij der Hss. ys-.L-iOLXj^, herzustellen 
ist; vgl. Ihn Chord. 1(1, 1. Ebenso ist als Titel des Mäzijär Tab. III 

O - O ü o ^_ - 

It'iA, 11 »1.^0^:^.1 v^^^j oder sLui^.L-iluXj I-eswär- oder PaSaSwär- 

gar-Säh für oL^i> jU^J herzustellen. Die Form Patizahar bei 
Ps. Mos. Chor. 2, 53 ist wohl sicher in Patizahor zu ändern ; vgl. z. B. 

arm. Nihorahan, arab.-pers. ^L>..L^ilj .JL:>-.A:5^JlJ pers. ».L.^o, — 

Vgl. weiter über den Namen de Lagarde, Beiträge zur baktrischen 
Lexikographie 51 ff. Spiegel, Eran. Altertumskunde 1, 61. 197. 
Justi, Beiträge zur Geogr. des alten Persiens 2, 3. Nöldeke, Bezzen- 
bergers Beiträge IV 47 N. 2. de Lagarde, Mitteilungen I 148. 
III 260 N. 1. 288 N. 1 und jetzt Hübschmann, Armen. Gramm. 
I 1, 66. 

2) Heute Qysläq Chwär oder cb bX^ ^ östlich von den Kaspischen 

Thoren. Vgl. W. Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien 
I 80 == WSB. Bd. 102, 222. 

^) Darmesteter, Etudes iran. II 85. 191. 

^) Bei Ptol. 6,5 p. 400, 1 zu XoQoavrj verdorben und an falsche 
Stelle geraten. 



72 J- Marquart, 

(eine patronymische Vrddhibildung , vgl. ap. Märgawa^) und die 
Patusarra der Sargoninschriften (in Medien) haben also, wie 
ich bereits Assyriaka S. 647 N. 559 betont habe, mit Pataschwärgar 
nichts zu thun^). 

Von der Jüngern Form geht der Name Xa)^o|it^9'^i^vtJ aus, 
welchen jenes Gebirge bei Ptol. g2 p. 391, 28 führt. Ich weiss 
für den zweiten Teil keine sichere Erklärung. Sollte am Ende 
gar der Name des in Raj ansässigen Geschlechtes Mihrän darin 
stecken, also Ghwär4 Mi^ren^) (mit medischer Imäla für 
Mi^rän) ? 

Der Name Alburz^ aw. Hara hdvdzaiti^ erscheint zuerst bei 
Orosius 1. 1. in der Form Ariobarzanes *) , einer Angleichung an 
den bekannten Personennamen, statt ^A^oßd^^ccrig. 

Der Name des Gebirges naQvaÖQTjg = arm. Farckar in der 
Nähe des Pontos braucht mit Tlaqaioa&Qag keineswegs formell 
identisch zu sein, sondern kann ganz wohl auf ap. *paru-huwäd'ra 
zurückgehen, wie La gar de behauptet hatte ^). Die Wiedergabe 
des ap. -9^ durch öq hat ihr Analogon in MsyacCÖQTjg Her. t? 72, 
falls dies = bagaczd'ra, sowie in ^O^ivSQag (lies ^O'^iÖQag) Ktes. 
ecl. 49^), mit falschem Nasalstrich für Deinons ^O^ad'Qrig Plut. 
Artox. 1. 5, wie in CEnwöiavog für COKvÖLccvog, Diod. iß 71,1 



^) In Nr\6aloi imtoi Her. y 106. ?] 40. i 20 d. i. ap. *Naisäjä{h) 
aspä(h) Rosse von Nisäja liegt eine ähnliche Vrddhibildung vor. Von 
hier aus wurde das e = ai der Vrddhi bei den Hellenen auch auf 
den Namen der Landschaft übertragen : Nriaaiov -jtsSiov Her. 73 40 = 

ap. Nisäja (von W. sz, y.slöQ'ai -j- m"), arab.-pers. L>*».i Ihn al Faq. 

rn, 5. Ta., 13. Jäq. IV WA, 7. Ähnlich Kürus, hebr. lÜ^ID, gr. Kvqog 
zu Kuru-, der Monatsname Bägajädis nach dem darin gefeierten Fest 
des Baga (*bagajäda , sogdisch .X.Six.i) = Mi-öra , später Mid'QccTiava 
Mihragän. 

2) Gegen de Lagarde, Mitteil. I 148. III 260 N. 1. 288 N. 1. 

3) Im grossen Bundahisn 31, 36 ff. (West, Pahlavi Texts I 139 f.) 
ist von drei Paaren die Rede, die von Säm abstammen. Eines der- 
selben, namens Chusrau, erhält hier merkwürdigerweise die Regierung 
von Raj. Ein anderes Paar wird Märgandak genannt, welchem das 
Königreich, Wald- und Bergdistrikte von Padaschwärgar gegeben 
werden. Sollte für Märgandak vielleicht Mihre{w)andak zu lesen 
sein? Dies ist der Beiname eines Mihrän (s. Justi, Iranisches Namen- 
buch unter Mif>räna Nr. 13, S. 214 1), sowie des Bahräm Cöbin (s. eb. 
S. 363^ unter Were)7raghna Nr. 23, sowie Hübschmann, Arm. 
Gramm. I 1 , 52). Die richtige Pahlawlschreibung wäre freilich 
MiQ're-handak ; vgl. auch die Schreibung Mah-hundak Bund. 33 , 7 bei 
West a. a. 0. p. 147. 

*) Vgl. Tomaschek a.a.O. S. 82 = 224. 
^) Vgl. jetzt H. Hübschmann, Armen. Gramm. I 1, 66f. 
^) 'ÄÖQaTtccvav (acc.) bei Isidor von Charax = ap. Ätrpäwna (gen.) 
ist dagegen anders zu beurteilen. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 73 

Zoydiavog, Pausan. 6, 5, 7 Uoyöcog d. i. ap. *Sugudifa^). Es bleibt 
aber unsicher, ob man UaQvdÖQrjg als *paru-hädr = *paru-chä&r 
aufzufassen hat, so dass wir bereits die in armen. Parchar vor- 
liegende Vertretung von ap. huw durch armen, ch (bezw. h) zu 
erkennen hätten , oder aber als *par-huwädT mit Abfall des 
Stammvokals des ersten Kompositionsgliedes, wie in TIccQ^iöriq 
(Ktes. ecl. 3. 52) = ap. ^Paru-misa (vgl. Wahu-misa^ Beh. 2, 49 fi., 

Q>(iL6r}g Plut. Artox. 4), Qd^^LQtg = np. ,.g.:>-,5. 

Dagegen liegt die Präposition para- auch vor in Pa-ar-ü- 
pa-ra-e-sa-an-na^ welches in der babylonischen Version der Inschrift 
von Behistün 1. 6 das ap. Qandära wiedergibt. Es ist abzuteilen 
Par-uparaesana d. i. ap. "^Para-uparisaina „das vor (d. h. südlich 
von) dem Uparisaina-gebirg gelegne Land". Das Silbenzeichen 
ra- hat hier offenbar den Lautwert r oder r«', wozu e das phone- 
tische Komplement bildet. Das Gebirge Uparisaina erscheint als 
Sata upairi-saena im Jasna 10, 11. Es heisst hier, die Vögel 
hätten den Hauma zu dem Gebirge Sata-upairi-saena gebracht, 
was Bartholomae, K. Z. 29, 487 mit „die Überadlerscharten " 
übersetzt. Es folgen noch mehrere Gebirgsnamen , die jedoch bis 
jetzt nicht lokalisierbar sind 2). Auch jt. 19, 3 erscheint das 
Gebirge Sata upairi-saena in der Umgebung von lauter bis jetzt 
nicht identifizierbaren Namen. Im Mihr jast 13. 14 dagegen heisst 
es von Mithra: „Und von dort (der Hara berazaiti) wirft der 
Heilbringendste seine Blicke auf den Wohnsitz der Arier; da wo 
die mächtigen Fürsten die zahlreichen Truppen ordnen; da wo 
die hohen weidereichen, wasserreichen und nahrungspendenden 
Berge das Vieh mehren; da wo die tiefen Seen mit Salzwasser 
liegen ; da wo die grossen Ströme ihre Wogen herabwälzen, gegen 
Sata^) und Pouruta, gegen Mouru und Haröju^ gegen Gawa 
in Suyda und Ghwäirlzdm^ . 

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass unter der Hara barazaiti 
hier die Paropamisoskette zu verstehen ist. Soll mit dem Satz 
„gegen Sata und Pouruta" etc. die Richtung der Ströme be- 
zeichnet werden, so ist die Hara berezaiti zugleich als deren 
Ausgangspunkt zu betrachten, mit Ausnahme des Stromes von 
Soyd. Das hier genannte Sata entspricht dem Sata upairi-saena 
der beiden andern Stellen. Wennschon das daneben stehende 
Pouruta sich lautlich nicht völlig mit den von Ptolemaios 6, 18 



^) Ein pleonastischer Nasal findet sich auch im kappadokischen 
Monatsnamen Sccv^qloqt] aus Sad'QriOQr] = ChsaQ're warje. Dagegen 
fehlt der Nasalstrich in 'AtacpsQvrig Ktes. ecl. 14 (lies 'Ävtcc<p8Qvrig), Her. 
'IvtacpQBvrig = ap. Windafarnä. 

2) taerö -\- barö-sraianö übersetzt Bartholomae „die Spitzen, 
welche die Sterne auf dem Haupte tragen". 

^) So ist zu lesen für Aisata. 



74 J- Marquart, 

p. 435, 8. 20 p. 437, 27 im nördlichen Arachosien, am Südabhang 
des Paropamisos, angesetzten Tlaqovrixai deckt, nach denen die 
naQovrjxä oqy} 6, 18 p. 434, 29 benannt sind^), so ist doch un- 
verkennbar, dass es etwa im heutigen Ghör zu suchen ist. Für 
Sata ergäbe sich etwa die Lage des Köh-i Bäbä, der Bergketten 
bei Bämijän. Freilich liegen die Quellen des Oxus, der nach 
Chwärizm fliesst, noch viel weiter östlich in Badachsän und im 
Pamir, aber jenem Gebirgssystem entströmen die Flüsse von 
Herät und Marw wie die von Balch, Kabul und Kandahar. Der 
arabische Geograph al Ja'qübi sagt: „Aus dem Gebirge von 
Bämijän kommen zahlreiche Quellen. Von diesen fliesst ein Strom 
nach Qandahär in einer Weglänge von einem Monat; ein Fluss 
geht aus einem andern Engpass nach Sagistän in einer Weglänge 
von einem Monat, ein anderer Fluss wendet sich nach Marw in 
einer Wegstrecke von 30 Tagen, ein anderer Fluss strömt nach 
Balch in einer Wegstrecke von 12 Tagen, noch ein anderer Fluss 
endlich nach Chwärizm in einer Entfernung von 40 Tagen. All 
diese Flüsse kommen aus dem Gebirge von Bämijän wegen seiner 
grossen Erhebung 2)." Unter dem Flusse, der nach Chwärizm 
fliesst , ist hier wohl der Fluss von Qunduz (Aq Sarai) zu ver- 
stehen, der gleichfalls in den Bergen von Bämijän entspringt und 
nachdem er unterhalb von Qunduz den durch mehrere Nebenflüsse 
verstärkten Fluss von Tälakän aufgenommen hat, unweit der 
Vereinigung des Pang und Wachsäb in den Oxus mündet. Er 
wird hier off'enbar als der eigentliche Quellfluss des Oxus be- 

trachtet. Bei den Arabern heisst dieser Fluss K.iLi:3 j^^t^ und 

in seinem Unterlauf As:.y:al\ .^ „Löwenfluss". Auch das Bundahisn 

(XX, 16. 17. 21. 22 bei West, P. T. I 79. 80) lässt die Flüsse 
von Harew, Marw, Balch und den Hetumand von Sagistän auf 
dem Apärsen-Gebirge entspringen. 

Der Name Üpairi-saena , ap. * üpart-sama hat sich noch 
bis mindestens ins 7. Jh. n. Chr. lebendig erhalten. Als der 
chinesische Pilger Hüan-^uang im Jahre 644 vom Nordosten des 
Königreiches Fo-li-si-sa-fang-na aufbrach, das Henry Yule 
mit dem Gebiete der Paräöi's in der Umgegend von Parwän 
gleichsetzt (JRAS. 1873, 104 N. 1 278), „il franchit des montagnes, 



1) An der ersten Stelle lesen die meisten Hss. nach Wilberg 
und G r a s h iillaQöLfitai, die übrigen TlaQOLEitai, Uccgoiritai, Tlagcriltai, 
6 , 20 ist TIaQyvfjraL und Ilaqyvitai die Lesart der Hss, , wofür G r a s - 
hoff UaQovfixai in den Text gesetzt hat. Auch in Areia nagä tovg 
TlagoTtavieädag wird 6, 17 p. 433, 4 eine Völkerschaft JlaQovtai genannt, 
wofür Grashoff gleichfalls TLaQOvfixai vermutet. Allein TlaQovxcci 
würde besser zu dem 'pd^^ruta des Awestä passen. Der Name pärvmta 
von ind. parwata „Gebirge" bedeutet „Gebirgsbewohner". 

2) Ja'qübi, Geogr. ed. de Goeje S. ^aI, 9 — 18. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 75 

passa des riviäres, et, aprös avoir traverse plusieurs dizaines de 
petites villes situees sur les frontiöres du royaume de Kia-pi-che 
(Kapi9a), il arriva ä un grand passage de montagne, appele P'o- 
lo-si-na (Varasena), qui fait partie des grandes montagnes neigeuses. 
. . . Les faucons eux-memes ne sauraient les franchir au vol; 
ils marchent pas ä pas, et reprennent leur essor" etc. Nach drei 
Tagen erst kam man auf die Passhöhe, und ebenso lange dauerte 
der Abstieg zum Königreiche 'An-ta-lo-po (Andaräb) am Fusse 
des Gebirges^). 

Das Gebirge P'o-lo-si-na ist also speziell diejenige Kette des 
Hindukus, welche die Thäler des PangsTr- und Ghörbandflusses von 
dem von Andaräb trennt. P'o-lo-si-na gibt so genau wie möglich 
die sanskritisierte mitteliranische Form von Uparisaina 
wieder, welche '^Parasma oder '^Varasena = pahl. Aparsen^ 
Avarsen bezw. *Parsen lauten musste ^). Die Anekdote, dass sogar 
den Falken der Pass zu schwierig sei, soll offenbar den Namen 
desselben („über den Adlern" bezw. nach der Bedeutung des ent- 
sprechenden indischen Wortes ^jena „über den Falken") erklären. 
An den Namen Uparisaina knüpft auch die von Diodor 17, 83, 1 
berichtete Sage an: aara öe fi£6ov xov Kavoicccov e'axt, nixqa SsKa 
craSicov e'iovaa triv TteQifiszQOv , tsttccqcov öe Craöltov xo vi/^o?, 
Iv T} %al xb ÜQOfirjd'icog öTCTJXaiov iöet'Kvvd' vtvo x&v eyioiQlcov accl 
71 XOV ^vd'oloyrid'evxog aexov oiOLxrj %al xa x&v öeöfx&v 
6r}(jieLa^). Dass die Hellenen hier an ihre Prometheussage 
erinnert wurden, ist begreiflich. Wahrscheinlich war aber 
der Adler, dessen Sitz hier gesucht wurde, der mythische 
Vogel Slmury (Saena mdrdya), der auf dem Alburz in der 
Nähe von Hindustan horstete und den kleinen Zäl aufzog*). 
Dem ap. * Uparisaina ^ mitteliranisch *Parsen entspräche genau 
ein griechisches *TIa^6riv6g, wofür wir aber bei Dionys. nEQLTqy. 737, 
der hier wie gewöhnlich aus veralteter Quelle schöpft, die 
mit Rücksicht auf den heimischen Musensitz hellenisierte Form 
üaQvriaog und bei Aristoteles Metereolog. 1, 13 die entsprechende 



^) Hiouen-thsang , Memoires trad. par Stan. Julien II p. 190s. 
Sam. Beal, Chinese Buddhist travellers to the West II 286. 

2) Belegt ist in den Parsenschriften nur die erstere Form (ge- 
schrieben Apärsen), die aber im 7. Jahrh. ohne Zweifel bereits Varsen 
oder Parsen mit Abfall des anlautenden a gesprochen wurde. Wahr- 
scheinlich war aber der Name im persischen Dialekte nicht mehr im 
lebendigen Gebrauch, sondern ist lediglich Transskription des Awesta- 
wortes. — Vgl. schon Alex. Cunningham, The ancient geography 
of India 19. Da ich aber auf diese Gleichung Wert lege, so will 
ich ausdrücklich betonen, dass ich erst nachträglich die Übereinstimmung 
mit Cunningham bemerkte, nachdem meine obige Ansicht längst 
fest stand. 

3) Vgl. Curt. 7, 3, 22. Strab. la 5, 5 p. 505/6. ls 1, 8 p. 688. 

4) Schahname VII 88. 100. 130, übs. von Rückert 1 188. 189. 141. 



76 J- Marquart, 

attische UaQvaöG 6g treffen. Der geläufige griechische Name UaQo- 
TtccfiLöog ist zunächst mit Anlehnung an den griechischen Flussnamen 
Uaficöog aus TlaQonaViCog ^) und dieses aus *IIaQO'ita{Q)vL6og ent- 
standen, das selbst wieder eine unter dem Einflüsse der altern 
Form IlaQVYiöog vollzogene Umbildung von Para-uparisaina, 
mp. *Par-apar-sen ist. Das Ethnikon TJuqona^LGadaL ist also 
eine selbständige griechische Bildung. 

Während aber üaQaxoccd'Qccg das Gebirgsland nördlich 
von Chwär bezeichnet, ist Para-uparisaina der Name der Thal- 
landschaft Gandhära südlich vom Uparisainagebirge. 

Mit der oben besprochenen Präposition para- = np. pes 
„vor" ist auch der Beiname Haosjanha's, des ersten Herrschers 
von Iran, Para-öäta gebildet. Derselbe ist stehendes Epitheton 
des Haosjanha jt. b, 21. 9, 3. 15, 7, Wend. 20, 1. 2 dagegen wird 
er auf die Heroen der Vorzeit im allgemeinen angewandt. Allein 
die spezielle Beziehung auf Haosjanha ist offenbar das Ursprüngliche 
und da kann er nichts anderes bedeuten als „der Erstgeschaffene " , 
der erste Mensch. Haosjanha ist der Begründer der Souveräne tat, 
der dahfu2)ait{-WüYde , während sein Bruder Wehkart (Wekart) 
„der gutgeschaffene " (aw. wahrscheinlich *Wohu-däta) als Ur- 
heber des Di hq an Standes (aw. wahrscheinlich vispaiti) und 
des geregelten Ackerbaues gilt: „the original establishment of 
law and custom; that of village, superintendence {dihänkänih)^ 
for the cultivation and nourishment of the world, dependent upon 
Vaegered the Pesdädian ; and that of monarchy, for the protection 
and government of the creatures, upon Hösäng the Pesdädian" ^). 
Auf Wehkart führten die Dihqäne des Sawäd ihren Stammbaum 
zurück, welche unter den von Eri6 im Sawäd eingesetzten 
sahrlgän (&-> .U/iJi) = söi^rapaiti standen und in fünf Klassen 
zerfielen •^). 

Wenn im Dinkart auch Wehkart das Epitheton JPesdäö erhält, 
so ist das ungenau, und die Erklärung dieses Beinamens im 
Kommentar des Wendidäd 20, 1 : „parce qu'ils ont les premiers 
mis en vigueur la loi de la royaute" {dät-i chwatäih)^ ist sprach- 
lich falsch, wie alle Erklärungen, welche darin das Wort data 
„Gesetz** sehen. So heisst es bei Tab. I Ivt : „Man berichtet. 



^) Diese Form findet sich bei Ptol., sowie bei den röm. Geographen 
(Plin. 6, 48), während Diodor, Arrian, Strabon UccgoTtcciiLöog, UagoTta^i- 
GccduL vorziehen , Curtius Parapamisus , Parapamisadae. Bei Justin 
12, 5, 9. 13, 4, 21 hat Gutschmid Parapamesos Parapamesadae her- 
gestellt. Vgl. Kiepert, Lehrbuch d. alten Geographie § 62 S. 59. 

2) Dinkart VHI 13, 5 Waegeret PeUäde. West, Pahlavi Texts 
IV 26.501 nach Darmesteter, Le Zendavesta II 371 n. 26. Dinkart 
VII 1, 16—18. V 4, 2 bei West, P. T. V 8. 128. Hamza H, 14. 
Berüni r^, t'^o, 

3) Mas'üdi, Murüg II 240. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 77 

dass er (Oshang) der erste war , welcher die Rechtsordnungen 
und Strafen festsetzte und davon den Beinamen Pes däö führte, 
der auf persisch bedeutet: ^der erste, welcher nach Gerechtigkeit 
Urteil sprach". Denn pes bedeutet „der erste** und däö bedeutet 
Gerechtigkeit und Rechtsprechung". 

Aus diesem Missverständnis in Verbindung mit der Stelle 
Wend. 20, 1. 2, wo das Wort im Plural steht ^), ist die Dynastie 
der Pesdäöier entstanden, die sich meines Wissens zuerst bei 
al ChuwärizmT, Mafätlh al'ulüm iA, 10 ff. und BerünT, Chronologie 
H, 1.1*, t.t**, (.% La findet. Nach der gewöhnlichen Ansicht rech- 
nete man, wie Berünl angibt, zu den Pesdädiern die Könige 
Hösang, Tahmöra-ö-, Gam, Azdahäk und FreeJün. Ein anderes 
System aber, dem auch al ChuwärizmT folgt, fasste unter jenem 
Namen alle mythischen Herrscher von Gajömar'O' bis auf Karsäsp 
zusammen. 



4. Über einige skythisch-iranische Völkernamen. 

Die Versuchung liegt nahe, auch den Namen des Königs- 
stammes der iranischen Skythen oder Skoloten, nagalatai (Her. 6 6) 
als paraöäfa „die Erstgeschaffenen" aufzufassen. Hier würde 
das Wort aber keinen zeitlichen, sondern einen politischen und 
sozialen Vorrang bezeichnen. Allein der Lautwandel von aw. d 
in skyth. l ist sehr bedenklich und müsste erst durch andere 
Beispiele belegt sein. Zudem wird es durch eine Reihe anderer 
Namen nahegelegt, -tai, als Endung abzutrennen. 

Nach Herodot trieben die Massageten, welche jenseits des 
Araxes wohnten (cc 201), keinen Ackerbau, sondern lebten von 
Fischen, von welchen der Araxes wimmelte, und der Milch ihrer 
Herden^). Der Araxes bildete nach ihm ein Mündungsdelta von 
40 Armen, von welchen nur ein einziger sich ins Kaspische 
Meer ergiesse — nämlich der von Herodots Gewährsmann mit 
dem ostiranischen verbunden gedachte armenische Araxes — die 
übrigen aber ig eXscy ts Kai tevdyea izÖLÖOL' iv tolCl ävd'QcoTtovg 
yMWLKrjad'aL liyovöi Ix&vg G}(jiOvg Gixso^ivovg, iad'rjxL ös vofiL^ovrccg 
XQäöd'aL cpcoTiicov ösQfiaöi, (cc 202). Damit sind die Wohnsitze der 
Massageten oder eines Teiles derselben deutlich in die Nähe des 
Aralsees verlegt. Noch klarer geht dies aus der Beschreibung 
Strabons hervor, welcher, wenn auch durch mehrere Mittelglieder, 
auf dieselbe Quelle zurückgeht wie Herodot, nämlich Hekataios. 

^) Möglicherweise sind aber die dort im Plural stehenden Epitheta 
der Helden der Vorzeit nach Art der lat. Plurale Catones, Scipiones 
„Leute wie Cato" aufzufassen, zumal der Kommentar jedes derselben 
auf einen speziellen Helden bezieht. 

^) ccXX' ccTto 7iTriv8(ov ^oJovGi zccl l%Q"ü(ov ot öh acpd^ovoi 6cpi sm 
tov 'Aqcc^so} Ttora^ov TtccQayLVOVtac- yaXccxtOTtoraL ö' siel. 



78 J- Marquart, 

Nach ihm münden die übrigen Arme des Araxes slg ttjv aXlriv 
t7]v TtQog aQUTOLg d'ccXatrav , die Robben, in deren Felle sich die 
Bewohner kleiden, werden ausdrücklich als vom Meere stammend 
bezeichnet ^). 

Die Fischnahrung galt demnach als eine bemerkenswerte 
Eigentümlichkeit der Massageten, und nach dieser sind sie that- 
sächlich benannt. Maöaayitcci, gehört zu aw. masjö (skt. matsja) 
„Fisch", das in Wirklichkeit massjö gesprochen wurde, woraus 
sich die neueren Formen (np. mähi, kurd. mäsi) erklären. Die 
Verdopplung wird in der Awestäschrift nicht geschrieben. Vgl. 
Bartholomae, Grundriss der iran. Phil. I § 5 N. 5. Von 
massja ist zunächst mittelst des Suffixes -ka^ osset. äg das Sub- 
stantiv ^nassja-ka, ^massja-ga gebildet, wozu Maaaccyitat, der mit 
der ossetischen Pluralendung -t^ä versehene Plural ist^). 

Ebenso zu erklären sind die Namen 0v66ayi-raL Her. 6 22. 122, 
Plin. 6, 19; SavQO^a-Tai ZvQ^a-xaL ZaQficc-tai d, i. *Sä^ru-ma (mit 
u- Epenthese) , *iSar-ma , vgl. aw. Sä^rima ; TvQEyi-xai Strab. ^ 
3, 17 p. 306, ein Überrest der Skythen am Tyras^); ^la'^afia-taL 
(Ptol.) oder ^la^a^a-xai Skymn. 879 ff. , ^I^ißa-tai, Hekat. fr. 166, 
Mela 1, 114 Ixamatae etc., Plin. 6, 21 Mazamacae vgl. Ps. Mos. 
Chor. Geogr. p. 36 Soukry Nachca-matean¥ ='Ia'^a{idtai*)] 
SiGa^a-xai , Sav6aqd-Tai Latyscheff I 16 B, 9; Mvqyi-xaL 
Hekat. fr. 155 (falls nicht Tvqayi-tai zu lesen ist); Maxv%i-zai 
ib. fr. 156; Naitd-taL Apollon. Rhod. Argon. 758, vgl. Steph. 
Byz. NccTCLQ' ncofirj EKvQ'iag. 6 oh'^rcoQ NccTtcctrjg ?) NaTtkrjg 
neben Ndnai Diod. 2 , 43 , 4 , Napaei Plin. 6 , 50 , Inapaei § 22, 
Naprae § 20 ^), Napaei Ammian. Marcell. 22, 8, 33, im Alexander- 
roman I 2 cod. A und L Aandteg (neben BovGrcoqoi) •, Sarge -tae 
Ammian 22 , 8 , 38 , EaQydxioi Ptol. 3 , 5 , 23 , Sardetae für 
Sargetae Karte des Castorius Segm. IX 3 ed. Miller. Vor 
allen aber gehört hieher der einheimische Name der Skythen, 
E'KoXoxoi Her. d 6. Der reine Stamm desselben liegt vor im 
Namen des >ScoZo-pitus Justin 2,4,1, der mit seinem Bruder 
Plinos aus der Heimat vertrieben nach Themiskyra am Thermodon 
auswanderte. Plinos für ^IlaX-tvog ist hier der Vertreter der 
ndXoL; vgl. Placia Plin. 4 , 86 = IlaXdmov Strab. ^ 4, 7 
p. 312, wahrscheinlich benannt nach IldX-aKog, dem Sohne des 
taurischen Königs Skiluros Strab. ^ 3 , 17 p. 306. 4,3 p. 309 «). 



1) Strab. La 8, 6. 7 p. 513. 

^) Diese Etymologie , die ich selbständig gefunden habe , vertritt 
bereits Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den sky- 
thischen Norden 11 47 vgl. 34. 

3) Vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde HI 36. 

*) Vgl. Müllenhoff a. a. 0. 32*. 

5) Vgl. Müllenhoff, D. A. IH 23*. 89. 

6) Vgl. Müllenhoff a. a. 0. HI 58. 



Untersuchungen zur Greschichte von Eran. 79 

Scolo-pitus ist gebildet wie ^Aqia-nBi^rig Her. 8 76. 78, SitccQya- 
Tcel^rig König der Agathyrsen Her. 6 78, ein Skythe 6 76, 
und wäre also richtig Scolo-pithes zu schreiben. Ebenso erkennt 
man den Volksnamen im Namen des skythischen Königs ÜKvXrjg 
Her. 6 76. 78, sowie in KoXd-^aig, dem Namen des jüngsten der 
drei Söhne des skythischen Urkönigs TaQyndog, von welchem die 
königliche Horde der IIccQaXdtai, abstammte Her. d 5. 7 ^). TioXa- 
steht neben scolo- wie TIdloi Diod. 2 , 43 , 4 , Palaei Plin. h. n. 
6, 50 neben Spali Jordan. Get. c. 4, Satharchei Spalaei Plin. 6, 22, 
und wie aw. staera Spitze jt. 12,25 neben taera, ai. spdsas 
neben pdsjatij gr. axiyog neben tiyog u. s. w. Vgl. Bartholomae, 
KZ. 29, 487. 

Dass obige Auffassung der skythischen Namen auf -rat richtig 
ist-), beweist die Glosse: rag 6e^A^a^6vag Kakiovöi Zzvd'ac OloQTcaxa, 
övvarccL öe tb ovo(ia tovro Kard^ElXccöa yXüaöav dvÖQOHtovoL' oloq 
yccQ kccIbovCl avÖQa , tb de itazd KxelvsLv Her. ö 110. Hier ist 
also der Name OioQitata offenbar eine Pluralform, als deren 
Singular wir zunächst oioqna- anzusetzen haben. oIoq d. i. *woir 
ist durch aw. wlra „Mann, Held", skt. wlrd^ pahl. wir hinlänglich 
gedeckt. Vielleicht haben wir für das Skythische eine Nebenform 
*waira- , *wair- anzusetzen. Der Begriff des Tötens muss also 
in PA liegen. Damit ist allerdings vom iranischen Standpunkte 
aus nichts zu machen, es wäre aber der Glosse genügt, wenn wir 
OIOPr< N>ATA = ^waira-gna-ta (vgl. wdr^%-ra-yna „Warthra- 
töter") lesen dürften. Die Annahme einer Verderbnis aus 
OloqZaxd (F aus Z), das dann direkt = aw. wira-gan jt. 13, 37 
wäre, scheint mir dagegen zu kühn. 

Wie E%6Xo-xoi etc. ist nun auch UaQccXcc-xcci, zu beurteilen: 
-xcci ist Pluralendung, parala- der Stamm. Wir können nun 
wenigstens ein sicheres Beispiel nachweisen, in welchem l im 
Alanischen durch Dissimilation aus n entstanden ist: die alanischen 
^Pco^olavot werden in dem Ehrendekret der Chersonesiten für 
Diophantos (ca. 107 v. Chr.) Z. 22 ^Pev'^LvaloL genannt'^), bei 
Ptol. 3,5 p. 201, 24 ^PevKavaKoL (statt ^Pev'^avdXoi) neben ^Pa^o- 
XavoL p. 200, 27. Gleich andern skythischen Völkemamen*) 



^) Vgl. auch Stein zu Her. 4, 6. 

^) Wie ich nachträglich aus dem Referate von J. Hanusz, 
WZKM. I 156/57 sehe, hat schon Wsewolod Miller, Die epi- 

fraphischen Spuren des Iraniertums im Süden Russlands (Journal des 
[inisteriums für Volksaufklärung, St. Petersburg 1886, Oktober, 
S. 232—283 [russ.]) die skythisch-sarmatischen StammnamcD auf -tui 
vermittelst des ossetischen Pluralsuffixes auf -tä erklärt, in welchem er 
ein ural-altaisches Element vermutet. Er vergleicht dazu die finnisch^ 
ugrischen Plurale auf -t-. 

') Dittenberger, Sylloge inscriptionum graec. no. 252. Laty- 

scheff, Inscriptiones graecae orae septentrionalis Ponti Euxini n. 185. 

*) Z. B. Kovaipog Latyscheff H 100 zu Kovaiptivoi-, vgl. meine 

Osteuropäischen und ostasiatischen Streifzüge S. 55 Anm. 2. Nccßa^og 



80 J« Marquart, 

wird auch dieser als Personenname verwandt und erscheint in der 
Form "^PsvalvccXog auf den Inschriften (Latyscheff II 296 N. 88). 
Beide Formen gehen offenbar auf ein iranisches rauchsnätla 
zurück. Auf den skythischen Namen ^PriGnivöialog aus Olbia 
Latyscheff I 104 N. 68, alanisch Respendial (a. 406) Gregor. 
Turon. 2, 9 will ich mich nicht berufen, da noch keine plausible 
Etymologie desselben gefunden ist^). Dagegen steht ebenso neben 
dem persischen Stamm TlavQ'LakaioL Her. a 125 die Station 
Pantyene Tab. Peut. Segm. XII 2, Geogr. Rav. p. 52, 7 
Patienas^). Auch den Namen "'AXoyovvr] Ktes. ecl. 44 möchte 
ich jetzt durch Dissimilation aus '^wana{h)-gauna = aw. *wanat- 
gauna „Gestalt ersiegend" (vgl. ^Ova-cpiqvrig = *wana(h)-farna 
„die Majestät ersiegend ") erklären. 

In diesen Zusammenhang gerückt erscheint es selbst möglich, dass 
der parthische Königsname Volagases, ^iliO^bi Walagas, zu betonen 
Waldyas, woraus phl. Walachs, arm. Waiars, eine ähnliche Bildung 
und Bedeutung aufweist: wala-gas = aw. *wanat-gasa. Vgl. den 
etwas altern gleichfalls parthischen 'TvöocpSQQfjg , rovöacpccQrjg, 
Gomdafarna etc. = Winda{h)-farr, GundaQi)-farr, ap. WindaQC)- 
farnä (oben S. 4 und Anm. 5). Das zweite Element ist np. 
gas 1) pulcer, bonus, 2) modus incedendi cum venustate et fastu 
et hilaritate (Vullers), das auch in dem parthischen Namen Ahda- 
gases^), sowie in den skythischen Namen FcoÖLyaeog Latyscheff 



Lat. IT 447 = aw. Nawäza eb. S. 55 Anm. 3. I^agfidtas Lat. II 402^ 
UavQOiidtrig; Zxo^og Lat. II 404 d. i. ^Skuca, die einheimische Form 
des den Griechen in Kleinasien bekannt gewordenen Stammnamens 
S-Kv^ai, assyr. ASkücäia (unten S. 111). 

1) Vgl. dazu Müllenhoff, DA. III 113. 206. Justi, Iran. 
Namenbuch 260 b. 

2) Vgl. auch Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien 1 34. 

^) Es sind zwei Personen dieses Namens bekannt, a) Der Bruders- 
sohn des Gundafarr: Genitiv ABJAFAUOT, kharosthi Awadagasasa, 
Hawadaga4asa auf den sakisch-parthischen Münzen Gardner, The coins 
of the Greek and Scythic Kings of Bactria and India p. 107/8, PI. XXIII 
1—3. Alex. Cunningham, Numism. Chronicle 1890, p. 117— 121. 
Hörnle, Copper-coins of Abdagases, Proc. JRAS. Beng. 1895, 82 — 84. 
Im Evangelium loannis de transitu Mariae bei Tischendorf, Apo- 
calypses apocryphae p. 101 entspricht ihm Accßödvrig, der Schwester- 
sohn des Königs von Indien (für 'Aß^dvris oder syr. v ♦Zli». = pers. 
Abdän, ein Hypokoristikon auf -äw); vgl. Sylvain Lövi, Notes sur les 
Indo Scythes. Journ. as. 1897, 1, 35. b) Der Vater des Sinnakes: Tac. 
ann. 6, 36. 37. 43. 44 Abdagaeses, Jos. dQ%. tij 333 f. 'Aßäccydorig, 

syr. ^j^ 4^\. (arm. H^jr^^^^" Abdecke) und %>^\ ^ ^^ ♦2iS>. 

Addailegende ed. Phillips p. w^*, ^' WJ » 1 (oben S. 11) für 
^>-»'^^ Abdachs oder a^^v Abdars aus *Abd(iyaS (wie Walars, 
Walachs aus Waldyas), gewöhnlich j^CL\. (Hypokoristikon, fälschlich 

von jenem unterschieden) p. <«»*j 4. V^X, 12. )Oj 23, von aw. abda^ 

phl. avd „wunderbar". 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 81 

II 447, ^OöCLlyaölog ib. 446 (beide aus Tanais), Ovalyaöog ib. 
I 55 (Olbia) und vielleicht in Ovd-y[a](SLg ib. 11 389 , parthisch 
Vagasis Justin 41 , 6 , 7 vorkommt. Vgl. meine Beiträge zur 
Geschichte und Sage von Eran; ZDMG. 49, 636 Anm. 4 und 
Justi, Iranisches Namenbuch 495. Dahin gehört, wie ich 
glaube , auch der skythische Name des Kaukasus , (Jrou-casim 
(lies -gasim) id est nive candidum Plin. 6, 50. Ist die 
vorgeschlagene Etymologie von Volagases richtig, so bildet dieser 
Name einen weiteren Beweis für die enge Verwandtschaft der 
dahischen Parner, des Kriegsadels der Parther, mit den Skythen 
und Sarmaten. 

Der parthische Satrap 2dd%7]g, ELlXccarig von Mesopotamien, 
der beim Feldzug des Crassus neben dem Surenas genannt wird, 
ist thatsächlich , wie eine eingehende Quellenkritik zeigt, mit 
diesem identisch. Der Sieg über Crassus findet bei Zivva'Äa 
statt (Strab. ig 1, 23 p. 747. Plut. Grass. 29), das wohl erst nach 
dem Sieger benannt ist , vielleicht allerdings schon nach dem 
frühern Statthalter von Mesopotamien Mid^^idccrrig Zivccavig a. 88 
v. Chr. Jos. aQ%. 13 § 384. Ich sehe daher in SilccKrig bezw. 
üdXdnrjg nur eine Nebenform von Sivd%^]g , SLvvd%iqg , dem 
eigentlichen Namen des Surenas. Der von Tacitus (ann. 6 , 31. 
32. 36) erwähnte Sinnaces ^ der Sohn des Surena Abdagaeses^), 
wird in der Addailegende ^jiZii^ ;^ rttro (p. y^^ 1)2) oder 
J^^r> V ^2i ptort (p. ^^ 23) genannt, sein dort neben ihm auf- 
tretender Verwandter Ahdus'"^) heisst hier p. |^, 10 (neben ^)f 
d. i. ±)l Izat). v^\, 2 o^^A, p. -w», 16 in r>^\ verstümmelt. 

Nach diesen mehr oder weniger sicheren Beispielen dürfte 
es nicht als zu gewagt erscheinen , TJa^aXcc-xaL auf ap. 'parana 
„früher" zurückzuführen. In der Karte des Castorius Segm. XI 4/5 
erscheint der Name in der Form PARALOCAE • SCYTHAE, 
von einer Form *^parala-h^ wie der Personenname Sauroma-ces 
(Ammian. 27, 12, 4. 16. 30, 2, 4), georg. Saurma-g^ arm. \]ni-fitJiu^ 

1) S. meine Beiträge zur Geschichte und Sage von Eraij. ZDMG. 
49, 636. 

2) An dieser Stelle wird in Wirklichkeit sein Sohn |i ^ o 'SX 

%JtI^A V^ J^lJCSi \^ genannt. Leböhenä (durch Dissimilation für 
*Nebö-hena) „Nebo hat geschaffen" ist hier aramäische Übersetzung 
des parthischen Tiridates. p. v^^\ 3 ist der Name in mOQ^/ ver- 
dorben. Ter = Merkur {Nabu), der Stern der Schreiber Berüni ^^\ ^ 2. 

^) Hypokoristikon auf -ü für gemeiniranisch -öi, -ö nach skythischer 
Weise von Abdagases. Vgl. TovQLovag Strab. La 11, 2 p. 517 und 
meine Bemerkungen Unters, zur Gesch. von Eran I 70. Zu der Bildung 
überhaupt W. Schulze, KZ. 33,376. Justi, Iran. Namenbuch 525. 

Marquart, Untersucliungen. II. 6 



82 J. Marquart, 

Surmak Ps. Mos. Chor. 3 , 63. 64. 66 neben dem Volksnamen 
2JavQ0(jicc-tca. 

[Anders als in den obigen Beispielen ist wohl das l im 
Namen der Alanen zu erklären, das durch die einmütige Be- 
zeugung der griechisch - lateinischen , chinesischen, armenischen 
und arabisch-persischen Litteratur völlig sicher steht. Die Formen 

lauten ^Alavoi, Alani, A-lan-na ^ \\^l^^ß> vj^^ al-Län aus 
pers. Alan. Wir können ein solches Wort aber noch als Appellativ 
im Armenischen nachweisen, welches dasselbe aus dem Parthischen 
entlehnt haben muss. W^iu/u Alan allein findet sich als Eigen- 
name eines Arcruniers bei Lazar P'arpec'i (Venedig 1892) 
S. 17. 139. 206. 644, und als zweiter Teil des zusammengesetzten 
Namens S^ufuq.ujqiuiä Zand-alan „aus dem ostanischen Hause" 
Laz. 196. Besonders wichtig ist aber XyfiutLujjnquMü Alana-jozan^ 
ein Heerführer des Königs Säpür II., „welcher ein Pahlav war 
aus dem Hause der Arschakunier" Faust. Byz. 4, 38 S. 156. 
Ps. Moses Chor. 3, 34 S. 221 nennt ihn yS^iufutuniiuMU Alanaozan 
(v. 1. W^iujünqufu Alanozan) , ein Pahlavik^ welcher ein Ver- 
wandter des (armenischen Königs) Arsak war. Alana-jozan ist 
gebildet y^iq Razmiozan d. i. -pers. *razm-jözän „Kampf suchend". 
Vgl. Hübschmann, Arm. Gr. I 17. 69. Hübschmann hat 
aber übersehen, dass das Wort sich auch in zwei armenischen 
Appellativa findet. Bei Faustos Byz. 4, 2 S. 68 erhält das 
armenische Adelshaus der Mamikonier unter einer Menge anderer auch 
die Epitheta ujqu^uiej^^ß tuquAuJ/^nuji-^ iujia-nL.l~ü^tuüß 
iftufttj^tul^u/üfi^y von denen nur das dritte rein armenisch ist: 
„Adlerstandarten führend". Die drei übrigen Ausdrücke sind 
sämtlich aita'B, lEyo^eva. Die beiden ersten haben als zweites 
Kompositionsglied die Wörter luq^ »Volk, Geschlecht" und 
ij.fiuML.2_ (Lehnwort aus iranisch drafsa^ drafs) „Banner" ; warznaka- 
nisk^ setzt als erstes Glied ein Adjektiv *warznak voraus, 
das aus pahl. *warzänak oder *warzenak^ arm. *warzmak 
verkürzt ist^), von np. warg „Grösse, Würde", phl. warz 
(Hörn, Grundriss der Neupers. Etymologie Nr. 1077). Die drei 
letzten Ausdrücke sind also Synonyma, und daraus ergibt sich, 
dass alän ein Appellati vum (vermutlich Adjektiv) mit der 
Bedeutung „siegreich, ruhmvoll, würdig" oder ähnlich gewesen 
sein muss^). Der Volksname Alanen wird demnach ein Ehren- 



^) Zum Ausfall des a vgl. die Geschlechtsnamen Wahn-unik' zu 
Wahari = Wahagn, aw. Wdrgd'rayna, Bagrat-uni zu Baga-rat. S. diese 
Unters. I 45 Anm. 3. 

2) Das grosse Venediger Wörterbuch denkt an die Alanen oder 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 83 

name sein, den sich das Volk selbst beilegte und der eine 
Gruppe verschiedennamiger iranischer Nomadenstämme der kaspisch- 
pontischen Steppen zu einer politischen Einheit zusammenfasste. 
Der Name ist augenscheinlich jüngerer Bildung als die zahlreichen 
älteren Stammnamen , die meist mit den Suffixen -ma (Plur. 
-fid-TccL) und -ka , -ga (Plur. -aai , -cae , -ye-xcci) gebildet sind. 
Dies wird nun vollständig durch die historischen Zeugnisse 
bestätigt. Aus dem Höu-Han-su erfahren wir, dass die A-lan-na 
früher An-ts'ai (gewöhnlich Jen-ts'ai gelesen) Messen und später 
ihren Namen geändert hatten ''^). Die Alanen werden zuerst im 
Jahre 35 n. Chr. von Josephos erwähnt-); allein die alte 
lateinische Übersetzung liest Scythas, was Nah er ohne weiteres 
in den Text aufgenommen hat, ohne den Leser auch nur mit 
einer Silbe über die Lesart der freilich weit jüngeren griechischen 
Handschriften zu unterrichten. Da aber auch Tacitus ann. 6, 33 
im gleichen Zusammenhang nur von Sarmaten redet, so ist es aller- 
dings möglich, dass das ^AXavoi der griechischen Hss. auf eine im 
Hinblick auf itol. ^lovö. 7 § 244 , wo auf die frühere Stelle 
verwiesen wird, vorgenommene Emendation eines Lesers zurück- 
geht'^). Die nächste sichere Erwähnung der Alanen findet sich 
bei Lukan Pharsal. VHI 223 (zwischen 60 — 65). Li den 
An-ts'ai, was nach dem H6u-Han-su der frühere Name der 
Alanen war, haben Fr. Hirth und A. v. Gutschmid 
unabhängig von einander die Aorsen erkannt*), die zuletzt 
im Jahre 49 n. Chr. in der Geschichte auftreten, und zwar ganz 
in denselben Sitzen, die später die Alanen inne haben ^). 

Strabon unterscheidet von den Aorsen am Tanais die obem 
Aorsen , die viel mächtiger waren als jene und deren Sitze wir 



Alvank' oder alauni ,, Taube" , und verweist auf luiiyr^utq^iuL.^ An 
und für sich liegt sogar die Vermutung nahe, dass ut,iu/biuq.[iiuL.^^ 
durch das folgende iluj[t<f'ifut^iMj%l,^^ glossiert sei, da die ganze Stelle 
von Glossen durchsetzt ist. Der Vollständigkeit halber will ich noch 

auf die persische Glosse Jl = Stärke in der Erklärung des Namens 

Alexander = jCs.X^ Ji [müsste mindestens .Js.a.aw xii = pahl. *ÄlaJc 
Sandar sein] bei Dinaw. \^^ aufmerksam machen. Vgl. Nöldeke, 
Beiträge zur Geschichte des Alexanderromans 36. 

^) H6u-Han-su bei Fr. Hirth, Über Wolga-Hunnen und Hiung-nu. 
SB. der bayer. Akad. 1899 Bd. H Heft H S. 250. Ma Twan-lin bei 
Abel Römusat, Nouv. mel. asiat. I 239. 

2) Jos. ccQx. 18 § 97 ed. Niese. 

3) Umgekehrt Gutschmid, Gesch. Irans S. 121 Anm. 1. 

^j Fr. Hirth, China and the Roman Orient 1885 p. 139 n. 1. 
Gutschmid, Gesch. Irans 68ff. 
5) Tac. ann. 12, 15 ff. 



84 J- Marquart, 

uns im Norden und Osten des Kaspischen Meeres bis zum 
Aralsee zu denken haben, wo zu Alexanders Zeit noch Massageten 
und Daher hausten^). Die obern Aorsen gelten als das Stammvolk 
der Aorsen am Tanais und der Siraken am Achardeos ^). 
Ptolemaios nennt jene ^AXccvoqCol, die westlichen setzt er nach 
dem europäischen Sarmatien^). Nach dem Reisebericht des 
Generals Cang-k'ien (126 v. Chr.) bei Sse-ma Ts'ien liegt das 
Land der An-ts'ai „an einem grossen See, der keine Ufer hat 
und den man deshalb für das Nordmeer hält". Ich glaube, dass 
hier eine Verwechslung des Aralsees mit der Maiotis vorliegt, 
wie sie auch den Alexanderhistorikern passiert ist*). Die Gleich- 
setzung dieses Meeres mit dem Nordmeer erinnert allzu merk- 
würdig an die von Patrokles aufgebrachte und von Eratosthenes 
in die Wissenschaft eingeführte Lehre von dem nach Norden 
offenen Kaspischen Meer und seiner Verbindung mit dem nördlichen 
Ocean, um an blossen Zufall zu glauben. Vgl. übrigens auch 
Hekataios von Abdera fr. 6 a bei Plinius h. n. 4,94: septen- 
trionalis oceanus. Ämalchium ^) eum Hecataeus appellat a Parapaniso 
amne , qua Scythiam adluit , quod nomen eius gentis lingua 
significat congelatum. Über diesen Parapanisos unten. 

Um die chinesische Bezeichnung Jen-tsai oder An-ts'ai 
^ "^ lautlich mit den Aoqöol des Strabon und Tacitus in Über- 
einstimmung zu bringen, nimmt Hirth an, dass das schliessende n 
des ersten Zeichens das dem Chinesischen fehlende r wiedergeben 
solle, und beruft sich auf einige andere Fälle, in denen er nachweisen 
will, dass finales n ein fremdes r wiedergebe^). Dies wird indes 
neuestens von Schlegel bestritten, welcher nur finales t als 

1) Arr. 4, 16, 4. 17, L 7. 3, 11, 8. 28, 8. 10. 5, 12, 2. Strab. ta 8, 2 
p. 511. 8 p. 513. 

2) Strab. La 5, 8 p. 506: ol d' icp^^fig voiidSsg ol ^sra^v tt)? 
MatwtL^og nccl tfjg KaGitiag Naßiavol (1. Nccßa^oL?) y.al Tluv^avol -aal 
7]Sri tä T&v 2lqcc%cov -aal 'AÖqocov cpvla. doy.ov6i d' ol "Aogaoi xat ol 
ijiQaxsg cpvyddsg elvccl xöiv avaxBQca %al 7tQ06a.Qy.tiOL (1. TiQOGaQy.tioiv) 
^äiXov 'AoQGcov. 'Aßsaxog ^ihv ovv 6 tmv UiQdxav ßaötXsvg, rjvixa 
^aQvdxiqg xov Bogtvoqov slxs , dvo ybVQLddag InTticov eottlXi- , Eitadivrig 
ä' 6 t&v 'AoQömv -aal sl%06lv , ol Sh avco "Aoq6ol y.al TcXsiovag- v.al yccQ 
iTts'üQdtovv TtXsLOvog yfjg >cal ß^sdov rt tfjg Kaoniiov itaQaXiag tfig 
TtXsiötrjg tjqxov , &6ts xal ivsTtOQevovto na^r^XoLg tbv 'Ivölv-ov cpOQtov 
-aal tbv BaßvXmvLOV itaQd ts 'Aq\lsvI(ov %al Mr\8cov diads%6^8VOL • 
iiQVGocpOQOvv dh Slo. tijv svnoQiav ol ^hv ovv "Aoqgol tbv Tdva'Cv 
TtaQüiTiOvöLv , ol ZÜQaxhg öh tbv 'A%aQdi0v , og ix tov Kavxdöov qeodv 
iv.did(06iv dg tr]v Maiätiv. 

3) Ptol. 6, 14 p. 426, 22. 3, 5 p. 201, 14. 

4) Vgl. Strab. La 9, 3 p. 515. Curt. VI 2, 13—14. 

^) Lies Amaechium = a,w. Viam-aecha, von aw. aecha, uip. jach 
,,Eis". Vgl. Hern, Neupers. Etymologie S. 252 N. 3. 

6) 1. 1. p. 139 n. 1. Wolga-Hunnen und Hiung-nu S. 251. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 85 

Wiedergabe eines fremden r zulassen will und die von Hirtli 
zu gunsten seiner Theorie angeführten Beispiele An-si = ^Ar- 
sah , An-ku = ^Oqxotj , babyl. Ärku , Pan-tou = mp. Tlaq^av, 
ap. Par&aiva anders erklärt^). Was dagegen unsern Fall angeht, 
so ist , wie mir Schlegel erklärt , die alte Aussprache des 
Zeichens "^ leTn oder aTTl ^ cantones. ^m, was nie at = av 
gesprochen werden konnte. "^ gibt skt. cä wieder, so dass die 
alte Aussprache ^Am-ca oder '"^lem-ca wäre. An der sachlichen 
Identität dieses Namens mit den "Aoqool der Griechen kann 
trotzdem kein Zweifel bestehen, und ich muss daher die Lösung 
dieser Schwierigkeit, welche der lautlichen Gleichsetzung beider 
Namen entgegensteht, den Sinologen überlassen. 

Um die einheimische Form des Namens 'yio^cJot zu finden, müssen 
wir ausgehen von einer andern, uns bei den römischen Geographen 
überlieferten Form jenes Völkernamens. Plinius sagt nämlich 
6 , 38 bei der Beschreibung des sinus Scythicus des kaspischen 
Meeres : utrimque enim accolunt Scythae et per angustias inter 
se commeant hinc Nomades et Sauromatae multis nominibus, 
illinc Abzoae non paucioribus. Dieses unverständliche ABZOAE 
hat bereits Tomaschek-) stillschweigend in ARZOAE verbessert. 
Zum sachlichen Verständnis der Stelle ist es zu empfehlen, 
sich die Karte Orbis habitabilis ad mentem Pomponii Melae in 
Kon r ad Miller 's Mappae Mundi Heft VI Taf. 7 anzusehen. 
Gleich darauf heisst es bei Plinius 6 , 39 : Supra maritima eins 
(Albanorum) üdinorumque gentem Sarmatae , Utidorsi , Aroteres 
praetenduntur , quorum a tergo indicatae iam Amazones et 
Sauromatides. Hier ist Utidorsi verlesen aus Ovxol (= Ovöat, 
bei Ptol.), "A0Q601 ''AQOvi'iQeg. Unter dem Namen Aorsi erwähnt 
er sie auch 4,80, eine weitere Form haben wir 6 , 48 : Gandari 
Pari<c>ani Zarangae Arasmi Marotiani Arsi Gaeli quos Graeci 
Cadusios appellavere , Matiani , wenn Reinach's Vermutung 
zutrifft , dass Marotiani in Maeotiam zu verbessern sei •^). In 
diesem Fall wären die Arsi natürlich die Aorsen. Doch bleibt 
die Möglichkeit, dass Arsi aus <P>arsi = TlaqGioi Strab. ccc 7, 1 
p. 508 verdorben ist. Aber die ungewöhnliche Form Arzoae 
wird bestätigt durch die Karte des Castorius, welche an zwei 
Stellen (Segm. IX 5 und X 1) ARSOAE verzeichnet. Arzoae oder 
Arsoae setzt ein iranisches ^arz-awa voraus , das zu np. 



oii or- 



_^j \\ „Wert", aw. ardgah- ^ phl. arz^ arzan (Hörn, Nr. 67 



^) G. Schlegel, The secret of the Chinese method of transcribiug 
foreign sounds p. 17. 21. ßeprinted from the T'oung-Pao, Series II Vol. I. 

•^) Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen Norden 
II 37. SBWA. Bd. 117, 1888, Nr. 1. 

^) Th. Reinach, Un peuple oublie, les Matienes. Kevue des 
etudes grecques 1894 p. 313 n. 1. 



86 J- Marquart, 

bis) gehört ^) , gebildet mit einem Suffix awa- , au- (vgl. skyth. 
MccQÖavog Latyscheff II 275 no. 451, 15 aus Tanais a. 228 
n. Chr.), das wohl mit dem hypokoristischen Affix -coccg, -ö^', 
skythisch -ovg identisch ist. Vgl. Justi, Iran. Namenbuch 525. 
Als einheimische Form von "AoqCol erhalten wir nun ohne Mühe 
ein Compositum *hu-arz , das sich zu Arzoae verhält wie z. B. 
Su-gambri zu Gambrwii^ Wisi-gothae zu Gutones-). Die Trans- 
skription ist ähnlich wie m"AoQvog, das auf iranisches *hu-ioarna 
„wohlbewehrt" (W. war „wehren") zurückgehen muss, und 
zunächst durch das Streben nach Dissimilation zu erklären. 
Ähnlich haben wir "Aroaaa = aw. Hutaosa', ^A^vQyioi Her. 7, 64, 
"'AfioQyrjg 1) König der Saken Ktes. ecl. 3, 2) Enkel des Hystaspes, 
Satrapen der Baktrier und Saken Thuk. 8,28, lyk. Humrkkä 
Stele von Xanthos Süds. 50, umrggazn Nords. 50, neben ^O^d^yrig 
1) König der Saken Polyain. 7, 12, 2) König der Maqa&oi jenseits 
des Tanais (laxartes) Chares von Mitylene bei Athen. 13, 35 
p. 575, sämtlich = ap. (Sakä) Haumawargä. Nicht ganz gleichartig, 
aber ebenfalls beizuziehen ist die Wiedergabe von anlautendem 
wä durch av in AvtocpQccöatfjg, lyk. Wataj^rddata^ auf stachrischen 
Münzen iTT^sm = ap. WätafraSäta; Avro-ßot-6a%r}g = ap. ^Wüfa- 
baugaha Xen. Hell. 2, 1, 8; AvTO-ßaQrjg Arr. 7, 6, 5 = ap. ^Wäta- 
pa-ra (Hypokoristikon mit Suff, -ra zu * Wäta-päta). Daneben hat 
aber wie 'm^'AoQvog so auch \ii"AoQ60L griechische Volksetymologie 
die Transskription beeinflusst, indem man den Namen an o^Gog Angriff 
(in oqGo-loTtog) anschloss. Vgl. die zahlreichen etymologischen 
Spielereien , welche die hellenischen Geographen gerade in den 
Kaukasusgebieten und Iran verbrochen haben, z. B. ^A^aLOL, ^Hvloiol, 
AlvLävsg, naQQaöLOL (Strab. La 2, 12 p. 495/96. 7, 1 p. 508), 
'AQ^ivioi (Strab. m 14, 12 p. 530), ^'IßrjQsg. 

Es ergibt sich somit, dass auch der Name Aorser, ebenso 
wie Alanen, eine ehrenvolle Selbstbezeichnung ist, welche sich 
das Volk bezw. der führende Stamm wahrscheinlich bei der 
Begründung einer grössern politischen Einheit beilegte. Für die 
Datierung dieses Ereignisses besitzen wir bis jetzt nur einen terminus 
ante quem in dem Reisebericht des Cang-k'ien (ca. 126 v. Chr.), 
da sämtliche griechische Berichte über das Ende der hellenischen 
Herrschaft in Sogdiaija und Baktrien für uns verloren sind. Da 
die obern Aorsen sich, wie wir gesehen haben, östlich bis zum 
Aralsee erstreckten , wo die Alexanderhistoriker und selbst 
Eratosthenes noch Massageten und Daher kennen, so ist Ammians" 
Angabe, dass die Alanen — d. h, die Aorsen unter ihrem neuen 
Namen — Nachkommen der alten Massageten seien ^) , gar nicht 

^) Es darf indessen nicht verschwiegen werden , dass das ent- 
sprechende ossetische Wort ary = skt. argha (Hübschmann, Ety- 
mologie und Lautlehre des Ossetischen S. 23 Nr. 31) lautet. 

2) Vgl. Streitberg, Indogerm. Forsch. IV 300—309. 

3) Ammian. Marceil. 23, 5, 16. 31, 2, 12. Vgl. Kassios Dien 69, 15. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 87 

so unwahrscheinlich, wenn man sie auf die führende Horde dieses 
Volkes beschränkt, welches infolge seiner politischen Expansion 
die älteren iranischen Nomadenstämme der aralo-pontischen Steppen 
aufgesogen hatte. Der Name „Fischesser " passte nur auf einen 
Teil der alten Massageten, wie ein Blick auf ihre Wohnsitze und 
Lebensweise zeigt, und wir wissen auch nicht, ob das Volk jenen 
ihm von seinen Nachbarn beigelegten Namen selbst angenommen 
hatte. Über die Vr«'^^'"-ßp Mazk^ufk^ die wir im 4. Jahrh. 
im östlichen Kaukasus , am Westufer des Kaspischen Meeres 
finden, wird anderswo ausführlich gehandelt werden. 

Neben der Pluralendung -rat finden wir im Skythischen 
auch noch Spuren einer älteren Pluralbildung. Herodot 4 , 52 
spricht von einer überaus bitteren Quelle, welche vier Tagfahrten 
vom Meere in den Upanis münde, und obwohl unbedeutend, das 
Wasser des mächtigen Upanis untrinkbar mache, sötl de t] %Qrivr} 
avxri iv ovqolöl %coQ7]g xijg xs aQon^Qcov Savd'scov Kai ^AXa^ovcov ' 
ovvo^cc Ss trj %Qt]vr] Kai od'sv qssl ro5 %coQ(p ßnvd'Lötl ^sv ^E'^a^iTtatog, 
Tiara öe t^v ^Ell'^vcov yXcbööav ^I^al 66oL Dieser Ort lag 
zwischen Borysthenes und Upanis. Der Skythenkönig Ariantas 
hatte daselbst einen kolossalen ehernen Mischkessel aufstellen 
lassen (Her. 4, 81). Stein erklärt den Namen des Ortes daraus, 
„dass er ein Knotenpunkt aller Verkehrsstrassen war, deren 
Sicherheit , nach antiker Sitte , unter den Schutz der Götter 
gestellt war". Eine Etymologie des Namens versuchte Müllen - 
hoff, DA. ni 104 f. „Das '-E, schreibt er, wird auch hier ein 
privatives a sein und in dem wort der begriff ,unverletzt, 
unverletzlich' liegen, wie in unserm ,heilig' (vgl. altpers. akhsatä 
von khshan verwunden). . . . wie im pehlevi und im neupers. 
päi aus pädha fuss entstand, so kann auch im scythischen 
pai aus path altpers. pathi pfad geworden sein , nahe liegt sonst 
auch zd. paya- weide , trift , wonach die paradiese ^tarpaya, 
Mähpäya (Spiegel parsigramm. s. 180) benannt sind". Toma- 
schek, Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen 
Norden II 62 (SBWA. Bd. 117, 1888, N. I) spricht das 
unbedenklich nach und erklärt e^a(ji7taLog = e-ksan-pay [so!] 
„unverletzliche Weide". In der Inschrift Dar. Pers. I 23 findet 
sich allerdings der Ausdruck hjä duwaistam sijätis achsatä^ der 
aber noch nicht sicher erklärt ist. 

Allein wenn hier acMatä in der That das Fem. eines Part. 
Pass. der Wurzel skt. ksan, aw. chsan „verletzen" + a priv. 
ist, so beweist dies gerade die Unmöglichkeit von Müllenhoff's 
Erklärung des skythischen i^afi-: es müsste mindestens ^i'^an- 
(durch Assimilation aus '^i^at-) lauten. 



Zonaras 11,24 (vol. III 75 ed. Dindorf). S. darüber vorläufig diese 
Unters. I 48 Anm. 16. 



88 J. Marquart, 

Müllenhoff hat ganz richtig gesehen, dass der Begriff 
oSoi in -nalog stecken müsse, woraus sich ergibt, dass wir den 
Begriff „heilig" in £E,cc^- zu suchen haben. Es ist nun schon 
mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die skythischen Namen 
vielfach die dem Ossetischen, dem heutigen Nachkommen des 
Alanischen eigene Konsonantenumstellung zeigen. Bereits Müllen- 
hoff (DA. III 121) fiel diese Metathesis in den tanaitischen 
Namen auf -'gaqO'og auf, worin er aw. ap. chsa^ra „ Herschaft " 
erkannte, und er verglich dieselbe mit ähnlichen Erscheinungen 
im Neupersischen. Wsewolod Miller hat dann die sprach- 
wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen gegeben, indem 
er zeigte , dass die altiranischen Lautgruppen 'Q^r und ehr im 
Skythischen zu rt^ rch werden, wie im Ossetischen i). 

In gleicher Weise wird im Ossetischen nun auch altiranisches 
sp in fs verwandelt , z. B. jäfs Stute , aw. aspa ; äfsad Heer, 
aw. späda'-). Nach dieser Regel müsste das altiranische Wort 
für „heilig", aw. spdnta^ medisch a^psvöa- (in Scpevöa-daxriq, 
lyk. 8ppnta-za) ^ altpers. "^sanda- in Havö-coKrig , San-tak-sat-ru 
(unten S. 105 Anm. 5) im Ossetischen *äfsand lauten. Ein solches 
Wort findet sich nun freilich meines Wissens im Ossetischen nicht 
mehr, wird aber für das Skythische sehr wahrscheinlich gemacht 
durch die Notiz bei Steph. Byz. : WevöaQtdari ' locpog iv Z%vQ'ia^ 
(ista xb Xeyofisvov oQog ayLOv , wo Wsv6aQra%rj in ^evöccQtd'K'ri zu 
verbessern ist. Der zweite Teil gehört wohl zu osset. art^ 
„brennendes Feuer, Flamme" , aw. ätard (gen. ädrö) „Feuer" 
Hüb seh mann a. a. 0. S. 24 Nr. 36, im ersten Teil ist '*fsänd 
„heilig" nicht zu verkennen. Der ganze Name ist also ^fsänd- 
art-ah Ort des heiligen Feuers. In ähnlicher Weise werden wir 
auch den Stammnamen Psacae Plin, h. n. 6,50, Psaccani der 
Karte des Castorius Segm. IX 3. 4 auf ein skythisches '^äfsah 
= medisch aitccKa, np. sag „Hund" zurückführen dürfen. 

Wenden wir uns nun wieder zu i^afi- , so fällt es uns wie 
Schuppen von den Augen, dass hier dasselbe Wort *äfsänd-, 
*äfsand- vorliegt. Wir machen aber zugleich mehrere wichtige 
lautgeschichtliche Beobachtungen. 

1) Das erste Kompositionsglied hatte bereits den auslautenden 
Stammvokal a verloren, der auslautende Doppelkonsonant nd 
bezw. nt musste sich deshalb dem anlautenden p der folgenden 
Silbe assimilieren und in den Labial m übergehen. 

2) Die genaue Transskription wäre also '^iipaii-Tcavog d. i., 
wie die älteste Orthographie der Inschriften zeigt, *icpaa(i-7tatog. 



1) In der S. 79 Anm. 2 zitierten Schrift, die ich leider nur aus 
der Anzeige J. Hanusz's kenne. 

2) Hübschmann, Etymologie und Lautlehre des Ossetischen 
S. 108 § 35 e. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 89 

Allein ein solches Wort wäre gegen den griechischen Sprachgeist, 
welcher zwei derartige unmittelbar aufeinanderfolgende labiale 
Lautgruppen nicht duldet. Es findet deshalb eine Dissimilation 
statt, und an Stelle der labialen Gruppe W d. i. 02^ tritt die 
gutturale S* d. i. XU. 

Da der Name i'^afi-itatog durch einen Plural glossiert wird, so 
muss auch in -ncciog eine skythische Pluralform stecken. Wir werden 
eine Form ^pahaja = ap. ''^pa^^ajah (zu ap. pa^i „Pfad"), 
aw. ^paQ-qjö ansetzen dürfen. Dasselbe skythische Wort für „Weg" 
erkenne ich auch im Stammnamen ^AqyiTtTCcdoL (Her. 4 , 23), 
wofür einige Handschriften sowie Zenob. 5, ^h^O^yB^itaioi lesen, Plin. 
6, 19. 35 und Mela 1, 116 Arimphaei (einer etymologischen Spielerei 
zuliebe , die den Namen mit den ^Piitaia oqtj zusammenbrachte) ^). 
Die ursprüngliche Form wird also ^AQyi^itaioL lauten. Herodot 
berichtet über dieses ' Volk : rovxovg ovdelg aÖLKesL avd'Qcoitmv • 
IqoI yciQ leyovxai elvai' ovöi xi aQiJLOv otcXov ioixsaxai. %al 
xovxo (lev XOLÖL TCSQiomeovöt ovxoi slal oi xag ÖLacpo^ag öiaiQBOvxeg, 
xovxo de og civ cpevycav %axacpvyri ig tovxovg , V7t ovösvbg 
aÖLniexcct. ovvofia öe Gcpi iöxl ^A^yLTtTCaioi. ^i%Qi ^bv vvv xav 
cpaXccKQWv xovxcov TtoXlr] TteQKpai'SLTj xrjg %coQ7}g s6xl %al xobv 
E^TtQOöd'e id'vicov %al yag U^Kvd'icov XLvhg ccTtLTiviovxai, ig ccvxovg, 
x6)v ov jaXeitov i^xi Ttv&iüd'at Ticcl ^ElXi]vcov x(bv i% BoQVöd'ivsog 
xs ifiTtOQLOv Kai xöv äXXcov Uovxl'küv i^TtOQicov. 2J'Kvd'8cov öe o7 
av eXd'coöt, ig avxovg , 6l inxa iQ^i]vicov kccI 6l inxcc yXcoööecov 
ÖLaTtQijööovxaL. (^e%QL fiev ör] xovxcov yLvcoöKexat, xb 6e x&v 
(paXa%Q(bv TiaxvTtBQd'e ovöelg axQe%ecog olöe cpQaöai. Das Merk- 
würdigste in dieser Schilderung ist ohne Frage die Bezeugung eines 
Asylrechts und einer Art Gottesfriedens zum Schutze des 
Handelsverkehrs , der unter der Garantie des Völkerrechts stand, 
wie bei den hellenischen Festspielen oder auf dem Markte von 
UkäQ. Tomasch ek geht noch weiter und sagt: „Wir sehen 
eine feste Regierung, welche den Handel schützt und den 
Verkehr überwacht". Er sieht in den ^Aqyi^itaiOi „Inhaber des 
tamgha, mit Vollmacht versehene Beamte des fern in der Gobi 
oder an der Selengga sitzenden Türken- [d. h. Hiung-nu] herrschers, 
Rechtsprecher und Entscheider (jarghu^i), Ordner des Karawanen- 
verkehrs, welche die fremden Gäste in Grenzposten empfingen" 2). 
Ob er freilich Recht hat mit seiner Behauptung, dass die 
^AqyL^Ttaloi im Altai zu suchende Vorposten der Hiung-nu gewesen 
seien, ist eine offene Frage, aber seine Charakteristik derselben 
als Ordner des Karawanenverkehrs ist völlig zutreffend: sie sind 
die Wächter und Schützer der Strassen, und dieser Begriff ist, 
wie ich glaube , in ihrem Namen ausgedrückt , der ohne Zweifel 



1) Vgl. über dieses Volk Mülle nhoff, DA. HI 9 ff . 47 ff. 
Tomaschek, Die ältesten Nachrichten über den skyth. Norden H 54 — 65. 

2) A.a.O. S. 62f. 



90 J- Marquart, 

skythiscla-iranischen Ursprungs ist. Das erste Element desselben 
ccQyifi- ist also wolil ein Participium Praes. auf -nt, -nd^ das sieb 
vor dem folgenden Labial in m verwandeln musste, wie in Eh,a^- 
für *äfsand, und wir baben es mit einem partizipialen Compositum 
zu tbun nacb dem Typus aw. n/indat - pasana Schlachten 
gewinnend'), ap. Wmda(h)-farnä^ Däraja(h)-wahus. Das Wort 
ccQyLfji- finden wir aucb in Aqyl^-iiaGa, dem skythiscben Namen 
der himmlischen Aphrodite (Her. 4,59), die wir als Göttin der 
Fruchtbarkeit aufzufassen haben (vgl. Her. 1 , 105). Im zweiten 
Teil dieses Namens erkennt man unschwer osset. fuss D fiss T 
Schaf (Hübschmann a. a. 0. S. 68 Nr. 295), aw. pasu Vieh^ 
so dass L4^yi(ii-7ro;Ga = skyth. "^argind-pas etwa „das Vieh schützend" 
bedeutet haben muss. Auch hier beobachten wir wiederum, dass 
das altiranische Wort pasu- im Skythiscben bereits den auslautenden 
(unbetonten) Stammvokal verloren hatte , da a offenbar bloss 
griechische Femininendung ist. Das skythische a^yi^- = ^argind 
stelle ich zu gr. aQvAoo „abwehren, schützen", lat. arceo^ arm. argel 
„Hindernis", np. arg „Zitadelle" (Hübschmann, Arm. Gr. I 423. 
Hörn, Neupers. Etymologie 18 Nr. 73). In dem Vokal i der 
Endung darf man wohl den Charakter des Causativums sehen. Da 
die Skythen ein Nomadenvolk waren, dessen hauptsächlichster 
Besitz in seinen Herden bestand, so werden wir uns nicht 
wundern, dass der Name ihrer Göttin der Fruchtbarkeit eine 
Beziehung auf jene aufweist. Wenn ich mich nicht täusche, 
entstammt auch roLxoGvqoq, der Name des skythiscben Apollon, 
derselben Begriffssphäre : in -avQog hat man längst aw. sm-a 
stark gesehen, yoLzo- nehme ich, wenn auch nicht ohne Bedenken, 
= aw. gaed'a, ap. gai^ä (Beb. I 65) Herde. Freilich weiss ich 
für die Transskription von skyth. ai durch gr. ol kein anderes 
Beispiel, da oioq = ^wair- nicht ganz sicher ist. 

Die Richtigkeit der obigen Deutung des skythiscben -naloq 
wird bewiesen durch eine andere, bisher arg misshandelte Glosse. 
Nach Angabe der Issedonen wohnten über diesen die einäugigen 
{^ovvoQp^al^oi) Menschen, wie die Hellenen durch Vermittlung 
der Skythen gehört hatten , Jtat ovvo^cc^o^bv avzovg aavd'icrl 
^AQLficcöTtovg' aQLfia yccQ "av TialiovöL 2Javd'aL, 6%ov Se ocpd'al^ov 
(Her. 4, 27). Neumann, Die Hellenen im Skythenlande I 195 
hat den skythiscben Ursprung der Etymologie bezweifelt, Zeuss 
dagegen -) hält sie für eine „philologische Fabelei" und lässt die 
Wahl zwischen zwei Erklärungen: entweder ^AQL-fiaüTtol , „zum 
häufigen art rnid dem persischen Volksnamen MaGitiOL (Her. 1, 125), 
oder ^AQt(i-a67Col , mit dem häufigen asp*^. Sein gegen Herodots 
Deutung angeführter Grund, dass der Name, wenn er eine Wurzel 
öTtov enthalten hätte , mindestens ^A^LfiaöTtovol oder ^A^i^acitvoi 



1) Jackson, Avesta grammar p. 24.3/44 § 888. 

^) Zeuss, Die Deutschen und ihre Nachbarstämme 299 Anm. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 91 

wiedergegeben sein müsste , ist indessen ganz hinfällig , und die 
zur Stütze dieser Behauptung angeführten Beispiele sind gänzlich 
unbeweisend. Enthielt der Name als zweiten Bestandteil ein Wort, 
das die lonier durch ctvov wiedergaben, so bildeten sie naturgemäss 
vom Nominativ ^AQLfiaöTtovg einen Plural ^A^i^aGitol . Die Frage. 
kann also nur sein, ob die überlieferte Accentuirung richtig und 
der Name statt als 6e,vxovov nicht vielmehr als TtSQLöTtco^isvov zu- 
sprechen ist. Aber die Endbetonung beweist auf alle Fälle, dass- 
die Griechen in dem Namen nicht das ihnen aus einer grossen 
Anzahl von Personen- und Stammnamen geläufige iranische aspa 
„Ross" gesehen haben. Dies lässt sich übrigens schon daraus 
schliessen, dass der Name im Griechischen kein a- Stamm ist, wie 
die Namen auf -aspa {-daitrig, -danai) fast durchweg, sondern 
ein 0- Stamm. 

Ganz in Zeus s' Fusstapfen wandelt Müllenhoff. Bei Herodot,. 
„der in geographischen und geschichtlichen dingen sich arge 
nachlässigkeiten zu schulden kommen Hess , darf , wie der Ver- 
fasser meint, „ungenauigkeit in sprachlichen noch weniger befremden, 
da er selbst, der scythischen spräche unkundig, von der aussage 
der Olbiopoliten abhängig war, die volkssage aber allenthalben 
,gesuchter und verkehrter deutungen' voll ist (J. Grimm kL 
Schriften I 304)." Als ein bezeichnendes Beispiel einer solchen 
gesuchten Deutung gilt ihm ^A^LfiuöTtoL Zwar erkennt er selbst 
an, dass aw. ä^rtma „Einsamkeit", wozu er aus Justi's Handbuch 
der Zendsprache S. 31 „zd. arm^shad ,einsam sitzend', osset. 
tagaur. ärmäqt adv. ,bloss, allein'" vergleicht, auf ein adj. *arima 
= (jiovog schliessen lasse, und für öitov „Auge" hatte schon 
Jakob Grimm, Gesch. der deutschen Sprache 233 an unser* 
„spähen" erinnert, was Müllenhoff näher ausführt: „Wurzel cpao 
= spak , lat. specio , ahd. spehon : man vergleiche Citiog specus^ 
pehl. pdi^ zd. pa(}u (statt pakuY . Trotzdem verwirft er Herodots 
Deutung und behauptet, ^ÄQLfiaöTCOL sei „ohne zweifei nichts 
anderes als ein compositum von zd. airyama folgsam und 
acpa^ agp ross, und der name bedeute ,folgsame pferde habend'" ^). 

Noch willkürlicher geht Tomaschek zu Werke. Er fälscht 
die Glosse gtiov „Auge" geradezu in C%6g , das er für aw. spas 
m. „Späher" (nom. spas) nimmt, und modifiziert Müllenhoffs 
Deutung dahin, dass ^Aqu^aöitoi „Besitzer von wilden, von Steppen- 
rossen" (von aw. airivna „Einsamkeit, Einöde")- bedeute^). 

Allein an Herodots Erklärung ist nicht zu rütteln. Schon der 
Umstand hätte die Kritiker vorsichtig machen müssen, dass auch 
das indische Epos und schon Skylax und Megasthenes ein fabel- 
haftes Volk von Einäugigen {ekalöcana) sowie zahlreiche Barbaren- 



1) DA. in 105 f. 

-) Kritik der ältesten Nachrichten über den skythischen Norden 
I 47 = SBWA. Bd. 116, 1888, S. 761. 



92 J. Marquart, 

Völker mit ähnlichen Spottnamen kennen^). Herodots CTtov d. i. 
S2J0U (mit dem im Ionischen und auch noch lange im Attischen 
erhalten gebliebenen Diphthong om, der sich auch im Alt- 
lateinischen und Gallischen vorfand und wohl denselben Laut 
hatte wie das heutige schwäbische ou aus ahd. w, nicht 
wie das alamannische und mittelfränkische (ribuarische) äu = 
ahd. ou, got. au) gibt zunächst skythisches spohu, "^spahu 
wieder, das älteres *S2Ja&ü ^= ap. *spa&u, aw. *spasu voraussetzt, 
offenbar ein Neutrum auf -li von der W. spas „schauen, bewachen", 
wie aw. zmt- „Knie", skt. gdnu-\ vgl. auch die Feminina aw. 
bäzu- , skt. hähu- „Arm" , nasu- „Leichnam" , tanu- , skt. tanü- 
„Körper". Wir haben hier somit ein Beispiel, in welchem skyth. 
h aus & zwischen Vokalen iranischem s = idg. k ^ entspricht — 
also eine sehr bemerkenswerte Übereinstimmung mit dem Alt- 
persischen -). Skyth. arima- ist jedenfalls zu aw. a^rima- zu 
stellen, dass mit gr. SQrjfiog, skt. irma zusammenhängt^). Darme- 
steter übersetzt airime-gätüm Wend. 9, 133. 137. 141. 14, 21 
durch „lieu de reclusion, d'isolement", dagegen das damit zusammen- 
gehörige airime-ahliadö Jt. 13, 73, armae-saide Js. 62,8 soll 
ebenso wie armaesta Wend. 6, 30. Jt. 5 , 78. 6,2. 8, 41, phl. 
armest bedeuten „qui ne bouge pas" *). Allein das ist jedenfalls 
nicht der Wortsinn dieser Adjectiva, die nur bedeuten können 
„in der Einsamkeit sitzend bezw. stehend". Wenn diese Ausdrücke 
nicht bloss von den während des Zustandes der ünreinigkeit von 
der Berührung mit andern abgesperrten Personen, sondern auch 
von stehenden Gewässern gebraucht werden, so ist ja bekannt 
genug, dass alle abflusslosen Gewässer in Iran in Sümpfen in 
der Wüste enden. Man wird also aus dem aw. Neutrum 
a^rima ein Adj. ^arima „einsam" ableiten können, von wo aus 
der Bedeutungsübergang zu „vereinzelt, einzig" nicht mehr sehr 
weit ist. Im Ossetischen bleibt allerdings aw. i^", im Unterschied 
vom Skythischen und Neupersischen, auch zwischen Vokalen als 
f" erhalten, z. B. fäf'än „Breite", 2iW. paß'ana-, dig. af'ä „so", 
aw. a&a^). Für „Weg, Strasse" gebraucht das Ossetische das 



1) M. Bh. III 297 V. 16137. I p. 748. Skyl. von Karyanda bei 
Tzetzes, Hist. VII v. 638. Vgl. Rein hold Issberner, Inter Scylacem 
Caryandensem et Herodotum quae sit ratio. Diss. Berlin 1888 p. 5. 
Megasthenes bei Strab. ^ 1, 9 p. 70. ls 1, 57 p. 71L Gellius IX 4. 
Vgl. Lassen, Ind. Altertumskunde II '^ 656 Anm. 1. — Dagegen darf 
man sich nicht auf die ekawilövana des Warähamihira, Brhat-Samhitä 
XIV 23 transl. by H. Kern (JRAS. V, 1870, p. 85) berufen, die in 
den Nordwesten (neben die Sülika (Sogdianer), Langhälse, Langgesichter 
und Langhaarigen) verlegt werden, da dieselben wahrscheinlich aus 
griechischer Quelle stammen. 

2) Vgl. Hübschmann, Pers. Stud. 210 ff. 

^) Den Hinweis auf das indische Wort verdanke ich Prof. Kern. 
*) Le Zendavesta II 83 n. 97. 524 n. 125. 

^) Hübschmann, Etymologie und Lautlehre des Ossetischen 
S. 96 § 20, b. 



Untersuchungen zur Gesebichte von Eran. 93 

Wort digor. fandag, tagaur. fändäg = aw. pdntan^ skt. pant^an ^). 
Allein wir dürfen nicht vergessen, dass das Ossetische ja nicht die 
Tochter des Skythischen, sondern einer Schwester desselben, des Ala- 
nischen ist, das nicht einfach mit jenem identisch gewesen sein wird. 

Obige Beispiele liefern uns auch den Schlüssel zum Ver- 
ständnis anderer skythischer Namen, wie ^iQa^-ßovarog Latyscheff 
II 427 bis und ^Lccii-cpooKavog ib. II 447. Letzterer Name ist von 
besonderer Wichtigkeit, da sein erstes Element ^la^- = '^chsijant- 
unzweideutig ein Part. Praes. der W. chsi „herrschen" ist und so 
meine Auffassung des Namens ^AQxa-^lag (auch in ^A^xat^iaGata 
Strab. la 14, 6 p. 529 d. i. *Artachsijas-sät „Freude des Artaxias", 
der altern Form des Stadtnamens ^Aqxa^axa, Artasat), später ^A^xa- 
ipf\g^ arm. W^ntnuM^u Artases stützt. Da Artaxias sich um 
189 V. Chr. gegen die Seleukiden empörte , so ist es sehr wohl 
möglich, dass man damals im mazdajasnischen Kleinasien noch den 
richtigen Nominativ eines Part. Praes. bilden konnte und bildete. 
Haben sich doch altpersische Namen in Kappadokien und besonders 
im pontischen Königshaus bis in die römische Zeit herein erhalten, 
nachdem sie in Pars selbst längst ausgestorben waren. Einmal 
geprägt, wurde der Name Arta-chsajas ^AQxccS,iag aber in dieser 
Form weiter vererbt, geradeso wie die kappadokisch- iranischen 
Monatsnamen, und hat dieselbe auch als Lehnwort im Armenischen 
behalten^). Eine Form der Wurzel chsi liegt auch im Namen 
By\-y68Lg (Aiai^hov) Latyscheff II 446. 455 vor, dessen zweiter 
Teil als erstes Element in FoSo-öavog und rcoSl-yaöog vorkommt und 
von Justi, Namenbuch 495 durch osset. gäwd Ochse erklärt wird. 

Wir werden von vorne herein erwarten dürfen, das auslautende 
nt bezw. nd des ersten Gliedes in derartigen partizipialen Composita 
vor dentalem Anlaut des zweiten Gliedes in der Form w, vor voka- 
lischem Anlaut in der vollen Form nd bezw. nt auftreten zu sehen. 
Ersteres ist in der That der Fall, z. B. in ^ISdvd-vQaog Her. 4, 76. 
120. 126 f., Megasthenes bei Strabon ls 1, 6 p. 687 = *idant- aus 
"^widant- mit Schwund des anlautenden w^ wie im Ossetischen*^); 
vgl. aw. wldat- in Widat-ga Fraward. jt. 127, Wi8at-hwar9nd ib., 
pers. ^Tödcnrig Ktes. bei Diod. 2, 5, 1 = ap. "^WidaQiyaspa. Arrian 
Ind. 5, 5 schreibt jenen Namen in seinem Citat aus Megasthenes 
^IvSaO'VQGLg , das mehr zu ap. medisch Wmda{h)-farnä, parthisch 
^Tvöo-cpsQQrjg (oben S. 4 und Anm. 5) stimmt, in seinen Parthika 
dagegen Idvövöog*). Vor vokalischem Anlaut finden wir, ganz 
der awestischen Bildung entsprechend, Bavdd-aaitog (ein Jazyge) 
Kass. Dion. 71, 16, 1 = aw. *wanat-aspa „siegreiche Rosse be- 
sitzend« Müllenhoff, DA. III 119. Justi, Namenbuch 347. 



1) Hübschmann a. a. 0. S. 64 Nr. 272. 

*) Siehe diese Unters. I 71. 

3) Ws. Miller nach Hanusz, WZKM. I 155. 

*) Siehe diese Unters. I 32. 



94 J. Marquart, 

Von hier aus wird vielleicht mit der Zeit auch einiges Licht 
auf die rätselhafte Geographie der hyperboreischen Geschichten des 
Hekataios von Abdera fallen. Nach diesem führte der nördliche 
Ozean vom Flusse Parapanisos an, da wo dieser Skythien bespült, 
den skythischen Namen Amalchios (richtig AMAIXIOC) d. i. ge- 
froren i^ham-aichija^ oben S. 84). Einen Fluss jenes Namens 
suchen wir bei den griechischen Geographen freilich vergebens, 
und das Nächstliegende wäre daher die Annahme, dass der Fluss- 
name dem des Paropanisosgebirges entlehnt sei, wie Müllenhoff 
meint ^). Ich halte es in der That sehr wohl für möglich, dass 
Hekataios, ein Zeitgenosse Ptolemaios' I., in erster Linie einen vom 
Paropanisos kommenden Fluss, nämlich den durch den Alexander- 
zug bekannt gewordenen Xoccönrig d. i. den Swät-Pangkora im Auge 
hatte, indem er das an diesem zu suchende sagenhafte Nysa mit 
den Hyperboreern der hellenischen Sage verknüpfte, die man bis 
zum Nordmeer reichen Hess, und jenen Fluss, gewisse Andeutungen 
des alten Hekataios umdeutend, in die Nähe von Skythien ver- 
setzte^). Damit ist jedoch noch keineswegs erklärt, wie der nörd- 
liche Ozean einen skythischen Namen führen konnte. Vielmehr 
werden wir, da der Name des gefrorenen Meeres unzweifelhaft eine 
skythisch- iranische Glosse ist, auch dieses Meer selbst, welches den 
realen Hintergrund der phantastischen Schilderungen des Hekataios 
gebildet haben muss, samt jenem Flusse im Bereiche der pon tischen 
Skythen suchen müssen. Sollte der Name Parapanisos etwa mit 
einem ähnlich klingenden eines ganz anderswo gelegenen Flusses 
vermengt worden sein? Er erinnert in seinem zweiten Teile an 
den mehrfach vorkommenden Flussnamen Upanis, attisiert "Tnavig. 
Freilich der aus Herodot bekannte Fluss dieses Namens, der heutige 
Bug, kann hier nicht in Betracht kommen, allein denselben Namen 
führte auch der heutige Kuban ^), und hier lassen uns die physischen 
und klimatischen Verhältnisse begreifen, auf welche Weise sich 
Hekataios seine Vorstellungen gebildet hat. Schon Herodot 4, 28 
berichtet über die ausserordentliche Kälte in Skythien : övCxelfiSQog 
öe avxYi 7] %ataXe%d'eL6ci 7tä6a %(oqri ovxoa Sri ^^ ^^^^'' evd'a rovg (isv 
oKTüö r&v ^riv&v acpoQfjrog olog yivexai %QV^6g, iv tolöl vÖcdq inyiag 
nTjXbv ov TtOL'^aeLg, itvQ öe ävcc%alcov noLi^östg [TtriXov'] : t] öl ^d- 
Xaaaa [d. i. die Maiotis] TtT^yvvtat %al 6 B6(S7toQog nag 6 
Ki,(i(i£Qi,og, Kai iitl rov KQvGtdXXov oi ivtbg "(tijgy xdfpQOv ÜKvd'cct 
TiaxoiKTjfjievoi, axQaxsvovxai, %al xag d^id^ag 87tsXavvov6L tceqtjv ig 
xovg Sivöovg. ovxo) fisv ör} xovg oxrro fiijvag ölccxeXsel xeificav icov, 
rovg ö^ ETtiXoiitovg xiöasQag ipvxsa avxod-L iöxl. So übertrieben 
und ungenau diese Schilderung auch ist, so erklärt sie uns doch, 
wie sich die Vorstellung bilden konnte, dass die Maiotis sich 
bis in die Polarregion erstrecke und mit dem nördlichen Ozean 



1) DA. I 424. ^) Siehe Nachtrag. 

8) Strab. La 2, 9 p. 494. 10 p. 495. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 95 

zusammenhänge ^). Dass die Maiotis bis zum kimmerischen Bosporos 
zufriere , berichtet auch Strabon 2). Am deutlichsten war diese 
Naturerscheinung gerade beim Ausfluss der Maiotis in den Pontes 
zu beobachten , und es ist daher verständlich , warum Hekataios 
das gefrorne Meer der Skythen, das er mit dem nördlichen Ozean 
gleich oder in Verbindung setzte, beim Flusse Parapanisos d. i. 
dem Kuban beginnen Hess , der gegenüber Pantikapaion seine 
Arme in den Pontos und die Maiotis sendet. Parapanisos 
bedeutete vielleicht „der jenseitige (östliche) Upanis" im Unter- 
schiede von dem gleichnamigen westlichen Flusse ; vgl. skt. para 
entfernter, jenseitig, osset. fallag gegenüberliegend (Hübschmann, 
Etymologie und Lautlehre des Ossetischen S. 65 Nr. 274, 3). Da 
der Kuban im nordwestlichen Kaukasus entspringt und am 
Nordfusse desselben dahinfliesst , so ist es wohl denkbar, dass die 
Begleiter bezw. Geschichtschreiber Alexanders, welche den Namen 
des Kaukasus auf den Hindukus übertrugen und im Jaxartes 
den Tanais wiederzufinden glaubten, auch durch den einheimischen 
Namen des indischen Kaukasos an den grossen nordkaukasischen 
Fluss erinnert wurden und so Hekataios' Parapanisos dazu beitrug, 
dass der ältere Name UaQvrjaog für *naQ6r]v6g durch die jüngeren 
Formen JJccqoitaviGog TLaQoita^iGog verdrängt wurde — also 
"Umgekehrt als Müllenhoff sich die Entwicklung vorstellte. 

Hekataios hatte ferner von einer von den Hyperboreern 
bewohnten Insel ^EXl'^otcc gesprochen, die über dem Fluss 
Kaqa^ßv'nag im Norden liegen und nicht kleiner als Sizilien sein 
sollte. Nach diesem Flusse hiessen die Bewohner KccQccfißv'KaL. 
Aus Plinius ersehen wir, dass Hekataios den Fluss Karambykas 
auf den Ausläufern der Ripäen-^) entspringen Hess, an welche er 
die mit den Hyperboreern in Verbindung gebrachten Arimphaeer 
(Herodots ^AQymnaioi) setzte. Auf Hekataios geht wohl auch in 
letzter Linie die Verlegung der Issedonen nach dem Westen, in 
die Nähe der Maiotis und des Kaukasus zurück*). Über den 
KccQafißvTiag wage ich noch keine bestimmte Vermutung aus- 
zusprechen, so lange nicht klar ist, was der fabelhaften Insel 
EXi'^OLcc zu Grunde liegt. Ich bin aber überzeugt , dass wir 



^) Siehe meine Osteuropäischen und ostasiat. Streifzüge S. 162. 

^) Strab. la 2 , 8 p. 494 : ^ixQ'^ 7^9 ^svqo (bis zum kimmerischen 
Bosporos) xat 6 %Qv6tcclXos Siutsivsi^ Ttrirtofisvrig ti)s Maimriöog y,atcc 
rovg HQviiovg mars ■7t8^svs6%'ai. ^ 3, 18 p. 307 : tiöv dh Ttdycov rj acpoögorrig 
lidXiGta SK tätv ov^ßaLVOvrojv tvsqI xo 6t6[ia ri]g McaojtLÖog df]i6g iativ, 
a^cc^s-vstai yccQ 6 diaTtlovg 6 slg ^avayoQSiav sk tov Ilavtiy.anaiov, 
coötb -aal itiovv slvca xal 6§6v. Plin. 4,87: Haee ibi latitudo Asiam 
ab Europa separat, eaque ipsa pedibus plerumque pervia glaciato freto. 
Über das Zufrieren des kimmerischen Bosporos und des nördlichen 
Teiles des Azowschen Meeres vgl. die von Stein zu Her. 4, 28 
angeführten Worte Neumanns, Die Hellenen im Skythenlande I 65. 

^) Siehe die Stellen bei Müllenhoff, DA. I 424*. 

^) Plin. 6, 2L Mela 2, 2, 13. Anders Müllenhoff, DA. III 53. 



96 J- Marquart, 

dieselbe nicht irgendwo hoch im Norden suchen dürfen. Auf 
alle Fälle dürfte die Übereinstimmung des zweiten Teils von 
KccQdfißvTiag mit dem Namen des Flusses Bvnrjg oder Buces 
westlich von der Maiotis, welcher in den lacus Buces d. i. das 
Faule Meer (Siwasch) mündet^), kein blosser Zufall sein. Freilich 
kann der unbedeutende Bykes, in dem man wahrscheinlich die 
heutige Nogaika, nach andern die Molo^naja woda zu erblicken 
hat 2), sachlich mit dem Karambykas des Hekataios nichts zu thun 
haben, zumal hier auch eine bedeutendere Insel völlig fehlt. 
Dagegen würde sich Hekataios' Darstellung am einfachsten 
erklären, wenn wir unter dem KaQafxßvTiag einen der beiden 
Hauptarme des vielnamigen Kuban verstehen dürften. Vgl. 
Mela 1, 112: obliqua tunc regio et in latum modice patens 
inter Pontum Paludemque ad Bosphorum excurrit; quam duobus 
alveis in lacum et in mare profluens Goracanda paene insulam 
reddit. Nach dem südlichen, in eine Lagune und durch diese 
in den Pontes mündenden Arme des Goracanda war der Ort 
KoQOTiovSdfifj benannt 3). Das Land am Kuban war nachmals 
von den Kasak (Cerkessen) bewohnt, deren ausserordentliche 
Körperschönheit und Anmut schon den Arabern Bewunderung 
abnötigte. Der ritterliche Sinn der Cerkessen wird noch heute 
von allen Reisenden gepriesen. Im 10. Jahrhundert waren sie 
berühmt wegen ihrer unübertrefflichen Leinenindustrie *) , und 
noch bis in unsere Zeit galt die Obstzucht im Cerkessenland als 
musterhaft. Es bliebe daher vor allem aufzuhellen , wie sich 
Hekataios das Verhältnis zwischen seinen beiden Flüssen Parapanisos 
und Karambykas gedacht hat.] 

5. Über einige Inschriften aus Kappadokien^ 

In der Gegend westlich von Kaisärije hat Herr Anastasios 
M. Levidhis in Zindzi-därä am Argaios mehrere merkwürdige 
Inschriften aufgefunden, von denen er Abschriften an Herrn 
Dr. Zimmerer geschickt hat. 

Levidhis gibt von dem Fundgebiet seiner Inschriften folgende 
Beschreibung, die ich möglichst mit seinen eigenen Worten 
wiedergebe : 

Der Flecken Arebsun — auf Kiepert's Nouvelle carte 



1) Mela 2, 2. Plin. 4, 84. 88. Ptol. 3, 5 p. 199, 6. 18. 

'-') Siehe Tomaschek, Pauly-Wissowa's RE. IH 15 s. v. Bykes. 

3) Strab. ia, 2, 8. 9 p. 494. 

^) Vgl. Mas'üdi II 45 ff. 

5) Dieser Aufsatz ist zu Weihnachten 1898 fertig gestellt worden 
als Beitrag zu dem Reisewerk von Roman Oberhummer und 
Heinrich Zimmerer, Durch Syrien und Kleinasien (Berlin 1899), 
konnte dann aber in demselben nicht mehr aufgenommen werden. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 97 

generale des provinces asiatiques de TEmpire ottoman (1884) 
Yarapison, bei Levidhis hellenisiert ^A^aßiGGog^ das alte ZoQOitaGGog 
in der GTQatriyia Movqluvt] (Morimene) Ptol. 5,6 p. 341, 26^) 
— liegt am linken Ufer des Halys und ist von Nävsähir 
4 Stunden entfernt. Es ist der Sitz des Qäimmaqäms des 
gleichnamigen Qazä (vTtoötOLKrjöLg), das im N. vom Sandzak Jozgat, 
im 0. vom Sandzak Kaisärije, im W. von den Sandzaks Aq-serai 
und Qyr-sary (Kir-seher, alt Garsavira-Archelais) und im S. vom 
Qazä Näv-sähir und dem Sandzak Nigde (nach L. das alte Kdöriva) 
begrenzt wird 2). In kirchlicher Beziehung untersteht der Bezirk 
der Jurisdiktion des Metropoliten von Ikonion, politisch ist er 
unmittelbar vom Sandzak Nigde, mittelbar vom Wiläjet Konia 
abhängig. Der Ort gewährt einen hübschen Anblick, besitzt 
Pachtgüter und Weinberge und 400 türkische und 450 griechisch- 
orthodoxe Häuser. Die Orthodoxen, Kolonisten von Savatra^), 
reden ein verdorbenes Griechisch; ihre alte Kirche, auf den 
Namen des hl. Demetrios geweiht und in Felsen gehauen, ist 
zusammengefallen und man baut jetzt auf ihrer Stätte eine neue 
aus Stein. Bei der Kirche haben sie eine neuerbaute Schule, in 
welcher jetzt provisorisch Gottesdienst gehalten wird. Neben 
dieser gibt es eine Kommunalschule und eine Kleinkinderschule; 
als Mädchenschule dient ein Privathaus. Das alte Regierungs- 
gebäude dient jetzt als Apotheke, das neugebaute enthält alle 
Bureaux der Eegierung und in der Nähe das Post- und Tele- 
graphenamt, welches vor kurzem auf kaiserlichen Befehl entstanden 

ist. Bei denselben ist das Mäktäb-i rusdijä (iü^XÄ »^^^JlX/») 

oder die Schule der Jünglinge, und bei diesem eine alte Mädräsä 
{CTtovöaaxTJQLov) mit einer ansehnlichen Bibliothek von türkischen 
Büchern, eine Stiftung des aus diesem Flecken gebürtigen 
Silähdär Qara Wezir Mähämäd Pascha, welcher das kleine 
Dorf unter dem Namen Gul-sähri („ Rosenstadt ") zu einem 
Flecken erhob und darin im J. 1193 H. einen schönen heiligen 
Bezirk {ts^evog, haram) mit einem Turme und einer Kuppel 
gründete. Die Säulen dieses Haram und seiner Vorhalle, sämtlich 
aus Marmor, wurden aus den 6 Stunden entfernten Ruinen einer 
zerstörten Stadt übergeführt, auf welcher jetzt das Dorf Kostasyn 
liegt, unter dem eine vollständige kappadokische Stadt und 
Kirche an der Oberfläche liegt. 

Um Arebsun gibt es sehr viele alte Troglodytendörfer. Von 
diesen sind zu nennen Karadza-sar ^ l^/g Stunden von Arebsun. 

^) Vgl. W. M. Ramsay, The historical geography of Asia 
Minor p. 287. R. Geogr. Sog. Supplementary papers Vol. IV. 

2) Im Säl-nämä bei Kiepert, Nouvelle carte generale werden 
Arebsun und Aq-serai nicht als eigene Qazä's aufgeführt. 
») Vgl. Ramsay 1. 1. 343. 

Marquart, Untersuchungen. II. 7 



98 ^- Marquart, 

Aus einem Hügel in der Nähe dieses Dorfes wurden die unten 
zu besprechenden Inschriften nach Arebsun gebracht, und Levidhis 
zweifelt nicht daran, dass, falls jener Hügel ausgegraben würde, 
noch andere ähnliche Inschriften zu Tage kommen würden; ferner 
westlich davon das Dorf Basan-sarnic ^ mit. alten Zisternen und 
Höhlenwohnungen; nach Norden das Dorf Agri-Köjü mit alten 
Höhlen, genannt Gjawur-ini; das 2 Stunden entfernte Awrän- 
hurnü mit einer griechischen Felseninschrift und einer Höhlung, 
in welcher Bienen eine Unmenge Honig gesammelt haben ; Satan- 
sar mit alten Ruinen und Pfeilern; Sol-channy mit Euinen 
namens Zijarät d. i. Verehrung; Salanda jenseits des Halys, von 
wo die Einwohner des zum Flecken Indzä-su gehörigen Quartiers 
Salanda verpflanzt worden sind, mit sehr vielen Höhlenwohnungen 
und einem Hügel namens Kejislik, d. i. Wohnung der Mönche; 
Dzämäl mit dem Berg Chyrka ^) , einem erloschenen Vulkan mit 
sehr grossem Krater, und mit den Ruinen einer Burg byzantinischer 
Zeit; Barach^ wo sich ein Grabstein mit Inschrift gefunden hat 
(s. u.); Tatlar ^ wo zwei Marmorsteine mit Inschriften gefunden 
sind. Tatlar ist ausserdem bemerkenswert wegen seiner vul- 
kanischen porösen Steine, wegen der Bruchstücke von schwarzem 
Basalt, ferner durch seine merkwürdigen Höhlen, die späteren 
ausgegrabenen Wohnungen, die alten auf die Hellenen zurück- 
gehenden Gräber, die wahrscheinlich zur Zeit der Christen- 
verfolgungen als Zufluchtsstätte dienten 2). 

In der Umgebung von Kostasyn liegt Siwasa 2i]ßcc6cc, nach 
L. das alte Orjßaaa^) , das unter und auf der Oberfläche viele 
alte Ruinen besitzt. Hier befinden sich auf einem Felsen die 
Reliefbüste eines Mannes und die Ruinen einer byzantinischen 
Kirche , deren Altarraum noch vorhanden ist , indem die Kuppel 
desselben auf sechs behauenen Pfeilern ruht, die Bilder aber, die 
aus dem Jahre 718 n. Chr. datieren, schön erhalten sind*). Neben 
Siwasa ist eine Felskette von porösem Gestein , und auf einem 
dieser Felsen befindet sich eine schwer lesbare griechische Inschrift, 
sowie eine Grabschrift unter der Erde. Zwei Stunden sw. von 
Kostasyn liegt das türkische Dorf Dadasyn mit vielen alten 
Ruinen und einer byzantinischen , kreuzförmig gebauten Kirche 
mit fünf Kuppeln, die auf sechs Pfeilern ruhen. In der Nähe 



^) [Vgl. Roman Oberhummer und Heinrich Zimmerer, 
Durch Syrien und Kleinasien S. 143. 220.] 

2) [Vgl. Oberhummer und Zimmerer a.a.O. 233f., welche 
den Namen Tatlarin schreiben.] 

3) S. aber Ramsay a. a. 0. 339f., welcher zeigt, dass Thebasa 
zu Lykaonien gehörte , und es in der Gegend von Kara-bunar auf 
dem Wege von Aq-serai nach Qaraman sucht. 

*) [Vgl. die Beschreibung bei Oberhummer und Zimmerer 
S. 232 f., wo der Ort Soasa heisst.] 



Untersuclaungen zur Geschichte von Eran. 99 

des Dorfes Käläsm ist ein Hügel Arsäl-h'öjügi genannt, unter 
welchem sich in Stein gehauene Höhlen befinden, von denen die 
meisten abgesondert sind. An der Kuppel einer dieser Höhlen 
ist eine grosse Öffnung mit einem steinernen Verschluss^). 

Südöstlich von Arebsun finden sich Holztürme {^loGvvoC)^ 
in welchen ausser alten in Fels gehauenen Wohnungen auch in 
Fels gehauene Tempel vorkommen, wie in Acyk-sarai'^)^ Göreme, 
Soandos [Näv-sähir] u. a. Einer derselben heisst zweistöckige Kirche 
•der Erzengel {taS,Ldq%ai). Dort sah unser Gewährsmann am Giebel 
der Kuppel des Altarraumes, wo sich auch Heiligenbilder erhalten 
haben, eine schwer lesbare griechische Inschrift mit dem Datum 
%^KÄ e ' SN IC MHNI AnPlAIO HS KG. Bezieht 
man dieses Datum auf die Weltära (6721), so entspricht es dem 
Jahre 1213 n. Chr. Sollte aber der erste Buchstabe "^ nicht 
zum Datum gehören , sondern Abkürzung für elg xa sttj sein , so 
erhielte man ^^K/4 =721 n. Chr. Letzteres hält der Entdecker 
für wahrscheinlicher, da das folgende bedeute E(tog) ev(6ccQ'Kco6scog) 
^l7ja{ov) (A^rfvl ^ÄTtQdLOi elg tag %b. Ähnliche Inschriften sah er 
nämlich auch in Göreme und Soandos, und die Heiligenbilder 
zeigen nach ihm, dass sie Werke des 8. Jahrhunderts sind. 

Westlich davon befindet sich eine Öffnung, in welcher eine 
Felsenhöhle ist mit Arbeitshütten auf beiden Seiten , und ein 
sogenannter finsterer Markt, und dabei ein in Fels gehauenes 
Fort mit vielen Stockwerken auf einem Felsen, Sorgun-Kalesi 
genannt; dann viele alte in Stein gehauene Wohnungen, und bei 
denselben aus Stein gehauene Denkmäler auf einem Felsen. 

Das Gebiet der im Vorstehenden beschriebenen Ruinen fällt 
— mit Ausnahme von Salanda — vollständig innerhalb der 
alten Strategie Morimene (Ptol. MovQLccvrj d. i. MÜRI[M]ANA), 
deren Umfang Ramsay 1. 1. p. 287 — 296 zu bestimmen gesucht 
hat (vgl. auch die Karte zu p. 196). Morimene hat ebenso wie 
die Strategien Garsauritis und Tyanitis, soweit die geschichtliche 
Kunde reicht, stets zur Satrapie Kappadokien gehört, im Gegensatz 
zu dem östlich daran grenzenden Kilikien. Nördlich von Morimene, 
in dem später von den gallischen Trokmern besetzten Lande, also 
im Gebiete der grossartigen Ruinen von Boghaz-köi und Üjük, 
Sassen die wahrscheinlich mit den Paphlagonen näher verwandten 
Matiener ^) , eine im Westen zurückgebliebene Abteilung eines 
Volkes, dessen Hauptmasse sich ehemals weit nach Osten ver- 
breitet hatte*). Die Grenze zwischen ihnen und den Phrygern 



^) Nach Leon Diakonos p. 35 hiessen die frühern Bewohner dieser 
Gegend Troglodyten. Vgl. Ramsay a. a. 0. p. 293. 

2) [Über diesen Ort Oberhummer und Zimmer er S. 144f. 248.] 

3) Her. 1, 72. 7, 72. Hekat. fr. 189. 

*) Vgl. Th. Reinach, Un peuple oublie, les Matienes. Rev. 
des etudes grecques 1894, 316. [S. aber unten.] 

7* 



100 J- Marquart, 

bildete der Halys. Auf beiden Seiten des Mittellaufes desselben ^ 
d. h. soweit er eine ostwestliche Richtung hat, wohnten die 
Kiliker. Darnach könnte es scheinen, als ob auch Morimene zum 
Gebiete der Kiliker gehört hätte. Allein dies würde allem, was 
wir über die politische Entwicklung des Landes ermitteln können, 
zuwiderlaufen. Dagegen finden wir in späten byzantinischen 
Bistumslisten einen der Metropolis Mokissos (Kir Seher) unter- 
stehenden Bischofssitz MaxiavYi aufgeführt, dessen Name sich in 
dem heutigen Dorfe Macan, wenige englische Meilen östlich von 
Nävsähär erhalten hat, neben einer der auffallendsten Gruppen 
von in Felsen gehauenen Häusern, Kirchen und Gräbern, die in 
Kleinasien existieren^). Der Schluss drängt sich ohne weiteres 
auf, dass sich in diesem Maxiavi^ (Maöan) die Erinnerung an die 
Matiener erhalten hat, und dass diese einst nicht bloss das Land 
östlich vom Halys, soweit er eine südnördliche Richtung hat, 
etwa bis zur Einmündung des Delidze-Irmak , sondern auch das 
Gebiet zu beiden Seiten des Halys von da an, wo er eine nord- 
westliche Richtung einschlägt (etwas oberhalb von Arebsun) bis 
zu dem grossen Knie bei Cukur-agha, wo er sich direkt nach 
Norden wendet, inne gehabt haben. Wenn dies Land auch später 
zu Kappadokien gerechnet wurde (Her. 5, 52), so war es zur Zeit 
des Kroisos von Matienern bewohnt und nicht, wie Pteria, von 
Kappadoken. 

Im Osten stiess Morimene an die Strategie Kilikien am 
Argaios mit der Hauptstadt Md^a%a, d. i. wohl „die Mazda- 
stadt " '^). Die armenische Form \^utJ-tup_ Mazak' würde ein 
griech. "^Ma^a^a voraussetzen und ist wahrscheinlich nach dem 
Mo66% = ']^'n der LXX gemodelt. Diese Landschaft, assyr. 
Chilajcu, war einer der Gaue von Tabal, das etwa den beiden 
Kappadokien der hellenistischen Zeit entspricht, und bildete den 
Ausgangspunkt des spätem kilikischen Reiches^). Das Königreich 
Chiluki wird zuerst von Salmanasssar IL im Jahre 859 v. Chr. 
genannt. Sargon unterstellte Chilakku dem Tabaläer Ambaris, 
dessen Vater ChullT den tabaläischen Gau Bit Buritis beherrscht 
hatte, Hess ihn dann aber, als er sich mit ürsä von Urarti und 
Mitä von Muski in VerbindungeiT einliess, mit seiner Familie und 
den Vornehmen des Landes nach Assyrien deportieren und 
siedelte Assyrer im Lande an und machte es zur Provinz*). 
Sanherib hatte später gegen die Bergbewohner von Chilakki 



1) S. Ramsay 1. I. 295. [Oberhummer und Zimmerer 
a.a.O. 182. 245 f.] 

2) Strab. i/5 1 , 4 p. 534. 2,7p. 537/38. Über den Umfang von 
Kilikia vgl. Ramsay 1. 1. 303 ff. 

3) S. jetzt H. Win ekler, Alter. Forsch. IL Reihe Heft 3, S. 11 7 ff. 

4) Sargon, Prunkinschr. 29—32. KB. II 57. Vgl. Winckler, Altor. 
Forsch. I. Reihe S. 365. II. Reihe S. 121. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 101 

zu kämpfen, nennt aber keinen König des Landes. Doch tritt 
uns ein solcher, namens Sandasarme , wieder beim Beginne 
der Regierung Asurbanipals (668) entgegen , welchem er seine 
Huldigung in Ninive darbrachte^). In diese Zeit fallen die An- 
fänge des spätem kilikischen Grossreiches, das sich bald auch 
südlich vom Tauros über die alte Landschaft Que (Qäwe Salm. 
Obel. 101, KB. I 140, hebr. ni.p 1 Kön. 10, 28) 2) mit der 
Hauptstadt Tarsos {Tarzi) ausdehnte. Es war für den neuen 
Staat eine Lebensfrage , sich die Küste von Que und damit den 
Anteil am Seehandel zu sichern. Dies führte aber naturgemäss 
dazu, dass die Könige von Kilikien ihre Residenz vom Argaios 
nach dem weit kultivierteren Tarsos verlegten. 

Das Königreich Kilikien lag nach Her. 5, 52 zwischen Kappa- 
dokien und Armenien und reichte bis zum Euphrat. Der Halys 
floss in seinem Oberlauf durch kilikisches Gebiet (Her. 1 , 72). 
Damach umfasste Kilikien die Landschaften Melitene, Kilikien 
am Argaios zu beiden Seiten des Halys, Kataonien nördlich und 
KdLKLcc TtsÖLDcg, das alte Que, sowie KiliTila tj tQa%sta oder Ki,7jtlg 
südlich von Tauros^). Nach Strabon hätten auch Akilisene 
(Ekeieac' mit der Hauptstadt Erez-Erzingjän) und die Gegend 
um den Antitauros *) , d. i. die hocharmenischen Landschaften 
Mzur {Mov^ovQ(ov) und Daranati vor der Erhebung des Zariadris 
und Artaxias (um 190 v. Chr.) zu Kataonien, d. h. ehemals zu 
Kilikien gehört^). [Doch ist es zweifelhaft, ob die Nachricht 
von einer ehemaligen politischen Zusammengehörigkeit dieser 
Landschaften in dieser Form chronologisch genau ist. Durch 
Ibn Serapions Beschreibung des Euphratlaufes wissen wir nämlich 
jetzt , dass das vielerörterte Land Mu-us-(uz- , UQ-)ri^ welches 
Tiglatpileser I. (um 1020) sich rühmt bezwungen zu haben und 
das Salmanassar H. (860 — 825) nach den Beischriften des 
schwarzen Obelisken zweihöckerige Kamele, Rinder des Flusses 
Irkea , Elefanten und Affen (?) als Tribut brachte ß) , genau dem 
Gebiet des Antitauros nördlich von Malatja entsprach, welcher 
den Namen .^ ix J^> Mu zur- Gebirge führte und sich nicht 
bloss westlich vom Euphrat bis zur Wasserscheide zwischen 
Euphrat und Halys erstreckte, sondern auch einen Teil des 
Gebirgslandes im Süden des Euphrats etwa bis Erzingjän umfasste '^). 



1) Asurb. n 75-80. KB. II 173. 

2) Fr. Hommel, Gesch. Babyloniens und Assyriens S. 610 N. 3. 
^) Vgl. Ed. Meyer, Gesch. des Königreichs Pontos S. 15. 

B. Niese bei Jensen, Hittiter und Armenier (1897) S. 195f. 

^) Vgl. W. Fabricius, Theophanes von Mitylene S. 138/39. 

5) Strab. ICC 14, 5 p. 528. 

6) Tiglatpil. I Kol. V 67—81. Salm. II Obel. KB. I 34/35. 150/51. 
') Ibn Serapion, Description of Mesopotamia and Baghdäd, 

written about the year 900 AD. Ed. with translation and notes by 



102 J- Marquart, 

Der Name des Landes Muzri, welches uns noch im 9. Jh. v. Chr.. 
als politische Einheit begegnet, hatte sich also als geographischer 
Begriff noch mindestens bis ins 9. Jh. n. Chr. erhalten. 

Als nördlichsten Zufluss des Euphrats von Westen nennt 
Ibn Serapion den K-^iJ -gi, der im Gebirge ,3;^^ Muzür im 

Gebiete der Stadt AbrTq (TscpQM'r] , Diwrigi) entspringt und eine 
Tagereise unterhalb Kamach in den Euphrat mündet. Tomaschek 
versteht unter diesem Fluss den heutigen Quru-^ai oder den 
Fluss von Armidan und Hassanowä. Nach ihm kommt der Fluss 
von Abriq, der bis zu seiner Mündung von einem Gebirgszug 
begleitet vs^ird und angeblich kurz unterhalb der Festung AbrTq 
den Fluss von Zamra aufnimmt , der etwas oberhalb (?) der 
Quelle des Lüqija im Muzür -Gebirge entspringt. Unter dem 
Flusse von AbrIq ist der heutige Sary-6i^ek-su zu verstehen, der 
an Diwrigi vorbeifliesst , über den Lauf des Flusses von Zamra^ 
dem heutigen Zimarra, ist Ibn Serapion aber falsch berichtet und 
lässt ihn irrig in den Fluss von AbrIq anstatt unmittelbar in 
den Euphrat münden. Der nächste westliche Zufluss des Euphrat^ 
der L^ül -^ d. i. der heutige Ango-su von Arabglr^) entspringt 

im Gebirge von Abriq, wenig oberhalb der Kreuzung der von 
Malatja kommenden Heerstrasse, und mündet 5 Fars. unterhalb 
(richtig: 5 mil oberhalb) der Einmündung des Arsanäs in den 
Euphrat. Dann folgt der Kj.L:>-.>- -gJ^ der im Muzür-Gebirge 

in der Nähe der Festung Charsana {XaqöLavov nczatQov) auf 
romäischem Gebiete entspringt und nachdem er den aus einem 

Berge in der Gegend von AbrIq kommenden cj»iü! -p auf- 
genommen , 10 Fars. unterhalb des Nähr Angä in den Euphrat 
fällt. Es ist der heutige Quru-^ai entlang der nach Sebasteia 
(Siwäs) führenden Heerstrasse , der ^ykl\ -gJ sein linker , vom 
Ciöek-dagh kommender Zufluss. 

Als Zuflüsse des Arsanäs (Arsanias, arm. Aracani) werden 

o - 

genannt der ^^jlXÜ ^p „Wolfsfluss" und der JaüJl^MJ*! j^ , 



Guy le Strange. JRAS. 1895 p. IL 13. 30. 81. 54f. 315. Vgl. dazu 
die Anmerkungen von Guy le Strange p. 57 f. 63ff. und W. Toma- 
schek, Historisch-Topographisches vom obern Euphrat und aus Ost- 
Kappadokien. Festschrift für H. Kiepert S. 138 — 140. Diese Arbeit 
war mir hier in Leiden nicht erreichbar, so wenig als Kiepert's 
Nouvelle Carte generale des provinces asiatiques de T'Empire ottoman, 
und ich war daher auf die Notizen angewiesen, die ich mir früher daraus 
gemacht hatte. 

^) In der Hs. immer ohne Punkt. 

2) Taylor, J. R. Geogr. Soc. 1868 p. 313. Vincent W. Yorke, 
Geogr. Journ. 1896, 2 p. 230f. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 103 

Jener entspringt in einem Gebirge in der Gegend von Qäliqalä 
(Kamoj k'a^ak', Erzerum) und mündet angeblich kurz oberhalb 
Simsät (Arsämosata) in den Arsanäs. Der Nähr asSalqit ent- 
springt im Muzür- Gehirge, fliesst an zahlreichen Burgen vorbei 
und mündet eine Meile unterhalb der Stadt Simsät und des sie 
umgebenden Gebirges. Guy le Strange sah in dem v_^js.J5 .^ 

den heutigen Gunek-su , allein es ist, wie Tomaschek erkannt 
hat, der „andere Gailfluss" der Geographie des Ps. Moses 
Chorenac'i (p. 30 ed. Soukry), der die Landschaft Chorzain im 
sog. Vierten Armenien mit dem Hauptort Koioberd (Burg Koi) 
oder Kei, das spätere Bistum Kei^) durchströmte, der Li^ik-su 
der qa9aba Qjyj (aus dem armenischen Genitiv Keil) oder 
der Perl-su, der nach Aufnahme des MuzGr-^ai auch diesen 
letztern Namen führt und gegenüber Charäba (Arsämosata) bei 
der Münde des Saich-qätun-su am Ausgange Anzitene's gegen 
Balahowit in den Muräd-su fällt. Der Nähr asSalqit ist nach 
Tomaschek sicher der heutige Singit- (Süngüt) oder Aq-su, der 
als Chozät-su im Muzür-tagh entspringt und westlich von Pertek 
(arm. berdak „Schlösschen") in den Muräd-su mündet. Der in 
der Provinz Hoch-Armenien entspringende und nach Süden 
fliessende Gail kann dann nur der eben genannte MuzGr-cai sein, 
ein bedeutender Zufluss des PerT-su, der im Muzür-tagh entspringt. 
Der Muzür-tagh, d. h. der östlich vom Euphrat gelegene Abschnitt 
des .^fi J^^, bildete ehemals den zur Provinz Hoch- Armenien 

gehörigen Gau Mzur, das %U^a Mov^ovqwv^). König Säpür IL 
erreichte denselben auf seinem Raubzug im Jahre 359 über 
Aiznik' , Gross-Cop'k' , Angel- tun , den Gau Anzit und Cop'k' 
Sahuni, und rückte von da weiter nach Daranaie mit der Haupt- 
stadt Ani (Kamach) und Ekeleac' (Akilisene) ^). Vielleicht hängt 
damit auch der Name der Residenz des Königs Sanatruk (167 — 196), 
Mcurk\ zusammen*), obwohl dieselbe nach der Beschreibung 
des Faustos am Zusammenfluss der beiden Euphratarme, also im 
Gau Cop'k' Sahuni , der Satrapie T^ocprivij in der spätem 
romäischen Provinz Armenia IV zu suchen ist^). Nachdem der 
hazr mardpet (Eunuchenoberst) seine Dörfer im Gaue Taraun 
besucht und darauf einen Zusammenstoss mit dem Oberpriester 
Nerses in Astisat (Surb karapet) gehabt hatte, „gieng der hair 
weg von den heiligen Orten und stieg hinab zum Ufer der 
Stromschnellen des Euphrat, zu den Thälern des dichten Waldes, 

^) Vgl. H. Geizer, Georgius Cyprius p. 181,82. 

2) Vgl. dazu H. Geiz er, Georgius Cyprius p. 183 s, 

3) Faust. Bjz. 4, 24 p. 141. 
'*) Oben S. 15 und Anm. 4. 

^) Vgl. über die Grenzen dieser Provinz H. Geizer, Georgius 
Cyprius p. XLVI ss. LXI. 173. 



104 J. Marquart, 

zum Zusammenfluss der beiden Ströme, in ein Rohr- und 
Schwarzdomdickicht, an welchem von den Alten her eine Gründung, 
eine Stadt war, welche der König Sanatruk gegründet hatte, 
welcher Ort Mcurk mit Namen^ genannt wurde" i). Hier verfiel 
der hair dann der Rache des Savasp, eines Sprösslings des auf 
sein Anstiften einst ausgerotteten arcruuischen Geschlechtes. Nach 
dieser Erzählung muss die Stadt Mcurk' an der Einmündung des 
Aracani in den Euphrat gelegen haben, also gegenüber dem 
römischen Daskusa. Nach der Geographie des Ps. Moses Chor, 
p. 30, 18 mündete der Aracani bei der Stadt Lasat'-aric'^). 

Doch mag nun eine Beziehung zwischen den Namen der 
Stadt McfwrU Vr^^«-/»p in Cop'k' Sahuni und des Gaues IT'j^^"-/' 
in Hoch -Armenien anzunehmen oder mag die Ähnlichkeit nur 
eine zufällige sein: soviel ist unzweideutig, dass sich der Name 
des alten Landes Muzri in dem des Gaues Mzur und dem Begriffe 
nach vollständiger in dem des Gebirges Muzür d. i. des Antitauros 
mindestens bis ans Ende der Chalifenherrschaft erhalten hatte. 
Für die Beantwortung der Frage, wie lange die politische Einheit 
dieses Gebietes gedauert hat, fehlt es indessen bis jetzt an sicheren 
Anhaltspunkten und muss daher von Strabons Angabe einstweilen 
abgesehen werden.] 

Die Bildung eines grössern Reiches in den Taurusländern gieng 
wahrscheinlich von einem gewissen Mukallu aus, der zuerst unter 
Asarhaddon Melidi (Malatja) bedrängt und dann den Assyrem 
entrissen hatte, worauf er sich mit Iskallü, dem Fürsten von Tabal 



1) Faust. Byz. 4, 14 S. 118 (Venedig 1889): ü.«/"' -t^iyr «^rT-'V^«'^ 

^nif puiuU P-uäbJifiiu^ni^i^ u/lt ut uß rt-ftb , p nJrmuifuiuiubnL%uü h-plint^a 
u-trännah Ji ß-uf-ni.^ fumnJtftqh iTuMj^hruMob ^ np p uttr/pL-n^ fi j!^inaU 
hifh ^iutb' Duigtup' ttnp ^pblruM^ J^UMÜtumpni-^ ußpoußjp^ nnm^W u/ündt 

tnhqi^nj% y^b^nt-p^ k"i_t' Langlois übcrsetzt dem Sinne nach ganz 
richtig: „et de roseaux abondants au confluent des deux rivieres", 
Lauer ist aber das Missgeschick passiert , im .französischen roseau 
ein „ Rosen gebiisch" zu vermuten. Daher seine Übersetzung: „in ein 
Wäldchen von Rosenstöcken und Schlehendornen", — Aus den obigen 
Worten des Faustos ist durch Kombination mit Mar Abas S. 7 die 
oben S. 15 Anm. 4 übersetzte Stelle des Ps. Moses 2, 36 herausgesponnen. 
2: LiisaP (zu lois „Licht") muss der Name einer Gottheit gewesen 
sein. Vgl. das Verzeichnis anderer mit -aric oder -jaric zusammen- 
gesetzter Ortsnamen bei Hüb seh mann, Arm. Gr. I 25. 113, wozu vor 
allen noch Xalto-jarig oder Xa^tojarinc bei Brosset, Hist. de la 
G^orgie. Additions et ^claircissements p. 178, Kalt-LOQLöGa in Klein- 
Armenien Ptol. 5,6 p. 340, 6 unter 69^ 50' L. 4P 15' Br., Tn-agiüGog 
in Melitene ib. p. 341 , 1, ZaTt-ccQioto? ib. p. 340, 27 (unter 69» 45' L. 
39» 45' Br. bezw. 70» L. 400Br.), ÄvtccQ-ccQi^av Prokop. de aedif. 3, 4 

6, 253, 15 nachzutragen wären. Zur Erklärung dieses Elements s. meine 
emerkung über Baga-jaric diese Unters. I 65. Sollten KccXtioQiGGa 
und Chaltojarinc „Ort der Verehrung des (aus den Inschriften von 
Wan bekannten) Gottes Chaldi" bedeuten? 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 105 

verband, um die assyrische Provinz Qug anzugreifen (um 675). 
Hier war kurz vorher (677) der Kgnig Sanduarri von Kundi 
{Kvi^vSa)^) und Sizü (Sis, byz. Hlöiov im Taurus)^), der sich mit 
'Abd Milkät von Sidon gegen Assyrien verbunden hatte, von den 
Assyrern überwältigt und hingerichtet worden ^). Beim Regierungs- 
antritt Asurbanipals (668) schliesst Mukallu Frieden mit Assyrien. 
Dabei ist merkwürdig, dass auf der nach 662 geschriebenen Tafel 
K. 2675, Rs. 22 ff.*) der Name seines Landes nicht ausgefüllt 
ist, entweder weil ihn der Schreiber nicht wusste, oder aber, was 
wahrscheinlicher ist, weil er im Zweifel war, welchen Titel er 
dem Mukallu geben sollte. Auf dem um 649 abgefassten Prisma 
B Kol. II 65 (KB. II 170/71 N. 1) und dem lange nach dem 
Falle von Babylon (648) geschriebenen Rassamzylinder Kol. II 68 
wird er dagegen als „König von Tabal" bezeichnet, offenbar 
entsprechend den damaligen politischen Verhältnissen. In der 
Zwischenzeit muss er sich also auch in den Besitz dieses Central - 
landes von Klein asien gesetzt haben. Dabei war ein Zusammen - 
stoss mit Sandasarme von Kilikien bezw. dessen Nachfolger 
unvermeidlich. Wer von beiden in diesem Duell Sieger blieb, 
wissen wir vorläufig nicht; da aber das nachmalige Reich der 
Syennesis sich nach der Landschaft Chilaku (Kilikien), nicht 
Tabal benannte, so spricht die Wahrscheinlichkeit für Sandasarme 
bezw. seine Erben, die demnach als die eigentlichen Gründer der 
kilikischen Grossmacht zu betrachten wären. 

Vermutlich hängt die Verlegung der Residenz nach dem 
Süden des Tauros mit den Kimmerierstürmen zusammen. Diese 
Verschiebung des politischen Schwerpunktes brachte es mit 
sich, dass die Herrschaft über die Länder nördlich vom Halys 
aufgegeben werden musste. Wir erfahren dann, dass der Kim- 
merierfürst Tuktamme {^Dugdämi^ AvySa^ig)^ welcher Sardeis 
erobert hatte, in Kilikien seinen Untergang fand — wobei 
vielleicht an das alte Kilikien am Argaios zu denken ist — so 
dass sein Sohn Sanfachsa&ra (assyr. San-dak-sat-ru^) sich 



^) Vgl. W. Max Müller, Studien zur vorderasiat. Gesch. 59. 
Mitteil, der Vorderasiat. Ges. 1898 Heft 3. Hugo Winckler, Altor. 
Forsch. II 118. 

2) Sachau, ZA. VII 92. 

3) KB. II 127. 

.. *) KB. II 170/71 N. 2. Vgl. Winckler, Altor. Forsch. I 479ff. 
Über den terminus post quem für die Abfassung jener Tafel siehe 
meine Chronologischen Untersuchungen S. 78 = Philologus, Suppl. 
Bd. VII 712. 

^) Der Name bedeutet „reine Herrschaft besitzend" =aw. *>S2?9wiö- 
xm^rö; vgl. den pers. Namen ^i'ai'dcbxr]? Her. 7, \^A: = 2i^.*Santa-wäka 
, Heiliges verkündend", wozu Zav8avy,ri Plut. Them. 13 das Femininum 
ist (die Form Mav8ccv7\ bei Diod. icc 58 ist unursprünglich), und arm. 
/Sanciarame^ „Unterwelt" (neben Spandaramet= Jlovvöos), kappadokisch- 



106 J. Marquart, 

bewogen fühlte, dem König Asurbanipal seine Huldigung an- 
zubieten ^). Dieser grosse Erfolg über die gefürchteten Kimmerier 
hat gewiss viel dazu beigetragen, das Ansehen des Königs von 
Kilikien zu heben und seinen Staat zu einer Lydien und 
Babylonien gleichberechtigten Grossmacht zu erheben. Später 
blieb dann der Name Kilikien speziell an dem alten Que südlich 
vom Tauros haften. Zur Zeit des Satrapen Datames (karisch 
1*'|HM^ Tardamü (oder Tidramü '^JLÖ<Q>ay.yig?)^) finden 
wir in Kataonien einen besondern Fürsten Aspis^) (Nep. Dat. 4), 
der in seinen Bergen dem Grosskönig zu trotzen wagte und ver- 
mutlich von der alten Dynastie der Syennesis abstammte, Kilikien 
am Argaios aber war die Hyparchie des Karers Kamissares*) und 



pers. Sandara, Zovdaqa (Monatsname) = ap. * Santa-äramatis gegenüber 
aw. Spdnta - ärmaiti. Vgl. auch pers. Ga^aGiog Her, 7, 194 = 
-@ijäm-äsija, aw. *Sjäm-äspi. Das Kimmerische stimmt also hier 
in bemerkenswerter Weise zum Altpersischen und stellt sich in 
Gegensatz zum skythischen ^äfsand^ aw. spdnta, medisch acpsvda- 
(oben S. 88). Medische Formen sind dagegen lyk. Sppntaza 
(Münzen) == aw. *Spdnta-zä „von heiligem Geschlechte " und der dem 
Magier Gaumäta von den Magiern beigelegte posthume Name Hcpsvda- 
$ätr\g = aw. Spdntö-däta (s. diese Unters. I 68 N. 71 , Fundamente 
israelitischer und jüdischer Geschichte 48 N. 3). Auch der Name 
des Kimmerierkönigs Teuspä ist iranisch und entspricht dem pers. 
Ticcömg Her. 4, 43. 7 , 79. 9, 76 == ap. *Taw-äspa, med. "^Tdw-äspa 
„kräftige Rosse besitzend". 

1) Strab. a 2, 21 p. 61. Plut. Mar. 11 (aus Poseidonios). Sonnen- 
orakel aus Asurbanipals Zeit hg. von Arthur Strong, Journ. as. 
1893, 1, 375. Vgl. diese Unters. I 59 N. 45 (wo aber die Kombination 
mit dem vermeintlichen ^2jmen Iribatukte zu streichen ist). H. Winckler, 
Berl. Philol. Wochenschr. 1895 Sp. 1435, Altor. Forsch. II 253 f. 
Messerschmidt, Die Inschrift der Stele des Nabunaid S. 43. MitteiL 
der Vorderas. Ges. 1896, 1. C. F. Lehmann, ZA. 1896, 335 f. 

2) Für das unbekannte *Tidramü ist der geläufige Name 'Agadiiris 
eingesetzt worden bei Polyain, Strateg. 7, 28, 2. JIJ<P>AMHC 
wird für JIJAAHC herzustellen sein bei [Aristot.] Oecon. p. 1350 b. 
Vgl. diese Unters. I 9 Anm. 32. 

^) Vgl. die Namen der „chettitischen" Fürsten Kunda^pi und 
KustaSpi von Qummuch (unter Salmanassar II.). Es gehörte eine 
völlige Unkenntnis der iranischen Sprachgeschichte und die den 
Assyriologen eigene Naivetät, über alles sich ein Urteil anzumassen, 
dazu, in diesen beiden Namen ein neup. (\) Gustäsp = 2i^. Wistäspa 
und * Gundäsp = 2i^. *Windäspa, aw. *Windat-aspa finden zu wollen 
(Lenormant etc.). 

4) Justi, Berl. Philol. Wochenschr. 1897 Sp. 1173 (vgl. Iran. 
Namenbuch 154/55) bestreitet die karische Nationalität des Kamissares 
und will den Namen aus dem Iranischen erklären und mit arm. Kamsar 
(Eponymos des Geschlechtes Kamsarakan) Mos. Chor. 2 , 73. 87 gleich- 
setzen. Viel näher liegen aber doch Namen wie MsyaaacxQris Apollodor 
bibl. 3, 14, 3, 1 § 181, Aß^LaadQrig Fürst von Sophene Babelon, Les 
rois de Syrie, d'Armenie et de la Commag^ne p. CXCIV, 211, pl. 
XXIX 3—5. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 107 

seines Sohnes Datames^): von hier aus vereinigt dieser dann 
nach und nach Kappadokien und einen Teil von Kilikien zu 
einer ansehnlichen Herrschaft, die nach seinem Tode auf seinen 
verräterischen Sohn Sisines und dessen Nachkommen, die Dynastie 
der Ariarathiden übergieng. Von nun an blieb die Landschaft 
von Mazaka offenbar mit Kappadokien vereinigt; denn wir 
finden keine Spur davon, dass sie etwa zu irgend einer spätem 
Zeit von Kilikien losgetrennt worden wäre. 

Nach dem Jahre 401 war die Dynastie des Syennesis von 
Kilikien wahrscheinlich infolge der zweideutigen Haltung desselben 
im Aufstande Kyros' HL abgesetzt und durch einen persischen 
Satrapen ersetzt worden. Die Namen der kilikischen Satrapen 
in der ersten Hälfte des 4. Jhs. (bis auf Mazdai) sind uns aber 
bis jetzt nicht bekannt. 

Allein noch in der ersten Hälfte des 3. Jhs. scheint Kataonien 
zu Kilikien gehört zu haben, und wdrd erst von Ariarathes III. 
(ca. 255 — 220 v. Chr.), der zuerst den Königstitel annahm, mit 
Kappadokien vereinigt^). Wahrscheinlich erhielt es seine Ge- 
mahlin Stratonike, eine Tochter Antiochos' II. Theos (261 — 246), 
als Mitgift -5). 

Kappadohien wird ebenfalls ursprünglich nur einen der 
Gaue von Tabal gebildet haben. Salmanassar II. spricht von 
24 „Königen" der Tabal, ein Beweis, dass in Tabal eine grosse 
Anzahl von Häuptlingen sass. Kappadokien ist ursprünglich 
das Gebiet zwischen dem Unterlauf des Halys und dem Iris, 
speziell aber das Irisbecken. Der Name ist bis jetzt in den In- 
schriften der Assyrerkönige , auch in den Briefen der Statthalter 
und in den Sonnenorakeln aus der Zeit des Asarhaddon und 
Asurbanipal, wo wir ihn doch erwarten würden, nicht gefunden 
und begegnet uns auf zeitgenössischen Denkmälern zuerst in den 
Inschriften des Dareios {Katpatuha). In der Geschichte kommt er 
zuerst im Jahre 546 bei der Erzählung vom Sturze des lydischen 
Eeiches durch Kyros vor (Her. 1, 71 f.). Die Hauptfestung des 
Landes war damals Pteria in der Nähe von Sinope^), das man 



1) So dürften die vielgequälten Worte des Nepos Dat. 1: pater 
eius Camisares . . . habuit provinciam partem Ciliciae 
iuxta C appadociam, quam incolunt Leucosyri am wahr- 
scheinlichsten zu interpretieren sein (gegen Ed. Meyer, Gesch. des 
Königreichs Pontos S. 27 und diese Untersuchungen I S. 9). Kilikien 
am Argaios bildete in der That einen Teil der Satrapie Kilikien und 
lag neben dem von den „Leukosyrern" bewohnten Kappadokien 
nördlich von Kataonien und besonders im Iris-Tal. 

2) Strab. i§ 1, 2 p. 534. 

^) Vgl. Th. Reinach, Trois royaumes de l'Asie mineure p. 18. 

*) Her. 1, 76: i] dh IltSQiT] iaxl rj]g x^9'*lS ruvtrig la^vgotatov, 
narci ^^ivcoTiTiv noXiV xr\v iv Ev^nivo) novtco kj] zsl^evti. 



108 J- Marquart, 

fälschlich in den Ruinen von Boghäz-köi gesucht hat. Die 
Stadt muss aber viel nördlicher und nicht allzuweit von der 
Halysmündung gelegen haben. Th. Reinach glaubt, Pteria sei 
in der Umgebung von Amaseia zu suchen, das seinen Namen 
wahrscheinlich dem Kroisos verdanke, der die Stadt nach der 
Eroberung Kappadokiens seinem Bundesgenossen Amasis von 
Ägypten zu Ehren benannt habe. Die Landschaft von Amaseia 
hiess ra^aKTjvrj, woraus sich als persischer Name der Hauptstadt 
mit grosser Wahrscheinlichkeit Fcc^aKa = mp. Gangak, arm. 
ganzak „ Schatzhaus " ergibt^). Weiter südöstlich lag rcc^lovQcc 
am Iris, ein nalaiov ßaGiXuov (Strab. iß 3, 15 p. 547), die 
Hauptstadt der Satrapen von Kappadokien im 4. Jahrhundert, 
welche hier Drachmen mit dem Typus des Zeus von Gaziura 
(^lU byi) und aramäischer Aufschrift schlugen. Der Name ist 
gebildet wie ra^6a-viqa oder Garsaura im sw. Kappadokien und 
Arma-vir in Armenien. 

Die Griechen der altern Zeit nennen die Kappadoken Evqioi 
oder ZvQOi. Pindar sagt von den Amazonen am Thermodon: 
Evqiov evqvaii^av dlsitov GtQatov (Strab. t|5 3 , 9 p. 544) , und 
Sophokles zählt nebeneinander auf KoXxog xs XaXdalog rs Kai 
EvQwv e^vog (Steph. Byz. s. v. XalöatoL). Xanthos der Lyder 
Hess, wie wir aus Nikolaos von Damaskos ersehen, Gyges' Vor- 
fahren Daskylos II. vor den lydischen Herakliden slg ZvQOvg 
tovg iv To5 Uovxco vtcsq EivmTtrig ohovvrccg fliehen (Nik. Dam. 
fr. 48 bei'Dindo'rf, Hist. Gr. min. I 32, 6. 8). 

Schon frühzeitig werden die Kappadoken als „weisse Syrer" 
AevKoövQOL bezeichnet , wie man glaubt , zum Unterschiede 
von den Syrern in Mesopotamien und dem Westeuphratgebiete 
(JTnJi3 ^iy, Arbäja) d. i. den Aramäem. Diesen Namen scheint 
schon Hekataios gebraucht zu haben (Steph. Byz. s. v. Teiqia und 
XaÖLöla), ausdrücklich bezeugt ist er sodann für Ephoros (Steph. 
Byz. s. V. TLßdQccvla, vgl. Skymn. v. 917), und auch Agatharchides 
hatte ihn verwandt (Curt. 6, 4, 17. Nep. Dat. 1). Bei 
den Spätem aber , wie bei Strabon , beruht er lediglich auf 
gelehrter Überlieferung und entbehrt der realen Existenz. Er 
ist hier völlig synonym mit Kappadoken und wird daher dem 
spätem politischen Sprachgebrauche entsprechend auch auf die 
Kappadoken am Tauros ausgedehnt. Allein die Erklärung des 
Namens Asvkoövqol als „weisse Syrer" beruht lediglich auf 
griechischer Volksetymologie : wäre derselbe eine original griechische 
Bildung, so würde er als Gegensatz „schwarze Syrer" verlangen, 
welche nicht existieren^). Im ersten Teil des Wortes steckt 



^) Vgl. Th. Reinach, Revue des ^tudes grecques 1894, 316 
n. 3. 4. 

2) Dies hat Strabon sehr wohl gefühlt , weshalb er solche 
schwarze Syrer konstruiert. Strab. iß 3, 9 p. 544: Kai yccQ sti Kai vvv 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 109 

vielmehr der Name eines Stammes, welcher in der alten Liste 
Her. 7 , 72 in der Form Aiyveg zusammen mit MaTirivot, 
MaQiccvdvvoC und EvqLoi genannt wird. AiVKoGVQOi ist also 
eigentlich ein Kompositum = Alyvsg oial Sv^loi ^). 

Herodot 7 , 63 erklärt Svqloi als hellenische Bezeichnung 
der Assyrer (Aögvqlol) ^ und so ist es erklärlich, dass man auch 
den Namen der pontischen Svqioi oder Zvqoi von den Assyrern 
ableitete. So führt denn in der fälschlich unter dem Namen des 
Skylax von Karyanda laufenden Küstenbeschreibung (Ol. 105 = 
360 — 356 V. Chr.) § 88 die Küste vom Thermodon bis Harmene 
den Namen ^AaavQLcc, und dies wird dann von den gelehrten 
alexandrinischen Dichtern weiter ausgesponnen (vgl. auch Arrian 
fr. 48. 49 bei Eustath. zu Dionys. TtsQiijy. 772. 378). Häufig be- 
gegnet insbesondere die Angabe, dass Sinope in Assyrien liege. 
Dies sind aber zweifellos lediglich gelehrte Kombinationen, aus 
dem lebendigen Gebrauch war der Name längst geschwunden 2). 

Aus Herodots Darstellung 1 , 72 geht deutlich hervor, dass 
Kan7ia66%aL (Katpatukä) der seit der persischen Eroberung 
bekannt gewordene persische Name des Volkes war, und dieser 
hat seit dem Ende des 5. Jahrhunderts die ältere griechische 
Bezeichnung Uvqlol völlig verdrängt^). Da aber der Name 
^AoöVQLcc oder vielmehr Zvqia später vorwiegend gerade an der 
Gegend von Sinope haftete, so wird diese Thatsache nur so 
erklärt werden können , dass die griechischen Kolonisten von 
Sinope den Namen eines ihnen zunächst wohnenden Küsten - 
Stammes auf die weiter im Binnenlande wohnenden gleichartigen 
Stämme oder Gaue übertrugen^), ein Vorgang, der sich ja fort- 

AsvaoGVQOi v.aXovvxai (ol KccnTtccSo^sg), 2Jvq(ov xal rätv s%oi xov TavQOV 
Xsyo^ivoav yiata Sh tr]v JtQog tovg ivrbg tov TavQOv avyyiQLöLV, ixslvcov 
i'7iL'iiEy,av\iiv(iiv r^v XQoav tovroav dh firy, roiavtriv ri]v incow^iav 
'ysvicQ'ai övvißr]. i^ 1,2 p. 737: oi yovv KaTtTia.So'Ksg a^tpotsgoL, 
OL TS TiQog ra TavQ(p Jtat ol TtQog to5 IJovra , ii^XQ'' ^'^^ Asvtiogvqol 
yiakovvtai, mg ocv bvx(ov xivCav 2vq(ov Ticcl iisldvcav ovxol S' bIgIv ol 
i-uxbg xov Tccvqov. 

^) Man höre dagegen Winckler, Altor. Forsch. I 462: „in 
Kappadokien, das nach altem babylonischem wie späterem {2vQ0i) 
Sprachgebrauch mit unter den begriff Suri fiel, finden sich die 
AsvKOGvQOi- das sind keine „weissen Syrer" — schon Strabo meint, 
es gäbe ja doch keine schwarzen — es ist die Z/MÄ;Ä;ebevölkerung 
von Suri''. 

2) Vgl. Nöldeke, 'A66vQLog, EvQiog, Zvgog. Hermes V (1871), 443 ff. 

^) Ktesias braucht nur mehr den Namen Kamtado-Kai , kann sich 
aber doch von der altern Vorstellung, dass die kappadokische Küste 
von Syrern bewohnt gewesen sei, nicht völlig emanzipieren und lässt 
daher den Sardanapal seine Kinder zu dem Statthalter Kottas von 
Paphlagonien in Sicherheit bringen (Diod. 2, 26, 8. Athen. t|5 38 
p. 529 b, wo Big Nlvov auf Verwechslung beruht für slg Sivcanriv oder 
sig IlcccpXayoviav). 

^) Früher dachte man an eine assyrische Oberherrschaft über 



110 J- Marquart, 

während wiederholt und dem eine ganze Menge von Völkernamen 
ihren Ursprung zu verdanken hat. Katpatuka muss dann ur- 
sprünglich der Name des am weitesten nach Osten gelegenen 
Gaues gewesen sein. Einen Fluss Gappadox kennt die Karte 
des Castorius Segm. XI 3 (und daraus der Anonymus von 
Eavenna II 15 p. 90, 2) als rechten Nebenfluss des Euphrat 
zwischen Samosata und der Singa-brücke (arab. ».^^,^4 y^^^) in 
Kommagene. Es ist der heutige Gök-su^). 

H. Winckler sucht zu beweisen, dass das Gebiet nördlich 
vom Halys, sowie die Landschaften im Norden des rauhen Kilikien 



diese Gebiete, die sich aber bei genauerer Prüfung der assyrischen 
Inschriften als unhaltbar herausgestellt hat. Auch die neuerdings 
gefundenen assyrischen Keilschrifttafeln aus der Gegend von Kaisärije 
können daran nichts ändern, da die Landschaft von Kaisärije gerade 
nicht zum Gebiete der Uvqlol gehörte. Winckler bringt den Namen 
mit dem babylonischen Ländernamen Suri zusammen, welcher in 
altbabylonischer Zeit (besonders in dem sogenannten astrologischen 
Werke, das aus der Zeit des Königs Sargon von Agade um 2700 v. Chr. 
stammen will) und in der archaisierenden Sprache Nabünäids die 
Länder im Norden von Babylonien zu bezeichnen scheint und bei 
letzterem speziell für Assyrien gebraucht wird (vgl. Messerschmidt, 
Die Inschrift der Stele Nabünäids S. 9. 41 f.). Im astrologischen Werke 
wird Suri immer mit Ansan (Susiana) zusammen genannt, wie aber 
Winckler daraus ableiten will, dass auch Kappadokien „nach altem 
babylonischem wie späterem (IJvqol) Sprachgebrauch mit unter den 
begriff Suri fiel" (Altor. Forsch. Heft 5, 462), wird andern ebenso schwer 
begreiflich sein wie mir. Wenn Winckler ferner schreibt: „Anzan 
u Suri entspricht den ländern von Medien bis nach Klein-Asien 
hinein [von mir gesperrt], nördlich vom gebiete der babylonischen 
kultur und südlich von Gutium. also etwa entsprechend dem spätem 
Mederreich, das hier einen uralten Vorgänger hat. es hat Syrien 
den namen gegeben, identisch damit ist es nicht, mit 
Assur hat weder Syria noch Suri etwas zu thun" [von mir 
gesperrt], so wird man dieses Orakel nur mit Kopfschütteln lesen können. 
In dem krampfhaften Bestreben, die Welt durch immer verblüffendere 
Behauptungen in Atem zu erhalten, übertrifft also Winckler die 
etymologischen Spielereien der Alexandriner bei weitem. Trotz aller 
pseudohistorischen Kombinationen schimmert bei diesen doch immer 
wieder die Thatsache hindurch, dass der Name I^vqloi von der Küste 
von Sinope ausgegangen ist. 

') S.Wilh. Tomaschek, Historisch-Topographisches vom oberen 
Euphrat und aus Ost-Kappadokien. Festschrift für H. Kiepert S. 142 f. 
Vgl. Plin. h. n. 6, 6: nunc est colonia Sinope a Cytoro CLXIIII. 
flumen Varecum, gens Cappadocum, oppidum Caturia Zaceplum etc. 
Hier werden die Cappadoces also in die Nähe des Iris bezw. von Sinope 
verlegt. Mit seiner Angabe 6, 9 : Cappadociae pars praetenta Armeniae 
maiori Melitene vocatur, Commagenis Cataonia, Phrygiae Gassauritis, 
Sargaurasana, Cammaneni, Galatiae Morimene, ubi disterminat eas 
Cappadox amnis, a quo nomen traxere antea Leucosyri dicti ist nicht 
viel anzufangen. Denn wenn der Kappadox Morimene und Galatien 
trennt, so kann mit demselben, schon wegen der Bezeichnung amnis, 
nur der Halys gemeint sein, nicht etwa der in den Tuz-gjöl mündende 
Fluss von Aq-serai oder der von Koc Hicär. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 111 

vielleicht mit Einschluss von Lykaonien zur Zeit Sargons (von 
717 bis etwa 707) in der Hand des Königs Mitä von Muski 
waren '). Das wäre also genau das Land der Matiener oder viel- 
mehr die spätere Satrapie Kappadokien, die auch noch die 
Landschaften Morimene, Garsauritis und Tyanitis südlich vom 
Halys umfasste^). Freilich will Winckler jenen König auch 
noch mit Phrygien ausstatten und in ihm den König Mlöag von 
Phrygien sehen, der nach Strab. a 3, 21 p. 61 (aus Poseidonios) 
bei einem Einfall der Kimmerier sich durch Trinken von Stierblut 
getötet haben soll. Allein diese Identifikation würde zugleich 
die der Muski mit den Phrygern voraussetzen und den Schwer- 
punkt des phrygischen Reiches von den Städten des Gordios und 
Midas nach Pteria bezw. Üjük und Boghaz-köi verlegen, was 
allem widerspricht was uns über die Geschichte jenes Reiches 
überliefert ist. Winckler 's Hypothese von der Gründung 
des phrygischen Reiches durch die vom Euphrat 
nach Westen gedrängten Muski wird wohl ausserhalb 
seiner engeren Gefolgschaft nicht viele Gläubige finden. Wenn 
wir zur Zeit Tiglatpilesers L (um 1020 v. Chr. nach Lehmann) 
Scharen eingedrungener Muski in Qummuch am Euphrat antreffen 
— der König schätzt ihre Zahl auf 20 000 Mann — die aber 
von Tiglatpileser vernichtet wurden, und erst unter Sargon Muski 
am Halys begegnen, so wird dies ähnlich zu beurteilen sein wie 
bei den östlichen und westlichen Matienern, nur dass bei diesen 
die Hauptmasse weit nach Osten vorgedrungen war, während bei 
den Muski der Kern des Volkes noch weit im Westen stand, 
und nur einige Gefolgschaften als Wikinger bis zum Euphrat 
vorgedrungen waren, ganz wie bei den Germanen während der 
Völkerwanderung. Die Muski hätten dann mit den kaukasischen 
MoöxoL wohl nichts zu thun und Josephos behielte gewissermassen 
Recht, wenn er die ^;I572 der Bibel mit den Kappadoken gleich- 
setzt ^) , obwohl sein Grund , der Namensanklang von '^UJ^S an 
Md^ana schon darum hinfällig ist, weil Mazaka gerade nicht zum 
ursprünglichen Kappadokien gehörte. 

Die weitern Schicksale des Reiches der Muski sind uns bis 
jetzt nicht bekannt. Teile des Gebietes nördlich vom Halys 
werden späterhin Iskallü , dem König von Tabal , und dann 
Mukallu, dem Begründer des kilikischen Reiches, gehorcht haben. 
Allein dasselbe war naturgemäss den Einfällen und Verheerungen 

1) Altoriental. Forsch. II. Reihe Bd. I Heft 3, 131 ff. 

2) Wenn wir umgekehrt bei Winckler S. 136 lesen, dass die 
Grenze von Muski „also von Norden nach Süden um das 
spätere Kappadokien herumläuft", so ist dies wieder ein 
Beweis für die leider so häufige Flüchtigkeit des allzu produktiven 
Verfassers. 

2) Jos. ccQY. a S 125. Philostorg. bist. eccl. 9, 12. Vgl. Ramsay 
a. a. 0. 303. 



112 J. Marquart, 

der Kimmerier (Gimirräja) und Skythen in viel höherem Masse- 
ausgesetzt als das Reich Kilikien. War ja doch das Hauptlager 
der Kimmerier, welche ich als Verwandte der EavQO^idrai 
yvvaLKOKQatovfjLSvoL betrachte (vgl. Diod. ß 45, 1), bei Themiskyra 
am Thermodon, und ihre Herrschaft muss doch nachhaltige 
Spuren hinterlassen haben, wenn noch die christlichen Armenier 
im 5. Jh. ganz Kappadokien mit dem Namen Gamtrk'' „Kimmerier** 
nennen^). Die Skythen aber (assyr. As-gu-za-aia^) oder As-Jcu- 
^a-aia d. i. AshuQäia = iran. "^Skuca, hebr. T3DÜ5N für tidüSN), 
die Besieger der Gimiräia, betrachteten sich als Rechtsnachfolger 
derselben, bis sie, als sie den Assyrern gegen die Koalition der 
Meder und Babylonier zu Hilfe kommen wollten, von Kyaxares 
aufs Haupt geschlagen wurden (um 607). Nach dem Falle 
Ninives aber fiel das bisher von den Skythen beherrschte Gebiet 
bis zum Halys ohne weiteres den Medem anheim. 

Wie diese das neue Gebiet organisierten , darüber wissen 
wir nichts. Nach dem Sturze des Astyages waren die Perser 
die Rechtsnachfolger der Meder geworden, und Kyi'os war nicht 
gewillt, auf eines seiner Rechte zu verzichten. Als Kroisos sich 
anschickte , sich des herrenlosen Landes zu bemächtigen , fand er 
denn auch Widerstand, obwohl Herodot anzudeuten scheint, dass 
die Kappadoken selbst nur gezwungen sich daran beteiligten*^). 
Das Land oder der medische Statthalter desselben scheint sich 
demnach alsbald nach Astyages' Sturze dem Kyros freiwillig 
unterworfen zu haben. Jedenfalls setzt die Erzählung Herodots 
voraus, dass beim Anmärsche des Kroisos ein Statthalter des 
Kyros daselbst gebot. Nach der Niederwerfung des lydischen 
Reiches fassten die Perser sämtliche Länder von der Grenze 
Kleinarmeniens bis zum Hellespont, welche bei ihrer Eroberung 
keine selbständige staatliche Existenz mehr besassen , zu einem 
einzigen Verwaltungsgebiete zusammen und unterstellten es einem 
Satrapen, der seinen Sitz in Daskyleion am Hellespont hatte und 
auch die Oberaufsicht über den Dynasten von Paphlagonien führte. 
Der Grieche nannte es deshalb die daskylitische Satrapie, die 



^) Die armenische Form Gamirk' setzt nicht die im gr. KLfi^iiQLOt 
und in der gewöhnlichen assyrisch-babylonischen Form Gimirraia 
vorliegende Namensform mit / in der ersten Silbe voraus, sondern eine 
solche mit a in erster Silbe, die in der That auch im Assyrischen als 
mät Ga-mir (schon unter Sargon) erscheint. Vgl. P. S. B. A. 1895, 
p. 222. 226. Das Fa/igp = im der O hat längst de Lagarde 
verglichen. 

2) Vgl. H. Win ekler, Altor. Forsch. VI, 484 ff. Ich glaube 
den Namen der AskuQäia noch in dem tanaitischen Personennamen 
H-Ko^og Latyscheff II" 404 wiederzuerkennen (oben S. 79 Anm. 4). 
Der Name der in Kleinasien zuerst bekannt gewordenen U'nvd'ciL ist 
erst von den Milesiern auf die gleichartigen pontischen ZyioXo-toi über- 
tragen worden. 

^) UvQiovg t£ ovdhv iövtag airiovg ccvaßxdtovg inoiries Her. 1, 76. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 113 

-Perser nach dem ihnen zuerst bekannt gewordenen Gebiete 
Katpatuka. Es versteht sich von selbst, dass dieses weite Gebiet 
zum Zwecke der Verwaltung wieder in kleinere Distrikte, so- 
genannte Hyparchien, zerlegt werden musste. 

Bei Ktesias (Pers. ecl. 16) begegnet uns zum erstenmal ein 
Satrap von Kappadokien, Ariaramnes, der unter Dareios I. eine 
Rekognoszierungsfahrt nach dem Skythenlande gemacht haben soll. 
Derselbe ist indessen höchst wahrscheinlich nur aus der Zeit des 
Verfassers in die Vergangenheit projiziert, und wir werden 
sicherer gehen mit der Annahme, dass dieser Satrap erst etwa 
unter Dareios II. gelebt hat, und Kappadokien erst um diese 
Zeit zu einer besondern Satrapie erhoben wurde ^). Die Erzählung 
des Ktesias zeigt den Satrapen noch im Besitz der pontischen 
Küste , die im Jahre 401 den Persern verschlossen war. Aus 
Anab. 1,2,20 erfahren wir , dass das Gebiet von ^dva d. i. 
Dvana = Tvava, assyr. (Ethnikon) Tunäi'a{?)^) zu Kappadokien 
gehörte, und im Epilog der Anabasis wird Kappadokien und 
Lykaonien als eine Satrapie betrachtet, als deren Satrap Mithridates, 
wahrscheinlich der Freund des Kyros (Anab. 2,5, 35. 3, 3, 2. 4. 
6. 3, 4, 2) genannt wird. Ausser dem Gebiete der Matiener, das 
wahrscheinlich die Strategie Morimene südlich vom Halys ein- 
schloss, umfasste Kappadokien jetzt also noch einen weitern 
Landstrich, im S. des Flusses, der im W. von der Salzwüste 
Axylos, im S. und 0. vom Königreich Kilikien begrenzt wurde. 
Es sind die spätem Strategien Garsauritis und Tyanitis. Dass 
aber diese auch noch in späterer Zeit eine gewisse Sonderstellung 
einnahmen , beweisen einige Kupfermünzen , besonders zwei des 
kappadokischen Fürsten Ariaramnes (APIAo). Allein diese Gebiete 
haben, wie wir oben sahen, wahrscheinlich bereits dem Könige 
Mitä von Muski gegen. Ende des 8. Jhs. v. Chr. gehorcht. 

Wir sehen somit, dass das Gebiet nördlich vom Halys ein- 
schliesslich der Landschaften Morimene, Garsauritis und Tyanitis 
im S. des Flusses und die Länder südlich des Halys oder das 
Königreich Kilikien mindestens vom letzten Viertel des 8. Jahr- 
hunderts bis tief ins 3. Jh. v. Ch. hinein eine getrennte politische 
Entwicklung durchgemacht haben. Wenn daher Strabon berichtet: 
trjv Se KaTCTtaöonlav elg ovo CaxQaTtsiaq (jLSQLöd'Etöav vito t&v 
ÜEQöGiv TCccQuXaßovtEg Ma%EÖ6vEg itSQmdov xa (isv movxEg xa ö^ 
aKOVXEg Eig ßaöiXEiag avxl öccxQaTtEicbv TtSQLöxäCav. av xr}v fihv 
löCcog Kamta8o%lav cov6(iaaccv %ccl TtQog xa TavQCO %al vr} Alcc 
fiEydXriv Kannaöo%iav , ot 81 xrjv TtQog tc5 üovxo) Ka7t7taöo%Lav'^), 
so ist diese Behauptung streng historisch falsch. Die Übertragung 



*) Vgl. J. Marquart, Die Assyriaka des Ktesias. Philol. 
Suppl. Bd. VI, 2. S. 627. 

«) Tigl. Pil. III Ann. 53. K. B. H 31. 
3) Strab. t|3 1, 2 p. 588. 

PhilologuB Supplementband X, Erstes Heft. 8 



114 J. Marqüart, 

des Namens Kappadokien auf das sog. „eigentliche" oder Gross- 
kappadokien (richtiger Neukappadokien) , dessen Mittelpunkt die 
durch Datames mit Kappadokien vereinigte, ehemals zu Kilikien 
gehörige Landschaft Kilikien am Argaios bildete , beruht darauf, 
dass die Dynastie des Datames nach der Katastrophe Ariarathes 
I. (322 V. Ch.) sich hier eine neue Herrschaft giündete, während 
Alt-Kappadokien am Pontos von der Dynastie der Pharnaspiden 
von Kios okkupiert wurde. Es liegt aber Strabons Angabe die 
richtige Thatsache zu Grunde, dass das „eigentliche" oder Neu- 
Kappadokien aus lauter ehemaligen Gebieten des alten Königreichs 
Kilikien gebildet war, während Kappadokien am Pontos der alten 
Satrapie Kappadokien entsprach. Darauf deuten vielleicht auch 
seine Worte: kccI tj KaitTCccSoKLa d' iavl itoXvfiSQ'^g te neu övjivag 
ösösy (isvr] ^er aß oXa g^). 



^) Diodor 31, 19 kennt bekanntlich eine lange Reihe von Königen 
Kappadokiens , die angeblich schon in achaimenidischer Zeit regiert 
haben sollen, mit folgendem gefälschtem Stammbaum: 



1. ^agvcc-KT]? "Atoaoa Kambyses 

2. rdXXog Kyros 

3. ^JaegÖLg 

4. Agraiivris 

5. 'Avacpäg ä, einer der 7 Perser 

6. 'Avacp&s ß 



7. Jaxcciir\g 'Agiiivcctog 

8. 'AQLä\Lvr\g 50 J. 



9. 'AgiagäO^rig a 'OXocpegvrig, Heerführer in Ägypten 

unter Ochos 

10. 'AQLaQcid-rig ß, adoptiert 'AQV6r]g 

von seinem Oheim 

11. 'AQLd\LVT]g 2 Söhne 

12. 'AqiaQcc^rig y. Gem. Stratonike, T. des Antiochos H. Theos a. 257. 

Dieser Stammbaum ist bereits in diesen Unters. I 1 — 28 analysiert 
worden. Dazu ist noch hinzuzufügen, dass Sisines ("'-nn), des Datames 
Sohn, und sein mütterlicher Grossvater Mid^QO§a.Q^(x.vrig (lies Ml%-qo- 
ßov^dvrig, "'iTininTä; vgl. über beide Namen diese Unters. 1 68 f. und 
meine Fundamente israelitischer und jüdischer Geschichte S. 51 — 54) 
auch vom Verfertiger der Korrespondenz zwischen Sisines, dem 
Satrapen von 'Abar Nahrä, und Dareios (Ezra 5,3—6,13), die in 
einem Erlass des Dareios zu gunsten der Juden gipfelt, verwandt 
worden sind. Der Verfasser konnte selbstverständlich den zu seiner 
Zeit über 'Abar Nahrä waltenden Satrapen Mazdai nicht brauchen, 
wenn er sich nicht verraten wollte, und so griff er zum Satrapen 
Kappadokiens, den er in die Zeit Dareios' I. verlegte und zum Satrapen 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 115 

über die ethnographischen Verhältnisse von Kappadokien 
berichtet uns Strabon, dass das ganze Gebiet, welches im S. vom 
kilikischen Tauros, im 0. von Armenien und Kolchis und den 
dazwischenliegenden fremdsprachigen Völkerschaften, im N. vom 
Schwarzen Meere , im W. von den Paphlagonen , Galatern, Lyka- 
onem und den Einwohnern des rauhen Kilikiens begrenzt werde, 
von einer gleichsprachigen Bevölkerung bewohnt war. Kccl 
ccvt&v 6e r&v b^oylcorrcov — so fährt er fort — ot itaXaiol xovg 
Kaxdovag %a^ avrovg erccrtov , ccvrLÖcaiQOvvtsg xolg Ka7t%ddoE,iV 
G)g iteQoed'viai,, xat iv trj öiccQLd'iJL'^öeL x&v i'd-vmv iierd xr\v 
KccTtTCccSo'üLav izLd'SCav xr\v Kaxaoviav , elxa xbv EvcpQdxrjv Kai xa 
niqav sd'vri, &6X£ %al xriv MslLXfivTjv vtco xrj KaxaovCa xdxxeiv^ -^ 



von ' Abar Nahrä machte. Die ganze Korrespondenz ist also im 4. Jh. 
gefälscht. Wollte man dennoch einen echten Kern derselben annehmen, 
so wäre man zu der Hypothese gezwungen, dass im ursprünglichen 
Texte der richtige, aus einer Keilschrifttafel vom 16. Tasrit des 3. Jahres 
des Dareios bekannte Name des damaligen Satrapen von Babylon und 
'Abar Nahrä, inu:t<* = babyl. Us-ta-an-ni (KB. IV^ S. 304/5) d. i. ap. 
U§täna gestanden habe, den der Überarbeiter nicht verstanden und in 
den Namen des zu seiner Zeit regierenden Satrapen von Kappadokien 
•^Dnn geändert hätte. Mithrobuzanes , des Datames Schwiegervater, 
welcher dessen Beiterei befehligte, gieng in einem schwierigen Feldzug 
mit seinen Truppen zum Feinde über, allein Datames setzte ihm nach 
und wusste es durch ein geschicktes Manöver zu bewerkstelligen , dass 
die Feinde sich von den Überläufern verraten glaubten und nun auch 
ihrerseits auf sie einhieben. So zwischen zwei Feuer geraten, erlitten 
die Verräter trotz aller Tapferkeit gewaltige Verluste, und mehr als 
10000 sollen die Walstatt bedeckt haben Darauf Hess Datames durch 
Trompetensignal seine Soldaten von der Verfolgung zurückrufen. 
Von den übrig gebliebenen Reitern zog sich ein Teil zu Datames 
zurück und erbat V erzeihung, die übrigen aber verhielten sich abwartend, 
da sie nicht wussten , wohin sie sich wenden sollten , und wurden 
zuletzt , gegen 500 Mann stark , von Datames umzingelt und nieder- 
geschossen (Cornel. Nepos, Dat. 6. Diod. 15, 91). Nach Diodor erfolgt 
der Abfall des Mithrobuzanes in dem Kriege gegen des Königs 
Feldherrn Artabazos , nach Nepos dagegen in einem Feldzuge gegen 
die aufrührerischen Pisider, die bereits des Datames Sohn Arsideus 
getötet hatten. Das nächstliegende wäre nun anzunehmen, dass Mithro- 
buzanes bei seinem vereitelten Verratsversuche gefallen sei, allein 
weder bei Diodor noch bei Nepos findet sich eine ausdrückliche Angabe 
über sein Schicksal. Dagegen schliesst sich bei Nepos unmittelbar an 
den Verratsversuch des Mithrobuzanes die Erzählung vom Abfall des 
Sysinas, des ältesten Sohnes des Datames. Ich halte es deshalb für 
möglich, dass Mithrobuzanes begnadigt worden oder entkommen ist 
und sein Enkel Sisines mit ihm gemeinschaftliche Sache gemacht hat. 
Dass dieser zum Lohn für seinen Verrat später die Satrapie seines 
Vaters erhielt, wird durch die Münzen mit der Legende 100 HDy 
= iTtoirics Ziöivri? bewiesen. Der ebenfalls durch Münzen mit aramäischer 
Aufschrift bezeugte Ariarathes I. (rnT''nN) kann nicht etwa ein 
Bruder von ihm sein, sondern gehört derselben Generation an wie 
Datames, da er im J. 404 geboren ist. Er wird also ein Schwager des 
Datames sein. 

8* 



116 J. Marquart, 

fieta^v %urai ravtr^g ts %al rov EvcpQatov GvvccTtrovöcc rrj Kofi- 
fiayrjv^ .... ovre d in tfjg öiaXeKtov ÖLcccpoQäg rivog iv rovroLg 
TtQog rovg akXovg Kamtdöonag i%(paLvo(iivr}g ovtE in tav alXcov 
i&vcbv 'd'aviiaarbv n&g rjCpccviaraL reXsoog ta Cruieta tfig alloBd-viag'^). 
Das Richtige ist vielmehr, dass die Namen Karccoveg und 
KaTtTtccSousg nur Gau- , nicht Yölkernamen sind. Da diese 
Stämme aber so lange Jahrhunderte hindurch eine getrennte 
politische Existenz führten, so kann ihre ethnologische Einheit 
nicht ein Produkt der politischen Entwicklung sein, sondern muss 
bereits vor dem Ende des 8. Jhs. bestanden haben. In dieser 
Zeit treffen wir aber sowohl nördlich wie südlich vom Halys 
das Volk der Tabal oder Tibarener^ deren Name sich in späterer 
Zeit freilich nur im äussersten Norden und Süden ^) des einst 
von ihnen besetzten Gebietes erhalten hat. Mit grösserer Be- 
rechtigung dürfte man demnach, wie es scheint, die Bevölkerung 
der beiden Kappadokien unter dem Namen Tabal oder Tibarener 
zusammenfassen ^). Freilich wissen wir über die ethnographische 
Stellung der letztern sehr wenig; die von ihnen berichtete 
Männercouvade *) zeigt nur soviel, dass sie noch auf einer sehr 
niedern Kulturstufe stehen geblieben waren. Auch die von de 
La gar de zusammengestellten kappadokischen Glossen lehren uns 



Mit Hilfe der Bruchstücke der Historiker, besonders bei Cornelius 
Nepos, und der Münzen lässt sich demnach etwa folgendes Stemma 
der Satrapen von Kappadokien in persischer Zeit herstellen: 

Korylas, 1. 'Agiagd^ivrig I. 

Dynast vpn um 410? (Ktes.) 

Paphlagonien 

Otv? Scythissa Camisares, 2. Mi^qiddtriq 

I Hyparch von Kilikien 401 (Xen.) 

Thuys I am Argaios Mi^QO^ovlävri<s 



? 

3. Datames (n'O'Tin) Tochter 5. 'ÄQiaQd^Ti? ä 
Satrap von Kappadokien, f 362 (p-it'in) 404 

322, mit seiner 
ganzen Familie 
^ gekreuzigt 

4. Sysinas (iDD, "^^nn, Arsideus, | 

ZiGivrig) t um 368 MiQ'QO^ov^a.vrig, 

M _ t B34 

6. 'AQLaQaQ"r\g ß 302— ca. 280. 

J) Strab. iß 1, 1. 2 p. 633. 

2) Noch Cicero (ad fam. 15, 4) erwähnt die Tibarani als ein 
wildes Bergvolk in der Nähe der Eleutherocilices. 

3) Vgl. Ed. Meyer, Gesch. des Königreichs Pontos S. 14. 
Geizer, Kappadokien und seine Bewohner. AZ. 1875, 14 — 26. 
Schrader, Keilinschriften und Geschichtsforschung 155 — 162. 

*) Apoll. Rhod. B 1011 ff. Zenob. paroem. 5, 35. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 117 

über den Charakter der kappadokischen Sprache so gut wie 
nichts. Von viel grösserer Wichtigkeit für die Feststellung der 
ethnologischen Zugehörigkeit der „Kappadoken* wäre die Be- 
antwortung der Frage . in welchem Verhältnis die Tabal zu den 
Chettitern stehen, deren Reich im zweiten Jahrtausend sich ohne 
Zweifel bis in die Halyslandschaften erstreckt hat. Gerade in 
Kataonien hat sich ja eine ganze Reihe der sog. chettitischen 
Inschriften gefunden, wenn sie auch in Alt-Kappadokien — 
abgesehen von Boghaz-köi und Üjük im Matienergebiet — bis 
jetzt völlig fehlen. Waren die Tabal etwa ein eingedrungenes 
Eroberervolk, das sich als wenig zahlreicher Herrenstand, als 
eine Art Kriegsadel inmitten einer allophylen altchettitischen 
Bevölkerung bis ins 7. Jahrhundert behauptete, ähnlich wie die 
Chettiter in den nordsyrischen Staaten? Dann würde sich sehr 
leicht erklären, dass die Tabal im grössten Teile von Kappadokien 
schon zur Zeit Ezekiels spurlos verschwunden sind (Ez. 32 , 26) : 
sie waren eben in der alteinheimischen Bevölkerung aufgegangen, 
so gut wie die Chettiter in den Aramäern von Nordsyrien, oder 
wie die Goten, Franken, Langobarden in den Romanen. Jedenfalls 
weisen die Ortsnamen auf -vöog, -v8a und -GGog, -6a auf 
einen alten Zusammenhang des Grundstockes der kappadokischen 
Bevölkerung mit der von Westkleinasien (Kilikien, Pisidien, Lykien, 
Karien etc.) , die wiederum , wenn B u g g e ' s Hypothese sich 
bestätigt^), mit den Armeniern nahe verwandt ist. So deckt sich 
z. B. der südkappadokische Ortsname Istunda^) völlig mit 
dem pamphylischen "AüTtsvöog, auf Münzen Eatfeöuvg d. i. 
Estv^dijus = "'AsnivÖLog '•^). 

Darnach müssen wir erwarten, im Kappadokischen eine mit 
dem Lykischen verwandte , vielleicht indogermanische Sprache zu 
finden*). Die fremdartigen Elemente, vor allem die eigentümlichen 
Zahlwörter, wie lingri 6 , tatli 7 , matli 8 , welche sich in einem 
nördlich vom Tauros gesprochenen neugriechischen Dialekte vor- 
finden^), können dann nicht aus der altkappadokischen , sondern 
höchstens aus der Sprache der in die Berge des Tauros zurück- 
gedrängten Tibarener stammen^). Dagegen versprechen die von 

1) Vgl. S. Bugge, Lykische Studien I S. 8ff. 70 fi". (Viden- 
skabsselskabets Skrifter IL Hist.-filos. Kl. 1897 Nr. 7. Christiania,1897). 
[Vgl. aber jetzt die lichtvolle Abhandlung Vilh. Themse n's: Etudes 
lyciennes I. Extrait du Bulletin de l'Acad. royale des Sciences et des 
lettres de Danemark 1899.] 

2) Tiglp. III Ann. 53. KB. II 31. 
8) Vgl. Bugge a. a. 0. S. 13. 

*) Ebenso Six brieflich. 

») Karolidis, Mova. %al ßißX. IV 47ff. Vgl. Tomaschek, 
Die alten Thraker 13. Kretschmer, Einleitung in die Geschichte 
der griechischen Sprache 399. 

^) Nach Tomaschek a, a. 0. sind sie freilich „offenbare Über- 
bleibsel der uralten kappadokischen Sprechweise". 



11g J. Marquart, 

Chantre in Boghaz-köi ausgegrabenen Keilsclirifttäfelchen für 
unsere Frage von grosser Wichtigkeit zu werden^). 

Ich wende mich nun zu den von Levidhis mitgeteilten 
Inschriften. Leider hat er von denselben nur Abschriften, keine 
Abklatsche oder Photographien angefertigt. Es sind folgende: 

1. Arebsun (Zoropassos). 

„Fläche eines Granitsteins, 7 Spannen lang, 3 Spannen breit 
und 8 Zoll hoch. In der Mitte die Sonne mit Strahlen, im 
Mittelpunkte derselben eine Traube, an der Spitze ein Adler mit 
geöffneten Flügeln, die mit dem Kopf und dem Schwänze zu- 
sammen die Form eines Kreuzes bilden, und bei dem Adler ein 
Ibis mit langem Schwanz, unterhalb des Schwanzes 6 Vertiefungen 2). 
Bings um die eine Seite ein Lorbeerkranz, ein Schaf, eine Ziege, 
ein Löwe, ein Kamel, ein Büffel, ein Habicht, der einen Hasen 
ergreift^), und auf der andern Seite zwei Menschen in Vorder- 
ansicht, sämtlich in Relief, und eine dreizeilige Inschrift." 

Dieselbe läuft von rechts nach links und enthält 59 bezw. 
60 erhaltene Zeichen, von denen 3 in der Zeichnung punktiert 
sind. Man sieht sofort, dass man aramäische Schrift vor sich 
hat; das *^ , iJ , P, 1 sind vollkommen deutlich. Allein 
^, *!, ^ und ^ lassen sich gar nicht auseinanderhalten, auch 
"^ und 5 sind nicht sicher zu scheiden. Die Abschrift ist offenbar 
viel zu ungenau, um als Basis für eine Entzifferung dienen zu können. 
Dreimal findet sich ein Zeichen i^ , das ich für eine Ligatur ansehe. 

Dieser und der folgende Stein stammen von dem oben 
erwähnten Hügel beim Dorfe Karadza-sar. 

2. Arebsun. 

Abgerundeter zerbrochener Syenitstein. Derselbe zeigt ein 
Pferd und einen Kranz mit Binden, in dessen Mitte einen Stern, 
nach rechts eine Ente *), nach links zwei geschlossene Hände, deren 
Finger leicht zu unterscheiden sind. 

a. Quer darüber findet sich eine vierzeilige Inschrift von 
108 erhaltenen Zeichen. Ein Buchstabe scheint zerstört zu sein. 
Die vierte Zeile erreicht den rechten Rand nicht. 



^) Vgl. vorläufig Sayce, Proeeed. of the Soc. of Biblical 
Archaeology Nov. 1898. [Soeben läuft die Notiz durch die Zeitungen, 
dass nach einer Mitteilung Levidhis' kürzlich auch in einem Hügel 
bei Kaisarije, in der Nähe der türkischen Dörfer ßaler und Karomb, 
neben andern Spuren des Altertums Grrabmäler-Inschriften mit keilschrift- 
ähnlichen Zügen auf kleinen, viereckigen, luftgetrockneten und ge- 
brannten Ziegeln gefunden worden seien. Die Umschau, 14. 
Juli 1900, Nr. 29 Sp. 575/76]. 

2) [Vgl. Smirnow l3ei Lidzbarski a. a. 0. S. 62.] 

3) [Seite b'. Smirnow a. a. 0. S. 61.] 

^) Levidhis schreibt vveea für vfioacc. [Auch Lidzbarski S. 64 
A. 3 erklärt den Vogel für eine Ente.) 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 119 

b. Dieser gegenüber findet sich eine zweite vierzeilige In- 
schrift von 80 Zeichen, bei welcher die 3 letzten Zeilen den 
rechten Rand nicht erreichen. 

Beide Inschriften scheinen demnach rechtsläufig zu sein, 
wenn anders der Stein nicht rechts beschädigt ist, obwohl 
die aramäischen Zeichen, soweit sie sich identifizieren lassen, 
linksläufig gezeichnet sind. Auf der andern Seite des Steines 
sind fünf Fische, ein Wolf, zwei Menschen ^) und andere Buch- 
staben derselben Art eingemeisselt. Ausser den in der 
ersten Inschrift vorkommenden Zeichen findet sich hier eine 
Anzahl neuer, wie A, TT? V> T> {) ? >V, ^, H und 
vor allem die griechischen Buchstaben K und X. Allein die 
Buchstaben scheinen hier viel nachlässiger gearbeitet zu sein als 
auf dem ersten Steine. Da aber unser Gewährsmann von der Schrift, 
die er vor sich hatte, begreiflicherweise keine Ahnung besass und sogar 
an die Möglichkeit denkt, dass es Hieroglyphen sein könnten, so 
ist es selbstverständlich, dass seine Abschriften dieser ihm gänzlich 
unbekannten Charaktere notwendig unbrauchbar sein müssen , so 
gut wie z. B. die älteren Abschriften etruskischer Inschriften, 
und eine Reproduktion derselben hätte keinen Zweck gehabt. 
Dies soll natürlich kein Tadel gegen den um die Geschichte 
seiner Heimat so verdienten und unermüdlich thätigen Priester sein. 
Es verdient noch erwähnt zu werden , dass eine Mischung ara- 
mäischer und griechischer Zeichen auch auf Münzen von Side in 
Pamphylien nachgewiesen ist. Vgl. J. P. Six, Monnaies grecques, 
inedites et incertaines. Extrait du Num. Chron, 1897 p. 5 0". 

Diese 3 Inschriften wurden schon am 21. Januar 1897 
(a. St.) an Dr. Zimmerer gesandt. Leider haben es auch 
Dr. Zimmerer und Dr. Oberhummer auf ihrer Reise versäumt, 
Abklatsche von denselben zu nehmen. [Die beiden Steine haben 
bereits eine kleine Geschichte. Sie sind jetzt nach Konstantinopel 
geschafft worden und aus den Abklatschen und Photographien, 
die Lidzbarski von dort erhalten hat, ergibt sich, dass die 
selben weit mehr Inschriften enthalten als man nach Levidhis' 
Angaben annehmen würde. Sobald Lidzbarski von allen Seiten 
der Steine Abklatsche und Photographien erhalten hat, wird er 
das ganze Material publizieren. Einstweilen sehe man seine Mit- 
teilungen Ephemeris der semitischen Epigraphik IIS. 59 — 74. 

Damit der Leser einen Begriff von dem Grad der Zuverlässigkeit 
von Levidhis' Kopien erhält, habe ich mich nachträglich entschlossen, 
dieselben hier mitzuteilen. (Siehe S. 120.) 



^) [Vgl. Smirnow a. a. 0. S. 63 unten.] 



120 J- Marquart, 






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'T? Co 









r f ^ ? ^ V r- ^^ .^ 




Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 121 

Nr. 1 ist von Lidzbarski a.a.O. S. 71 Nr. 2. S. 72/73 
nach einem Abklatsch publiziert worden. Aus seiner Abbildung 
ersieht man, dass es sich thatsächlich um zwei verschiedene 
Inschriften in verschiedenem Duktus handelt. Man erkennt 
65 Zeichen , von denen die der ersten und dritten Zeile voll- 
kommen klar zu lesen sind. Zeile 1 liest L., zum Teil in Über- 
einstimmung mit Clermont-Ganneau: 

und übersetzt : „ . . . gemacht bei der Vermählung Bels , des 
Grossen, des Königs*. Zeile 2 ist ziemlich beschädigt und 
erlaubt noch kein zusammenhängendes Verständnis; doch erkennt 
man im Anfang das Wort "TT^imJiN Ahuramazda. Zeile 3 zeigt 
in dreimaliger Wiederholung das Wort im • ^nNi?3 Mow-ätr-d{ä)re. 
Dieses lässt eine doppelte Deutung zu: als D wand wa- Compositum 
= ,des Magiers und Feuerhüters " {mow + ätr-däre) oder als 
Tatpurusa = „des Hüters des Magierfeuers" {mowätr -f- däre). 
Letztere Auffassung wird durch die Interpunktion mehr em- 
pfohlen. Dann wird aber bereits_ hier die Beziehung der drei 
Hauptfeuer auf die drei Stände (Äöur-farnbag ^ das Magierfeuer, 
in Kärijän in Pars, Aöur-gusnasp, das Kriegerfeuer, in Gangak in 
Atropatene und Äöur-Burzinmihr in Rewand beiNesapür) ^) implicite 
vorausgesetzt. Das Wort mowätr -dar a ist ein Compositum von 
mowätr- ■\- dära ^ wie NmniD fräta-dära auf den stachrischen 
Münzen = ap. fräta „Feuer" (in 0Qara—(piQVYjg , ^qata-yovvri)^ 
arm. hrat (Justi, Iran. Namenbuch 105a) -f- dära, "jNTTin^Ü 
sa&r-d(ä)r-än, pahlawlk (atropatenisch) ■ji'n^ntün chsa&r-d(ä)r-m 
(Inschrift von Hägläbäd), np. sahrijär =■ ap, "^chsad^ra-ddra. Die 
Form mow für moy aus *mä^yu finden wir in dem Titel 

uniJuiiM-'^uIlMnJrnAiuurbrin Elise 124, ifhilufu ufltii.lrn3iuiujlrui 

ij2JL2»Y P'arp. 262, in den Akten der Märtyrer von Karchä de 
Be-O" Selöch bei Moesinger, Monum. Syr. VliJVJQiD, Payne- 
Smith 1435 ♦I^JJVJQ», lies fZ^j^^XlOIO; vgl. G. Hoff mann, 
Auszüge S. 50 N. 458. Die Genitivform stimmt zu den kappa- 
dokischen Monatsnamen Mid'^rj , lE^ccvd'QLOQrj d. i. *!Ela'&QriOQri = 
Chsaßre warje.'] 

3. Bilinguis. 

Der Fundort dieser Inschrift ist von Zindzi-därä {QXaßLavccl 
nach L.) 30 Stunden entfernt, Lage und Name werden aber von 
L. nicht näher angegeben. Der Ort wird wie folgt beschrieben : 
„Es ist eine natürliche Brücke , die eine Länge von 100 m und 
anfangs eine ebensolche Breite hat , die sich dann verengt. Auf 
dieser Brücke befinden sich mit Cement gebaute , in Ruinen 
liegende Mauern. Gegen Osten ist eine Stelle, die mir die Stelle 



') Vgl. G. Hoffmann, Auszüge 281—293. 296—297. 



122 J. Marquart, 

eines Tempels zu sein schien , mit zwei durcli Menschenhand 
aufgerichteten und skulpierten Felsblöcken. Auf einem derselben 
sind zwei Lager für umgestürzte Säulen oder Standbilder aus- 
gehauen , in der Mitte aber sind zwei Tafeln eingemeisselt , eine 
über der andern, auf welchen in 15 cm. grossen Buchstaben zwei 
Inschriften stehen, die eine in griechischen, die andere in 
^kappadokischen" Buchstaben." 

a. Die griechische Inschrift steht auf der ersten Tafel und 
umfasst 6 Zeilen: 

CArrAPIOC Sayy^qmg 

MAI ANDY MaLccvov 

CTP/fTHFOC ötQatriybg 

APIAPAMI "A^iaqa^lyri] 

C ' MAP' EYCe ' g . fiayiog) ei)68{ß^g) 

MWPHi ' Ml^QTi . 

b. Die „kappadokische" Inschrift steht auf der zweiten Tafel. 

HAHJiffA 711 1,tii^7 ^ 

Dieser Fels war verdeckt von Felsen und Schutt, die von 
dem darüberliegenden Hügel herabgerutscht waren. Nachdem L. 
aber bis Mannshöhe gegraben hatte, fand er diese Inschriften. 
Die „kappadokische" Inschrift setzt sich noch weiter fort, allein 
ein grosser Stein, der vom Hügel herabgestürzt war, hielt den 
übrigen Teil bedeckt und L. hatte nicht die nötigen Hilfsmittel 
bei sich, um den Stein zu sprengen; er meint jedoch, zur Not 
könnte er mit Pulver gesprengt werden, wozu wir allerdings 
nicht raten möchten. 

ZayccQiog findet sich als Personenname CIG. 4083 (aus Pessinüs) 
[ , SayccQig bei J. G. C. Anderson, Exploration in Galatia eis 
Halym. JHS. 1899 p. 308 nr. 250]. Den Namen Maidvrig kann 
ich nicht belegen, dagegen sind MaLSdrrjg (Vater eines Menophilos 
aus Eusebeia; Inschrift des 1. Jhs. v. Chr. aus Anisa bei 
E. Curtius, Monatsber. d. Berl. Ak. 1880, 646 und sonst) = 
Mäh-däta „vom Mond geschaffen" , Mai-ßov^dviqg (Inschrift von 
Komana, BCH. 1883, 130) und Mai,cpdxr]g (Grabinschrift von 
Tokat CIGr. III nr. 4184 = Athen. Mitth. XIV, 316 und in Delphi, 
Wescher et Foucart, Inscript. recueillies ä Delphes 1863 p. 112 
n. 189, 5, [als Frauenname MaicpdtEig in Ilghin J. G. C. Anderson, 
A summer in Phrygia. JHS. 1898 p. 123 nr. 71]) = Mähpäta 
„vom Mond beschützt" bekannt^). Vgl. Justi, Namenbuch 



^) [J. G. C. Anderson, JHS. 1898 p. 123 sieht in Ma^- den 
Namen der vorzugsweise im kappadokischen Komana verehrten Göttin 
M&. Vgl. aber das Verhältnis zwischen Maiddxrig und dem Namen 
seines Sohnes Mr\v6(pLkog in der angeführten Inschrift aus Anisa.] 



Untersuchungen zur Geschiclate von Eran. 123 

185 b. 188 a. ^AQLaQccfivrjg wird von Ktesias bereits ein an- 
geblicher persischer Satrap von Kappadokien unter Dareios I. 
genannt '), und so hiess bekanntlich der zweite Fürst des wieder- 
hergestellten Ariarathidenhauses. Der Name kommt auch auf der 
Nordseite des Pontos^ in Pantikapaion vor "(Bas. Latyscheff, 
Inscriptiones Graecae orae septentrionalis Ponti Euxini II nr. 141). 
Dass der Magier einen iranischen Namen trägt, ist nur billig. 
Für den Mithraskult in Kappadokien verweist unser Gewährsmann 
noch auf seine (neugriechisch geschriebene) Kirchengeschichte von 
Kappadokien S. 30—33, sowie auf die jetzt CIL. III 6772 
publizierte lateinische Inschrift. 

Bei der aramäischen Inschrift fällt sofort des D ins Auge; 
der folgende Buchstabe ist ü. Wir müssen also hier den Namen 
Maiavrjg erwarten, persisch wohl ynl^ "^Mähvjän; der Buchstabe 
yy bezeichnet demnach hier wie auf den Goldstateren des Wachsuwarja 
(ca. 250 V. Chr.)^) und auf den stachrischen Münzen aus dem 
2. Jh. V. Chr. ^) das Jod. Dürften wir annehmen, dass die Inschrift 
in aramäischer Sprache abgefasst ist, so müssten wir vor dem 

t| das Wort *^y ^i erwarten, allein der Buchstabe vor 73 ist 
nach der Abschrift entschieden kein ^ . Der erste erhaltene 
Buchstabe nach rechts ist, wie mir auch Six und Nöldeke 
vorschlagen, wohl ein o, was besonders durch die Varianten der 
Sisines-Münzen empfohlen wird*). Der dritte Buchstabe vor 

^'l ist ein durch Ligatur mit einem vorhergehenden i oder ^ 
verbundenes "i ^). Wir erhalten dann für den Anfang der Zeile die 
Lesung . . . "»n'n (??)nn "i:i:D. In den 5 letzten Buchstaben muss 
das Äquivalent für GXQatriyog stecken. An dieser Inschrift können 
wir uns so recht überzeugen, wie unzulänglich diese Abschriften 
sind und sein müssen. In der Lücke rechts mag noch eine 
Weiheformel gestanden haben. Eine noch verschüttete Zeile 
muss die Übersetzung der 3 letzten Zeilen des griechischen 
Textes enthalten und würde uns vor allem die auch für die 
Münzschrift so wichtigen Buchstaben "• und 5 , sowie i und N 
liefern. Diese Inschrift wurde von Levidhis zuerst an Herrn 



1) S. o. S. 113. 

2) Num. Chron. 1879, p. 4. PI. I nr. 2. 3. 

3) Z. B. Levy , ZDMG. XXI (1867) Taf. I (S. 460) Nr. 2. 
*) Vgl. J. P. Six, Num. Chron. 1894, 302-305. 

^) [Six wollte ihn als Ö auffassen. Ein ähnlicher Buchstabe 
findet sich zweimal in einer der von Lidzbarski veröffentlichten 
Inschriften von Arebsun a. a. O. S. 71 Nr. 1: Z. 1 in dem Worte 
•in • "innN und Z. 2 in dem Worte * ■• * nn. Ich glaube , dass wir 2i 
zu lesen haben, also "iriiS")nnö< = ap. ^achtara-ci^ra „vom Samen der 
Sterne"; vgl. iniS^D» Mi^ra-h^ra „von Mithras Samen" CIS. II 1, 1 
p. 97 nr. 102.] 



124 J- Marquart, 

Karolidis in Athen und am 27. April (9. Mai) 1898 auf seine 
Bitte an Dr. Zimmerer abgeschickt. 

4. Bar ach. 

Grabstein mit der Inschrift: 

Exaxia J6(ivoc QXccßla) ^lovXiav^ ccvÖqI XQrjör^ %al SrdxLoq 
^atÖQog Kanoviiavog (?) %al MccQyioXXog to5 iavx&v naxqt. 

Nur in Kursive und ohne alle weiteren Angaben mitgeteilt. 

Die Richtigkeit des Namens MAPKOAAOC bezweifle ich; es 
wird wohl einfach MAPKEAAOC auf dem Steine stehen. Ein 
Cognomen Capulianus ist mir unbekannt. Ich vermute KAI 
lOYAlANOC für KAnOYAlANOC. Dann sind Statins 
Phaedrus, Julianus und Marcellus die Söhne der Statia Domna 
und des Flavius Julianus. 

5. Tatlar. 

Marmorstein mit der Inschrift: 

Tixoq Kccl ^ATCollcüvioq Zo6i,%Xiovg AUvm rro aavvKQLxa TCaxQi 
%al "Ilrj (irjXQL %ccQiV fiv7]fi7jg. 

Nur in Kursive und ohne weitere Angaben. 

Die Namen Al%vog und "Ilr] sind mir sonst nicht bekannt. 
Die Ausdrucksweise der Inschrift ist merkwürdig, aber nur so 
zu erklären, dass der Vater zwei Namen trug, einen barbarischen 
und einen hellenischen. 

6. Tatlar. 

Marmorstein mit der Inschrift: 

IIoTtTtcovLog IIq6%X(a. 
Nur in Kursive und ohne weitere Angaben. 
Nr. 4 — 6 sind schon am 21. Januar 1897 a. St. an 
Dr. Zimmerer gesandt worden. 

7. Zweisprachige Inschrift „auf Felsen auf kleinen erloschenen 
Kratern", 9 Stunden von Zindzi-därä, da wo am Wege die 
erloschenen Krater des Argaios gefunden worden sind: 

AON TIN 8 ePrOAAB^ AoyyCvov iQyolaßov 

BHC Bri6 

CHAI8 .... Ba]CYiUov 

Ke . BOHQH TG) xV^, ßorid'u xm 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 



125 



Unter den Felsen , welche diese Inschriften tragen , haben 
sich 7 alte Cisternen gefunden. Levidhis glaubt deshalb, dass 
der in der griechischen Inschrift genannte Longinos ein Unternehmer 
war, welcher den Bau dieser Cisternen und des dabeiliegenden 
Bassins übernommen hatte und dazu die Hilfe des Herrn erflehte. 

Die Zeichen der „kappadokischen Inschrift" sind grösstenteils 
armenisch , und zwar im sogenannten Bolorgir , wie ^ » t- y " » 
*-f fiy fvi uMy q_* Daneben finden sich aber wieder Zeichen, 
die so wie sie dastehen, keine armenischen Buchstaben sind. Hier wie 
bei der folgenden Inschrift bezweifle ich, dass die Sprache armenisch 
ist. Auch hier kann die Abschrift einen Abklatsch nicht ersetzen. 

8. Siwghin (vielleicht alt Zaßayriva). 

^ : ^1'4 "7 i ^ ^^ ^ *^^ 

Hier ist auch Levidhis die Ähnlichkeit der Buchstaben 
mit den armenischen aufgefallen, und er zweifelt daher, ob die 
Inschrift „kappadokisch*' ist. 

Ausser ^» ^) l{y il_y o finden sich hier die kursiven 
Zeichen ^» i_y "y "y daneben aber auch unarmenische Zeichen, 
wie 'i j und im Anfang drei griechische Buchstaben. 

9. Q)lAT()YKAAAii:0 

NTlCXAPIXB^AOrQKP KO 
EBCT(P + AMOYm 

N 

T r r 

Bei dieser Inschrift wie bei Nr. 11 enthalte ich mich jeder 
Vermutung. 

Bei Nr. 9 — 11 fehlt jede Angabe der Herkunft etc. 

10. 



Cl^AHL 


rhlK 


MAPKON 


MAFHC 


. AIO YZ 


. NülKl 


. MOB HP 




. riNE/l 




ZCllrig 


SlXXrig 


MaQ%ov 


Mccyrjg 


r]atov Z 


i]v olkC 


7i\v6ß{vOv) 'üjO 


[a? 


a]yivB(x, 





126 J. Marquart, 

Ein Ort ^ÜQ^ä^yiva ist mir allerdings nicht bekannt. Vgl. 
aber die Ortsnamen Saßdyrivcc in Laviansene (Ptol.), UaSccyrjva 
(Ptol.) oder ^oßccyrjva (Sterrett, Epigraphical Journey in Asia 
Minor p. 232) in Sargarausene , 'Eßayrjva oder 2!eßdyriva in 
Kilikia (Ptol, vgl. Eamsay p. 305), Euagina (Tab. Peut.), Ptol. 
5,4p. 329, 23 Qovßdtriva lies Oovßccyriva in Galatien (aus 
Fuagina für Euagina und 'Eßdyrjva kontaminiert)^). 



11. 




<//^/ 






[Ähnliche Kreuze finden sich auf Grabsteinen aus dem 
alten Prasmon und dem Dorfe Emir Ghazi in Galatien. Vgl. 
J. G. C. Anderson, Exploration in Galatia eis Halym, JHS. 
1899 p. 60. 57 nr. 2.] 

Nr. 7—11 wurden am 27. April/9. Mai 1898 an Dr. Zimmerer 
geschickt. 

Ausser obigen Inschriften hat Levidhis, wie er berichtet, 
gegen 1000 griechische und lateinische Inschriften in Kappadokien, 
Lykaonien und den umliegenden Gegenden gesammelt, die z. T. 
von europäischen Reisenden inzwischen herausgegeben sind, z. T. 
aber sich noch unediert in seiner Hand befinden. Seine hand- 
schriftlichen Materialien würden nach seiner Angabe vier volle 
Bände füllen. Möchte er uns vor allem Abklatsche oder Photo- 
graphien von seinen „kappadokischen" Inschriften senden! 



6. Die Chronologie des Kambyses und der Lügenkönige 
und der altpersische Kalender. 

Bekanntlich sagt Her. y ßß. 67, dass Kambyses gestorben sei 
ßaßiXBvCavxa fisv rcc ndvta STtra exea "Kai nivxe (lijvag, . . . 6 6s ör^ 
Mdyog teXsvrrjöavtog Ka(ißv6eco aösag eßaallsvös (irjvag imcc rovg 
eniXoinovg Kcciißvörj ig td oxrcb etea xrjg itlriqcaöLog. 



Vgl. Ramsay p. 70. 261. 



Untersuclaungen zur Geschichte von Eran. 127 

Das bisher so schwierige Problem der Chronologie des Kam- 
byses und des Magiers ist jetzt bedeutend vereinfacht worden, 
seitdem Prasek und P eis er erkannt haben, dass die babylonischen 
Vertragstafeln, welche nach Kambyses als König von Babylon zu 
Lebzeiten seines Vaters Kuras, Königs der Länder datiert sind, 
nicht, wie man bisher annahm, ins letzte (neunte), sondern in das 
erste Jahr des Kyros nach der Eroberung Babylons zu setzen 
sind^). Darnach wurde Kambyses, wie Weissbach zeigt, am 
3. Nisan des Jahres 1 des Kyros, Königs der Länder zum Unter- 
königs von Babylon gekrönt, und erscheint als solcher noch am 
20./X. seines 1. Jahres. Am 17./L des folgenden Jahres erscheint 
dagegen bereits wieder Kyros als König von Babylon. 

Der letzte Vertrag aus der Regierung des Kyros datiert vom 
27./IV. des 9. Jahres, der erste des Kambyses vom 12./VL seines 
Antrittsjahres. Die drei letzten Daten aus der Regierung des 
Kambyses sind vom IV. , vom 3./VTIL und vom 27./XI. des 
8. Jahres, so dass es scheint als habe man dem Kambyses im 
Widerspruch mit Herodot eine Regierung von 8^/2 Jahren bei- 
zulegen. Allein Prasek a. a. 0. S. 19 f. (angeführt von Weiss- 
bach ZDMG. 51, 664) hat bereits betont, dass die ununter- 
brochenen Datierungen seit dem 23./L des 8. Jahres aufhören, 
während die drei übrigen weit auseinanderliegen und ganz ver- 
einzelt sind. In dem Texte, welcher das Datum IV. Monat des 
S.Jahres enthält, bezieht sich dieses, wie Weissbach zeigt, auf 
den Vertragstermin , während die Abfassung desselben in den 
VIII. Monat, wahrscheinlich des vorhergehenden (7.) Jahres fällt, 
in dem Vertrag vom 3./ VIII. dagegen ist die Jahreszahl ver- 
stümmelt und wohl 5 zu lesen. Somit bleibt das Datum vom 
27./XI. des 8. Jahres als singulare, aus besonderen Verhältnissen 
zu erklärende Ausnahme übrig und darf chronologisch nicht be- 
rücksichtigt werden. Aus diesem Sachverhalt hat Weissbach 
bereits geschlossen, dass sich den Vertragstafeln und der Inschrift 
von Behistün^) zufolge für Kambyses eine Regierungszeit von 
7 Jahren 6^/2 Monaten ergäbe. 

In der Inschrift von Behistün berichtet Dareios, dass der 
Magier sich am 14. Wijachna, der dem babylonischen Adar (XII.) 



1) P eiser, Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft (MVG.) 
II, 1897, S,.229flF. V. Prasek, Forschungen zur Geschichte des Alter- 
tums I. Kambyses und die Überlieferung des Altertums. 1897. Letztere 
Schrift ist auf der hiesigen [Tübinger] Bibliothek ebensowenig vorhanden 
als Strassmaier's Babylonische Texte. Vgl. dazu F. H. Weiss- 
bach, Zur Chronologie des Kambyses, ZDMG. 51, 1897, S. 661 ff., 
dem ich obige Angaben entnehme. 

2) Dies bezw. . j,xa^v^j Bestün aus *Bajistän ist die lautgesetz- 
liche dialektische Form für das alte BayiGtava, Bayastäna, Baystän. 
Vgl. ^^, Raj: Rayä, Slstän, arab.-pers. ..Lä,m.*j^/i^ Sagistän = 2Ja- 
TtccGtdvri. 



128 «J- Marquart, 

entspricht, vom Berge Arkadris in der Landschaft Pisijähuwädä 
aus empört habe. „Darauf ward das ganze Volk aufrührerisch, von 
Kambyses gieng es zu jenem über, sowohl Pars als Medien und die 
übrigen Provinzen. Er ergriff die Herrschaft, am 9. Garmapada. 
Darauf starb Kambyses durch eignen Tod" (Beh. I 35 — 43). 
Über die Zeit, welche zwischen der Erhebung des Gaumäta am 
14. Wijachna und seiner offiziellen Thronbesteigung verstrichen ist, 
lässt sich der Inschrift nichts Sicheres entnehmen, allein wir be- 
sitzen bekanntlich datierte Kontrakte aus seiner Regierungszeit, 
welche zuletzt von Weissbach, Zur Chronologie des falschen 
Smerdis und des Darius Hystaspis ZDMG. 51, 511 ff. erörtert 
worden sind. Drei von den bis jetzt bekannten Texten sind vom 
Antrittsjahre des Barzija datiert, und zwar vom II., 6./III. und 
lO./VI. , die 10 übrigen Täfelchen datieren nach dem Jahre 1 
und reichen vom 19./I. bis l./VII^). 

Es ist dabei auffällig, dass sich unter den 13 Täfelchen kein 
einziges aus einem der letzten 5 Monate findet. Da nun Herodot 
und die spätem Griechen dem Gaumäta übereinstimmend 7 Monate 
geben , so hat p p e r t gewiss mit Recht geschlossen , dass in 
diesem Falle Antrittsjahr und Jahr 1 zusammenfallen, und da die 
drei Texte, welche vom Antrittsjahre datieren, sämtlich aus Babylon 
selbst stammen, so erklärt er jene Differenz einleuchtend durch 
die Annahme, dass man in der Provinz die Regierung des 
Barzija von seiner Erhebung am 14. Wijachna (Adar) an rechnete, 
so dass die Zeit vom 14. Adar bis zum 1. Nisan als sein Antritts- 
jahr und die Zeit vom 1. Nisan bis zu seinem Tode als sein 1. Jahr 
galt, während man in Babylon selbst anfangs den Tag seiner 
feierlichen Krönung am 9. Garmapada zum Ausgangspunkte nahm, 
so dass das am 1. Nisan begonnene Jahr als sein Antrittsjahr 
gerechnet wurde ^). Dabei erhebt sich gleich die Frage, was wir 
unter der „Ergreifung der Herrschaft" im Gegensatze zur „Er- 
hebung" näherhin zu verstehen haben. Dies kann, wie mir scheint, 
nicht zweifelhaft sein: nur die Einnahme der Hauptstadt von 
Anzan, dem Stammlande des Kyros^), und damit die Gewinnung 
der ältesten Provinz des Reiches kann einen solchen Ausdruck 
rechtfertigen. 



^) [Dazu kommen jetzt noch zwei Täfelehen aus Philadelphia 
vom 13./ VI. und 15./ VI. des Jahres 1. Vgl. Weissbach, ZDMG. 
55, 207.] 

^) J. Oppert, Le Canon des dates babyloniens. Comptes rendus 
de rAcad, des Inscript. et belies lettres 1892, p. 410 ss.; Les inscriptions 
du Pseudo - Smerdis et de Pusurpateur Nidintabel, fixant le Calendrier 
perse. Actes du VIII® Congr^s des Orientalistes. Section sömitique B, 
Leide 1893, 253—264. Vgl. meine Fundamente israelitischer und jü- 
discher Geschichte S. 50 Anm. 1. 

3) Nabünäidcylinder I 28—34. Nabünäid-Kyros-Chronik II 3—4. 
KB III 2, 99. 131. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 129 

Wenn wir also bereits einen Vertrag vom 19./I. des Jahres 1 
des Barzija besitzen und auf einem andern noch am 23./I. nach 
dem Jahre 8 des Kambyses datiert wird, so folgt daraus, dass 
am 19. Nisan des 8. Jahres des Kambyses Barzija bereits in 
einem Teile Babyloniens als König anerkannt war, während 
man in einem andern Teile noch am 23. desselben Monats an 
Kambyses festhielt. Da nun der Aiaru (= ©ürawähara) und der 
Simanu {= ©äigaröis) bereits ihre inschriftlich bezeugten alt- 
persischen Äquivalente haben ^) , so ergab sich daraus , dass der 
persische Garmapada, in welchem Gaumäta offiziell den Thron 
bestieg, dem babylonischen Nisan entsprechen muss^). Dazu 
stimmt auch der Name: garma-pada = Fuss oder Boden der 
Hitze im Gegensatz zum Kopf oder Gipfel der Hitze {^gar-ma- 
sara) im Ab und Tammüz. Justi, ZDMG. 51, 247 hat den 
Namen richtig mit gr. nedov , lat. peda Fussspur zusammen- 
gebracht, aber unrichtig aufgefasst. 

Das letzte Täfelchen aus Barzijas Eegierung ist vom l./VII. 
seines 1. Jahres, am 10. Bägajädis wurde Gaumäta ermordet. 
Daraus habe ich früher geschlossen, dass der Bägajädis dem baby- 
lonischen Tisrit (Vn.) entsprechen müsse ^) , und diese Gleichung 
dann weiter gestützt durch den Nachweis , dass der Bägajädis 
der Monat des Opfers des baga %at lS,o%riv d. i. des Mithra ist, 
welcher bei den Sogdiern nach demselben Feste , dem späteren 
Mihragän Mt^qa^ava^ den Namen .LKxr Vayakän führte*). 
p p e r t und J u s t i ^) haben dann ebenfalls die Identität des 
Bägajädis und Tisrit behauptet, die Weissbach neuerdings be- 
streitet, offenbar ohne meinen Artikel im Philologus Bd. 55, 231 f. 
zu kennen. 

Nach der Ermordung des Gaumäta warf sich, wie Dareios 
angibt, in Susiana Ä'O'rina und in Babylon Nidintu-Bel unter dem 
Namen Nabü-kudurri-u9ur zum König auf (Beh. I 72 — 81). Wir 
besitzen Urkunden aus der Regierung dieses Nabukuduru9ur , in 
welchen Itti-Marduk-balätu , Sohn des Nabu-ache-iddin aus dem 



^) Vgl. meine Assyriaka des Ktesias. Philologus Suppl.-Bd. VI, 2, 
S. 634 und Anm. 490 und jetzt Weissbach, ZDMG. 51, 511 N. 1. 

^) Die Assyriaka des Ktesias S. 638. Unters, zur Gesch. von Eran 
I 63 = Philologus Bd. 55, 231. 

^) S. Assyriaka des Ktesias S. 633. Diese Schrift ist im Februar- 
März 1892 der Tübinger philosophischen Fakultät als Dissertation vor- 
gelegt und im Laufe dieses Jahres gedruckt worden. Ich konnte also 
damals Opperts Kongressvortrag, der im Jahre 1893 erschien, selbst- 
verständlich noch nicht kennen, und sehe mich genötigt zu betonen, 
dass meine Untersuchungen von Opperts Darlegungen völlig un- 
abhängig sind. 

*) Unters, z. Gesch. von Eran I 64. 

^) Actes du Vnie Congr^s des Orientalistes, Sect. semitique B, 256. 
Justi, ZDMG. 51, 234. 247. 

Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 9 



130 J- Marquart, 

Hause Egibi als Zeuge auftritt, welcher zuletzt am 14./XII. des 
1. Jahres des Dareios erscheint. Dieselben erstrecken sich vom 
lO./VII. bis zum 20./IX. des Antrittsjahres des Nabu-kudur-u9ur. 

Ob zwei andere Texte, welche vom 14./VI. und 16./VII des 
Jahres 1 des Nabu-kudurri-u9ur datiert sind und in denen Marduk- 
na^ir-aplu, der Sohn des genannten Itti-Marduk-balätu als Zeuge 
fungiert, der Zeit dieses oder des zweiten falschen Nabu-kudur- 
U9ur, des Armeniers Aracha angehören, bleibt vorläufig unsicher^). 
Doch ist mir ersteres unwahrscheinlich. Man müsste nämlich in 
diesem Falle ebenfalls annehmen, dass das Anfangsjahr und Jahr 1 
zusammenfielen, wofür indessen hier die thatsächliche Unterlage, 
nämlich der wirkliche Regierungsantritt kurz vor oder unmittelbar 
nach dem Neujahr fehlt. Ist nun der Bägajädis dem Tisrit gleich- 
zusetzen, so muss sich Nidintu-Bel, entgegen der Angabe des 
Dareios, bereits vor der Ermordung des Gaumäta gegen diesen, 
nicht erst gegen Dareios, empört haben, da bereits am lO./VIL, 
und wenn jene beiden Täfelchen aus dem 1. Jahre des Nabu- 
kuduru9ur in seine Zeit fallen sollten, bereits am 14./VI. nach 
Nabukuduru9ur datiert wird. 

Sehen wir nun zu, wie sich dazu die für Kambyses und 
den Magier überlieferten Zahlen und Daten verhalten. Die Datie- 
rungen aus Kambyses' Regierung laufen ununterbrochen vom 
12,/VI. des Antrittsjahres bis zum 23./I. des 8. Jahres, allein be- 
reits am 14. Wijachna (Adar, XII. des 7. Jahres) erhebt sich der 
Magier, und am 9. Garmapada (= Nisan) besteigt er offiziell den 
Thron. Vom ersten Datum des Kambyses bis zum 9. Garmapada 
= Nisan des 8. Jahres erhalten wir somit 7 Jahre und 7 Monate 
(6 Monate + [29/30—11 =] 18/9 -f 8 = 26/7 Tage), bis zum 
letzten Datum des Kambyses 7 Jahre 7 Monate und 11/12 Tage 
gegenüber Herodots 7 Jahren und 5 Monaten. Bis zur Erhebung 
des Magiers dagegen beträgt die Summe allerdings nur 7 Jahre 
und 6 Monate (6 Jahre -j- 6 Mon. 18/9 Tage + 11 Mon. 13 Tage). 
Von der offiziellen Thronbesteigung (9. Garmapada = Nisan) bis zu 
seiner Ermordung (10. Bägajädis = Tisrit) würde die Regierungs- 
zeit des Magiers genau 6 Monate betragen, von seiner Erhebung 
an gerechnet dagegen 6 Monate und 25/6 Tage (29/30 — 13 = 
16/7 + 9). Überdies war das Jahr 7 des Kambyses angeblich ein 
Schaltjahr, wie auch das Anfangsjahr des Dareios, welches 
mit dem Jahre des Barzija und dem 8. Jahre des Kambyses zu- 
sammenfällt^). 



1) Weissbach S. 515. 

2) Oppert, ZDMG. 51, 155. 156. [Vgl. jetzt über diese beiden 
angeblich aufeinanderfolgenden Schaltjahre Weissbach, ZDMG. 55, 
208, und besonders F. X. Kugler, ZA. XVII, 1903, S. 213—217. 220 ff., 
welcher nachweist, dass in der astronomischen Tafel Strassmaier, 
Cambyses Nr. 400 keine gleichzeitige Urkunde, auch keine einfache 
Abschrift einer solchen, sondern eine weit spätere Überarbeitung alter 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 131 

All das ist indessen nicht imstande, Herodots Ausdruck zu 
erklären, dass die 7 Monate des Magiers das 8. Jahr des 
Kambyses vollmachten. Nach älterer babylonischer Rech- 
nung zählte Kambyses nur 7 Jahre, da die 6^/2 — 7 Monate seines 
Antrittsjahres chronologisch dem Jahre 9 des Kyros eingerechnet 
wurden. Die spätere babylonische Rechnung dagegen, welche in 
der Perserzeit die Usurpatoren nicht anerkennt, rechnet das Jahr 
des Barzija und Nabukudurriu^ur (Nidintu-Bel) , das Anfangsjahr 
des Dareios (vom 1. Nisan 522 bis letzten Adar 521) konsequent 
dem Kambyses zu, so dass dieser 8 Jahre erhält. So Berossos 
bei Alexander Polyhistor (Euseb. Chron. I 29, 34 Schöne) und 
der Ptolemäische Kanon. Allein die Angabe Herodots setzt ein 
Jahr voraus, das nicht mit dem Nisan, sondern mit dem Tisrit 
begann. Das Richtige hat bereits Floigl geahnt i), der freilich 
darin irrt, dass er schon das altpersische Jahr für ein Sonnen - 
jähr von 12 X 30 + 5 Tagen hält, aber insofern der Wahrheit 
sehr nahe kommt, als er das altiranische Jahr mit dem Herbst- 
äquinoktium beginnen lässt. Er beruft sich dafür auf eine Tra- 
dition, welche diesen Jahresanfang als frühere Einrichtung bezeugen 
soll, hütet sich aber wohlweislich, für diese Behauptung einen 
Beleg zu geben ^). Vermutlich ist er dem D. Petavius gefolgt, der 
in seinem Rationarium temporum Lib. I 15 voraussetzt, dass der 
Anfang des persischen Jahres auf den Anfang des September ge- 
fallen sei, und bemerkt : Quid in causa Persis fuerit cur in Calendas 
Septembris epocham figerent, nemo quod sciam, causam exponit. 
Diese Annahme des Petavius beruht aber auf einem gröblichen 
Missverständnis einer Stelle des al Faryäni (p. 5 ed. Golius), wie 
schon Thomas Hyde gezeigt hat^), und bezieht sich überdies 
auf das später bei den Persern übliche jungawestische Jahr*). 
Als Epoche des letztern galt aber das Frühlingsäquinoktium ^). 

Begann das altpersische Jahr mit dem Bägajädis = Tisrit, 
so laufen die Jahre des Kambyses vom l./VH. des 9. Jahres des 



Beobachtungen vorliegt und die Angabe, dass das 7. Jahr des Kambyses 
einen zweiten Adar gehabt habe, gleich andern Fehlern der Tafel 
irrigen Theorien des Bearbeiters ihren Ursprung verdankt. Man braucht 
sich daher nicht weiter dabei aufzuhalten, dass die Tafel nicht bloss 
einen Aiaru (Rs. Z. 3), Abu (eb. Z. 8. 10) und Ululu (eb. Z. 8) des 8., 
sondern sogar noch einen Aiaru des 9. Jahres (Z. 11) kennt.] 

1) V. Floigl, Cyrus und Herodot S. 79 A. 3. 83 A. 3. 

^) Bei Brissonius, De regio Persarum principatu, findet sich 
keine Silbe über das altpersische Jahr, obwohl er über die Feste der 
Perser handelt. 

^) Historia religionis veterum Persarum ed. 2, Oxonii 1760, p. 184. 

*) Dieselbe Verwechslung des altpersischen mit dem jungawesti- 
schen Jahre lässt sich noch Oppert, ZDMG. 52, 269 zu schulden 
kommen. 

5) Berünl, Chronologie S. fö, 2 f. = 55, 5 ff. der Übs. 

9* 



132 J- Marquart, 

Kyros bis zum 29./30. XI. des 7. Jahres des Kambyses nach 
alter babylonischer Rechnung. Der Monat Wijachna (Adar), in 
welchem sich Gaumäta erhob, wird bereits diesem angerechnet, 
wie ja auch die babylonischen Texte, welche sein 1. Jahr nennen, 
voraussetzen. Kambyses regiert also nach persischer Rechnung in 
der That 7 Jahre und 5 Monate, der Magier vom Wijachna (Adar) 
des 7. bis zum 29./30. VI. des 8. Jahres des Kambyses genau 
7 Monate und wird, wie Herodot sagt, im achten entlarvt. 

Der 1. Bägajädis ist das altpersische Neujahr; der Zeitpunkt 
der Ermordung des Usurpators war mit Bedacht gewählt worden : 
unmittelbar danach wurde das uralte 5tägige Fest hagajäda „das 
Opfer des Baga" d. i. des Mithra gefeiert, woraus in der grie- 
chischen Überlieferung durch Miss Verständnis das Fest ^ayoq)6vt,(x 
geworden ist^). Diesen altpersischen Namen des Mithra bewahrt 
noch der Name des Dorfes Bagajaric in Dergan, wo ein altes 
Heiligtum des Gottes Mirh = Mithra stand 2), das schon in 



1) Her. 3, 79. 80, ebenso Ktes. ecl. 15. 

2) Agathang. 593/94 = Lag. 68, 1—3: „Er kam, gelangte zum 
mihrischen Tempel, des sogenannten Sohnes des Aramazd, ins Dorf das 
sie das Bagajaric {Bagajaric-n) nennen nach der parthischen Sprache". 
Nach Moses Chor. II 14, der sich auf eine angebliche Tempelgeschichte 
des Priesters UHup von Ani beruft, soll Tigran eine Statue des He- 
phaistos (Mihr) in Bagajaring errichtet haben. Vgl. dazu Carri^re, 
Les huit sanctuaires de l'Arm^nie payenne. Paris 1899, p. 12 ss. 

Nach Agathangelos gehörte der Name Bagajaric der parthischen 
Sprache an. Andere Namen derselben Bildung sind (vgl. S. 104 A. 2): 

Chaitojaric im Gebiete von Karin Steph. AsoHk III 15 S. 192. 
43 S. 278; Aristakes 15. 

Tir-aric im Gau Bagrevand Joh. Kath. 37; Steph. AsoHk II 2 
S. 81 , in der Katholikosliste 'der AiriyriGig bei Combefis, Graecolat. 
patr. bibl. novum auctar. II 289 KovßaQit^ri (lies KovxccQit^ri). 

Mkn-arinc tazar Parp. S. 470 {^= Langlois, Coli. II 338 a), etwa 
2 Par.^von Du in Basean. 

ZiP-aric Seb. 77 in Hasteank' , bei Steph. AsoHk II 2 S. 86 und 
in der JL^yri6ig p. 281 im selben Zusammenhang Kt'fic , Kitgig, Joh. 
Eph. VI 14. 27 j-»;^Ä Qitriz, gr. Kid-agi^av Prokop. de b. Pers. II 24 
p. 261, 17; de aedif. III 2° 3. p. 248, 15. 250, 25. 251, 11. 

Kuhaj-aric Mos. Chor. III 65 S. 265, KovkccqI^cov Prokop. de aedif. 
III 4 p. 254, 1, KovßccQLt^ri (lies Kovaa.Qix^ri) z/tijy. p. 289. 

LusaP-aric Stadt am Zusammenfluss des Aracani und Euphrat 
Mos. Chor. Geogr. S. 30. 

AvtaQ-aqitav Prokop. de aedif. III 4 p. 353, 15 (westlich von 
BaißsQÖmv) : %al xb Av6ioq[lov ccvsvsmöato Ttsicovrixog ridr] gvv rä 
Avtagagi^cov. 

Danach werden wohl auch noch folgende Ortsnamen aus Klein- 
armenien hierher zu stellen sein : 

KaXt-i6QL6oa 69° 50' L. 41° 15' Br. Ptol. 5, 6 p. 340, 6 ed. Wilberg 
[= p. 885, 8 ed. C. Müller], aber auf der Tab. Peut. XI, 1 ed. K. Miller 

Tit-aqiGGog in Melitene 69° 45' L. 39° 45' Br. ib. p. 341, 1 
[= p. 887, 11 ed. Müller]. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 133 

achämenidischer Zeit, jedoch erst nach dem Zuge der Zehntausend 
gegründet sein muss ^). Auch noch in späterer Zeit scheint man 



Zoi%-cc^i6to<i 70° L. W Br. ib. p. 340, 27 [= p. 887, 10 ed. Müller]. 

Olotoedariza Itin. Anton, p. 81. 96. 102 ed. Parthey & Pinder (v. 1. 
olotoaelariza , olutoaelariza , olutoelariza , olocedariza, olotedariza, ole- 
toedariza etc.), 24 mp. von Nikopolis auf der Strasse nach Satala. 

Aladaleariza Not. dign. Or. XXXVIII 17, identisch mit dem 
vorigen. 

BaGyoidägi^a Strab. t/? 3, 28 p. 555, ein Schloss in Kleinarmenien, 
neben EivoQia erwähnt; vielleicht identisch mit Olotoedariza und Av- 
tccgagl^cov, falls es aus BAOTOIdccQi^a entstellt ist. Vgl. W. Fabricius, 
Theophanes von Mitylene S. 180. Die Grundform wäre dann etwa 
f'Wltoid-aric, woraus '^Wltur-aric, in hellenischem Munde AvtccQ-aQi^av 
entstanden wäre. [Steckt derselbe Ortsname etwa auch in dem Zuta- 
rimaj (für Lutaricaj'i) bei Uchtanes II 1 Bd. II 5 (Brosset, Deux 
histor. armen, p. 279): „Dieser (der nestorianische Chuzik Kis) kam zu 
jenem (dem Katholikos Kiuron von Iberien) aus dem Keiche der Römer, 
aus dem Gau von Kolonia, dem Wohnsitze nach aus dem Dorfe, das 
Zutarimaj heisst, nahe bei Nikopolis, und beide sind am Ufer des 
Flusses Gajl, wie früher gesagt worden ist"? 

Die Form Chaitojaric rät, in diesem Namen wie in Bagajariö 
und Kukajaric genetivische Komposita zu sehen; ein solches steckt 
auch in syr. Semisät aus altarm. ^Samaj-äat. Dann erhält man als 
zweites Kompositionsglied aric, womit der angeblich parthische Ur- 
sprung dahinfällt. Die in Frage stehenden Namen sind, soweit durch- 
sichtig, mit Götternamen zusammengesetzt: Bagaj-aric zu ap. baga = 
Mithra, Chaitoj-aric zu Chaldis, dem Gotte und Eponymos der Chalder. 
Auch in Tir-aric wird der Gott Tir^ bei Agath. 584 gen. Tiur stecken. 
Freilich erwartete man dann ^Trarü-^ vgl. Trpatuni von ^Tirpät, 
Trdat aus TsiQidcctrig ^ in byzantinischer Orthographie TjiQidatri? = 
ap. Tli^i-däta. Der Umstand aber, dass es ausser dem bekannten 
Bagajaric, Bagaric in Dergan noch zwei andere Orte dieses Namens nw. 
von Ani-Kamach gibt, lässt daran zweifeln, ob das erste Kompositions- 
glied baga- wirklich von vornherein den iranischen Gott Mithra und 
nicht vielmehr einen echt armenischen Gott bezeichnete, der erst 
nachträglich des Namensanklangs wegen mit Baga-Mithra verselbigt 
worden war. Einen ähnlichen Vorgang haben wir ja ohne Zweifel bei 
der armenischen Auahit, die ihrem Wesen nach eine nationalarmenische 
Göttin ist, die nur den Namen der persischen Auähita angenommen 
hat. In diesem Falle läge es nahe, an den phrygischen Bayalog = Zeus 
(vgl. Kretschmer, Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache 
198 f.) zu erinnern. Doch ist dies zweifelhaft, zumal wenn Bccyalog zu 
gr. (jpTjyds „Eiche" gehört. Lusat'- gehört zu lojs „Licht" und ist ge- 
bildet mit Suffix -at', wie arc-at' „argentum". Vgl. auch H. Hübsch- 
mann. Die altarmenischen Ortsnamen S. 284. 287. 289—293. 379 f.] 

^) Der Kult des Mithra wurde nebst dem der Anähita zuerst unter 
Artaxerxes II. offiziell eingeführt. Vgl. dessen Inschriften von Susa 
und Hamadän, sowie Beross, fr. 16 bei Klemens Alex. Protrept. I 5, 
wonach jener in allen wichtigeren Satrapienhauptstädten Statuen der 
Anähita aufstellen liess. Zu Xenophons Zeit waren Karin und Dergan 
noch im Besitze der Chalyber und Mosynoiken, welche vom persischen 
Satrapen von Westarmenien Tiribazos unabhängig waren (Xen. anab. 
4, 5, 34. 6,5; 7, 8, 25), dagegen ist es sicher unrichtig, wenn es nach 
dem Resum^ Strabons über die Entwicklung der beiden armenischen 
Königreiche scheint, als ob Karin und Dergan erst nach der Erhebung 



134 J- Marquart, 

Mithra = Apollon als den haga d. i. den Spender %ax' i^o- 
fY\v betrachtet zu haben, wie der Name Bhagadatta für den 
griechisch - indischen König ApoUodotos im Mahäbhärata zeigt*). 
Die persische Übersetzung des chinesischen . Kaisertitels, tHen-tze 
„Himmelssohn", indisch devaputra^ der seit Kaniska auch von den 
Kuschankönigen usurpiert worden war, durch ,j.>jij baypür^ 
sogdisch .».ftij vayvür scheint ebenfalls auf die alte Bezeichnung 
des Mithra als haya im Sogdischen zurückzugehen. Die Bedeutung 
des Mihragän als ehemaligen Neujahrsfestes spricht sich auch darin 
aus, dass man an demselben den Trägern der Regierungsgewalt 
Ehrengeschenke darzubringen pflegte, geradeso wie dies beim 
Nauröz üblich war'^). Schon Strabon la 14, 9 p. 530 weiss, dass 
der Satrap von Armenien seinen jährlichen Tribut von 2000 nisä- 
ischen Fohlen dem Grosskönig auf das Fest Mi^Qccaava abzuliefern 
hatte, nach welchem der Monat bei den Armeniern Mehekan 
heisst^). Speziell aus Balch ist uns ein solcher Fall aus dem 
Jahre 32 H. (652/53 n. Chr.) nach dem Abschluss der Kapitulation 
mit den Arabern berichtet, obwohl dies Gebiet seit Alexander d. Gr. 
niemals mehr einen integrierenden Teil von Eransahr gebildet 
hatte und die offizielle Religion daselbst um diese Zeit die Lehre 
Buddhas war^). 

Das Mihragänfest, das am Tage Mihr (16.) des Monats Mihr 
gefeiert wurde, war nach iranischem Glauben von Fredün ein- 
gesetzt worden zur Erinnerung daran, dass an diesem Tage Käwe 
sich gegen den Tyrannen Azdahäk Bewarasp erhoben und ihn ver- 
trieben hatte, worauf er das Volk aufforderte, sich um das Käwe- 
banner zu scharen und dem rechtmässigen Thronerben Fret^ün zu 
huldigen. An diesem Tage sollen auch die Engel herabgekommen 
sein, um dem Fredün zu helfen. Daher ward es Brauch in den 



des Artaxias den Chalybern und Mosynoiken entrissen und armenisch 
geworden wären (Strab. la 14, 5 p. 528). In dieser Stelle sind zwei 
ganz verschiedene Dinge vermengt: die allmähliche Armenisierung der 
ehemals von fremden unabhängigen Stämmen besetzten Landschaften, 
und das politische Wachstum der neuen armenischen Reiche. Dergan 
und Karin waren schon vor Artaxias von Kleinarmenien aus armenisiert 
worden, worauf auch Strabons Worte hindeuten: KaQiqvttLv %al Jsq- 
^rivr\v, a t^ iil%qcc 'Aqiisvloc iötlv o^OQa rj "koI iiBQr\ avtfig iött, (schreibe 
rjv ?) , aber allerdings von Artaxias seinem Königreich Grossarmenien 
einverleibt worden. Die alten, vielleicht erst iranisierten und dann 
schon vor Artaxerxes IL vorhandenen Heiligtümer der Anahit in Erez 
und des Mihr in Bagajaric beweisen aber, dass Kleinarmenien wie 
Dergan im 4. Jahrhundert wieder den Persern gehorchten. 

^) Gutschmid, Beiträge zur Geschichte des alten Orients 75. 

2) Berünl fü, 4-5 -= 204, 4 ff . der Übersetzung. 

^) [Ich kann jetzt nachweisen, dass der ehemalige Jahresanfang 
mit dem Mehekan sogar noch im armenischen Sprachgebrauch des 
5. Jahrhunderts Spuren hinterlassen hat.] 

*) Tab. I nr, 9 ff. 



Untersuchungen zur Gesclaiclite von Eran. 135 

Häusern der Könige, dass bei der Morgendämmerung ein tapferer 
Krieger im Hofe des Palastes aufgestellt wurde, der in den höchsten 
Tönen rief: „Ihr Engel, kommt herab zur Welt, schlaget die Dewen 
und Übeltäter und vertreibt sie von der Welt!" An diesem Tage 
pflegten die Könige der Sasaniden sich mit einer Krone zu krönen, 
an welcher ein Bild der Sonne und ihres Kreislaufs angebracht 
war. Die Spekulation der Priester hat noch manche symbolische 
Gedanken mit dem Mihragän verknüpft. Besonders ansprechend 
ist die Deutung, welche in demselben ein Abbild von der Auf- 
erstehung und dem Weltende sah, wie im Nauröz ein Abbild des 
Weltanfangs. Am 21. des Monats (Räm-Röz) wurde das grosse 
Mihragän gefeiert zur Erinnerung an die Fesselung des Azdahäk 
durch Fre^ün^). Zara^^-ustra soll verordnet haben, dass das Mihragän 
und Räm-Röz gleichmässig in Ehren gehalten werden sollten. 
Deshalb habe man beide Tage als Festtage gefeiert, bis Hormizd 
b. Säpür „der Held" (Hormizd I. 272 — 273) auch die zwischen- 
liegenden Tage zu Festtagen erhob, wie er es mit den beiden 
Nauröz gemacht hatte. Später hätten die Könige und das Volk von 
Iran die ganze Zeit vom Mihragän bis 30 Tage später als Festtage 
gefeiert, indem sie dieselben unter die verschiedenen Klassen der 
Bevölkerung verteilten, von denen jede ihr Fest 5 Tage lang feierte. 
Diese Erklärung der ötägigen Dauer des Festes ist natürlich 
un historisch. Dagegen ist es nach andern Analogien wahrscheinlich, 
dass der Tag Mihr (16.) in älterer Zeit den Abschluss des Festes 
bildete, und dasselbe somit vom 12 — 16. Mihr dauerte. Soviel ist 
aber klar, dass die uns historisch bekannte Zeit des Festes an den 
Tag Mihr gebunden ist und somit die Sitte, die einzelnen Monats- 
tage unter den Schutz besonderer Genien zu stellen und nach diesen 
zu benennen, voraussetzt, von welcher die Inschriften des Dareios 
noch keine Spur zeigen. Es ist daher nicht unmöglich, dass es, 
wie Herodot behauptet, im 6. Jahrhundert am Jahrestage der Er- 
mordung des Magiers selbst (10. Bägajädis) gefeiert wurde, obwohl 
ebensogut denkbar ist, dass diese Angabe nur auf der falschen 
Auffassung des Namens "^bagajäda als (layocpovta beruhte^). Nach 
dem Falle des Gaumäta dauerte die Aufregung, wie Herodot sagt. 



1) Berüni m, 9 flP. Mas'üdl, Murüg II 114. III 404. Nach anderer 
Version war das Mihragän selbst dem Gedächtnis der Fesselung des 

Azdahäk geweiht; s. Tab. I ^'[^♦jQ: :f^b u^Jli {^(Äi5 ^j^)^ .-^ d^^'^^ 
j^il \>i^6 (jJ.X\] ^^'Ls ^^ji^ Q'« ji'^jV ^^ ti^l-^AiaJi ^^jlXj^»! 

^) Her. 3, 79 : tccvtriv xi]v tjiieqtiv &SQansvov6L TIsQGai v.oivri ^d~ 
liGxa xS)v Tj^SQEcov, %al iv avtjj 6qt7]v \isyakriv ccvdyovöi, 7) ytsnXritaL vnb 
UsQöicov yiuyocpovia- iv tri Mdyov ovdivcx. s^satt, (pavf]vca ig tb cpag, 
ccXXä ■aar' ol'xovs icovtovg ol Mdyoi s^ovgl tr]v tj^ieqtiv tcivtr]v. 



136 J- Marquart, 

noch über 5 Tage^). In der That waren am 16., wenn das Fest 
am 12. begann, seit der Ermordung des Usurpators 7 Tage ver- 
flossen. Herodot 3, 79 bezeichnet die fiayocpovm als das grösste 
Fest der Perser. In Chwärizm entsprach dem persischen Mihragän 
das Fest Cire-Röo ^ ^j;.a55-, welches am 13. gefeiert wurde 2), 

also dem vorauszusetzenden Beginne des altpersischen hagajäda 
noch näher stand. Am 21. (Räm-Roc) wurde gleichfalls ein Fest 
gefeiert. Merkwürdigerweise erfahren wir nichts über ein ent- 
sprechendes Fest bei den Sogdiern, nach welchem doch der Monat 
benannt sein muss. 

Die Bedeutung der That des Dareios in ihrer Wirkung auf 
die religiösen Vorstellungen des Volkes wird also durch die Um- 
stände für uns erst recht klar. Er fühlte sich ohne Zweifel als 
ein neuer Fredün, welcher dem in Gaumäta wiedererstandenen 
Drachen Dahäka, der Verkörperung aller Ungesetzlichkeit und Ge- 
waltthat, den Kopf zerschmetterte. Freilich erschien Gaumäta 
seinen Standesgenossen , den Magiern in ganz anderem Lichte. 
Ihnen war er der Vorkämpfer für die reine Mazdalehre, wie sie 
die Magier Mediens weiter ausgebildet hatten, und im Kampfe 
für diesen Glauben war er als Märtyrer gefallen, wie einst Kawi 
Wistäspa's herrlicher Sohn Spdntödäta: deshalb führt er in der 
von den Magiern beeinflussten Tradition geradezu den Namen 
ScpevöaddxYig (Ktes. Pers. 10 — 15) 3). 

Jetzt können wir versuchen, den wirklichen Verlauf der Be- 
gebenheiten wiederherzustellen. Gegen Ende seines 8. Jahres als 
König von Babylon, also wohl im Frühling 530, zog Kyros nach 
dem Osten des iranischen Hochlandes, um hier die von den Persem 
unter der gemeinsamen Bezeichnung Saka zusammengefassten räu- 
berischen Steppennomaden, vor allem die Fischesser (Mccaaayitai,, 
ap. *mad-ifa7ca, aw. *massjaka, skyth. *massjagä-t'ä) um den Aral- 
see zu Paaren zu treiben, welche die benachbarten Kulturoasen von 
Chwärizm, Sogd und Margiana mit ihren Raubzügen heimsuchten. 
Allein in der Steppe zwischen Oxus und Jaxartes ist der grosse 
König im Vorsommer 530, etwa im Simannu (Öäigaröis) oder 
Düzu, dem Schicksal erlegen*). Am 12./ VI. war die Kunde von 
der Katastrophe bereits in Babylon eingetroffen. Auf jenem ver- 
hängnisvollen Zuge hatte sich nach der altern Sage vor allen 
Kyros' jüngerer Sohn Bardija^) ausgezeichnet, welchem es allein 



^) Her. 3, 80 : insits Sh %ati6tr\ 6 d-ogvßos ^ccl iTitbg nivts tj^sqecov 
iyivsto %tX. 

2) Berüni m , 13—14 = 224, 22 ff. 

^) S. meine Fundamente israelitischer und jüdischer Geschichte 
S. 48 Anm. 3. 

*) [Über das angebliche 10. Jahr des Kyros s. Weissbach, 
ZDMG. 55, 210.] 

^) Die genaue altpersische Form ist wohl Brdija, die medische 
hat sich bekanntlich im babylonischen Namen des Usurpators Gaumäta, 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 137 

von sämtlichen Persern gelungen war, den von der Königin der 



I 



Barzija = 2^w.^b9r9zja erhalten. Der Name hat scheinbar die Form 
eines Ethnikon, wie Kambug-ija, Küru-s (mit Vrddhi, zu Kuru-), Eoy- 
^Lccvog bezw. IJoy^Lo? (Pausan. 6, 5, 7) , Ktes. Pers. 44 — 48. 51 Ze-kvv- 
^iav6? mit falschem Nasalstrich für Zo-avdiavog = ap. ^ßugud-ija, und 
vielleicht 'A^ioQyriis Thuk. 8, 28, Ijkisch Humrhha Xanth. Süds. 50 (im 
Akkusativ humrkkä), ^milyisch" umrggazn Nords. 50, dessen Grossvater 
Wistäspa Satrap der Baktrier und Saken gewesen war Diod. 11, 
69, 2. Thuk. 1, 115. Ktes. Pers. 20, weshalb die Vermutung nahe liegt, 
dass er nach den Sakäh Haumawa[rgah\ {'AiLVQyioi) benannt ist, wie der 
Sakenkönig 'A^ogyris Ktes. Pers. 3. 7. 8 und der von Dareios bekriegte 
Sakenkönig '0^c^())'73? Polyain. 7, 12 (oben S. 86; Justi, Iran. Namen- 
buch 14/15 erklärt den Namen als altp. *humarga , schöne Wiesen be- 
sitzend"). 

Mit den Habirdip, auch Hal-hirdi (Beh. II 7. III 50), Al-la-bir-di 
NR. 17, altsusisch Hal-Habirdipe (Sutruk-Nachunte C 24 bei Weiss- 
bach, Anzanische Inschriften und Vorarbeiten zu ihrer Entzifferung 
S. 19 = Abhandlungen der sächs. Ges. d. Wiss. Phil. -bist. Kl. XII 2 
S. 135; vgl. dazu Weissbach, Neue Beiträge zur Kunde der susischen 
Inschriften S. 26. 37 = Abh. d. sächs. Ges. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. XIV, 7 
S. 754. 765; Jensen, ZDMG. 1896, S. 246; Hüsing, Elamische Studien 
S. 17 = MVAG. III, 1898 S. 295) in Susiana hat der Name Bardija 
nichts zu thun, wie die medische Form zeigt; ebensowenig mit den 
Magdoi (Her. 1, 125. Strab. la 13, 3. 6 p. 523. 524. ts 3, 1 p. 727 u. a.) 
in der nach ihnen benannten persischen Landschaft MaQÖvrivri, die bis 
zum Meere reichte Ptol. 6, 4 p. 398, 2. Denn die Mägdoi waren unter 
diesem Namen oder unter der Nebenform "A^iagdoi auch im nördlichen 
und östlichen Iran, in Armenien (vgl. den Gau Marda-stan in der 
Provinz Waspurakan Ps. Mos. Chor. Geogr. p. 32, 28 = 43 d. Übs. und 
den Gau Mard-ati in der Provinz Taruberan eb. 31, 12) so gut wie in 
der Umgegend von Amul (*Amrda) in Tabaristän und von Amul am 
Oxus verbreitet (vgl. oben S. 29 A. 57), und ihr Name Mard lebt 
noch bei den arabisch-persischen Genealogen als der des Stammvaters 
der Kurden fort (Mas'Qdl, Kitäb attanbih a1, 9. Murüg III 250, 7), die 

sowohl in Persis (in den oLS'bJl ^y^\y J^QJDJ J V^*>o a. 424) wie in 

Armenien neben ihnen genannt werden (vgl. Th. Nöldeke, Kardü 
und Kurden. Festschrift für H. Kiepert S. 78 £). 

Aischylos Pers. 774 nennt den Usurpator Mdgdog, wofür ein 
Scholion im Mediceus MuQdig lesen möchte. Der Scholiast selbst 
nennt den Bruder des Kambjses nach unbekannten Quellen Megdiccg 
= Brdija, und eine verwandte Form, nämlich MiQ$ig setzt auch 
Herodots Eiiiqdig voraus. Dieselbe lag wohl auch dem Pompeius 
Trogus vor, dessen Mergidem (Akk.) nur auf Dissimilation für ^Merdidem 
= Miqdiv beruhen wird. Auf die medische Form Brzija scheint da- 
gegen ein bisher missverstandenes Bruchstück des Hellanikos zurück- 
zuweisen. Am oberen Seitenrande (vor v. 749) findet sich im Mediceus 
das Scholion: KvQog TtQ&tog TtQOöaKf^öato TliQGaig t7]v äq^riv Mridiov 
cccpsXoiisvog. Kvqov vlbg Kaiißvorig, adsXq)ol ^h xata "KlXdviytov Mdga- 
tpig, Miqtpig. Das Scholion will die Verse 769 — 777 (nach der Zählung 
Wecklein' s) erklären, in denen wohl von Kyros und seinem Sohne 
Kambyses, sowie von dem Usurpator, der den Namen des Bruders des 
Kambyses {Mdqdog) annahm, die Rede ist, aber nichts von einem 
Bruder des Kyros erwähnt wird. Das Scholion ist also notwendig ver- 
dorben überliefert und herzustellen : Kvqov vlbg Ka^ßvarig, (Kaiißvaovy 
^h ccSsXcpbg oicctcc ^EXXccvl-hov MccQacpLg <(xal)> M£Qq)ig. Diesem Scholion 



138 J« Marquart, 

Fischesser gesandten Bogen bis auf zwei Fingerbreiten zu spannen i). 
Dies verschaffte ihm späterhin im Volksmunde den Beinamen Tanu- 
wazrka (Ktes. Tavvo^dQ%rig) „von gewaltigem Körper", welcher 
ihn dem Heros Sijäwarsan der Heldensage an die Seite stellte,, 
an den er auch durch seinen tragischen Tod in der Blüte der 
Jugend erinnert. Die Volkstümlichkeit, welche Bardija so erlangt 
hatte, erregte die lebhafte Eifersucht und Besorgnis des neuen 
Königs. Ob Kyros vor seinem Tode in der That den Bardija 
zum Prinzstatthalter {Seöitoxriv) der Baktrier, Choramnier, Parthier 
und Karmanier ernannte, wie Ktesias behauptet, lässt sich mangels 
anderweitiger Nachrichten nicht mit voller Bestimmtheit ent- 
scheiden. An und für sich wäre es sehr wohl denkbar, dass er 
auf diese Weise für einen wirksameren Grenzschutz sorgen wollte, 
indem er die militärische und Steuerkraft dieser vier Provinzen in 
einer Hand vereinigte. Allein die ganze Episode, deren Abschluss 
jene Angabe bildet, leidet an einer Reihe von Anachronismen 



verdankt dann weiter der unechte Vers 780: sxrog öh Mccqacpig, E'ßdo^og 
d' 'AQtacpQEvrig seinen Ursprung. Mdgacpis und M^gg^Lg sind also zwei 
aus den alexandrinischen niva-aeg in ein Lexikon übergegangene Les- 
arten des Namens des Bardija bei Hellanikos. Das Richtige ist wohl 
^MccQcpig, eine Umschreibung welche die spirantische Aussprache des 
d nach r, also Bardija voraussetzt, wobei die Spirans d durch cp 
statt -9" wiedergegeben ist; vgl. phl. Fretön, neup. ..^«Aj^ = *@rai- 
tauna. Vielleicht geht jene Form aber auch von einer kleinasiatischen, 
der armenischen verwandten Aussprache *ßrzija mit z (dz) aus. 

Ein ähnliches Beispiel für die Ersetzung einer dentalen durch 
eine labiale Aspirata bezw. Spirans scheint bei Strab. lcc 14, 5 p. 528 
vorzuliegen, wo unter den von Zariadris seinem Reiche hinzugefügten 
Provinzen neben Sophene und 'Odoy,avrig auch 'ÄiLcpi66r\vri genannt wird. 
So las Steph. Byz. s. v. "A(icpi66ci, während die Hss. ä%i6r\vfig, die Aid. 
cc\Liü7ivfig bieten. C. Müller^stellte dafür 'AvQ'iGrivfig her n&ch.'Av^Lt'qv'^ 
Ptol. 5, 13, 8, allein diese Änderung ist zu gewaltsam. 'Aiiq)L6[a]riv7] 
geht nicht auf Anzit, HanziP , assyr. Enziti zurück, sondern auf die 
in den assyrischen Inschriften mit letzterem wechselnde Nebenform 
Enzi [vgl. Max Streck, ZA. XHI, 91—94]. Die gleichbedeutenden 
Nebenformen Enzüe und Enzi wurden später so differenziert, das erstere 
auf das Thal Hanzit' am Jajj^P ^i, die zweite auf das Grebiet des 
Flusses von Simsät (Arsamosata) , des heutigen Muräd-su, beschränkt 
wurde, das y.aVov Ttsdiov des Polybios (8, 25, 1), armen. Anzean-zor. 
Vgl. Tomaschek, Historisch -Topographisches vom oberen Euphrat 
und aus Ost-Kappadokien. Festschrift für H. Kiepert S. 138. 

AKIUrivfig der Hss. ist also zunächst aus ABi67]vfig und dies aus 
'A'^{rp)L6rivfig verdorben. 'Aiicp-i6-rivri steht allerdings für *'Av^-L6-rivri 
und setzt einen armenischen Akk.-Lokativ plur. ^Anzi-s voraus, wofür 
später die abgeleitete Nebenform Anze-an (mit Suffix -an, wie Base-an^ 
^aoi-avri von ^ä6ig) gebräuchlich ist, wie 'Ay,Ll-L6-rivri = '^Aküi-s, 
altarm. gen. abl. Ekei-eac', "Aviöa = *Ani-s ist. 

^) Die Geschichte ist später nach Afrika übertragen und in den 
äthiopischen Feldzug des Kambyses eingereiht worden Her. 3, 30. Die 
weitere Ausführung dieser Andeutungen muss einem andern Orte vor- 
behalten bleiben. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 139 

und trägt völlig den Stempel ktesianischer Komposition. Bei 
Ktesias vertritt die Stelle des verhängnisvollen Massagetenfeldzuges 
ein solcher gegen die Derbiker oder TsQßi-öaoC d. h. die Bettler^). 
Diese, von indischen Hilfsvölkern mit Kriegselefanten versehen^ 
bringen der persischen Reiterei eine schwere Niederlage bei, wobei 
Kyros selbst von einem Inder tödlich verwundet wird. Da er- 
schienen zur rechten Zeit 20 000 sakische Reiter unter ihrem 
König ^A^oQyrig (Haumawarga) , welche den Persern zu einem 
entscheidenden Siege verhalfen. Vor seinem Tode ernannte Kyros 
seinen älteren Sohn Kambyses zu seinem Nachfolger, den jüngeren 
Tanyoxarkes setzte er zum steuerfreien Herrscher der Baktrier, 
Choramnier, Parthier und Karmanier ein, während er seine beiden 
Stiefsöhne Spitakes und Megabernes, die Enkel des Mederkönigs 
Astyages, zu Satrapen der Derbiker und der schon früher unter- 
worfenen Barkanier machte. Die Dienste des Sakenkönigs wusste 
er so zu schätzen, dass er diesen und seine eignen Erben eidlich 
verpflichtete, sich gegenseitig Freundschaft zu halten (Ktesias 
ecl. 6—8). 

Es ist nicht schwer einzusehen, dass die Unterwerfung der 
im 10. und 11. Buche des Ktesias genannten Völker, der ge- 
rechten JvQßatoL zwischen Baktrien und Indien 2), der wilden 
XcoQccfivatoL'^) , der Kaspier und Derbiker erst von Dareios auf 
Kyros übertragen ist. Zu dem von Dareios übernommenen Be- 
stände des Reiches gehörten Gandära, sowie die Saka und ©atagus*). 
Die Eroberung von Gandära durch Kyros wird indirekt durch die 
Angabe bestätigt, er habe die Stadt Kapisa in Capisene im Pör- 
bandthale zerstört ^). Über die Lage von ©atagus wird später die 



1) Ktesias selbst schrieb TsQßiöaoL Die beiden Namensformen 
gehen auf zwei verschiedene, aber gleichbedeutende altiranische Grund- 
formen *drgw-ika und ^drgw-isija mit sonantischem r zurück, wodurch 
das anlautende r bei Ktesias erklärt wird. Es sind dies keine eigent- 
lichen Volksnamen, sondern Schimpfnamen mit der Bedeutung „Bettler", 
womit die Iranier im Naturzustand zurückgebliebene Reste der Ur- 
bevölkerung bezeichneten , die sich vor ihnen in die Gebirge zurück- 
gezogen hatten. Damit sind sowohl die weite Verbreitung dieses Volkes 
als die verschiedenen Namensformen, unter denen es in der Überliefe- 
rung auftritt — ausser den erwähnten noch Drehices Plin. h. n. 6, 48, 
JsQßiKTiai, JsQKsßiOL, jQLßv'Ksg Ptol. VI 2 p, 391 — hinlänglich erklärt. 
Natürlich ergibt sich hieraus von selbst, dass die in verschiedenen Ge- 
birgsgegenden erwähnten Derbiker durchaus nicht sämtlich ein und 
derselben ethnischen Gruppe anzugehören brauchen und man zu der 
Erwartung berechtigt ist, die einzelnen Zweige jeweils unter anderen 
Namen wiederzufinden. Ahnlich verhält es sich mit dem Namen 
'AvaQidv.a.i und wohl auch mit den so weit verbreiteten KdöTiLOi und 
MaQ^OL. 

2) fr. 32 bei Steph. Byz. s. v. 

3) fr. 34 bei Steph. Byz. s. v. 

4) Beh. I 16—17. II 7—8. 
^) Plin. h. n. 6, 92. 



140 J« Marquart, 

Rede sein. Unter den Saka sind hier die sogenannten „Hauma- 
bereiter" Haumawa[rgäh]^) zu verstehen, die von den spitz- 
mützigen Saken {Sakäh tigrackaudäh) jenseits des Jaxartes, welche 
in der spätem Regierungszeit des Dareios unterworfen wurden^), 
scharf zu trennen sind, obwohl schon Herodot 7, 64 beide zu- 
sammengeworfen hat. Die erstem waren von Kyros nach den 
Baktriern unterworfen worden, wie auch die Barkanier, nach 
Ktesias (ecl. 3. 4) vor, nach Herodots Quelle (1, 153) richtiger 
nach dem Falle von Sardeis. Sehr schwierig ist es, die "Wohn- 
sitze der Sakäh Haumawargäh zu bestimmen, die nicht bloss von 
Dareios (Beh. I 16. Dar. Pers. I 18. NR a 25/26), sondern auch 
von Hekataios mit Gandhära verbunden worden waren. Dieser 
sagt nämlich in einem Fragment: KaöTtccTtVQog , %6lig rccvöaQLK'^, 
Zzvd-wv aurrj. Die seltsame Bezeichnung der Stadt Kaspapyros 
als Küste der Skythen (Saken) wird später erörtert werden, 
soviel ist aber auch ohnedies klar, dass auch hier die Saken 
nördlich von Gandhära gedacht sind. Nach Ktesias soll Kyros 
am dritten Tage nach seiner Verwundung gestorben sein^), wonach 
die Saken in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes der Schlacht 
gegen die Derbiker gewohnt haben müssten, allein auf jene Zeit- 
bestimmung ist nichts zu geben, da der Feldzug gegen die Derbiker 
bei Ktesias poetisch zugespitzt ist. Sonst erscheinen die Saken 
in enger Verbindung mit den Satrapen von Baktrien*) und gelten 
im persischen Heere als Kerntruppe ^). Tomaschek sucht sie 
in den heutigen Landschaften Su;;nän (arab. ..Uä^ Siqinän) und 
Rösnän am oberen Oxus (Pang) ^) , womit aber schwer vereinbar 
ist, dass Hellanikos ^A^vQyiov als Ebene der Saken bezeichnet 
hatte 7). 

Die Kaspier sind im Verzeichnis der Steuerbezirke (Her. 3, 93) 
nach der Quelle B mit den Saken als 15. Bezirk zusammengeordnet; 
im Kataloge des Xerxesheeres werden sie unmittelbar hinter den 
ravdaQiOL und JaSUai (7, 67), an einer andern Stelle (7, 86) 
neben den Baktriern aufgeführt, was auf das Land der sog, Käfirs 
oder Sijäh-pös sw. von Citräl, die bei den Indern Kamböga 
heissen, passt. Die Kaspier trugen Röcke von Schaffellen und 
waren mit einheimischen Rohrbogen und Dolchen bewehrt. Noch 



1) [Vgl. über den Namen W. Foy, ZDMG. 54, 359.] 

2) Beh. V 21 ff. NR. a. 25—26. 

^) tavta SLTtag irsXsvtriGs tgirij votsqov äno tov rQccviicctog rjiiSQoc. 
*) Her. 9, 113. 7, 64. Arrian 7,' 10, 5. 

5) Her. 1, 134. 8, 113. 9, 31. 71. Arrian 3, 13. Vgl. Duncker, GA. 
4, 569. 

6) Tomaschek, Centralasiat. Stud. I 26. 48 f. 51. H 10. 15 f. = 
SBWA. Bd. 87, 90. 112 f. 115. 

') Hellan. fr. 171 bei Steph. Byz. s. v. 'Ä^Lvqyiov Ttsdlov Uaxav. 



I 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 141 

heute kleiden sich die Käfir in Ziegenfelle ^). Über ihre Be- 
stattungsgebräuche wird berichtet, sie hätten ihre Eltern, sobald 
sie das siebzigste Lebensjahr überschritten, eingeschlossen und 
so verhungern lassen und alsdann in der Einöde ausgesetzt^). 
Hierauf beobachteten sie sie von ferne und priesen sie glücklich, 
wenn sie sahen, dass sie durch Vögel von der Bahre herabgerissen 
wurden, weniger jedoch, wenn dies durch wilde Tiere oder Hunde 
geschah, und wurden sie überhaupt nicht berührt, so hielten sie 
sie für unselig^). Diese Bestattungsweise erinnert zum Teil an 
die der Baktrier, welche die durch Krankheit und Alter Ge- 
schwächten besonders dazu aufgezogenen Hunden vorwarfen^), ist 
jedoch humaner als diese ^). Die Sitte der Kaspier, die Toten in 



^) Lassen, Ind. Altertumskunde F 514. 

^) Damit ist zu vergleichen die Erzählung des Ktesias ecl. 5 über 
den Tod des Astyages. 

^) Strab. icc 11, 3 p. 517. 11, 8 p. 520. Dass die östlichen Kaspier 
gemeint sind, wird dadurch nahegelegt, dass ihre Bestattungsweise an 
der ersten Stelle mit der der Baktrier verglichen wird. Da dieselbe 
aber bei Euseb. TtQOTt. svayy. I 4, 7 (nach Bardai^än?) mit jener der 
Hyrkanier zusammengestellt wird und Strabon p. 520 vor ihnen von 
den Tapuren handelt, ist es ebensogut möglich, dass die Kaspier im 
Süden des Kaspischen Meeres gemeint sind oder wenigstens Strabons 
Gewährsmann (Poseidonios) die aus einer alten Quelle stammende 
Nachricht auf jenen Stamm bezogen hat. Letzteres ist mir das Wahr- 
scheinlichere. 

^) Strab. Ki; 11, 3. Im Buche der Gesetze der Länder ist dies auf 
die Meder bezogen. 

^) Die Kaspier waren auch humaner als die Hyrkanier, welche 
(die Greise) lebend den Vögeln und Hunden vorwarfen Euseb. TtQOTt. 
svayy. 1 4, 7. Man hat daher kein Recht, sie mit den kannibalischen 
Derbikeru, Issedonen, Tibetern und Massageten auf eine Linie zu 
stellen, wie Tomaschek thut (Kritik der ältesten Nachrichten über 
den skythischen Norden I 85 f. 46. 62 f ). Plin. h. n. 6, 55 sagt aller- 
dings : Ab Attacoris gentis Thuni et Focari (1. Funi et Thocari) et iam 
Indorum Casiri introrsus ad Scythas versi humanis corporibus vescun- 
tur, allein diese indischen Kannibalen dürfen nicht zu CASPII ge- 
macht werden, da ihr Name bei Plin. 6, 64 als Cosiri wiederkehrt. Die 
Hypothese, dass die KdomoL die Urbevölkeruag des Hindukus dar- 
stellen, als deren einzige Reste die beherzten Buris oder KangütT, 
afghanisch Chagüna zu betrachten seien, die sich bis zum heutigen 
Tage in den Thälern von Hunza, Nagar und Jasin erhalten haben und 
eine isolierte Sprache, das Burusaski sprechen, die wie das Baskische 
bis jetzt an keine bekannte Sprachgruppe angeknüpft werden kann 
(Tomaschek a. a. 0. I 42. 62 f. II 52), hängt somit in der Luft. 
Dagegen kehrt die Sitte der Kaspier, die Toten in der Einöde den 
Vögeln auszusetzen, im Lande des Taxiles wieder, wo der Tote den 
Geiern vorgeworfen wurde Strab. ls 6, 62 p. 714. Vgl. Lassen 11^ 154. 
Da wir die Bedeutung und einheimische Form des Namens KdcTCioi 
nicht kennen, so wissen wir nicht, ob die östlichen Kaspier mit den 
gleichnamigen Stämmen im Süden und Südwesten des Kaspischen 
Meeres, pers. Käsp = arisch ^Käsiva neben Käs-ah (vom Volksnamen 
abgeleitete Ortsnamen, oben S. 27 A. 3, also wohl Vrddhiformen ?), 
wie wispa neben wisa-^ irgend etwas zu thun haben. 



142 J- Marquart, 

der Einöde auszusetzen , hat sich aber bis heute bei den Käfirs 
erhalten, welche die Toten in hölzernen Särgen auf den Gipfeln 
der Berge aufstellen^). Gehören die Kaspier nach Käfiristän, so 
müssen auch die Sitze der Saken westlich von Su;/nän, etwa in 
Mungän, Sangliö und Zebak im Gebiete der Quellflüsse des Kokca 
gesucht werden, wo noch heute sogenannte „Pämirdialekte" ge- 
sprochen werden. Einen naturwissenschaftlichen Anhaltspunkt für 
die Bestimmung des Landes der Kaspier bieten die Angaben des 
Ktesias über die weissen hornlosen kaspischen Ziegen sowie die 
dortigen Kameele, deren Haare an Weichheit selbst die milesische 
Wolle übertrafen: cclyeg öh Kdöitiai yivovxai Xev%al l(j%VQa)g %al 
xf^aTWV 8b ayovoi, ^mqal tb (liysd'og %ai öLfial. KdfiriXoL ö^ agid"- 
liovvtaL TtXelovg, at fisyLatai, xarcc tovg LTtitovg tovg fisyLörovg^ 
evxQLXsg ayav. AnaXal yccQ h<Sl CcpoÖQa at rovtcov TQL%8g a)g %al 
tOLg MdrjöloLg igtoLg dvtiocQlvsad-ccL rr}v fiaka%6rrjta' ovnovv i% 
rovTcov Ol LSQetg iöd'rjta d^cpLBvvvvxai %al ot rrov KaöTtlcov TtXovöLco- 
xaxot xs nal dvvaxcoxaxoL-). Es ist zu wünschen, dass Forscher, die 
in der Lage sind an Ort und Stelle Erkundigungen einzuziehen 
— ich denke vor allem an M. A. Stein — diesen Wink nicht 
übersehen mögen ^). 

Weit roher und ursprünglicher als die Kaspier waren die 
Derbiker. Dürfen wir die Schilderung, welche Strabon nach viel 
älterer Quelle von diesem Volke gibt, auf die TeQßiGöol des 
Ktesias beziehen, so wurden bei diesen die Männer, welche das 
siebzigste Jahr überschritten, geschlachtet und von den nächsten 
Verwandten verzehrt; alte Frauen wurden erdrosselt und dann 
begraben, auch die vor dem siebzigsten Jahre Verstorbenen wurden 
nicht verzehrt, sondern begraben*). Die Übereinstimmung dieser 
Bräuche mit denen der Massageten ^) ist wohl für Ktesias mit die 
Hauptveranlassung gewesen, den letzten Feldzug des Kyros von 
den Massageten zu den Derbikern zu verlegen^). Sie trugen zum 



1) Lassen, Ind. Alt. P 520. 

2) Ktes. bei Aelian. hist. an. 17, 34; kürzer bei ApoUon. bist, 
mirab. 20. 

^) Dürfte man annehmen, dass Ktesias sieh einer Verwechslung 
schuldig gemacht habe und jene geschätzte Wolle nicht von Kamelen, 
sondern von den kaspischen Ziegen gewonnen wurde, so könnte nur 
die Wolle der Schalziege Ladakhs gemeint sein (vgl. Lassen I"^ 46 f. 
^68. II 569) und die Sitze der Kaspier wären viel weiter östlich, näm- 
lich im westlichen Himalaja zu suchen. Allein eine solche Verwechslung 
ist um so unwahrscheinlicher, als die Ausdrucksweise des Ktesias voraus- 
setzt, dass die kaspischen Stoffe als Handelsartikel nach Persien kamen 
und hier der milesischen Wolle scharfe Konkurrecz machten. Er hatte 
somit Gelegenheit, sie selbst zu sehen. Überdies ist die Lanze des 
persischen Mannes schwerlich je so weit östlich vorgedrungen. 

*) Strab. tf^ 11, 8 p. 520. 

^) Her. 1, 216. Strab. m 8, 6 p. 513 (beide aus Hekataios). 

^) ^S^- Euseb. TtQOTt. svayy. I, 4, 7, wo Massageten und Derbiker 
(nach BardaiQän bezw. Poseidonios) direkt gepaart sind. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 143 

Teil noch Lanzen mit im Feuer gehärteter Spitze ^), wie die Oreiten 
in Gadrosien 2). Diese Derbiker, welche von den Indern Hilfs- 
truppen erhalten, müssen in der Nähe des oberen Indus gesucht 
werden, können also nur von Gandhära aus bezwungen worden 
sein. Sie darf man mit Recht als Rest einer unarischen Ur- 
bevölkerung ansprechen ^). 

Die Unterwerfung der JvQßatoL hängt mit der Eroberung 
des oberen Industhaies bis zur grossen Beuge oberhalb Bungi ein- 
schliesslich der von den Dardstämmen bewohnten Gebiete von 
Cilas und Gilgit zusammen, die unter Dareios erfolgt ist*) und 
an die sich die Entdeckungsfahrt des Skylax von Karyanda auf 
dem Indus anschloss. 

Für die wilden Xo^d^vioi oder X(OQa^vai0L (Steph. Byz.) würde 
man vielmehr das Kulturvolk von Chwärizm erwarten. Allein 
wahrscheinlich bildete dieses Land bereits zu Ktesias' Zeit wie 
später beim Alexanderzuge ein unabhängiges Reich. Dass der 
Name Xoiqa^vaioi nicht anzutasten ist ^), zeigt auch der Chorograph 
bei Mela I 2 § 13. Plin. 6, 47, wo das Volk Cho<r>amani bezw. 
Comani heisst^). Sie stehen bei Mela neben den Paropanisaden, 
werden also wohl in der Nähe des Hindukus zu suchen sein, wie 
sicher die Te^ßiGGoi und die BaQxdvLot, über welche bereits 
Astyages nach der Eroberung von Baktrien zum Statthalter er- 
nannt worden sein solP). Die Provinz Baktrien schloss Margiana 



^) Curt. 3, 2, 7. Die hier beschriebene Heeresmusterung des Dareios 
(vgl. Diod. 17, 31 , 1 — 2) ist eingestandenermassen der des Xerxes nach- 
gebildet (vgl. c. 2, 2), und zwar unter Benutzung des Ktesias. Der Ver- 
fasser hat die streitaxtbewehrten BagyidvLOi in die Nähe der Hyrkanier 
versetzt und in den Derbikern des Ktesias die in Margiana wohnende 
Gruppe dieses Volkes gesehen. S. Assyriaka des Ktesias S. 609 f. 

2) Nearch bei Arrian Ind. 24, 3. Vgl. Tomaschek, Topogra- 
phische Erläuterung der Küstenfahrt Nearchs S. 18 ^ SBWA. Bd. 121 
Nr. 8, 1890. 

^) Dagegen werden die Kannibalen, welche Megasthenes im in- 
dischen Kaukasos kennt, tibetische Himälajabewohner sein, da er unter 
dem Namen Kaukasos den Paropanisos, Emodos und Imaos zusammen- 
fasst. S. Strab. 15, 1, 56 p. 710: cpriül {Meyaad-^vrig) tovg xov Kav-aaaov 
ol'KOvvtag iv tä cpavsQG) yvvai^l iiLayao^ai xccl aaQxocpaysZv xk t&v 
6vyy£v&v 6co[LaTa. 

*) Her. 3, 94. 98. 102. Dar. Pers. I 17. NR. a 25. 

^) XcoQcc^vatoL ist die Umschreibung eines altpersischen *huw- 
ärämna-, gebildet von ä-räman- -\- hu- und in die a - Deklination über- 
geführt, wie ap. Arij-ärämna-. Der Name bedeutet also „fröhlich" 

und verhält sich zu np. *.3- aus cJiuram = altp. *hu-rama- wie skt. 

suräman zu surarnja--^ vgl. Hübschmann, Pers. Studien 55. Ktesias 
hatte ausführlich von diesen Wilden gehandelt und ihre Behendigkeit 
hervorgehoben (Steph. Byz. s. v.). 

«) S. Unters, zur Gesch. von Eran I 31 A. 136. 

') Ktes. ecl. 8. 5. fr. 32 bei Tzetz. chil. I 1, 82 f. Eransahr S. 220 ff. 



144 J« Marquart, 

ein, ebenso wie zu Parthien von jeher auch Hyrkanien gerechnet 
wurde (Beh. III 10—21. II 92—98). Im Anfange der Regierung 
des Dareios finden wir sowohl in Parthien wie in Baktrien eigne 
Satrapen, die ohne Zweifel schon von Kambyses eingesetzt waren: 
dort gebot Dareios' Vater Wistäspa^), in Baktrien ein Perser 
Dädrsis. Eine Satrapie Karmanien aber hat es unter Kyros über- 
haupt noch nicht gegeben, vielmehr ist dieselbe erst im Laufe 
des fünften Jahrhunderts entstanden. Zunächst wurde unter der 
Regierung des Dareios die bis dahin zu Pars gehörige Landschaft 
Jutijä mit dem Vororte Krmäna'^) infolge ihrer Teilnahme am 
Aufstande des Wahjazdäta (Beh. 3, 23) von Pars losgetrennt und 
mit Asagarta (Köhistän) , Zranka , den Qa^avaioi (Arachosien), 
Maka {Mvnoi) und den Inseln des erythräischen Meeres zu einer 
Satrapie vereinigt (Her. 3, 93), wodurch sie des dem Stammlande 
Pars vorbehaltenen Privilegs der Steuerfreiheit verlustig gieng. 
Doch auch jetzt behielt sie den alten Namen Jutijä {OvtLOi) bei, 
unter welchem sie noch im Katalog des Xerxesheeres (Her. 7, 
68. 86) erscheint^). Erst später übertrug man den Namen der 
Hauptstadt auf die Landschaft; daher die FeQfjiccvLOt {Krmäna)^) 
gleich den Asagarta als besonderer persischer Stamm Her. 1, 125. 
Nach alledem wird man gut thun, auf die Angabe des Ktesias 
über das angebliche Vizekönigtum des Tanyoxarkes zu verzichten, 
zumal Dareios in seiner Inschrift mit keiner Silbe andeutet, dass 
Bardija eine derartige Stellung innegehabt habe, ebensowenig wie 
Herodot. Dazu kommt, dass Ktesias' Darstellung des Ausgangs 
des Kyros mit Zügen aus Herodots Roman über das Ende des 
Kambyses ausgestattet worden ist : die tödliche Schenkelwunde 
Ktes. ecl. 6 vgl. Her. 3, 64, Vermächtnis an die Erben bezw. die 
Perser, Verheissung von Segen für die Ausführung, Androhung 
des Fluchs für die Missachtung desselben Her. 3, 65. Ktes. ecl. 8^). 
Ich habe daher schon früher vermutet, dass das angebliche Vize- 
königtum des Tanyoxarkes-Bardija in Ostiran dem Kyros' III. in 
Kleinasien nachgebildet sei^). Diese Erfindung lag um so näher, 



^) Bei Her. 3, 70. 72 ist ParQ'awa mit Parsa lUgaai verwechselt. 

^) In diesem Sinne ist der Name Kagiiavlcc bei Berossos aufzu- 
fassen. Dieser hatte berichtet, Kyros habe dem Nabünäi'd nach der 
Einnahme von Babylon Karmanien als Aufenthaltsort angewiesen (Jos. 
gegen Apion I 153), Abydenos aber macht daraus, Nabünäid sei zum 
Fürsten von Karmanien eingesetzt worden (Euseb. Chron. I 30 
Aucher = I 41, 35—36 Schöne). 

^) Her. 7, 86: wg d' avtcag Kccgtiioi y.al IlaQLxdvLOi i6s6cc%axo 
oiioiag %al iv t& tcs^ü. Für KAZIIIOI ist zu lesen KAI OTTIOL 

*) Die Umschreibung des k durch y erklärt sich durch das folgende 
sonantische r. Ebenso wird BaQv.dviOL, Bariani (= BAPFANOI?) neben 
*Fergenn, Pariani (= UAPFANOI?) zu beurteilen sein. 

5) Vgl. aber auch Beh. IV 36—45. 52—59. 67—80. 86 ff. 

^) Die Assyriaka des Ktesias S. 619 f. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 145 

als in der That im 5. Jahrhundert eine ganze Reihe von Mit- 
gliedern des Königshauses die Würde eines Satrapen von Baktrien 
bekleidet haben. Ganz seltsam und unwahrscheinlich nehmen sich 
die angeblichen Satrapen der Derbiker und Barkanier aus. Sollten 
die diesbezüglichen Angaben des Ktesias irgendwelchen thatsäch- 
lichen Hintergrund haben, so könnte es sich nach Analogie des 
Schicksals des Kroisos^) und Nabünäid^) nur um Verbannungs- 
orte handeln, welche Kyros und sein Sohn dem entthronten 
Mederkönig und seinen Enkeln angewiesen hätten. Doch sind 
die Behauptungen des Ktesias auch in dieser Modifikation un- 
wahrscheinlich. 

Ehe Kambyses gegen Ägypten zog (Frühling 525), liess er 
seinen Bruder durch den Hazarapet Prexaspes ermorden, nach einer 
Version auf der Jagd bei Susa, nach anderer Angabe wäre er ins 
erythräische Meer (den persischen Golf) gestürzt worden; vermut- 
lich war er also schon vorher avdöTtccarog auf einer Insel dieses 
Meeres (vgl. Her. 3, 93. 7, 80). Zum Majordomus bestellte Kambyses 
vor seinem Aufbruche für die Zeit seiner Abwesenheit einen Magier 
Gaumäta-^). Sein persischer Titel lautete *pati-chsajah-wi&-a = 
aw. "^pati-xsajat-wis-a, bei Dionysios von Milet TlaN^ov^rig lies 
naTI^ov&rjg (Schol. zu Her. 3, 61), bei Her. 3, 61 u. s. w. Tlart- 
^sld-Tjg für nari,^eld"rig, wovon uns bei Herodot 3, 61. 63. 65, 22 die 
genaue griechische Übersetzung (leUöcovbg oder EititqoTCog r&v ohitov 
vorliegt. Herodot hat hier drei Quellen verarbeitet, von denen eine 
(Dionysios von Milet) den Magier mit seinem Titel Ilari-^ELd-rjg, eine 
zweite mit seinem usurpierten Namen Me^öig, ionisiert ZfjLEQÖcg 
nannte, wie schon Aischylos (MocQÖog). Dies hat dann der Vater 
der Geschichte in der Weise auszugleichen gesucht, dass er zwei 
Magier annimmt, von denen der eine, der eigentliche Träger der ge- 
raubten Krone, namens UfiiQÖig^ nur der Strohmann des Majordomus 
ist*). Auch der Gewährsmann des Pompeius Trogus hat mehrere 
Quellen herangezogen, darunter eine sehr alte, welche noch den 



1) Ktes. ecl. 4. Justin. I 7, 7. 

2) Siehe S. 144 Anm.2. In der Nabünäid-Kyros-Chronik Kol. III 16 
(KB III 2, 135) wird nur die Gefangennahme des babylonischen Königs 
erwähnt, über seine weiteren Schicksale ist dagegen im erhaltenen 
Teile der Tafel nicht die Rede. Die Bemerkung des Abydenos: 
'}im^i5r4 f/#^ur^ jtu^juiujiij^ ilu,tu[thujj ^tb^ „dcr Köuig Dareios ver- 
bannte (ihn) aus dem Reiche (oder: der Provinz)" ist rätselhaft. Jeden- 
falls ist die Inschrift von Behistün der Annahme, dass Nabünäi'd im 
Anfang der Regierung des Dareios, also 17 — 18 Jahre später, noch am 
Leben gewesen sei, wenig günstig. 

^) Sowohl die Inschrift von Behistün wie Aischylos und Ktesias 
kennen nur einen Magier. 

*) Am nächsten berührt sich damit das Chron. Pasch, p. 270 ed. 
Bonn. , wo die beiden Brüder Mi^dioq v.a.1 nat^drrig heissen. Bei 
Hermodoros ist Ucc^dtrig zum Haupte einer Magierschule geworden 
(Assyriaka S. 591), wozu S. 136 zu vergleichen ist. 

Philologua Supplementband X, Erstes Heft. 10 



146 J- Marquart, 

wahren Namen des Magiers, Gometes = Gaumäta, kennt — schon 
Dionysios von Milet wusste ilan nicht mehr — , während eine 
andere, ohne Zweifel bedeutend jüngere, für denselben einen neuen 
Namen Oropastes = ap. *Ahura-upastäh „den Ahura zum Bei- 
stand habend" erfand, der in der That für einen Magier vorzüglich 
passte. Trogus' Gewährsmann hat diese beiden Versionen nach 
dem Vorbilde Herodots gleichfalls in der Weise auszugleichen ge- 
sucht, dass er den Oropastes, der dem ermordeten Mergis überaus 
ähnlich war, von seinem Bruder Gometes, einem der Freunde des 
Kambyses, welcher die Ermordung des Mergis ausgeführt hatte 
(vgl. Ktes. ecl. 10), auf den Thron erhoben werden lässt (Justin. I 9). 

Auf die Eroberung Ägyptens und Äthiopiens einzugehen ist 
hier nicht der Ort. Allein ein Ereignis, das bereits von der 
ägyptischen Überlieferung absichtlich verdunkelt worden ist und 
dessen richtige Einreihung für die Beurteilung des Kambyses und 
seines Verhaltens gegenüber den Ägyptern von grosser Wichtig- 
keit ist, verdient hier kurz erörtert zu werden. Nach der Ein- 
nahme von Memphis wird der König Psammenit trotz des Frevels, 
welchen die Besatzung gegen das Parlamentärschiff des Kambyses 
begangen hatte, von diesem begnadigt, evQ'a tov Xoltvov SiaLxäto 
h'%(ov ovdhv ßlaiov. Herodot meint sogar, wenn er es verstanden 
hätte, sich ruhig zu verhalten, so würde ihm auch persischem 
Brauche gemäss die Verwaltung von Ägypten übertragen worden 
sein, vvv ös fjLrj%ccv(6(jLSvog Ka%cc 6 ^a(i^i^vi,tog eXaße tov (iLöd-ov 
ccTCLöTccg yciQ AlyvTCtlovg rjXco' iitEixe 61 ETtccLörog iysvEXo vitb Kccfi- 
ßvöeco , alfia ravQOv Ttvcov aTti&avs naQaiQrjfia. ovtoD Sr} ovtog 
itslevrriae (Her. 3, 15). 

Die Zeit dieses Aufstands Versuches bleibt bei Herodot un- 
bestimmt. Es leuchtet aber von selbst ein, dass derselbe unmittel- 
bar nach der Eroberung, während die Perser noch im Lande 
standen, heller Wahnsinn gewesen wäre. Im Anschluss daran er- 
zählt Herodot die angebliche Verbrennung der Mumie des Amasis 
in Sais. Dies war indessen keineswegs nationalägyptische Über- 
lieferung, wie Herodot selbst zugibt. Die Ägypter erzählten viel- 
mehr, Amasis habe, durch ein Orakel über das seinem Leichnam 
drohende Unheil unterrichtet , dasselbe durch die Verordnung ab- 
zuwenden gesucht, dass in seiner Grabkammer der Thüre zunächst 
ein Privatmann bestattet werde, er selbst aber höchstens in einem 
Winkel derselben. Herodot hält diese Geschichte zwar für un- 
historisch und prahlerische Ausschmückung seitens der Ägypter, 
allein sie entspricht vollkommen den ägyptischen Verhältnissen, 
und besonders in politisch bewegten Zeiten griff man zu der- 
artigen Mitteln, um die Leichen der Könige vor den Grabräubern 
zu schützen. Man denke nur an den Mumienschacht von Deir 
el bahrl und den berühmten Gräberdiebprozess unter Eamses IX.^) 



^) Er man, Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum 



Untersuchungen zur Gescliichte von Eran. 147 

Die Perser und vollends der König Kambyses haben gewiss mit 
der Schändung der Leiche des Amasis nichts zu thun, dagegen 
ist es sehr wohl denkbar, dass die Grabräuber die Verwirrung, 
welche die feindliche Okkupation hervorrufen musste, zu ihrem 
lichtscheuen Handwerk benutzten und man in Voraussicht dessen 
die Leiche des verstorbenen Königs bei Zeiten in Sicherheit ge- 
bracht hatte. Die andere Version, welche die Mumie des Königs 
durch die Perser verbrannt werden lässt und gegen die religiösen 
Vorstellungen der Perser sowohl wie der Ägypter verstösst, ist 
dagegen offenbar eine Erfindung der ägyptischen Hellenen, 
welche die Nationalägypter an Gehässigkeit gegen Kambyses noch 
überbieten. 

Nach der Rückkehr des Perserkönigs vom Zuge gegen Äthio- 
pien verlegt Herodot die Verwundung des Apis, allein die Motivie- 
rung dieses Frevels ist so absurd wie nur möglich. Nach dieser Un- 
that verfiel Kambyses, wie die Ägypter erzählten, alsbald in Wahn- 
sinn, und so verübte er dann eine ganze Menge anderer Frevel, 
zuerst die Ermordung seines Bruders Bardija — die in der That 
schon vor dem Zuge gegen Ägypten stattgefunden hatte — , dann 
die Misshandlung seiner Schwester und Gemahlin, die Erschiessung 
des Sohnes des Prexaspes. Er schlug seine Residenz in Memphis 
auf und öffnete hier die Grabkammern der alten Nekropole, drang 
in den Tempel der Ptah und der Kabeiren ein und verhöhnte 
die Götterbilder. 

Wie schon die Erzählung von der Verwundung des Apis 
zeigt, an deren Geschichtlichkeit kaum zu zweifeln ist^), lässt die 
Überlieferung den Kambyses seit seiner Rückkehr aus Äthiopien 



S. 189 ff.: Maspero, Hist. ancienne des peuples de l'orient classique 
II 538 SS. 

^) Dass der im Epiphi des 6. Jahres des Kambyses bestattete 
Apis in der That erst kurz vorher geboren war und eines gewaltsamen 
Todes gestorben ist, wird besonders durch das Fehlen der sonst üb- 
lichen Angaben über sein Geburtsjahr und sein Lebensalter nahegelegt. 
Auch der Umstand, dass die Inschrift im Gegensatze zu den übrigen 
offiziellen Apis-Grabschriften schlecht und flüchtig gearbeitet ist, weist 
auf ausserge wohnliche Verhältnisse hin. Leider ist dieselbe auch sehr 
verwittert und nur unvollkommen verständlich. Der nächstfolgende 
Apis, der im 4. Jahre des Dareios starb, soll am 28. Tybi des Jahres 5 
des Kambyses geboren sein. Danach wäre er also noch zu Lebzeiten 
des vorhergehenden Apis geboren worden , was den religiösen Vor- 
stellungen^ der Ägypter vollkommen widerspricht. Wiedemann, Ge- 
schichte Ägyptens von Psammetich I. S. 230 f. sieht in dem Geburts- 
datum dieses Apis eine Fiktion des Dareios, durch welche derselbe 
unter geflissentlicher Ignorierung des von Kambyses getöteten Stieres 
unmittelbar an den diesem vorangegangenen angeschlossen werden 
sollte. Letzterer war aber zu einer Zeit gestorben, als Kambyses 
noch als loyaler Pharao regierte und die ägyptischen Kultgebräuche 
respektierte. Auf diese Weise hätte man zugleich die Ermordung eines 
heiligen Tieres durch einen Vorfahren des Dareios sehr geschickt um- 
gangen, deren Erwähnung sehr peinlich gewesen wäre. 

10* 



148 J- Marquart, 

in ein völlig anderes Verhältnis zu den Ägyptern treten als vorher. 
Wenn man auch noch soviel als Übertreibung oder als von ihm 
nicht gewollte Ausschreitungen seiner Soldateska streichen will, 
so bleibt doch noch genug übrig , um zu zeigen , dass Kambyses 
in der That religiöse Gefühle der Ägypter verletzt haben muss. 
Wie ist dieser Umschlag der Stimmung zu erklären ? Wohl kaum 
aus seiner Missstimmung über das Misslingen des äthiopischen 
Feldzugs; denn trotz des Unfalles des nach der Ammonsoase ab- 
gesandten Korps hatte Kambyses im wesentlichen seinen Zweck, 
die Unterwerfung von Äthiopien, erreicht i). Die einzig befrie- 
digende Erklärung für jene veränderte Haltung des Kambyses 



^) Her. 3, 26 weiss nur von der Verschüttung des nach der Ammons- 
oase ausgesandten Korps, dessen Stärke er freilich mit gewaltiger Über- 
treibung auf 50000 Mann angibt, durch einen Sandsturm. Kambyses 
mit dem Hauptheere wurde nach ihm in der Sandwüste durch Mangel 
an Lebensmitteln, welcher bereits Fälle von Kannibalismus unter seinen 
Truppen heryorgerufen hatte, zur Umkehr genötigt, ohne sein Ziel, die 
langlebigen Athiopen, erreicht zu haben, und gelangte nach starken 
Verlusten nach Theben. Allein gegen diese Darstellung erheben sich 
grosse Bedenken. Denn einmal führte ihn der Weg nach seinem natür- 
lichen Ziele, Meroe, der Hauptstadt des Äthiopenreiches, gar nicht durch 
die libysche Sandwüste, sondern durch das Nilthai ; sodann hatte Kam- 
byses den Zug keineswegs angetreten, ohne Fürsorge für die Verpflegung 
des Heeres zu treffen, wie Herodot behauptet. Er liess vielmehr bei 
Premnis am Nil , unterhalb Abu Simbel und der Katarakte von Wadi 
Haifa Proviantmagazine anlegen, deren Stätte noch in der Kaiserzeit 
unter dem Namen „Markt des Kambyses" oder Kcc^ßvaov taiiista be- 
kannt war (Plin. h. n. 6, 29 § 181. Ptol. 4, 7 p. 301 , 29). Da man sich 
diesen Namen später nicht mehr zu erklären wusste, übertrug man die 
Katastrophe der nach der Ammonsoase abgesandten Heeresabteilung 
auf das Hauptheer und lokalisierte sie an jenem Orte; Strabon i^ 1, 54 
p. 820 bemerkt nämlich gelegentlich der Expedition des Petronius im 
Jahre 24 v. Chr.: ix db Wtlipiog ti-ksv slg Uqtj^vlv iQviivrjv TtoXiv, 
Sisld'oiv tovg Q'lvag, iv olg 6 Ka^ßv6ov 'H.at£%co6Q"ri ütQcctbg i^saovxog 

CCVEflOV. 

Kambyses mag also wohl durch die Strapazen des Marsches und 
mangelhafte Verpflegung viele Leute verloren haben; allein dass er 
sein hauptsächlichstes Ziel, die Hauptstadt des Äthiopenreiches beim 
heutigen Meraui am Berge Barkai wirklich erreicht hat, berichten 
nicht bloss Strab. t-M, 5 p. 790 und Jos. ccqx- 2, 10, 2 § 249 (aus 
Nikolaos von Damaskos), sowie Diodor 1, 33; es ergibt sich noch viel 
sicherer daraus, dass die Athiopen noch zu Herodots Zeit dem Gross- 
könig ihren Tribut zahlten (Her. 3, 97). In der That finden sich unter 
den Vertretern der Völkerschaften des Reiches in den Reliefs der 
Empfangshalle von Persepolis und Naqsch-i Rustam auch Gestalten, 
welche durch das dicke, krause Haar, die aufgeworfene Nase und das 
Tierfell um die Schultern als Neger gekennzeichnet sind. Vgl. Duncker, 
GA. 4 , 419 f. Die Darstellung Herodots hat das südliche Meroe im 
Auge, dessen Trümmer sich beim heutigen Begerawije oberhalb der 
Einmündung des Atbara, über 30 Meilen Luftlinie südlich von Napata 
finden und wo sich wahrscheinlich nach der Einnahme von Napata 
durch die Perser ein neues Äthiopenreich erhoben hatte. Vgl. Duncker 
a. a. 0. 418 N. 1. Der gerade Weg nach dieser Stadt verlässt allerdings 
bei Korosko den Nil und führt mitten durch die nubische Wüste und 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 149 

den Ägyptern gegenüber bietet vielmehr der Aufstandsversuch 
des Psammenit, der nur während der äthiopischen Expedition, als 
der grösste Teil des persischen Heeres nach Äthiopien gezogen 
war, verständlich ist. Psammenit hat also auf die Kunde von 
dem Unfälle des persischen Heeres, welchen das Gerücht sicherlich 
weit übertrieben hatte, die Ägypter zur Erhebung aufgefordert, wie 
einst unter Asurbanipal die Fürsten Neko, Sarludari und Paqruru 
im Rücken des assyrischen Heeres, das gegen Taharqa nach Theben 
marschiert war, einen Aufstand geplant und mit Taharqa ein 
Bündnis zu schliessen versucht hatten i). Allein bald erschien 
Kambyses an der Spitze der vermeintlich im Sande begrabenen 
Perser und hielt ein furchtbares Strafgericht ab. Dies ist die 
„Zeit des grossen Unglückes, das über das ganze Land kam und 
das schwerer war als irgend ein früheres Unglück in Ägypten", 
von welchem die Statue des Wta-Hor-suten-Net erzählt 2). Dass 
Kambyses zu einem solchen Strafgerichte berechtigt war, hat die 
ägyptische Überlieferung dadurch verdunkelt, dass sie den Auf- 
standsversuch des Psammenit schon vor dem Zuge gegen Äthiopien 
erzählt, wo er ganz widersinnig ist, und sich auf diese Weise die 
Möglichkeit geschaffen, den persischen Eroberer als einen blutdür- 
stigen und wahnwitzigen Tyrannen hinzustellen. Die unleugbaren 
und auffälligen Übereinstimmungen des „Epileptikers" Kambyses 
(Her. 3, 33) mit dem König Schaul von Benjamin weiter zu ver- 
folgen ist nicht dieses Ortes ^). 

Infolge der langen Abwesenheit des Königs in Ägypten 
„wurde das Volk feindlich, hernach ward die Untreue (drauga, 
eig. jLüge') zahlreich sowohl in Persien als in Medien und den 
übrigen Provinzen **. Diese lakonischen Worte befriedigen unsere 
Neugier leider allzu wenig, doch darf man ihnen wohl entnehmen, 
dass sich inzwischen die östlichen Provinzen ungebührlich ver- 
nachlässigt fühlten und sich in der Verwaltung manche Miss- 
bräuche eingestellt haben mochten, da man den Arm des Königs 
fern wusste. Von der dadurch hervorgerufenen Missstimmung hatte 
Kambyses ohne Zweifel Kunde erhalten, weshalb er von Ägypten 
aufbrach, um nach der Hauptstadt zurückzukehren. Als er aber 
noch auf dem Marsche war, erhob sich der Magier (14. Wijachna), 
der sich die herrschende Unzufriedenheit zu Nutze machte, und 
erliess überallhin die Aufforderung an die Untertanen, sich um 
das Banner des Helden Bardija zu scharen. Nach Herodots Dar- 



erreicht den Nil erst wieder bei Abu Hamid, indem er so die gewaltige 
Kurve abschneidet, welche der Nil von hier an beschreibt. 

1) Chronologische Untersuchungen S. 75. K. 2675 Z. 36—66 bei 
Winckler, Unters, zur altoriental. Gesch. S. 103—105. 

^) Wiedemann, Geschichte Ägyptens von Psammetich I. bis 
auf Alexander d. Gr. S. 208. 

^) Nach manchen Neueren war bekanntlich auch der Apostel 
Schaul von Benjamin mit Epilepsie behaftet. 



150 J- Marquart, 

Stellung war Kambyses erst bis nach Agbatana in Syrien gelangt, 
als der Bote des Usurpators ihn erreichte und auch seinem Heere 
die Proklamation verkündigte, worauf Kambyses an demselben Orte 
nach ca. 20 Tagen an den Folgen einer zufälligen Verwundung 
stirbt. Dass diese Ortsangabe falsch sein muss, ist unschwer ein- 
zusehen. Denn bei der Ankunft in Syrien hatte der König noch 
nicht den geringsten Grund zur Verzweiflung und zum Selbstmorde 
— welchen Herodots Darstellung freilich verschleiert — , da die 
Entscheidung bei den iranischen Kernprovinzen lag. In der That 
fasste er nach Herodot selbst sofort den Entschluss, in grösster 
Eile gegen den Magier nach Susa zu ziehen, wo sich der Vater 
der Geschichte die Residenz denkt. Der Tod des Kambyses im 
syrischen Agbatana hängt eng zusammen mit dem Orakel von 
Buto, welches die Katastrophe des Königs als eine Strafe der Götter 
für die Verwundung des Apis stempelte (Her. 3, 64). Die ganze 
Erzählung ist also augenscheinlich von ägyptisch -hellenischer Tra- 
dition beeinflusst. 

Allein die Eigentümlichkeiten, welche die Erzählung bietet, 
lassen sich nicht einfach durch die Annahme erklären, dass die- 
selbe ägyptischen Ursprungs sei. Die ägyptische Tradition, welche 
dem Kambyses durchweg sehr feindselig ist, hatte absolut keinen 
Grund, dessen Selbstmord zu verhüllen; im Gegenteil hätte der- 
selbe den Ägyptern eine willkommene Gelegenheit geboten, ihrem 
Rachedurst und ihrer Schadenfreude gegen den verhassten König 
noch mehr die Zügel schiessen zu lassen. Wohl aber hatte man 
in Persien, wo das Religionsgesetz auf die Erhaltung des Lebens 
den höchsten Wert legte und den Selbstmord aufs schärfste ver- 
dammen musste ^) , allen Anlass , das tragische Ende des Königs 
nach Kräften zu verschleiern, das die Perser durch ihren Abfall 
zum Magier, der so grosses Unheil über das Land gebracht hatte, 
selbst mit verschuldet hatten. Die Erzählung von der Schenkel- 
wunde ist also persischen Ursprungs , wie sie sich denn bei 
Ktesias Pers. 12 ganz ebenso findet, und von den Ägyptern ledig- 
lich übernommen worden. Hier ist sie dann mit der Verwun- 
dung des Apis durch Kambyses in ätiologischen Zusammenhang 
gebracht worden. Ganz ebenso ist z. B. die ägyptische Version 
über die Veranlassung zum Zuge des Kambyses gegen Ägypten 
offenbar von der ausdrücklich als persisch bezeugten Tradition 
(Her. 3, 1. 2) ausgegangen^). Daraus ergibt sich aber ohne weiteres, 



1) Vgl. Duncker, GA. IV 438. 

2) Nach der persischen Version soll Kambyses von Amasis eine 
Tochter desselben für sein Harem verlangt haben, und zwar auf An- 
stiften eines ägyptischen Arztes, welchen Amasis dem^ Kyros gesandt 
habe, als dieser von ihm den besten Augenarzt, den Ägypten besitze, 
verlangt habe. Schon dieser Bericht ist nicht einheitlich, sondern ver- 
einigt bereits zwei ältere Erzählungen. Die eine gab offenbar .als Ver- 
anlassung zu dem Bruche an, dass Kyros den besten Augenarzt Ägyptens 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 151 

dass auch der Todesort des Kambyses, Agbatana (selbstverständlich 
das medische) aus persischer Überlieferung stammt. 

Die Frage ist daher: woher ist das syrische Agbatana in 
die vorliegende Erzählung gekommen? Die Antwort ist scheinbar 



verlangt, Amasis ihn aber nicht geschickt habe, worauf Kambyses 
die Rache vollzogen habe, nachdem sein Vater durch den Tod daran 
verhindert worden war. Die andere Erzählung nannte als Motiv den 
Betrug mit der Haremsdame. 

Amasis wollte seine Tochter nicht als Konkubine ausliefern, wagte 
aber auch nicht die Forderung offen abzulehnen, sondern sandte eine 
Tochter des frühem Königs Apries, namens Nitetis. Diese entdeckte 
dem König den Betrug und stachelte ihn zur Rache am Mörder ihres 
Vaters an. 

Es ist freilich absurd, wenn die persische Überlieferung die Nitetis 
eine Tochter des Apries nennt, der schon 570 gestorben war! Allein 
darum wird die Sache selbst keineswegs unwahrscheinlich. Solche 
Düpierungen mit falschen Prinzessinnen kamen im diplomatischen Ver- 
kehr des Orients in alter wie in neuer Zeit vor oder wurden wenigstens 
für möglich gehalten, am Nil so gut wie in Persien und am Hoangho. 
Ein sehr interessantes Beispiel dafür ist ein Brief des Königs Nibmuaria 
(Amenophis III.) an den König Kadasman-Bel von Kara-Dunijas 
(Babylonien) ; s. Hugo Winckler, Die Thontafeln von Tell-el-Amarna 
Nr. 1, 10 — 44. KB V. Ein anderer Brief zeigt, dass man sich unter 
Umständen mit irgend einem schönen Weibe zufrieden gab , das man 
für eine Prinzessin ausgab, wenn eine solche verweigert wurde: „Nun 
hast du, mein Bruder, nicht (sie) geben zu wollen [gesagt], da ich, um 
deine Tochter zu heiraten, an .dich schrieb, mit den Worten: ,von 
jeher ist eine Königstochter von Ägypten niemandem gegeben worden'. 
Warum das? Du bist König und kannst nach deinem Willen handeln. 
Wenn du sie gibst, wer soll dann etwas (dagegen) sagen? Als man 
mir dieses (deine Antwort) gesagt hatte, da schrieb ich damals: ,es 
gibt erwachsene Töchter und schöne Weiber. Wenn irgend ein schönes 
Weib da ist, schicke es. Wer sollte sagen: sie ist keine Königstochter?' 
Wenn du aber überhaupt keine schickst, dann wirst du nicht auf 
Brüderschaft und Freundschaft bedacht sein" (eb. Nr. 3, 4 — 15). Nach 
diesem Rezepte hat offenbar auch Amasis gehandelt, nur ohne dass 
Kambyses damit einverstanden gewesen wäre. Nitetis war natürlich 
weder eine Tochter des Apries, noch des Amasis, sondern irgend eine 
schöne Haremsdame, die für eine Prinzessin ausgegeben wurde. Vgl. 
dazu die ganz ähnlichen Fälle bei Prise, fr. 33 und Balä^. 195, 12 ff., 
wo der Sasanide Peröz den Hephthalitenkönig und Chosrau Anösarwän 
den Chagan der Westtürken in derselben Weise düpiert. 

Die Ägypter übernahmen die persische Erzählung, änderten sie 
aber dahin ab, dass bereits Kyros von Amasis jene Tochter des Apries 
erhalten habe und dieselbe hernach die Mutter des Kambyses geworden 
sei. Auf diese Weise stammte also Kambyses in weiblicher Linie von 
den Söhnen des Re' selbst ab, war demnach gegenüber dem Usurpator 
Amasis der eigentliche Träger der Legitimität. Diese Erzählung fand 
sich auch bei Deinen und Lykeas von Naukratis (Athen. 13, 10 p. 560). 
Doch protestiert bereits Herodot mit Recht gegen dieselbe und deckt 
ihre Ungereimtheiten auf. Dieser kennt dann noch eine dritte Er- 
zählung, welche die persische und ägyptische Version verbindet und 
den Keim zu dem Hasse des Kambyses gegen Ägypten in der Eifer- 
sucht seiner Mutter Kassandane, der rechtmässigen Gremahlin des Kyros, 
gegen ihre ägyptische Nebenbuhlerin Nitetis sucht. 



152 J. Marquart, 

sehr leicht: durch das Orakel von Buto. Um aber eine befrie- 
digende Antwort auf jene Frage geben zu können , müssen wir 
zunächst wissen, wo dieses syrische Agbatana lag, was immerhin 
nicht ganz leicht ist. Denn mit dem Städtchen Bccravsta, wie 
Steph. Byz. glaubt, das den Namen der Landschaft Basan im 
Ostjordanlande bewahrt hatte, hat der Name nichts zu thun, so 
wenig als mit Bdxava am Euphrat^) d. i. Batnae in der Gegend 
von Anthemusias Kass. Dion 68, 23, 2. Hierokles p. 714. Prokop. 
b. Pers. II 12 p. 209, 17. de aedif. II 7 p. 230, 22. Zosimos 3, 
12, 2. Geogr. Rav. 2, 13. Steph. Byz. s. v. Baxvai etc. Vgl. 0. Müller 
zu Isidoros v. Charax Gxa^^ol TlaqQ'L'Koi § 1. Geogr. Gr. min. I 246. 
Auch die Deutung auf Hamäth in Syrien, ass. Hamattu^ Ämattu, 
an welches Gutschmid^) dachte, ist abzulehnen, obwohl jene 
Stadt an der grossen Heerstrasse lag, die von Gaza der philistä- 
ischen und phönikischen Küste entlang nach Tyros und von da 
über Damaskos ins Thal des Orontes führte, um dann bei Apameia 
nordöstlich über Chalkis und Aleppo zum Euphrat abzubiegen. 
Jedenfalls ist dabei der Ort "Afiad'a, der nach Steph. Byz. zu 
seiner Zeit "A%^a&a hiess, aus dem Spiele zu lassen, da derselbe 
nicht in Syrien, sondern in der Provinz Arabia lag^). Sach- 
gemässer ist die Kombination der Quelle des Josephos aQ%. 11 
§ 30 (wohl Nikolaos von Damaskos), welche den Kambyses in Da- 
maskos, der Hauptstadt der Provinz 'Abar nahrä (Arbäja) sterben 
lässt. Doch ist dies natürlich lediglich Verbesserung Herodots^ 
nicht Überlieferung. Bei Josephos vit. § 54. 56. 57 wird aller- 
dings ein Ort ^Enßdtavcc erwähnt, der aber in Batanea (Basan), also 
im Binnenlande gelegen haben muss und daher ebenfalls nicht 

passt. Es liegt diesem Namen wohl syr. j K^p v „vestigium" zu- 
grunde. Dagegen nennt Plinius h. n. 5, 75 eine Stadt Ächatana auf 
dem Karmel, in der Nähe der Küstenstrasse. Seine Worte lauten : 
Fuit oppidum Crocodilon, est flumen, memoria urbium Dorum, 
Sycaminum, promunturium Carmelum et in monte oppidum eodem 
nomine, quondam Acbatana dictum. Dass Plinius' Gewährsmann 
diesen Namen aus einer alten Quelle hatte, beweist nicht nur seine 
Bemerkung, dass der Name jetzt verschollen sei, sondern auch die 
altertümliche Namensform, die ein Späterer sicher der seit Alexan- 
der d. Gr. gebräuchlichen Benennung der berühmten medischen 
Hauptstadt ^E%ßdtava angenähert hätte, so gut wie Josephos. 



^) Steph. Byz. s. v. 'Ayßdtavw TtoXixviov 2JvQLag, 'Hgodotog rgito). 
OL dh vvv BatdvELav avxr]v "nalovci. Derselbe s. v. Baxuviai- owoiTtlcc 
ÜVQiag, 7] xal Bcctavia svLK&g. £6xi xal Bdxava nqbg xd> Evcpgdxr]. 
Vgl. Stein zu Her. 3, 64. 

2) Gutschmid, Neue Beiträge zur Geschichte des alten Orients 
S. 96. Duncker, GA. IV 434/35. 

^) Steph. Byz. s. v. '^.iiad'a- ovdsxiqtog, xfig idgaßlag %o>Qiov, otvsq 
dia xov X vvv liyov6Lv "Ay,(iaxl'a. -ai-idTixai äh UTtb xfjg ipdii^ov. cpa6l 
yaQ, xb Ttolv xi]g 'Agaßiag vnb xijg 'Egvd'Qäg itdlai y.axaydv^sed'ai. 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 153 

Ist es aber denkbar, dass dieser obskure phönikische Küsten- 
ort in Ägypten allgemein bekannt war, sodass das Heiligtum von 
Buto ihn in einem Orakel verwenden konnte? Wir dürfen diese 
Frage getrost verneinen. Die Erzählung ist in ihrer vorliegenden 
Form deutlich das Produkt mehrfacher Überarbeitung. Das Orakel 
entnahm der auf ägyptischen Boden verpflanzten persischen Tradi- 
tion den Namen ^Ayßdtava (ap. Haymatäna, babyl. Ägamtanu, jüd.- 
aram. Nr73nN) und verstand darunter, wie alle Welt, die medische 
Hauptstadt. Die ägyptischen Priester behaupteten nun, ihre Gott- 
heit hätte dem Kambyses ge weissagt, er werde in Agbatana sterben; 
Kambyses habe sich dabei beruhigt in dem Gedanken, er werde 
in glücklichem Greisenalter in seiner Residenz sterben^), 
während das Orakel andeuten wollte, dass er daselbst in der 
Blüte seiner Manneskraft ein klägliches Ende nehmen 
werde. Das syrische Agbatana ist erst von einem Hellenen 
hineingebracht worden, welcher in der Geographie der syrischen 
Küste und Ägyptens ebensogut Bescheid wusste wie in den 
ägyptischen Sagen und Gebräuchen. Ein solcher Mann war aber 
Hekataios von Milet, der in seiner yrjg TtSQLoöog auch die Städte 
Phönikiens behandelt (fr. 254 — 262) und speziell auch die Stadt 
Buto mit ihrem Orakel der Leto und der schwimmenden Insel 
des Apollon, Chembis, geschildert hatte ^). Auf diese Weise sollte 
zugleich die Pointe des Orakels mehr zugespitzt werden, indem 
der Nachdruck auf den vermeintlichen Irrtum in der Örtlich- 
keit statt in der Art des Todes gelegt wurde. 

Wir dürfen also als beglaubigten Inhalt der ältesten Über- 
lieferung annehmen, dass Kambyses in der medischen Hauptstadt 
Agbatana seinen Tod fand. Ich habe früher der Darstellung des 
Ktesias (ecl. 12) den Vorzug gegeben, welcher den Tod des Königs 
nach Babylon verlegt, in der Erwägung, dass Kambyses vor allem 

^) Her. 3, 64: o ^ihv Si] iv xoZgl Mri&ixot6i 'AyßatdvoLOL idoy-si 
rsXsvfqas Lv yriQaiog, iv tolci ol tjv tä rcävta itqriy^iatcc. Auch 
bei Ezra 6, 2 wird Haymatäna (Achmethä) als eigentliche Residenz 
seit der Eroberung Babylons bis in die ersten Jahre des Dareios, also 
unter Kyros, Kambyses und Gaumäta gedacht, während Babylon als 
zweite Hauptstadt gilt. So wohl auch Strassmaier, Cyrus 227, 6 = 
KB. IV 276 Nr. XVI. 

Damit hängt wohl irgendwie auch der Einfluss zusammen , den 
der Magier Gaumäta (oben S. 145) und allem Anscheine nach auch die 
streng mazdajasnische Lehre der Magier auf Kambyses gewonnen 
hatten und der dazu führte, dass er dem Greuel des babylonischen 
und ägyptischen Götzendienstes gegenüber nicht immer den einem 
Herrscher geziemenden Respekt zu bewahren verstand. [Hatte Kam- 
byses eine Vorliebe für Haymatäna und für medisches Wesen, so könnte 
dies für Win ekler' s Hypothese (Altorient. Forsch. II 2, 1900, S. 214) 
sprechen, dass unter Därejawas dem Meder (Dan. 5, 31. 9, 1) Kambyses 
als Unterkönig von Babylon im ersten Jahre seines Vaters Kyros, 
Königs der Länder (oben S. 127) zu verstehen sei.] 

2) Hekat. fr. 284. Vgl. Herod. 2, 156, der gegen ihn polemisiert. 
S. hierüber Di eis, Herodot und Hekataios. Hermes XXII. 



154 J. Marquart, 

daran liegen musste, sich die zweite Hauptstadt mit ihren reichen 
Hilfsquellen zu sichern. Das Umsichgreifen des Abfalls auch in 
Babylonien hätte ihn dann in den Tod getrieben^). Allein wie 
sich jetzt herausstellt, waren jene Schlussfolgerungen irrig. Die 
Angabe des Ktesias beweist wohl eine richtige Kombination gegen- 
über der Version Herodots, stammt aber nicht aus sicherer Über- 
lieferung. Jetzt wird der Gang der Ereignisse erst recht ver- 
ständlich. Der Magier hatte sich auf dem Berge Arkadris in 
der Landschaft Pisijähuwädä zum Könige ausrufen lassen, welche 
auch im Aufstande des zweiten falschen Bardija, Wahjazdäta, eine 
Rolle spielte (Beb. IH 42), indem derselbe nach einer unglück- 
lichen Schlacht von hier aus den Aufstand neu zu entfachen 
suchte. Diese Landschaft scheint also für die Perser eine be- 
sondere, durch die Überlieferung geweihte Bedeutung gehabt zu 
haben und Oppert war daher von einem richtigen Gefühle ge- 
leitet, wenn er in Pisijähuwädä den alten Vorort der Persis, 
nccaccQydöcci, erkennen wollte, worin ihm Spiegel folgt ^). Wenn 
er aber beide Namen auch lautlich gleichsetzt, so ist dies offenbar 
verkehrt. HaGa^yaöai ist der Name des vornehmsten Gaues der 
Perser, auf das Richtige führt uns aber die Angabe des Ktesias 
l)ei Nikol. Dam. fr. 65, wonach JJaGaqyadav eigentlich der höchste 
Berg im Rücken der Stadt hiess^). Hierher bringt Kyros im 
entscheidenden Kampfe gegen Astyages die Frauen und Kinder 
aus der Stadt in Sicherheit. Dieser Behauptung dürfen wir 
wenigstens soviel entnehmen, dass der Stamm seinen Hauptort 
nach dem Berge, an dessen Nordseite er sich angesiedelt, benannt 
hatte. Dass die Stadt TIaöaQyadai , wo sich zu Alexanders Zeit 
das Grab des Kyros befand, in der heutigen Ebene von Murghäb 
am Pul war gelegen haben muss, hat Stolze gezeigt*). Der Berg, 
welchen die Erzählung des Ktesias im Auge hat, kann daher nur 
der Köh-i Pärüh sein, welcher die Ebene von Murghäb im Süden 
abschliesst und den Fluss zwingt, sich durch die Pässe von Siwand 
sein Bett zu graben. Dies ist der Berg Arkadris des Dareios, 
und vom Namen dieses Berges ist der Name naaccQydöac abzu- 
leiten: "^pasärkadris oder *pasärkadrajah „die hinter (pasä) 
dem Arkadris" d. i. nördlich von diesem Berge. Auch der einzige 
persische Stammname , dessen altpersische Form überliefert ist, 
Pätishuwaris = UarscöxoQSLg (Strab. is 3, 1 p. 727), ist offenbar 
von einem Orts- oder Landschaftsnamen abgeleitet. Pisijähuwädä 
war der Name der Ebene von Murghäb^). 



^) Die Assyriaka des Ktesias S. 621. 

2) Oppert, Le peuple et la langue des MMes p. 110. 117 n. 
Spiegel, Die altpers. Keilinschr.^ 228. 

3) Hist. Gr. min. I 60, 27. 61, 20. 22. Die Stadt selbst ist in dieser 
Erzählung namenlos. 

*) Verhandlungen der Ges. für Erdkunde. 1883. S. 288 ff. 

^) Ptolemaios 6, 8 p. 415, 9 setzt die TIaaaQyccdm (cod. B Uaüag- 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 155 

Nachdem Gaumäta den Vorort des Hauptstammes der Perser 
gewonnen hatte, wird es ihm rasch gelungen sein, die Huldigung 
der übrigen persischen Stämme zu erlangen, sodass er seine Hand 
nach dem Nachbarlande der Persis, Susiana mit Anzan, dem 
Stammlande der altern Linie der Achaimeniden, ausstrecken konnte. 
Am 9. Garmapada zog er daselbst ein und Hess sich, sei es in 
der Hauptstadt von Anzan, der Residenz der Vorfahren des Kyros, 
sei es auf den Ruinen der alten Reichshauptstadt Susa*) zum 
König der Länder proklamieren. 



ddyai) an die karmanische Küste neben die XsXoivocpccyoi ^ ein Irrtum, 
der mit der falschen Position, welche er den Städten TJaöuQyäda (93° L. 
30° 30' Br.) und Fa^at - Ispahän (93° 40' L. 30° 10' Br.) anweist, zu- 
sammenhängt. Vgl. Eränsahr S. 29 A. 3. Dass mit der Notiz des 
Plin. h. n. 6, 99: flumen Sitioganus, quo Pasargadas septimo die navi- 
gatur nichts anzufangen ist, hat Stolze a. a. 0. 269 gezeigt. Der 
Sitioganus, an der Mündung jetzt Mänd genannt, trägt den Charakter 
eines über Felsblöcke dahinrauschenden Bergwassers, welches selbst 
für die kleinsten Kähne unbefahrbar ist. Schon sein starkes Gefälle 
schloss jede Schiffbarkeit aus. Es muss also irgend ein Missverständnis 
des Onesikritos, der Quelle des Plinius, vorliegen. [Tomaschek, 
Topographische Erläuterung der Küstenfahrt Nearchs S. 60 f. = SBWA. 
Bd. 121, 1890, Nr. 8 hält die Angabe allerdings nicht für ganz unmög- 
lich, jedoch unter der Voraussetzung, dass Pasargadai mit H. Kiepert 
in Pasä gesucht werde.] Noch dunkler ist eine andere Stelle des 
Plinius 6, 115/16: praeterea habet (Persis) in extremis finibus Laodiceam 
ab Antiocho conditam. Inde (von Laodicea) ad orientem Magi optinent 
Frasargida castellum, in quo Cyri sepulchrum est, et horum Ecbatana 
oppidum translatum ab Dario rege ad montes. Lag Laodikeia an der 
West- oder Ostgrenze der Persis? Der Name Frasargida ist, wenn 
richtig überliefert, von Pasargadai verschieden und kann nichts mit 
diesem zu thun haben. Sollte also der blosse Namensanklang dazu 
geführt haben, hierher das Grab des Kyros zu verlegen? Dagegen 
spricht aber Strab. ^e 3, 1 p. 727 {Mdyoi neben 'A%aiiiBvidaL und Uatsi- 
GxoQstg in Persis). Und wo haben wir die offenbar ebenfalls östlich 
von Laodikeia gelegene Magierstadt Ekbatana zu suchen? 

^) [Anzan oder Anian, das bald als Land, bald als Stadt be- 
zeichnet wird, war auch nach der Eroberung von Haymatäna zunächst 
die Residenz des Kyros geblieben (Nabünäi'd - Kyros - Chronik H 4). 
Leider ist die genauere Lage dieses uralten Fürstentums und seiner 
Hauptstadt bis jetzt noch gänzlich unbekannt, doch muss diese allem 
Anschein nach östlich bezw. südöstlich von Susa im Gebirge gesucht 
werden. Hoffentlich glückt es de Morgan, sie wieder aufzufinden und 
redende Zeugen über das Walten des Kyros und seiner Vorfahren sowie 
der alten patesi's ans Licht zu bringen. Jensen, ZDMG. 55, 1901, 
S. 229 A. 2 erklärt Anzan für die Hauptstadt von Elamtu, während 
Susa (ßusun, Susi, Susan) ursprünglich der Vorort der Landschaft 
Bar d' SU war, doch ist die von ihm in Aussicht gestellte Begründung 
dieser These m. W. bis jetzt nicht erschienen. Allerdings erscheint 
auch in der Seleukidenzeit 'Elviicci? wieder als eine von Susiana ver- 
schiedene, östlich von diesem gelegene Provinz; vgl. G. Hoff mann, 
Auszüge aus syrischen Akten persischer Märtyrer 131 ff. Überdies ist 
zu beachten, dass das Königreich Anzan und Susa sich bedeutend 
weiter nach Osten und Südosten erstreckt haben muss als die achaime- 
nidische Satrapie Susiana, und noch einen Teil des spätem Pars um- 



156 J« Marquart, 

Welchen Weg Kambyses nach seiner Ankunft am Euphrat 
eingeschlagen hat, lässt sich nicht mit Sicherheit erkennen. Wäre 
er den Euphrat abwärts nach Babylon gezogen und hätte hier 
die Kunde vom Aufstande des falschen Bardija erhalten, so 
wäre es schwer verständlich, weshalb er dann nicht sofort nach 
Susiana marschierte, sondern nordöstlich nach Hamadän abbog. 
Es bleibt daher das überwiegend Wahrscheinliche, dass er vom 
Euphrat an denselben Weg zog wie später Alexander und über 
Charrän und Nisibis nach Assyrien marschierte, wo er die von 
Sardeis nach Susa führende Königsstrasse erreichte. Es ist 
möglich, dass er bereits bei seiner Ankunft am Dijälä, etwa in 
der Gegend von Chosrau's II. Residenz Dastagerd beim heutigen 
Sahräbän, die Kunde von der Erhebung seines angeblichen Bruders 
erhielt und sich nun entschloss, vor allem den Pass von Holwän, 
welcher den Zugang zum ganzen iranischen Hochlande beherrscht, 
unverzüglich in seine Gewalt zu bringen und die medische Haupt- 
stadt zu besetzen , ehe noch die Proklamation des Usurpators 
auch hier ihre Wirkung ausgeübt hatte. Gelang es ihm, Medien, 
dies Kernland des iranischen Reiches, das seine Selbstständigkeit 
noch keineswegs vergessen hatte, in der Treue festzuhalten, so 
mussten ihm die Persis und Susiana mit verhältnismässig leichter 
Mühe wieder zufallen. Doch ist auch denkbar, dass er von An- 
fang an Agbatana, iv rolöl ol rjv za navta 7tQriy(iccta (Her. 3, 64), 
als Ziel ins Auge gefasst hatte. Von Galülä, 7 Par. nördlich 
von Dastagerd, rechnete man bis Hamadän 71 (Ibn Rusta) bezw. 
78 Par. (Ibn Chordädbih) oder 10 — 11 Tagereisen. In Hamadän er- 
schien ein Bote des Usurpators mit einem Erlasse desselben, worin 
er der Bevölkerung anzeigte, dass Bardija der Sohn des Kürus am 
9. Garmapada in Susiana die Herrschaft über die Länder ergriffen 
habe, und zum Abfall von Kambyses aufforderte. Istachri \%, 1 ff. 
(Ibn Hauq. föi, 3) rechnet von Hamadän über Nihäwand auf 
direktem Wege nach Gundesäpür in Chüzistän 70 Par. = 10 Tage- 
reisen. Die Lage von Gundesäpür wird nach Rawlinson und 
de Bode durch die Ruinen von Sähäbäd zwischen Susa und 



fasste, da der König Silchak In-Susinak in Bändär Busir in der Nähe 
des mittelalterlichen Resahr, südwestlich von Käzerün gebaut hat. 

Die Tiefebene von Susiana mit der von Asurbanipal gründlich 
zerstörten Hauptstadt Susa gehörte bis auf Nabünäi'd zum neubaby- 
lonischen Reiche, wie zwei dort gefundene Inschriften Nabukodrosors 
(Seh eil, Textes ^lamites-s^m. S^r. I 124. II pl. 18 nr. 4 = Mem. de 
la D^l^gation en Perse t. II. IV) und eine ebendaher stammende In- 
schrift Amel-Marduks beweisen ; vgl. S c h e i 1 , Textes ^lamites-anzanites. 
Ser. II p. XXIII = M^m. de la Döl^gation en Perse t. V. Unter Kyros 
lag die Stadt des Gottes Susinak ebenso wie Assur noch in Ruinen 
(Kyroscylinder Z. 30, vgl. van Hoonacker, M^langes Charles de 
Harlez p. 325 — 329 und Dieulafoy, L'acropole de Suse p. 47), aus 
denen sie erst Dareios wieder erstehen Hess und zu neuem Glänze 
erweckte.! 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 157 

SüStar bezeichnet. Vgl. N ö 1 d e k e , Gesch. der Perser und Araber 
S. 41 N. 2. Ein Eilbote konnte jenen Weg trotz des schwierigen 
Geländes vielleicht in der Hälfte dieser Zeit zurücklegen. Vgl. 
die von Floigl, Cyrus und Herodot S. 82 Anm. 1 angeführten 
Beispiele. Allein auch jetzt war Kambyses keineswegs gewillt, 
dem Usurpator ohne Kampf das Feld zu räumen. Er teilte den 
vornehmsten Persern mit, dass der angebliche Bardija ein Be- 
trüger sei und er selbst seinen Bruder habe töten lassen ^). Allein 
€r fand keinen Glauben (Her. 3, 66): der Abfall, der in Medien 
einen besonders gut vorbereiteten Boden vorfand, griff auch hier 
rasch um sich, und ohne Zweifel genoss Bardija auch im Heere 
des Kambyses zahlreiche Sympathien. Als dieser sich daher an- 
schickte, nach Susiana gegen den Empörer zu ziehen, weigerten ihm 
die Truppen den Gehorsam. Da übermannte den unglücklichen 
König die Verzweiflung, so dass er von allen verlassen in den 
Tod gieng^). Auch in Babylonien wurde der falsche Bardija 
sogleich anerkannt, als sein Bote mit dem Erlasse und der Nachricht 
von der Einnahme Susiana's eintraf: schon am 19./I. datiert man 
nach Barzija, also nur 10 Tage nach der „Ergreifung der Herrschaft", 
und so lange brauchte der Bote wohl von Susa nach Babylon. 

Der Zusammenhang der Begebenheiten ist also auch auf 
Grund der Überlieferung sehr wohl verständlich, ohne dass man 
zu willkürlichen Annahmen, z. B. dass Kambyses von Leuten des 
Magiers ermordet worden sei^), zu greifen brauchte. 



1) Natürlich ist es unhistorisch, dass Prexaspes alsbald die wahre 
Persönlichkeit des Betrügers durchschaut und den König darüber auf- 
geklärt habe, worauf Kambyses in einer Versammlung der Notabein 
diesen noch vor seinem Tode den ganzen Sachverhalt darlegen konnte. 
Diese Erzählung, welche die nachmalige Entlarvung des Magiers (c. 67 ff.) 
vorwegnimmt und überflüssig macht, setzt bereits die Meinung voraus, 
dass Zii^gdig der Eigenname des Magiers gewesen sei (Her. 3, 61. 63. 
64: ivQ-avrcc ccKOvöavta Ka^ßvascc xb E^LBQÖiog ovvo^a hvips i] ccXrid'siri 
r&v TS Xoycov xal. tov ivvnviov. 65). Sicherlich hätte Prexaspes auch, 
falls Kambyses ihn als Werkzeug der Ermordung des Bardija be- 
zeichnet hätte, den Notabein gegenüber nach Lage der Dinge die That 
geleugnet ; vgl. c. 67. 74. Eine derartige Haltung wäre mit dem weiteren 
Verlaufe der Begebenheiten am besten vereinbar. Die gegenwärtige 
Erzählung Her. 3, 62 — 63 ist aufgebaut auf der falschen Annahme, 
Bardija's Tod sei erst während Kambyses' Abwesenheit in Ägypten 
erfolgt. Nur unter dieser Voraussetzung war Kambyses' Zweifel, ob 
Prexaspes seinen Auftrag wirklich ausgeführt hatte, möglich. 

Noch dramatischer, aber darum keineswegs wahrscheinlicher ist 
das mit dem Tode besiegelte Bekenntnis des treuen Prexaspes, das der 
Entlarvung des Magiers unmittelbar vorangeht, ohne doch auf diese 
irgend welchen Einfluss zu üben Her. 3, 74—75. 

^) Die Inschrift von Behistün I 43 sagt, dass sich Kambyses erst 
nach der offiziellen Thronbesteigung des Gaumäta tötete. 

2) Arthur Lincke, Forschungen zur alten Geschichte L Zur 
Lösung der Kambysesfrage. Leipzig 1891, dem sich leider auch F. Justi, 
Grundriss für iran. Philologie II 425 f. anschliesst. 



158 J- Marquart, 

„Als Kambugija den Bardija getötet hatte, da wusste das 
Volk nichts davon, das Bardija getötet worden sei" (Beh. I 31/32). 
Nach dem Tode des Kambyses führte Gaumäta in Pars ein 
Schreckensregiment, das sich naturgemäss hauptsächlich gegen den 
Adel richtete (Beh. I 63 ff.) ^). „Das Volk fürchtete den Gaumäta 
wegen seiner Härte; er hätte wohl viele Leute (Edelinge) getötet, 
welche den früheren Bardija gekannt hatten: deshalb hätte er die 
Leute getötet, ,damit sie mich nicht erkennen, dass ich nicht 
Bardija des Kürus Sohn bin'. Niemand wagte (daher) etwas zu 
reden über Gaumäta den Magier bis ich kam"^). Der Potentialis 
des Präteritums ist hier als Nachsatz eines zu ergänzenden irrealen . 
Bedingungssatzes aufzufassen. Dareios will durch denselben eine 
Vermutung über die Ursache der so befremdlichen Thatsache aus- 
sprechen, dass die persischen Adligen sich trotz der scharfen Mass- 
nahmen des Gaumäta ruhig verhielten. 

Der bisherige hazarapet (Gardepräfekt) Prexaspes wurde ab- 
gesetzt und der Schutz des Herrschers Eunuchen übertragen 
(Her. 3, 77). Allein trotz dieser Massregeln fühlte sich der neue 
Herrscher unter den Persern nicht sicher, bei denen es Her- 
kommen war, dass der König sich dem Volke häufig zeigte und 
deren feudale Verfassung den Häuptern der vornehmsten Adels- 
häuser das Recht verlieh, jederzeit beim König Zutritt zu ver- 
langen. So verlegte der Magier bald seine Residenz nach seiner 
medischen Heimat^). Zur Zeit seiner Ermordung befand er sich in 
der Burg Sikajahuwatis in der Landschaft Nisäja. Nach der Dar- 
stellung Diodors (17, 110 vgl. Arr. 7, 13, 1) hätte man das Nriaaiov 
TtsöCov (Her. 7, 40), wo die berühmten nisäischen Rosse zu vielen 



1) Auch Her. 3, 67 sagt: coöts ccjtoQ'avovtog avtov (tov Mdyov) 
Ttod'ov i%Biv Ttdvrag rovg iv tjj 'Aöltj tvccqs^ avtwv Usqü scov. 

2) Beh. I 51 — 54. Vgl. Her. 3, 68 : ön ts ovti i^stpoita iv, tfig cckqo- 
TtoXiog nal oti ov% i-nciXsL ig bipiv icovtä ovdivcc t&v Xoyi^cov üsqü^cov. 

^) Der Gegensatz des Gaumäta gegen den persischen Adel und 
sein Bestreben, die Macht desselben zu untergraben [vgl. Justi, 
ZDMG. 53, 1899, S. 89 ff. Foy, eb. 54, 1900, S. 341— 355J, ergab sich 
aus seiner usurpierten Stellung von selbst. Dagegen ist die Zerstörung 
der Verehrungsstätten in Pars nur zu erklären aus dem Eifer des 
Magiers für die strenge Zarathustralehre gegenüber den in manchen 
Beziehungen laxeren Gepflogenheiten der mazdajasnischen Perser, wie 
750 Jahre später bei Ardaslr. Vgl. Fundamente israelitischer und 
jüdischer Geschichte 48 A. 3. Unter den Verehrungsstätten (äjadanä) 
sind wohl Feuertürme zu verstehen, bei Ktes. ecl. 13 Isqov, dagegen in 
der entsprechenden Szene bei Her. 3, 74. 75 TtvQyog. 

[Was soll man nun dazu sagen, wenn der Historiker Winckler 
(Altor. Forsch. H 2, 1900, S. 209) seinen Adepten verkündet: „der 
, Magier* hat deutlich eine der priesterschaft feindliche politik verfolgt, 
er war von einer Volksbewegung getragen , welche sich gegen die 
Orientalisirung des Persertums — also gegen adel und hierarchie — 
richtete, und hat sein ziel durch Steuererlasse und Zerstörung von temr 
peln zu eiTcichen gesucht". War etwa die Einführung der Eunuchen- 
wirtschaft auch gegen die „Orientalisirung des Persertums" gerichtet?] 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 159 

Tausenden weideten, auf dem Wege von BayiGtavTi (Behistün) 
nach Hamadän , 7 Tage von letzterer Stadt entfernt zu suchen. 
Alexander soll hier 30 Tage verweilt haben. Allein die Ent- 
fernung vom Berge Behistün bis Hamadän betrug nur 29 Par. 
oder 4 Tagereisen i). Strabon sagt dagegen, dass man die Fohlenau 
{XBL^fbv LTtTtoßotog) passiere, wenn man aus der Persis und Babylon 
zu den Kaspischen Thoren reise 2). Allein der gewöhnliche Weg 
von Pars nach den Kaspischen Thoren führt über Ispähän, Käschäu 
und Qumm nach Raj, dieser kann also hier offenbar nicht gemeint 
sein, sondern nur eine Route, die sich mit der von Babylon durch 
den Pass von Holwän nach Choräsän führenden Strasse kreuzte. 
Man könnte daran denken, dass dem Gewährsmanne Strabons das 
Itinerar Alexanders von Persepolis über Ispähän (Gabai) nach 
Ekbatana und von da nach Raj und die an der Strasse Persepolis - 
Ekbatana gelegene Station Nisaci vorgeschwebt habe und er der 
Ansicht war, dass Alexander bereits bei der Verfolgung des Dareios 
an der berühmten nisäischen Ebene vorbeigekommen sei. Allein in 
diesem Falle würde er sich mit sich selbst wie mit der Überliefe- 
rung in schreiendem Widerspruche befinden. Denn er spricht aus- 
drücklich von einem medischen Nisaia, während das nur 24 Par. 
nördlich von Persepolis^) gelegene Nisaci noch zu Pars gehörte und 
von der Straße von Babylon nach den Kaspischen Thoren weit 
ablag. Wohl aber lag an der Strasse von Holwän nach Hamadän, 
aber vor Behistün eine berühmte Ebene mit einer starken Festung, 
die „Schlosswiese" K-Äiftil ^jA oder einfach „die Wiese" 1\ ge- 
nannt, wo noch in der Chalifenzeit die Kriegsrosse der Chalifeu 
weideten*). Dieser Ort lag nur 10 Par. von Holwän, 51 (nach 
Ibn Rusta 48) ^) Par. d.i. 7 Tagereisen von Hamadän. „Von 
Marg al Qal'a nach azZubaidIja sind 7 (1. 9) Par. Der Weg führt 
zwischen Bergen und fortlaufenden Dörfern entlang, bis man an 
den Fussdes Passes kommt. In der Nähe des Passes ist ein Dorf 
namens Achurln, eine Gründung der Sasaniden, dessen Bewohner 
Kurden sind. Es befindet sich daselbst ein Feuertempel, den die 
Magier hoch in Ehren halten und aus den entferntesten Ländern 



1) Ibn Rusta m,9ff. Ibn Chord. 11, 11—13. H, 8—11. 

2) Strab. la 13, 7 p. 525. 

^) Siehe Tomaschek, Zur histor. Topographie von Persien 
I 30 f. 

*) Tab. III irr% 11 a. 222 H. ^J,\ ^\^ö. 

^) S. Hö, 15 ist die Entfernung zwischen Marg al qal'a und 
azZubaidija, ^jwLs K,xa.v^, in X.x./.^j zu verbessern, wie auch Ibn Hauqal 
hat. Jäq. II llv, 5 gibt 8 Par., Muq. 1 Tagereise. Ebenso ist S. 111, 9 
(Entfernung von Qarmääin nach adDukkän) mit Ibn Chordä<ybih 
^^jvvLs i für ^v-vwLs 1 zu lesen. 



160 J- Marquart, 

von Zeit zu Zeit besuchen. Dann gelangt man zu einem Dorfe 
namens Qa9r Jazid, das 4 Par. von Marg al Qal'a entfernt ist, 
dann erklimmt man den Pass und steigt nacli az Zubaidija hinab". 

'Qa9r Jazid heisst sonst . -kJl d. i. pers. tazar^ ap. taoaram „Palast". 
Nach Mis'ar b. al Muhalhil bei Jäq. III öi^'v, 9. IV ^T, 3 war es 
der Kreuzungspunkt der Strassen nach Choräsän, Mäsabadän und 
Mihragän qadaq. Hier mündete also die Heerstrasse ein, welche 
von Susiana nach Ekbatana führte, wie man auch aus Tab. I Htl, 
6. 12 ff. ersehen kann. Der Ort muss deshalb in der Nähe des 
heutigen Härünäbäd gelegen haben. Marg al Qal'a kann aber 
nicht, wie Tomaschek ohne weiteres annimmt, identisch sein 
mit der berühmten „Ammenau" oder richtiger der „nährenden 
Au" _yc fo\<> däjl marg Din. öl, 20, wo Bahräm Grör umkam ^). 

Denn diese Örtlichkeit lag ganz in der Nähe von Hamadän, wie 
sich aus Ihn al Athir XII 15, 15 ergibt; vgl. eb. X 198. 476. 
XI 15, 15. 19. Ich glaube daher, dass bei Strabon e% rrjg IIsq- 
aiöog ein Versehen ist für ix tijg SovGidog, und Diodor die 
nisäische Ebene fälschlich östlich statt westlich von BayiGxdvm 
verlegt. Dann stimmt die Entfernung von Ekbatana vorzüglich. 
Wir hätten also das Nisäja der Inschrift von Behistün in 
der Ebene von Marg al Qal'a zu suchen, und die Landschaft würde 
sich mit der parthischen Provinz Untermedien bei Isidor von Charax 
ganz oder teilweise decken^). Die Burg {dida) Sikajahuwatis könnte 
mit der Festung ä.*JIäJ| -yj selbst oder mit j-Jal\ Tazar identisch 

sein. In diesem Falle hätte der Magier seine Residenz mit Ab- 
sicht so gewählt, dass er dem Passe von Holwän möglichst nahe 
war und auf diese Weise die Strassen nach Ekbatana und den 
östlichen Provinzen wie nach Babylon und Susa jederzeit be- 
herrschte. Es gab allerdings auch eine Landschaft Nisä im nörd- 
lichen Medien, die in der Sasanidenzeit ein Rustäk der Provinz 

Hamadän war, aber unter Tahir b. al Husain samt J^JLäJLw zu 
Qazwin geschlagen wurde ^). 



^) Vgl. Nöldeke, G-eschichte der Perser und Araber S. 103 
Anm. 3. Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien I 8. 

2) [Ob die von Tiglatpileser III. erwähnte Stadt oder Landschaft 
Nissä bezw. Ni-sa-ai (vgl. Streck, ZA. XV, 328 f. 333) mit unserem 
Nisäja identisch ist oder nicht, lässt sieh weder bejahen noch ver- 
neinen, so lange die mit ihr zusammen genannten Städte und Land- 
schaften Bit-Istar, Zakruti, Gizinikissi und Qibur nicht anderweitig 
nachgewiesen sind. Mit Fdia^a, Ganzah, wie Streck will, hat Gizini- 
hissi jedenfalls nichts zu thun. Ganzak, pers. Gangak „ Schatzhaus ", ist 
achaimenidischen Ursprungs und kehrt in verschiedenen Landschaften 
als Bezeichnung der Landeshauptstadt wieder.] 

3) Ibn al Faq. m, 5. J*a., 13, vgl. arRuhni bei Jäq. IV wa, 7. 
Vgl. Tomaschek, Zur hist. Topographie von Persien I 11. Wohin 



Untersuchungen zur Greschichte von Er an. 1ß1 

Der Schauplatz der Ermordung des Magiers ist bei Herodot 
die (spätere) Hauptstadt Susa. Nach einer verblassten Erinnerung 
scheint es, dass Dareios aus Parthien, der Provinz seines Vaters — 
Herodot 3, 70. 72 nennt dafür fälschlich Persis — direkt nach der 
medischen Burg gekommen ist und sich hier mit den andern Ver- 
schwornen getroffen hat. Die Ausführung des Planes ward durch 
das Mihragänfest wesentlich erleichtert: dies war das einzige Fest 
im Jahre, an welchem sich der König der Könige öffentlich be- 
trinken durfte^). Eine der bei Herodot zusammengearbeiteten 
Versionen über den Sturz des Magiers schrieb das Hauptverdienst 
an der That dem Intaphrenes (Windahfarnäh) und dem späteren 
hazarapet (Gardekommandeur) ^AöTtad'lvrjg (Aspaöanäh) zu, welch 
letzterer bei ihm für den Ardumanis der Inschrift von Behistün 
eingetreten ist, wogegen eine andere Quelle den Hauptanteil für 
Dareios selbst und seinen Schwiegervater Gobryas in Anspruch 
nahm (Her. 3, 78). Für die erstere Version tritt vor allem Aischylos 
ein, welcher aus den Sieben neben Dareios nur den ^Aq%a^^ivY\q 
d. i. Windah-farnäh 2) hervorhebt (v. 776—781): 

7t8(ji7crog ÖS MaQÖog jjq^sv, ai(S%vv7i itdxqa 
d-QovoLaL %* äQ%ai0i6i' xhv 81 <5vv Solco 
AqxacpQBvriq ekzelvsv iöd'log iv öo^otg 
^vv ccvÖqccGlv g)lloi(jLv^ olg roö^ riv x^iog, 
Ticcyco ' ^) 

Auch Hellanikos muss einer ähnlichen Erzählung gefolgt sein, 
sonst hätte die Bemerkung des Scholiasten zu V. 778 keinen Sinn: 
rovtov ^ElXccvLTiog JacpsQvrjv üalet. Hellanikos schrieb wohl ^löa- 
cpEQvrjg = *Widah-farnäh, eine Nebenform zu Windah-farnäh. Die 
Inschrift von Behistün 4,83 nennt ebenfalls den Windahfarnäh, Sohn 
des Wajaspära an erster Stelle, bei Ktes. Pers. 14 steht er un- 
mittelbar vor Dareios selbst, welcher den Schluss der Liste bildet. 



Ammian 23, 6, 30 die Heimat der nisäischen Rosse verlegt, ist unklar, 
ebenso, ob er sich die Ländereien der Magier in deren Nähe denkt. 
Seine Worte lauten: edunt apud eos prata virentia fetus equorum 
nobilium, quibus, ut scriptores antiqui docent nosque vidimus, ineuntes 
proelia viri summates vehi exultantes solent, quos Nesaeos appellant. 
abundat aeque civitatibus ditibus Media et vicis in modum oppidorum 
exstructis et multitudine incolarum. utque absolute dicatur, uberrimum 
est habitaculum regum. In his tractibus Magorum agri sunt fertiles. 

^) Duris von Samos fr. 13 bei Athen. X 45 p. 434 D. Bei Ktesias 
ecl. 14 ist es nicht Bakchos, sondern Aphrodite, die dem Magier ver- 
derblich wird : die Verschworenen dringen ein, während er ein Schäfer- 
stündchen mit einer babylonischen Odaliske hält. 

^ Die Form 'AQxa.cfQBvr\? steht zunächst für 'AvxacpeQvrig , wie 
Ktesias geschrieben hatte (der Nasalstrich ist in unsern Hss. weg- 
gefallen). Aischylos hat letztern Namen durch den ihm geläufigen 
(vgl. V. 21) ersetzt. Die Wiedergabe von anlautendem ap. wi durch 
cc wie in 'AGxdajtrig V. 22 = ap. Wistäspa. 

3) Über den unechten Vers 780 oben S. 138 A. 

Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 11 



162 • J« Marquart, 

Auf dieses sein Verdienst um die Wiederherstellung der legitimen 
Monarchie gestützt, mag sich Windahfarnäh Freiheiten heraus- 
genommen haben, die dem Dareios als mit der Würde des König- 
tums unverträglich erschienen und seinen Untergang herbeiführten 
(Her. 3, 118 ff.). Angenommen der verhängnisvolle Vorfall habe 
sich so zugetragen wie ihn die Sage schilderte, so konnte ihn der 
König allerdings als Attentatsversuch auffassen oder wenigstens 
zu einem solchen stempeln, und jedenfalls gab ihm derselbe einen 
erwünschten Vorwand, das herkömmliche Recht der persischen 
Stammfürsten, jederzeit unangemeldet beim König Zutritt zu ver- 
langen, abzuschaffen, das die Wiederholung eines ähnlichen An- 
schlags wie der, welchem er selbst die Krone verdankte, und damit 
eine abermalige Thronumwälzung gar zu leicht zu machen schien. 
Dagegen ist Herodots Zeitbestimmung der Katastrophe: avtlaa 
liSTcc zriv InavaGxccGiv jedenfalls unhistorisch: sie kann natürlich 
erst nach der Beendigung der verschiedenen Aufstände, von denen 
Herodot nichts weiss, und wird wahrscheinlich erst nach der Ein- 
meisselung der Inschrift von Behistün stattgefunden haben. In 
der gegenwärtigen Erzählung Herodots ist Windahfarnäh ganz durch 
Otanes in den Hintergrund gedrängt worden, dessen Haus nach 
dem Untergange der Familie des Windahfarnäh die erste Stelle nach 
dem Königshause einnahm^). 

Schon vor dem Sturze des Gaumäta hatte Babylon seine 
Herrschaft abgeschüttelt und wieder einen eignen König, einen 
angeblichen Sohn des Nabünäid, aufgestellt: [am 10. Tisrit, also 
an demselben Tage, an welchem Gaumäta getötet wurde, wofern 
sich der altpersische Kalender damals mit dem babylonischen 
deckte, datierte man bereits nach Nabü-kudurri-u^ur. Dem Bei- 
spiele der Babylonier folgte alsbald Susiana, wo sich Ä'9'rina 
(elamitisch Hassina), der Sohn des ük-ba-tar-ra-an-ma^) zum König 



^) Phantasien bei P. Rost, Unters, zur altorient. Gesch. S. 107 ff. 
= MVAG. 1897,2 8.210 ff. H. Winckl er, Altor.Forsch.il 1, 1898,138ff. 
[3, 1901, 467 f. An letzterer Stelle erklärt der Verf. UStanni, den Statt- 
halter von Babylon und ebir näri d. i. iTTntnS ^^3>, Arbo ja (Strass- 
maier, Inschriften von Darius Nr. 82 Z. 2 vom 16./Vn. 3 des Dareios 
bei P eis er, KB. IV 305) für „einen von den grossen adligen — den 
angeblichen ,sieben mördern' des ,Magier8', unter welche Darius das 
reich verteilen musste. sein anteil betrug den gesamten umfang des 
weiland neubabylonischen, chaldäischen königreiches". Winckler ver- 
wechselt also den sonst unbekannten Satrapen von Babylon US-ta-an-ni 
d. i. ap. Uätäna, gr. 'Ootdvris^ 'Ocd-ccvrig oder Wütäna, gr. 'TüTcivris 
(Her. 7, 77), "latccvrig Arr. 7, 6, 4 mit dem den Griechen wohlbekannten 
Butäna, der mit der Unterwerfung von Samos betraut wurde Her. 3, 
141 ff. Vgl. diese Unters. I 12 — 14. Die Verwechslung dieser beiden 
Personen wird dadurch um nichts entschuldbarer, dass die Namen 
schon von Trogus Pompeius (Just. I 9, 14 ff.) vermengt worden sind.] 

^) So in der elamitischen Version I 57. (H)asäina ist regelmässige 
elamitische Umschreibung von ap. Äd'rma, das mit Suffix -ina gebildet 
ist von aw. ätari^ gen. ä^rö „Feuer" (ygl/Pa^-ivris u. a.), der Sohn ist 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran, 163 

^ufwarf (Beh. I 72—81. IV 10—15. Beh. C. D.), allein dieser 
Aufstand war von sehr kurzer Dauer. Die Herrschaft des A-S-rina 
hatte noch so wenig Wurzel gefasst, dass die Susianer auf die 
blosse Aufforderung hin ihren neuen König an Dareios aus- 
lieferten^), ein Beweis dafür, dass jener erst seit kurzem den 
Thron der alten Könige von Susa bestiegen hatte. Um das un- 
rühmliche und der grossen Vergangenheit des Landes wenig wür- 
dige Ende dieses und des zweiten susianischen Aufstandes historisch 
gerecht zu würdigen, muss man übrigens berücksichtigen, dass 
seit der Eroberung von Anzan durch Cispis, den ürgrossvater 
Kyros' 11.^), zahlreiche Perser daselbst ansässig waren, die seit- 
dem die herrschende Klasse bildeten und natürlich sofort der 
Partei des Dareios beitraten. Die Inschrift erzählt den Aufstand 
des Ä-ö-rina vor dem des Nidintu-Bel, aber, wie ich glaube, nur 
deshalb , weil er vor diesem beendigt wurde , als der Wieder- 
hersteller der achämenidischen Monarchie noch in Medien weilte. 
Dieser hatte nach der Beseitigung des Gaumäta zunächst noch 
längere Zeit in Medien zu thun, um seine Herrschaft zu befestigen 
und ein Heer aus dieser Provinz sowie aus Pars an sich zu ziehen, 
ehe er an die Bekämpfung des babylonischen Prätendenten denken 
konnte. Von grosser Wichtigkeit war es, dass die Vizekönige des 
Ostens, Dädrsis in Baktrien und Wiwäna in Arachosien, dem neuen 
Xönig der Könige ohne Anstand huldigten und dieser das wichtige 
Parthien , mit welchem damals auch Haraiwa (Herät) , Zranka 
(Drangiana) und Asagarta (Köhistän) verbunden waren ^) und das 
somit die Verbindungen zwischen West- und Ostiran beherrschte, 
in zuverlässigen Händen wusste. Vom 21. Kislev (IX.) = Ä'9'ri- 
jädija existiert noch ein Täfelchen des Nabü-kudurri-U9ur, aber 
schon am 27. desselben Monats erzwingt Dareios den Übergang 
über den Tigris und schlägt die Babylonier auf dem rechten 
Tigrisufer. Nur 5 Tage später, am 2. Anämaka = Tebet (X.), 
erringt Dareios den zweiten Sieg bei Zäzäna am Euphrat (Beh. 
I 83 — 96 = bab. Z. 31—37), worauf sich Nidintu-Bel mit wenigen 



also bereits iranisiert, während der Vater noch einen echt elamitischen 
Namen (iranisiert Upadarma) trägt. Es ist übrigens zu beachten, dass 
A-O-rina neben Fräda von Margiana der einzige Prätendent ist, der sich 
nicht für eine andere Person ausgab oder Abstammung von einer 
früheren Dynastie behauptete, also nicht „gelogen" hat. Dies scheint 
darauf hinzudeuten, dass er wirklich einem alten einheimischen Adels- 
geschlechte angehörte. 

^) Beh. I 82/83: „Darauf sandte ich nach Susiana (nämlich einen 
Herold, der unter dem Schutze des Völkerrechts stand; vgl. die Boten, 
die der Magier in die Provinzen und zum Heere des Kambyses ge- 
sandt hatte Her. 3, 61/62); jener A-O-rina ward gebunden zu mir ge- 
führt; ich Hess ihn töten." 

2) Kyroscylinder Z. 21. Seh rader, Keilinschriftliche Bibliothek 
III 2 S. 125. 

3) Vgl. Beh. I 13—15. Dar. Pers. I 12—15. 

11* 



164 J- Marquart, 

Reitern nach Babylon wirft. „Darauf gieng ich nach Babylon; 
durch die Gnade Ahuramazdäh's nahm ich sowohl Babylon ein 
als jenen Nadintabaira gefangen, dann tötete ich jenen Nadinta- 
baira in Babylon" (Beh. II 1 — 5). Wie lange sich Babylon nach 
der Schlacht bei Zäzäna noch gehalten hat, ist aus dieser sum- 
marischen Erzählung nicht zu entnehmen und war bisher auch auf 
anderem Wege nicht genau festzustellen^). Bei den Ausgrabungen 
der babylonischen Expedition der Deutschen Orient - Gesellschaft 
im Jahre 1901 ist nun ein Täf eichen zum Vorschein gekommen, 
das^Vermerke über Mehllieferungen enthält, die vom 6. Tebet bis 
6. Sabat des Anfangsjahres des Dareios, Königs von Babylon und 
Königs der Länder, ausgeführt wurden. Das Täfelchen ist wahr- 
scheinlich am 6. Sabat oder an einem der nächstfolgenden Tage 
geschrieben. Daraus ergibt sich aber, dass Babylon wahrscheinlich 
noch im Tebet, also fast unmittelbar nach der Schlacht bei Zäzäna, 
von Dareios eingenommen worden ist. Die angeblich 20 Monate 
dauernde Belagerung der Stadt durch Dareios, von welcher 
Herodot erzählt und bei welcher Zopyros eine Rolle gespielt 
haben soll^), zerfällt somit völlig in nichts^). Allein der König 
blieb, wie wir sehen werden, noch lange nach der Einnahme der 
Stadt in Babylonien. Was ihn hier zurückgehalten hat, wissen 
wir bis jetzt nicht. 

Während Dareios in Babylonien war, wurden folgende Länder 
von ihm abtrünnig: Pars, Susiana, Medien, Assyrien, Armenien, 
Parthien, Margiana, 0atagus und die Saka. Die Reihenfolge dieser 
Aufzählung ist nicht chronologisch, sondern rein geographisch. 
Dies ergibt sich vor allem daraus, dass Assyrien vor Armenien 
steht, obwohl es während des Aufenthaltes des Dareios in Baby- 
lonien gar keinen aktiven Anteil an den nationalen Erhebungen 
nahm, sondern nur im zweiten Stadium des armenischen Auf- 
standes den Schauplatz einer Schlacht zwischen Wahumisa und 
den Armeniern bildete (Beh. II 53 — 54)^). Pars steht als Stamm- 

^) Die älteste bis jetzt bekannte Urkunde aus der Regierung des 
Dareios trägt das Datum 20./XI. des Antrittsjahres, aber keine Orts- 
angabe (Strassmaier, Inschriften von Darius Nr. 1); die betreffenden 
Verträge stammen fast sämtlich aus Abu Habba == Sippar. Dann folgt 
ein aus Babylon selbst datiertes Täfelchen vom Monat Simanu (III.) 
des 1. Jahres des Dareios (Strassmaier, Inschr. von Darius Nr. 17). 

2) Vgl. meine Assyriaka des Ktesias 625 f. 

3) Siehe F. H. Weissbach, Babylonische Miszellen S. 48 f. = 
Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Ges. Heft 4, 
Leipzig 1903. Ders., ZDMG. 51, 1897, S. 513. — Danach kann also 
auch das Täf eichen vom 27. /XI. des 8. Jahres des Kambyses (Strass- 
maier, Inschriften von Cambyses Nr. 412) nicht mehr in die Zeit 
der angeblichen Belagerung Babylons gesetzt werden. Weissbach, 
ZDMG. 55, 208 vermutet einen Fehler entweder des Tafelschreibers 
oder des Herausgebers. 

*) Der Aufstand der Asagarta in Assyrien brach erst kurz vor 
oder nach dem Falle des Frawartis aus (II 78—91). 



Untersuchungen zur Geschichte von Er an, 165 

land an der Spitze, trotzdem die Schilderhebung des Wahjazdäta 
ohne Zweifel eine der spätesten unter den in jener Periode aus- 
gebrochenen Empörungen ist. Allein auch die summarische Zeit- 
bestimmung „während ich in Babylonien war" ist wohl nicht ganz 
wörtlich aufzufassen. Der zweite Aufstand ist nach der Reihen- 
folge des Ausbruchs der des Frawartis in Medien. Gegen ihn 
entsendet Dareios, obschon seine aus Persern und Medern be- 
stehende Streitmacht selbst klein war, eine Heeresabteilung unter 
dem Befehle des Persers Widrna, eines der sieben Verschworenen. 
Dieser stösst auf ein von einem Offiziere des Frawartis befehligtes 
Heer und liefert den Medern schon am 27.^) Anämaka (X.) ein 
siegreiches Treffen bei der Stadt Ma-ru-is ^) in Medien, worauf er sich 
in der Landschaft Kampanda festsetzt und die Ankunft des Königs 
abwartet (LI 13 — 29 = elam. II 7 — 21). Die Landschaft Kampanda, 
bei Isidor von Charax Kafißccörjvij, wo die Stadt Baylöxava -) und das 
Gebirge Cambandus^) oder Cambades ^) lagen, reichte gegen Osten 
bis ganz in die Nähe der Stadt Kinkiwar {KoyY.oßdQ)^). Man hat 
über diesen und andere Siege der Heerführer des Dareios, welche 
die Sieger zur Unthätigkeit verurteilt hätten, vielfach gespottet, 
aber sehr mit Unrecht: den nächsten Zweck, zu welchem er aus- 
gesandt war, hatte Widrna vollkommen erreicht, nämlich die die 
Strasse nach Babylon beherrschenden Zagrospässe in seine Gewalt 
zu bringen und damit eine etwaige Diversion der Meder zu Gunsten 
der Babylonier zu vereiteln. Zu einem Marsche auf Hamadän 
war er mit seinem Häuflein ohne Zweifel viel zu schwach. Wie 
gefährlich für Dareios damals das Erscheinen eines neuen Feindes 
in seinem Rücken hätte werden können, leuchtet von selbst ein. 
Diese Erwägungen zwingen, wie ich meine, zu dem Schlüsse, dass 
der König den Widrna abgesandt hat, ehe noch die aufständischen 
Meder die Zagrospässe besetzt hatten. Die Länge der grossen 
Heerstrasse von Baghdäd über Holwän nach Kinkiwar beträgt 
nach den arabischen Geographen 88 Par. oder 12^/2 Tagereisen. 
Rechnen wir dazu noch die 3 — 4 Tage, welche zwischen dem 
Tigrisübergang und der Schlacht am Euphrat liegen, so erhalten 
wir im ganzen 15 — 16 Tage vom Euphrat bis nach Kampanda. 
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass wir einem Heere, zumal in 
jener Zeit und im Gebirge, sicherlich keine durchschnittliche tägliche 
Marschleistung von 7 Par. beilegen dürfen. Aus alledem wird man 
schliessen müssen, dass Widrna sofort nach der siegreichen Schlacht 



^) So die elamitische Übersetzung. 

2) Isidor. exa^^ol Hag^. § 5 BAUT ANA aus BAFI^^SyTANA. 

^) Plin. h, n. 6, 134 mons Cambalidus qui est Caucasi ramus nö. 
von Mesabatene d. i. Kcc^ßaÄl^og, verlesen aus Ka^ßdN^og. 

*) Plin. h. n. 5, 98 Cambades, ein Ast des Taurus, wie der Oroandes- 
Elwend und Niphates. 

ö) Isidor. atad^aol IJagd-: § 5—6 bei C. Müller, Geoffr. Gr. 
min. I 250. 



166 J- Marquart, 

bei Zäzäna (2./X.) oder jedenfalls spätestens nach der Einnahme 
von Babylon, falls diese bereits um den 6./X. erfolgte, abgesandt 
worden ist und 25 Tage später den Medern eine Schlacht geliefert 
hat. Frawartis muss sich demnach unmittelbar nach dem Abzüge 
des Dareios aus Medien empört haben, noch ehe dieser den Dijälä 
erreicht hatte. Dasselbe ergibt sich mit noch grösserer Sicherheit 
für den Aufstand des Martija-Ummannis in Susiana (II 8 — 13). 
Über dessen Unterdrückung erzählt der König: „Damals war ich 
(im Begriffe) gegen Susiana zu marschieren ^). Darauf [bekamen 
die Susianer Furcht] vor mir, ergriffen jenen Martija, der ihr 
Oberster war, [und töteten ihn]". Danach hat man sich den 
Verlauf offenbar so vorzustellen, dass Dareios auf dem Marsche 
von Hamadän nach Babylonien die Nachricht vom Aufstande des 
Martija erhielt, worauf er den Weitermarsch nach Babylonien so- 
fort unterbrach und sich (etwa von Kirmänsähän oder Härünäbäd) 
gegen Susa wandte, um zunächst seine Flanke zu sichern. Er 
kam aber gar nicht bis nach Susa oder Anzan, da die Susianer 
auf die Kunde von seinem Anzüge den Usurpator selbst beseitigten, 
worauf er den Marsch nach Babylonien fortsetzen konnte; der 
Zeitverlust kann daher nur gering gewesen sein. Dareios hätte 
somit, wenn er genau historisch berichten wollte, sagen müssen: 
„Als ich im Begriffe war, gegen Babylonien zu ziehen, erhielt ich 
die Nachricht, dass Susiana von mir abtrünnig geworden sei. Darauf 
schickte ich mich an gegen Susiana zu marschieren, worauf die 
Susianer vor mir Furcht bekamen und den Martija ergriffen und- 
töteten. Alsdann setzte ich meinen Marsch gegen Babylonien fort. 
Als ich den Nadintabaira bei Zäzäna geschlagen hatte, erhielt ich 
die Nachricht, dass sich Frawartis in Medien empört habe. Als ich 
noch nicht nach Babylonien gekommen war, hatte er sich empört." 
Im Frühling, wohl im Garmapada (I.) seines ersten Regierungs- 
jahres, sendet der König den Armenier Dädrsis gegen die aufstän- 
dischen Armenier. Nach den Erfolgen, die dieser errang, ist es 
freilich nicht wahrscheinlich, dass er über ein beträchtliches Heer 
verfügte: nach drei Siegen in Armenien, bei Zuzza am 8./II., bei 
der Festung Tigrä am 18./II. und bei der Festung Uhjäma am 
9./III. , sah er sich schliesslich gezwungen , hier auf Dareios zu 
warten bis er nach Medien kam (II 29 — 49). Da er auch im 
Spätherbste dieses Jahres, als Dareios den Perser Wahumisa mit 
einem neuen Heere nach Armenien sandte , nicht imstande war 
diesem die Hand zu reichen, so kann jenes nur bedeuten, dass 
er sich vor der Übermacht der Aufständischen in die Festung 



^) \ada\haij adam . aänaij . äham . ahij . Buwa^am . pasäwdh ^ 
habäma^ . [atarsai^i^) . Suwag]ijäh . awam . Martijam . agrbdjan . 
hjasäm . maO^istah . ähah . [utääim . awä^a\nan. Über asnaij vgl. 
Bartholomae, ZDMG. 43, 666. Grdr. f. iran. Phil. I 13 § 31: 146 
§ 260 e. 



Untersuchungen zur Geschiclite von Eran. 167 

ühjäma werfen musste. Als Wahumisa gegen Armenien rückte, 
zogen ilim die Aufständischen bis nach der Landschaft Izzila in 
Assyrien entgegen, wo er ihnen am 15./X. ein siegreiches Treffen 
lieferte, das sie zum Rückzuge nach Armenien zwang. Die Land- 
schaft Izzila ist vermutlich das Gebirge Iz9lä der Syrer d. i. 
der heutige Tür *AbdIn^). Der Schauplatz dieser Schlacht gibt 
uns auch Aufschluss darüber, welchen Zweck der Aufstand der 
Armenier verfolgte. Dass sie sich damals ebensowenig wie in 
späteren Jahrhunderten dazu aufzuschwingen vermochten, „für ihr 
eigenes Land zu leben und zu sterben", geht aus dem gänzlichen 
Schweigen des Dareios über einen Anführer unzweideutig hervor. 
Wenn sie aber südwärts nach Assyrien vordrangen, so ist klar, 
dass ihr Ziel Babylonien war. Sie müssen also von hier aus be- 
wogen worden sein, sich gegen den neuen König der Könige 
zu erheben und den eben unterworfenen Babyloniern zu Hilfe 
zu kommen. Auf engere Beziehungen Armeniens zu Baby- 
lonien weist ja auch der Umstand, dass nach dem Abzüge des 
Dareios aus Babylonien ein Armenier die Babylonier abermals 
zum Aufstande bewegt. Dagegen ist die Annahme, dass der arme- 
nische Aufstand mit dem des Frawartis zusammenhänge, durch 
nichts gerechtfertigt. Nach einem zweiten Siege Wahumisa's in 
der Landschaft Autijära in Armenien am 30./IL des folgenden 
Jahres, des zweiten des Dareios, kam der Krieg zum Stillstand: 
„dort erwartete mich dann Wahumisa in Armenien, bis ich nach 
Medien kam" (II 49 — 63). Damit war in der That die drohende 
Gefahr eines Vordringens der Armenier nach Babylonien, das aller 
Voraussicht nach ein Wiederaufflammen des babylonischen Auf- 
standes im Gefolge gehabt und alle bisherigen Erfolge in Frage 
gestellt hätte, beseitigt, und jetzt erst konnte der König sich der 
Aufgabe zuwenden, Medien, das Kernland von Iran wieder in seine 
Gewalt zu bringen. Allein erst im Sommer oder Herbst verliess 
er Babylonien. 

Inzwischen hatten sich aber sehr bedeutsame Ereignisse im 
Osten abgespielt: die Parther und Hyrkanier hatten sich auf die 
Seite des Frawartis geschlagen, in Margiana hatte Fräda den Ver- 
such gemacht, das alte ostiranische Königreich zu erneuern, und 
im Stammlande Pars selbst hatte Wahjazdäta aufs neue den 
Schatten des Bardija erweckt und das Volk dem Sohne des Kürus 
begeistert zugejauchzt. „Es ward von mir abtrünnig, gieng zu 
jenem Wahjazdäta über, 6r ward König in Pars. Darauf entsandte 
ich ein persisches und medisches Heer, das bei mir war. Ein 
Perser, Artawrdija mit Namen, mein Diener, ihn machte ich zu 
ihrem Obersten — das übrige persische Heer zog hinter mir her 
nach Medien — ; darauf zog Artawrdija mit dem Heere nach Pars." 

Für die Herstellung eines pragmatischen Zusammenhanges ist 



^) Im persischen und babylonischen Text ist der Name zerstört. 



168 J. Marquart, 

es von grundlegender Wichtigkeit, diesen Aufstand chronologisch 
richtig einzureihen. Das von Artawrdija geführte Heer lieferte 
dem Wahjazdäta am 12. ©urawähara (II.) ein siegreiches Treffen 
bei der Stadt Eachä in Pars. Das Jahr der Schlacht ist nicht 
angegeben. Es erhebt sich daher zunächst die Frage, ob Arta- 
wrdija vom König erst bei seinem Abmärsche nach Medien im 
Sommer oder Herbste des zweiten Jahres (nämlich zwischen dem 
30./IL und dem 26. Adukanis), was nach dem Texte das Nächst- 
liegende wäre, oder etwa schon im Frühling dieses Jahres (im 
Garmapada) nach Pars geschickt worden ist. Bei ersterer An- 
nahme würde die Schlacht bei Rachä erst ins dritte Jahr des 
Dareios fallen, bis dahin wäre also der Feldherr völlig unthätig 
geblieben, in schreiendem Gegensatze zu der adlergleichen Rasch- 
heit des Königs selbst, der alsbald nach seiner Ankunft in Medien 
dem Frawartis eine Entscheidungsschlacht geliefert und noch im 
selben Jahre dem medischen Aufstande ein Ende gemacht hatte. 
Ich stimme daher Weissbach's Ansicht (ZDMG. 51, 519) bei, 
dass Artawrdija nach Persien zog, bevor der König Babylon ver- 
liess, und die Schlacht bei Rachä ins zweite Jahr gehört. Nach 
derselben hatte sich der Usurpator mit wenigen Reitern nach 
Pisijähuwädä geworfen und brachte von da ein neues Heer zu- 
sammen^), mit dem er später abermals gegen Artawrdija zog, 
allein in der Schlacht beim Berge Prga am 6. Garmapada ward 
Wahjazdäta aufs Haupt geschlagen und geriet selbst samt seinen 
vornehmsten Anhängern in Gefangenschaft (III 21 — 52). Hier 
könnte man in der That an der Gleichsetzung des Garmapada 
mit dem Nisan stutzig werden, da es Befremden erregen muss, 
dass zwischen der ersten und zweiten Schlacht 10 volle Monate 
verstrichen sein sollen. Diese Schwierigkeit würde wegfallen, 
wenn der Garmapada mit Rawlinson, ünger, Justi dem babylo- 
nischen Abu (V.) gleichzusetzen wäre. Allein Artawrdija mag 
gute Gründe gehabt haben, den geschlagenen Prätendenten nicht 
in dem durch schwer zugängliche Pässe geschützten Lande der 
Pasargaden selbst aufzusuchen. Seine Lage war ja überhaupt 
eine sehr schwierige, da er die Perser gegen ihre eigenen Lands- 
leute führen musste, und wenn der König kluger Weise auch die 
unter seinen Fahnen fechtenden Meder als Gegengewicht gegen 
die Perser seiner Streitmacht einverleibte, so konnte er doch dem 
angeblichen Sohne des Kyros gegenüber nicht durchaus auf die 
Treue dieses Heeres rechnen. 

Dass Artawrdija aber in der Zwischenzeit keineswegs unthätig 
geblieben war, beweist der Schauplatz der zweiten Schlacht, sofern 
der Berg Prga bei der heutigen Stadt Forg in der Nähe der 



1) Über ajasatä vgl. Foy, KZ. 35, 33. Bartholomae, BB. 
XIV 246 f. Fr. Müller, WZKM. VII 253. 0. Hoffmann, BB. 
XVIII 285 f. 



Untersucliungen zur Geschiclite von Eran. 169 

Grenze zwischen Pars und Kermän zu suchen sein wird. Hieraus 
folgt m. E., dass Artawrdija inzwischen den grössten Teil von 
Pars einschliesslich der Landschaft Jutijä oder Jautijä^) d. i. der 
nachmaligen Provinz Krmäna unterworfen hatte. 

Wahjazdäta hatte aber, selbstverständlich vor der Ankunft 
des Artawrdija, ein Heer nach Arachosien gesandt, welches dem 
dortigen Satrapen Wiwäna zwei Schlachten lieferte, die erste am 
13. Anämaka (X.) bei der Festung Käpisakänis , die zweite am 
7. Wijachna (XH.) in der Landschaft Gandumawa. In beiden ge- 
schlagen floh der Feldherr des Wahjazdäta mit wenigen Reitern 
nach der Festung Arsädä in Arachosien , ward aber hier von 
Wiwäna , der ihm auf dem Fusse folgte , ergriffen und getötet 
(II 52 — 75). Es handelt sich zunächst darum, den Kriegsschau- 
platz dieser Episode etwas genauer festzustellen. Da von Arsädä 
ausdrücklich angegeben wird, dass es in Arachosien lag, so werden 
die beiden andern Örtlichkeiten, bei welchen eine nähere Be- 
stimmung fehlt, ausserhalb des eigentlichen Arachosien in einer 
der zur Satrapie Arachosien gehörigen Provinzen zu suchen sein. 

Als solche kommen nach Beh. I 16 — 17 Gandära, Saka, 
©atagus und Maka in Betracht. Da nun in der Übersicht Beh. 
II 7/8 auch ein Aufstand der ©atagus und Saka erwähnt wird, 
von dem in der Erzählung sonst keine Andeutung zu finden ist, 
und ©atagus unter den genannten Landschaften — abgesehen von 
Maka, von welchem aber kein Aufstand gemeldet wird — Pärs-Ker- 
män am nächsten lag, so kann es kaum zweifelhaft sein, dass die 
arachosische Expedition des Wahjazdäta mit dem erwähnten Auf- 
stande in engster Beziehung steht und Käpisakänis und Gandu- 
mawa in ©atagus lagen. Auch in der Inschrift I von Persepolis 
erscheint ©atagus noch unzweifelhaft mit Arachosien verbunden. 
Der Schluss dieser Liste (Z. 17 — 18) lautet: ©atagus Hara^u- 
watis Hindus Gandära^ Sakä^ Maka^. Diese Stellung ist nicht 
zufällig, sondern lässt uns eine durch die inzwischen erfolgte Er- 
oberung des oberen Induslandes veranlasste administrative Ver- 
änderung erkennen. Lassen wir nämlich die beiden letzten Namen, 
welche die äusserste Nordost- und Südostgrenze des Reiches be- 
zeichnen, beiseite, so erhalten wir zwei genau geschiedene Gruppen 
©atagus - Hara^uwatis und Hindus - Gandära. Das Indusland war 
also wohl mit Gandhära zu einer neuen Satrapie vereinigt worden. 
So erklärt es sich, warum ©atagus von Gandära getrennt ist. 

Man hat sich daher zu denken, dass der zweite falsche Bardija 
wie der erste überallhin Boten aussandte mit der Aufforderung, 
dem Sohne des Kürus zu huldigen. Die ©atagus folgten diesem 



^) So ist zu lesen, wenn Weissbach den Namen im elamitischen 
Text III 1 mit Recht zu Jla-iil-ti-ja-as statt I-[ü-]ti-ja-as ergänzt. 
Herodots Ovtlol würde sich dem nicht widersetzen, da ionisches ov 
d. i. ou auch ap. au wiedergeben kann (Assyriaka S. 637). 



170 J- Marquart, 

Rufe, vermutlich weil der Held Bardija von den Feldzügen des 
Kyros her bei ihnen populär war, worauf der neue König eine 
Streitmacht zu ihrer Unterstützung aussandte. Um den Verlauf 
dieser Expedition militärisch und topographisch zu begreifen, ist 
es indessen vor allem nötig, die damalige Verteilung der ost- 
iranischen Satrapien zu kennen. Diese lässt sich aus Beh. I 16 
und Dar. Pers. I 15 — 17 mit genügender Sicherheit ableiten. In 
diesen Aufzählungen bilden Asagarta, Par'ö'awa, Zranka und Ha- 
raiwa^), sowie Huwärazmija, Bächtris und Suguda je zwei beson- 
dere geschlossene Gruppen, woraus sich ergibt, dass dem Satrapen 
von Baktrien das ganze Stromgebiet des Oxus, dem von Parthien 
aber ausser Parthien und Hyrkanien und dem Stromgebiete des 
Hare-rö(J auch noch das Mündungsland des Hedmand, das ge- 
priesene Kulturland Zranka (Drangiana, Sistän) unterstand, das 
ganz ebenso im Süden die Brücke zwischen den durch die grosse 
Wüste getrennten Ländermassen West- und Ostiran bildete, wie 
Parthien im Norden (S. 163). Um den ©atagus die Hand reichen zu 
können, musste das Heer des Wahjazdäta Sistän passieren; dies war 
aber selbstverständlich nur ausführbar, falls der Heerbann des 
Satrapen von Parthien anderweitig in Anspruch genommen war, 
da die Expedition sonst einen Feind in ihrem Rücken gelassen 
und sich der Gefahr ausgesetzt hätte, von ihrer natürlichen Opera- 
tionsbasis abgeschnitten zu werden. 

Daraus folgt, dass die Parther und Hyrkanier damals bereits 
von ihrem Satrapen Wistäspa, dem Vater des Dareios, abgefallen 
waren und sich für den angeblichen Chsa-O-rita, den Erneuerer des 
Reiches des Huwachstra, erklärt hatten, dessen Dynastie sie eine 
dankbare Anhänglichkeit bewahrten 2). Wistäspa hatte daher alle 



') Die Gruppe ^^^wa j Harata ^''''^' ^"« ™«' parallelen, 
von Süd nach Nord laufenden Reihen. Asagarta (das mittelalterliche 
Köhistän) und Par-O'awa entsprechen zusammen dem Lande Pahlaw 
nach der Bestimmung arRuhnl's (ZDMG. 49, 630 ff). 

2) Dies lehrt die Erzählung des Ktesias bei Diod. 2, 34. Anonym, 
de mulier. c. 2. [Demetr.J tcsqI hQ\i7\vda.(s § 218 ff. Nik. Dam. fr. 8 bei 
Dindorf, Hist. Gr. min. I 12—13. 

Die Thatsache, dass sich die Parther und Hyrkanier für den an- 
geblichen Chsa-^rita erklärten, beweist übrigens schlagend, dass die 
Barkanier und Derbiker, über welche Megabernes und Spitakes, die 
Söhne des Spitamas und Enkel des Astyages, seit dem Tode des Kyros 
als Satrapen geherrscht haben sollen (S. 139. 145), nicht in der Nähe 
der Hyrkanier gewohnt haben, geschweige denn, dass die Barkanier 
mit den Hyrkaniern identisch sein können. Denn sonst hätten die 
Parther und Hyrkanier doch sicherlich einen der beiden Enkel des 
letzten Mederkönigs auf den Schild erhoben, statt sich dem unbekannten 
Frawartis, der seine angebliche Abstammung vom medischen Königs- 
hause gar nicht näher nachzuweisen vermochte und bis auf den König 
Huwachstra zurückgehen musste, anzuschliessen. Ob es wirklich um 
jene Zeit einen medischen Prinzen Chsa^rita gegeben oder Frawartis 
den Namen in Erinnerung an Kastarüu, den Präfekten von Karkassi 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 171 

Hände voll zu thun, um die Kaspischen Thore zu sperren und 
die Vereinigung der Parther mit den Medern zu hindern. 

Für die Bestimmung der Lage von ©atagus bietet den ein- 
zigen greifbaren Anhaltspunkt Herodots Verzeichnis der Steuer- 
bezirke (3, 91), wo, allerdings an ganz unpassender Stelle, zwischen 
Ägypten und Susiana, die UcxtxayvöaL mit den FavöaQLOL, /daSUm 
und ^A%aQv%aL als VII. Steuerbezirk zusammengefasst werden. Wir 
haben uns hier nicht über den streng historischen Wert dieses 
Verzeichnisses zu äussern, das augenscheinlich aus mehreren, schon 
äusserlich durch besondere Formeln unterschiedenen älteren Quellen 
nicht gerade geschickt zusammengearbeitet ist. Dies thut indessen 
seiner Wichtigkeit als topographische und ethnologische Quelle 
keinen Eintrag. Die Grundlage bildete ein altes, auf die frühere 
Zeit des Dareios bezügliches Verzeichnis (A), das mit lonien be- 
gann und in dem die Steuerquoten durch die Formel ausgedrückt 
waren: ano tov östvog öetva TCQOöriLS {cpOQog tjv) xdlavxa. Dieser 
Katalog war aber an mehreren Stellen beschädigt: vor Medien war 
Armenien, hinter Medien Parthien mit Hyrkanien und Areia aus- 
gefallen, die auf Baktrien (XII) und TlaY,xv'C%'ri (XIII) bezüglichen 
Angaben waren verstümmelt^). Man versuchte daher, dies wertvolle 
Dokument aus anderen Quellen so gut es gehen wollte zu ergänzen, 
und so ist die gegenwärtige Verwirrung zustande gekommen. Die 
Parther, Chorasmier, Sogder und Areier können niemals einen 
Steuerbezirk gebildet haben: noch die Grabinschrift des Dareios 
zu Naqs i Rustam zählt die Länder Par-O-awa und Haraiwa einer- 
seits, Bächtris, Suguda und Huwärazmis andrerseits als zwei deut- 
lich unterschiedene Gruppen d. h. Satrapien auf, obwohl sie sonst 
den inzwischen eingetretenen administrativen Veränderungen Rech- 
nung trägt. Wenn im Heere des Xerxes die Parther nicht mit den 
Hyrkaniern und Areiern, sondern mit den Chorasmiern zusammen 
denselben Führer haben, so beruht dies auf einem sehr verständigen 
taktischen Prinzip. Bei grösseren Feldzügen, bei welchen Truppen 
aus verschiedenen Satrapien zur Verwendung kamen, bildete nicht 
die Satrapie schlechtweg den Korpsverband, sondern die einzelnen 
Völker wurden je nach der Übereinstimmung ihrer nationalen Be- 
waffnung, Fechtart und Sprache zu neuen taktischen Verbänden 



und Führer der Liga gegen Asarhaddon (vgl. Streck, ZA. XV 320. 
360 f.) frei erfunden hat, wissen wir nicht. In den Ländern des Hindu- 
kus, die niemals zum medischen Reiche gehört hatten, waren die an- 
geblichen Enkel des Astyages, wenn sie noch am Leben waren, aller- 
dings kalt gestellt. 

^) Die Worte yi'i%Qi AiyXcbv sind sicher verdorben, welcher Name 
aber für Ätylcbv herzustellen ist, ist nicht mit Sicherheit auszumachen ; 
schwerlich Eoydcov, ich vermute eher {I^iyCvvyvoiV'^ vgl. Strab. la 11, 8 
p. 520 und Ktesias bei Steph. Byz. p, 565, 3 : Eiyvvvoi, noXig Alyvnxioiv, 
cos Kx7\6lag iv TCQoaxca TCsqiTtlcov. oi TtoXlxca 2iyvvvoi, wo AITTUTISIN 
eine allerdings schwer begreifliche Verderbnis aus HIFTNNSIN sein 
wird. Vgl. Müllenhoff, DA. III 1 ff. 



172 J- Marquart, 

zusammengestellt, mochten sie sonst auch verschiedenen Satrapien 
angehören 1). Die Hyrkanier und Areier unterschieden sich in der 
Ausrüstung von den Parthern und erhielten darum eigene Führer 
(Her. 7, 62. 66). Weshalb auch die Sogdier einem besonderen Be- 
fehlshaber unterstellt und nicht mit den Baktriern vereinigt wur- 
den, ist nicht deutlich; noch zu Alexanders Zeit fochten sie im 
Heere des Bessos, des Satrapen von Baktrien (Arr. 3, 8, 3), doch 
besass die Provinz ihre eigene Residenz (Arr. 3, 30, 6. 4, 5, 3), 
wie auch Hyrkanien (eb. 3, 25, 1) und Drangiana (eb. 3, 25, 8). 
Dass die nomadischen Saken, die sich von den ansässigen Iraniern 
nicht bloss in Tracht und Bewaffnung, sondern ohne Zweifel auch 
in Dialekt^) und Sitten unterschieden, mit den Baktriern zusammen 
die Leibtruppen des Satrapen Wistäspa bilden (7, 64), hat jeden- 
falls einen besonderen historischen Grund ^). Ebenso ist nichts 
dagegen einzuwenden, dass die Parther, Chorasmier, Sogder, Gan- 
darier und Dadiken wegen ihrer mit der baktrischen überein- 
stimmenden Rüstung zusammengestellt werden (7, 66), und es ist 
augenscheinlich, dass der Redaktor des Verzeichnisses der Steuer- 
bezirke unter dem Einflüsse dieser Stelle steht, wenn er Parther, 
Chorasmier, Sogder und Areier zu einem Bezirke vereinigt*). Ver- 
bindet man nun die im Nominativ stehenden, aus anderer Quelle 
(B) stammenden Namen der Bezirke VH, XI, XV— XVH und XX, 
indem man die jetzt hinter Ägypten eingeschobenen Namen des 
Vn. Bezirks vor ^Ivöol stellt, so erhält man eine in sich ge- 
schlossene geographische Reihenfolge, die am Kaspischen Meere 
(KdöTtLoi, UavöLTiai,, JccQBitai) beginnt und in der Nähe des Indus 
endet. Die IIa%tv'C%ri des XIII. Bezirks ist offenbar dieselbe Land- 
schaft, die noch an zwei andern Stellen (3, 102 und 4, 44) bei 
Herodot vorkommt und in der Nähe der Stadt Kaspatyros oder 
Kaspapyros nicht weit von der Mündung des Käbulflusses in den 
Indus ^) zu suchen ist, wie ihre Stellung zwischen Baktrien und dem 
vierzehnten Bezirke beweist, der die Sagartier, Zranka, Occ^avaioL 
(Arachosien), Ovtlol (Jutijä) und Mvkol (Maka) umfasste und bis 
zum erythräischen Meere reichte, d. h. der Satrapie Arachosien. 



^) Das klassische Beispiel bildet die Vereinigung der Phryger 
und Armenier Her. 7, 73. 

^) Nach dem oben (S. 142) Bemerkten hätte das altertümliche 
Mungl mit seinem Unterdialekt, dem im Thale Lud-Chö oder Jidok 
auf der Südseite des Hindukus gesprochenen Jidyäh, den nächsten An- 
spruch, als Abkömmling der alten Sprache der Sakäh Haumawargäh 
zu gelten. 

s) Vgl. Her. 9, 113. 1, 153. 

*) Auf die weitere Un Wahrscheinlichkeit des „ Satrapienverzeich- 
nisses", dass die Baktrier 360, die TLaQu-KavioL und AlQ-ioTtsg gar 400, 
die Parther, Chorasmier, Sogder und Areier dagegen zusammen nur 
800 Talente aufgebracht haben sollen, gehe ich hier nicht ein. 

5) S. u. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Er an. 173 

Die Frage, wie es kam, dass mit dieser Provinz IIa%xv'C%ri ^i® 
Armenier nebst den benachbarten Stämmen bis zum Schwarzen 
Meere verbunden wurden, ist nicht ganz leicht zu beantworten. 
Die einfachste Lösung wäre die Vermutung, die Quelle A habe 
zwei gleichnamige Landschaften TIa%tvC%ri aufgeführt, von denen 
die eine in der That mit den Armeniern zusammen einen Steuer- 
bezirk gebildet und in der Quelle ihre richtige Stelle vor Medien 
gehabt hätte, aber von dem Redaktor mit dem indischen IIa%tv'C%ri 
identifiziert und deshalb samt Armenien hinter Baktrien gerückt 
worden wäre. Jenes westliche IIa%tv'C%ri wäre in der heutigen 
Gebirgslandschaft Bohtän zu suchen^). Gegen diese Annahme 
lässt sich nicht einwenden , dass ja dieses Gebiet bei Herodot 
sonst durch den Namen Manriv^ vertreten sei 2) ; denn diese 
Schwierigkeit Hesse sich durch die Benutzung ungleichaltriger 
Quellen erklären. Allein der Landschaftsname Bohtän hat kein 
hohes Alter, sondern ist seinerseits von dem des Kurdenstammes 

Ä:^ Bochti abgeleitet, der noch nicht einmal den älteren ara- 
bischen Geographen bekannt ist. Dies gilt sogar von Mas'üdl, 
der doch der Geschichte der Nomadenstämme, und zwar auch der 
iranischen und unter letzteren wieder besonders der Kurden, ein 
eigenes Studium gewidmet hat und gerade über diese sehr gut 
Bescheid weiss ^). Der Stammvater der Kurden ist nach ihm Kurd 
b. Mard^) ^ worin sich eine überraschende Kunde von dem alten 
Zusammenhange der räuberischen und nomadischen "A^aqöoi oder 
MciQÖOL und KvQxioi im Zagros erhalten hat^). Allein obwohl 
er selbst mit der Topographie des heutigen Bohtän ganz gut ver- 
traut ist und in der Nähe des Gebietes von al Mau9il und des 

Gabal al Güdi christliche Kurden, die Jakobiten und .l'i.«.^ 
Güraqän kennt ^), finden sich unter den zahlreichen von ihm auf- 
geführten Kurdenstämmen ') die Bochti-Kurden nicht. Über das erst' 
malige Auftreten dieses Stammnamens in der Geschichte schweigt 
sich Hartmann aus, spricht sich aber S. 103 ausdrücklich gegen 
den Zusammenhang desselben mit Herodots naxtv'Cni] aus. In der 

1) Nöldeke, Neusyr. Gramm. XVIII n. 2. Vgl. Kiepert, AG, 
§ 81 A. 1. Hartmann, Bohtän S. 103 = MVAG. 1897, S. 43. 

2) Her. 1, 202. 189. 5, 49. 52. Vgl. einstweilen Erän§ahr S. 221 A. 1. 

3) Murüg III 246—254. Kitäb at tanblh aa, 14—1,, 4. 

4) Oben S. 137 A. 

^) Ganz genau so werden MaQ^oi und Kvqtlol gepaart bei Strab. icc 
13, 3 p. 523. i8 3, 1 p. 727; vgl. noch Polyb. 5, 52, 5. Liv. 37, 40. 42, 58 
und über die Form Kvqrioi Nöldeke, Kardü und Kurden; Festschr. 
f. Kiepert S. 78. 

^) Vgl. auch die Rahzä&i-Kxxxdien iCjoL^^ Ji am (assyrischen) Chäbür 
Tanblh öf , 10. "* ^ 

') Murüg III 254. Tanblh aa, 19— aI, 3. 



174 J- Marquart, 

That würde, von den historischen Bedenken ganz abgesehen, schon 
die anlautende Media jene Gleichung lautlich sehr zweifelhaft er- 
scheinen lassen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Ethnikon 
bochti aber erst von einem Personennamen abgeleitet, und da 
bieten sich von selbst die mit -bucht zusammengesetzten Namen, 
wie Se-hucht^ Bucht-lsö^ etc. Bei der Ableitung fiel der andere 
Teil des Kompositums natürlich ab. 

Ist somit eine Landschaft IlanxvL'Krj im Westen nicht nach- 
weisbar, so muss die nachgewiesene Verschiebung der Armenier 
eine andere Ursache haben. Ich glaube dieselbe zu finden in den 
Namen der Sayaqxioi (Asagarta) und Mvkol. Wir können min- 
desten zwei Völker jenes Namens nachweisen, von denen das eine 
zu den östlichen Ländern gerechnet und neben Par-O'awah gestellt 
wird (Dar. Pers. I 15), während das andere den nördlichen Zagros, 
etwa das heutige Bohtän, und das anstossende assyrische Gebiet 
mit der Hauptstadt Arbela inne hatte ^). Die Mvkol (auch 7, 68) 
entsprechen fragelos den Maka der Inschriften (Beh. I 17. Dar. 
Pers. I 18) in Mokrän, den Mäkara der Inder, von welchen der 
mittelpersische Landschaftsname Mäkurän, Mukui'än, Mukrän 
abgeleitet ist, scheinen aber von dem Bearbeiter der Verzeichnisse, 
wie schon die abweichende Namensform andeutet, mit den von 
Hekataios in der Nähe von Armenien genannten Mvkol kombiniert 
worden zu sein^). Auf die Frage, ob unter den Mvkol des 
Hekataios die Völkerschaft, welche der Landschaft Mukan, arab. 
..üsys, der heutigen Steppe Muyan südöstlich vom Araxes den 
Namen gegeben hat^), oder die Bewohner der armenischen Provinz 
Mokk' im Südwesten des Wansees*) zu verstehen seien, braucht 
hier nicht eingegangen zu werden. Zu diesen Übereinstimmungen 
kommt, dass auch der Name Ovtlol sein Gegenstück in Armenien 
hatte: es gab hier am Unterlaufe des Araxes eine Landschaft Otene^), 
die in Arzach oder P'ajtakaran gelegen haben muss und geogi'aphisch 
offenbar von Uti am Kur zu trennen, aber vielleicht mit der 
Landschaft Ovltlu der Alexanderhistoriker Medios und Kyrsilos 
identisch ist, die in oder in der Nähe von P'ajtakaran zu suchen ist^). 



1) Beh. II 79—91. IV 20—23. Beh. G. Ptol. VI 2 p. 391, 26—27 
(nach archaischer Quelle). Vgl. einstweilen diese Unters. I 60 A. 

2) Hekat. fr. 170 bei Steph. Byz. s. v. Mvyioi- sd-vog ttsqI ov 'Ekoc- 
tccZog iv 'Aalcc y^iv. Mvk&v ig 'Agd^scc norccyiov*. 

3) Erän'sahr 125. ZDMG. 49, 633. 

*) Steckt in den Moschem des Plin. h. n. 6, 28 arm. Mokh^, acc. 
MoTcs'i Ammian schreibt Moxoene mit Vokalassimilation nach syr. Be% 
Moksäß, wie Rufus Festus Mada'ena = syr. BeO" Mädäje. 

^) Plin. h. n. 6, 42: reliqua vero fronte, qua tendit ad Caspium 
mare, Atrapatene ab Armeniae Otene regione discreta Araxe. 

*) Ich will hier nur darauf hinweisen, dass die Stadt Äivia, die 
wahrscheinlich mit dem Gau Hani in P'ajtakaran zusammenhängt (so 
Andreas), in Uitia lag Strab. la 7, 1 p. 508. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 175 

Indem also der Bearbeiter die SayaqxiOL des vierzehnten 
Steuerbezirks mit den Asagarta des Zagros zusammenbrachte und 
die Maka irrig mit den nordwestlichen MvkoI des Hekataios zu- 
sammenwarf, ward er dazu verleitet, auch die Armenier in ihre 
Nähe zu bringen. 

Dagegen ist jetzt unverkennbar, dass sich der die Sattagyden, 
Gandarier, Dadiken und Aparjten umfassende siebente Bezirk des 
Interpolators sachlich mit der Provinz TIa%xv'C%r\ (XIII.) der altern 
Quelle deckt. Die Gandarier und Dadiken werden auch im Xerxes- 
heere zusammengeordnet; sie trugen baktrische Rüstung (7, QQ)^ 
im Unterschiede von den eigentlichen Indusanwohnern. Die Gan- 
darier, ap. Oandära^ ai. Gandhära im untern Käbulthale sind 
bekannt. In JaöUccL sehe ich eine indische Dialektform *Dadika 
(mit Suffix -tka, vgl. Jackson, Awesta Gramraar § 839) = Dar da, 
Darada. Die Dardstämme nennen sich selbst Sin, ihre Sprache Sinä 
und erstrecken sich bis zur Indusbeuge und bis Gilgit und Jasin. 
Die ^Ana^vtai decken sich mit dem Lande Po^ruta des Mihrjast^). 
Auch Ptolemaios kennt an der Grenze von Areia gegen das Land 
der Paropanisaden, also etwa am Oberlaufe des Häri-rüd westlich 
vom Köh-i Bäbä, einen Stamm UccQovtai,'^). 

Die ©atagus erscheinen noch in der Grabinschrift des Dareios 
von Naq§-i Rustam, und zwar in folgender Völkerreihe: Zranka^ 
— Hara^uwatis — ©ataguS — Gandära^ — HinduS — Sakä^ 
IIaumaw*[rgä^] — Sakä^ tigrachaudä^. Drangiana, das noch in der 
Inschrift I von Persepolis mit Parthien und Haraiwa vereinigt 
erscheint, war demnach seither mit Arachosien verbunden worden. 
Wenn dagegen die ©atagus im Gegensatz zur genannten Inschrift 
unmittelbar vor Gandära und Hindus gestellt werden, so erklärt 
sich dies am besten bei der Annahme, dass sie jetzt mit diesen 
beiden Ländern zusammen einen Verwaltungsbezirk ausmachten. 
Aus Herodot und der Inschrift von Naq§-i Rustam ergibt sich 
somit, dass die ©atagus nördlich von Arachosien und westlich 
von Gandhära, also etwa im Köh-i Bäbä und am Oberlaufe des 
Helmand za suchen sind. Über die den Schluss bildenden Saken 
ist schon oben gehandelt. 

Nach Dareios werden die ©atagus nicht mehr erwähnt. Im 
Xerxesheere vertreten ihre Stelle die TId%tveg, ein Volk mit 
eigner Rüstung: nd%tvsg Sh aiavQvocpoQOt rs rjCav (d. h. sie trugen 
Röcke aus Schaf- oder Ziegenfellen) nal to^cc iTtixcoQLa elxov kccI 
iyxetQLÖLa (Her. 7, 67). Auch dieser Volksname ist in der späteren 
geographischen Literatur verschollen, wird aber in der Umschreibung 
Ü'Rä P'ok-tat noch je einmal im Ts'ien Han-su und im Höu 



1) Oben S. 73 f. 

2) Ptol. 6, 17 p. 433. 4 ed. Wilberg und Grashoff: -KatixovGi d^ tfig 
ÄQsias . . . tcc dk TtocQcc tov$ UaQOTtavLcd&ccg Uagovrcci, (v. 1. Hdqccvxoi^ 
JldqovToi), v(p ovg 'Oßagstg. 



176 J- Marquart, 

Han-su erwähnt. Im erstem Werke heisst es von A-ßh-san-li 
d. i. Arachosien, benannt nach der Hauptstadt ^AlE^dvdqBLci ^Aqa- 
%(üxu)v: „The country joins Ke-pin on the east, Po-taou ^^P^ok-taf] 
on the north, and Le-keen and Teaou-che on the west"^). Ki-pin^ 
eigentlich eine Transskription von Kasmira bezw. präkr. *Kasvira^ 
bezeichnet hier das Sakenreich im Pangäb, über Li-kan und T'iau- 
öih vgl. Hirth, China and the Roman Orient p. 146. 172. Das 
Höh Han-su erzählt von Km-tsiu-hHoh^ dem Gründer des Kusan- 
reiches: „Er fiel ein ins Land der An-sik (Arsakiden); er be- 
mächtigte sich des Gebietes von Ko-hu^ vernichtete auch P^ok-tat 
und Ki-pin und ward vollkommen Herr dieser Länder" 2). Ko-hu 
= KccßovQcc, Kabul vertritt hier das Königreich Gandhära, steht 
demnach zwischen P'ok-tat und Ki-pin in der Mitte. Daraus er- 
gibt sich, dass P'ok-tat westlich oder südwestlich von Kabul zu 
suchen ist. Aus Herodot ist aber zu entnehmen, dass IldTirvsg, 
im Gegensatze zu den rein geographischen Bezeichnungen Hara- 
huwatts und (aw.) Haetumant^ ein echter Volksname war, der in 
älterer Zeit eine umfassendere Bedeutung hatte und auch die 
Arachosier einschloss. Diese werden in dem Verzeichnis der Steuer- 
bezirke (3, 93) und in der legendenhaften Erzählung Her. 3, 117 
unter der epischen Bezeichnung Sa^avaioi, d. i. ap. *&ämäna = 
aw. Säma aufgeführt^), wären aber im Kataloge des Xerxesheeres 
gar nicht vertreten, wenn sie nicht unter den UccMveg einbegriffen 
wären. Auf ein grösseres Volk lässt auch der Umstand schliessen, 
dass die Rüstung der Paktyer der persischen gegenübergestellt 
wird'^). Dazu stimmt sehr gut, dass auch den früher zu Pars 
gehörigen Ovxioi (Jutijä im späteren Kermän), Mvkol (Maka) und 
IIciQL%dvLoi dieselbe Rüstung wie den Paktyern zugeschrieben wird 
(7, 68)^). Die beiden letzteren Völker waren südliche Nachbarn 



^) Ts'ien Han-su Kap. 96 a, übs. von Wylie, Journ. of the 
Anthropol. Inst. X, 1881, p. 38. 

2) Höu Han-su, Kap. 118 fol. 11, Übersetzung von Prof. de Groot; 
vgl. E. Specht, Etudes sur l'Asie centrale p. 9. Eränsahr S. 208 
A. 8. 208. 

2) S. meine Abhandlung „Wehröt und Arang". 

'^) Dagegen kommt der rein geographische Charakter des Namens 
Harahuwatis auch darin zum Ausdruck, dass er später auf eine Stadt 
und einen kleinen Bezirk im GarmsTr beschränkt wird: 'Aqu^coto? Ptol. 
6, 20 p. 438, 8 XoQO%oud rcoUg Isidor. von Charax arccd'^ol IIccQd'. § 19 
= Horoxwad (mit regressiver Vokalassimilation, wie in mp. Ohormizd, 
geschrieben 1j.iD^O)o/ = ap. Ahuramazdah^) lODO^ Rochwat a. 544 
Synodicon Orient, p. 88, 17. 22. 28. 29. 89, 1 = 848/44 ed. Chabot, arab. 

(3».3>., ^3>J|. Die Stadt heisst später ^^\a.^i Pan^waj, an dessen 

Stelle im 10. Jahrhundert das ein manzil entfernte JLj5 (J^^J Tigin- 
ähäd tritt. 

^) Her. 7, 85: bUI dh nvhg vo[icids? avQ'Qconoi UayaQXLOL xaXso- 
fisvoL, iO'vog ^hv TIsQöiyiov xccl cpcovj] (ergänze mit Stein xQsm^i^svov 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 177 

von Arachosien. Ich glaube daher, dass ©ataguS ^.hundert Rinder 
besitzend"^) die persische Bezeichnung eines nördlich von Ara- 
chosien wohnenden Stammes der Paktyer war, und dass dieser 
Volksname selbst bei der Auflösung des baktrisch - hellenischen 
Reiches auf einen vom Königreich bezw. der Satrapie Arachosien 
unabhängigen Stamm beschränkt wurde. 

Mit der Selbstbezeichnung der Afyänen, P^xtün bezw. P^Stün^ 
plur. P^stäna^ deren Sprache P^xtö bezw. P^stö heisst, hat der 
Name UccKtveg nichts zu thun. Paxtün ist nur nordafyänische Aus- 
sprache, das Ursprünglichere ist die südafyänische Form Pastün^ die 
ein älteres Pastän oder *Parstän voraussetzt, da afy. s auf iran. s 
bezw. sr, rs, rs zurückgeht 2). Aus dem Gesagten geht aber des 
weiteren hervor, dass auch sachlich zwischen den TId%tveg und den 
P^stün keinerlei Beziehung besteht. Der Name XoQO%occd^ LOOOI 

Bochwat^ "V^j' ^^r'^ ^^^^^^1 Rochag allein würde zu dem Be- 
weise genügen, dass man in Arachosien, wenigstens im Garmsir, 
nicht Afyänisch sprach. Gegen die verbreitete Annahme, die Afyänen 
seien aus dem För gekommen, hat Raverty mit Recht energisch 
protestiert und betont, dass dieselben bei ihrem Eintritte in die 
Geschichte östlich von Paznin wohnten und sich noch um 369 H. 
(979/80) nicht nordwärts vom Flusse Kurma (Kuram) ausgebreitet 
hatten^). Wann und woher sie dahin gekommen waren, ist freilich 
gänzlich unbekannt. In Paznln war seit der Hephthalitenherrschaft 
mehr und mehr die persische Verkehrssprache eingedrungen, die 
einheimische Mundart, das ZäwulT, war aber zu Mahmuds Zeiten 
sicher weder indisch noch afyänisch, sondern wird sich an die im 
Süden und Westen angrenzenden, bis jetzt unbekannten Mundarten 
angeschlossen haben*). Dagegen könnten die P^stün möglicher- 
weise in dem Stamme der IlaqGvY\xai stecken, welchen Ptol. 6, 18 



ÜSQGL'Kjj?), axsvrjv Sh ^sta^v s'^ovöl Ttsitoiri^ivTiv tfig ts ÜSQGLiifjg y.cu 
ri]g üccjiTVL^ifjg. Es ist wohl zu beachten, dass hier von bedeutenderen 
nationalen Unterschieden innerhalb der Iranier die Rede ist. Wie von 
Dareios die Landschaft Jautijä d. h. die spätere Provinz Kermän und 
noch in dem Verzeichnisse der persischen Stämme Her. 1, 125 die Fsq- 
^idvLOi d. i. '^Krmäna (oben S. 144), so werden hier und in dem er- 
wähnten Verzeichnis auch die nomadischen Asagarta (vgl. Dar. Pers. 1 15. 
Her. 3, 93) im heutigen Köhistän der persischen Nation zugerechnet. 

i)SoBartholomae, Idg. Forsch. XII, 1901, S. 130 A. 2. 

^) Vgl. W. Geiger, Etymologie und Lautlehre des Afghanischen 
§ 19, 2. 3 S. 51 = Abh. d. bayer. Akad. L Cl. XX. Bd. 1. Abth. S. 217. 
Grdr. f. iranische Phil. I 2, S. 209 § 6. 

^) Minhäj-i Siräj, The Tabaqät-i Nä^irl transl by H. G. Raverty 
passim, bes. p. 320 n^ 4. 1032 n. 2. 1202/3 n. XIV. Desselben Ver- 
fassers Notes on Afghanistan sind mir leider nicht zugänglich. 

*) Ist. i*Al , 2 (= IH. t^n , 6) beschränkt sich auf die Bemerkung, 
die Sprache des Föt sei verschieden von der Sprache der Chorasanier 
d. h. der neupersischen Verkehrsprache der Samanidenzeit. 

Philologus Supplementsband X, Erstes Heft. 12 



178 J. Marquart, 

p. 435, 8 ed. Wilberg im südlichen Teile des Paropanisadenlandes 
ansetzt : 0iaTi%ov6L dh trjg %coQccg xa ^ev ccQKxiKCi BoaXixai , xa dl 
övCiiLKcc ^Aqi<3x6(pvloi %ccl Vit ccvxovg TJccqGloi, xa 61 (isGrifißQLVCc 
naQCLTJxai, 1), xa Ss avaxoXiKa ^AfißaxaL. Für BcjXixat, ist KaßoXtxai, 
herzustellen, ^A^ßaxai in Aa^ßayai zu verbessern, wofür VII 1, 42 
weniger falsch Aafißdxai geschrieben ist. Beide Verderbnisse er- 
klären sich leicht. Das Land der Paropanisaden schloss also im Norden 
das Gebiet von Kabul und im Osten das der Lampäka (Lamyän) 
ein, die TlaqGLrixaL würden demnach in der That etwa in das 
Stammland der Afyänen östlich von rkznin und südlich vom oberen 
Kuram fallen. Dasselbe Volk könnte mit den UaQyvrixaL gemeint 
sein, welche Ptol. 6, 20 p. 437, 27 ins nördliche Arachosien setzt: 
KaXovvxaL 6s ot ^nlv xa aq'KXiY.a xi]g %(oqag Kaxe%ovxsg HaQyvjixai'^), 
ot 6e Vit avxovg 2!v6Q0t ^) , jw-f'O'' ovg ^PooTcXovxaL aal EcoQstxai. 
Diese Völkerreihe ist nämlich ganz willkürlich nach Arachosien 
versetzt worden und gehört in Wirklichkeit in das Gebiet zwischen 
Arachosien bezw. Gedrosien und dem Indus, wie die EcoQetxai^) 
und I!v6qol^) beweisen. Die UaQrvrjxaL kämen somit auch hier 
etwa in das Gebiet südlich vom Kuram, und die Änderung in 
naqGvfixai oder IlaQSlfjxai ist mindestens ebenso leicht als 
Grashoff' s Konjektur IlaQOvrjxai,. Dagegen ist in der Grenz- 
beschreibung p. 434, 30: ot TJa^onav L6d6aL neQLoql^ovxai . . . 
dno 61 (ji£ari(jißQLag ^AQa%coala %axd xrjv iitL^svyvvovöav xa iiiKsl- 
(jisva niqaxa yQa^^r\v 610, x&v naQovrixS)v^) oq&v eine Änderung 
unnötig, da parwata im Indischen „Gebirge" bedeutet und der 
Name des Stammes mit dem des Gebirges nicht zusammenzuhängen 
braucht. Höchstens wird umgekehrt die Schreibung des Gebirgs- 
namens bei den Abschreibern die des Stammnamens beeinflusst haben. 
Aus diesen Darlegungen folgt von selbst, dass der Name 
der Landschaft UaKXVLoiri mit der nach Hekataios in Gandhära 
gelegenen Stadt KaöTcdxvQog bezw. KaßnditvQog , wo die Ent- 
deckungsfahrt des Skylax auf dem Indus ihren Anfang nahm 
(Her. 4, 44) und in deren nördlicher Nachbarschaft die gold- 
suchenden Inder d. h. die Darden wohnten (Her. 3, 102), mit dem 



*) A üagöLsltaL, F IlaQ6r\ita.i. 

2) UaQyvltai F. 

3) ZidQOi A D M, ZiSqoi F. 

*) Vgl. Plin. h. n. 6, 94: flumen Eorum, gens Orbi, flumen navi- 
gabile Pomanus Pandarum finibus, und die '^gslxai Plin. h. n. 6, 95 etc. 
Tomaschek, Topographische Erläuterung der Küstenfahrt Nearchs 
S. 18 f. = SBWA. Bd. 121, 1890, Nr. 8. 

^) Plin. h. n. 6, 92: Syndraci, Dangalae, Parapinae (E parapiane), 
Cataces, Mazi. S. dazu Tomaschek, Zur historischen Topographie 
von Persien I 56 = SBWA. Bd. 102, 1883, S. 198 und über die 
Z66Qai Diod. 17, 102, sonst Z6y$oi genannt Arrian 6, 15, 4, Lassen 
IP 183 A. 1. McCrindle, The Invasion of India hj Alexander the 
Great 2 354. 

*) UaQovrixmv AB DF Latt., TIuqovlx&v E Pal. 1, IlaQavritöav vulgo. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 179 

Volksnamen ndatveg in keinem Zusammenhange stehen kann. Es 
muss hier vielmehr ein einheimischer Landschaftsname zu Grunde 
liegen, und zwar kann m. E. nur die Landschaft Puskaläwati am 
Unterlaufe des Käbulflusses mit dem gleichnamigen Vororte, der 
alten Hauptstadt von Gandhära in Betracht kommen, deren Ruinen 
Sir A. Cunningham bei Hastnagar am linken Ufer des unteren 
Swät, etwa 17 miles nö. von Pesäwar festgestellt hat^). Ich 
sehe also in IIaKXVL%7] eine griechische Umbildung einer alten 
Präkritform *Pukkhalawati, päli Puhkhalaoti = skt. Puskalä- 
watt, Puskaräwati. Was zunächst die Endung -lkyi betrifft, so 
ist dieselbe, wie schon der Accent beweist, offenbar rein griechisch 
und nicht mit dem indischen und iranischen Suffix -ika (vgl. 
Jackson, Awesta grammar § 839) zusammenzustellen; TIa%xv'C%ri 
yrj steht auf gleicher Linie mit ähnlichen dem Herodot geläufigen 
Ausdrücken, wie Z'Kvd'iTiT} xcoQrj 2, 22 oder einfach S^vd'L'Kri 4, 5. 
22 etc., nsQOLKrj 1, 126. 4, 39 neben IleQalg i^qy] 3, 97 etc., 
AvSiri yrj 1, 79 etc. Der griechische Berichterstatter scheint den 
Namen in Pukkhalaw-atl abgeteilt zu haben, so dass v als Wieder- 
gabe von aw erscheint, wie in IlaQ&vccLOL = Par&awa u. a. Das 
a für u der ersten Silbe würde sich dann durch Vokaldissimilation 
erklären, wie in "Axo66a = aw. Hutaosa^ ^A^OQyrjg, ^AfivQywc und 
umgekehrt ^^OfjLccQyTjg = ap. Haumawrga u. a. Die Aspiration der 
Präkritform wird auch in den späteren genaueren griechischen 
Umschreibungen nicht berücksichtigt 2). Nur für das x statt Z, r 
weiss ich keine phonetische Erklärung. Man wird daher anzu- 
nehmen haben, dass Skylax selbst UaKlvCnr} bezw. TlaKQVLüiQ ge- 
schrieben hatte, dass aber derjenige, welcher zuerst die Original- 
berichte des Skylax, Hekataios und etwaiger unbekannter Ge- 
währsmänner zusammenarbeitete, den Namen jener Landschaft 
mit dem Volksnamen UccKxvsg verknüpfte und nach diesem in 
UuüTVLKri veränderte, wie er es auch mit den Maka gemacht hat ^). 



^) A. Cunningham, The ancient geography of India p. 41— 5L 
Mc Crindle, The invasion of India by Alexander the Great. ,New 
ed., Westminster 1896, p. 59 n. 5. Vgl. A. Foucher, Bull, de l'Ecole 
d'Extr.-Orient I 334 ss. 

2) Mit Ausnahme von Ptol. , der die Stadt zweimal in ganz ver- 
schiedenen Positionen verzeichnet hat, das erste Mal p. 438, 2 als 
^axXig (mit zurückgeworfener Aspiration) unter 118° 15' L. 32° 10' Br. 
in Arachosien(!), das zweite Mal VII 1, 44 als Tlgoyilalg nach dem 
Periplus des erythräischen Meeres unter 124° 20' L. 33° 20' Br. in 
Gandhära. Ganz ähnlich differieren die beiden Positionen, welche er 
der Stadt NccvXißig anweist: unter 117° L. 35° 30' Br. im Lande der 
Paropanisaden (VI 18 p. 435, 20) und unter 124° 20' L. 33° 20' Br. 
in Gandhära, sowie die Positionen von 'AQax(ot6g-XoQoxod& (118° L. 
30° 20' Br.) und 'AXe^dvägsLa-KamdahsiT (114° L. 31° Br.). 

^) Es ist dabei vielleicht nicht bedeutungslos, dass dem Herodot 
bezw. seinen Gewährsmännern der Wortstamm ticcktv- aus näherer Um- 
gebung bekannt war: Ilaiitvrig ein Lyder Her. 1, 161 (unter Kyros); 
IlaxTvri Stadt auf der thrakischen Chersones eb. 6, 36. 

12* 



180 J- Marquart, 

Von der Landschaft Puskaläwatl und ihrer Hauptstadt, wo der 
Sitz der Verwaltung war, erhielt dann auch der ganze Steuerbezirk 
den Namen, ähnlich wie die Satrapien Daskyleion und Sardeis 
(ap. Spar da = lydisch !ElvccQ<^dytg d. i. *Cvardi). 

Kehren wir jetzt zu der nach Arachosien gesandten Expedition 
des zweiten falschen Bardija zurück, so ist nunmehr klar, das ihr 
Verlauf nur unter der Voraussetzung verständlich ist, dass der 
Satrap Wiwäna bei ihrem Anmärsche mit den aufrührerischen 
©atagus im Kampfe lag und dadurch ausser stände war, jener in 
Arachosien entgegenzutreten. So kam es im Lande der ©atagus 
selbst zum Kampfe, wobei es dem Satrapen gelang, die Ver- 
einigung derselben mit den Persern zu verhindern und letztere 
zum Rückzuge nach Arachosien, also nach Süden, zu zwingen. 
Darauf mögen sich die ©atagus (und wohl auch die Saka) wieder 
freiwillig unterworfen haben. Ich habe früher die Landschaft 
Gandumawa zweifelnd mit dem Orte ^aJ^X&^) zusammengestellt, 
wo nach Ibn al Faqih der Gaihün (Oxus) oder vielmehr der eigent- 
liche Fluss von Balch, der Dehäs entspringt'''). Ich halte diese Ver- 
mutung jetzt für ganz wahrscheinlich. Ibn al Faqlh sagt: „Der 
Gaihün kommt von einem Orte (oder Bezirk) namens Rewsärän. 
Das ist ein Gebirge, das an die Gegend von Sind, Hind und 
Kabul grenzt, und von ihm kommt eine Quelle, die an einem 
Orte namens randumm entspringt". Rewsärän war ein Gebirgs- 
distrikt in der Nähe von Bämijän, und westlich von Bämijän im 
Bezirke Flrüzbahär am Nordabhange des Köh-i Bäbä entspringt in 
der That der Fluss von Balch. Pandumin wird daher im Fürsten- 
tum Rewsärän gelegen haben, also eben in der Gegend, wohin 
wir für ©atagus durch andere Indizien geführt wurden. Da aber 
nach den obigen Ausführungen die Festung Käpisakänis, wo die 
erste Schlacht gegen Wiwäna stattfand, offenbar noch östlicher 
oder nördlicher lag als Gandumawa, so ist ein Zusammenhang mit 
der von Kyros zerstörten Stadt Capisa, ai. Kapida, im Thale des 
Pörbandflusses ^) nicht mehr schlankweg von der Hand zu weisen. 
Käpisakänis^) ist offenbar eine Vrddhibildung. -känis ist wohl 
dasselbe Wort, das z. B. in ..»l'iy Nö-kän „Neustadt", der Haupt- 
stadt des Bezirkes Tös (Ja'qübT, Geogr. fw, 20. t*vA, 12) vorliegt 
und „Stadt, Dorf, ursprünglich „Haus" bedeutete; eine Nebenform 
mit spirantischem Anlaut ist np. chän, chäna „Haus" = mp. chän, 
chänak. Vgl. Hörn, Grdr. der neup. Etymologie Nr. 465. känis 



^) So lies mit c. 

2) Ibn al Faqih bei Jäq. II tvl, 12. Vgl. Eränsahr 218 f. 227. 

3) S. Eränsahr S. 280 ff. 

*) Wäre der Name vom np. käbUa Carthamus tinctorius, Saflor 
abgeleitet (Justi a. a. 0. 246), so könnte er selbstverständlich mit 
skt. kapisa nichts zu thun haben. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 181 

ist also synonym mit sogdisch -kat^ -ha&, -kand „Dorf, Stadt", 
np. ka6 , kada^ mäzand. kata (Ihn al Faq. t*v*1, 15) „Haus"; all 
diese Ausdrücke sind von der Wurzel khan- „graben" abgeleitet 
und bedeuten ursprünglich „Grube", „eine in den Erdboden ein- 
gegrabene Wohnung", wie solche noch heute in Persien und im 
Kaukasus üblich sind. Vgl. Fr. Müller, WZKM. VI 355. Spiegel, 
Eran. Altertumskunde III 675. Auch in den Pämirgebieten, zumal 
in Wachän, wohnte man dem rauhen Klima entsprechend in Höhlen 
oder wohl richtiger in solchen Erdwohnungen. Vgl. Eränsahr 
S. 223 f. 244 ff. Was die Umschreibung betrifft, so wäre zur 
Wiedergabe des skt. ^ der diesem lautlich , nicht etymologisch 
am nächsten stehende iranische Zischlaut s gewählt worden, ge- 
radeso wie auch Berünl, India ||^|, 1 ^J;^^\S lies jji^^li" käpts 
schreibt. 

Da die Entsendung jenes persischen Hilfskorps, wie oben be- 
merkt, vor der Ankunft des Artawrdija in Pars erfolgt sein 
muss, so gehören die Schlachten bei Käpisakänis und Gandumawa 
noch ins erste Jahr des Dareios. Dasselbe gilt von der ersten 
Schlacht des Wistäspa gegen die aufständischen Parther und Hyr- 
kanier bei der Stadt Wispahudzatis ^) in Parthien am 22./XII. (Beh. 
II 92 — 98). Auch der Sieg des Dädrsis, des Satrapen von Baktrien, 
über die Margianer am 23. Ä-Orijädija (IX.) und die Niederwerfung 
des Aufstandes des Fräda (Beh. III 10 — 21) werden noch ins erste 
Jahr fallen. 

In seinem zweiten Regierungsjahre brach Dareios endlich von 
Babylonien nach Medien auf und zwar vorsichtigerweise mit einem 
ausschliesslich aus Persern bestehenden Heere (Beh. III 32), nach- 
dem er die unter seinen Fahnen fechtenden Meder dem gegen die 
aufständischen Perser gesandten Artawrdija mitgegeben hatte. 

In Kampanda verstärkte er sich durch die dort stehende 
Streitmacht des Widrna (II 27 — 29). Dass er vor dem Zusammen- 
stosse mit dem Feinde auch die in Armenien stehenden Truppen 
des Dädrsis und Wahumisa an sich gezogen haben sollte, ist aus 
militärischen und topographischen Gründen unwahrscheinlich. 
Vielmehr wird der Ausdruck „dann erwartete mich Dädrsis bezw. 
Wahumisa, bis ich nach Medien kam" nur besagen, dass Dareios 
erst nach der Niederwerfung des Frawartis in der Lage war, 
seinen beiden Feldherren in Armenien Entsatz zu bringen und 
den dortigen Aufstand zu beenden. Der König von Medien zog 
ihm entgegen, und bei der Stadt KunduruS kam es am 26. Adu- 
kanis zur Schlacht, in welcher Frawartis aufs Haupt geschlagen 
wurde. Seine Niederlage war so entscheidend, dass er mit wenigen 
Reitern nach der Landschaft Ragä floh. Wahrscheinlich hoffte er 



^) So (Mi-Ü-pd-u-za-ti-ü) der elamitische Text II 70. Es scheint 
also im pers. Texte {W^ispauzjjtÜ) nichts zu fehlen. 



182 J. Marquart, 

dort ein neues Heer aufzubringen oder sich von da eventuell zu 
den ihm ergebenen Parthern und Hyrkaniern durchzuschlagen. 
Allein Dareios sandte ihm eine Truppenmacht nach, Frawartis 
geriet in Gefangenschaft und ward an den Hof gebracht und als 
Aufrührer in der Hauptstadt Hagmatäna gekreuzigt (H 64 — 78). 
Ein Datum wird wiederum nicht angegeben. Das Heer selbst 
oder ein Teil desselben, aus lauter Persern bestehend, hatte Be- 
fehl, von Ragä sofort nach Parthien weiterzumarschieren und zu 
Wistäspa zu stossen. Mit diesen Verstärkungen rückte letzterer 
gegen die Aufständischen und schlug sie am 1. Garmapada bei 
der Stadt Patigrabanä in Parthien (III 1 — 10). Damit war der 
Aufstand in Parthien beendet. 

Wäre zu erweisen, dass der Garmapada dem babylonischen 
Abu (August - September) entspreche , so könnte der persische 
Monat Ädukanis in der That nur mit dem Düzu (IV.), wie 
Unger und Justi annehmen, oder mit dem Nisan (I.) identifiziert 
werden, da der Aiaru und Simanu bereits vergeben sind. Nach- 
dem aber die Gleichung Garmapada = Nisan mit zwingender 
Notwendigkeit festgestellt ist, so kann der Ädukanis, entsprechend 
der raschen Folge der Ereignisse nach der Ankunft des Dareios 
in Medien, nur wenige Monate vor den Nisan fallen, und es 
kommen daher für ihn, da Kislimu, Tebitu und Addaru schon 
ihre bezeugten altpersischen Äquivalente haben, nur der Arach- 
samna (VIII.) und der Sabatu (XI.) in Betracht. Ist das erste 
Glied des Monatsnamens Margazana im armenischen Margac^ 
(gen. plur.) = np. Bahman erhalten und jener Monat daher mit 
dem Sabatu gleichzusetzen^), so käme auch letzterer in Wegfall 
und es bliebe für den Ädukanis, wie Oppert will, nur der 
Arachsamna übrig. Allerdings ist der Name Margazana nur in der 
elami tischen Übersetzung III 43 erhalten, wo er Mar-ha-za-na-as 
geschrieben wird, was noch verschiedene andere altpersische Re- 
stitutionen zulässt, da m auch für w, h für g und z für c oder 
g stehen kann. Die genaue altpersische Form ist daher nicht 
mehr festzustellen. Doch sind wenigstens die Lesungen Mrga-zana 
(zu aw. rn^r^ya „Vogel") und Wrha-zana (zu aw. wdJirka „Wolf") 
ausgeschlossen, da in diesem Falle im Elamitischen Mirkazanas (vgl. 
Mirkanijap = ap. Wrkäna^ ionisch 'Jjoxavtot) zu erwarten wäre ^). 
Dagegen spricht gerade die von Justi aufgestellte Etymologie 
von Ädukanis mit Entschiedenheit für die Gleichsetzung dieses 
Monats mit dem Arachsamna und dem awestischen Apäm napät. 
Nach J u s t i ^) ist Adukani (mit Vrddhi , wie bägajädis und 



1) Unters, zur Gesch. von Eran I 64 und A. 58. Vgl. Justi, 
ZDMG. 51, 1897, 249. 

2) Vgl. zur Wiedergabe des sonantischen r im Neuelamitischen 
W. Foy, ZDMG. 54, 356—360. 

«) ZDMG. 51, 245. 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 183 

aw. mäzdqjasni) der Monat der Kanalgrabenden, von aw. aSu^ 
äöu „Kanal , Kahrez". Nach der mazdajasniscben Legende feierte 
man aber am 10. Abän das Fest Äbänagän zur Erinnerung daran, 
dass Zau-i Tümäspän an diesem Tage den Thron bestiegen und 
befohlen hatte, die Kanäle wieder auszugraben und in guten Stand 
zu setzen, welche der Dämon Fräsijäk während seiner Usurpation 
d. h. während der Glut des Hochsommers hatte verschütten lassen ^). 
Die Übereinstimmung des Adukanis mit dem Monat des Wasser- 
genius Apäm napät im Sinne der mazdajasniscben Überlieferung 
und damit mit dem babylonischen Arach-samna (November-De- 
zember) ist somit evident. Die Schlacht bei Kundurus hat danach 
im Arachsamna des zweiten, die bei Patigrabanä am Neujahrstag 
des dritten Jahres stattgefunden, und Dareios ist erst Ende Tisrit 
(VII.) des Jahres 2 aus Babylonien abgezogen, nachdem er da- 
selbst etwa 23 Monate, nämlich seit dem Ende des 9. Monats 
seines Antrittsjahres verweilt hatte ^). Welche Umstände ihn so 
lange dort festgehalten haben, nachdem doch Babylon schon im 
X. Monat des Antrittsjahres gefallen war, wissen wir bis jetzt nicht. 
Jedenfalls fällt in diese Zeit auch die Neuordnung der Verhält- 
nisse der zur Satrapie Babylonien gehörigen Provinz Ebtr näri 
(JTnriD ^n5>) oder ap. Arhäja d. i. Syrien mit Phönikien und 
Palästina, sowie die Eegelung der Judenfrage. 

Nach dem Falle des Frawartis erhob Ci'OTantachma bei den 
westlichen Asagarta in Assyrien die Fahne des Aufruhrs und gab 
sich für einen Nachkommen des Mederkönigs Huwachstra aus. 
Allein die Stellung des Dareios war jetzt bereits so gefestigt, 
dass er es wagen konnte, die eben niedergeworfenen Meder aus- 
zuheben und einen Meder Tachmaspäda an der Spitze eines per- 
sischen und medischen Heeres^) gegen den König von Asagarta 
auszusenden. Ci-O-rantachma ward geschlagen und geriet in Ge- 
fangenschaft und ward in Arbela, der Hauptstadt von Assyrien 
gekreuzigt (II 78 — 92). Ein Datum wird leider nicht angegeben. 

Während Dareios in Persien und Medien war, wurden die 
Babylonier zum zweiten Male abtrünnig. Der Armenier Aracha, 
Sohn des Haldita, gab sich in der Landschaft Dubäla für Nabü- 
kudurri-u9ur, den Sohn des Nabünäid aus, und alsbald gieng das 
babylonische Volk zu ihm über, er nahm Babylon, er ward König 
Yon Babylon. Dareios betraute den Meder Windahfarräh *) mit der 



^) Vgl. BerunT, Chronol. \*l'f , 5 — 6. Weiteres hierüber anderswo. 
^) Das Antrittsjahr des Dareios war ein Schaltiahr. S. oben 
S. 130 A. 2. 

^) Der babylonische Text Z. 61 spricht nur von einem me- 
dischen Heere. 

*) Im persischen Texte III 83 ist der Name WH^d'^f^rä^ ge- 
schrieben, doch sind die beiden letzten Buchstaben etwas verwischt; 
Z. 87 steht WH»'d^[f<^r]ä^ , doch ist der senkrechte Keil des r noch 



164 J. Marquart, 

Au%äbe, den Aufstand niederzuwerfen. Am 22. Margazana ward 



deutlich; Z. 85 ist der Name gänzlich zerstört. Die elamitische Über- 
setzung hat III 40 Mi-[in-da-bar-na] , Z. 41/42 [Mi-] | in-da-bar-na, 
Z. 42/43 Mi-in- \ da-bar-na, im babylonischen Text Z. 86—87 ist die 
entsprechende Partie zerstört. Sind Rawlinsons Angaben durchaus zu- 
verlässig, so können die altpersischen Zeichen nur Windaf^farräh ge- 
lesen werden, also bereits mit derselben Assimilation der Gruppe rn 
zu rvj die ca. 570 Jahre später auf den Münzen des gleichnamigen 
indoparthischen Königs durch die Schreibungen TNJO^EPPOT^ 
rONJO^ÄPOT, rONJA^APOT, kharostri Gadapharasa, Guda- 
pharasa d. i. GdP-dapharrassay Gu^dapharrassa (gen.) wiedergespiegelt 
wird (oben S. 4 A. 5). Da derselbe Name Beb. 1 V 83 für einen Perser 
Wnndafarnüh geschrieben wird und es sich an unserer Stelle um einen 
Meder handelt, so lässt dieser Thatbestand m. E. nur die Deutung zu, 
dass Dareios hier absichtlich die medische Form einmeisseln liess, 
während der elamitische Übersetzer auch hier die ihm geläufigere alt- 
persische Form einsetzte. Der Verlust des entsprechenden babylonischen 
Textes ist daher um so mehr zu bedauern, als dieser bekanntlich mehr- 
fach medische Namensformen {Barzija = ap. Brdija, Ar-ta-mar-zi-ia 
d. i. med. Artawrzija = ap. Artawrdija, Za-'a-tu-^ = ap. Däduhja) be- 
wahrt hat. In den assyrischen Inschriften begegnen wir medischen 
Namen wie A-u-ar(ri'i)-pa-ar-nu, . . . .-bar-nu (unter Sargon), Si-dir-pa- 
ar-na , E-pa-ar-na (unter Asarhaddon) , Pa-ar-nu-at-ti = ap. Farnahu- 
watü (Ortsname, unter Sargon). Vgl. H. Winckler, Untersuchungen 
zur altor. Gesch. S, 111. 119 f. P. Rost, Untersuch, zur altor. Gesch. 
S. 78. 83. 115. G. Hüsing, ZDMG. 54, 126. Streck, ZA. XV, 356 ff. 
Man sprach demnach schon im 8. Jahrhundert auch in Medien nicht 
mehr chwarnah-, wie im Awestädialekt, sondern farnah-j das hier aber 
bereits zu Dareios Zeit zu farrah- geworden war. Daraus folgt, dass 
die Sprache des Awestä nicht altmedisch sein kann, wie Justi will, 
wenn sie auch später bei den medischen Magiern als heilige Sprache 
Eingang fand. Dies Resultat ist nicht ganz bedeutungslos. Denn wenn 
uns in der griechisch-römischen Überlieferung durchweg nur cpccQva- 
als erstes und -cpiQvr\g bezw. in den nordpontischen Kolonien -cpccgvog 
als zweites Glied altiranischer Namen entgegentritt, niemals aber ein 
*yivaQva-, *;uoo:()ra- oder *xoqvcc- bezw, -xoQvris = aw. chwar^nanh be- 
gegnet, so konnte man diese befremdliche Thatsache zur Not auf 
Rechnung der persischen Vermittlung setzen. Die lykischen Denk- 
mäler sind leider zu dürftig, um für diese Frage etwas auszutragen. 
Von besonderem Interesse wäre der lykische Name Qarnnaka (Tituli 
Asiae min. I 48 p. 51, Xanthos: q[a]rnnaka pssureh tideimi; ib. nr. 51, 
Xanthos: fite ne qarnnaka tuwe[te] | qntbeh tideimi ehbi | wezzeimi 
tehluse), falls er sich als iranisch erweisen Hesse, da er dann als un- 
zweifelhafter Repräsentent eines aw. ^Chwarna-ka zu gelten hätte; 
doch wird jenes dadurch sehr zweifelhaft, dass die Namen der Väter 
(pssuri und qntbi) nicht iranisch scheinen. Für Pars wird die neu- 
persische Form farr zuerst bezeugt durch Poseidonios bei Strab. i^ 4, 27 
p. 785, der auf eine gleichzeitige oder jedenfalls nicht viel ältere Fürstin 
dieses Landes namens ^aQ^iQig = np. Farr-cihr anspielt, deren Namen 
er fälschlich mit dem achaimenidischen UccQvGatis = ap. Parusijätiä 
,viel Freude besitzend" identifiziert. 

Bei den altern Griechen (nachweislich bei Aischylos») und Herodot) 



a) 'AQtatfiQivrig Aischyl. Pers. 21. 776; vgl. TLü\6cc<fQivriv CIA I 64 
aus Ol. 92/93. Herodot passim. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 185 

Babylon eingenommen und Aracha mit seinen vornehmsten An- 
hängern hingerichtet (III 75 — 91). 



wird altpersisches -farnäh^ wenn es als zweites Glied zusammengesetzter 
Namen auftritt, durch -cpQ^vris wiedergegeben — anders dagegen als 
erstes Kompositionsglied »). Diese Umschreibung beruht ohne Zweifel 
zunächst auf volksetymologischer Anlehnung an gr, -cpqivsg, wie z. B. 
Herodot (3, 62) bei ÜQri^dGTtrig an ionisch Ttgii^Lg erinnert wird, sie 
dürfte aber ursprünglich durch eine kleinasiatische Aussprache mit 
sonantischem r veranlasst sein, wie in lyk. Cizzaprnna Xanthos Obelisk 
Nords. Z. 11. 14. 15, Zisaprnna eb. Z. 1 = Ti66a^)iqvriq, 

Eine parthische Aussprache ^frana- ist aus den beiden Eigen- 
namen BaQ^acpgdvris bei Josephos (40 v. Chr.) und ^gavindtris bei 
Strabon (39 v. Chr.) nicht abzuleiten, wie ich früher glaubte b). Erstere 
Form wird nämlich durch die handschriftliche Überlieferung nur im 
jüdischen Kriege als die ursprüngliche erwiesen, in der Archäologie 
dagegen findet sie sich konsequent nur in der Handschriftenklasse 
AM WP (letztere Hs. hat genauer Ba^aq)Qdvrig), während die übrigen, 
darunter L (= codex Leidensis F.saeculi fere XI membranaceus) , die 
Epitome und die alte lateinische Übersetzung, vielmehr auf Bag^acpga- 
ftavT]? führen. Die varietas lectionis ist näherhin die folgende: 

TtoX. iovS. a 248. ßag^cccpgdvov P ßag^acpdvov MLVRC braza- 
frane Lat. barzafrane Heg. ßag^acpdgvov ed. pr. 

§ 249. Ba^aqjgdvriv JP A ßccQ^cccpdvriv M L C ßccQ^cccpdvr] V R 
hrazafranem Lat. 

§ 255. ßocQ^cccpQdvriv PA ßccQ^cccpdvriv MLVRC brazafranem 
Lat. barzafranen Heg. 

§ 433. Ba^acpQavrig P A Exe. Peiresc. ßag^acpdvrig MLVRC 
barzafanes Lat. barzafranes Heg. 

ccQX- lö 330. ßag^acpga^idvrig L ßaQ^cccpccQ^tdvrig FV ßa^agxxg- 
lidvTig E Photius bibl. p. 315 barzaframanes Lat. ßaq^acpQdvrig AMW 
ßa^acpgdvrig P. 

§ 332. ßaQ^cccpQaiidvrig F ßaQGacpgaiidvrig L Ba^a(pciQndvr]g Photius 
barzaframanes Lat. ßaQ^acpqdvrig AMW ßa^acpgdvrig P om. V. 

§ 341. ßaQ^aq>Qaiidvriv F L ßa^agcpag^avTiv V ßa^acpagiidvriv E 
barzaframanem Lat. BaQ^acpagiidvriv Zon. I p. 411 ßaQ^acpgdvriv AMW 
ßa^acpgdvriv P. 

§ 343. ßccQ^cccpQaiidvrig F L ßa^aQcpaqybdvr\g V ßa^a(paQ\idv7]g E 
barzaframanes Lat. ßaQla(pQdvr\g AMW ßa^acpQdvrig P. 

§ 346. ßag^cccpQcciidvriv F L Lat. ßa^aQcpaQ^idvriv V ßa^acpccg- 
iidvri E ßaqtacpqdvriv P A M W. 



a) Vgl. ^aQvov%og Aisch. Pers. 313. 966, bei Her. ^a^vaxrjs, 
^aqvcc^äO'QTig etc. 

b) Die assyrische Umschreibung -parna kann in der Frage, ob 
farnaJi- oder franah- zu sprechen sei, nichts entscheiden, schon aus 
dem einfachen Grunde, weil das Babylonisch-Assyrische wie alle semi- 
tischen Sprachen eine Doppelkonsonanz im Anlaute nicht kennt, um 
von der wilden Regellosigkeit und Willkür der assyrisch-babylonischen 
Transskriptionen ganz zu schweigen. So schreibt Sargon Ha-ar-tuh-ka 
d. i. natürlich nicht = 'AQtvyiccg (Büdinger, Der Ausgang des medi- 
schen Reiches. SBWA. 1880 S. 499. Justi, Iran. Namenbuch S. 127. 
Rost a. a. 0. 115. Streck, ZA XV 359), sondern = ap. Chratu-ka, 
eine Kurzform zu einem Vollnamen wie aw. Sp9ntö-chratu „heilige 
Weisheit besitzend" jt. 13, 115. Dies gegen Hüsing, ZDMG. 64, 125 f. 



186 J- Marquart, 

Für die Bestimmung der Zeit dieses zweiten babylonischen 
Aufstandes bieten die babylonischen Vertragstafeln bis jetzt keine 
sichere Handhabe. Wenn aber, wie Duncker und Weissbach 
annehmen^) und was auch mir das Wahrscheinlichste ist, die Zeit- 
angabe der Inschrift (III 75 — 76): „während ich in Persien und 
Medien war" besagt, dass der Aufstand ausbrach, während der 
König und seine Heerführer noch mit der Niederwerfung der 
dortigen Aufstände beschäftigt waren, so muss derselbe noch ins 
zweite Jahr fallen, da der medische Aufstand mit der Hinrichtung 
des Frawartis und der persische mit der Schlacht beim Berge 
Prga am 6. Garmapada (I.) des dritten Jahres ihr Ende fanden. 
Dazu stimmt, dass ein M e d e r mit der Unterdrückung der baby- 
lonischen Erhebung betraut wird: das Heer des Artawrdija war 
also noch nicht verfügbar, gegen die semitischen Babylonier konnte 
man es aber wohl wagen die eben unterworfenen Meder aufzu- 
bieten und ihnen auf diese Weise rasch das gemeinsame Interesse 
der Perser und Meder am iranischen Reiche der Achaimeniden 
zum Bewusstsein zu bringen. Dareios war offenbar froh, den 
medischen Adel ausserhalb des Landes beschäftigen zu können 
und ihn so an die neue Herrschaft zu fesseln, während er die 
Perser gegen die noch unter den Waffen stehenden Parther und 
Hyrkanier verwenden musste. Aracha hätte sich demnach alsbald 



LS 12, ßaQ^aq)Qaiiccvrig F L V ßa^acpQuiidvrig P barzaframanes 
Lat. ßaQ^acpQavrig A M ßag^acpQaivrig W. 

K 245. Ba^acpag^ccvrig Phot. p. 318 ßccQ^aßdvTig codd. E yg 
ßaQ^acpQavrig in marg. A barzanes Lat. ^agvocßd^ov Photius p. 53. 

Niese hat sich den Palatinus (= P) zum Führer genommen 
und überall Ba^acpQavrig , Nah er völlig \yillkürlich BaQ^cccpccQvrig ^^ 
den Text gesetzt. Allein der Stand der Überlieferung lässt offenbar 
nur die Deutung zu, dass Josephos in der Kriegsgeschichte BccQ^a- 
cpQccvrig geschrieben und dies in der fast 20 Jahre später heraus- 
gegebenen Archäologie in Bag^cccpQcciidvrig verbessert hatte. Aus dem 
jüdischen Krieg ist dann im Archetypus der Handschriftenklasse AM WP 
und auch sonst teilweise die Form BaQ^aqiQccvrig in die Archäologie 
interpoliert worden. Als wirklicher Name des parthischen Satrapen, 
den Moses Chorenac'i (II 19. 24. III 34) zum Geschlechtshaupt des 
armenischen Notabeingeschlechtes der Rstunier und zum Feldmarschall 
von Armenien und Persien gemacht hat, hat demnach BaQ^ccq)Qa^ccvrig 
zu gelten = altmedisch ^Brza-framäna „erhabenem Befehle (folgend)", 
ein Vollname wie U^isQ^oiiivrig Her. 7, 82. 121 = ap. *Brdamanis „hoch- 
sinnig". Einen ähnlichen Vollnamen setzt die Kurzform ap. Brdija, 
medisch Brzija voraus; vgl. ^äxig zu ^ata-cp^grig. Es wird daher sehr 
fraglich, ob in ^gavi-ndtrig (so die Hss.) Strab. l^ 2, 8 p. 751, ^qccvl- 
Ttdxrig ($Qavri7tdtrig) Plut. Anton. 33, ^gccvandtrig (so die Hss.) Kass. 
Dion 48, 41, 3. 4, Pharnastanes oder Pharnastates codd. Frontin 2, 5, 37, 
wirklich farnah- zu suchen ist. Wahrscheinlicher ist der Name mit 
Nicpdtrig (Arr. 1, 12, 8. 16, 3) d. i. ap. *ni-päta- „beschützt" oder ni-pätar^ 
nom. -nipätä „Beschützer" (mit Anlehnung an gr. vicpdg „Schnee") zu- 
sammenzustellen. Justi, Iran. Namenbuch S. 103a deutet ihn zweifelnd 
als „hervor(ragenden) Schutz gewährend (aw. nipäitiy. 

1) Duncker, QA. IV 405 A.l. Ihm folgt Weissbach a. a. 0. 519. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 187 

erhoben, nachdem Dareios aus Babylonien abgezogen und das Land 
von Truppen entblösst war, was auch aus allgemeinen Erwägungen 
sehr wahrscheinlich erscheint. Sollte sich diese Auffassung be- 
stätigen, so wäre zugleich die Richtigkeit der Namensform Marga- 
zana und die Identität dieses Monats mit dem babylonischen 
Sabafu und dem armenischen Margac^ bewiesen. 

Weissbach S. 520 macht dagegen darauf aufmerksam, dass 
sich in den Urkunden zwischen dem 23./II. und dem 2./V. des 
vierten Jahres des Dareios (Strassmaier Nr. 69 und 70) eine 
Lücke findet, und in dieser Zeit der Aufstand ausgebrochen und 
niedergeworfen worden sein könnte. In diesem Falle wäre der 
Margazana dem Düzu (IV.) ^) gleichzusetzen, wie ünger an- 
genommen hatte, die Täfelchen vom 14./VI. und 16./ VII. des ersten 
Jahres des Nabü-kudurri-ugur könnten dann aber natürlich nicht 
auf den Aufstand des Aracha bezogen werden. Bis es also ge- 
lingt, durch Auffindung neuer historischer Texte den Aufstand 
des Aracha zeitlich festzulegen, muss auch der Monat Margazana 
unbestimmt bleiben. 

V 

Der Aufetand des Ci'O'rantachma fällt ins dritte Jahr. Gegen 
ihn wurde ein aus Persern und Medern zusammengesetztes Heer 
ausgesandt. Offenbar war man der Treue der Meder im Kampfe 
gegen den angeblichen Sprossen des gefeierten Huwachstra nicht 
sicher und sollten die Perser das medische Kontingent im Schach 
halten. Daraus schliesse ich, dass Dareios erst nach der Rück- 
kehr des persischen Hilfsheeres aus Parthien an die Niederwerfung 
des Ci'O'rantachma gehen konnte. Daran mag sich dann die end- 
liche Unterwerfung der Armenier angeschlossen haben. 

Stellen wir nun die gewonnenen Ergebnisse in einer chrono- 
logischen Tabelle zusammen. 



^) Bei Weissbach steht infolge eines Druckfehlers „der VIT. 
Monat". 



188 



J. Marquart, 









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192 J- Marquart, 

Wir haben bisher angenommen, dass sich die altpersischen 
Monate völlig mit den babylonischen deckten. In der That ent- 
sprechen den altpersischen Monatstagen der Behistüninschrift an 
den wenigen Stellen des babylonischen Textes, an denen die 
Datumsangaben erhalten sind^), stets die gleichen Tage des dem 
altpersischen substituierten babylonischen Monats. Da nun das 
babylonische Jahr gleich dem altgriechischen ein gebundenes Mond- 
jahr von 12 Monaten mit abwechselnd 29 und 30 Tagen war, das 
alle paar Jahre durch Einschiebung eines ganzen Monats mit dem 
Sonnenjahre ausgeglichen wurde, so dass sein Beginn immer wieder 
auf das Frühlingsäquinoktium zurückwich, so war eine solche 
Übereinstimmung der persischen mit den babylonischen Monaten 
selbstverständlich nur möglich, wenn die Perser auch das ganze 
Schaltsystem der Babylonier übernommen hatten. Dieses kann 
aber keinesfalls einfach und allgemeinverständlich gewesen sein, 
da es bis heute nicht gelungen ist, die für dasselbe giltigen 
Regeln aus den Texten abzuleiten^). Es war also unzweifelhaft 
schwierig zu handhaben, und daraus würde von selbst folgen, dass 
die Perser für die Regelung ihres Kalenders fortdauernd von den 
sternkundigen Babyloniern abhängig blieben. Dies will indessen 
Oppert nicht einleuchten, und er glaubt daher, das altpersische 
Jahr sei nicht mit dem babylonischen identisch, sondern wie das 
später bei den Persern übliche mazdajasnische ein reines Sonnen- 
jahr von 365 oder 366 Tagen gewesen , das in 12 Monate zu 
30 Tagen und 5 oder 6 Epagomenen eingeteilt worden wäre^). 
Dabei ist er natürlich zu der Unterstellung gezwungen, „dass die 
Gleichsetzung der babylonischen und altpersischen Monate nur an- 
nähernd richtig war, und dass man beispielsweise den 14. Viyakhna 
durch 14. Adar wiedergab, ohne nachzusehen, ob dieses syn- 
chronistisch stimmte". 

Diese Auffassung setzt voraus, dass entweder eine der beiden 
Versionen, sei es die persische oder die babylonische^), nur eine 

1) Es sind dies folgende (nach C. Bezold, Die Achämeniden- 
inschriften, Transcription des babyl, Textes etc. Leipzig 1882 = 
Assyriol. Bibl. II): 

bab. Z. 56: 30. Aiaru = ap. II 61/62: letzter ©ürawähara = 

elam. II 47: Ende des Surmar; 
bab. Z. 52 : 9. Simänu = ap. II 46/47 : 9. ©äigrcis = elam. II 35 

9. Saakurrizis; 
bab. Z. 36: 26. Kislimu = elam. I 71: 26. Assijatijas = ap. I 89 

27. A-Örijädija. 
bab. Z. 46: 27. Tebitu = ap. II 26: 6. (?) Anämaka = U 18/19 

27. Anamakkas. 
bab. Z. 15: 14. Adar = ap. I 37/38: 14. Wijachna (elam. fehlt). 
Vgl. auch Oppert, ZDMG. 52, 259 ff. 

«) Vgl. zuletzt Weissbach, Über einige neuere Arbeiten zur 
babylonisch-persischen Chronologie. ZDMGr. 55, 195 ff. 
8) ZDMG. 52, 266. 
*) Die elamitische gebraucht die altpersischen Monatsnamen. 



UntersuchuDgen zur Geschichte von Eran. 193 

sklavische, ja stumpfsinnige Wiedergabe der andern, oder dass die 
Inschrift erst lange nach den Begebenheiten eingemeisselt worden 
sei, so dass man sich darauf beschränken musste, die sei es per- 
sisch, sei es babylonisch geschriebenen Originalberichte über die 
einzelnen Aufstände zusammenzustellen und die von denselben ge- 
botenen Daten einfach stehen zu lassen, da zur Herstellung der wirk- 
lichen Synchronismen verwickelte Rechnungen nötig gewesen wären. 

Was den erstem Punkt betrifft, so steht allerdings fest, dass 
der persische Text als Original zu betrachten ist. Ein Babylonier 
hätte ohne Zweifel streng chronologisch erzählt, wie der aus dem 
22. Jahre des Dareios stammende erste Teil der babylonischen 
Chronik sowie die Nabünäid-Kyros- Chronik beweisen. Dagegen 
zeigt die episodische Erzählungsweise der Inschrift, die sogar jede 
Jahresangabe verschmäht, dass sich eine historische Prosa bei den 
Persern noch nicht ausgebildet hatte. Beispiele dieses episodischen 
Stiles finden sich auch noch in den persischen Überlieferungen 
bei Ktesias. Die Inschrift von Behistün steht also in dieser Hin- 
sicht auf demselben Standpunkte wie die alttürkischen Inschriften 
des Bilgä Chagan und Kültigin. Dass aber andererseits die baby- 
lonische Version sich keineswegs auf eine sklavische Wiedergabe 
der persischen beschränkt, wird schon durch die nur in ihr vor- 
handenen genauen feindlichen Verlustziffern erwiesen, die ganz 
dem Gebrauche der assyrischen Annalen entsprechen. Der 
dupsar wird also auch die persischen Heere wie einst die der 
Assyrerkönige begleitet, die Zahlen der gefallenen und gefangenen 
Feinde sorgfältig aufgezeichnet und sofort im Namen der Heer- 
führer Berichte über die einzelnen Feldzüge verfasst haben, die 
dann an den König gesandt und später dem Archive zu Babylon, 
Hagmätana oder Susa einverleibt wurden. Diese Originalberichte 
muss der Verfasser der babylonischen Übersetzung der grossen 
Inschrift selbstständig eingesehen haben. 

Von grosser Wichtigkeit wäre es zu wissen, ob dieselben 
ursprünglich babylonisch oder persisch geschrieben waren. Diese 
Frage wäre freilich gegenstandslos, wenn sich Weissbachs 
These, dass die altpersische Keilschrift erst auf Veranlassung des 
Dareios erfunden worden sei^), erweisen Hesse. Zuzugeben ist, 
dass wir vor Dareios, abgesehen von der kurzen Inschrift von 
Muryäb, deren Zuweisung an Kyros II. oder Kyros III. noch um- 
stritten ist, bis jetzt keine Zeile in persischer Sprache besitzen, 
während wir andererseits Beweise dafür haben, dass Kyros der 
Grosse sich für Proklamationen des Babylonischen bediente. Allein 
die Beschaffenheit der altpersischen Schrift sowie gewisse Eigentüm- 
lichkeiten derselben sind nur unter der Voraussetzung verständlich, 
dass sie bereits eine längere Entwicklung hinter sich hatte 2). 



1) ZDMG. 48, 664. 

2) Ähnlich Jensen, ZDMG. 55, 239. 

Fhilologus Supplementband X, Erstes Heft. 13 



194 J- Marquart, 

Dazu rechne ich vor allem die höchst auffällige und sprach- 
geschichtlich nicht zu rechtfertigende Erscheinung, dass das Zeichen 
für u auch die Silbe hu vertritt, und zwar selbst in der Lautfolge 
huwa = aw. hwa und chwa, in welcher das h seit alters beson- 
ders hart gesprochen wurde; vgl. 0aQva%vag = ap. *farna^uwä^-, 
aw. chwar^nanuhä {iür *chwarnanhwä), mp. farrachw, np. farruch; 
AQa%cor6g = ap. Hara^uwatis^ aw. HarahwaHi\ XodaTtrjg = 
ap. ^uwaspa. Diese Schrulle lässt sich meines Erachtens nur 
dadurch befriedigend erklären, dass in der altpersischen Schrift 
schon vor Dareios die neususischen Zeichen für ü und hu (Nr. 60 
und 30 in Weissbach's Schrifttafel, s. Weissbach, Die 
Achämenideninschriften zweiter Art S. 34. 35) graphisch zusammen- 
gefallen waren. Freilich könnte man denken, dass für Kyros II. 
und seine Vorfahren, die in Anzan residierten und sich selbst- 
verständlich der dortigen Landessprache anbequemen mussten, kein 
Bedürfnis nach einer persischen Schrift vorlag. Allein der Um- 
stand, dass die elamitische Übersetzung der Inschrift von Behistün 
durchweg die altpersischen Monatsnamen gebraucht, beweist un- 
widersprechlich, dass unter Cispis und seinen Nachfolgern das öffent- 
liche Leben in Anzan und seit Kyros II. auch in Susiana durchaus 
auf persischem Fusse eingerichtet worden war. Das Nämliche 
lehren die verhältnismässig zahlreichen persischen Lehnwörter meist 
politischen Charakters im Neuelamitischen ^). Es ist daher sehr be- 
greiflich, wenn die Perser in Anzan, als sie die elamitisch-babylonische 
Kultur annahmen, ohne doch ihre volkliche Eigenart aufzugeben, 
auch das Bedürfnis nach einer für ihre Sprache passenden Schrift 
empfanden. Von Anzan aus mag sich diese Schrift dann auch nach 
dem benachbarten Pars verbreitet haben, wo die direkten Vorfahren 
des Dareios bis zur Gründung des Reiches des Kyros Könige 
gewesen sein müssen^). Ich bin daher allerdings davon über- 
zeugt, dass die altpersische Keilschrift älter ist als Dareios. Allein 



^) Jedem Unbefangenen muss es angesichts dieser Thats'achen klar 
sein, wie sehr sich diejenigen lächerlich gemacht haben, welche dem 
Kyros und seiner Sippe das persische Volkstum absprechen zu sollen 
glaubten. — Bekanntlich behauptet Dareios Beh. I 9 — 10, vor ihm 
seien 8 aus seiner Familie seit langem einander folgend (duwitätaranam) 
König gewesen, gibt aber keinem seiner direkten Vorfahren, die er bis 
auf Hachämanis aufzählt, den Königstitel. Durch den Cylinder des 
Kyros Z. 12. 21 ist bekannt, dass Kyros und seine Vorfahren bis auf 
Cispis einschliesslich Könige von Ansan (Elam) waren. Diesen Titel 
führt Kyros in der babylonischen Chronik II 1 noch beim Angriff des 
Istuwegu im VI. Jahre des Nabünäi'd (551/50) , im IX. Jahre dagegen 
(548/47) heisst er auf einmal „König von Parsu" (II 16 in Schrader's 
KB III 2 S. 131). Daraus schliesse ich, dass Kyros in der Zwischen- 
zeit auch die Krone von Pars erworben hatte, die vermutlich eben 
durch den Tod des Arsäma erledigt worden war, und damit die seit 
dem Tode des Cispis getrennten Besitzungen der Achaimeniden wieder 
vereinigte. Die 8 Könige wären darnach: 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 195 

damit ist noch nicht gegeben, dass dieselbe auch eine häufige 
Verwendung fand und ihre Kenntnis eine nennenswerte Verbrei- 
tung hatte. Jedenfalls dürfen wir bei den persischen Schreibern 
nicht die Gewandtheit im schriftlichen Ausdruck und in der 
raschen Anfertigung von Briefen und Berichten voraussetzen, welche 
die auf den Schultern einer Jahrtausende alten ununterbrochenen 
literarischen Tradition stehenden babylonischen Tafelschreiber 
durch eine sorgfältige Schulung und langjährige Übung erlangt 
hatten. Dazu kommt, dass die altpersische Keilschrift durch ihre 
grosse Umständlichkeit, den Mangel an Ideogrammen etc. un- 
verhältnismässig viel Raum und Zeit in Anspruch nahm und sich 
daher trotz ihrer Deutlichkeit zu kurzer und rascher Bericht- 
erstattung am allerwenigsten eignete. Dies war sicherlich auch 
ein Hauptgrund, weshalb bei den Persern selbst, zunächst bei den 
in amtlicher Stellung in Syrien, Ägypten und Kleinasien weilenden, 
aramäische Sprache und Schrift in Aufnahme kam, woraus dann 
das unselige Zewärisn, die sog. PahlawTschrift entstanden ist^). 
Wann Kuhhäute (ÖLg)d'iQai) als Schreibmaterial bei den Persern 
in Aufnahme kamen und welche Schriftart auf ihnen verwandt 
wurde, wissen wir bis jetzt nicht ^). Die nur in elamitischer Sprache 
abgefasste Inschrift Behistün L, welche etwas auf das iranische 
Schrittwesen Bezügliches auszusagen scheint, ist bisher nicht sicher 
erklärt. Vgl. Jensen, ZDMG. 55, 232 ff. 

Die Inschrift des Dareios selbst liefert allerdings für die 
Entscheidung der Frage keine bestimmte Handhabe. Soviel ist 
unzweifelhaft, dass sie sich an Ausführlichkeit und namentlich an 
topographischer Genauigkeit mit den Inschriften der assyrischen 
Könige nicht im entferntesten messen kann. Letzteres gilt in- 
dessen ebenso für die uns erhaltenen babylonischen Chroniken — 
und wie wenig eingehende Kriegsberichte dem Geschmacke der 
kriegerischem Wesen abholden Babylonier entsprachen, kann man 



1. Hachämanis. 

2. Öispis, König von Ansan (und Pars). 

3. Kürus I., Kg. von 6. Arijärämna, Kg. von 

Ansan. Pars. 

I _ I _ 

4. Kambugija I., Kg. 7. Arsama, Kg. von Pars. 

von Ansan. | 

5 Kürus II., Kg. von Wistäspa, Satrap von 

Ansan, von Pars, der Parthien. 

Länder, von Babylon. 1 



8. Kambugija II., Bardija. 9. Darajawahus, Kg. 

Kg. der Länder. der Länder. 

*) Die erste literarische Erwähnung derselben finde ich bei Diod. 
19, 23, 3 , wo ein gefälschter Brief des Satrapen Orontes von Armenien 
in syrischer Schrift (und Sprache) eine Rolle spielt. 
2) Vgl. Assyriaka 536. 

13* 



196 J- Marquart, 

am deutlichsten daraus ersehen, dass wir bis heute noch keinen 
eigentlichen Bericht über den Untergang des assyrischen und die 
Gründung des neubabylonischen Keiches von babylonischer Seite 
besitzen. Für diese Vernachlässigung der Chronologie ist zweifel- 
los der Verfasser der Inschrift selbst, nicht seine Vorlagen ver- 
antwortlich. 

Aus all diesen Erwägungen wird man schliessen müssen, dass 
auch für offizielle Berichte von Beamten und Heerführern unter 
den ersten Achaimeniden mindestens bis in die ersten Jahre des 
Dareios hinein das Babylonische massgebend blieb. Ist demnach 
anzunehmen, dass babylonisch geschriebene Berichte bei der Ab- 
fassung der grossen Inschrift als Unterlage gedient haben, so wäre 
es doch schlechthin absurd dem persischen Verfasser zuzutrauen, 
er habe einfach die Daten seiner Vorlagen übernommen und sich 
darauf beschränkt, die babylonischen Monatsnamen nach einem 
bestimmten Schema durch persische zu ersetzen. Dies wird schon 
dadurch ausgeschlossen, dass der Jahrestag der Beseitigung des 
Gaumäta durch sein Zusammenfallen mit dem grössten iranischen 
Feste allgemein bekannt sein musste. Ein so leichtsinniges oder 
besser gesagt lüderliches Verfahren wäre nur dann glaubhaft und 
begreiflich, wenn der König, der seine Untertanen in würdigen 
und ernsten Worten zur Redlichkeit und Gerechtigkeit ermahnt 
und sich bewusst ist, mit Ahuramazdäh's Hilfe nach gewaltigem 
Ringen über Lüge, Empörung und Gewaltthat obgesiegt und das 
von seinen Vorfahren durch Gerechtigkeit gegründete Reich wieder 
hergestellt zu haben, selbst nichts weiter als ein niederträchtiger 
Gleissner und Lügner gewesen wäre , wie uns Winckler und 
Genossen glauben machen möchten. 

Nichts deutet darauf hin, dass die Inschrift erst eine Reihe 
von Jahren nach Beendigung der Aufstände eingemeisselt wäre. 
Die nur persisch ausgefertigte fünfte Kolumne, welche noch von 
der Niederwerfung eines dritten Aufstandes der Elamiten sowie 
einer Erhebung der spitzmützigen Saken jenseits des laxartes unter 
ihrem König Skunka erzählt, die mit den Aufständen im Anfange 
der Regierung des Dareios in keiner Verbindung stehen und erst 
mehrere Jahre später stattgefunden haben i), ist ebenso wie das 



^) Rawlinson liest Z. 2—4: 

imaf^ . t[jah . adam . ] ak^unawa[m . 

mä . r Q'ardam .jjd'ä . cMäja 

Q'ija 

Dies ergänzt Oppert, Le peuple et la langue des MMes p. 158 s. 
folgendermassen : 

imah . tljah' . adam . ] aJcuunawa[m . ja 

(t)ä . {du)[uwädaQ'amam . ] %-ardam . [pasäwa^ . ja]d'ä . chsäja 
hijah [ . abawam. 
„Dies (ist) wfas ichj tat [bis] zum z[wölften] Jahre [nach] dem ich König 
[wurde]." Wäre Q-ardam sicher, so könnte allerdings das r vor der 
Lücke nur zu du ergänzt werden. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 197 

Bild des Sakenfürsten Skunka nach allgemeiner Annahme erst 
nachträglich hinzugefügt worden. Die vier ersten Kolumnen da- 
gegen bilden eine in sich abgeschlossene literarische Komposition 
und sind aller Wahrscheinlichkeit nach bald nach den Ereignissen 
eingemeisselt worden, zumal da sie ja nicht etwa dem Ruhme des 
Königs, sondern ganz bestimmten praktischen Zwecken zu dienen 
bestimmt waren. Dies geht auch aus Folgendem hervor. 

Bei den Ausgrabungen der Deutschen Expedition in Babylon 
ist ein Bruchstück des babylonischen Textes der Inschrift gefunden 
worden^). Dadurch wird eine von mir schon lange gehegte Ver- 
mutung zur Wahrscheinlichkeit erhoben, dass Dareios in den Haupt- 
städten aller derjenigen Provinzen, die sich empört hatten, Duplikate 
der Inschrift zur ständigen Warnung hatte aufstellen lassen. Man 
darf daher annehmen, dass solche auch in Hagmatäna, Arbela, in 
der Landschaft Jautijä (Kermän), in Parthien, Arachosien und in 
Marw standen, und zwar werden dieselben nur den persischen 
Text enthalten haben, wie das in Babylon gefundene Bruchstück 
nur den babylonischen. In Pars aber hatte man die auf die Auf- 
stände dieser Provinz bezüglichen Daten jedenfalls noch in der Er- 
innerung, und Dareios wird sich schwerlich der Gefahr haben aus- 
setzen wollen, eventuell von seinen Landsleuten als Lügner ertappt 
zu werden. Endlich ist noch zu bedenken, dass es doch etwas 
anderes ist, wenn der König von Asien an weithin sichtbarer Stelle, 
an der grossen Heerstrasse, die aus dem westlichen nach dem öst- 
lichen Zweistromlande führt, seinen Völkern in den Sprachen der 
drei wichtigsten Königreiche seines weiten Reiches feierlich seine 
Siege über die gegen ihn aufgestandenen Empörer verkündet, als 
wenn ein armenischer Mönch bei der Übersetzung griechischer 
Werke ins Armenische oder armenischer ins Griechische Monats- 
namen des festen römischen oder makedonisch-römischen Kalenders 
durch solche des armenischen Wandeljahres verdolmetscht und um- 
gekehrt^). Dies wird, hoffe ich, genügen, um in allen denjenigen, 
welchen es um die Erforschung der Wahrheit und nicht darum 
zu thun ist, durch möglichst gewagte, scharfsinnig sein sollende 
Vermutungen unter suveräner Beiseiteschiebung der Überlieferung 
einander zu übertrumpfen und von sich reden zu machen und für 
ihre eigenen Hypothesen wie für ein neues Evangelium unbedingten 



^) Vgl. Weissbach, Babylonische Miscellen. Wissenschaftliche 
Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft IV, 1903, S.24— 26. 

2) Vgl. über solche Vergleichungen Gutschmid, Kl. Sehr. III, 
346 — 348. — Rätselhaft ist mir der Gebrauch syrischer Monatsnamen 
in den aramäischen Inschriften von Arebsun (Zoropassos) in Kappa- 
dokien (s. Lidzbarski, Ephem. der semit. Epigraphik I S. 70. 71 
Abb. 1 Z. 1. 322 Abb. A Z. 1. 323), da dieselben doch trotz ihres 
astrologischen Charakters deutlich mazdajasnisch sind und in Kappa- 
dokien der junga westische Kalender herrschte, wogegen das syrische 
und syrisch-makedonische Jahr ein gebundenes Mondjahr war. 



198 J- Marquart, 

Glauben zu verlangen, die Überzeugung zu befestigen, dass die 
Inschrift des Dareios in allen drei Texten ernst genommen sein 
will und ernst genommen werden muss ! 

Besteht aber irgend eine Nötigung oder auch nur Veranlassung 
zu dem Glauben, das altpersische Jahr sei mazdajasnisch im engeren 
Sinne und gleich diesem ein Sonnenjahr gewesen? Auf Grund 
der altpersischen Monatsnamen allein lässt sich diese Frage weder 
bejahen noch verneinen. Von den neun bekannten Namen enthalten 
allerdings nur zwei, der Bägajädis und der Ad^rijädija ^) d. i. der 
Monat der Verehrung des Baga bezw. des Feuers, eine unzwei- 
deutige Beziehung auf den mazdajasnischen Kult und haben in den 
dem Mithra und dem Feuer geweihten Monaten des Awestäjahres 
ihr genaues Gegenstück. Genau dasselbe Verhältnis herrscht aber 
auch in einer ganzen Reihe von Jahresformen, die uns erst aus 
weit späterer Zeit bekannt sind, deren rein mazdajasnischer Charakter 
aber unbestritten ist. Dies gilt vor allem von den Jahren der 
Sogdier und der alten Sagzis. Ersteres hat mit dem völlig zum 
awestischen stimmenden chwärizmischen Jahre nur die Namen des 
1.2), VIII.'^) und XII. Monats*) gemein. Um diese Thatsache richtig 
zu würdigen, ist wohl zu beachten, dass es andererseits mit dem 
altpersischen Kalender nicht bloss in der Benennung des VIT. Monats 
nach dem Baga-Feste ( .l^ots Vayakän)^ sondern auch darin über- 
einstimmt, dass der im awestischen System dem Schöpfer {DaSwä^ 
gen. Da&uso) gewidmete X. Monat eigentlich namenlos ist: ap. 
Änämaka^ sogd. t Jt\.^*^^ Masä-püy d. i. offenbar der (Monat) nach 
dem c J) = A^rö. Dieser Name für den Feuermonat hängt augen- 
scheinlich mit np.pwÄ:, jpuh „das Anblasen (des Feuers)", „Brennholz'' 
zusammen; vgl. Hörn, Neup. Etymologie Nr. 339; Hübsch- 
mann, Pers. Stud. 43. Es ist also der Monat des Anblasens des 



^) Beachtung verdient, dass dieser Monatsname nicht die echt- 
persische Bezeichnung des Feuers, ap. ^frä.ta-j arm. Jirat, sondern den 
Awestänamen äO'r- enthält, der sonst nur vereinzelt in altwestiranischen 
Namen bezeugt ist (Äxqadaxccg^ angeblicher Name des Vaters Kyros' II. 
bei Ktesias; ^XQOTtdxrig, Meder, Satrap von Medien und Gründer der 
Dynastie von Atropatene). 

2) Nösard, chwär. -^.L^vwjLi Näusärge oder ^-^^j Röcnä (so 
lies) aus ^Köcnäu. — Chwär. c =^ t, g = d vor palatalen Vokalen. 

^) Sogd. ^Li Alä-ng oder Äbän^ BerünT, Chronol. f*l, 7. v., 12. 

f^ö, 5, chwär. Qi>L5Lj bezw. q3>LjLj (so lies) jäpä-chan oder -chun 

eb. fv, 12. 15. V», 12. ^\"^, 16. Das ^^j> des chwärizmischen Namens 

entspricht entweder dem ap. -Jcanü- in Ädu-Jcanis, so dass derselbe be- 
deuten würde „der Monat des Grabens der Wasser", also mit dem ent- 
sprecheuden ap. Monat synonym wäre, oder es steckt darin ein Synonym 
zu aw. napät- in Apüm napät-, kappadok. 'AitoiisvaTta. 

*) Jty^s> chsöm = aw. chänaoma- „Freude" ist auch im Chwäriz- 
mischen als anderer Name des Ispandärmace gebräuchlich. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 199 

neuen (heiligen) Feuers d. i. ursprünglich des Herdfeuers, skyth. 
TaßirL Von den Monatsnamen der Sagzis decken sich nur zwei mit 
den awestischen: der LiLA^y^j Tlr-gajän-wä = Tistrjehe, arm. 

Tre und der j^ r}-^^) Är-gajän-wä = Ä^rö, arm. Ahekan 
oder AhJcz^). Im armenischen Kalender stimmen vier Monate ein- 
schliesslich des Navasard völlig mit den awestisch-chwärizmischen 
überein: Navasard = chwär. Näusärge^ Tre = chwär. Clre^ 
aw. Ttstrjehe, Mehekan, Meheki = q,w. Mi&rahe (nach dem Mihragän- 
fest benannt) und Ahekan^ Ahhi^) = Ä&rö, chwär. Arö. Der Hrotic^ 
(XII.) ist benannt nach dem ursprünglich am Schlüsse des Jahres 
gefeierten Allerseelenfeste, aw. Frawasinam^ np. Frördlgän, För- 
digän, das im persischen und kappadokischen Kalender dem ersten 
Monat den Namen gegeben hat, setzt also ebenfalls die mazda- 
jasnische Jahresform voraus. Im Kalender von ,ö^'S L^* ^) , der 
mit dem sogdischen einige Berührungen aufweist, stimmt höchstens 
der Nösard zum chwärizmisch-awestischen Kalender; in dem der 



^) Die beiden Namen sind wie folgt überliefert: 

Berünl fr, 22 \yU^j^S R ^ß^^y-^. 

V,, 8 ^yUi^xj P lyU^i. 

, f^, 19 \^yl^S] R ^j^S], 

„ V,, 13 \.,-^\^S'J, 

Das schliessende wä, mit dem wenigstens die Hälfte der SagzTmonate 
zusammengesetzt ist, ist = np. mäh „Monat" mit Übergang von m in 
w. Da zwischen ^^ und i in beiden Formen noch ein Grundstrich steht, 

so kann nicht einfach ..l5^J, r^) (= ^^^- Ahekan) gelesen werden. 

Ich vermute daher, dass ,.Xa? = np. .m^^^j (plur. von »Li „Zeit") 

ist. Wahrscheinlich ist auch U, r^Jy^ und U, r-vJyo statt ijjJ^^ und 

!^ijy/i (p. V. ^3rJy*) = sogdisch !ÄAi>LA^^ und IlXaj^;-^ zu lesen. 

Berünl hatte die Monatsnamen der alten Sagzis vom Geometer 
Abu Sa'Td Ahmad b. Muhammad b. 'Abd al Galil as Sigzl gehört. 
Zu seiner Zeit waren sie offenbar nicht mehr im Gebrauch. 

2) Findet sich nirgends mehr arm. *U,4^/'^ Aheri = ^Aheariy 
ap. ÄQ-rijädija? 

3) Berünl 11 Sp. 2 ed. ^^'S^,^ R t^j^L^'. Es kann selbstver- 
ständlich keine ganz unbekannte Stadt gemeint sein , allein mit den 
überlieferten Schriftzügen ist nichts anzufangen. Am nächsten käme 
denselben die Verbesserung ^i^5^J,L:;5- CärjaJc^ Öahärjak „ein Viertel", das 
mit Asän, der zweiten Stadt von Gözgän, eine Doppelstadt bildete. 
S. Eransahr 81. 86 f. An .L^' ^^jj.^:^^ auf unsern Karten gewöhnlich 
Charikar n. von Kabul ist natürlich nicht zu denken. 



200 J. Marquart, 

Stadt Qobä in Faryäna, die eine Tagereise von Os an der Grenze 
gegen die Charluchtürken lag, ist wenigstens der Mihr erhalten^). 
Die ganze Reihe der awestischen Monatsnamen findet sich 
nur bei den westiranischen Mazdajasniern^), von denen die kappa- 
dokischen eine Abzweigung aus achaimenidischer Zeit sind, sowie 
bei den Chwärizmiern , und zwar stimmen die kappadokischen 
Namen bis auf den ersten, der noch den altpersischen Namen der 
Frawasis bewahrt hat, genau mit den zu erwartenden spätalt- 
persischen Formen der Awestänamen überein, während bei den 
Chwärizmiern — wie bei Armeniern und Sogdiern — der erste Monat 
Näusärge „Neujahr" heisst und die meisten Monate neben der 
gewöhnlichen awestischen noch eine andere Bezeichnung führen. 
Beachtung verdient, dass dem Namen des IV. Monats nirgends 
die Awestäform Tistrjehe, sondern überall — bei Persern, Kappa- 
doken, Armeniern, Chwärizmiern und Sagzis — die spätaltpersische 
Form Tire (gen. von Tlri-) zu Grunde liegt. Aus diesem ver- 
schiedenen Verhalten der einzelnen iranischen Kalender geht un- 
streitig hervor, dass die Benennung eines jeden Monats nach einem 
besonderen Genius nicht notwendig zum Begriffe des mazdajas- 
nischen Jahres gehört. Dagegen lehrt ein Blick auf den sogdischen 
Kalender, dass als eigentliches Merkmal des spezifisch jung- 
awestischen Kalenders die Einrichtung zu betrachten ist, dass 
die einzelnen Monatstage nicht gezählt, sondern je besonderen 
Genien geweiht und nach ihnen benannt sind. Dies hat zur 
Voraussetzung, dass die Monate gleichmässig 30 Tage hatten, und 
hierauf beruht die Liturgie des Siröza. Die Sogdier nun ge- 
brauchen für die 30 Monatstage ganz dieselben, durch die Laut- 
gesetze des sogdischen Dialektes nur leicht veränderten Namen 
wie die Chwärizmier und die persischen Mazdajasnier, ja der Name 
des Schöpfers, dem der 8., 15. und 23. Tag geweiht sind, hat noch 
die jungawestische Genitivform bewahrt^). Es ist daher sonnen- 



1) Sonst ist mir nur noch der V. Monat jJ deutlich, der dem ost- 
türkischen lu „Drache" genau entspricht. Der (jii..^£> (III.) erinnert 
an den zwölften uigurischen Monat cach^aput-^ vgl. K. Foy, SBBA. 
1904, 1393/4. 

2) Von den Ländern der Pahlawis, d. h. Medien und Parthien, wird 
nichts besooderes berichtet. Da sich die Partherkönige auf ihren Münzen 
der makedonischen Monatsnamen bedienen, sind uns die parthischen 
unbekannt. Balch, wo bis zur arabischen Eroberung der Buddhismus 
vorgeherrscht hatte, war bis zur Zeit Berüni's völlig islamisiert worden. 

3) Berünl f1. Die Hss. haben: Kol. I Z. 18 c^v-a^^, II 15 c>^^, 
III 13 vi>^3. Sachau (p. 384 seiner englischen Übersetzung) hält 
vi^wA^O für eine Umstellung aus (j*.»-J<-> = jungaw. Dad'usö. Auch in 
ry*^y und oLXwv! entspricht sogd. s (in geschlossener Silbe) einem iran. 5. 
Zwischenvokaliges, altiranisches & bleibt erhalten in sogd, ^i-y« rmO'an, 
--jXjyo metan = aw. mae^ana. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 201 

klar, dass die ohne jede Variante — selbst Sp9nta ärmaHi und 
Mi-O-ra erscheinen hier als uXvo.IlXa^^w Spandärmad und (jiwsi' Micks, 
nicht, wie bei den Monatsnamen, unter ihren sogdischen Namen 
Chsdm und Vay — auftretenden Namen der Monatstage gegen- 
über den volkstümlichen Monatsnamen bei den Sogdiern etwas 
Fremdes, Importiertes sind. Auf der andern Seite geht aber das 
relativ hohe Alter dieser Einrichtung daraus hervor, dass die 
Chwärizmier sich schon vor Alexander d. Gr. selbständig gemacht 
hatten und unter einem eignen König standen, und dass sie seit- 
dem bis auf die arabische Eroberung nie mehr zum iranischen 
Keiche gehört haben. Auch die Sogdier sind seit der Erhebung 
des Diodotos bis zum Einbruch der Araber ausser aller staatlichen 
Verbindung mit Eransahr geblieben. Sie muss also aus einer 
Zeit stammen , als das Achaimenidenreich noch ungeschmälert 
dastand und dem Satrapen von Baktrien sowohl Sogdiana als 
Chwärizm gehorchte. Wenn die Namen der Monatstage bei den 
Kappadoken und Armeniern nicht mehr nachzuweisen sind, so 
hängt dies bei letzteren ohne Zweifel damit zusammen, dass sie 
bei der Einführung des Christentums abgeschafft wurden, weil sie 
zu eng mit der alten Religion verknüpft waren, während sie in 
Kappadokien der wachsende Einfluss der griechisch - römischen 
Kultur verdrängt haben wird. In der Inschrift des Dareios ist 
dagegen von einer Benennung der Monatstage keine Spur zu ent- 
decken: sie wurden einfach gezählt wie bei den Babyloniern. 
Da sich nun Dareios als entschiedenen Verteidiger arischen Wesens 
und eifrigen Verehrer Ahuramazdäh's zu erkennen gibt, so ist kein 
Grund einzusehen, weshalb er die Benennung der Monatstage nach 
den Genien , denen sie geweiht waren , vermieden haben sollte, 
falls diese Sitte damals in Pars schon bestanden hätte. Damit 
entfällt aber jeglicher Anhaltspunkt für die Vermutung, dass schon 
das altpersische Jahr ein bewegliches Sonnenjahr gewesen sei, viel- 
mehr müssen wir uns den überlieferten Thatsachen beugen und 
anerkennen, dass dasselbe zur Zeit des Dareios mit dem gebundenen 
Mondjahre der Babylonier bis auf den verschiedenen Jahresanfang 
übereinstimmte. Während das babylonische Jahr aber an die 
Frühlings -Tag- und Nachtgleiche gebunden war, wurde das alt- 
persische wie das althebräische Neujahr in der Nähe des Herbst- 
äquinoktiums festgehalten. 

Dies Ergebnis hat durchaus nichts Überraschendes, sondern 
ist nur das, was wir von vornherein erwarten müssen. Auch 
wenn die arischen Viehzüchter und Bauern ein mehr oder weniger 
fest ausgeprägtes, an die natürlichen Jahreszeiten gebundenes Jahr 
mitbrachten, so gerieten sie doch, sobald sie von den Ländern 
diesseits der grossen mitteliranischen Wüste Besitz ergriffen hatten, 
naturgemäss in den Bannkreis der uralten babylonischen Kultur, 
dem sie sich nicht entziehen konnten. Es lässt sich vermuten, 
wenn auch bis jetzt nicht erweisen, dass sich die Perser zunächst 



202 J- Marquart, 

an den Kalender der Elamiten angeschlossen haben werden und 
schon dieser bis auf die Monatsnamen nach dem babylonischen 
geordnet gewesen sein wird^). Später aber herrscht nicht nur 
in Pars und in ganz Iran, sondern auch in den halb iranisierten 
Provinzen Kappadokien und Armenien ein bewegliches Sonnenjahr, 
das mit dem altpersischen VII. Monat beginnt und sich mit dem 
ägyptischen Wandeljahre bis auf den verschiedenen Jahresanfang 
und die Stellung der Epagomenen völlig deckt: der 1. Thoth 
des ägyptischen Wandeljahres entspricht dem 1. Dadw (X., arm. 
Mareri = ap. IV.) des mazdajasnischen Wandeljahres und die 
Monate Thoth, Phaophi, Athyr sind vollkommen gleich den Monaten 
Dadw (Mareri), Bahman (Margac') und SpandärmaJ (Hrotic'). 

Das persische Sonnenjahr ist uns zuerst unzweideutig bezeugt 
durch Gurt. III. 3, 10: Magi proximi patrium Carmen canebant. 
Magos trecenti et sexaginta quinque iuvenes sequebantur puniceis 
amiculis velati, diebus totius anni pares numero: quippe Persis 
quoque in totidem dies discriptus est annus. Diese Notiz stammt 
wohl aus einem Alexanderhistoriker. Weiter hinauf scheinen uns 
zwei Anspielungen bei Herodot zu führen. Im Verzeichnis der 
Steuerbezirke heisst es 3, 90: äitb Se KlUkcdv iitnoi ze X£v%ol 
i^'^TiOvra %al TQLfj'KoöLOi , iTiädrri g rj ^e qtj g elg y lv 6 fievo g , 
aal tccXavta aQyvqiov Ttevtanoücci' tovtcov öh tsößSQCCKOvta %al 
STiarbv ig xriv cpQOVQiovaccv imtov xr^v KlIvkItiv icoQfjv avaiöniovro, 
xa 81 XQi'Yi%6(3ia kccI s^7]K0vxa ^ccqsIg) icpolxa' vo(i6g xixaQXog 
ovxog. Wäre anzunehmen, dass diese Nachricht unverändert der 
Hauptquelle des Verzeichnisses (A) entnommen sei, so wäre hier 
also ein persisches oder auch kilikisches Jahr von 360 Tagen für 
die spätere Regierimgszeit des Dareios vorausgesetzt, welches weder 
mit dem altpersischen Jahre der Inschrift von Behistün, noch mit 
dem jungawestischen Wandeljahre in Beziehung gesetzt werden 
könnte. Es müsste somit in jedem Falle die Frage aufgeworfen 
werden, ob die Bemerkung EKccaxrjg rj^igrig sig yLvofievog wirklich 
aus iranischer Quelle stamme oder eventuell einer Vermutung des 
Verfassers ihren Ursprung verdanke. So wie die Sache liegt, ist 
indessen mit der Möglichkeit zu rechnen, dass Herodot selbst 
durch die weissen Rosse, die, wie er wusste, dem Sonnengotte 
heilig waren, auf jene Kombination verfallen ist, zumal gerade er, 
wie sich zeigen wird, von der Theorie eines 360tägigen Jahres 
beherrscht ist. Die andere Stelle ist entschieden legendär und 
unzweifelhaft jünger. Herodot erzählt, als Kyros auf dem Marsche 
gegen Babylonien den Übergang über den Gyndes versucht habe, 
sei einer der dem Sonnengotte heiligen Schimmel im Flusse er- 



^) In den bis jetzt bekannt gewordenen altelamitischen Inschriften 
hat sich erst ein einziger altelamitischer Monatsname gefunden, Lalube 
(Schell, Textes elamites-anzanites II Nr. LXXXVI Kol. II 45, vgl. 
p. 83), der auch V K 43, 38 erwähnt imd dem Tasritu gleichgesetzt 
wird. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 203 

trunken , worauf der König den Fluss zur Strafe in 360 Kanäle 
habe ableiten lassen. Darüber vergieng ein volles Jahr, bis zum 
folgenden Frühling (Her. 1, 189—190. 202). Hier liegt augen- 
scheinlich ein Jahresmythus zu Grunde, und zwar ist ein mit dem 
Frühling beginnendes Jahr von 360 Tagen vorausgesetzt. Ein 
solches Jahr ist indessen weder babylonisch noch persisch. Da- 
durch wird die Frage nach dem Ursprünge der Erzählung dringend. 
Es ist jetzt nachgewiesen, dass die beiden langwierigen Belagerungen 
Babylons durch Kyros und Dareios, wie sie Herodot erzählt, 
gleichmässig unhistorisch und mit volkstümlichen Motiven aus- 
gestattet sind, die zum Teil schon von jüdischen Propheten ver- 
wandt und dem Bedürfnis entsprungen sind, eine annehmbare Er- 
klärung dafür zu finden , wie es den Persern möglich geworden 
sein mochte, die gewaltige, mit mächtigen Mauern bewehrte Welt- 
stadt zu bezwingen ^). Es sind Legenden, die nicht vor der Nieder- 
werfung des babylonischen Aufstandes unter Xerxes^) ausgebildet 
sein können, und zwar beweist die Fabel von der der iranischen 
Denkweise völlig widerstreitenden Züchtigung des Flusses, dass 
die Gestaltung der uns beschäftigenden Erzählung auf keinen Fall 
von Persern herrührt; vielmehr weist diese auf denselben Ver- 
fasser wie die ebenso unsinnige Auspeitschung des Hellesponts 
durch Xerxes Her. 7, 35. 54; 8, 109. Die Zahl 360 = 6 X 60 
spielt allerdings im Mass- und Gewichtssystem sowie in der Zeit- 
rechnung der Babylonier eine grosse Eolle, wodurch ihre mehr- 
fache Wiederkehr im Steuerverzeichnis vollkommen erklärt ist, in 
der Jahreseinteilung der Babylonier hat sie dagegen keinen Platz. 
Damit rücken die beiden fraglichen Stellen in die Reihe einer 
Anzahl von Nachrichten, in denen von einem ehemaligen 360tägigen 
Jahre bei den Griechen die Rede zu sein scheint^). Auch 
Herodot lässt den Solon in seiner Unterredung mit Kroisos von 
einem 360tägigen Jahre zu zwölf dreissigtägigen Monaten reden 



^) Einnahme Babylons während eines Festgelages 

a) durch Kyros: Jer. 51, 31. 32. 39. 54—58. Dan. 5, Iff. Her. 1, 191. 
Xen. Kyrop. 7, 5, 25 ; 

b) durch Parsondes unter Nanaros : Ktes. bei Nik. Dam. fr. 4 in fine. 
fr. 5; vgl. Assyriaka des Ktesias S. 559; 

c) auf die Eroberung von Ninos übertragen: Ktes. bei Diod. 2, 
26,4; vgl. Assyriaka S. 630. 

Die List des Zopyros Her. 3, 153 — 160, von Megabyzos bei der 
Eroberung Babylons unter Xerxes erzählt Ktes. ecl. 22, vom Saken 
Sirakes unter Dareios Polyain. 7, 13; vgl. Assyriaka S. 625 f. 

^) Vgl. Assyriaka S. 624 f. Die Öffnung des Grabes des alten Bei 
(Ktes. bei Ailian iiavxod. lex. 14, 3 und ecl. 21) unter Xerxes gab den 
Anlass zu der Erzählung über das Grab der Nitokris bei Her. 1, 187; 
vgl. C. F. Lehmann, Berl. Phil. Wochenschr. 1898 Sp. 486, 1900 
Sp. 962 A. 1 (unrichtig Assyriaka S. 594 f., 626). 

3) Vgl. Ideler, Handbuch der Chronologie I 69 f. 254. 257—260. 
264 f. 271. 



204 J- Marquart, 

(I, 32). Allein ein solches Jahr hat es in Wahrheit nie gegeben, 
und die diesbezüglichen Angaben sind wohl mit Ideler^) als 
falsche Ausdeutung des volkstümlichen Sprachgebrauchs zu er- 
klären, der sich gewöhnt hatte, für den Monat die runde Zahl 
von 30 Tagen und dementsprechend für das Jahr die runde Summe 
von 12 X 30 = 360 Tagen anzunehmen 2). Herodot selbst hat 
aber an der zuletzt angeführten Stelle mehr als hinreichend bewiesen, 
dass er von chronologischen Dingen, wie Schaltung u. s. w. absolut 
nichts verstand, und falls bereits zu seiner Zeit in Persien ein 
Sonnenjahr mit 5 Epagomenen eingeführt war, so hatte er jeden- 
falls davon keine Kenntnis; denn sonst hätte er da, wo er vom 
ägyptischen Sonnenjahre und seinen Vorzügen vor dem gebundenen 
Mondjahre der Hellenen spricht (II, 4), nicht unterlassen können, 
auf seine Übereinstimmung mit dem persischen Jahre aufmerksam 
zu machen, wie dies auch die arabisch - persischen Astronomen 
gethan haben. Auf historischem Wege lässt sich demnach nicht 
feststellen, wann das jungawestische Wandeljahr in Persien ein- 
geführt worden ist. 

Dieses zeigt jedoch gewisse Eigentümlichkeiten, von denen 
wenigstens einige hier kurz erörtert werden müssen. Dem Schöpfer 
ist in demselben der zehnte Monat eingeräumt. Dies ist sicher- 
lich nicht ursprünglich: man sollte erwarten, dass Ahuramazdäh 
einen beherrschenden Platz im Jahre einnähme, also entweder am 
Anfang, wie unter den Monatstagen, oder in der Mitte. Hier hat 
R. Roth^) gezeigt, dass die sechs Gähänbär des Parsenkalenders 
ein älteres, an die natürlichen Jahreszeiten gebundenes Bauern- 
jahr voraussetzen, dessen beide Pole die Fesfe Mittsommer (Maiö- 
jöis9ma) und Miitjahr (Maiöjäir/a) bildeten. In dem durch einen 
120 jährigen Schaltcyklus regulierten persisch-mazdajasnischen Jahre, 
als dessen Epoche das Frühlingsäquinoktium gilt, fallen die sechs 
Jahresfeste theoretisch auf folgende julianische Tage, wofern man 
die Lage der Frühlingsnachtgleiche gegen Ende des 5. Jhs. v. Chr. 
zu Grunde legt:*) 



1) A. a. 0. S. 264f. 

^) Vgl. besonders Hesiod, egya xal ii^iQui 814. 766 und das Rätsel 
des Kleobulos bei Laert. Diog. I 91. 

^) R. Roth Der Kalender des Awesta und die sog. Gähänbär, 
ZDMG. 34, 1880, S. 698 ff. 

*) Begann das Jahr mit dem Tage nach dem Frühlingsäqui- 
noktium, so fallen die obigen Data je um einen Tag später. Der 
Gefälligkeit meines Freundes Dr. H. J. Zwiers, Observators an der 
hiesigen Sternwarte verdanke ich folgende Berechnungen: 
„Data für das Frühlingsäquinoktium 

Jahr — 486 27. März 10.8 Uhr (Morgen) 
„ - 485 27. „ 4.1 , (Abend) 
^ _ 484 26. „ 9.9 „ (Abend) 
„ — 483 27. , 3.7 „ (Morgen) 
, — 482 27. , 9.5 „ (Morgen). 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 205 

Jahrestag julianisch 

Maidjöi-zaremaja 11. — 15. Artawa- 41 — 45 (6. — )10. Mai 

hist (II.) 
Mai^jöi^ema 11.— 15. Tir (IV.) 101—105 (5.— )9. Juli 

PaitiShahja 26.-30. äa-Ore- 176—180 (18.— ) 2 2. Sept. 

war (VI.) 
Ajä-Orema 26.— 30. Mihr 206—210 (17.— )21. Okt. 

(VII.) 
Maidjäirja 16.— 20.Dadw(X.) 286—290 (6.— )10. Jan. 

Hamaspa'O'maecyaja 26. Spandarmat 356 — 365 (17. — )26.März 

(XII.)— Gä^a 

Wahistöisti 
Nach diesem System trifft in der That das Maibjöisdma auf 
die Mitte des Sommerhalbjahrs, das man zu 7 Monaten = 210 Tagen 
annahm ^). Schwierigkeit macht schon das Maidjäirja, das eigent- 
lich auf den 77. Tag des zu 5 Monaten + 5 Epagomenen =155 Tagen 
angenommenen Winterhalbjahres fallen sollte. Nach ihm heisst bei 
den Armeniern der 10. Monat Mareri aus *Mareari^ Madjärja. 
Es liegt gerade ein halbes Jahr oder genauer 185 = 180 -f- 5 Tage 
vom Mai(5jöi^ama ab. Die Unursprünglichkeit der gegenwärtigen 
Anordnung ergibt sich aber meines Erachtens vor allem aus der 
Stellung des Paitisahja. Dies ist nach Roth's Erklärung un- 
zweifelhaft ein Erntefest, dass aber für ein solches der 22. September 
julianisch, zumal für die Breiten der altiranischen Kulturländer, 
ein unverhältnismässig später Termin wäre, dürfte ohne weiteres 
einleuchten. Wird doch selbst auf dem rauhen Heuberg in 
Schwaben die „Sichelhenke", welche die Beendigung der Dinkel- 
und Gerstenernte bezeichnet, am 15. August gefeiert. Ähnliches 
gilt für das Ajä&rdma^ die Zeit, in welcher das Vieh von den 
Sommerweiden eingetrieben und die Widder zu den Schafen zu- 
gelassen werden. Dazu kommt, dass die Tradition der Mazda- 
jasnier über die Lage des Maidjöi^ema und Mai(5jäirja mit sich 
selbst im Widerspruche war. Das Bundahisn sagt nämlich : 'It is 
always necessary first to count the day (and) afterwards the night; 
for first the day goes off, (and) then the night comes on. And 
from the season {gas) of Medök-shem, which is the auspicious 
day Khür of the month Tir^), to the season of Me^iyärem, which 



Im Mittel für circa — 485 in den Vormittagstunden des 27. März. 
Jahr — 402 26. März 6.6 Uhr (Abend) 

, —401 27. „ 0.4 „ (Nacht) 

^ _ 400 26. , 6.2 , (Morgen) 

, — 399 26. „ 12.0 „ (Mittag) 

„ — 398 26. „ 5.8 „ (Abend). 
Im Mittel für circa — 400 in den Abendstunden des 26. März. 
Alle Daten sind julianisch." 
^) Vgl. J. Darmesteter, Le Zendavesta I 39. 37. 
^) Der 11. Tag des vierten Monats, mit dem das Fest begann. 



206 J- Marquart, 

is the auspicious day Vähräm of the month Dln ^) — the sliort(est) 
day — the night increases; and from the season of Mediyärem 
to the season of Me^ök-shem the night decreases (and) the day 
increases' ^). In dieser Form ist die Nachricht freilich ungereimt, 
allein es liegt ihr offenbar eine aus dem verlorenen Awestä 
stammende Überlieferung zu Grunde, die nur durch die Glossierung 
der Ausdrücke Mai8jöts9ma und Maidjätrja entstellt ist. Beseitigt 
man diese, so ergibt sich unzweideutig, dass Maidjöi89ma und 
MaiSjäirja ursprünglich mit der Sommer- und Wintersonnenwende 
zusammenfallen. Da aber der Name Maidjäirja wörtlich „Mitt- 
jahr", nicht „Mittwinter" bedeutet, so folgt weiter, dass dieses 
Bauernjahr einmal mit der Sommersonnenwende oder genauer mit 
dem ersten darauf folgenden Neumonde begonnen haben muss. „Nur 
in diesem Falle bildet die bruma zugleich die Jahresmitte *'^). Von 
hier ab gerechnet ordnen sich die übrigen Festzeiten befriedigend ein. 
Dann war Tistrja der erste, Da'9'usö aber, wie verlangt, der siebente 
Monat des Jahres, dessen Anfang in die Nähe der bruma fiel. 
Dieses Jahr kann selbstverständlich kein Wandeljahr, wird also 
vermutlich ein gebundenes Mondjahr gewesen sein. Bei dieser 
Voraussetzung ergibt sich als Prinzip, den 1. Tistrja immer wieder 
auf die Sommersonnenwende zurückzuführen*). Der Anfang dieses 
altawestischen Jahres kam demnach mit dem des attischen überein. 
Der erste Monat war dem Sirius {Tistrja^ pers. Tlri) geweiht, 
weil man während seiner Dauer mit Sehnsucht auf den Frühauf- 
gang dieses glänzenden Sternes harrte, von dessen Erscheinen man 
erquickenden Regen erwartete^). Der Frühaufgang des Sirius 
(19. oder 20. Juli jul.) muss daher normaler Weise noch in 
den Monat Tir gefallen sein, aber fast ans Ende desselben, wo- 
gegen er bei den Ägyptern ursprünglich den Neujahrstag selbst 
bildete. 

Das altawestische Jahr war somit, wie man sieht, vom jung- 
awestischen bedeutend verschieden. Dass dagegen letzteres bis 
auf die verschiedene Stellung der Epagomenen bezw. den Jahres- 
anfang mit dem ägyptischen zusammenfiel, ist schon den arabisch- 



^) Der 20. des Monats Dadw (so lies), der letzte des Festes. 

2) Bundah. XXV, 2—3 bei West, P. T. I 91/92. Justi's Aus- 
gabe ist mir augenblicklich nicht zugänglich. 

3) Vgl. Roth, a. a. 0. 711. W. Geiger, Ostiranische Kultur 
im Altertum. Erlangen 1882 S. 324. 

*) Nach freundlicher Mitteilung von Dr. H. J. Zwiers fiel das 
Sommersolstitium 

—600 V. Chr. auf 29. Juni jul. 11^ (abends) 

— 500 V. Chr. auf 29. Juni jul. ^^ (morgens). 

Die Zeiten sind mittlere Sonnenzeiten von Turkestan, wie auch oben 

S. 204 A. 4. Chiwa liegt 3^ 52m, Buchara 4^ 8^, Samarkand 4:^ 18^ 

östlich von Paris. Im Mittel ist angenommen A:^ 15 m ö. von Green wich. 

5) jt. 8, 48. Vgl. Roth a. a. 0. S. 713. 717. Geiger S. 308 f. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 207 

persischen Astronomen aufgefallen. Nach Berüni gieng aber die 
Übereinstimmung noch weiter. Er sagt nämlich: „Wir haben 
nicht vernommen, dass jemand den Persern, Sogdiern und Chwä- 
rizmiern nachgeahmt hat in Bezug auf ihre Gepflogenheit (nämlich 
den dreissig Tagen des Monats besondere Namen zu geben anstatt 
sie in Wochen zu teilen) ausser den Kopten , d. h. den alten 
Ägyptern. Denn diese pflegten, wie uns berichtet worden ist^), 
die Namen der dreissig Tage zu gebrauchen bis auf die Zeit, als 
Augustus, der Sohn des Gaius^), die Herrschaft über sie antrat^) 
und beabsichtigte, sie zur Schaltung der Jahre zu bewegen, damit 
sie mit den Römern und den Alexandrinern allzeit übereinstimmten. 
Dies unterliegt Bedenken*). Damals nun waren bis zur Vollendung 
des grossen Schaltcyklus noch 5 Jahre übrig. Da wartete er, 
bis von seiner Regierung fünf Jahre verflossen waren, dann be- 
weg er sie, alle vier Jahre einen Tag in die Monate einzuschalten, 
wie es die Römer thun. Damals gaben sie den Gebrauch der 
Namen der Tage auf, wie es heisst, weil die, welche sie gebrauchten 
und kannten , für den Schalttag einen besonderen Namen nötig 
gehabt hätten, und es ist keine Erinnerung derselben übrig ge- 
blieben"^). Es ist hier die Rede von der Einführung des julianischen 
Schaltjahres in Alexandrien durch Augustus, welche BerünT bereits 
früher mit folgenden Worten erzählt hat: „Augustus ist derjenige 
welcher die Alexandriner von ihrer Rechnung nach ägyptischen 
Jahren ohne Schaltung überführte zur Rechnung der Chaldäer, 
welche zu unserer Zeit in Ägypten gebraucht wird, im sechsten 
Jahre seiner Regierung. Daher datierten sie nach diesem Jahre 
(als Epoche)"^). Die Nachricht stammt aus Theon's Kommentar 



^) Lies \Jj^J> 14-^. Vorher hat der Verf. von dieser Sitte der 
Kopten nichts erwähnt. 

2) Text ,jM.=>yj für fj^y^z^, 

^li j*£l^ J^l J^Üt\3 fC^^ J3.AÄJI {^j^ «jI.^*XAvl L^a5 ^jjly-^ 

*) JäS L.g.j^5. Dies ist wohl eine kritische Randbemerkung des 
Verfassers oder eines Lesers, die von einem Kopisten in den Text 
eingefügt wurde. 

5) Berüni, Chronologie S. fi , 2—8 = p. 58, 29—45 der englischen 
Übersetzung. 

«) Berüni ri, 7—9 = 33, 28—32. 



208 J. Marquart, 

zu den Handtafeln des Ptolemaios ^). Über die alexandrinische 
Ära handelt ausführlich Ideler, Handbuch der Chronologie H 
140—171. 

Was die ägyptischen Namen der Monatstage anlangt, so ist 
Berüni's Behauptung insofern richtig, als bei den Ägyptern nicht 
bloss die Monate, sondern auch die 30 Monatstage besonderen 
Gottheiten geweiht nnd nach ihnen benannt waren. Dies weiss 
schon Herodot II 82. Brugsch, Astronomische und astrologische 
Inschriften altägyptischer Denkmäler 1883 S. 45 — 54 veröffent- 
licht die hieroglyphischen Namen der 30 Tage des Mondmonats 
nach den Inschriften im Pronaos des Tempels von Dendera aus 
der Zeit des Kaisers Tiberius sowie nach dem astronomisch - 
kalendarischen Bilde von der Nordwand des Pronaos von Edfu 
aus der Ptolemäerzeit und gibt zu denselben ältere Varianten. 
Er bemerkt S. 52: „Die ältesten dieser so wichtigen Listen 
der Mondtage und der zu ihnen gehörigen Gottheiten gehen bis 
in die Zeiten der XVHI. und XIX. Dynastie zurück. Ich ver- 
weise vor allem auf die astronomischen Deckenbilder im Grabe 
Königs Seti I. und in dem sogenannten Ramesseum zu Theben 
aus den Zeiten Ramses' II." Sieht man diese Listen näher an, 
so bemerkt man, dass jeder Tag einen doppelten Namen hatte, 
von denen der erste eine kalendarische Beziehung aufweist, der 
zweite einen liturgischen Charakter trägt; z. B. 1) Feier des 
Neumondes, zugleich Fest des Thoth; 2) Feier des Monates, zu- 
gleich Feier des Gottes Horus, des Rächers seines Vaters ; 4) Feier 
der Erscheinung des Setem, zugleich Feier des Gottes 'Imset; 
6) Feier der Sechs, zugleich Feier des Gottes Duamutf; 7) Feier 
des (ersten) Abschnitts, zugleich Feier des Gottes Qebhsonuf; 
28) Feier des Schwanzfestes des Himmels, zugleich Tag des Gottes 
Chnum. Diese Namen scheinen aber, im Gegensatze zum mazda- 
jasnischen System, im bürgerlichen Leben keine Rolle gespielt zu 
haben; jedenfalls finden sie in Datierungen auf Denkmälern keine 
Anwendung. Auf der andern Seite ist die Behauptung Berüni's, 
dass die ägyptischen Namen der Monatstage seit der Einführung 
des festen alexandrinischen Jahres ausser Gebrauch gekommen seien, 
schon deshalb unwahrscheinlich, weil sie von der Voraussetzung 
ausgeht, dass auch die Ägypter damals das Schaltjahr angenommen 
hätten. Der wahre geschichtliche Verlauf ist Berünl unklar ge- 
blieben, allein die Begründung: „weil die welche die Monatstage 
gebrauchten und kannten, für den Schalttag einen besonderen 
Namen nötig gehabt hätten** kann sich nur darauf beziehen, dass 
sich die eigentlichen Ägypter unter Augustus wie schon unter 



*) Commentaire de Theon d'Alexandrie sur les tables manuelles 
astronomiques de Ptol^m^e jusqu'a present in^dites, traduites pour la 
premi^re fois du Grec en FranQois sur les Manuscrits de la Biblioth^que 
du Roi. Premiere partie, Paris 1822, p. 30 ss. Die Ausgabe ist hier 
nicht vorhanden. Ich entnehme das Zitat Ideler I 157 Ä. 2. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 209 

Ptolemaios III. (238 v. Chr.) ans astrologischen nnd religiösen 
Bedenken gegen den Schalttag ablehnend verhielten. Erst 
mit der Einführung des Christentums ward die Annahme des festen 
Sonnenjahres allgemein. Dass die ägyptischen Namen der Monats- 
tage auch nach der Einführung des festen alexandrinischen Jahres 
noch fortlebten, wird überdies durch den Umstand nahegelegt, dass 
gerade auf griechischen Inschriften der Kaiserzeit besondere Namen 
für Monatstage nachgewiesen sind^). 

Schon Scaliger hat erkannt, dass das jungawestische und 
altägyptische Jahr nicht zwei von einander unabhängige Schöpfungen 
sein können. Nachdem es sich jetzt als höchst wahrscheinlich 
herausgestellt hat, dass die Sitte, nicht bloss die einzelnen Monate, 
sondern auch die 30 Monatstage nach besonderen Gottheiten zu 
benennen, von den Iraniern dem Vorbilde der Ägypter — nicht um- 
gekehrt, wie Berüni glaubt — nachgeahmt ist, so ist der Kreis ge- 
schlossen und man wird sich der Schlussfolgerung nicht mehr 
entziehen können, dass die Magier in Ägypten mit der dort seit 
alters herrschenden Zeitrechnung bekannt wurden und ihre Vor- 
züge vor dem gebundenen Mondjahr, besonders auch für die 
Regelung der Liturgie, erkannten. Bis dahin hatte man wohl 
einzelne Monate nach hervorragenden Festen der Mazdareligion, 
welche in dieselben fielen, oder nach bestimmten Gottheiten, welche 
zu ihnen in besondern_ Beziehungen standen, benannt, wie den 
Bägajädis-Vayakän und Ä-O'rijädija-Ahekan bei Persern und Sogdiern 
und den Tistrja und Da-O-usö beim Awestavolk. Die der Gä-O-ä- 
Religion eigentümlichen Amosa sponta waren dagegen aller Wahr- 
scheinlichkeit nach im alten bürgerlichen Kalender nicht vertreten. 
Jetzt ging man aber dazu über, nach ägyptischem Muster sämt- 
liche Monate sowie die Monatstage besondern Gottheiten zu weihen. 
In der Ausgestaltung dieses Systems sind übrigens die Magier 
selbständig vorgegangen und haben ihm einen tiefreligiösen Charakter 
aufgeprägt. Dabei zeigt sich nun zwischen den Namen der Monate 
und denen der Monatstage ein sehr bezeichnender Unterschied. 
Bei der Verteilung der Genien auf die 12 Monate ist eine Rang- 
ordnung befolgt, die von der sonst im Awestä üblichen auffällig 
abweicht und nur unter der Voraussetzung zu begreifen ist, dass 
der Urheber mehrfach durch ältere Jahresformen, in denen einzelne 
Monate bereits ihre Schutzgottheiten hatten, gebunden war. Ganz 
anders bei den Monatstagen. Diese sind in vier je von Ahura- 
mazdäh geführte ungleiche Gruppen zerlegt, von denen die erste 
den Amasa spanta, die zweite (8 — 14) den Elementen (einschliess- 
lich des Urstiers) gehörte. In den zwei letzten Gruppen (15 — 22 



^) Letronne, Recherches pour servir k l'histoire de l'Egypte 
pendant la domination des Grecs et des Romains tirees des inscriptioDs 

frecques et latines relatives ä la Chronologie etc. Paris 1823 p. 166 ss. 
deler a. a. 0. I 145 A. 1. 

Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 14 



210 J- Marquart, 

und 23 — 30) sind sittliche und physische Mächte ziemlich gleich- 
massig verteilt. Der im engeren Sinne zarathustrische Charakter 
dieser Kalenderreform kommt aber darin zum Ausdruck, dass die 
Epagomenen den fünf heiligen Gä'9'äs gewidmet sind. 

Der mazdajasnische Kalender ist somit das Ergebnis eines 
doppelten Kompromisses: 1) man vertauschte den altpersischen 
und altawestischen Jahresanfang mit dem babylonischen, dessen 
Epoche die Frühlingsnachtgleiche war; 2) man gab das gebundene 
Mondjahr, dessen Monate nach den Mondphasen abgemessen waren 
und das durch die periodische Einschiebung eines Schaltmonats 
reguliert wurde, zugunsten des ägyptischen bürgerlichen Jahres 
von zwölf 30tägigen Monaten und 5 Epagomenen auf und ersetzte 
die bisherigen Monatsnamen durch rein religiöse. Dieser Kalender 
muss durch einen gesetzgeberischen Akt der Staatsgewalt in ganz 
Iran sowie in den mit nicht unbedeutenden iranischen Kolonien 
besetzten Provinzen Kappadokien und Armenien eingeführt worden 
sein. Das Epochejahr lässt sich daraus gewinnen, dass der 1. Da- 
'O'usö dem 1. Thoth entspricht. Setzte man bei der Einführung 
den 1. Frawardln auf den 27. März julianisch, so fiel der 1. Da'9'uSö 
und 1. Thoth auf den 22. Dezember. Dieses war der Fall in 
den Jahren 489 — 486 v. Chr. Darnach wäre der jungawestische 
Kalender in den letzten Jahren des Dareios^) in Kraft getreten^). 
Jeder Geschichtskundige sieht, wie gut dies zu den damaligen religiös- 
politischen Verhältnissen stimmt. Dareios, der als praktischer Staats- 
mann die hervorragende Wichtigkeit des Nillandes mit seiner Jahr- 
tausende alten Kultur für den Staatshaushalt sehr wohl zu würdigen 
verstand, nahm von Anfang an den Ägyptern gegenüber eine ganz 
andere Haltung an als sein Vorgänger Kambyses und war mit 
Erfolg bemüht, deren Dankbarkeit und Anhänglichkeit zu erwerben, 
so dass er als sechster Gesetzgeber des Landes galt^). Bei dieser 
Auffassung von der Entstehung des iranischen Wandeljahres bleibt 
es freilich sonderbar, dass man nicht sofort bei seiner Einführung 
Bedacht nahm, den alljährlich ausfallenden Viertelstag auf bequeme 
Weise, am einfachsten durch vierjährige Einschaltung eines sechsten 
Epagomenen wieder einzubringen. Denn es konnte den Magiern 
nicht schwer fallen, bei den ägyptischen Priestern über das Sothis- 
jahr und sein Verhältnis zum bürgerlichen Jahre Auskunft zu er- 
halten. Hier liegt also unzweifelhaft eine schwer begreifliche Un- 
selbständigkeit der Iranier gegenüber ihren ägyptischen Vorbildern 



^) Eventuell 493—490, falls man als Epochetag den Tag nach dem 
Äquinoktium (28. März) wählte; s. oben S. 204 A. 4. 

") Sein letztes erstreckte sich bis in den Herbst 485, da die letzte 
Urkunde aus der Regierung des Dareios vom 22. /VI. des 86. Jahres, 
die erste des Xerxes vom 7./X. seines Antrittsjahres ist. Vgl. Weiss - 
bach, ZDMG. 55, 206 f. 

3) Diod. 1, 95, 4. Vgl. Wiedemann,Äg. Gesch. S. 678 ff. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 211 

vor. Vielleicht ist jedoch gerade die allgemeine Geltung des jung- 
awestischen Jahres geeignet, jenes Rätsel verständlicher zu machen: 
man wollte die soeben hergestellte Harmonie mit dem ägyptischen 
Kalender, auf die man offenbar Wert legte, nicht alsbald wieder 
zerstören. Auf alle Fälle ist aber die Schöpfung und Einführung 
des jungawestischen Wandeljahres ein redender Beweis dafür, dass 
der Einfluss der Magier nach dem Falle des Gaumäta keineswegs 
beseitigt, sondern höchstens zeitweilig zurückgedrängt, in der 
spätem Regierungszeit des Dareios aber mächtiger geworden war 
denn je. Unter diesem Gesichtspunkt verliert auch die Nachricht 
des Hermodoros über die Magierschulen des Ostanes, Astrampsychos, 
Gobryas und Pazates, die von Zoroaster bis auf Alexander d. Gr. 
einander abgelöst haben sollen^), viel von ihrer Albernheit, wofern 
man in denselben in rohen Umrissen die Hauptetappen der äusseren 
Geschichte der Zarathustrareligion im Perserreiche erblickt. Frei- 
lich hat Laertios Diogenes die Reihenfolge verwirrt und auf den 
Kopf gestellt und auch sonst die Angaben des Hermodoros ver- 
dorben. Astrampsychos gehört an die Spitze. Unter diesem Namen, 
der eine Umschreibung von ap. *wästrija-fsu-ka = aw. wästrjö- 
fsujas^ der altiranischen Bezeichnung des dritten Standes der 
Viehzüchter und Ackerbauer ist ^), verbirgt sich nämlich kein Ge- 
ringerer als Zarathustra selbst, der im Frawardm jt. 89 aus- 
drücklich der erste wästrjöfsujas genannt wird-^). Dazu stimmt 
vollkommen, dass Astrampsychos bei den Späteren als ein grosser 
Zauberer und Wahrsager gilt und eine Reihe von Schriften astro- 
logischen und magischen Inhalts (Orakel- , Traum- und Zauber- 
bücher) unter seinem Namen verfertigt wurden. Es ist auch nicht 
besonders wunderbar, dass man ihn in Ägypten, dem klassischen 
Lande alles Zauberwesens, geradezu zu einem Ägypter und zum 
Zeitgenossen eines Ptolemaios machte *). An Astrampsychos schliesst 
sich ganz unvermittelt na^drrig an d. i. -ZTa;rt^£i'9't^$- Gaumäta^). 



') Laert. Diog. prooem. 2 : UTtb dh t&v Mccycov av äg^ai Zcoqo- 
d6rQ7]v xbv IlEQöriv, ^EQiiodcoQog ^hv 6 ITkatGiviy.bg iv xä tzsqI ^a^'r^iDctav 
(priölv sig xr]v Tgoiag alaaiv sxri ysyovEvai 'Jt8vxay.i6%ilia (Sccvd'og dh 
6 Avöbg slg xr\v IS^eQ^ov äiußccoiv änb xov Zagodotgov k^wKiG^ilid cpr\6i^, 
y,al {i8x' avxbv ysyovivai noXlovg tivag Mdyovg v.axd diaäoxtjv, 'Ootccvag 
Kai 'Aaxgaiiipvxovg y.al FcoßQvag yal Ua^dxag, [i^XQi xfig IIsqo&v vit 
'Äk&i^dvBgov -naxalvösag. 

2) So schon Windischmann, Zoroastrische Studien 286. 

^) Weniger wahrscheinlich ist an Zarathustra's Sohn Urwatat-nara 
zu denken, der als weltlicher Herr (ahu) im War des Jima und Haupt 
der Ackerbauer bezeichnet wird (Wend. 2, 43. Bundah. XXIX 5. 
XXXII 5. 6). Man würde vielmehr Isat-wästra erwarten, den Sohn 
Zarathustra's von seiner Hauptfrau, der Ober-Möpat wurde und im 
hundertsten Jahre der Religion starb Bundah. XXXII, 5. Fraward. 
jt. 98. js. 23, 3. 26, 5. 67, 2. 

*) S. Pauly-Wissowa, RE.^ 1796. Unrichtig Assyriaka 530. 

5) Vgl. oben S. 145 und A. 4. 158 A. 3. 

14* 



212 J- Marquart, 

In ^Oördvrjg sind dem Laertios Diogenes wohl Ostanes I., welcher 
den Xerxes auf dem Zuge gegen Hellas begleitet haben soll (Plin. 
h. n. 30, 8), und Ostanes 11., ein Zeitgenosse Alexanders d. Gr. 
(Plin. h. n. 30, 11) zusammengefallen, wie in rcjßQvag die beiden 
gleichnamigen Personen des Dialoges Axiochos c. 12 p. 371 A. 
Dem zweiten Gobryas, einem Magier, verdankte Sokrates Ent- 
hüllungen über die Unterwelt und die Belohnung und Bestrafung 
nach dem Tode, welche sein Grossvater auf Delos, wohin er beim 
Xerxeszuge gesandt worden war, um das heilige Eiland zu schützen, 
entdeckt haben sollte^). 

Das jungawestische Jahr ist hiernach eine Erfindung der 
Magier aus der älteren Achaimenidenzeit. Hierin liegt ein- 
geschlossen, dass diese sich der Awestäsprache bedienten, und zwar 
ergibt sich aus dem kappadokischen Namen JaQ'ovGa = jaw. 
Da&usö, in ap. Lautform Da&usa^, nicht gaw. Dadusö^), dass 
der altehrwürdige Gäthädialekt spätestens um 400 v. Chr.^), 
wahrscheinlich aber schon weit früher verklungen war und die 
Magier nur mehr das Jungawestische zu handhaben verstanden. Ich 
bemerke aber , dass nur derjenige ein Recht hätte , die Awestä- 
sprache altmedisch zu nennen, dem es gelänge in Medien einen 
Dialekt aufzufinden , der die Wörter Tistrja und chwarnanh 
für gemeiniranisch Tiri und farnah- im gewöhnlichen Gebrauche 
zeigte und mit der Awestäsprache den Lautwandel von rt zu s und 
von h zu idh teilte, von sachlichen Schwierigkeiten ganz abgesehen. 
Die weiteren Schicksale und verschiedenen Formen des jung- 
awestischen Jahres behandle ich hier nicht ; dagegen wird es nicht 
überflüssig sein, die Entwicklung der altiranischen Kalender bis 
zur Einführung des Wandel Jahres in einer Tabelle zu veranschau- 
lichen. Ich setze die armenischen Monatsnamen zur Vergleichung 
bei, wobei ich die noch nicht erklärten mit einem Sternchen ver- 
sehe; dagegen habe ich die sogdischen und Sagzinamen weg- 
gelassen, weil sie grösstenteils noch unerklärt und ihre wahre 
Aussprache unbekannt ist, da die vokallose arabische Schrift an 
sich die verschiedensten Lesungen erlaubt. Den erschlossenen 
jungawestischen Namen habe ich die entsprechenden altpersischen, 
kappadokischen, mittelpersischen und chwärizmischen gegenüber- 
gestellt. Bei der Ansetzung der kappadokischen Formen ist das 
Hemerologium in Theons Kommentar zu den Handtafeln des 
Ptolemaios nach der Leidener Hs. (cod. ms. Graec. bibl. publ. 
Leid. Nr. 78 fol. 145^— 150\ 152^), die ich selbst verglichen 
habe, zu Grunde gelegt. 



1) S. A. V. Gutschmid, Kl. Sehr. III 3—4. 

2) Vgl. Bartholomae, Grdr. f. Iran. Phil. I 168 S. 274 Anm. 2. 

3) S. diese Unters. I 67. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 



213 



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214 



J. Marquart, 



Koptisch 



Anfang 



Jungawestisch 



Altpersisch 



IV. Choiak 
V. Tybi 
VI. Mechir 
VII. Phamenoth 

VIIT. Pharmuthi 

IX. Pachon 

X. Pajni 
XI. Epiphi 



22. März 
21. April 
21. Mai 
20. Juni 

20. Juli 

19. Aug. 

18. Sept. 
18. Okt. 



XII. Mesore 17. Nov. 

5 Ergänzungstage 17. — 21. Dez. 
I. Thoth 22. Dez. 



II. Paophi 



III. Athyr 



21. Jan. 



20. Febr. 



I. Frawasinäm 



IL Asahe wahis- 
tahe 

III. Ha"rwatä.tö 



IV. Ti^trjehe 

V. Amar^tätö 

VI. ChSa^rahe 
wa^rjehe 
VII. Mi-^rahe 
VIII. Apäm (napätö) 



IX. Ataro , gen. 
A-^rö 
X. Da^wä, gen. 
Da'ö'usö 

XI. Wohu manö, gen. 
Wanhäus mananhö 

XII. Spanta ärma^tis, 
gen. Spantajä är- 
matöis 



Wartinam 



Artahja wahistahja 



Haruwatah , gen. 
Haruwatätah 

Tiris, gen. Tirais 



Amrt(at)ah , gen. 

Amrtätah 
Chsa'O'rahjä wari- 

jahjä 
Mi'O-rahjä 
Apäm (napätah) 

Ätr, gen. Ä-ö-rah 

Dadwäh, gen. Da- 
'9"usah 

Wahu manah, gen. 
Wahaus manahah 

Santa äramati§ 



Fünf Ergänzung 



^) Nach Benfey-Sterns Liste II, wo Sccv&qloqtj steht. In den beiden 
Hss. des Hemerologiums ist dieser und der folgende Name verdorben; 
in der Leidener Hs. stehen beide auf einem kursiv geschriebenen er- 
gänzten Blatt. 

2) In den Menologien Ml&qL. 

^) So P. de Lagarde; die Menologien haben 'Aitofisvcc^d etc., der 
cod. Lugd. abgekürzt ATIOMOINS^ woraus im Laurentianus ATIO- 
MYAH geworden ist. 

*) Die kappadokische und chwarizmische Form gehen auf den 
Gen. ( Wah)ös manaha(h) zurück. 

^) Nach dem Päzand-Pahlawl-Glossar Kap. 28 bei Salemann, Über 
eine Parsenhandschrift der ks. öffentl. Bibliothek zu St. Petersburg S. 84. 

^) Geschrieben Harwet, Amuret, was falschlich Churdat, Amy,rdat 



Untersuclaungen zur Geschichte von Eran. 



215 



Kappadokisch 


Mittelpers.^) 


Anfang 


Chwärizmisch 


APTANA 


Frawartin | 


27. März 


^z^J^.U Näusärge oder 
La:=>3 . Röcnä 


APTHYe{C)T\H) 


Artwahist | 


26. April 


v^^^»j t Ardwist oder 


APOATATA 


Haröt «) 


26. Mai 


olo^^ HarwadäS oder 


reipei 


Tir 


25. Juni 


j^^A^o Pa-Cire 
^j^^ Olre oder ^\y\^ 
Räzäk 


AMAPTATA 


Amurt ^) 


25. Juli 


3!uX..«.^ Hamdäö 


SAQFIOPH^) 


Sa'9'r(9)ewar 


24. Aug. 


j^. 4j,Ai>! Ichsareware 


Ml BPH'') 


Mi'Ö'ra 


23. Sept. 


j^yoji Ömire 


AnOMENAnA^) 


Äpän 1 


23. Okt. 


^i>LsLj Jäpä-chan oder 


AB PA 


Ätur 1 


22. Nov. 


^^1 ArÖ od. ^>.5^;^.L>C^..«.x5 


AAQOYCA 


Dadw7) 1 


22. Dez. 


O-Ju-J» Remazd oder 


OCMAJS^A*) 


Wahüman 


21. Jan. 


^.«.^^^ Osman^) oder 


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^Ui! 0,, 


CONAAPA 


Spandarmat 


20. Febr. 


i^^vo^luX.AAA/wi Ispandarmaöe 
oder j.j.Av.'^ Chsöm 


Ige 22.-26. März 









gelesen wird. Allein die Ligatur et steht unrichtig für t. Beide Formen 
gehen ebenso wie Atur, Dadw und Spandarmat auf den ap. Nominativ 
zurück. Die Formen Haröt und Amurt liegen auch den arabischen 
Engeln Oj.L?' und Oj ,Lo zu Grunde, nur dass letzteres in bekannter 

Weise an Härüt angeglichen ist. Haröt: Jiaruwatäh = mp. dröt, np. 
duröd'. ap. *duruwatah. Vgl. Hübschmann, Pers. Stud. S. 61. 

') Bisher fälschlich Din gelesen , es entspricht aber np. ^^O Daj 
aus DaSw. 

^) S. fv, 11 ^^X^\ Osman, S. fv, 16 ^^X^S d. i. ^♦^^f, aber 
S. V«, paen. und l'l^'v, 13 ry^^\ d. i. {W)achman im Nom. Der Monats- 
tag heisst ^A/iji. 



216 J- Marquart, 

Zusätze und Berichtigungen. 

Zu S. 5 Z. 17 — 32 und A. 3: Das nur im syrischen (und 
äthiopisclien) Text erhaltene Stück ist an dieser Stelle eingeschoben, 
weil man das Land der Parisiqäje (äth. Sapln = (j^iu^ statt 
^.vwi), zu dem Alexander S. 189, 14 ff. kommt, mit UgccaLccKri 
zusammenwarf. Allein die Parisiqäje, die als Ichthyophagen ge- 
schildert werden, sind vielmehr die UaaLQSsg in Gadrosien, welche 
Nearchos neben die Ichthyophagen setzt ^). Ptolemaios verzeichnet 
in Gadrosien gegen Karmanien zu ein Volk UaQatQaL'^), rj ös 
fiiöT} rrjg xooQccg näCcc %aXeixai IJccQaörjvri kccI vn avxriv UaQiGivri ^)- 
Vgl. Tomaschek, Topographische Erläuterung der Küstenfahrt 
Nearchs S. 23. Der Verwechslung von Prasiake mit dem Lande 
jener Ichthyophagen begegnen wir schon im Eingange des Briefes 
an Aristoteles p. 120 b ed. MüUer = p. 94 Syr. transl. Budge = 
p. 142 Aeth. transl. Budge*). Schiffermärchen über die Barbaren 
an der Küste von Gadrosien konnten immer wieder aufs neue nach 
Alexandrien gelangen. 

„Wir brachen auf vom Lande der Parisiqäje und wandten 
uns gerade gegen Osten" (p. 190, 9 = 107 der Übs.). Nach 
10 Tagen kommen sie zu einem hohen Berge. Die dortigen Ein- 
wohner ermahnen Alexander, das Gebirge nicht zu überschreiten, 
da dort ein grosser Gott in Gestalt eines Drachen hause, der das 
Land vor Feinden schütze. Der Drache ist drei Tage von da, 
„an jenem Strome" (Z. 16). Alexander kommt dann ans Ufer 
jenes Flusses, und der Drache wird auf dieselbe Weise beseitigt 
wie der Wurmgott im Kärnämak (c. 7, 11 ff., 8, 7 — 11). Sonst 
wird seine Erscheinung wie die eines indischen näga beschrieben : 
er erscheint in schwarzer Wolke. Dagegen seine Tyrannei, seine 
tägliche Fütterung mit zwei Ochsen und die Tötung von Menschen 
ist gezeichnet nach der iranischen Vorstellung von Az i dahäk 
und dem Wurmherrn. Vgl. N ö 1 d e k e , Beiträge zur Gesch. des 
Alexanderromans S. 22. Nach der Tötung des Drachen (p. 193, 12 
= 108) „brachen wir von da auf und gelangten zu einer Land- 
schaft (oder: Ort), und innerhalb jener Landschaft war ein hoher 
Berg ^) und ein Fluss ^) , Birastes nennt man ihn , entsprang aus 



1) Aman. Ind. 26, 3. Plin. h. n. 6, 97: flumen Tonberum navi- 
gabile, circa quod Parirae, dein Ichthyophagi ; 6, 95: alii Gedrusos et 
Sires (Harduin und Sillig: Pasires) posuere per CXXXVIII p. 

2) cod. A UagGidca, die übrigen Hss. Wilbergs UagGigca. 

^ Ptol. VI 21 p. 439, 15. Wie das verdorbene t) Ttag o^bv im 
Periplus mar. Erythr. § 37 herzustellen ist, ist unsicher. Vgl. Toma- 
schek a. a. 0. 

*) Jömeda ist hier falsche Umschreibung von arab. lAx^^ für 

*) Also ein zweiter Berg. ^) Also ein zweiter Fluss. 



Untersuchungen zur Greschichte von Eran. 217 

ihm." In diesem Berge ist ein Gott, der ganze Berg aus Sapphir. 
Alexander besteigt den Berg mit seinen Truppen und lässt den 
Göttern Opfer bringen. Hier wird ihm durch Geisterstimmen zu- 
gerufen, er solle umkehren. Darauf erhält er von den Göttern 
Bescheid, wenn er allein weitergehe, so werde er durchkommen 
und lebendig wieder zurückkehren. Er werde dort einen König 
sehen, einen Göttersohn (d. i. den baypür = devaputra)^ aus dessen 
Lande ein geehrter Priester zu einer Anzahl von Ländern gehe. 
Hierauf lässt Alexander bei jenem Berge eine Stadt erbauen, 
nämlich „Alexandreia die Königin der Berge". 

Hiernach kann es keinem Zweifel unterliegen, dass mit dieser 
Stadt ursprünglich ^AXei,a,v8qeia, tj iv ^SlQsttaLg gemeint ist ^) , das 
alte Dori^Pafißama, das Tomaschek a. a. 0. S. 19 beim heutigen 
Sönmiäni, dem Hafen von Beilä ansetzt. Der Sapphirberg er- 
innert an Orthagoras' Notiz über reiche Erzadern im Lande der 
Oreiten (s. Tomaschek S. 20). Der Fluss Birastes kann so- 
mit nur der Purali sein, der an Beilä vorbeifliesst und nördlich 
von Sönmiäni ein sumpfiges Delta bildet. 

In der Epistola Alexandri Macedonis ad Aristot. p. 205, 17 
ed. Kubier kommen die Makedonen (aus Indien) zuerst zum Flusse 
Buebar, wo Elephantenherden aus den Wäldern auf sie zukommen, 
dann geht es in eine andere Gegend, wo man ganz behaarte 
Männer und Frauen sieht, die Ichthyophagen, die am Flusse Ebi- 
maris wohnen (p. 207, 8). Hierauf findet man Haine voll mäch- 
tiger Cynocephali und kommt schliesslich nach Phastace, „unde 
veneram". Der Buebar entspricht hier dem "Agaßig der Ale- 
xanderhistoriker, dem heutigen Habb, wie Ausfeld (Zur Kritik 
des griechischen Alexanderromans, Karlsruhe 1894 S. 12) richtig 
gesehen hat. Der Ebimaris ist dann der Birastes des Syrers 
d. h. der Purali. Phasiace (so) ist hier noch richtig vom Lande 
der Fischesser d. h. der Oreiten und Ichthyophagen des Nearchos 
geschieden und westlich von diesen gedacht, entspricht somit 
genau dem Gebiete der Tlaciiqhg Nearchs. 

Zu S. 6 Z. 11 ff. Es ist mir jetzt wahrscheinlich, dass von 
Anfang an an den S. 1 — 3 erwähnten Stellen der Schatzhöhle 
verschiedene Namen beabsichtigt waren, die z. T. vielleicht ty- 
pische Bedeutung hatten. Dann wäre azd-gar einfach „kund- 
machend". An sich lassen ja die syrischen Zeichen alle möglichen 
Deutungen zu, zumal die Legenden ohne Zweifel schon durch 
verschiedene Hände gegangen waren und die ursprünglichen 
Formen nicht bekannt sind. Die Namen der zweiten Gruppe sind 
augenscheinlich weit unsicherer überliefert. Doch könnte man 
die von B gebotene Lesart ;ojQ*Ä, welche auch der arabischen 



^) So richtig Nöldeke, Beiträge zur Gesch. des Alexanderromans 
S. 8 A. 8, der aber gleichwohl S. 22 den Fluss Birastes für den 
Borysthenes hält. 



218 J- Marquart, 

Übs. zu Grunde liegt, als ^5j|^aj „Antwort gebend" deuten, ob- 
schon man dann ;' erwarten sollte, und Jazdwar würde etwa 
„fromm" bedeuten. 

Diese Legenden weisen m. E. auf manicbäischen Ursprung, 
den christlichen Syrern aber waren die persischen Namen leerer 
Schall. Dies gilt namentlich auch von der zwölfgliedrigen Liste, 
und diese ist auch für uns nichts anderes, so lange die Original- 
legenden, aus denen sie ohne Zweifel zusammengestoppelt ist, noch 
nicht aufgefunden sind. 

Zu S. 16 Z. 4. 19: Leider war mir bisher der Aufsatz von 
U. Boissevain, Ein verschobenes Fragment des Cassius Dio 
(Hermes Bd. 25, 1890, S. 329—339) entgangen, in welchem der 
Nachweis geführt wird, dass das aus den ursinischen Exzerpten 
%z^i TtQBdßecav stammende, von Ursinus als Nr. 77 bezeichnete 
Fragment des Kassios Dion, welches man seit Ursinus und Leun- 
clavius allgemein auf den Partherkrieg des Septimius Severus be- 
zog und demgemäss im 75. Buche (75, 9, 6) unterbrachte, nach 
der Reihenfolge der ursinischen Exzerpte vielmehr in den Parther- 
krieg des Traianus und zwar wahrscheinlich ins Jahr 116 n. Chr. 
gehört. Das sehr abgerissene Fragment lautet: ort tö5 OvoXoyaiCGi 
Tc5 SavaxQOVviov tccclSI avxLnaqata^a^evG) roig tzeqI Eeovfiqov, kccI 
ÖLOKCüiriv TtQLv 6v^^lE,(xl öcpLütv aLtrjßavxt nccl Xaßovti,, TtQsößeig re 
TtQog avxhv ccnecSxeLXE^) %cxl fiSQog xi X7]g ^AQ^Eviag etu xrj slQrjvr} 
E%aql6axo. 

Severus war einer der Generäle, welchen die Aufgabe zufiel, 
den im Rücken Trajans in den drei neu eingerichteten Provinzen 
Mesopotamia, Assyria und Armenia ausgebrochenen Aufstand nieder- 
zuwerfen. Trajan muss die Lage für bedrohlich genug gehalten 
haben, so dass er es für geraten fand einzulenken. Unter dem 
Teil von Armenien , welchen er dem Volagases beim Friedens- 
schlüsse als lehnspflichtiges Fürstentum abtrat, also von der neu- 
errichteten Provinz abtrennte, sind wohl die ehemaligen Königreiche 
Sophene und Gordyene zu verstehen, welche nach Appians Zeugnis 
zu seiner Zeit, d. h. unter Antoninus Pius, als Strategie von 
Kappadokien unter dem Namen Armenia minor verwaltet wurden, 
während das alte Kleinarmenien westlich vom Euphrat schon länger 
in den Provinzial verband von Kappadokien aufgegangen war^). 



^) Subjekt ist Trajan. 

^) Appian Mithr, 105: 'nai 6 Uo^Tti^iog avta {TLyQCLvrf) avvsyiyvaaTis 
r&v ysyovotcov Tcal GvvijXXaocs xG) Ttai-dl xaJ. dirjxries xbv ^hv vlbv aQ%siv 
xfjg IJaiq^rivfjg v,a\ FoQdvrivfig, at vvv aga slölv 'Agiisvia ßgcc^vx^ga, xbv 
dh TtaxEQcc xfjg aXXrig 'Ag^isviag inl xa^a xä Ttaidl y.XriQ0v6^cp. . . . 6 dh 
noiimqLog i-nxsxsXsad'ai ol xbv ndvxa TtoXs^ov jjyov^svog, axL^s TtoXiv 
k'v&a XTjv iidj^riv ivi^tcc Ml^ql^ccxtiv, r} anb xov sgyov NixoTtoXig yltj^axai, 
xal S6XLV 'Agiisviag xrjg ßga^vx^gag Xsyoiiivrig. 'Agioßag^civr] S' ansdidov 
ßaöiXsvsLV Kwjtitadoyiiag ^ %al TtQoasTti&coyts 2cocprivr}v xat JToQ&vrivijv, a 
XG) Ttaidl i^is^iEQLöxo TCO TiyQCCvovg • ticcI öxqaxriysixca vvv a\La xjj KccTtTta- 



Untersucliungen zur Geschichte von Eran. 219 

Der offizielle Name Armenia minor muss für jenes Gebiet auch 
noch ^100 Jahre später im Friedensvertrage des Kaisers Philippus 
mit Säpür I (244 n. Chr.), sowie im Frieden des Galerius (297) 



doy,ia xal xäds. sffcoxs öh ■Kai tf^g Kiki-Kiag noliv KaotccßccXa v.al aXXccg. 
'ÄQLoßccQ^dvrig ^hv ovv trjv ßaGiXslav dXr}v ro5 TtaiSl itSQLcov ivs%BiQL68- 
■Koi TtoXXccl fisrccßoXal [i^XQi Kcciaagog iytvovto tov Usßccatov , icp ov, 
%a%'(x.n8Q xa XoLTtd, Jial i]ds 17 ßaciXslcc nsQifjXd'sv ig axgaxriyiav. 

Diese Stelle enthält verschiedene Schwierigkeiten. 

Die Behauptung, Ariobarzanes habe ausser Sophene auch Gordyene 
erhalten , widerspricht der ausdrücklichen Angabe Strabons t? 1 , 24 
p. 747, Pompeius habe den grössten Teil von Mesopotamien dem Tigranes 
zugeteilt. Auch Tigranes dem Jüngeren war nach den anderen Quellen 
nur Sophene zugedacht worden (Kass. Dion 36, 53, 2. Plut. Pomp. 33). 
Die Hinzufügung von Gordyene ist daher mit Th. Reinach (Mithridate 
Eupator p. 393 n. 1) in beiden Fällen zu verwerfen. Die unvermittelte 
und unmotivierte Verwendung des Ausdrucks 17 ßgaxvxsQu 'ÄQ^svia in. 
zwei ganz verschiedenen Bedeutungen ist auf alle Fälle höchst befremd- 
lich, allein die Deutung: „Sophene und Gordyene, welche jetzt zu Klein- 
armenien gehören" wird durch den Text ausgeschlossen. Da nun 
die Stelle auch noch einen andern nachweisbaren Irrtum enthält — 
Kappadokien ist nicht unter Augustus, sondern erst unter Tiberius im 
J. 17. n. Chr. zur Provinz gemacht worden — und Appian den Aus- 
druck 7] ßQcc^vxsQa 'AqilsvIcc sonst immer im gewöhnlichen Sinne für 
Kleinarmenien westlich vom Euphrat verwendet (Mithr. 17. 90. 115), 
so ist man versucht an eine grobe Flüchtigkeit seinerseits zu denken 
und zu vermuten, dass in seiner Quelle noch etwas über das wirkliche 
Kleinarmenien berichtet war und sich auf dieses die Bemerkung be- 
ziehen sollte: y.al Gxgaxriyslxai vvv a^icc xy Ka-jt7tadoy.ia xal xccds. Ein 
Teil von Kleinarmenien wurde im Jahre 48 v. Chr. von Caesar dem 
Ariobarzanes III., dem Sohne Ariobarzanes' 11. von Kappadokien ver- 
liehen (Kass. Dion 41,63. 42,48, 4); im Jahre 20 v. Chr. erhielt es 
Archelaos von Kappadokien (Kass. Dion 54, 9, 2. Strab. iß 3, 29 p. 555). 

Eine solche Erklärung wäre indessen sehr gezwungen , da Klein- 
armenien wahrscheinlich schon von Vespasian der Provinz Kappadokien 
einverleibt worden war (Joach. Marquardt, Römische Staatsver- 
waltung P 369). Sophene und Gordyene müssen vielmehr im offiziellen 
Sprachgebrauch wirklich die Bezeichnung Armenia minor geführt haben. 
Der siegreiche Feldzug des Gordianus gegen die Perser war durch den 
schmachvollen Frieden des Arabers Philippus abgeschlossen worden, 
den letzten formellen Friedensvertrag zwischen Rom und Persien bis 
auf Galerius. Dexippos muss über denselben berichtet haben, wie sich 
aus der Übereinstimmung des Zosimos (I 19, 1. III 32,4), Synkellos 
(p. 683, 1—2), Zonaras (XII 19 vol. II p. 583, 3—7 ed. Bonn.) und 
Euagrios (h. e. V 7 p. 426 ed. Vales.) mit Sicherheit ergibt, aber nur 
bei den beiden letztern finden sich Andeutungen über die Friedens- 
bedingungen. Zonaras sagt: öTtovdag dh TtQog ZaitwQriv ^B^isvog xov 
x&v TItQG&v ßaöiXsvovxa , xov itgog ütQGag xccxiXvaa TtoXaiiov , Ttaga^a- 
QTiaag avxolg Ms607toxcc^iccg y,al 'ÄQ^svLccg- yvovg dh 'Pcoiicciovg ccx^oiie- 
vovg ^LCi X7]v x&v %GiQ&v xovxcov TtagaxmQTiGiv , ^isx' oXLyov 7]%'iX7\6s xag 
avvQ'riKag y,al x&v %coq&v inaXccßsxo. Erst unter Gallus begann die 
Reaktion der Perser gegen den Vertragsbruch eb. p. 589, 24 — 590, 3. 
Damit stimmen die Worte des Zosimos 3, 32, 4: iQovoig dh TtoXXotg 
V6XSQOV Foqdiccvov xov ßa6iXicog Uigöabg iitiöxQaxavGavxog y.al iv fiBör] 
xji TtoXsfiia 7i866vxog, ovSh \isxa. xavxriv xr]v vI-ktiv ol Ueqgccl TtccQsand- 
accvxo XL x&v 'r]äri "Pcaiiccioig VTtrpiOGiV yaysvri^svcov, -aal xavxa ^iXiTtnov 
8i,ad£^a\iivov X7]v äg^riv -Kai sIqtJvtiv ataxioxriv Ttgbg Uiqaag %'£{iivov. 



220 J- Marquart, 

gebraucht worden sein. Nur so wird es begreiflich, wie Malalas 
zu der Behauptung kommen konnte, Maxentios, d. i. Galerius 
Maximianus, habe gewisse Landschaften von Persarmenien losgerissen 
und den Römern unterworfen, die er erstes und zweites Armenien 
der Römer genannt habe ^) : er verwechselte das östlich vom Euphrat 
gelegene, von Galerius zurückgewonnene Armenia minor d. i. die 
später sogenannten gentes Transtigritanae mit dem alten Klein- 
armenien westlich vom Euphrat, das erst von Diokletian von 



Euagrios dagegen, der die Veranlassuog des armenischen Aufstandes 
und des römisch-persischen Krieges unter Justin II. erzählt, beginnt 
mit den Worten: Tovtov (Gregorios, der Patriarch von Antiochien) ti]v 
iTtLG-KOTtrjv TtQ&xov fVog diETtovtog ol xfi? TtdXai ^hv ^isyccXrig 'ÄQ^svias, 
vatSQOv Sk UsQödQiisviag iTtovofiaod'siarig — ?) Ttgmriv'Paj^iccioLg Tiaf^-noog 
7iv, ^iXiTCTtov &h tov [isxcc roQdiuvov KataTtQOÖovTog avrrjv xto XancoQri 
7] iihv nXrid'slGa ilvüqu 'Agfisvia ngog " Pcoiiaicov ixQaxiqd'ri, rj Si ye XoiTti] 
n&oa TtQog üsgocbv — xa XQLGXiavav Tfgsößsvovxsg . . . . iv nagaßvcxco 
i-jtQsaßsvovxo ngog 'lovaxtvov ■kxX. Dem Euagrios dient diese historische 
Notiz nur als Einleitung zu seiner Erzählung; er hat sie ohne Zweifel 
nicht direkt aus Dexippos, sondern aus der Chronik des Eustathios 
von Epiphaneia bezogen, der den Dexippos ausgezogen hatte (vgl. 
Euagr, V 24). Daraus erklärt sich zum Teil die nachlässige Fassung 
des Satzes. Da Euagrios aber von den Verhältnissen seiner Zeit 
ausgeht und kein Dummkopf war wie Malalas, kann er nicht haben 
sagen wollen, infolge des Friedens des Philippus sei das schon seit 
Vespasian mit der Provinz Kappadokien vereinigte und seitdem un- 
unterbrochen in römischem Besitz gebliebene Kleinarmenien westlich 
vom Euphrat von den Römern besetzt worden. Er spricht vielmehr 
nur von Grossarmenien, das bis auf Philippus ein Ganzes unter römischer 
Lehnshoheit, durch den schmählichen Frieden desselben geteilt worden 
sei, indem ein Teil, das sogenannte Klein armenien , von den Römern 
besetzt wurde, während die ganze übrige Hälfte den Persern anheim- 
fiel. Jenes Kleinarmenien muss also einem Teile des späteren römischen 
Grossarmenien entsprechen, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach 
den beiden ehemaligen Königreichen Sophene und Gordyene. Wenn 
Euagrios diese Teilung als eine vollendete Thatsache meldet, so ist dies 
ohne Zweifel ein schwerer Irrtum. Dass in den Friedensbedin- 
gungen eine solche ausgesprochen war, braucht nicht bezweifelt zu 
werden, allein sie blieb auf dem Papier. Denn da der Friede nach 
Zonaras und Zosimos von Philippus in echtrömischer Weise nicht ge- 
halten wurde, so ist es selbstverständlich, dass sich auch Säpür, sobald 
er die Macht hatte, nicht mehr an etwaige einschränkende Bedingungen 
desselben gebunden erachtete. Wir finden daher keinen bestimmten 
Anhaltspunkt für die Annahme, dass das fragliche Kleinarmenien von 
Gallus bis auf Galerius je im unbestrittenen Besitze der Römer ge- 
wesen wäre. Später griff man indessen wieder auf den Vertrag des 
Philippus zurück: Galerius sanktionierte das römische Kleinarmenien, 
hielt aber an der römischen Lehnshoheit über das wiederhergestellte 
Königreich Armenien fest. Umgekehrt wird sich Sapür II. den. Römern 
gegenüber auf den alten unausgeführten Vertrag berufen haben, aber 
erst unter dem frommen Theodosius wurde die Teilung wirklich durch- 
geführt. 

^) Malal. XII p. 312, 17—19: y,al aitiaitacs xmgccg i-n r&v Ilsgeag- 
lisviav yial iTtoirjOsv VTtb '"Pafiaiovg. rjv Xiva iycdXsas 7tgcoxr]V xal ÖBVxi- 
gccv 'AgiLsvLccv 'PcoiiaLoav (Maxentios d. i. Galerius Maximianus). 



Untersuchungen zur Geschiclite von Eran. 221 

Kappadokien abgetrennt und zu einer eigenen Provinz erhoben 
worden war, die unter Theodosius I. (zwischen 378 und 386) in 
zwei Provinzen Armenia I und Armenia II zerlegt wurde ^). Der 
Prätendent Volagases aber, der sich an die Spitze des Aufstandes 
der Armenier gestellt hatte, ist gewiss kein anderer als der im 
nächsten ursinischen Exzerpt genannte Volagases, welcher die Alanen, 
die nach der Verwüstung von Albanien und Medien (Atropatene) 
in Armenien eingefallen waren (134 oder 135 n. Chr.), durch 
Geschenke zur Umkehr bewog^) und in welchem schon Gutschmid 
(Gesch. Irans S. 147) einen König von Armenien erkannte. Er 
wird von Hadrian bei der Räumung der drei Provinzen als König 
von Armenien anerkannt worden sein, worauf auch die Notiz des 
Biographen (c. 21) hinweist: Armeniis regem habere permisit, cum 
sub Traiano legatum habuissent, während sein bisheriges Fürstentum 
von Grossarmenien getrennt blieb. Vielleicht ward es zunächst 
wie im Jahre 54 als eigenes Lehnsfürstentum einem ergebenen 
Dynasten übertragen und erst bei der Erhebung des Sohaimos 
auf den Thron von Grossarmenien unter Pius zu Kappadokieu 
geschlagen. 

Daraus ergibt sich ohne weiteres, dass der in Urs. 77 er- 
wähnte Vater des Volagases, Zavaxqov%7iq, identisch ist mit dem 
von Suidas genannten König Eavaxqov%rig von Armenien, woraus 
von selbst folgt, dass der Artikel des Suidas aus Arrians IlaQd-LKa 
stammt. So jetzt auch Boissevain in seiner Ausgabe des Kassios 
Dion vol. III, p. 218/19 ann. Hätte man nicht das ursinische 
Exzerpt 77 fälschlich in die Zeit des Septimius Severus hinab- 
gerückt, das dann den König UavavQovTirjg nach sich zog, so hätte 
man jenen Schluss ohne Zweifel schon wegen des ^vfi^erQOv bei 
Suidas längst gezogen. Arrian hatte den König Sanatruk von 
Armenien also in der Vorgeschichte des Partherkrieges Trajans 
erwähnt, in welcher er die Geschichte Armeniens seit der Krönung 
des Tiridates und der endgiltigen Regelung des staatsrechtlichen 
Verhältnisses des Königreichs Armenien durch Nero {66 n. Chr.) 
bis zum Ausbruche des Konflikts unter Trajan dargestellt haben 
muss^). Ob Sanatruk als unmittelbarer Vorgänger des Axidares,, 



^) Vgl. Kuhn, Die städtische und bürgerliche Verfassung des 
röm. Reiches II 211. 243, zitiert von Güterbock, Römisch- Armenien 
und die römischen Satrapien im IV. bis VI. Jahrh. S. 23. 

2) Kass. Dion 69, 15, 1 vol. III 285 Boissevain. 

^) Die UaQd'Ly.d Arrian's waren keine Geschichte der Parther, 
sondern der Kriege der Römer gegen die Parther (vgl. UsQGL'aci = 
Perserkriege), und zwar können auch die früheren Partherkriege nicht 
sehr eingehend behandelt gewesen sein, da jedenfalls im achten Buche 
bereits vom Feldzuge Trajan's die Rede war (fr. 5), also der Erzählung 
desselben mindestens 10 von den 17 Büchern des Werkes gewidmet 
waren. Im zweiten Buche begann die Geschichte des Feldzuges des 
Crassus (fr. 2), im vierten stand der Erzähler noch bei der Belagerung 
von Gazaka durch Antonius (fr. 3). 



222 J- Marquart, 

eines Sohnes des Partherkönigs Pakoros IL (112 n. Chr.)^) zu be- 
trachten ist, lässt sich nicht ausmachen, ist aber wahrscheinlich. 
Auf alle Fälle wird jetzt klar, dass das Königreich Armenien seit 
J^ero keineswegs eine eigentliche Sekundogenitur einer arsakidischen 
]S'ebenlinie in dem Sinne bildete, dass sich dasselbe einfach in 
der Linie des Tiridates vererbte — denn sonst hätte auf Sanatrukes 
unmittelbar sein Sohn Volagases und nicht ein Sohn des Parther- 
königs Pakoros folgen müssen — , sondern dass der römischen 
Regierung bei jedem Thronwechsel in Armenien vom König der 
Könige ein oder mehrere geeignete Kandidaten aus dem Arsakiden- 
hause präsentiert werden mussten. 

Dasselbe war auch schon aus einer Bemerkung Fronto's über 
die ähnliche Lage unter L. Verus zu entnehmen. In einem Schreiben 
an den Kaiser, in welchem Fronto dessen Briefe kritisiert, wo aber 
infolge zahlreicher unlesbarer Stellen der Zusammenhang unklar 
ist, scheint er davon gesprochen zu haben, dass man gegen die 
Regierung der beiden Kaiser verschiedene Vorwürfe erhob. Darauf 
fährt er nach einer Lücke fort: Vel quod Sohaemo potius quam 
Vologaeso regnum Armeniae dedisset; aut quod Pacorum regno 
privasset: nonne oratione huius modi explicarent ? ^) Zwischen 
140 und 144 hatte Antoninus Pius den Armeniern einen König 
gegeben^). Dies ist wahrscheinlich der Sohaimos, der im Jahre 
164 von einem gewissen Thukydides nach Armenien zurückgeführt 
wurde, also schon vor dem Kriege einmal König von Grossarmenien 
gewesen war*). Derselbe war jedenfalls nur von mütterlicher 
Seite arsakidischer Abkunft, während er väterlicherseits wahr- 
scheinlich der Familie der ehemaligen Dynasten von Hemesa 
angehörte^). Wodurch er sich bei Antoninus in so hohe Gunst 



^) Arrian Parth. fr. 16. Kass. Dion 68, 17, 3 (Exe. Ursin. 51). 

2) Fronto, Ad Yerum imperatorem p. 179 ed. A. Mai. 

3) Eck hei, Doctr. numm. VII 15 = Cohen II nr. 758: rex. Armen, 
datus. Vgl. Napp, De rebus imp. M, Aurelio Antonino in Oriente 
gentis. Diss. Bonn 1879 p. 10 n. 1. Gutschmid, Gesch. IraDs S. 147. 
Mommsen, R. G. V 403/4 A. 1. 

^) Suid. s. V, MagtLOs (unten S. 225 Anra. 1): '''On MccQtLog BfJQog 
tov @ov%vdidriv sytTts^TtSL xcctayaystv 2!6ai^ov slg'AQ[i8viav. lamblichos 
bei Phot. bibl. cod. 94 (unten S. 225 A. 4): slta -kol ßaaiXsvg tcccXlv tfjs 
lisydlris 'Aqiisviag. Vgl. Napp 1. 1. 24. Eckhel 1. 1. 

^) lamblichos nennt ihn 6 'AxaL^svidrig ö 'ÄQöayii^rig , og ßccöiXsvg 
7]V i-K TcarsQcov ßaöditov. Achaimenidische Abkunft in direkter Linie 
konnte er selbstverständlich nicht für sich in Anspruch nehmen, der 
Name wird nichts weiter besagen, als dass seine Vorfahren mit den 
Königen von Kommagene, in deren Adern ja achaimenidisches Blut 
rollte, verschwägert gewesen waren. Er kann aber auch kein echter 
Arsakide gewesen sein, wie sein nabatäisch-arabischer Name zeigt. 
Dieser weist vielmehr auf das ehemalige Fürstenhaus von Hemesa, das 
bald nach 72 n. Chr. entthront worden ist und in welchem die Namen 
I^aiiipLyBQcc^og (ßdmesydram), lamblichos (Jamliku) und Sohaimos (arab. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 223 

zu setzen verstanden hatte, wissen wir nicht; vielleicht geht aber 
seine Einsetzung auf Anordnungen Hadrians zurück. Man kann 
vermuten, dass dieser, eine Massregel Nero's wieder aufnehmend^), 
bei der Wiederherstellung des arsakidischen Königreichs Gross- 
armenien Sophene und Gordyene bleibend von demselben losriss 
und einem Nachkommen des Königs Sohaimos von Hemesa, der 
eine Zeit lang (54 bis spätestens 66) König von Sophene gewesen 
war, als lehnspflichtiges Fürstentum übertrug. So würde sich am 
einfachsten erklären, dass jene Landschaften unter Pius dem Statt- 
halter von Kappadokien unterstanden : sie wären bei der Erhebung 
des bisherigen Dynasten Sohaimos auf den Thron von Grossarmenien 
in unmittelbare römische Verwaltung genommen worden. Wenn 
das ursinische Fragment Nr. 55 gleich dem folgenden Nr. 56'^) 
unter Pius gehört^), so wird es auch etwas verständlicher, wes- 
halb dieser bei der Neubesetzung des armenischen Thrones von 



^^^) abwechselten (s. Joach. Marquardt, Rom. Staatsverwaltung P 

403 f.). Sohaimos war im J. 54 n. Chr. seinem Bruder Azizos als Dynast 
von Hemesa gefolgt und ward noch im nämlichen Jahre von Nero mit 
dem wiederhergestellten Königreiche Sophene belehnt (Jos. Scq^. 20, 158. 
Tac. ann. 13, 7). Dies war eine gegen Parthien gerichtete Kampf- 
massregel, die natürlich spätestens beim Friedensschlüsse mit Volagases I. 
und der Krönung des Tiridates (66) wieder eingezogen wurde. In der 
That finden wir Sohaimos schon im jüdischen Kriege nur noch als 
König von Hemesa; vgl. Jos. b. Jud. II 481. 483. 500. Vita 52. Tac. 
bist. 5, 1. Jos. b. Jud. III 68 a. 67. Tac. bist. 2, 81 a. 69. Jos. b. Jud. 
VII 226 a. 72. An all diesen Stellen heisst er einfach 2J6oay.og oder 
26caiiog 6 ßaoiXsvg, nur Vita 52 wird er rov itsgl tbv Aißccvov tstQccg- 
^ovvtog und b. Jud. VII 226 tf]g 'E^eorig xalov^Evrig ßccOilEvg genannt. 
Auf einer Inschrift aus Ba'albek heisst er : regi magno C. lulio Sohaemo 
regis magni Samsigerami f. (Lidzbarski, Ephem. der sem. Epigraphik 

II 87). Vgl. auch Krenkel, losephos und Lukas S. 91 if. In Hemesa war 
der Name Sohaimos noch in weit späterer Zeit gebräuchlich, wie lulia 
Soaemias (andere Formen des Namens findet man zusammengestellt bei 
Boissevain zu Kass. Dion 79 (78), 30, 2 vol. III p. 437), die Tochter 
der Julia Maesa beweist, deren Familie einen erblichen Anspruch auf 
das Priestertum des dortigen Sonnengottes besass. Diese Würde 
bekleidete auch der Sohn der Soaemias, Varius Avitus Bassianus. 
S. Schiller, Gesch. der röm. Kaiserzeit I 760. Vielleicht stammte 
auch lamblichos, der kein Babylonier, wie Photios aus Nachlässigkeit 
angibt, sondern ein Syrer war (vgl. Mommsen, R. G. V 453 A. 1), 
aus Hemesa, wo der nabatäische Name Jamliku heimisch war. In 
Armenien hat der Name Sohaimos nicht die geringste Spur hinterlassen. 

1) S. 222 Anm. 5. 

2) Kass. Dion 70 , 2 (69, 15, 3) vol. III 244 ed. Boissevain = Exe. 
Ursin. 56 : on ^aQaö^dvy} tm "IßriQi ig rr]v '^Pooiir\v [ista. rfig yvv(xiy,bg 
iX%'6vTi trjv ts ccQXTjv inriv^riös xccl '^■'ööat iv ra KaTtitaXicp icpfj-nsv, av- 
dQidvta TS inl i'rcnov iv tc5 'Ewslm k'otrics , v.al yv^ivaoiav avtov ts 
■Kccl rov vlsog täv ts aXlcov nQmtiov 'IßtJQcov iv OTtXoig sldsv. Vgl. 
Capitol. V. Pii 9, 6. Mommsen, R. G. V 404 A. 4. 

^) Dies vermutet Boissevain in seiner Ausgabe des Kassios Dion 

III 235 ann. 



224 J. Marquart, 

der Familie des Sanatruk und sogar von der arsakidischen Dynastie 
abgieng. Ein König Volagases, wahrscheinlich der von Armenien, 
Hess durch Gesandte in Rom verschiedene Beschwerden gegen den 
Ibererkönig Pharasmanes vorbringen^), worauf dieser wahrschein- 
lich zur Verantwortung nach Rom vorgeladen wurde. Als er aber 
hier eintraf, wusste er den Kaiser durch reiche Geschenke ganz 
für sich einzunehmen, so dass ihn dieser auffallend auszeichnete 
und sogar mit einer Gebietsvergrösserung bedachte^). 

Diese auffällige Begünstigung des Iberers und Brüskierung 
des Armeniers muss einen Grund gehabt haben und beweist jeden- 
falls, dass dieser beim Kaiser nicht in Gunst stand. Es ist aber 
begreiflich genug, dass die Verstümmelung von Grossarmenien 
bei den Parthern und Armeniern schon unter Hadrian böses Blut 
gemacht hatte ^). Noch mehr aber musste die förmliche Einführung 
der römischen Verwaltung in Südarmenien und die Beiseiteschiebung 
der Arsakiden in Grossarmenien den König der Könige reizen. 
Pius scheint von der Auffassung ausgegangen zu sein, dass er als 
Lehnsherr bei der Besetzung des armenischen Thrones nicht einmal 
an den arsakidischen Mannesstamm gebunden sei. Bereits damals 
drohte wohl der Partherkönig in Armenien einzufallen und dies 
Reich dem römischen Einflüsse zu entreissen , wovon ihn Pius 
durch Briefe abhielt*). Später aber kam es in der That zu Miss- 
helligkeiten mit dem König Volagases III. (148 — 191), die indessen 
durch eine persönliche Zusammenkunft der beiden Herrscher am 
Euphrat beigelegt wurden (um 154)^). In den letzten Jahren 
des Pius drohte abermals ein Krieg mit den Parthern. Damals 
muss der römische Schützling Sohaimos von den Armeniern ver- 



1) Kass. Dion 69, 15, 2 == Exe. Ursin. 55. 

2) s 223 Anm. 2. 

3) Vita Hadr. 12, 8. 

*) Capitol. V. Pii 9, 6 : Parthorum regem ab Armeniorum expug- 
natione solis litteris reppulit. Diese Notiz gehört wohl ebenso wie die 
beiden vorangehenden (Ankunft des Pharasmanes in Rom und Einsetzung 
des Pakoros als König der Lazen) in die ersten Regierungsjahre des 
Kaisers. Die folgende : Abgarum regem ex orientis partibus sola aucto- 
ritate deduxit muss irrig aus der Regierung Hadrians hierher gestellt 
worden sein. Es kann nur der edessenische König Ma'nü VII bar Izat 
gemeint sein, der nach v. Gutschmid 123 — 139 regierte und dem 
Parther Parnathaspat (Parthamaspates) folgte, dessen Zwischenregierung 
die einheimische Dynastie unterbrochen hatte. Der Name Abgarus 
war bei den Griechen und Römern gewissermassen Dynastiename ge- 
worden, wie Arsakes und später Chosroes. Vgl. A. v. Gutschmid, 
Untersuchungen über die Geschichte des Königreichs Osroene S. 28. 
Babelon, Mölanges numismatiques II nr. 4. 

^) Aristid. orat. sacra I p. 453. 454 ed. Dindorf. Vgl. Borghesi, 
Oeuvres V 373 ss. Waddington, Memoire sur la Chronologie de la 
vie du rheteur Aelius Aristide, Mem. de l'Acad. des Inscript. et belles- 
lettres t. XXVI, 1867, p. 260 ss. Napp, 1. 1. p. 12 ss. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 225 

trieben^) und der Arsakide Pakoros mit parthischer Hilfe zum 
König erhoben worden sein 2). Dies war allerdings eine Störung 
des Friedens, doch zögerte der betagte Kaiser den Krieg zu er- 
öffnen und hinterliess ihn seinen Nachfolgern. Übrigens scheint 



^) Aus der Inschrift Corp. regn. Neap. n. 4934: L. Neratio C. f. 
Vol. Proculo . . . item misso ab imp. Antonino Aug. Pio ad d[e]du- 
cen[d]as vex[i]llationes in Syriam ob [b]ell(um) [Parjthicum geht hervor, 
dass man schon mehrere Jahre vor Pius' Tode einen Krieg mit den 
Parthern erwartete. Vgl. Borghesi, Oeuvres V 373. Napp, 1. 1. 
p. 12 s. — 

Photios bibl. cod. 94 teilt aus dem Romane des lamblichos mit: 
XsysL &h -nal Eccvtbv BaßvXSviov dvai. 6 6vyyQa(p8vg . . . xoct ccK^d^SLv 
inl UoaiiLov tov 'A%aiiisvidov tov 'AgöaKidov, og ßaGiXsvg 7]V «x Tcarigoav 
ßaGiX^cov , yiyovs Sh o^cog xal tfig GvyuXiqtov ßovXfjg tfig iv ^Pm^rj v,al 
VTtarog de, slta -Kai ßaßiXsvg tcccXiv tfig ^sydXr]g 'AQiisviag- inl rovtov 
yovv cc-K^daai q)r]6lv havxov • ^Pai^ialov dl 8iaXaiißd.v8i ßaGiXsvsiv 'Avrco- 
vtvov y-cd ox£ 'Avtavtvog, (priaiv, OvrJQOV tov avtoxqätOQa %ccl dSsXcphv 
Tial y,7\Ss6xr]v tTts^Tps BoXoyaiao) reo IlaQd'vcclo} TtoXe^rjaorta, Sg avtog 
T£ TtQOBLTtoi %al töv TtoXsiiov , Ott, ysv^Gstai, Kccl OTtoi tsXBvtriaov nal 
Ott BoXoyaiGog ^hv vnhq tov Ev(pQdtriv nccl Tiygiv ecpvysv, i\ öh Ua^d^v- 
aicov yi) TcoiiaioLg vmq-KOog v-atiatr]. 

Der Romanschriftsteller lamblichos sagte also von sich selbst, dass 
er blühe unter König Sohaimos, und zwar als derselbe abermals {ndXiv) 
König von Grossarmenien geworden war. Gleichzeitig herrschte in 
Rom der Kaiser Antoninus d. i. Marcus Aurelius. Dies kann nur be- 
deuten, dass sich lamblichos zur Zeit der Abfassung seines Romans 
am Hofe des Sohaimos in Nor K'alak' befand (so Mommsen, R. G. 
V 407 A. 2). Er hatte dann auch den Partherkrieg des L. Verus er- 
wähnt und dabei hervorgehoben, dass er denselben sowie seinen Aus- 
gang voraus gesagt habe. Diese Prophezeiung hatte aber nur einen 
Sinn, wenn sie unter Pius geschah, da der Krieg ja schon im Anfang 
der Regierung des Marcus ausbrach. Es ist also in dem Satze v,al 
ots 'Avtcovtvog xtX. für ots zuschreiben ort, das von ag avtog ts tcqo- 
ELTtOL und Kai oti BoXoyaiOog . . . scpvysv aufgenommen wird. Damit 
entfällt der Unsinn, den der überlieferte Text einschliesst, dass lamblichos 
den Ausbruch des Krieges (oti ysv^östai) vorausgesagt habe, als An- 
toninus den L. Verus zum Kriege gegen Volagases entsandt habe. 

Man wird sich also zu denken haben, dass sich lamblichos zur 
Zeit, als er jene Prophezeiung verkündigte, in Rom aufhielt und sich 
durch dieselbe dem dorthin geflohenen Exkönig Sohaimos, dessen Lands- 
mann er vielleicht war (oben S. 223 A.), empfahl, da sie ihm ja seine 
Wiedereinsetzung in Aussicht stellte. Diese war aber keineswegs selbst- 
verständlich, da man nicht wissen konnte, ob die Nachfolger des Pius 
sich mit seiner Politik identifizieren würden, zumal das Anrecht des 
Sohaimos auf den armenischen Thron auf sehr schwachen Füssen stand. 
Unter diesem Gesichtspunkte gewinnt die Notiz des Capitolinus (vita 
Pii 12, 7) erst ihre wirkliche Bedeutung: alienatus in febri nihil aliud 
quam de rep. et de is regibus, quibus irascebatur, loquutus est. Als 
die Dinge dann die gewünschte Wendung nahmen, wird lamblichos 
seinen Gönner nach Armenien begleitet haben. 

^) Als solcher erscheint er während des Krieges bei Asinius Qua- 
dratus, Parthika fr. 6 bei Steph. Byz. (aus dem dritten Buche) : 'Sltrivri, 
ILOiQU 'Aq^hviag. Kovädgatog iv TIccQd'Lzäv tgltay 6 dh tfjg 'Aq^isviag 
ßaOLXsvg IldyiOQog iv tovtco itSQv 'Aqtd^ata -aal tr]V 'Sltrivrjv tfjg 'Aq^sviag 
(d. h. wahrscheinlich in äer Winterresidenz Chalchal in Uti) didyoiv. 

Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 15 



226 J- Marquart, 

Pakoros keinen Versuch gemacht zu haben sich der römischen 
Lehnshoheit zu entziehen ^), und auch der Partherkönig Volagases III. 
sich einstweilen der Einmischung in die inneren Verhältnisse 
Armeniens enthalten zu haben. Der vertriebene König Sohaimos 
wandte sich nach Eom um Klage zu führen, ward aber auf später 
vertröstet und inzwischen für den Verluat seines Thrones durch 
Aufnahme in den Senat und das Konsulat entschädigt. 

Nach dem Tode des Pius brach der Krieg mit den Parthern 
und Armeniern sofort aus. Nach der Eroberung von Armenien 
und der Einnahme von Artaxata erhielt ein gewisser Thukydides 
von Martins Verus den Auftrag, den Sohaimos als König nach 
Armenien zurückzuführen (164). Ein Aufstandsversuch wurde von 
Martins Verus selbst durch Überredung und kräftiges Auftreten 
gedämpft und an Stelle des zerstörten Artaxata der von Volagases 
gegründete Flecken Waiarsapat, wo eine von Statins Priscus 
zurückgelassene armenische Besatzung lag, unter dem Namen 
KccLvr} Ttoliq (arm. Nor h^alak^) zur neuen Hauptstadt des Landes 
erklärt^). Der König Pakoros ward nebst seinem Bruder Msql- 
Q'ccrrig i^Mehrdat) nach Eom gebracht, wo beide später Klienten 
des Kaisers M. Aurelius wurden^). Allein ausser Sohaimos und 
Pakoros war noch ein anderer Prätendent da, Vologaesus, der An- 
sprüche auf die armenische Krone erhob und als Arsakide jeden- 
falls nähere Anrechte auf dieselbe hatte als Sohaimos, mag er 
nun der parthischen Linie angehört haben oder Nachkomme eines 



1) Dies würde seine spätere milde Behandlung erklären •, s. Anm. 3. 

2) Suid. s. V. MdQtiog p. 69 ed. Bekker = Kass. Dion 71, 1, 3 
vol. III 247/8 Boissevain: ort MaQtiog Bf]QOs xbv Qovavdidriv iv.- 
Tts^iTtSL, xcctayaystv I^ooaiiov stg 'Agiisviav og Shi räv otcXodv v,al rj] 
oiyiEia TtEQL Ttavta xä TCQOGTtiTttovta svßovXla tov TtQOöa ei%sxo iggco^svcog- 
riv 6h ly.avbg 6 MdgxLog ov ^ovov onXoLg ßidaaadaL xovg ccvxiTtoXs^ovg . . . 
dXXä nal Xoya Ttid'ava TtslGai ■aal dcogsalg [isyaXocpqoaLV oi-asLmöccGd'ai 
"nal BXnlSi dya^jj dsXsdöcci' . . . dcpi-Koiiavog ovv slg X7]v %aivr]V -jtoXiv, 
riv cpQOVQcc '^Paiiccicov y.axst%sv ix IJQia'iiov ytaxa6xa6cc, vscoxsgi^siv TfSL- 
Qco^Evovg Xoyay xs ■aal sgya 6(ocpQ0vi6ccg , ccTtecprivs TtQmxriv slvai xf^g 
'ÄQjisviag. Vgl. Napp 1. 1. p. 67. 24. Kaivi] noXig = Nor h'-aiak' nach 
Kiepert bei Mommsen, R. Gr. V 407 A. 1. Der ältere Name 

Waiarsapat, älter ^Walayaääpät „Anlage des Walars " geht auf den 
König Volagases zurück. 

^) Pakoros liess seinem in Rom verstorbenen Bruder folgende 
Grabschrift setzen (C. I. G. 6559 = Inscriptiones Graecae Siciliae et 
Italiae ed. Kaibel nr. 1472): 

@. K. AvQYiXiog Tld'noQog ßccOiXsvg fisydXrig 'Äq\isvl(xg riyogccaa oag- 
iiO(pdyo{v) AvQ{riXlca) Msgid'dxL a^sXqxp yXvTtvxdxcp ^ricavti 6vv i^ol k'xri 
vg' [ifilvag) ß' . Der Name Aurelius beweist jedenfalls, wie schon 
NielDuhr und Mai erkannt haben, dass die beiden Brüder unter 
M. Aurelius nach Rom gekommen und dort Klienten des Kaisers und 
römische Bürger geworden sind. Es kann daher trotz des Widerspruches 
Mommsen 's (R. G. V 403/4 A. 1) nicht zweifelhaft sein, dass dieser 
ehemalige König von Grossarmenien Pakoros mit dem von L. Verus 
abgesetzten identisch ist. Vgl. Napp 1. 1. 25. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 227 

Königs von Armenien gewesen sein^). Es wird daher genug Leute 
in Rom gegeben haben, die nicht einsehen wollten, weshalb So- 
haimos den Vorzug vor den beiden anderen Prätendenten ver- 
diene, so dass seinetwegen ein langwieriger Krieg geführt wurde, 
und die Absetzung des Pakoros tadelten. Diese, meint Fronto, 
würden durch eine Rede im Stile der Briefe des Verus zur Ein- 
sicht kommen. 

Der armenische König, mit welchem Septimius Severus zu 
thun hatte 2) und der, welcher von Caracalla um 213 verräteri- 
scher Weise samt seiner Familie gefangen genommen wurde •'^), 
wird uns mit Namen nicht genannt. Letzterem folgte allerdings 
im Jahre 218 sein Sohn Tiridates IL''); allein es ist an sich nicht 
unmöglich, dass Chosrow L, der Vater des Trdat, ein Bruder des 
letzten Partherkönigs Artabanos V., also ein Sohn Volagases' IV. 
war, wie das griechische Fragment vor dem griechischen Agathan- 
gelos andeutet^), wiewohl das Wort adelcpog hier vielleicht nicht 
im strikten Sinne als Bruder, sondern als Blutsverwandter aufzu- 
fassen ist. Eine eigene arsakidische Dynastie gab es also in Ar- 
menien erst seit der Wiedereinsetzung Trdats III. unter Diokletian. 

Es muss daher auch dahin gestellt bleiben, ob Sanatruk der 
Sohn eines armenischen oder eines parthischen Königs war, und 
das Nämliche gilt von Pakoros. Mit dem parthischen Prinzen 
und angeblichen König Sanatrukios, dem Sohne des Meherdotes 
und Vetter des Parthamaspates, welchen Malalas unter Berufung 
auf Arrian als Heerführer gegen Trajan auftreten und auf der 
Flucht getötet werden lässt^), hat der schon vor dem Ausbruche 



^) Vielleicht ist der gleichnamige Sohn und spätere Nachfolger 
des Partherkönigs Volagases III gemeint. An diesen selbst ist natürlich 
nicht zu denken. 

2) Herod. 3, 1, 2. 9, 1. 

3) Kass. Dion. 78 (77), 12, 2 vol. III 387 ed. Boissevain (Xiphilinos); 

4) Kass. Dion 79 (78), 27, 4 vol. III 435 ed. Boissevain. 

^) Agathangelus p. 8, 41 ff. ed. Lagarde : xcc 8h oviißdvta ravtcc 
ccTCriyyslXeto Xooqotj ta 'AQüa^üiSr] ßaOLXsvovti rfjs iisyccXris 'ÄQ^aviccg, 
(og tov -Ttaidog Zaadvov 'AQXccöiQa -nQatriGavxog rf/g TIsQa&v ßaadslccg, 
ccTioXtöavtog rs 'AQxaßdvriv xbv avxov adslcpov. Darnach im griechischen 
Agathangelos p. 8, 51 — 54: iTtsid-r] ovv ybsxa ^dvaxov xov 'Agxaßdvov 
xov ccTtOKxavd'evxog vtio xov 'AQxaaigov vlov 2Jaödvov y,axilaß8v 7} dyysXicc 
avxri TtQog xbv Kovödga ßaGtXsa 'AQ^sviag, ddsXcpov 8h 'Agxaßdvov, ug 
Tjv 88vx8Qog xfjg 8E67tox8iag TJdqd'cov xxX. Die Worte cc8sXq)bv 8h 'Agxa- 
ßdvov fehlen im armenischen Texte. — Herodian nennt uns den König, 
der zur Zeit des Perserkrieges des Alexander Severus über Armenien 
herrschte, nicht. 

6) Malal. XI p. 273, 20—274, 19 (nach Arrian). 269, 11—273, 4 
(aus Domninos). Die Verteilung der Rollen ist natürlich das Werk 
des Malalas oder des Domninos. So macht er den Osroes zum König 
von Armenien, seinen Bruder MssQ86x7]g und nach dessen Tode seinen 
Sohn Sanatrukios zu Königen der Perser. Einen König Meerdotes 
(Mihrdät) hat es aber um diese Zeit nicht gegeben. Vgl. War w ick 

15* 



228 J- Marquart, 

des Krieges verstorbene König von Armenien selbstverständlicti 
nicMs zu thun^). 

Der Name scheint um diese Zeit nicht selten gewesen zu 
sein. Man könnte vermuten , dass auch Sanatrüg , der Held von 
Hatre^), in Wirklichkeit in die Zeit Trajans gehöre. Nach 
arabischer Sage war der Garamäer ..^ LL^il d. i. Sanatrüg der- 
jenige Fürst von Hatra, unter welchem Säpür I. die Festung 
einnahm und zerstörte ^). Allein diese Version steht offenbar unter 
dem Einfluss der syrischen Sage ; denn die echt arabische Sage 
nannte den von Säpür überwältigten Fürsten vielmehr Daizan 
und machte ihn zu einem Araber vom Stamme Qodä'a, d. h. zu 
einem Südaraber, und dies stimmt durchaus zu den dürftigen 
historischen Notizen, die uns geblieben sind. Trajan scheiterte 
bei der Belagerung von Hatra (117 n. Chr.?), doch wird uns nicht 
überliefert, wer den Aufstand und die Verteidigung der Stadt 
leitete^). Allein der Wortlaut des dionischen Exzerptes scheint 
vorauszusetzen, dass die Stadt zum Gebiete des Hannos (Ma'nü), 
des Phylarchen von Arabien (BeO- 'Are/Säje, Arvastan) gehörte, 
der auch Singara besass^). BaQöij^Log oder BaQdrjVLog, welcher 
bei der vergeblichen Belagerung durch Septimius Severus Fürst 
von Hatra war^), führt einen aramäischen Namen. Wer die Stadt 
gegen Ardasir verteidigte ^), ist nicht überliefert. Herodian lässt 
den Severus Mesopotamien und Adiabene durchziehen und das 
glückliche Arabien verwüsten, ehe er nach Hatra kommt ^). Ihm 



Wroth, Catalogue of the coins of Parthia. London 1903, p. LIX s. 
217—223. PL XXXni 6-23. Wenn daher die Legenden des Malalas 
überhaupt einen historischen Hintergrund haben, so ist nur festzuhalten, 
dass der Prinz Meherdotes und sein Sohn Sanatrukios in Mesopotamien 
parthische Heere geführt haben. 

^) Wie Boissevain für möglich hält. 

2) N ö 1 d e k e , Die von Guidi herausgegebene syrische Chronik = 
SBWA. Bd. 128 Nr. 9, 1893 S. 41 und A. 3. Gesch. der Perser und 
Araber S. 85 A. 1. 500. Tuch , Commentationes geographicae particula I 
De Nino urbe animadversiones tres. Lipsiae 1845 p. 15. G. Hoff- 
mann, Auszüge aus syr. Akten pers. Märtyrer S. 184 ff. 

3) Tab. I A^, 7 ff. Mas'üdl IV 81 ff. Letzterer sagt: „Diese 
Festung gehörte as Sätirün b. as Sanatrün (lies ^,^^jLx^!)\ für ^.^^^h.^^]), 
dem König der Syrer in einem zum Lande al Mau^il gehörigen Gau 
(rustäq) namens Bägarmä" (ed. ^:>Ljt, lies ^.>Lj). 

4) Kass. Dion. 68, 31. Ammian. Marceil. 25, 8, 5. 

^) Kass. Dion 68, 31; ^stä dh tavta ig ri]v 'Aoa^lav rikO's, %al rotg 
'AtQTivotg, insidr] 'ko.I avtol acpsL6t7]xs6ccv, iTts^slörias. Vgl. c. 21, 1. 22. 

6) Herodian. 3, 1, 3. 9, 1—5; vgl. Kass. Dion 76 (75), 10—12. 
Ammian. Marceil. 25, 8, 5. 

') Kass. Dion 80, 3, 2. 

^) Herodian. 3,9,3: 6 ih I^aovfJQog Siocßag tr]V tav itota^cbv 
iiB6r]v yfjv TS tial 'A&iaßrivmv %coQav, iit^dga^s Kai t7]v sv^aiiiova 'ÄQaßiocv • 



Untersuchungen zur Gesehiclite von Eran. 229 

ahmt Capitolinus nach, wenn er den Macrinus geschichtswidrig 
ebenso glücklich wie tapfer gegen die Parther, Armenier und 
gegen die Arabes Eudaemones kämpfen lässt^). Es ist mög- 
lich, dass Herodian einen Anachronismus begangen und Zustände, 
wie sie in seinem späteren Alter eingetreten waren, irrig in eine 
frühere Zeit verlegt hat-). Dem steht aber entgegen, dass er das 
Gebiet dieser jemenischen Araber mit dem eigentlichen Südarabien 
verwechselt, was sich am einfachsten erklärt, wenn er jene Notiz 
einer schriftlichen Quelle entnommen hat. Wie dem auch sei, 
soviel bleibt bestehen, dass es spätestens um 238 jemenische 
Stämme in der Gegend von Hatra gab. Eine gewisse Bestätigung 
dieses Ergebnisses darf man darin erblicken, dass es in der That 
noch Spuren gibt, wonach die historischen Erinnerungen der. 
mesopotamischen Araber bis in die Zeit des Bürgerkrieges zwischen 
Artabanos V. und seinen Brüdern zurückreichten^). Wir dürfen 
daher annehmen, dass schon unter Ardasir jemenische Stämme 
(Qodä'a) in der Nähe von Hatra sassen und ein Araber Daizan 
derjenige Fürst war, unter w^elchem die Festung nach langer 
hartnäckiger Belagerung von Säpür I. endlich genommen und 
zerstört wurde. 

Dagegen wäre es sehr befremdlich, wenn man dieselbe nach 
ihrem letzten Fürsten „das Hatre des Riesen Sanatrü"*) genannt 
hätte. Viel natürlicher ist es doch, dass sie jenes Epitheton nach 
einem Fürsten erhielt, der sich siegreich gegen feindliche Über- 
macht behauptet hatte, allein an die Niederlage Trajans dürfen 
wir nach dem Obigen, so verlockend es auch wäre, nicht denken. 
Allerdings führten damals auch andere Phylarchen von Mesopotamien 
iranische Namen, so I^TtoQccnrjg von Anthemusia^) und ^ÄQßdvörjg = 
arm. Ervand, ein Sohn des Königs Abgar^), indessen kam solches 
wohl auch noch später vor. 

Ich vermute, dass Mani den Eiesen Sanatrüg von Hatre in 
seinem Buche der Riesen aufgeführt und Näheres über ihn erzählt 
hatte '^). Er musste dann spätestens im zweiten Jahrhundert n. Chr. 



q)iQSi yccQ itoag svw&stg, alg ccgSiiaöL xal d'v^iLa^aGL ^Qm^sd'a, Ttolläg 
öh Jidniag y.ccl rtoXsig 'JtOQd-'^öcig xriv ts %6iQav IsTilati^aag , ild-av ig rrjv 
jitQTivcüV xwgav, ':tQ06Ka^s^6iisvog rag "Atgag iTColiOQ-nsi. 

^) Capitol. Macrin. 12, 6: Pugnavit tamen et contra Parthos et 
contra Armenios et contra Arabas, quos Eudaemonas vocant, non minus 
fortiter, quam feliciter. Vgl. dagegen Kass. Dion 79 (78), 27, 4. 
Herodian. 4, 15, 8—9. 

2) So Albr. Wirth, Quaestiones Severianae p. 27. 

3) Vgl. Tab. I vfv, 15ff. aH, 16ff. föi^o, 6ff. Nöldeke, Gesch. 
der Perser und Araber S. 22 und A. 2. 

*) Bar All bei Gesenius, Handwörterbuch der hebr. Sprache 
S. XVni. G. Hoff mann, a. a. 0. S. 186. 

^) Kass. Dion 68, 21. Arrian Parth. bei Suid. s.v. TtQo £Qyov. oroXog. 

6) Kass. Dion 68, 21, 2. 

') Daran scheint auch Kessler, Mani S. 201 zu denken. 



230 J- Marquart, 

gelebt haben. Vielleicht geben uns die Ruinen der uigurischen 
Manichäerstadt Cinäng kat (Ydykut-sahry bei Turfau) noch einmal 
nähere Kunde über diese verschollene Sagenfigur. Da Garamaea in 
älterer Zeit zum Königreich Adiabene gehörte^), so ist ebenso gut 
möglich, dass der Garamäer Sätirün (Sanatruk) dem alten Königs- 
geschlechte von ^idiabene angehörte, als dass er, was sein Name ver- 
muten lässt, ein Arsakide war. Wahrscheinlich stammte das reiche 
christliche Adelshaus Jazden, das später in der Hauptstadt von 
Garamaea seinen Sitz hatte, von den alten Königen von Adiabene ab. 

Nimmt man dies alles zusammen, so erscheint es auch frag- 
lich, ob der armenische Übersetzer von III. Makk. 6, 5 ^), der den 
Namen des Assyrerkönigs ZevvapiQBL^ des griechischen Textes 
durch Sanatruk wiedergab^), wirklich an den armenischen König 
dieses Namens und nicht vielmehr an den gefeierten Helden von 
Hatre dachte, das gegenüber von Beth Garme, also nicht weit 
von Assyrien lag. 

Es würde zu weit führen, hier auf die Verknüpfung des 
Königs Sanatruk mit den armenischen Thaddaeus- und Bartholomaeus- 
legenden ausführlich einzugehen. Von denjenigen Stellen bei Faustos 
von Byzanz, wo das Martyrium des Thaddaeus in Armenien voraus- 
gesetzt wird, ist natürlich abzusehen, da sie späterer Interpolation 
dringend verdächtig sind. Das Alter des „Martyriums des 
hl. Thaddaeus und der Jungfrau Sanducht", das aller 
Wahrscheinlichkeit nach von Moses Chorenac'i benutzt worden ist, 
lässt sich bis jetzt nicht genauer feststellen. Dem armenischen 
Übersetzer der Addailehre (Labubna) war es sicherlich noch nicht 
bekannt^), wie er denn überhaupt keine Kenntnis davon zeigt, 
dass Thaddaeus in Armenien gepredigt habe. Solche Legenden 
entstanden gewöhnlich bei der Auffindung und Translation von 
Reliquien. Die Auffindung der Reliquien des hl. Apostels Thaddaeus, 
der Sanducht und des hl. Gregors des Erleuchters fand nach Stephan 
Asoiik II 2 p. 82 = p. 114 trad. Dulaurier unter dem Marzpan 
Wahan Mamikonean statt ^), d. h. nach 484/85 und vor 505/6, 



^) Vgl. Osteuropäische Streifzüge S. 291 A.: die Naphthaquelle 
bei Ekbatana in Adiabene d. i. wahrscheinlich die Naphthaquelle bei 
Bäbä Gurgur. Noch im 4. Jahrhundert gehörte Beth Garme zum 
Gebiete Artaslrs, des Königs von Ha^aija|3. — S. auch Chwolson, 
Die Ssabier I 697—698. 

2) Zv xov ccvaQid'iirixoig dvvd[i£6i yavQcoQ'ivta Z£vva%r\Q£lyL §ccqvv 
'AöOVQLCov ßaGiXsa, öoqcctl ttiv Ttäaav v-xo^sigiov ridr] XccßovTu yfjv, . . . 
ed'Qavaccg, e-ndriXov 6sLy,vvg sd'vsCLv TtoXXotg xb 6ov 'HQccxog. 

3) Vgl. J. Dashian, Zur Abgar-Sage. WZKM. IV 152. 

*) Vgl. A. Carriere, La legende d'Abgar da,ns Phistoire d'Ar- 
menie de Moi'se de Khoren = Cent^naire de l'Ecole des langues 
orientales Vivantes, Paris 1895 p. 377. 

^) Dulaurier p. 187 verweist hiefür auf ^ das armenische Meno- 
logium (Jaismavurk') zum 30. Mai, sowie auf C'amc'ean II p. 583 — 
587, die mir nicht zu Gebote stehen. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 231 

in welchem Jahre bereits sein Bruder Ward patrik Marzpan von 
Armenien war^). Auch Moses Chorenac'i II 34 erwähnt „gegen- 
wärtig {uium nuplrffb) die Entdeckung der Reliquien der beiden 
(des Thaddaeus und der Sanducht) und ihre Überführung nach 
Arapar" d. i. nach dem Felsplateau von Egmiacin, wo im VII. Jahr- 
hundert der Katholikos Nerses III. eine glänzende Kirche zu Ehren 
des hl. Grigor erbaute 2). Diese Angaben sind sicherlich in manchen 
Punkten ungenau, allein um die Mitte des VI. Jahrhunderts nahm 
die armenische Kirche apostolischen Ursprung für sich in An- 
spruch^), und der Katholikos Johannes II., der Vorgänger des 
Moses, bezeichnet in einem Schreiben an den Bischof Wrt'anes 
von Siunik' den hl. Grigorios als Nachfolger des hl. Thaddaeus*). 
Damals muss die Legende also bereits bestanden haben. Der Gau 
Artaz verdankt die Ehre, das Grab des Apostels Thaddaeus zu 
besitzen, wohl nur einem gesuchten Namensanklang: nach einer 
weit verbreiteten Legende soll nämlich Judas Thaddaeus in Arados 
(Arwad) oder Berytos das Martyrium erlitten haben ^). Später 
war im Gau Artaz der Sitz des Bischofs der Amatunier (Thomas 
Arcruni III 29 S. 209). Sonst finde ich in der älteren armeni- 
schen Literatur nur bei Faustos von Byzanz eine „Ruhestätte der 
Apostel" oder „Apostelgräber der Herrenjünger" erwähnt, die 
gleich dem Prophetengrabe Johannes des Täufers in Astisat in 
Taraun gedacht sind ^aust. Byz. III 3 S. 7; 14 S. 36), aber 
neben diesem gar keine Rolle spielen. Es könnte sich zudem hier 
nur um importierte Reliquien handeln, welche der Erleuchter 
zusammen mit denen des Märtyrers Athanagines in Kappadokien 
erworben hätte ^). Der König Sanatruk ist wohl nur deshalb zum 



• ') V/i^ P'iPns S. 42. 47. 48. 

2) Vgl. Carriere 1. 1. p. 408 n. 2. 

^) Joh. abbatis monasterii Biclariensis chronica a. I Justini imp. 
(bei Mommsen, Chron. min, II 211 = M. G. Auct. antiquiss. t. XI): 
Armeniorum gens et Hiberorum, qui a praedicatione apostolorum 
Christi susceperunt fidem, dum a Cosdroe Persarum imperatore ad cul- 
turas idolorum compellerentur, renuentes tam impiam iussionem Romanis 
se cum provinciis suis tradiderunt. 

Johannes von Biclaro berichtigt also in erwünschter Weise die 
ziemlich unklaren Angaben des Moses Kalankatvac'i II 48 S. 408 ff. 

4) %t[i^ R^nj S. 78. 

5) Mich. Syrus p. 92 = 147. 148 ed. Chabot; Salomon von Ba^ra, 
Book of the Bee p. v^iD, 2 = 106 (Anecd. Oxon. Sem. Ser. vol. I 2.) 
Vgl. Rieh. A. Lipsius, Die apokryphen Apostelgeschichten I 29. 
II 2, 155 ff. 163. 176. — Mos. Chor. II 52 S. 131 bringt Artaz mit dem 
Gau Ardoz im Lande der Osseten zusammen. 

«) Agathangelos S. 607/8 = 71, 56 ff. ed. Lagarde lässt den Grigor 
aus den Gegenden der Griechen einige Überreste von den Gebeinen 
Johannes des Täufers und des hl. Zeugen Athanagines mitbringen und 
auf Bagavan (in Bagrevand) und Astisat verteilen, weiss indessen nichts 
von Reliquien eines Apostels oder Jüngers. Uchtanes II 38 S. 66 er- 



232 J- Marquart, 

Henker des Apostels Thaddaeus ausersehen worden, weil er der 
einzige armenische König älterer Zeit war, von dem sich noch 
einige Erinnerungen erhalten hatten. 

In die armenische Bartholomaeuslegende ist Sanatruk erst aus 
dem Martyrium des Thaddaeus eingedrungen. Das griechische 
fiaQrvQi,ov BaQ^oXofialov, mit welchem die lateinische passio Bar- 
tholomaei übereinstimmt, lässt den Apostel nach Indien gehen, 
wo er den König Uolv^iog bekehrt, aber durch dessen älteren 
Bruder ^Aaxqriyrig (Astriges, Astiarges etc.) hingerichtet wird. 
Spätere Texte, wie Ps. Epiphanios, Ps. Dorotheos, Ps. Sophronios 
und Ps. Hippolyt, behalten zwar die Predigt des Apostels im 
„glücklichen" Indien Clvöoig zoTg oiaXovfievoLg svöaLfioaiv) bei, 
verlegen aber seinen Tod nach OvQßavoTtoXtg , ^ÄQ^avonolig oder 
^AlßavoTCoXig (iv tfj ^AXßavK» noXsi , iv ^AXßavla TtoXei) in Gross- 
armenien i). Dagegen ist der König Astriges im lateinischen 
Breviarium apostolorum und den von ihm abhängigen Texten als 
Mörder des Apostels mit übernommen^). Bei den Syrern heisst 
er ^i^£x>0O)% ^i^^ODO^O), w^^USDIOO) ^), 0.^.0050) *), „Avaragathi" 
d. i. wohl wA^o/ ^), Varianten die auf s^-.^<QDO)^ = *^Pcc(Sxiyrig 

zu weisen scheinen. Allein wenn der König Polymios dem Säta- 
wähanakönig Pulumäji entspricht, welchen Ptolemaios VII, 1, 82 
unter dem Namen ZiQOTtvoXe^atog (Siri Pulumäji) als Herrscher 
von Paithan kennt (Ernst Kuhn), so muss natürlich auch sein 
älterer Bruder Astriges in Indien gesucht werden, und zwar ist 
das glückliche Indien = Daksmäpatha, Dekkhan, wie ^A^aßla rj 
svöatficov = al Jaman „der Süden", eig. die rechte d. i. die 
glückliche Seite. 

Die Stätte des Martyriums, die überall nach Grossarmenien 
gesetzt wird, heisst in syrischen Texten ^Qi^V> ^90Q^■^'o/, 
^QX^oV ^), „Arvoin" ^), im armenischen Martyrium {[L-p^iuLnu 



wähnt beim Amtsantritt des Katholikos Abraham unter den Kleinodien 
der Patriarchalkirche von Dvin „die Reliquien der hl. Apostel, welche 
der hl. Grigor aus Rom gebracht hatte, die ihm vom frommen Kostan- 
dianos geschenkt worden waren". 

1) Vgl. Lipsius a. a. 0. II 2, 65 ff. 58—62. 

2) Vgl. Lipsius a. a. 0. I 147. 210. II 2, 55 A. 3. 103 A. 2. 
104 A. 1. 

3) So die drei Hss. des Salomon von Ba9ra, Book of the Bee 
p. J^, 18. 

4) Mich. Syr. p. 92, 35 = 148. 

^) Cod. Syr. Barberini 101 saec. XII bei Moesinger, Acta Bar- 
tholomaei p. 63, zitiert von Lipsius a. a. 0. II 2, 104 A. 2. 
6) Payne-Smith, Thes. Syr. 
') Als zweite Tradition mitgeteilt im cod. Syr. 101 der Barberini- 



Untersuchungen zur Geschiclite von Eran. 23S 

Urbtanos^), in dem aus dem 9. Jahrhundert stammenden Briefe 
des Moses Chor, an Sahak Arcruni (\i.^fLuj^nu TJrhanos -) , bei 
Mos. Chor. II 34 S. 112 W^plrp-tuUnu Arebanos {YA.\^^plri.p.ufünu 

Arevbanos). Dies beweist, dass hier überall griechische Quellen 
zu Grunde liegen. Salomon von BaQra, der cod. Barberini 101 
und Michael der Grosse lassen den Bartholomaeus in Inner- 
Armenien ^) predigen, wo er nach 30 jähriger*) Thätigkeit von 
Hürasti, dem König von Armenien gekreuzigt und in der von 
ihm erbauten Kirche bestattet wird. Ein Ort wird hier also nicht 
genannt. Allein nach Stephan Asolik I 5 S. 46 = 39 erleidet 
Bartholomaeus das Martyrium „bei uns in der Stadt (J^^m^^rÄ 
Arabion^^)^ und dies ist augenscheinlich derselbe Name und wohl 
auch derselbe Ort wie das castellum Arabionis der Acta 
Archelai et Manetis, wohin Mani, nachdem er aus dem persischen 
Gefängnis entkommen, geflohen war^) und wo er nachher hin- 
gerichtet wurde. Nach seiner Niederlage in der Disputation mit 
Archelaus in Charchar will die erregte Volksmenge den Mani an 
die Barbaren ausliefern, qui erant vicini ultra Strangam fluvium. 
Hierauf kehrt Mani auf demselben Wege, auf dem er gekommen, 
zurück und begibt sich nach Überschreitung des Flusses Stranga 
wieder ad Arabionis castellum (p. 195, 10). Mit dem Flusse 
Stranga, der als Grenzfluss zwischen Persien und Rom gilt (p. 41), 
ist offenbar der Tigris gemeint. Der Name ist aus dem Alexander- 
roman (2, 14. 15) bezogen'^), wo er aber den ^AQa^r^g (Curt. 5, 4, 7. 
5, 5, 2. 3 etc.), den heutigen Bänd-i Amir bezeichnet, welchen 
Alexander auf dem Marsche von Susa nach der Persis überschreiten 
musste^). Damit sind für Arabion - ürbanopolis bezw. castellum 



^) Vitae et martyria sanctorum, Venedig 1874, I S. 208. Vgl. 
Lipsius II 2, 58. 

2) Werke des Moses Chor., Venedig 1865, S. 295. — Der Ver- 
fasser verheisst S. 284 den Bagratuniern , sie würden Könige werden 
in Dvin. 

2) Michael sagt einfach „Armenien", Salomon fügt dazu noch 
Ardastr (Ox. y.X».)Jd\), Qetarböl (Ox. jLj^^yLi), ^J1 (v. 1. ^Zä9 , ^iDj 

= Dvin?) und ^^O^OVS Pruharmän (Ox. ^^j^y>)' 
^) Mich. Syr. „dreijähriger". 
ß) Vgl. dazu Tab. I ft^A, 5: {jo.\ , ^^^ ^Cx^l^if i! UÜ .^j^ 

^) Acta disputationis Archelai et Manetis bei Routh, Reliquiae 
sacrae I^ 48,9. 194, 12. 

') Vgl. Nöldeke, ZDMG. 44, 399. 

s) Der Name des Flusses wird bei Arr. 3, 18, 6. 10 nicht genannt. 
Da UtQciyyag ursprünglich den persischen 'Agd^i^g bezeichnet, drängt 
sich von selbst die Vermutung auf, dass es in irgend einer Weise aus 
'Agdyyccg = mp. Arang entstanden sein werde. Arang ist die mittel- 



234 J- Marquart, 

Arabionis sowohl Erevan (j. Eriwan) im Gau Kotajk', Ervandasat 
und Ervandahert im Gau Arsarunik' i), Aibag^) und andere Orte 
in Grossarmenien, als ZTtaaivov Xccqcc^ oder Karchä de-Maisän-^) 
ausgeschlossen. Das Richtige hat bereits G. Hoff mann ge- 
sehen*): es ist >^V -4ye^üä7^ (Bedjan, Acta mart. et sanct. II 
349, 9. Synod. Orient, ed. Chabot p. 33, 29. 34, 18. 36, 15 = 
272—274 a. 410. 60, 12 = 307 a. 486) oder ^^jj jjcLjD 
Mähöze d-Ärewän (Bedjan IV 134, 3. Synod. Orient, p. 53, 10 = 
299 a. 486; 109, 4 = 366 a. 554; 110, 18 = 368 a. 576; 
164, 23 = 423 a. 585; 214, 7 = 479 a. 605), auch j;2i:ij ^V 
„Arewän jenseits des Flusses" (Synod. or. p. 43, 21 =285 a. 424) 
in der Provinz Beth Garme. Chabot vermutet, dass die Diözese 
Mähöze d-Arewän südlich vom Kleinen Zab lag, dass es aber zeit- 
weilig einen Bischof für die Gegend im Norden des Flusses ge- 
geben habe^). Jedenfalls ist aber weder an l:5»»j.t Arewagän^^ 
in der Nähe von Sirawän in Mäsabadän noch an Mawänduz, 
Rowändiz am Rawändiz-öai zu denken, welch letzteres ins Gebiet 
der Provinz Adiabene fällt. In Karchä da -Beth Salöch, der 
Hauptstadt von Beth Garme, gab es seit alters nicht wenige 
Manichäer '). 

Die Todesstätte Mani's nach der christlichen Manilegende 
wurde also einfach auf Bartholomaeus übertragen, welcher somit 
den nachmals von jenem Erzketzer verwüsteten Acker zuerst an- 
gepflanzt hatte. Unklar ist nur, wie man dazu kam, jenen Ort 



persische Umschreibung von aw. Hawha, dem bei den Griechen (bezw. 
Persern) 'ÄQcc^ris entspricht, bezeichnet aber später auch den Tigris. 
War gr. ÄPArrAZ einmal in SPÄFFAZ verlesen, so musste daraus 
notwendig ZtQayya? werden, da die Gruppe cq ungriechisch ist. 

1) A. v. Gutschmidt, Rh. Mus. N. F. XIX, 174. 

2) Armenisches Kalendarium zum 18. Februar; vgl. Lipsius 
II 2, 100. 103 A. 

3) K. Kessler, Mani I 89 ff. 

4) Bei Nöldeke, ZDMG. 44, 399. 
^) Synod. Orientale p. 66. 

6) So Mis'ar b. al Muhalhil bei Jäq. I 1*^., 9 ff. IV Ht^, 13. 
Mas'üdl, Murüg III 69. VI 187. — Murüg VI 225 ed. ^^^r-, 
M ^^L:5^0. Kitäb at tanbih II, 3 P ^=>-^ö\, L ^^L:>^0|. 

t^ör, 13 P ^\^^^\, L ^=>-y^\^ Qod. m, 7 ^L^^UJ^I. Muq. öt^, ult. 
B .•j'-^^yij ^5ö, 3 ..L^5*^jj. Letztere Schreibweise zeigt, dass nur 
^^z>-yjiji oder ..L:5>^ji3l in Betracht kommen können, da nur dann der 
Abfall des anlautenden a zu erklären ist. 

') Akten der Märtyrer von Karchä da-Beth Salöch bei G. Hoff- 
mann, Auszüge 46 — 50. 52. Bedjan, Acta mart. et sanct. II 512, 
11 ff. 289, 4. 



Untersuchungen zur Greschichte von Eran. 235 

nach Grossarmenien zu verlegen. Eine Beeinflussung der Bartholo- 
maeuslegende durch die Manilegende wird auch darin zu erkennen 
sein, dass nach gewissen Texten dem Apostel die Haut abgezogen 
und wie ein Sack ausgestopft wurde i). Dies war aber bekanntlich 
das Schicksal Mani's. 

Erst in Armenien hat man den letzten Schritt gethan und 
den König Astriges durch den bereits aus der Thaddaeuslegende 
bekannten Apostelmörder Sanatruk ersetzt 2). tJbrigens ist das 
armenische Martyrium des Bartholomaeus eine späte Kompilation 
verschiedenartiger Legenden ^). 

Der Name Sanatruk jDovAiOD war übrigens auch noch später 
im Gebrauch: so hiess der letzte König von Bahrain im ersten 
Drittel des 3. Jahrhunderts*) und noch ein Christ in der Ver- 
folgung Sapürs (a. 662 Gr. = 351 n. Chr.) 5). 

Natürlich ist jetzt auch die von dem sogenannten Mar Abas 
Mcurnac'i berechnete Regierungszeit des Sanatruk und seines Sohnes 
Waiars (164—193 und 194—213 n. Chr.) hinfällig und wertlos. 
Dasselbe gilt aber auch für die ganze, angeblich von Agathangelos 
verfasste Königsliste des Mar Abas, zumal was die Regierungszahlen 
anlangt. Ich werde die armenische Urgeschichte des Mar Abas 
in einem besonderen Aufsatze behandeln, worin ich zeige, dass 
dieselbe erst im 9. Jahrhundert und zwar wahrscheinlich unter 
dem Fürsten der Fürsten Bagarat von Taraun (Osteuropäische 
Streifzüge S. 463 Nr. 18) verfasst worden ist. Noch später, jedoch 
vor die Königskrönung Asot's des Grossen fällt dann die Geschichte 
des Moses Chorenac'i. Es liegt daher kein Grund mehr vor, den 
Einfall der Chazirk^ und Barsük^^ welche nach Moses Chor. 2,^65 
S. 145 unter ihrem König Wsnasp Surhap das Thor von Cor 
passierten und den Kur überschritten , ^ aber von Waiars zurück- 
getrieben und bis über das Thor von Cor hinaus verfolgt wurden, 
auf Sanatruk zu übertragen, zumal die Geschichte in der That 
von einem Einfall der Alanen zur Zeit des Königs Volagases 
weiss , auf welchem dieselben Albanien und Medien (Atropatene) 
schrecklich verheerten und auch Armenien und Kappadokien heim- 



^) So ist der Ausdruck iv.duQQ'sl? coöTtSQ d-vXa^ bei Ps. Hippolyt 
ed. Lagarde (Lipsius II 2, 60 A.) und Theodoros Studites (eb. S. 101 f.) 
aufzufassen. Das Breviarium apostolorum (eb. S. 55 A. 3) sagt nur 
vivens decoriatus, 

2) Ählich Lipsius II 2, 99f. 

^) Der auch in der koptisch-äthiopischen Gruppe wiederkehrende 
Zug, dass der Apostel zu den Parthern und Elamiten gekommen sei 
(Lipsius II 2 , 77. Ergänzungsband S. 96) , beruht lediglich auf einem 
etymologischen Kalauer k la Moses Chorenac'i. 

4) Tab. I A^, 2. Dinaw. fö, 13. 

^) Bedjan, Acta mart. et sanct. IV, 166. — Der Name kommt 
auch in der jüdischen Literatur vor; s. Sam. Krauss, Griech. und 
lat. Lehnwörter im Talmud, Midrasch und Targum II (1899), 403. 
S. Fränkel, ZDMG. 55, 355. 



236 J. Marquart, 

suchten (Kass. Dion 69, 15, 1). Freilich ist nichts davon bekannt, 
dass er auf der Verfolgung der Feinde bei Darband im Kampfe 
gefallen sei, vielmehr musste er nach Kassios Dion froh sein, die 
ungebetenen Gäste durch eine Kontribution los zu werden. Doch 
werden auch noch unter Pius Einfälle der Alanen berichtet, über 
welche Einzelheiten nicht bekannt sind^). 

Die vom König Sanatruk gegründete Stadt \pS-nt-nß Mcurk^ 
hat weder mit \y&p.fiü Mchin^ Xy^t&n/^fiü Mrcvin = Nisibis^ 
noch mit dem Gau \y^i.p Mzur in Hocharmenien, dem Lande 
Muzri der Assyrer , das Geringste zu thun , obwohl Mar Abas 
augenscheinlich alle drei Namen kombiniert hat. Wie aus der 
Erzählung des Faustos unzweideutig hervorgeht, lag Mcurk" am 
östlichen Euphrat (Murad-su), der bei den Armeniern gewöhnlich 
y^^niuh^uMüft Aracani^ bei Plin. h. n. 6, 128 und Tac. ann. 15, 15 
Arsanias d. i. Ar{a)cani^ Kass. Dion 62, 21, 1, 4 ^AQüavlag, Plin. 
h. n. 5, 84 Arsanus, byzantinisch ^AQCLVog^) d. i. mittelarmenisch 
W^p^^p (gen. Arcnoj) ^) heisst, von Faustos und Agathangelos aber, 
die als Griechen gelten wollen, Jjtfi^iutn Ep'rat = EvcpQatrig 
genannt wird*), und zwar ist die Stadt noch in Taraun zu suchen, 
wo königliche Domänen lagen, die gleich den anderen Domänen 
der Aufsicht des Oberkammerherrn {Hajr mardpet) unterstanden 
(Faust. 4, 14 S. 117; 5, 3 S. 195). Die beiden Flüsse, an deren 
Gemünd die Stadt lag, sind der Murad-su (Aracani) und der Qara- 
su, armenisch \ylrq^ Mei, bei Xen. anab. 4, 4, 3 TrjXsßoccg, der 
den Gau Taraun durchströmte ^). Mcurk' muss also in der Nähe 
der Festung Oiakan f\qujJ^u/ii gelegen haben. Hier finden sich 
auch die Stromschnellen, von welchen Faustos spricht. Toma- 
schek sagt von Oiakan^): „Noch sind die Ruinen dieser „rund- 
lichen" Veste^) am Westrande der Ebene von Mus vorhanden, am 



1) Capitol. Pius 5, 4. 

2) Prokop. Pers. I 17 p. 84, 21/22. Theoph. cont. V p. 269, 17, 
bei Ps. Kallisthenes II 15 cod. C p. 71 n. 25, 26 ed. Müller 'AgöLvoris. 

^) [Matthaeus von Edessa S. 251; vgl. Hübschmann, Die alt- 
armenischen Ortsnamen S. 406 A. 2 = Indogerm. Forsch. Bd. 16, 1904.] 

4) Agath. S. 606. 607. 613. 620. 630. 632 = p. 71, 48. 58. 60; 
73, 20; 75, 99; 78, 91. 15. Faust. 5, 3 S. 195; 43 S. 262. 

^) Mos. Chor. Geogr. S. 31, 4 ed. Soukry: ^^uiiiußä-ti jn[,n,^ir ,f.iy 
H.hut'ü ip^i^ Ä. uä'iiliu/hlf j\^if,puiut „Taraun, in welchem der Fluss Mel 
läuft und in den Euphrat fällt". [Vgl. Hübschmann, a. a. 0. 323.] 

6) Sasun und das Quellengebiet des Tigris S. 11 = SB WA. 
Bd. 133 Nr. IV, 1895. [Vgl. Cuinet, La Turquie d'Asie II 587, 
zitiert bei Hübschmann , Die altarmenischen Ortsnamen S. 326. 459 f. 
(hier nicht vorhanden).] 

') Tomaschek leitet den Namen also irrig von arm. o^ d. i. aui 
„Ring, Kreis" ab. 



Untersucliungen zur Geschiclite von Eran. 237 

rechten Ufer des Aracani, dort wo der Strom von steilen Felsen 
eingeengt zu werden beginnt." Die Gründung des Sanatruk hatte 
eine strategisch sehr wichtige Lage, da sie die Verbindungen mit 
dem Euphrat (über Palu und Ziata-Charput nach Melitene), dem 
Quellgebiet des Euphrat-Araxes (über Chnis nach Hasan-qal'a und 
Karin -Erzerum) und den beiden Hauptstädten Tigranokerta (über 
den Taurus und durch das Thal des Nv{i(pLog-Bs.tmSin-su) und 
Artaxata (über Melazgerd und Kara-kilissa nach Bagavan-Ü6-kilissa 
bezw. Dijädln-Armavir) beherrschte, 

Dass Mcurk' geradezu mit Oiakan identisch sei , ist nicht 
wahrscheinlich. Letzteres gehörte nachmals den Mamikoniern, und 
zwar einer Erzählung des Faustos (5, 3 S. 195) zufolge schon 
unter König Pap (371 — 375). Allerdings scheinen die Mamiko- 
nier erst nach dem Untergänge des Königtums als Erben des Ka- 
tholikos Sahak (f 438) die mächtigsten Grundbesitzer in Taraun 
geworden zu sein^), indem ihnen die reichen ehemaligen Tempel- 
güter von Astisat zufielen. Ihr Stammsitz war Tajk'. Da nun 
die historische Ermordung des Oberkammerherrn Giak-) in einer 
zweiten Version (Faust. V 6), die einen historischeren Eindruck 
macht als die mit ihr nur ganz oberflächlich ausgeglichene Legende 
V 3 , nicht nach Oiakan , sondern nach dem grossen Dorfe des 
königlichen Bodens '^) im Gau Ajrarat, das man Ardeank' nennt, 
verlegt wird und andererseits IV 14 von der Ermordung eines 
anderen Oberkammerherrn unter König Arsak bei Mcurk' in der 
Nähe von Oiakan die Rede ist ^) , so ist es wahrscheinlich , dass 



1) Lazar P'arpec'i I 18 S. 114/115 = Langlois, CoUection II 278. 

2) Ammian. Marcellin. 27, 12, 14. 

2) Ich fasse ^"^/^»^z als Gen. zu mJ-/^ „Inneres, Boden, Erde, Grund, 
Wurzel", der gewöhnlich ^Ivp^/ lautet. 

^) Faustos kennt fünf Oberkammerherren unter den Königen Tiran, 
Arsak und Pap , in Wahrheit hat man aber wohl nur deren drei zu 
unterscheiden : 

a) der ruchlose Hajr mardpet, welcher unter Tiran die Notabein- 
geschlechter ausrottet (III 18) und unter Arsak von Savasp Arcruni bei 
Mcurk' ermordet wird (TV 14). Wahrscheinlich hatte er beim Regierungs- 
antritte Arsaks weichen müssen und war dann vor dem Konflikte des- 
selben mit dem Katholikos Nerses wieder eingesetzt worden. 

b) Drstamat (V 8), unter den Königen Tiran und Arsak (wahr- 
scheinlich in der ersten Zeit Tirans und in der ersten und letzten Zeit 
Arsaks), wird mit letzterem zusammen nach Persien in die Gefangen- 
schaft abgeführt. Als darauf ein Krieg zwischen Persien und den 
K'usank' ausbricht, zieht Drstamat mit ins ^ Feld und rettet in der 
Schlacht durch seine Tapferkeit dem König Säpür das Leben. Darauf 
sollen er und der gefangene König Arsak im Schlosse der Vergessenheit 
sich gemeinsam den Tod gegeben haben. Allein Arsak hat nicht durch 
Selbstmord geendet, sondern ist hingerichtet worden (Ammian. 27, 12, 3: 
Arsaces . . . discruciatus cecidit ferro poenali), und Drstamat muss 
identisch sein mit dem Eunuchen Gylaces, der schon vor der Gefangen- 
nahme Arsaks gentis praefectus gewesen und als Überläufer zu Säpür 



238 J- Marquart, 

die Oiakan- Legende nach dem Vorbilde dieser älteren Erzählung 
später erfunden ist, um so mehr, als der Mamikonier Musel, der 
V 3 als Mörder des Oberkammerherrn erscheint, seine Lorbeeren 
fast durchweg andern abgeborgt hat. Die Geschichte des Unter- 
ganges des Oberkammerherrn bei Mcurk' kennt in Taraun neben 
den zur königlichen Krondomäne gehörigen Dörfern, die der Auf- 
sicht des Hajr mardpet unterstehen, nur Domänen des Katholikos 
Nerses, welche jener gleichfalls zur Krondomäne zu machen trachtet. 
Die Vermutung liegt daher sehr nahe, dass die Erwähnung der 
mamikonischen Festung Oiakan ein Anachronismus sei und die 
ganze Legende ihre endgiltige Gestalt erst nach dem Tode des 
Katholikos Sahak erhalten habe. Dem steht jedoch entgegen, 
dass schon unter König Tiran von einem „anderen Hause" der 
Mamikonier die Rede ist, welches sie damals aufgaben, um sich 
in die Festungen ihres Stammlandes Tajk' zurückzuziehen i). 

Oiakan soll nach Moses Chorenac'i (2, 84) ursprünglich dem 
Geschlechte der Slkunik^ angehört haben, das bei einem Aufstande 
gegen den König Trdat von Mamgon, dem angeblichen Stamm- 



gekommen, also nicht in Gefangenschaft geraten war : (Sapores) Gylaci 
spadoni et Arrabanni (so V), quos olim susceperat perfugas, commisit 
Armeniam. herum alter ante gentis praefectus, alter magister fuisse 
dicebatur armorum Ammian ib. § 5 s. Er fehlt in dem Verzeichnis 
der Überläufer bei Faust. IV 50, und V 18 wird nur das Haus Angel, 
nicht auch der inzwischen ermordete Oberkammerherr und Fürst von 
Angl unter den Abgefallenen aufgeführt; doch vgl. IV 55 S. 176. Bei 
Faustos heisst es dagegen von Glak ungenau (V 3 S. 196): „welcher 
in den Tagen des Königs Arsak oder seines Vaters Tiran einmal jenes 
Amt der Kammerherrnwürde gehabt hatte". Die Angabe, dass Drstamat 
aus Treue seinem Herrn im Tode nachgefolgt sei , ist eine Erfindung 
so gut wie der Selbstmord Arsaks. Den Anlass zu derselben gab der 
Name Drstamat == pers. Drust-ämat „heil gekommen", der aber nur 
ein persischer Ehrenname ist, den ihm der König Säpür aus Anlass 
seiner Errettung verliehen hatte. 

Nach dem Kriege gegen die K'usank' betraut Säpür den Gylaces 
(Glak) und Arrabannes (arm. }\n.uMi.uM%) mit der Unterwerfung Armeniens, 
und es folgt die Belagerung der Festung Artagerk' in Arsarunik', die 
sich bis in den Winter hineinzieht und mit dem Verrate der beiden 
armenischen Führer ihren vorläufigen Abschluss findet (Ammian. Mar- 
cellin. 27, 12, 5 — 9. Faust. IV 55). Im folgenden Jahre wird Pap 
zum König erhoben und im Spätherbst Artagerk' von den Persern 
eingenommen und zerstört (Ammian. § 9 — 12. Faust. V 1. IV 55 — 59). 
Diese Ereignisse gehören in die Jahre 370 und 371, wie Sievers, 
Studien zur Geschichte der röm. Kaiserzeit 268 f. richtig gesehen hat. 
Der Krieg gegen die K'usank' macht es jetzt begreiflich, weshalb Säpür 
nicht sogleich nach der Gefangennahme des Königs Arsak in Armenien 
eingerückt ist. Das genaue Datum des letztern Ereignisses ist unbekannt, 
kann aber wohl schon 367 sein. Im Anfang des Jahres 372 werden 
Gylaces und Arrabannes von Pap auf Anstiften Säpürs ermordet; 
Ammian. § 14. Faust. V 3 (ohne Namen) = V 6 (Glak). 

c) Der Hajr mardpet wohnt der Beisetzung des Katholikos Nerses 
bei (Faust. V 24 S. 222 f.). 

1) Faust. III 18 S. 47. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 239 

vater der Mamikonier, ausgerottet wurde, worauf dieser vom 
König zum Danke mit deren Gütern belohnt wurde. Diese Aus- 
rottung des Geschlechtes Slkunik' ist aber wie die der Manda- 
kunier^) lediglich eine Erfindung des Moses. Der Geschlechtsname 
Wl_linuü[t findet sich in der älteren Literatur, soviel ich sehe, 
nur einmal: yy^jpnul^ "^fjinösft bei Eiise wardapet S. 173 
= Langlois IL 215, und ausserdem macht Moses 3, 20 S. 206 
den Eremiten Gind aus Taraun, einen Schüler des Chorbischofs 
Daniel (Faust. 6, 16), zu einem Slkunier. Wir wissen nur, dass 
die Mamikonier der Sage zufolge ein fremdes, aus Cenastan ein- 
gewandertes Geschlecht waren 2), das aber nach Faustos schon im 
ersten Drittel des 4. Jahrhunderts die erbliche Würde des Heer- 
führers {sparapet) der armenischen Krone besass^). Wie weit 
diese Darstellung Vertrauen verdient, ist freilich sehr fraglich, 
da sie durchaus im Dienste der Mamikonier steht und uns meist 
jede andere Kontrolle fehlt, und da, wo eine solche möglich ist, 
diese in der Regel nicht zu gunsten jener Erbrechtstheorie ausfällt. 
Schon unter Trdat wird ein sparapet sämtlicher Truppen Gross- 
armeniens namens Artavazd erwähnt, der ohne Zweifel ein Mami- 
konier sein soll. Der Name fehlt indessen im griechischen 
Agathangelos *) und kann aus Faustos 3, 4 S. 9 (vgl. 11 S. 28) 
erschlossen sein, wo Wa^'e, der Sohn Artavazds, als Patriarch 
des mamikonischen Geschlechtes aus dem Stamme des Heerführer- 
tums Armeniens und grosser Heerführer der Truppen Chosrows IL 
bezeichnet wird. Moses, der die Mamikonier aus der altarmenischen 
Geschichte so viel wie möglich ausmerzen will, macht nun jenen 
sparapet Artavazd zum Mandakunier (2, 76. 82. 85), weiss aber 
der vorwitzigen Frage, weshalb denn die Mandakunier in der 
Folge in der armenischen Geschichte gar keine Rolle mehr spielen, 
durch die billige Auskunft vorzubeugen, sie seien durch Artasir 
(bis auf den geflohenen Artavazd) ausgerottet worden (2, 78). 
Dieser Anachronismus geht auf eine ältere von Moses benutzte 
Urgeschichte der Mamikonier zurück, welche die Stammväter der 
Mamikonier Mamik und Konak unter dem armenischen König 
Chosrow I. und dem letzten Partherkönig Artavan in Armenien 
einwandern Hess, gleichzeitig aber das fünfte Jahr des Perserkönigs 
Artasir dem ersten des Kaisers Probus und dem 35. Chosrows 
gleichsetzte^). Moses will also die Neugierde seiner Leser be- 
friedigen und erklären, auf welchem Wege das fremde Geschlecht 
der Mamikonier zu so grosser Macht in Armenien gelangt sei, und 
legt sich für diesen Zweck eine besondere Theorie zarecht, wonach 



1) Diese Unters. I 47—49. 

2) Faust. 5, 4 S. 204. 37 S. 247/8. 

3) Faust. 3, 4 ff. 

*) Agath. 641 = Lag. p. 80, 98. 
">) Sebeos 12—13. 



240 J- Marquart, 

dies durch Zurückdrängung und Ausrottung alteinheimischer später 
unbedeutender Geschlechter erreicht worden sein soll. Das Vorbild 
zu dieser Auffassung lieferte ihm Faustos, bei dem von der Ver- 
nichtung zahlreicher Geschlechter, der Manavazier und Ordunier, 
der Bznunier, der bdeasche von Aiznik', Estunier und Arcrunier, 
unter den Königen Chosrow II. und Tiran berichtet wird. 

Zu S. 42 Z. 28 ff.: Von grosser Wichtigkeit für die Archäologen 
ist die Nachricht des Mas'üdi IV 74: „Es gab in Qümis einen 
hochgeehrten Feuerterapel, namens ^Jii^j =>■ (B (v^jS>, D ip,j.>), 

dessen Erbauer unbekannt ist. Es heisst, dass Alexander, als er 
(die Gegend) eroberte, denselben unbehelligt Hess und nicht aus- 
löschte. Man sagt femer, dass an jenem Orte ehemals eine ge- 
waltige wunderbar gebaute Stadt lag mit einem mächtigen Götzen- 
tempel von wunderbarer Form. Da ward jene Stadt samt ihren 
Gebäuden zerstört; hierauf ward nach ihr jener Tempel erbaut 
und jenes Feuer in ihm aufgestellt." 

Zu S. 62 A. 1 : Zu ^CO^OD Sarbüi ist noch hinzuzufügen 

die Form ^;qd h<^^ lD\2i für ^cACD N.OJ \d\0 bei Simeon 

von Beth Arsäm (Assemani, B. 0. I 353). Der hier genannte 
Johannan, Bischof von Karchä da-Beth Särl in Beth Garme, er- 
scheint auf der Synode des Mar Akakios a. 486 als Bischof von 
Karchä da-Beth Salöch Synod. Orient, p. 300. 301. 306. Wir 
dürfen also auch hier die Entwicklung annehmen: *Sarbük, Sarbüg^ 
Sarbüi^ *Särm] Säri. Der Übergang von U in z findet sich auch 
im Kurdischen (So ein, Grdr. f. iran. Phil. I 2, 267), sowie in 
neupersischen Dialekten (P. Hörn eb. S. 27. Geiger eb. S. 384). 

S. 66 Z. 3 V. u. lies „blau" statt „braun". 

Zu S. 84 Z. 26 ff. : Schlegel behält mit seinem Proteste 
gegen die Gleichsetzung der chinesischen Umschreibung Jen-tsai^ 
An-ts'ai mit dem Namen "AoqGov bezw. Arzoae recht. Die alte 
Aussprache Am-ts'ai gibt nämlich in Wirklichkeit den Namen der 
Massageten wieder, aw. '^masja-ka (gesprochen massjaka), ap. 
*ma&ijaka, skt. '^maisja-ka „Fischesser". Damit wird aber die 
Nachricht, dass die Alanen die Nachkommen der alten Massageten 
seien, nur um so wichtiger, und die Vermutung, dass "Aoqcoi ein 
politischer Ehrenname sei, fast zur Gewissheit erhoben : wenn noch 
um 125 V. Chr. Massageten am untern Jaxartes geboten, so kann an 
ihrer Identität mit den im 1. Jh. v. Chr. hier herrschenden Aorsen 
nicht gezweifelt werden. Dadurch gewinnt der ethnologische Teil 
der ptolemäischen Karten von Margiana, Baktrien, Sogdiana und dem 
Sakenlande für uns erst praktische Bedeutung. Dass die Karte von 
Sogdiana die Völkerverteilung um die Mitte des 2. Jh. v. Chr. wieder- 
geben will, ist unbestreitbar. Dasselbe wird dann auch für Baktrien 
angenommen werden dürfen, zumal ich schon auf anderem Wege 
zu dem Schlüsse gekommen bin, dass sich die Tocharer mit 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 241 

Bewilligung der hellenischen Könige und nicht erst 
nach dem Untergange der hellenischen Herrschaft im Norden 
des Paropanisos in Baktrien niedergelassen hatten. Dann kann 
aber die Vorlage des Marinos für die ethnologische Darstellung 
jener Gebiete nur Hipp arc hos gewesen sein, der den zu seiner 
Zeit eingetretenen Völkerverschiebungen Rechnung trug. Wenn 
daher Ptolemaios in Margiana zwischen Derbikkern und dahischen 
Parnern auch Massageten kennt (VI 10 p. 498, 5), so bestehen 
gegründete Zweifel, ob er sie richtig angesetzt hat — in der 
Verschiebung von Völkern und selbst Städten hat Ptolemaios 
bezw. Marinos in allen weniger bekannten Ländern, in Germanien 
wie in Skythien und gerade auch in Ostiran das Menschenmög- 
liche geleistet. Dagegen braucht man nicht mehr zu der Ver- 
mutung zu greifen, dass er die Massageten einer veralteten Quelle 
entnommen habe, vielmehr hatte sie Hipparchos noch als zu seiner 
Zeit bestehendes Volk verzeichnet. Inwieweit Marinos seinem 
Ansätze gefolgt oder etwa mit Rücksicht auf neuere Nachrichten 
über die Gebiete zwischen dem unteren laxartes und der Wolga 
(VI 14 p. 426 ff.), welche dort andere Völkernamen nannten, von ihm 
abgewichen ist, ist in grösserem Zusammenhange zu untersuchen. 
Natürlich verdient aber der Augenzeuge Cang-kien vor den grie- 
chischen Geographen den Vorzug. 

S. 85 Z. 28: Utidorsi Aroteres ist verdorben aus Ovrot, 
"AoQaoL OL avcorsQco. Vgl. S. 84 A. 2. 

Zu S. 85 Z. 30ff. : Die vor den Gaeli stehenden Arsi sind 
wohl in der Landschaft ^AqGiTiq zu suchen , welche Ptol. 6 , 9 
p. 617, 23 in die Nähe des Koronos (des östlichen Elburz) nach 
Hyrkanien verlegt. Die hinter den Zarangae stehenden Arasmi 
gehören nach Drangiana und sind gewiss identisch mit den fried- 
lichen ^AQLcißTtccL oder EvsQyitccL (Arr. 3, 27, 4), die von den roman- 
tischen Alexanderhistorikern sehr unpassend in ^A^i^aöTtol umgetauft 
worden sind (Diod. 17, 81, 1. Gurt. 7, 3, 1. Justin. 12, 5, 9). Die 
Bezeichnung Arasmi = mp. *a-razm „kampflos, unkriegerisch" 
ist dagegen völlig zutreffend, von wem sie auch herrühren mag. 
Dann haben aber auch die Marotiani mit der Maeotis nichts zu thun. 

S. 86 Z. 15 — 16: Der bei Athenaios überlieferte Name 
^OiidQXfjg ist nicht anzutasten und entspricht einem ap. Hauma- 
arta „der echte Hauma", wie ich anderswo zeige. Dieser Name 
passt zum mythischen Charakter der Legende. 

S. 92 Z. 20 ff: Nach Bartholomae, Idg. F. VII (1896), 
60 f. gehören a^rime. anhadö ^ armaesäide, armaesta mit gr. 
riQE^a, -(iccLog zusammen und bedeuten „in Ruhe befindlich", äfs 
armaesta also das stehende Wasser im Gegensatz zum fliessenden. 
Skyth. aQLy.a bleibt aber durch osset. ärmäst „nur" gedeckt. 

S. 95 Z. 14 — 19 lies „dass nach dem Vorgange der Begleiter 
bezw. Geschichtsschreiber Alexanders . . . auch Hekataios durch 
den einheimischen Namen des indischen Kaukasos an den grossen 

Philologus Supplementband X, Erstes Heft. 16 



242 J- Marquart, 

nordkaukasischeii Fluss erinnert wurde und so sein Parapanisos 
dazu beitrug.** 

Zu S. 94 — 96: Der alte Hekataios hatte die gandhärische 
Stadt Kaspapyros oder Kaspatyros, die ihm aus dem Berichte des 
Skylax über seine denkwürdige Indusfahrt wohl bekannt war, als 
Uoivd'&v aKtri bezeichnet 1). Kaspatyros hat weder mit Kabul 
(Ptol. KdßovQo) 2), noch mit Kasmir (Kasmirä) ^), noch mit Ka^ja- 
papura^ dem älteren Namen von Mültän*) das mindeste zu thun, 
sondern ist in der Nähe von Puskaläwatl, dem alten Mittelpunkte 
von Gandhära zu suchen. Die Bestimmung des Hekataios ist also 
richtig, sofern unter den Skythen die Saka, d. i. die Sakäh 
HaumawargäJi , zu verstehen sind , die auch in den Länderver- 
zeichnissen des Dareios^) mit Gandära zusammengestellt werden 
und zwischen Gandhära und Baktrien gewohnt haben müssen (oben 
S. 140. 142). Sie sind aber schon von Herodot mit den nördlich von 
Sogdiana hausenden spitzmützigen Saken zusammengeworfen worden, 
ein Irrtum, der dann auch die geographische Wissenschaft der 
späteren Zeit beherrscht hat, so dass noch Eratosthenes und selbst 
Marinos die Saken und Sogdianer der ganzen Länge nach Indien 
gegenüber liegen Hessen ^). Der Ausdruck axTtf, welchen Hekataios 
von Kaspapyros gebrauchte, hängt wohl damit zusammen, dass 
hier die Schiffahrt auf dem Indus begann und jene Stadt ein 
wichtiger Stapelplatz für den Handel zwischen Indien und den 
Ländern im Norden und Osten des Hindukus und Pamir war, 
welchen die Saken wie später die Aorsen vermittelten 7). Die 
seltsame Vorstellung des Hekataios, welche sich das Land der 
Saken als Hinterland einer bei Kaspapyros beginnenden Küste 
denkt, erklärt sich daraus, dass er dem Indus einen östlichen 
Lauf gab^). 



1) Hekat. fr. 179 bei C. Müller, FHG. I 12: Kaondnvqo?, Ttolig 
rav&aQixT], UtivQ'&v dvxif\. 'EyiatccZos 'Aöioc. 

2) So Kiepert, Monatsber. der Akad. der Wiss. zu Berlin 1856 
S. 637. 

3) Lassen, Ind. Alt. I^ 53 A. 5. II 635. 

4) Berüni, India If'l, 8 = I 298. 

s) Beh. I 16/17. Persep. I 18. NR. a, 24. 

*) Strab. ICC 8, 8 p. 513 : xat Udyiag iihv y.al Xoydiavovg rolg oXoLg 
iS(kcp£6Lv ävtL-astad-ai ty 'Iv^infj. Ptol. I 16 p. 54, 20 — 22: xal tovg 
fihv iisöoysLovg Xoydiccvovg Kai tovg Sd-accg ysitvid^SLV änb iiSGruißgiag 

') Vgl. Lassen, Ind. Altertumsk. II 2 570. 624. 

^) Her. 4, 44: oX öh (die Expedition des Skylax von Karyanda) 
ÖQiirid'evtsg ex KaaTtcctvQOv ts TtoXiog nal tfjg JIav,xvC-Kfig yfjg snXsov 
-Aatu Ttota^bv ngog rjä) rs y.al fjXiov avatoXäg ig ^dXaaoav. Es ist hier 
gleiehgiltig , ob dieser Fehler dem Skylax selbst zur Last fällt oder 
erst durch falsche Deutung seines Berichts seitens des Hekataios ent- 
standen ist. Ebenso wenig thut hier zur Sache, ob Herodot den Bericht 
des Skylax selbst vor Augen hatte oder ihn nur aus Hekataios kannte. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 243 

Nördlich von Gandhära im fruchtbaren Thale des Swät glaubten 
die Hellenen das weinreiche Nysa, die Gründung des Dionysos, 
gefunden zu haben ^), und in jener Gegend hat man sich der 
hellenischen Überlieferung zufolge auch den indischen Götterberg 
Meru zu denken 2). Die Begleiter Alexanders nannten den mit 
dem Swät vereinigten Pangkora, der im Paropanisos entsprang 



Dass dieser auf seiner Weltkarte den Indus mit östlichem Laufe ein- 
getragen hatte, steht durch das Zeugnis des Hipparchos bei Strab. 
ß 1, 34 p. 87 völlig fest: Tccvtrj ö' slvai nagallrilov xov'Ivdbv nota^iov, 
äats -not xovzov ccitb tatv öqmv ovyi iTtl ^sari^ßglav qsIv, Sag cpriaiv 
'Egatoa^ivrig, ccXXä iisrcc^v ravtr\g "aal tfig iörniSQLvrig ccvaroXfjg, xad-änsQ 
iv rotg ScQ%aioLg mva^i •Kccrayiyqantai. Es wäre aber höchst seltsam, 
wenn Skylax wirklich berichtet hätte, er sei auf dem Indus gen Osten 
gefahren und dort ins Meer eingelaufen. Dieser Irrtum würde kaum 
begreiflicher, wenn sich Skylax auf dem Kabulfluss einschiffte und 
daher der erste Teil der Fahrt bis zur Vereinigung desselben mit dem 
Indus in der That eine östliche Richtung hatte, da die Stadt Kaspa- 
pyros bezw. Kaspatyros, wo die Einschiffung erfolgte, nur am Unter- 
laufe des Flusses nicht allzu weit von seiner Einmündung in den Indus 
bei Attock oder am Indus selbst gelegen haben, also jene westöstliche 
Fahrtstrecke nur sehr kurz gewesen sein kann. Vgl. M. A. Stein, 
Ancient Geography of Kasmir p. 12 n. 2: „Proper navigation begins 
now at Jahänglra, a place situated on the left bank of the Kabul 
River, some six miles [von mir gesperrt] above the confluence of the 
latter with the Indus at Attock. The lower part of the Kabul River's 
course lies in a well-defined single bed which, in view of the natural 
configuration of the banks, cannot have changed materially in historical 
times. Above Jahänglra the current becomes too strong for safe 
navigation. 

I doubt very much whether the Indus immediately above Attock 

can ever have been suitable for proper navigation Taking into 

account these circumstances I should not be surprised if Scylax's expe- 
dition had chosen some place near Jahänglra for the start on their 
voyage. There are many ruined sites near the latter place, and near 
AUadher, closely on the Indus." 

Ich neige daher zu der Ansicht, dass die Vorstellung des Heka- 
taios und Herodot vom Laufe des Indus durch allzustarke Verkürzung 
des Itinerars des Skylax zu Stande gekommen ist — man müsste denn 
annehmen, letzterer habe vom Hörensagen eine dunkle Kunde von der 
heiligen Gangä erhalten und nun die Laufrichtung dieses Stromes auf 
den Indus übertragen, also absichtlich geschwindelt. Vgl. übrigens 
auch Niebuh r. Über die Geographie Herodots. Kl. Sehr. I 144. 153. 
Lassen^ I 514 A. 3. II 121. 

^) Nach Arrian 5, 1, 1 hat man sich Nysa in dem von Alexander 
durchzogenen Gebiete zwischen Kophen und Indus zu denken. Ver- 
schiedene Umstände deuten aber darauf hin, dass wir es in Käfiristän 
zu suchen haben. Vgl. L. v. Schröder, WZKM. XIII 398 ff. Gerade 
das Swät-Thal war aber in alter Zeit ein hochkultiviertes Gebiet, das 
lange Zeit einen Hauptsitz des Buddhismus bildete. — Andere wollen 
Nysa der Stadt Nagara oder Dionysopolis bei Ptolemaios gleichsetzen, 
die man mit Nagarahära, 4 — 5 miles w. von Galäläbäd identifiziert 
hat. Vgl. M'Crindle 11. p. 338—340. 

2) Arrian 5, 1, 6. 2, 5. Megasthenes bei Arrian Ind. 5, 9. Diod. 
III 38, 4. Plin. h. n. 6, 79. 

16* 



244 J- Marquart, 

Tind in Gandhära in den Kophes mündete, XoaöTtr^g. Nach Curtius 
VJLil 10, 21 — 22 liess Alexander, nachdem er seine getrennte 
Streitmacht (Arr. 4, 24, 9 — 25, 5) wieder vereinigt hatte, nach 
trberschi-eitnng des Choaspes (Choaspe amne) den Koinos zur Be- 
lagerung der reichen Stadt Beira zurück, wähi'end er sich selbst 
gegen Mazaga, die Residenz des Assakaners wandte. Aus Arrian 
ergibt sich jedoch, dass Alexander den Koinos erst nach der Er- 
stürmung von Massaga gegen Bcc^lqu aussandte, das sich aber nicht, 
wie er gehofft hatte , freiwillig ergab , sondern von Koinos ein- 
geschlossen werden musste und erst auf die Nachricht von der 
Einnahme der Festung Ora von den Einwohnern verlassen wui'de, 
die sich auf die für uneinnehmbar gehaltene Felsenveste "AoQvog'^) 
zmückzogen (Arr. 4 , 26 — 28 , 1). Curtius lässt also die Unter- 
nehmungen gegen die beiden Städte Ba^iqa und MdöOaya fälsch- 
lich neben statt nach einander stattfinden. Ehe Alexander nach 
Massaga gelangte, musste er den tiefen und reissenden Fluss 
FovQmog überschreiten (An*. 4, 25, 6. 7). Es scheint demnach, 
dass mit Curtius' Choaspes derselbe Fluss gemeint ist, welchen 
Arrian FovQaiog nennt. Letzterer heisst bei Megasthenes Fa^Qüiag 
(An\ Ind. 4, 11) und entspricht nach Kern der Giwuhä oder 
Gai-uhä, welche Warähamihira , Brhat-Samhitä XIV 23 in die 
nordwestliche Abteilung verlegt. Derselbe Fluss ist nach Lassen 
(Ind. Altertumskunde II- 140 Anm. 6) unter der Gauri zu ver- 
stehen, die an einer Stelle des Mahäbhärata neben dem Suwästu 
genannt wird. Es ist ohne Zweifel der Pangkora, der durch fünf 
Zuflüsse gebildet wird und in seinem Unterlaufe von Osten den 
Swät au&immt. Augenscheinlich galt aber im Altertum letzterer 
als der Hauptarm, welcher dem vereinigten Strome seinen Namen 
gab. Aus Aristoteles meteorol. 1, 13 ergibt sich femer, dass den 
Begleitern Alexanders der Choaspes neben dem Indus als der be- 
merkenswerteste vom Paropanisos nach Süden strömende Fluss 
erschien: iv /tifv ovv ttj ^Aglu tiIslötol (.lsv iz rov IlaQvccaov 
y.aXovfj.4vov (palvovzui oiovTsg oQOvg '/.cd (.liytöTOL Trora^iOL, tovto 
o' ouoXoyELicii, Ttdvrcov eivai (liyiatov boog t&v noog xr^v eco tr]v 
yHiieqLvr^v. ... in jttfv ovv tgvtov qeovGlv alloi re Ttoraiiol Ticd 
6 BdxTQog '/ML 6 XodaTtrjg ymI 6 ^AQa^ijg, rovtov d' dTtoöxL^erccL 
^liQog o)v dg rrjv Mcaariv Uiivrjv. q£l öe 'Aal 6 ^IvSbg i^ avxov. 
Diese Stelle setzt voraus, dass man den vom Westen in den Indus 
mündenden Strom als die Fortsetzung des Xod6nr\g d. i. des 
Pangkora-Swät und den Kcocpyjg d. i. den Oberlauf des Käbul- 
flusses als dessen Nebenfluss auffasste. Später erkannte man aber, 
dass der Choaspes in Wirklichkeit ein Nebenfluss des Kcog)r}g oder 
K(üg)ijv sei. Aus einer Yermengung dieser beiden Ansichten er- 



^) Nach Abbott der Berg Mahaban am Westufer, etwa 8 miles 
von Embolima. Vgl. M'Crindle, The invasion of India by Alexander 
the Greaf2 p. 835—338. 



Untersuchungen zur Geschiclite von Eran. 245 

klärt sich Strabons Angabe le 1, 26 p. 697, wo er von Alexanders 
Zuge nach Indien spricht: äviaToetps d' ovv (von Baktrien ausj 
VTteQd-elg tu civxa OQrj v.ax* ixXkag oÖovg iTtirofiCüxiQug iv aqLGXEQcc 
Vfjmv zT^v ^IvÖl'kyJv, alz iTtiözQeipev eid-vg irt uvzr^v %a.l zovg ooovg 
zovg iöTtcOLOvg avzf^g y.cd zbv Kag)riV rtozccaov '/ml zbv XoccörtrjV, 
og tig zov K(h(p}]v eußakksL Ttozauov [-/ml] y.caci IIXi]u.vqLOv nroAtv, 
qvelg Tiaqa rSlPT/il^) uV.rjV tzoIlv, y.al 6i,cE,l(ov zijv zs Buvöoßi]- 
V7]v-) ymI zr^v FavöaQLZLv'^). Vgl. Lassen, Zur Gesch. der Griech. 
und Indoskyth. Könige S. 132. Ind. Altertumsk. U^ 137 A. 2. 

Der Choaspes floss also an einer Stadt Fcogvci oder Focvulu 
vorbei, die wir uns wohl am Zusammenflusse der Guruhä (Pangkora) 
und des Suwästu zu denken haben. Wenn es dagegen heisst, der 
Choaspes habe die Landschaften Bcivdoßi]vi] und FavöaoLZLg (Gan- 
dhära) durchströmt, so ist dabei offenbar der Unterlauf des Käbul- 
flusses als Fortsetzung des Pangkora - Swät betrachtet. Strabon 
sagt sodann weiterhin (§ 27 p. 698); r^^8ri öl Ttqog zip ^Ivöa ■koXiv 
aXXrj TtoXig TLevY.oXuizLg ^ ^Qog rj ^evy^ia ysvri^hv irtEoaLCOöe zbv 
ezQuzov, verlegt also Tlev/.oXalzLg in die Nähe der Vereinigung 
des Käbulflusses mit dem Indus, während es nach Plin. h. n. 6, 62 
noch 60 m. p. vom Indus entfernt*) war und am wahrschein- 
lichsten mit den Euinen von Carsadda, einer der Acht Städte 
(Hastnagar), unweit der Vereinigung des alten Laufes des Käbul- 
flusses mit dem Swät identifiziert wird^). Es ist daher nicht 
schwer zu erkennen, dass bei Strabon nXrjuvoiov und Tlsvy.oXcdzig 
die Plätze getauscht haben und ersteres fälschlich an den Zu- 
sammenfluss des Choaspes d. i. des Pangkora- Swät und Kophes 
verlegt ist, während es im Sinne der Quelle, welche den Choaspes 
Gandhära dui'chströmen Hess, in die Nähe der Mündung des Käbul- 
flusses in den Indus zu setzen ist. ÜXriMvQiov hezvi-. UXrirvQiov^) 
ist in nXrjTvQLOv zu verbessern, und darin sehe ich denselben Ort, 

der bei Hüan-cuang (Mem. I 125. Hoei-li 165) ^S^:! F'mi- 



^) ycoQvSi aXXr] nöXn x ycagvda aXXr^v TtöXiv i Coray ycogvöccXriV 
TtöXiv ald., lies FaQvav oder FayQvcäav. 

■2) §aQÖo§r^vi]v Dh accvdoßrtvr^v F. 

*) yaQÖuQiriv F yccvöccoiriv h. 

*) 8. M'Crindle, The Invasion of India by Alexander the Great 
p. 59 und N. 3. 

5) Vgl. Court, J. A. S.B. vol. V, 1S36, p. 394. 479. Vivien de 
Sa int- Martin, Mem. sur la geogr. grecque et latine de i'Inde p. 36 ss. 
Mem. analytique sur la carte de PAsie centrale et de I'Inde bei 
Stan. Julien, Mem. de Hiouen-thsang III 308 und X. 3. A. Fouc,her. 
Notes sur la geographie ancienne du Gandhära. Bull. d. l'Ecole 
francaise d'Extreme-Orient I (1901;, 334 ss. 

^) Kramer gibt folojende LAA: Tt/.i'/voiov s (cod. Paris. 1408;^: 
idem legitur in raarg. CF. TxXrtyViQiov moxz (m ^ Venetus Nr. 378, 
o = Paris. 1394, x = Mediceus plut. 28 Nr. 19. z = Mediceus 
plut. 28, 15}. 



246 J- Marquart, 

lo-tu-lo genannt und als Geburtsort des berühmten indischen 
Grammatikers Pänini bezeichnet wird. Man nimmt allerdings seit 
Stan. Julien (Hiouen-thsang , Mem. p. 125 n. 2) an, dass das 

Zeichen ^ in P'an-lo-tu-lo ein Schreibfehler sei für Sc so, weil 
der Kommentar zum Ganaratnamahödadhi angibt, dass mit dem 
Ethnikon Saläturija im Sütra Pän. 4, 3, 94 Pänini selbst gemeint 
sei^) und man darum Salätura als Namen der Geburtsstadt Pänini's 
erschliesst. Allein für die Echtheit des anlautenden p tritt eine 
dritte unabhängige Quelle ein, die Weltkarte des Castorius. Hier 
sehen wir über Alexandria Bucefalos, in der Nähe des Indus- 
übergangs, die Station Spatura^ Geogr. Rav. SIMTVRA, worin 
Tomascheks Scharfsinn ^J die Stadt ÄaZä^wra erkannt hat. Allein 
die Schreibweise der Karte setzt zunächst eine Form SPALATVRA 
= skt. *Svalätura voraus, während nXrjrvQwv eine ionisierende 
Form (wie IIsv%oXaixi.g) darstellt. Die Stätte des alten Salätura 
bezw. Spalatura sieht Cunningham in dem heutigen Dorfe Lähür 
unweit Und (üdabhända) nw. von Attock, wo bis vor kurzem die 
alte Strasse von PuskaräwatI nach Taksasilä den Indus erreichte. 
Ein Schloss ,j^aj kennt Berüni, India It^., nahe der Mündung 
des Käbulflusses in den Indus unterhalb Waihand (Und)^). 



1) Lassen, a. a. 0. 11^ 474 A. 5. 

2) Zur histor. Topographie von Persien I 58 = SB WA. Bd. 102, 
1883, S. 200. 

^) Nach diesen Darlegungen will ich den Verdacht nicht länger 
zurückhalten, dass in Herodots KaOTtdtvgog etwas mehr stecke als ein 
einfacher Schreibfehler. An KaOTiccTtvQog, der von Steph. Byz. bezeugten 
Form des Hekataios, ist natürlich nicht zu rütteln. Dagegen würde 
man der Ehre Herodots bezw. seiner Gewährsmänner schwerlich durch 
die Vermutung zu nahe treten, sie möchten die Hauptstadt von Gan- 
dhära, wo die Expedition des Skylax ausgerüstet wurde, und den Ort, 
wo dieselbe sich einschiffte, zusammengeworfen haben. Es ist daher 
die Frage, ob sich für den von Hekataios überlieferten Namen KaeitcL- 
nvQog eine Erklärung finden lässt. Ich vermute, dass es ein anderer 
Name für Pushaläwati „die Stadt des blauen Lotos" war, und zwar 
möchte ich darin die griechische Umbildung eines präkr. '^ Kus{u)wapura 
sehen, in altpersischer Lautform Kuspapura = skt. Kusumapura „die 
Blumenstadt ". Wie die Hauptstadt von Magadha neben dem eigent- 
lichen Namen Pätaliputra „der Sohn der Trompetenblume " auch die 
Bezeichnungen Pusäpura oder Kusumapura „die Blumenstadt" führte a), 
konnte wohl auch mit Puslcaläwati das synonyme Kusumapura wechseln. 
Man hätte sich dann zu denken, dass ersterer Name zu Skylax' Zeit 
vorzugsweise von der Landschaft gebraucht wurde, woraus dann Herodots 
IIay,xviy,ri entstand. Ausser der Hauptstadt KAZPAPTP02 wird Skylax 
auch den Ort der EinschifPung erwähnt haben, der dann kein anderer 
gewesen sein kann als ZPÄÄÄTTP02 am Indus. Dass diese beiden 



a) Kusumajmra die Residenz des Samudragupta nach der prasasti 
von Allähäbäd Z. 7: s. Bühl er, WZKM. V 227. Vgl. auch Lassen, 
Ind. Alt. 12 168 A. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 247 

Von den beiden Landschaften, welche der Choaspes durch- 
fliessen soll, bleibt nach dem oben Gesagten für den wirklichen 
Choaspes d. i. den Swät nur Bavöoßrjvtj übrig, ein Name, der 
bis jetzt noch keine Erklärung gefunden hat. In buddhistischer 
Zeit heisst die vom Swät durchflossene Landschaft Udjäna „der 
Garten", präkr. Uggäna^ in älterer Zeit dagegen, so im Mahä- 
bhärata und noch bei Asoka, finden wir für dieses Gebirgsland 
nur den Namen Kamböga. Man würde der Textüberlieferung 
Strabons keineswegs Gewalt anthun mit der Vermutung, dass 
BANJOBHNH durch Buchstaben vertauschung zunächst aus 
KANBÖÄHNH und dies aus KAMBOJHNH entstellt sei; ö = g 
wie in Aa^aGitia = Oämäspl Ktes. Pers. 44. Die Kamböga 
werden bei Ptol. 6, 11 p. 420, 7 ed. Wilberg in der Form Tccfißv^oi 
(für rccfißv^OL?) , in der Kosmographie des Julius Honorius c. 13 
(bei Alex. Riese, Geogr. lat. min. p. 32, 5) als Pambothi (lies 
Cambothi) und in Uamuoti verdorben beim sog. Aethicus eb. 
p. 77, 40 erwähnt. 

Megasthenes kennt sowohl den S6a6xoq wie den Fa^qoCag^ 
bezeichnet aber beide ungenau als Zuflüsse des Kophen, weiss also 
nicht, dass sie sich zuvor vereinigen, ehe sie in den Kophen münden. 
Auf diesen Irrtum geht auch die Darstellung des Ptolemaios zurück, 
der ausser dem Suastos noch einen namenlosen Zufluss des Kooag 
(präkr. *Kuwä = wedisch Kubhä; s. Sylvain Levy, L'itineraire 
d'Ou-k'ong p. 36. Extrait du Journ. as., Sept.-Oct. 1895) kennt, 



benachbarten Orte, deren Namen einander graphisch so ähnlich sehen, 
von den griechischen Geographen vermengt wurden, kann nach dem 

5. 174 f. Bemerkten nicht Wunder nehmen. 

Was die Umschreibung betrifft, so beobachten wir hier wiederum 
dasselbe Streben nach Vokaldissimilation wie S. 179. Ausserdem ver- 
dient hervorgehoben zu werden, dass die Lautentwicklung skt. s'm: 
präkr. sw, äp und skt. sm: präkr. sw, sp gerade für das Präkrit der 
nordwestlichen Inschriften charakteristisch ist. Vgl. auch den Volks- 
namen Aämaka, welchen Warähamihira, Brhat-Samhitä XIV 22 in der 
nordwestlichen Abteilung aufzählt (vgl. noch V 39. 78. 74. IX 18. 27. 
XVI 11. XXXII 15) und der bei den Begleitern Alexanders unter den 
verschiedenen Formen 'AcTtdaioi (Arr. 4, 23, 1. 24, 1; bei Strab. p. 691 
und 698 wird 'TitdüLOL oder 'iTtTtdoioL gelesen), Aspagani (Plin. h. n. 

6, 79) und 'A66a%r\vol (Arr. anab. 4, 23, 1; 25, 5. 6; 30, 5 etc. Ind. 
1, 1. 8. Gurt. 8, 10, 22. Strab. is 1, 17 p. 691. 27 p. 698) überliefert ist, 
welche auf zwei Präkritformen ^Aswaka = ap. ^AspaJca und ^Assaha 
zurückgehen. Die Form Aswaka findet sich selbst in gutem Sanskrit 
als Variante von Asmaka. 

Allerdings äussert Prof. Kern gegen obige Erklärung von Kccajtd- 
TtvQog Bedenken, da kusuma Paroxytonon ist und daher wohl zu 
^kdsuma, ^kasuma, nicht aber zu ^kusma, ^küswa werden konnte. Doch 
dürfte dieser Einwand kaum das Kompositum Kusuma/pura treffen, das 
wohl als Proparoxytonon betont wurde (vgl. Purusapura, arab.-pers. 
,^Lw.j Puru^äwaVf j. PeSäwar), wodurch das mittlere u seinen Ton 
verlor. 



248 J- Marquart, 

welcher aus dem Lande der Paropanisaden komme und sich bei der 
Landschaft FcoQvala mit dem Koas vereinige (VI 18, 2 p. 435, 3 — 5 
ed. Wilberg). Damit ist deutlich die Guruhä gemeint. 

XodßTcrjg = ap. huwaspa „treffliches Wasser besitzend" ist 
eine Iranisierung des Sanskritnamens, welcher erst dem Megasthenes 
und Ptolemaios bekannt wurde, wie ^Töccaitrjg = ap. *wida^-aspa^ 
aw. *widat-aspa „Rosse erlangend** für skt. Witastä. Nach 

Fah-hian lag das Königreich 'fS W ? Suk(sni)-ha^)-lo d. i. päli 
Suwatthu südlich von U-cang (Udjäna)^). Hüan-^uang schreibt den 

Namen des Flusses fiSÄ7^.SP?Rr Su-p'an-fat-sut-tu^) , worin 
nichts als eine Kombination von vulgärer und gelehrter Trans- 
skription zu erkennen ist, nämlich Su-p'an = *Suwat, präkr. 
Suwatthu mit phonetischem Komplement fat-sut-tu = skt. vastu- 
keinesfalls darf daraus aber mit Lassen, Zur Gesch. der Griech. 
und Indoskythischen Könige S. 144, Ind. Altertumsk. II ^ 140 
A. 6 ein skt. Subhawastu erschlossen werden ; denn in der Lebens- 
beschreibung findet sich dafür, wie es scheint, die Schreibung 

S^ffiS^ Su-p^o-sat-tu d.i. Suwästu^). 

Es ist nun sehr wohl möglich, dass der Mythograph Heka- 
taios diesen Fluss nach dem Gebirge, aus welchem er kam, einfach 
Parapanisos nannte und das an ihm wohnende Schlaraffenvölkchen 
der Nysaier mit den seligen Hyperboreern der hellenischen Sage kom- 
binierte. Vielleicht kannte er auch bereits die indische Sage von 
den JJttara hurawas ^), die man sich ebenso wie die Hyperboreer 
im hohen Norden dachte und im Himalaja lokalisierte. Eine Spur 
davon, dass man die Paropanisaden mit den Uttara Kurawas zu- 
sammenbrachte, bewahrte noch die Karte des Orosius, welche im 
Taurus mons östlich von der Quelle eines Flusses Ottorogorras 
die montani Paropanisadae verzeichnete, wofern diese Darstellung 
nicht lediglich auf einer Vermengung von Gandhära mit den 
FavöaQlöai, beruht. Weiter gegen Osten war die civitas Ottorogorra 
eingetragen ^). 



^) Schallnachahmender Ausdruck für lachen. 

2) Beal, Travels of Fah-hian and Sung-yun p. 28. Fä-hien, A 
record of Buddhist kingdoms transl. by James Legge p. 29. 

^) Hiouen-thsang, Mem. I 132 s. 

*) Vgl. Julien, Liste des mots abr^g^s (M^m. II 568; in der Über- 
setzung Hoei-li's, Vie et voyages de H. ths. p, 86 steht Sou-p'o). 

^) Vgl. Megasthenes bei Strab. 15, 1, 57 p. 711: tvsqI &h t&v %i- 
lisTcbv 'TTtSQßoQScov (MsyccGd'Evriv) xcc ccvtä liysiv Hi^avidr} -nal TIiv$ccQfp 
y,al ocllois /xv'O'o^oyotg und dazu Schwanbeck, Megasthenis Indica 
p. 65 ff. nach Lassen, Zschr. f. d. Kunde des Morgenlandes II 67. 
Ind. Altertumskunde^ I 511. 2, 653. 693 ff. 

^) Oros. I 17: a fönte fluminis Gangis usque ad fontes fluminis 
Ottorogorrae, qui sunt a septentrione, ubi sunt montani Paropanisadae, 
mons Taurus (dicitur Caucasus); a fontibus Ottorogorrae usque ad ci- 
vitatem Ottorogorram inter Phunos Scythas et Gandaridas mons Caucasus. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 249 

Nach Aristeas von Prokonnesos waren die Hyperboreer das 
äusserste Glied einer Völkerreihe, die von seinen Berichterstattern 
eigentlich von Ost nach West verlaufend gedacht war , von ihm 
und seinen Nachfolgern aber irrig als eine nordsüdliche aufge- 
fasst wurde. Nach Aristeas waren über den einäugigen Arim- 
aspen die goldhütenden Greife und die ripäischen Gebirge, von 
welchen der Boreas wehe und auf denen der Schnee niemals aus- 
gehe, über den Greifen und den Ripäen aber wohnten die Hyper- 
boreer, die bis ans Meer reichten^). Da nun die Sage von den 
goldhütenden Greifen unzweifelhaft auf die Sandwüsten von Hoch- 
Tübät und die von ewigem Schnee bedeckten Ripäen auf die 
eisigen , von Sven Hedin bezwungenen Hochgebirge von Tübät 
weisen, so muss das Volk, welches dem Aristeas Anlass zu 
seinen phantastischen Schilderungen der Hyperboreer gegeben hat, 
östlich von Tübät, also in China gesucht werden. Das Meer, bis 
zu dem sie sich erstreckten, ist demnach eigentlich der östliche 
Ozean ^.) 

Allein da sich die volkstümliche Kosmologie ein von ewigem 
Schnee bedecktes Gebirge nur im Norden denken konnte, so ver- 
setzte man die Ripäen und mit ihnen die Hyperboreer in den 
hohen Norden und das Meer, an welches sie reichten, ward folge- 
richtig zum Nordmeer. Während aber Aristeas den Pontos , an 
welchem die Kimmerier wohnten, im Gegensatz zu dem anderen 
Meere, an welches die Hyperboreer stiessen, als Südmeer bezeich- 
nete^) und noch Hekataios von Milet an der alten Vorstellung 
von dem die Erde umfliessenden Okeanos festhielt *), erklärt Herodot 
auf Grund seiner bessern Kunde von Osteuropa und Nordasien, 
man wisse nicht, ob dieser Kontinent im Norden von einem 
Meere umflossen sei ^), und rechnet den Pontos zur ßoQrjlj} d-aXaööa 6), 
wie er das Mittelmeer im Gegensatz zur ^EQvd'QTi d'äXaößa als der 
vortr) 'd'dlaßacc nennt. 

Im Vergleich hierzu bezeichnen die von den Begleitern Ale- 



^) Herod. 4, 13: 'l66ri86v(ov dh vnsQOLyihiv 'ÄQi^aGTtovg avÖQag 
\iovvoq)%'(xl\iovg^ VTthq dh tovrcov rovg XQVOocpvXaxag yQVTtag, tovtcov 6h 
rovg 'T'jtEQßoQEOvg xatTJ'novtccg inl ^dlaoauv. Damastes von Sigeion bei 
Steph. Byz. s. v. 'TTCSQßoQSLOL' Ja^dötrig 6' iv rw tisqI id'vmv (cprielv) 
avco U-Kvd'&v 'I667]ä6vag oinstv, tovtcov d' dvcot^Qo 'AQi\ia67tovg^ ävco d' 
'ÄQUiacitibv tcc "PiTiaLa oqti, i^ mv tbv ßoQ^av tcvsIv , x^ova 6h ^i7]7tot£ 
avtä ixXsiTtSLv, viihQ 6h tk oqr\ tavta 'TnsQßoQtovg zad"^'ii£iv slg trjv 
ktiqav ^dXaaoav. 

2) Vgl. Tomaschek, Kritik der ältesten Nachrichten über den 
skyth. Norden I 50 ff. = SBWA. Bd. 116 Nr. 15, 1888. 

^) Her. 4, 13: KnniSQiovg 6h otyiEovtccg iitl trj votirj d-aXaGorj vnb 
^y.v%'BGiv 7tis^o[i^vovg iyü.si'jtsiv t7]v %GiQr\v und Stein z. St, 

4) Sehol. ApoUon. Rhod. IV 259. Vgl. Her. 4, 36. 

B) Her. 4, 45. Vgl. 3, 115. 

«) Her. 1, 1. 4, 37. 



250 '^' Marquart, 

xanders aufgestellten Hypothesen über die Konfiguration von Ost- 
europa und Mittelasien einen ganz gewaltigen Eückschritt. Den 
laxartes und den Aralsee, den die Makedonen nicht selbst erreicht 
hatten, identifizierte man ohne weiteres mit dem Tanais^) und 
der Maiotis und die über jenen Gewässern hausenden Daher 
brachte man mit den europäischen Skythen zusammen^). Ebenso 
betrachtete man den Hindukus als einen Ast des Kaukasus und 
Hess auf ihm den Tanais entspringen^). Noch viel weiter gieng 
indessen der Abderite. Er setzte offenbar die Ripaien dem Kau- 
kasus gleich und betrachtete die Maiotis, vielleicht im Anschluss 
an Herodots Sprachgebrauch, als einen Teil des Nordmeers, nahm 
also eine Verbindung derselben mit dem nördlichen Ozean an. 
So wird es begreiflich, dass sich des alten Hekataios S%vd'G>v 
k%xr\ und der Fluss Parapanisos vom Südabhang des indischen 
Kaukasos an die Nordwestecke des eigentlichen Kaukasus und 
den nördlichen Ozean versetzen lassen mussten. Wahrschein- 
lich geht auf den Mythographen auch die Vorstellung zurück, 
dass sich die Maiotis weit nach Norden erstrecke, der wir 
später bei Artemidor und Ptolemaios begegnen*). Jedenfalls 
Hess er aber die Nordküste von Keltike bis nach Skythien und 
in die Nähe der Maiotis reichen. Bei dieser Voraussetzung ver- 
stehen wir die Fragmente Plin. h. n. 6, 34 : ab extremo aquilone 
ad initium orientis aestivi Scythae sunt, extra eos ultraque aqui- 
lonis initia Hyperboreos aliqui posuere, pluribus in Europa dictos. 
primum inde (seil, ab Europa) noscitur promonturium Celticae 
Lytharmis, fluvius Carambucis ^), ubi lassata cum siderum vi Ri 
paeorum montium deficiunt iuga, ibique Arimphaeos quosdam 
accepimus. Diodor. 2, 47, 1 : twv yh^ xaq italaiaq (ivd-oloylag 
avayeyQa(p6x(ov ^Enatatog %al nveg sxeqol cpaGiv iv xolg avxLitEQag 
xfig KeXxLKfjg xonoig %axa xbv wKsavbv elvai vri^ov ov% iXdxxoi) xrjg 
Zi^eXiag. xavxriv vnaq%eiv fisv %ccxcc xccg aQKXovg^ KccxoixsLöd'ai, öe 



1) Arrian 3, 30, 7. Plut. Alex. 44. 45. Strab. la 7, 4 p. 509/10. 
6, 49. Vgl. schon Aristot. meteorol. 1, 13 (oben S. 244). 

2) Arrian 3, 28, 8 : ticcl Jdag tovg inl xäds tov Taväidog itoxa^ov 
BTtoL'Kovvxag. Strab. la 9, 3 p. 516: ^aol &h tovs ndgvovg Jdag ftfra- 
vdarag slvca ix x&v vTthg xfjg Maiwridog ^ccätv, ovg ^avdiovg r) Ua- 
Qiovg xaXovöiv ■ ov ndvv d' ob/xo^dyTjrat /idag slvai xivccg x&v VTtkg 
tfig MccLoaxidog E'nvQ'aiv. Überarbeitet ist letztere Ansicht bei Gurt. 
VI 2, 13—14. Vgl. Gutschmid, Gesch. Irans 31 A. 3. 

^) Arrian. 3, 30, 7, Strab. m 1, 4 p. 510-, auf den europäischen 
Tanais übertragen bei Theophanes von Mitylene (Strab. la 2, 2 p. 493) 
und Theophanes Chronogr. p. 356, 24—25 ed. de Beer. Vgl. Ost- 
europäische Streifzüge S. 153 A. 3. 

4) Vgl. Müllenhof f, D. A. I 355 ff., II 170. 

^) Der Name Carambucis, Kaga^ißvaag lässt sich aus dem Ossetischen 
ableiten; vgl. kälin, -un „sich ergiessen", Causat. kaiin, -un „ausschütten, 
ausgiessen". Ws. Miller, Die Sprache der Osseten S. 57. 58 im An- 
hang zum Grdr. für Iran. Phil. Bd. I. 



Untersuchungen zur Geschichte von Eran. 251 

VTcb Tcov dvofia^O(iev(jDv ^TTtSQßoQSCov ccTcb tov TtOQQcateQCo Kstöd'aL 
rrjg ßoQslov Ttvorjg' ovöav S' avrriv evysLov te %a.l TtdficpOQOv ktX. 
Steph. Byz. p. 267, 12: ^EW^olcc, vijiSog '^IHsQßoQEcov, ovk ekäööov 
Zvaekiag, vtceq 7tora(iov Kaqa^ßv%a' ot vrjCLmaL KccQccfißvKai, arcb 
tov Ttora^ov, wg ^E%cctatog 6 'AßöfiQLtrjg. 

Die oben postulierte geographische Vorstellung wird uns nun 
in der That von Plutarch ausdrücklich bezeugt , der darin , wie 
Müllenhoff gezeigt hat, keinem Geringeren als Poseidonios ge- 
folgt ist. Der berühmte Stoiker, der bei seinen ethnologischen 
Kombinationen aus Namensanklängen ebenso weitgehende Folge- 
rungen zu ziehen wusste als unsere Assyriologen, leitete die Kim- 
bern von den alten Kimmeriern ab, und beginnt die Begründung 
dieser Hypothese mit folgenden Worten : elöl d' oV Kai xr\v Kelxi- 
%r\v ÖLcc ßdd'og %coqag kciI ^iysd'og dito X7]g l'^ca-O-fv ^aldöGrig Kai 
t&v VTtccQKttcov KXLfidrcov TtQog 7]ltov dviGyovxa kccI rriv IVLaimriv 
B7Ci6XQE(pov6av aTtxsöd'ccL XTJg IIovxLKTJg EKvQ-lag XsyovßL KaKstd'Sv 
xd ykvy] ^s^iyjd'aL. Tovxovg i^avccaxdvxag ovk ek fiLäg OQfirjg ovöh 
övvE%a)g an' k'xovg &Qa Kad^ EKaaxov ivmvxbv slg xovfJLTCQOöd'Ev 
cceI ')(^coQ0vvxccg noXifico y^qovoig noXXolg etceXQ'eIv ttjv 7]7tELQ0v ' 6l 
Kai TCoXXdg Kaxd ^EQog ijtLKl'^öEt.g e%6vx(ov KOLvrj KEkxoöKvd'ag 
xbv öxQaxbv wvoiA-a^ov ^). Jene ethnologisch-geographische Theorie 
scheint sogar noch in der fränkischen Trojasage nachzuwirken, 
deren Trümmer uns beim sog. Fredegar, im Liber historiae Francorum 
und bei Aethicus erhalten sind. Denn wenn die Stammväter der 
Franken von Troja aus zunächst zu den Ufern des Tanais und 
den maeotischen Sümpfen gelangen und in der Nähe der- 
selben eine Stadt Sicambria bauen und weiterhin bei den maeo- 
tischen Sümpfen mit den Alanen kämpfen ^) , so kann dies nur 
auf einer älteren Form der Fabel beruhen^), in welcher die 
Sugambern als Stammväter der Franken mit den Kimbern und 
Kimmeriern zusammengebracht waren, sei es, dass man sie mit 
den Kimbern zusammen aus dem Lande der Kimmerier an der 
Maiotis, das später die Alanen inne hatten, auswandern Hess, sei 



1) Plut. Mar. 11. Vgl. Müllenhoff, DA II 169 ff. 

2) Liber hist. Francorum c. 2 ed Krusch, M. G. SS. rer. Meroving. 
t. II 241, 20 ff. Aethicus c. 103 p. 77, 26 ff. ed. Wuttke. Pannonien 
als Heimat der Franken ist aus Greg. Tur. II 9 höchst ungeschickt 
eingeschoben. Die Fabel , auf welche hier angespielt wird , ist nach 
Birt, Rh. Mus. N. F. 51, 1896 S.524f. vermutlich von den Galliern auf die 
Franken übertragen; vgl. lustin. 24, 4. Aethicus lässtden Francus und Vassus 
von Alba Longa über Raetien nach den Einöden Germaniens gelangen 
(vgl. Tac. Germ. 3), dann heisst es: laevaque Maeotidas paludes de- 
mittentes more praedonum pyr[r]aticum et fero fisorum atque latronum 
degentes urbem construunt; Sichambriam barbarica sua lingua nun- 
cupant idem gladium et arcum, more praedonum externorumque positam. 

^) Dass die fränkische und gallische Trojasage eine noch über die 
Gründung der colonia Ulpia Trajana (Xanten) hinaufreichende Vorge- 
schichte hat, hat Th. Birt erwiesen: Rh. Mus. N. F, 51, 1896, 506—520. 



252 J« Marquart, 

es, dass man sie direkt von den Kimbern ableitete ^). Diese Fabel 
ist dann mit der trojanischen in höchst roher Weise verquickt 
worden ^). Bei Fredegar sind an die Stelle der Alanen die Türken 
getreten, die im Jahre 576 bis zum kimmerischen Bosporos 
herrschten, nachdem sie die Alanen unterworfen hatten ; als eine 
Abzweigung von ihnen gelten die Awaren an der Donau ^). 

Zu S. 103: Der Passus „Vielleicht hängt*' Z. 29 bis „eine 
zufällige sein" S. 104 Z. 14 ist zu streichen. 



^) Vgl. die Etymologie bei Aethicus 1. 1. : Sichambriam barbarica 
sua lingua nuDcupant id est gladium et arcum , welche den Namen in 
szca „Sichelschwert" und camhria zerlegt. Vgl. Birt a. a. 0. S. 514 f. 

^) Die Alhani bei Aethicus gehören von Anfang an in die troja- 
nisch-römische, die Alani des Liber bist. Francorum in die maeotische 
Fabel. Auch die sog. fränkische Völkertafel (s. Müllenhoff, DA. 
III 325 ff.) knüpft, wenn auch in äusserst abgerissener Weise, an Alba 
Longa an. Denn Alaneus, der erste König der Römer, der in E Muljus, 
in A Analeus heisst, ist niemand anders als Amulius, der letzte König 
von Alba Longa, und sein Sohn Papulus ist Numa Pomp ilius. In 
E, F und bei Nennius werden von jenem auch die drei Brüder Ermi- 
nus, Inguo und Istio abgeleitet, was auf eine Benutzung von Tac. 
Germ. 2 weist, wie die Einwanderung der Troer über Raetien nach 
Germanien bei Aethicus p. 77, 25 auf Tac. Germ. 3. Eine Genealogie 
bei Nennius macht den Alaneus zum Urenkel des Numa Pompilius. 
Beim Barbarus Scaligeri (Eusebii Chron. I app. VI p. 199. 218 ed. 
Schöne) ist Francus Silvius der fünfte König von Alba. Es ist freilich 
ein gewaltiger Sprung, wenn auf Papulus unmittelbar Egetius, Egegius 
und Siagrius, d. i. die drei letzten Vertreter der Römerherrschaft in 
Gallien Aetius, Aegidius und Syagrius folgen, aber doch noch lange 
nicht so schlimm, als wenn der Verfasser des Liber historiae Franco- 
rum die Franken Marchomiris und Sunno (Gregor, bist. Fr. II 9) zu 
Söhnen des Priamos und Antenor macht (1. c. p. 244). 

^) Chronicarum quae dicuntur Fredegarii II 4 — 6 M. G. SS. rer. 
Meroving. t. II p. 45, 18—46, 27. DI 2 p. 92, 1—12. Der Name des 
Eponymus der Türken Torquoth oder Torquotus erinnert an die chine- 
sische Form des Türkennamens: Tut-hut, d. i. Turkut. 



Verzeichnis der behandelten Namen und Glossen. 



Abdagases 80 A. 3. 

Abdus 81. 

Acbatana 152. 

Adukanis 182. 

Amalcbius 84. 

An-ts'ai 83—85. 240 f. 

Anzan 155 A. 

Anzean-zor 138 A. 1. 

Arabion, castellum Arabionis 233. 

Arasmi 241. 

Arevbanos 233. 

aric 104 A. 3. 132 A. 2. 

Ariobarzanes 34. 67. 72. 

Arkadris 154. 

Arsi 85. 241. 

Arzoae 85. 

Asagarta 174. 176 A. 5. 

Asguzäia 112. 

Asmaka 247 A. 

A^rina 162 A. 2. 

Azdgar 217. 



bagajäda 132. 135. 
Bagajaric 132. 
Bardija 136 A. 5. 
Birastes 217. 
Bohtän 173. 
Buebar 217. 



Cambades 165 A. 4. 
Cambalidus 165 A. 3. 
Camissares 106 A. 4. 
Chaltojaric 104 A. 3. 132 A. 2. 
chän, chäna 180. 
Charrae 34. 67. 
Croucasis 81. 
Öen-bakur 6. 



Dm 215 A. 7. 
Drstamat 237 A. 4. 

Ebimaris 217. 
Enzi, Enzite 138 A. 

farnah- 184 A. 
Frasargida 155 A. 
fräta 121. 198 A. 1. 

Oamir 112 A. 1. 
Gandumawa 180. 
Garmapada 129. 
gas 80. 

Graugamela 25 A. 
Gögmal 25 A. 
Gometes 146. 
Gurubä 244. 
Gylaces 237 A. 4. 

Habirdip 137 A. 
Hajr mardpet 236. 
Hal-Habirdipe 137 i 
Hartukka 185 A. 
Hrotic' 199. 
Hutana 162 A. 1. 

Istunda 117. 



janc s. aric 

Jautijä 144. 169. 174. 176. 

Kampanda 165. 
Kapisa 180. 
Käpisakänis 180. 
Käsak 27 A. 141 A. 5. 
Kasp 27. 141 A. 5. 
Kes 29. 



254 



J. Marquart, 



Krmäna 144. 176 A. 5. 
Kukajaric 132 A. 2. 
Kurd b. Mard 137 A. 173. 



Laböbnä^Sl A. 2. 
Lusat'aric 104 A. 3. 



133 A. 3. 



Maenacha 67. 

Maka, Mäkara 174. 

Mard s. Kurd b Mard. 

Mareri 205. 

Märgandak 72 A. 3. 

Margazana 182. 

Maria 63. 

Msi'O'rawäka 17. 

Mcurk' 236. 

Mel 236. 

Memarmali 67. 

Mergis 137 A. 146. 

Mokk' 174. 

Moscheni 174 A. 4. 

Muzri 15 A. 4. 101. 104. 236. 

Mzur 15 A. 4. 237. 



Nagae 44 A. 2. 66. 
Nisäja 158 ff. 
Nissä 160 A. 2. 
Nysa 243. 248. 



Olakan 236. 
Olotoedariza 133 A. 
Oropastes 146. 
Otene 174. 



Pahlaw 170 A. 1. 
P'an-lo-tu-lo 246. 
Parad^äta 76. 
Parapanisos 95. 248. 
Pariani 144 A. 4. 
ParTsTqäje 216. 
Par-iiparaesanna 73. 
Pastün 177. 
Patus'arra 72. 
Pesdäd 76. 
Phasiace 217. 
Plinos 78. 
P'ok-tat 175 f. 
P'o-lo-si-na 75. 
Pouruta 73 f. 175. 
Psacae 88. 
Psaccani 88. 
pük, puk 198. 
Pulumäji 232. 
PuskaläwatT 179. 



250. 



Qarnnaka 184 A. 
Que 101. 

Sakäh Haumawargäh 86. 137 A» 

140. 142. 242. 
Sanatrük 18 A. 2. 218 ff. 
Sandara 105 A. 5. 
Sandaramet 105 A. 5. 
Sanot 18 A. 2. 
Santaksatru 88. 105. 
Sapin 216. 
Sauromaces 81. 
Scolopitus 78. 
Silices 24 A. 
Sinnaces 81. 
Sitrae 24 A. 
späh 18 A. 2. 
Sppntaza 105 A. 5. 
Stranga 233. 
Su-p'an-fat-sut-tu 248. 
Sata-upairi-saena 73. 
Salätura 246. 

Tardamü 106. 
Teuspä 105 A. 5. 
Tii-aric 132 A. 2. 
Tuktamme 105. 
Tunäia 113. 

Ustanni 115 A. 162 A. 1. 

Volagases 80. 

Wachsuwarja 26 A. 2. 41 A. 
Wal-arsapat 226 A, 2. 
Wehkart 76. 
Windahfarräh 183 A. 4. 

Ziata 15 A. 5. 
Zit'-aric 132 A. 
Zutarimaj 133 A. 



AlyXoL 171 A. 1. 

Aivia 174 A. 4. 

'AXoyovvri 80. 

"AiiagäoL 25 A. 29 A. 57. 137 A. 

'Aaßdtai s. Aa^ißccyaL. 
'A[i\LiväTir\g 36. 
AiiÖQyri? 86. 137 A. 138. 
'A[ivQyLoi 86. 
'A^cpiGGTivri 138 A. 
"AoQvog 86. 
"AoQöoi 85. 240. 



Verzeichnis der behandelten Namen und Glossen, 



255 



'AiiaQvxai 175. 

'ÄQ^irig 233. 

'AQa%tox6s 176 A. 4. 179 A. 2. 

'AqpuvoTtoUg 232. 

'AQyl^Ttccoa 90. 

'AgyiTCTtcctoi 90. 

'Agi^aanoi 90. 

'AQiisvia 7] ßQccxvteQa 218 A, 2. 

'Agatvog 236. 

'Agattig 241. 

'Agta^iag 93. 

'AgtacpQEvrig 161 A. 2. 

'AönccCLOL 247 A. 

'Aeaaxrivol 247 A. 

'A6tdö7C7]g 161 A. 2. 

'AßtQdiiipvxog 211. 

'AöXQriyrig 233. 

^^raqp^^vT]? 73 A. 1. 4. 

Avto(pQabdx7\g 64 f. 86. 

£«i'^o/?7]a;7] 245. 247. 
£a(»^a(3p(>a^ai;7j? 185 A. 
BaQ^cccpQcivrig s. BaQ^a(pQa[idvrig. 
BaQüdvLOL 143 A. 1. 144 A. 4. 170 

A. 2. 
Ba<;yo^da()^^a 133 A. 
Bov/xcodo? 25 A. 
BoXixai s. KaßoXtxai. 

rdßccv 32. 

Fcc^aytrivr} 108. 
FsQ^dviOL 144. 176 A. 5. 
roitrdff'ü^og 90. 
Fovpaiog 245. 
F(i)(»i5a 245. 

^«(Jtxat 28 A. 175. 

Jccd'ovocc 212. 

^avor 113. 

JuQstxai 28 A. 

JacpiQvrig 161- 

zr^p|?txss 139 A. 1. 170 A. 2. 

'Eußdxccva 152. 
'Ecö()£rrat 178. 

©a^avaloi 144. 176. 
Gcc^döLog 106 A. 

'Idvdv6og 93. 

'Wav'd'vpffo? 93. 

'/^(J'ot ot svSaiiLovsg 232. 

KaßoXtxcci 178. 
lCa^aft|3vxas 96. 250 A. 5. 



Xa(T7ra7rv(>os 140. 178. 242. 246 A. 3. 
XaffTTtot 27 A. 3. 140 ff. 
KoXd^aig 79. 

Aaßddvrig 80 A. 3. 
Aa^ßdyaL 178. 
yfajraTfg 78. 
AsvTtoavQOi 108, 
Aiyvsg 109. 
Avydaybig 105. 

liccyo(p6vLa 132. 135. 

Mamo'Tjs 122. 

Matd^aTTjs 122. 

Ma^aqptg 137 A. 

Ma9(5^t? 137 A. 

Ma(.^ot 25 A. 40 A. 2. 57. 137 A. 

s. auch 'A^Lag^OL. 
Maaoaykai 77 f. 136. 240. 
MaxLavT] 100. 
MsQSlag 137 A. 
MEQcpig 137 A. 
Mt'O'^axai'o: 129, 
MvTioi, Mv^ol 174. 



NaTtdxai 78. 
Nrioaia 66. 72 A. 1. 
NLcpdxrig 186 A. 



OAXpO 26 A. 2. 
OloQTtaxa 79. 
'Ofia^yrjg 86. 137 A. 
'Ojxaprr]? 241. 
'OvcccpEQvrig 80. 
'Olva^Tr]? 26 A. 2. 
'Oivd'atrr]? 26. 
'o|v(y()aa?^ot 27 A. 
'Oaxdvrig 162 A. 1. 
Ovixia 174. 
OvgßavoTtoXtg 232 f. 
O'l;1r^o^ 144. 174. 



itayaii] 18 A. 2, 
naßdxrig 145 A, 4. 211. 
TId'üxvsg 175 ff, 
naxxvi-Kri 171—175. 178 f. 
ndXoi 78. 
Uavd'iaXaioi 80. 
JTai;|ov'0'7]g 145. 
IIagaixay,r\vri 33. 
UaqaXdxai 79. 81. 
UaQyvfjxcci 178. 
IIccQiiLarjg 73. 
UciQvaöGog 76. 



256 



J. Marquärt, 



UaQvriöog 75. 
IIccQOvritcil 74. 
UaQovtai 74 A. 1. 175. 
JJdQöifitai 177 f. 
IIaQtuvtL%rivri 40 A. 2. 
UaQvdÖQri? 72. 
TlaGccQyddai 154 A. 5. 
nccoiQssg 216. 
Ucctitsi^rig 145. 
nXri^vQLOv 245 f. 
TIoXvfiLog 232. 

'Pfvlt^'a^ot 79. 
'Pco^oXocvoi 79. 

UayccQTLOL 24 A. 

IJavdcDxrig 88. 105 A. 5. 

2aQCc^dvvri 63. 

^a()|3a 60. 

^«xt;j'dtaj;ds 72. 137 A. 

UiyQLccv^, ZiyQiavLy,ri 23 und A. 4. 

2iyvvvoL 171 A. 1. 

2;t(ytx£s 24 A. 

HiXcc-Krig 81. 

SiQvyh, 62. 

27x0^0? 79 A. 4. 112 A. 2. 

I^-aoloxoi 18 {. 

Zytv&cci 112 A. 2. 

2;(t£(»'^iS 145. 

2J^SQSoiiEvrig 186 A. 

2;o?^d^a^a 105 A. 5. 

2Jov6icc 65. 

cttov 90 ff. 

^v(y()ot 178. 

^Jgjfrda^ari]? 108 A. 5. 136. 

Tccßirivri 42 A. 3. 

Tayat 21. 54. 

TalccßQÖ-Kri 63. 

Ta;z|Jvtot 247. 

Tavvoi,dQyirig 138. 

TaTTt] 21. 63. 

Tci:tovQOL 28 A. 33 A. 3. 40 A. 2. 

50. 57. 
TsQ§i66oi 139 A. 1. 
TriUßoag 236 
TovQLOvccg 81 A. 3. 

"Titavig 94. 
'T(7irt^?;7]s 162 A. 1. 

^QCX.VL7Cdt7]g 185 A. 

^ojxAts 179 A. 2. 

XoaffTTT]? 244 ff. 248. 
XoQoavri 40 A. 2. 71 A. 4. 



XcoQaiivccioi 143 A. 5. 
Xcö^oftt'd'pTjvrj 24 A. 72. 

WsvScCQTUKTl 88. 



Ossetisch. 

äfsad 88. 

ary 86 A. 1. 

art' 88. 

fallag 95. 

fandag 93. 

fuss 90. 

jäfs 88. 

kaiin, kälin 250 A. 5. 



Armenisch. 

utqiuinuqq^ 82. 
UMnuniuMn.puMi-2 82. 
llutpj-'builiu/blt^ 82. 



Chwarizmisch. 



^j\ 199. 



199. 



U:>.3^ 198 A. 2. 



L^^J 



UȆ 198 A. 2. 199. 



^^i>L5Lj 198 A. 3. 



Sogdisch und Faryanisch. 
gobi 198 A. 3. 
i>^ 198 A. 4. 201. 



ry' 



198 A. 4. 201. 



c>.>wv J 200 A. 3. 



js 6 A. 2. 201. 
^ÜCx5 129. 198. 



jy- 



*5 6. 134. 



jJ 200 A. 1. 

c jiL^/3 198. 
^AA/) 200 A. 3 



Verzeichnis der behandelten Namen und Glossen 

oLLii 53. 



257 



SagzT. 



I5 j^LorJf 199. 
I^Li^j 199. 
I3 199 A. 1. 

Persisch-arabisch. 

^L^^^l 234. 
^*>d^Jt\ 27. 29. 33. 
^^jlXj^I 32. 
j^ 6 A. 3. 
J..gjL*j 6 A. 2. 
^j^ij 6. 134. 
^^jXa^^^j 127 A. 2. 
»^-t^I^AaJ 71 A. 1. 
(ji-j^ 240. 
^t^71. 

^/^ L5'^ 160. 
Oj;!^ 62 A. 1. 
L5jL-w 62. 
^•jU^il 228. 
JüäIaJI ,ii 103. 



^4^*^ 62. 
'Jctl\ 160. 



,ji^^.«.i3 56. 

^;V«v\Af: 180. 

Oljujl^ 4 A. 3. 

^jAj^5 32. 

c>^jJS 28 A. 

^xJ>^j}>iA 24 A. 

Oj^L« 214 A. 6. 

^Lo^A^Lc 56. 

iCxläJl ^^ 159 f. 

^5j/> S^j^ 15 A. 4. 101. 103. 

iCAX>Ü 59. 
^^Li^ 180. 
Oj^L^ 214 A. 6. 

Aramäisch. 
wJiQ:^/ 81 A. 2. 

>^V, >^^jj JjQ^X> 234. 
T35Ü3N 112. 
wO^^ODOlOj 232. 

•^"m^m 26 A. 2. 
nn-ism 86. 
♦Jt;. 11. 



Philologus Supplementband X, Erstes Heft 



w*^flO h^ jo;d 240. 



17 



258 J- Marquart, Verzeichnis der behandelten Namen und Glossen. 



Q2\ 81. 

lOQZii. 81 A. 2. 
t^QuOpO 10. 

^'^-! • -ipnit: 121. 
JOO^O^-JD 17. 

^m,ct> 10. 

. nt<Y> 81 

"jDO (-|DD nnr) 115 A. 

V^Q3-»CD, w.O^;CY> 63 A. 



♦^ tZi^ 11. 80 A. 3. 
©♦Ski. 81. 
J^-Qi. 80 A. 3. 
9^A2^ 11. 80 A. 3. 
•♦oja^ 217. 
Nmn-is 121. 

loOO^ 176 A. 4. 

nt)^nn (i73n-in) loe. 
■^2nn 114 A. 1. 






Druck Ton G. Kreysing in Leipzig. 



DIE 



ÜBERLIEFERUiNGSGESCHICHTE 



DES HORAZ 



VON 



FR. YOLLMEß. 



Philologus, Supplementband X, zweites Heft. 18 



'Cum . . . pauci veteres scriptores traditione, ut ita dicam, 
tarn firma et certa ad nos propagati sint quam Horatius, cre- 
das, emendationi in eo exercendae iines satis angustos prae- 
scriptos esse' M. Hertz, ind. lect. Vratislav. 1889 p. 6. 'Bei 
einem so gut erhaltenen Texte, wie es der des Horaz ist, spielt 
die emendatio oder die divinatorische Kritik keine große Rolle, 
aber eine noch geringere die recensio oder die Zurückführung 
des Textes auf die älteste und treueste Form der Ueberliefe- 
rung. Aber gleichwohl darf doch auch bei Horaz die recensio 
nicht ganz vernachlässigt werden' W. v. Christ, Horatiana, 
Sitz. Ber. d. bayr. Ak. d. Wiss. philos. bist. Classe 1893 I 
p. 83. 'Für Conjecturalkritik ist im Horazischen Text wenig 
Raum' W. S. T eu f f e 1-Schwabe, Gesch. d. röm. Litt.^ p. 502. 
'Die Kritik des Horaz beruht auf dem codex antiquissimus 
Blandinius' M. Schanz, Gesch. d. röm. Litt. H V p. 125. 
'Happily the text of Horace is one in which, if some points 
must always remain in uncertainty, the uncertainty is of a 
very bearable kind. The worst result of a bad judgement 
will usually be only to prefer the least probable of two rea- 
dings, either of which has much to say for itself, . makes good 
sense, and has been supported by great scholars' Horace, by 
E. C. Wickham, I p. XIII. 

Diese kurzen Citate geben wohl die Hauptgedanken der 
gedruckten communis opinio über Horazkritik wieder; den 
überlieferten Text anzuzweifeln oder gar eine Conjectur im 
Horaz zu machen gilt noch heute in weiten Kreisen als Spie- 
lerei oder beinahe als Blasphemie ; Gewohnheitsmeinungen 
entscheiden: Bentleys und Meinekes kühnes Angreifen der 

18* 



262 Vollmer, 

üebeiiieferung gehört der Geschichte an, um zu schweigen 
von Hofman-Peerlkamps Athetesen ; im Horaz-Text 'giebts 
nichts mehr zu tun', höchstens wird gelegentlich zwischen zwei 
handschriftlich bezeugten Lesarten gewählt , sonst müssen 
Haupt- Vahlen's, Hertz', L. Müller's, Kiessling's Texte als Grund- 
lagen für sachliche und sprachliche Behauptungen und Unter- 
suchungen genügen. 

Und doch ist die kritische Ausgabe des Horaz schon 
1864—69 erschienen (P ed. K e 1 1 e r - H o 1 d e r 1899): dort 
lag das kostbarste Material, mit unendlichem, nie genug an- 
zuerkennendem Philologenfleiße zusammengebracht, vor. Wa- 
rum lag es, von kleinen Erträgen hier abgesehen, brach? 

Aber lag es denn brach? Ein Beispiel möge zeigen, daß 
nicht einmal die recensio zu Ende geführt worden ist. Ich 
habe noch keine nach Keller-Holders grundlegendem Werke 
erschienene Horaz-Ausgabe kennen gelernt, in der nicht (wie 
bei K.-H.) nach den ältesten Drucken zu lesen wäre carm. 
1,8,1 

Lydia^ die, per omnis 
te deos oro eqs. 
Und doch ist der gesicherte Beweis in dem von Keller-Holder 
und ihren Vorgängern zusammengetragenen Material beschlos- 
sen, daß diese Fassung der Verse nicht die des Horaz, sondern 
die eines Karolingischen Glossators ist. In v. 2 haben alle 
unsere guten Hss. beider Klassen, wie ich sie unten scheiden 
werde, Jioe deos vere; aber das besagt nicht sehr viel: aus- 
schlaggebend ist, daß im 1. Jahrh. nach Chr. Caesius Bassus 
(gramm. VI 270, 14) und nach ihm Victorinus (ibid. p. 87, 15. 
166, 1) und Fortunatianus (ibid. p. 300, 27) mit ausdrück- 
lichen Worten diese Lesart bezeugen, indem sie sie be- 
handeln und von ihr ausgehen^). Und aus derselben Quelle 
stammen die nicht ausdrücklich die fraglichen Worte sichern- 

^) Im kritischen Apparat von K.-H. ist diese Tatsache, wie leider 
auch so viele andere bleicher Art, dadurch verschüttet, daß die bloßen 
Worte der immer wieder nach dem Schultexte interpolierten Lemmata 
der Metriker als den ausdrücklichen Meinungsäusserungen gleichwertig 
verzeichnet sind. Kein einziger der von K.-H, für te deos oro oder hoc 
deos oro angeführten Grammatikernamen bezeugt wirklich diese Lesarten. 
Ebenso haben die Metriker in den Lemmata z. B. die falschen Lesarten 
1, 20, 1 potabis, 1, 23, 1 Vitat. 



Die Ueberlieferungsgescliichte des Horaz. 263 

den Zeugnisse des Diomedes (gramm. I 508, 37. 520, 27) ^). 
So verstehen sich denn leicht die aus dieser alten Ueberliefe- 
rung entstandenen zwei verschiedenen späteren Fassungen : hoc 
deos oro (oti) und te deos oro FAl (lemma Porph.) : sie stellen 
nur zwei verschiedene Stadien des Eindringens der zu der Be- 
schwörung per omnis deos übergeschriebenen Glosse te oro dar. 
Es leuchtet ein, wie wichtig die recensio dieser Stelle für die 
Wertung der Hss.- Gruppen ist. 

Dies für den Zustand der gebräuchlichen Horaztexte wirk- 
lich bezeichnende ^) Beispiel ist aber nun leider nur ein Bei- 
spiel, nicht eine Ausnahme: es gehört zur Tragik der Geschichte 
auch unserer Wissenschaft, daß fast übermenschliche ä%-Xoc 
den bewundernswerten Ringer im letzten Augenblick um den 
Siegespreis betrügen. So ist es mit der Keller-Holderschen 
Horazausgabe gegangen: im siebenten curriculum sind die 
Rosse ausgebrochen und der Wagen hat die creta nicht er- 
reicht. Wir danken den beiden emsigen Gelehrten eine fast 
überreiche, höchst fruchtbare, aber noch nicht bis zu Ende 
durchgearbeitete und darum hie und da trügerische Stoffmasse; 
zu leisten bleibt die Geschichte und damit die Kritik dieser 
Ueberlieferung mit der recensio des Textes : dann wird sich 
zeigen, daß auch der emendatio noch genug zu tun bleibt *). 

Daß es so mit dem Horaztexte steht, wird, um von den 
Griechen zu schweigen, den nicht überraschen, der weiß, wie 
es mit den übrigen lateinischen Klassikertexten bestellt ist: 
d i e Autoren, für welche Ueberlieferungsgeschichte und recen- 
sio in guter oder auch nur in ziemlich ausreichender Weise 



^) Mit völlig treffendem Urteil hat diesen zweiten Vers schon ge- 
legentlich im Jahre 1869 behandelt Usener Rhein. Mus. 24, 337, ohne 
freilich der Sache weiter nachzugehen, weil es ihm auf anderes ankam. 
Von falschen Voraussetzungen aus besprach die Stelle W. v. Christ, 
die Verskunst des Horaz, Sitz. Ber. bayr. Ak. 1868 I p. 26, 4. 

^) Daß mit diesem Urteile keinem der durch sachliche oder sprach- 
liche Beobachtungen ausgezeichneten Horazforscher zu nahe getreten 
werden soll, brauche ich wohl nicht zu versichern; die recensio war 
eben nicht geleistet, das führte alle in die Irre, die sie geleistet glaubten. 

*) Ebenso wie ich urteilt F. Leo, Gott. gel. Anz. 1904, 849 ff., 
durch dessen Güte mir seine Abhandlung zuging, als diese meine Unter- 
suchungen schon einige Monate geführt worden waren. Auf Leo's eigne 
Skizze der Ueberlieferungsgeschichte des Horaz werde ich unten zurück- 
kommen, da ich in wesentlichen Punkten zu andern Ergebnissen ge- 
langt bin. 



264 Vollmer, 

geleistet sind, lassen sich an den Fingern herzählen ; die über- 
wiegende Masse, ich nenne nur Terenz, den größten Teil von 
Cicero und Livius, Ovid, harrt noch der bis ans Ziel dringen- 
den Arbeiter. 

Ich will im folgenden den Versuch machen die wichtigsten 
Zeugen über die Haupttatsachen der Textgeschichte zu verhö- 
ren : von vorn herein muß ich mich auf die Hauptsachen be- 
schränken aus dem Grunde, weil ich die Hss. des Horaz nicht 
selbst gesehen und verglichen ^) habe, andrerseits die Hss.-Be- 
schreibungen bei Keller-Holder für genauere Untersuchungen 
nicht ausreichen. Freilich läßt sich bezweifeln, ob es je ge- 
lingen wird die Derivationsverhältnisse aller einzelnen Hss. 
mit Sicherheit festzulegen : jedenfalls gehört die Aufgabe ins 
Gebiet der mittellateinischen Philologie und läßt sich nur im 
engsten Zusammenhange mit der Kloster- und Gelehrtenge- 
schichte des 8. — 10. Jahrhunderts lösen. Das aber muß ich 
anderen überlassen. 

Naturgemäß geht der Sichtung und Wertung der Hss. 
voraus was wir von älteren Zeugen über die Geschichte des 
Dichtertextes erfahren. 

I. 

Diese indirecte Ueberlieferung^) des Horaz 
ist, soweit ich sehe, noch nirgend im Zusammenhange genü- 

^) Diese Arbeit haben Keller-Holder wie es scheint in der vorzüg- 
lichsten Weise geleistet: was mir eine Controle ermöglichte, die vor- 
trefflichen Lichtdrucke bei Chatelain, paleographie des classiques latins, 
bestätigte bis auf kleinste Kleinigkeiten die Treue und Gewissenhaftig- 
keit der Vergleicher. Zur Nachvergleichung von B lieh mir Traube den 
herrlichen Band der Hagen-Sijthoffschen Ausgabe: den Oxon. hat mir 
für alle wichtigen Stellen M. E. A. Wi n s t edt in freundlichstem Ent- 
gegenkommen verglichen, auch die Photographie einer Seite besorgt. 
Wickhams Collation ist, wie ich vermutete, vielfach ungenau. Uebrigens 
hat 0, der aus dem XL, nicht aus dem X. Jahrh. stammt, für die re- 
censio gar keinen Wert, da er vollständig Mischhs. ist und von ^^ ebenso 
abhängig wie etwa u (Paris. 7973). Ich führe seine Varianten (0) hier 
im Aufsatze nur mit an, um dies Urteil zu beweisen, werde sie in der 
Ausgabe weglassen. Daß ich in den folgenden Listen ab und zu das 
Material kürze, bedeutungslose Einzelheiten beiseite schiebe, wird man 
mir hoffentlich nicht vorwerfen, sondern danken. Unsere Wissenschaft 
leidet heute gerade genug durch übertrieben pedantische I-Tüpfelchen- 
Zusammenstellungen. 

^) Ich übergehe in der folgenden Zusammenstellung absichtlich die 
sogenannten Nachahmungen bei Dichtern wie Prosaikern : nur die we- 
nigen Stellen, wo sie eine Variante ergeben, berühre ich. 



Die üeberlieferungsgeschichte des Horaz. 265 

gend behandelt worden ^). Ist sie auch nicht so reich und be- 
deutend wie bei Plautus ^) oder wie die von 0. Ribbeck (Pro- 
legomena p. 200 sqq.) gesammelte des Vergil, so hat es sich 
doch bitter gerächt, daß man sie vernachlässigte^). 

An ihrer Spitze stehe — Scherzes halber — Horaz 
selbst : nicht weniger als 5 ganze Verse wiederholt der Dichter 
in seinen Werken ^^), vier ganz sicher als Selbstcitate : sat. 1, 
4, 92 ego si risi (1, 2, 27) quod ineptus ''pastillos Hufillus olet^ 
Gargonhis hircum\ dann Pantolaho scurrae Nomenfanoque ne- 
poti (sat. 1, 8, 11. 2, 1, 22), weiter epist. 1, 1, 56 haec recinunt 
iuvenes dictata senesque 'laevo siispensi loculos tahulamque 
lacerto' (sat. 1, 6, 74), und carm. 4, 1, 5 desine didcium ^ma- 
ter saeva cupidinum (carm. 1, 19, 1) ; zweifeln kann man bei 
epist. 1, 6, 28 und sat. 2, 3, 163 quod (si) latus aut renes mor- 
bo temptantur acufo^ vielleicht liegt Lucilius zu Grunde. 

Wie wichtig diese Art der üeberlieferung ist, zeigt sich 
uns schon beim ersten Schritte. Denn der Vers sat. 1, 2, 27 
= 1, 4, 92 pastillos BufiUus olet^ Gargonius hircum hat die 
Doppelung der Tradition dringend nötig, um sich zu verteidigen 
gegen den zeitlich folgenden Zeugen, S e n e c a. Dieser bringt 
in den Episteln drei directe Horazcitate (sat. 1, 2, 27. 1, 2, 
114 ff., 1,3, 11 ff.); die beiden letzten stimmen zu unsern 
Hss. ^^), aber eins giebt eine erhebliche und wichtige Abwei- 
chung : JBuccillus statt BufiUus der Hss., zwar nicht ausdrück- 
lich, aber 3mal; und es ist gänzlich unwahrscheinlich, daß 
mittelalterliche Schreiber in den Seneca-Hss. einen Namen 
interpoliert hätten, den wir heute mit Mühe durch ein paar 
Steine belegen können. Auch giebt die Stelle Senecas (epist. 



'') Denn Kellers Epilegomena S. 799 bringen nur eine ganz un- 
kritische und unvollständige Citatenhäufung. Natürlich verdanke ich 
den größten Teil des Materials Keller- Holders Apparat: daß ich alles 
selbst nachgeprüft und ergänzt habe, wird sich ja wohl zeigen. 

^) Siehe jetzt die äußerst bedeutsamen Sammlungen bei Lind s ay, 
ancient editions of Plautus, Oxford 1904 S. 2—35. 

^) Wie z, B. die Verdächtigung von carm. 1, 12, 37 — 40 durch die 
Zeugnisse des Quint. Prise. Schol. Stat. einfach abgewiesen wird. 

'°) Nicht hieher gehört der aus üblicher Wendung' gebildete Halbvers 
Sanum rectegue valentem epist. 1, 7, 3. 1, 16, 21, eher sat. 1, 6, 6. 45. 46. 

") Die Abweichungen in sat. 1, 3, 14. 15 sind Schreibfehler der 
Sen.-Hss. 



266 Vollmer, 

86, 13) nicht den mindesten Anhalt zu der Vermutung, daß 
der Briefsteller etwa scherzhaft dem Rufillus des Horaz einen 
Buccillus seiner eigenen Zeit substituiert hätte. Also es bleibt 
nichts übrig: Seneca las in seinem Horaz wirklich Buccillus. 
Dann irren unsere Horaz-Hss. , denn leicht war eine Stelle 
nach der andern abcorrigiert ? Es wäre möglich , da in der 
Capitalschrift BVCILLVS schon zu RVFILLVS werden konnte, 
und ich meine, diese Möglichkeit müssen wir, wo doch, wie 
wir unten sehen werden, unser Horaztext nur auf einer einzi- 
gen Hs. des 6. Jahrh. ruht, durchaus offen halten. Immerhin 
kann, obschon andere Zeugen zu den Hss. hier nicht hinzu- 
treten, RVFILLVS richtig sein. Einmal ist auch dieser Name 
durchaus nicht häufig ; sodann aber bietet sich die Möglichkeit, 
daß wir hier die Hand des Probus verspüren. Es ist sehr gut 
denkbar, daß in der Zeit vor Seneca die falsche Lesung 
BVCCILLVS in die Hss. eindrang, daß aber von Probus aus 
guten Quellen das Echte hergestellt wurde. — Bei Sen. findet 
sich ferner ein Horazcitat in der apocolocyntosis 13 : helua 
centiceps carm. 2, 13, 34. 

Der nächste Zeuge für Horazworte nach Seneca ist C a e ■ 
sius Bassus: den bis heute verkannten Wert seines Zeug- 
nisses für c. 1, 8, 2 habe ich oben^^) erörtert. 

Eine Stelle (serm. 2,4, 12 — 14) paraphrasiert Plinius 
der Aeltere, ohne daß sich eine Variante ergäbe ^^). 

Auf ihn folgt mit einer ganzen Reihe von Citaten^*) 
Quintilian, ein deutlicher Beweis für des Dichters Ver- 



'") S.^ 262. 

^^) Die wahr sclieinl ich aus Plinius' grammatischen Werken genom- 
menen Horazcitate bei späteren Grammatikern hat gesammelt Münz er, 
Beiträge zur Quellenkritik der Naturgesch. d. Plinius S. 44 Anm. Es 
sind folgende: Plin. libr. dub. serm. ed. Beck p. 30,23. 53,10. (i2, 10. 
63, 11. 77, 9. Aus Zweckmäßigkeitsgründen und weil man nicht wissen 
kann, ob die späteren nicht eventuell nach ihren Horazexemplaren die 
Citate änderten, lasse ich hier und andern Orts die Citate ihren jetzigen 
Quellen, Charis. und andern. 

1*) carm. 1, 4, 13. 1, 12, 1. 1, 12, 41. 1, 14, 1-3. 1, 15, 24. 2, 13, 26. 
3, 6, 36. 4, 2, 11. 4, 13, 12. sat. 1, 1, 100. 1, 4, 11. 1, 6, 103 (oder epist. 2, 
1, 192?) 1, 10, 44. 2, 6, 84. epist 1, 1, 41. 1, 1, 73. 1, 5, 23. ars poet. 1-2. 
25. 63f. 139. 311. 359. 388. 401. iTjh nenne hier und im folgenden nur 
die Horazstellen, die Stellen der Citierenden sind leicht bei Keller- 
Holder oder in meiner demnächst erscheinenden Ausgabe zu finden. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 267 

breitung in den Schulen ^^). Manche dieser Citate sind frei 
(carm. 1, 12, 1. 2, 13, 26 sat. 1, 4, 11 epist. 1, 1, 73. 1, 5, 23 
ars 359. 388. 401), andere gekürzt (sat. 2, 6, 84 nee . . . cice- 
ris ; ars 25 ein paar Worte und dann et quae secunkir) ; 
Schreibfehler der Quint.-Flss. c. 1, 14, 2 accipe statt oceupa^ 
4, 2, 11 solutus st. solutis; sonst stimmen die Lesungen zu 
den Horaz-Hss. bis auf c. 1, 12, 41 intonsis, wo die Horaz- 
Hss. geben incomptis. Scharfsinnige Leute haben auch wirk- 
lich intonsis verteidigen zu können und zu müssen geglaubt ^^) ; 
es muß vielmehr völlig außer betracht bleiben , einmal weil 
es Quint. durchaus nicht ausdrücklich bezeugt, weiter weil zu 
den Horaz-Hss. als ausdrücklicher Zeuge Servius tritt und 
außerdem incomptis auch in des Charisius Horaz stand: Quint. 
hat aus dem Gedächtnisse citiert, vielleicht auch Glosse für 
Text genommen. 

Hätten wir doch irgend ein Zeugnis über eine Lesung 
des Probus im Horaz! Sie würde uns wahrscheinlich manche 
Ansicht und Aussicht klären. Jetzt wissen wir nicht einmal, 
ob seine Ausgabe eine commentierte^^) oder nur ein Text mit 
kritischen Zeichen gewesen ist : im letzteren Falle konnten 
ganz gut von ihm getadelte Lesarten unter Weglassung dieser 
Zeichen einfach fortgepflanzt werden. Nur zwei echte Citate 
haben wir von ihm: carm. 3, 27, 31. 32 hatte er im Commen- 
tar zu Vergil (Aen. 9, 373 vgL schol. Veronensia ed. Hagen 
p. 441, 15) adnotiert, von wo sie Servius übernahm; ferner 
scheint doch die doppelte Tradition (Diomed. gramm. I 400, 10 
ohne des Probus Namen; Exe. Lavant. gramm. V 326, 4 mit 
Valerius) zu beweisen , daß er in einer einleitenden Abhand- 
lung über Declination ars poet. 60 — 62 citiert hatte : die Ver- 
derbnisse im Citat kommen natürlich nicht auf seine Rechnung. 



^°) Ich verstehe nicht, wie immer und immer wieder Friedländers 
Commentar nacherzählt wird, zu Juvenals Zeit hätten die Büsten 
von Vergil und Horaz in der Schule gestanden: Juv. 7, 226 cum totus 
decolor esset Flaccus et Imereret nigro fuligo Maroni hat schon der Scho- 
liast richtig von Codices verstanden: bekanntlich fällt der Ruß (das 
heißt fuligo, nicht Rauch) schwalchender Lampen auch auf offene Rol- 
len nieder. 

*^) Z. ß. Kiessling im Commentar. 

^^) Wahrscheinliche Spuren von Probus' commentierender Tätigkeit 
wird demnächst Gudeman behandeln. 



268 Vollmer, 

Ich reihe an die Citate in den catholica (carm. 1, 4, 1. 1, 14, 

17. 1, 30, 2. 1, 36, 13 epod. 9, 22 serm. 1, 5, 46 ars 139) und 
aus der app. Probi (epist. 1, 2, 53), die keinerlei Variante er- 
geben. 

Das einzige griechische Citat zum Texte des Horaz giebt 
uns Plutarch (epist. 1, 6, 45): eine Variante ist nicht zu 
erschließen. 

Weitere wenige Citate aus dem IL Jahrh. haben Sueton 
in der vita Horati (epist. 2, 1, 1 — 4), Juvenal (carm. 2, 
19,5) S c a u r u s (ars 75) , G e 11 i u s (carm. 1, 3, 4 oder 3, 
27, 20 in den noct. Att. 2, 22, 2; serm. 1, 5, 78), Fronto 
(serm. 2, 3, 253 — 257 mit verschiedenen Fehlern, aber auch 
der richtigen Form ctihital gegen cuhitale unserer Hss.); ich 
reihe an das Citat, das Kaiser Marcus Aurelius gebraucht 
haben soll (carm. 1, 17, 13 f.). 

Eine wirkliche Variante giebt allein Fl. C a p e r zu carm. 

1, 13, 2 lactea statt cerea der Hss. ; cerea ist auch bei Serv. 
ausdrücklich bezeugt ^^). 

Aus dem III. Jahrh. kenne ich — denn Porphyrie muß unten 
im Zusammenhange mit der Horazüberlieferung behandelt wer- 
den — nur wenige Zeugnisse: C e n s o r i n citiert (17, 9) aus 
dem carm. saec. v. 21 — 24 mit verschiedenen Schreibfehlern der 
Hss., aber doch auch mit erwünschter Bestätigung von totiens 
in Klasse IL S e r e n u s der Receptendichter führt an serm. 

2, 4, 28. Sacerdos hat folgende Stellen: carm. 1, 4, 8 
mit tiisü gegen urit^ 1, 9, 7 mit deprome gegen depone, 1, 
36, 14. epod. 6, 5. sat. 1, 6, 69 ars 75 f. mit inclusa est gegen 
iuncüs, 11 ff. 90 f. 251. 254—6. 257—8. 

Im IV. Jahrh. bringt zunächst Lactantius eine Reihe 
von Stellen (carm. 1, 22, 1 — 8. 3, 3, 1 — 4 bestätigt solida^ sat. 
1, 8, 1 — 4, epist. 1, 1, 41); nur 5 Stellen giebt Nonius (1, 

18, 5 crepat ausdrücklich bestätigt gegen die Glosse increpat; 
4, 14, 27 f. mit der lehrreichen Corruptel minatur statt medita- 
tur'^^)] sat. 1, 2, 89; 1, 3, 81 ligiirrierit des Citats wegen in 
ligurrierat geändert, 2, 4, 73 frei citiert und noch dazu in den 



") Vgl. unten S. 280 Anm. 35. 
^9) Siebe unten S. 282 Anm. 39. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 269 

Hss. verderbt). Mehr hat C h a r i s i u s '^^) (carm. 1, 1, 33. 

1, 4, 1. 1, 6, 6. 1, 12, 41 mit incomptis. 1, 29, 7 f. 1, 36, 8. 

2, 18, 7 f. mit clientae gegen clientes. 3, 1, 17 f. 3, 5, 10 mit 
et. 3, 14, 19 f. mit vagacem^ was ich trotz seiner Singularität 
beinahe für richtig halte, da Charisius durch die gute alte 
Bobbieser Hs. überliefert ist; vagantem der Horazhss. kann 
Glosse sein, andere Zeugen fehlen, epod. 12, 25 verderbt, sat. 
1, 1, 94. 1, 2, 89. (nicht 1, 9, 13). 2, 2, 122. 2, 3, 245. epist. 
1, 7, 22. 1, 16, 20. ars 75. 459). Fast ebensoviel Stellen giebt 
Diomedes aus (carm. 1, 6, 6 nach andern. 1, 9, 5. 1, 33, 
2 f. 2, 7, 3 nach andern. 2, 14, 1. 3, 24, 25. epod. 2, 21. sat. 
1, 1, 94 mit Char., 1, 9, 54 frei citiert. ars 60—62. 179. 192 
mit Schreibfehler. 220 — 4 nach älterer Quelle verderbt. 220 — 1. 
275 — 7, wo des Diomedes Text richtig perundi sagt, während 
im Citat die Glosse inf'ecü eingedrungen ist. 288). 

An Char. und Diom. reihe ich eine Zahl der späteren 
Grammatiker an, deren Zeit unsicher ist, deren Citate aber ge- 
wiß zum größten Teile nicht auf eigene Leetüre des Dichters, 
sondern auf ältere grammatische Sammelwerke zurückgehen, 
Consentius führt an carm. 1, 9, 1 sat. 1, 8, 17. 1, 10, 3. 
V i c t r i n u s carm. 3, 21, 11 f. sat. 1, 2, 37 ars 73 f. 220 ff. 
(mit Diomed.), Macrobius sat. 2, 4, 34; Cledonius giebt 
nur äußerlich betrachtet mehr aus: carm. 2, 7, 3 mit andern, 

3, 5, 10 mit anderen (Wortstellung gestört). 3, 25, 2 mit 
anderen. 3, 27, 29. 3, 29, 37 mit Serv., 4, 11, 24 (epod. 4, 4). 
epod. 5, 1 mit anderen, epist. 1, 18, 79 corrupt wie bei Pom- 
peius. Dositheus hat sat. 1, 1, 94 mit anderen, 1, 2, 44 
cf. Prise; Ps. Sergius epist. 1, 15, 17 mit geänderter Wort- 
stellung. P o m p e i u s bringt carm. 1, 9, 5 mit Diom. (Jnd. 
statt Particip für das Citat), 1, 18, 15 cf. Serv., 2, 7, 3 mit 
anderen, 3, 1, 17 f. mit anderen, 3, 23, 3 mit anderen, epod. 
17, 48 mit anderen, sat. 1, 10, 72, epist. 1, 18, 79 corrupt wie 
bei Cledon. , ars 298 cf. Serv. Der Rhetor Rufinianus 
citiert sat. 1, 10, 20, Ps. Rufinian de schem. lex. epist. 1, 1, 
94 — 97. Der sog. Metrorius giebt den Yers epod. 12, 25, das 
Carmen de fig. sat. 1, 5, 23, der -Tractat de u 1 1 i m i s 



^*') Ueber Plin. und andere Quellen dieser Grammatiker vgl. oben 
S. 266 Anm. 13. 



270 Vollmer, 

syllabis carm. 1, 6, 1 mit anderen, 1, 7, 32, ars 350 (cf. 
Serv.) und 377. Agroecius hat carm. 2, 13, 21 (cf. Serv.), 
epist. 2, 2, 170 mit falscher Lesung und Interpretation. Pho- 
cas giebt nur aus älterer Quelle (cf. Char. Prob.) carm. 1, 
4, 1 ; der Tractat de dubiis nominibus citiert carm. 

2, 3, 6 f. (ausgelassen te), 4, 6, 44 und sat. 2, 4, 33 (cf. Serv.). 
Endlich hat eine Grlosse des Placidus carm. 1,33,14 mit 
dem Schreibfehler contimiit statt detinuit. 

Bedeutend ausgiebiger und wichtiger sind die großen Scho- 
liensammlungen zu verschiedenen Autoren. Freilich ist dieses 
Material nicht immer leicht zu benutzen: dieselbe Vorsicht, 
welche bei der Verwertung von Scholiennotizen für litterari- 
sche und sachliche Fragen angewendet werden sollte, leider 
oft nicht angewandt wird, ist auch bei den Citaten von nöten : 
unter den Einschiebseln und Anhängseln späterer, besonders 
Karolingischer Gelehrter, von denen unsere Scholien strotzen, 
sind auch solche mit Horaz-Citaten ; auch in den neuesten 
Ausgaben, die mit der Vorlage des handschriftlichen Materials 
nach den besten Quellen nur ihrer nächsten Aufgabe genügen, 
liest man viel falsches Gut, das nie dem Serv. Don. oder Poi-ph. 
gehört hat. Besonders schlimm steht es mit den Scholien zu 
Lucan, Juvenal und Persius, für die keinerlei verläßliche Aus- 
gaben vorliegen: in den Persius-Scholien finden sich, soweit ich 
sehen konnte, die Horazcitate fast nur in den Humanisten- 
Hss. : ich habe sie darum hier und in der Ausgabe ganz bei- 
seite gelassen , um nicht zu falschen Schlüssen zu verführen ; 
auch die Citate aus den Lucanscholien habe ich auf die Com- 
menta Bernensia Useners beschränkt, weil alles andere Mate- 
rial unzuverlässig erschien. 

Es bringt eine große Zahl von Horazcitaten zunächst 
D n a t u s im Commentar zu Terenz ^^). Hier finden wir 
carm. 1, 1, 13 f. 1, 3, 1. 1, 5, 5 — 9 (Schreibfehler Et mirabi- 
tur wie in RO). 1, 9, 17. 1, 12, 25. 1, 24, 19 f. 1, 35, 13 f. 

3, 8, 5. epod. 5, 1 f. (mit Serv. Prise), sat. 1, 4, 7. 2, 3, 216. 
2, 4, 44 (mit Fecundi^ freilich nicht ausdrücklich, gegen den 



'^^) Die Citate sind für die Ausgabe bis auf wenige , gekennzeich- 
nete, nachgeprüft in der sorgfaltigen und höchst nützlichen Ausgabe 
von Wessner. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 271 

Bland.). 2, 6, 79—81. epist. 1, 10, 47. (1, 12, 19?). 1, 18, 69. 
2, 1, 59. 2, 1, 81 (Schreibfehler der Hss.). 2, 2, 75 (zweimal), 
ars 93. Dazu geben mit verschiedenen erwünschten Bestäti- 
gungen strittiger oder in den Hss. schwankender Lesarten die 
Excerpta de comoedia (Donat. in Ter. ed. Wessner p. 25) die 
Verse ars poet. 275 — 288. Keinen selbständigen Wert hat 
das Citat der ars des Donatus zu carm. 1, 6, 6. 

Nächst Priscian die wichtigste Quelle indirecter Horaz- 
überlieferung ist der Commentar des S e r v i u s zu Vergil. 
Das erhellt klärlich aus der großen Zahl der angeführten 
Verse, rund 300, die hier alle herzusetzen keinen Zweck hat^^). 
Ich berühre nur die wegen Varianten bemerkenswerten Stellen : 
es zeigt sich , daß von den vielfachen Fehlern unserer Hss.- 
Klassen (namentlich der Gruppe ^) Servius völlig frei ist, denn 
natürlich darf man nicht Fehler, die in jeder Hs. von neuem 
vorkommen konnten, hier als Zeugen nehmen, z. B. colcJios 
statt iolcos epod. 5, 21. 

Ebensowenig können für die Geschichte der Ueberlieferung 
verwertet werden nicht ausdrücklich bezeugte Varianten wie 
carm. 1, 12, 11 Bodum statt Blandiim^ wo der Citierende nur 
das Verständnis des Citats sichern wollte. Aehnlich Nee statt 
Et carm. 1, 14, 5, Ättollens statt Et follens carm. 1, 18, 15, 
carm. 1, 34, 6 im Citat ausgelassen, 2, 16, 15. 3, 4, 77. 3, 10, 
14. 4, 6, 26. 4, 7, 25. 4, 8, 6 Qualis, serm. 1, 2. 29 tegit, epist. 
1, 2, 65 cervinam catulus statt ^em^ore eervinam; Gedächtnis- 
fehler scheint epist. 1, 3, 19 vulpecuJa ausdrücklich statt cor- 
niciila. 

An anderen Stellen bleibt unsicher, ob wir von Servius 
gelesene Varianten oder Schreibfehler der Servius-Hss. anzuer- 
kennen haben: so crepet carm. 1, 18, 5 statt erepat^ 2, 6, 18 
umhras statt hrumas^ 2, 14, 23 invisam cupresswn statt des 
Plurals, 4, 8, 6 prodidit statt protulit^ serm. 2, 6, 27 muUum 
statt certum, ars 53 cadant, 334 Et, 339 Nee, 

Sicher Fehler der Serviushss. liegen vor z. B. carm. 4, 

^^) Die Sammlungen Keller-Holders konnte ich nachprüfen an einem 
mir von Rabbow und I)ittmann freundlichst vermittelten index Ha gens: 
es zeigt sich auch hier die bewundernswerte Genauigkeit der Arbeit 
Keller-Holders, denn nur e i n Citat fehlte : carm. 1, 28, 32 vices-ipsum 
steht bei Serv. Aen. 2, 433. 



272 Vollmer, 

8, 6 — 8 (Ordnung), serm. 2, 5, 39 Fersius statt Horatius ge- 
nannt, 2, 5, 55 Plenumque^ epist. 1, 13, 19 Valde statt Vade. 

Aber von hohem Werte sind ausdrückliche Citate wie 
carm. 1, 12, 41 mcomptis (gegen Quint.) 1, 13, 2 cerea gegen 
ladea (Ca.per), carm. 2, 18, 30 sede gegen fine der Horazhss., 
3, 30, 12 regnavit, 4, 14, 28 meditatur. 

Willkommen sind natürlich auch nicht ausdrücklich be- 
zeugte Lesungen da wo die Hss. des Horaz schwanken z. B. 
serm. 1, 5, 1 accepit Serv. gegen excepit der zweiten Klasse, 
epist. 1, 7, 21 ingratos^ 1, 8, 12 uentosus^ ars 339 uelit. 

Ja directe Fehler klären unsern Einblick in die Textge- 
schichte: wenn Servius 3mal ars poet. 45. 46 in verkehrter 
Ordnung citiert d. h. ebenso falsch wie unsere Hss. ordnen, 
so geht dieser Fehler doch wohl auf die Ausgabe des Pro- 
bus zurück. So enthalten die Servius-Citate , wenn sie nur 

richtig interpretiert und gewürdigt werden, höchst schätzbares 
Material 23)^ 

Weniger zahlreich und minder wichtig sind die Horazci- 
tate in den unter dem Namen des Servius gehenden rein gram- 
matischen Schriften: vgl. zu carm. 2, 7, 3. 3, 1, 17 (auch Char. 
Pomp.). 3, 23, 3. 3, 24, 21. epod. 17, 48 (mit anderen), ars 
298; nur ars 100 wird die Bestätigung von volent gegen die 
2. Hss. -Masse willkommen. 

Hier führen uns die durch sehr alte Hss. überlieferten 
Schriften de cenhim metris und de metris Horatii (darin die 
Fehler carm. 1, 27, 1 iisus, 2, 13, 1 Malo statt lUe) auf die 
Metriker überhaupt. Sie eitleren alle ersten Verse der 
Oden und der Epoden , dazu verschiedene andere : aber alle 
diese Tractate tragen deutlich die Zeichen fortgesetzter Schul- 
und Gelehrtenbenützung, stehen zudem durch Quellenverwandt- 
schaft in engsten Beziehungen, so daß vereinzelte Zeugnisse 
über Varianten sich meist als Fehler leicht ausweisen, jedenfalls 
aufs schärfste zu controlieren sind. Daß sich trotzdem ein 



^3) Ein Urteil wie bei Keller, Epilegomena S. 799 'Desgleichen 
sind auch die bei verschiedenen antiken Schriftstellern vorkommenden 
Horazcitate, wofern sie von unserm Archetyp abweichen, sämmtlich 
ohne Bedeutung für die Textkritik' war auch im Jahre 1879 kurzsich- 
tig und unvorsichtig. Wie viel richtiger verfuhr doch schon Dillen- 
burg er, Zeitschr. f. d. Gymn. Wes. II 1868 p. 322 ff.! 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 273 

wertvolles Resultat aus ihnen gewinnen ließ, sahen wir oben 
(S. 262). Ein anderes ergiebt sich zu carm. 3, 7, 1 wo Can- 
dida bei Diomedes allein erhalten ist: es spielt sicher mit dem 
Namen Asterie, während die candidi Favonii vergeblich von 
den Erklärern mißdeutet werden. 

Ich kehre zu den Scholiasten zurück. Die Schollen 
zu Juvenal bringen carm. 1, 6, 17. 1, 38, 1. 2, 2, 5. 2, 5, 
22 f. 2, 19, 1. 4, 4, 36 (wo ihr Zeugnis für JDedecorant mir 
sehr verdächtig ist, wenn es überhaupt so tradiert ist), epod. 
8, 19 f. sat. 1, 2, 6 (wo depdlere aus der 2. Hss. -Klasse stammt: 
also das Citat karolingisch ?). 1, 9, 10. 1, 9, 78. Schwierigkeiten 
macht das Citat schol. Juv. 3, 192 proni Tiburis: in praeci- 
piti posita, ut Horatins ^clivumque supinum\ das man gerne 
auf carm. 3, 4, 23 Tibur supinum beziehen möchte, zu deni 
doch der Wortlaut nicht stimmt. Aber ein Horazfragment zu 
statuieren reicht die Sicherung der Ueberlieferung nun und 
nimmer aus (über Buch I s. u. S. 281 Anm. 37) : es wird Con- 
tamination von Citaten oder Namenverwechslung vorliegen. 

In den commenta Bernensia Lucani finden 
sich folgende Horaz- Stellen : carm. 1, 7,29. 1,10,19. 2,7, 
26 f., 4, 9, 2 in andern Lucan-Scholien, die vielleicht nicht 
minder echt, aber nicht verläßlich herausgegeben sind, carm. 1, 
1, 25. 1, 10, 11. 2, 10, 9—12. epod. 1, 1 serm. 2, 4, 29. epist. 
1, 1, 28. 1, 11, 22. ars 4. 50. 471: alles ohne bemerkenswerte 
Varianten; nur serm. 1, 3, 27 liest man eine krasse Interpo- 
lation im Voss. IL, deren Alter ich nicht zu bestimmen ver- 
mag : Ut lynx vel. 

Auffallend viel Horazverse werden in den Schollen zu 
Statins angeführt. Davon stehen einige auch bei Servius u. a., 
die Mehrzahl scheint von Placidus selbst herangezogen zu sein. 
Ich zähle alle auf: carm. 1, 13, 3. 1, 1, 14. 1, 1, 24 mit c de- 
testanda. 1, 2, 26 dreimal. 1, 3, 20 dreimal mit Bestätigung 
von acroceraunia. 1, 4, 4 (cf. Prise). 1, 7, 2 zweimal. 1, 7, 9 
mit Serv., 1, 7, 10 (Nee me statt Me nee). 1, 10, 3 nach Serv. 
1, 12, 13 miiparentis. 1, 12, 37 (cf. Prise). 1, 12, 51. 1, 14, 1 
(cf. Quint.). 1, 15, 5 (mit Proteus statt Nereus der Horazhss. 
wohl aus Porph.). 1, 15, 22 (frei gestellt). 1, 17, 8. 1, 23, 11 f. 



274 Vollmer, 

1, 27, 1 f. 1, 32, W'). 2, 3, 24. 2, 9, 10. 2, 9, 21 f. 2, 12, 22 
(cf. Serv.). 3, 2, 31 f. (cf. Serv.). 3, 4, 64 mit der Glosse (zu 
Patareus) Lyciiis statt Belius. 3, 4, 72 zweimal. 3, 16, 5 — 7 
mit dem Schreibfehler misisset. 3, 22, 7. 3, 29, 61 Addunt 
statt Addant zur Vereinfachung des Citats. 4, 6, 21 — 24 mit 
vidus. epod. 7, 17 mit der Glosse premunt statt agunt. 8, 11. 
10, 1 (cf. Serv.). 15, 21 ^'). serm. 1, 1, 68. 1, 2, 29 (cf. Serv.). 

2, 1, 26. epist. 1, 2, 57. ars 158. 

Bevor ich nun zu den reichen Horazcitaten bei Priscian 
übergehe, muß ich der zeitlichen Ordnung wegen die großen 
Kirchenväter erwähnen. Von ihnen hat besonders Hierony- 
m u s den Dichter eifrig gelesen und gern citiert : wir lesen 
bei ihm carm. 2, 10, 11 dreimal. 2, 14, 1 zweimal. 3, 3, 7 f. gar 
viermal; weiter 3, 30, 1. serm. 1, 3, 1 — 2 frei citiert. 1, 3, 68 
zweimal; 1, 6, QQ. 1, 8, 1 — 4 möglicherweise aus Lact, übernom- 
men. 1, 9, 59 mit sinnverdeutlichender Umstellung. 1, 10, 1 frei 
citiert. 1, 10, 34 zweimal, einmal freier citiert. 1, 10, 72 vertat 
statt vertas der Deutlichkeit halber, epist. 1, 1, 99 und 100 
der Bequemlichkeit wegen umgestellt. 1, 2, 40. 1, 2, 55. 1, 2, 
56. 1, 3, 31. 1, 4, 15—16. 1, 11, 27 bequem in den Singular 
gesetzt. 2, 1, 114 — 117 zweimal, ars 21. 88. 94 desaeviet statt 
delitigat wohl der Deutlichkeit halber. 133 mit richtiger Wort- 
stellung. 139 das Praesens bequemer. 147 Et statt Nee des 
eigenen Zusammenhangs wegen. 359 frei citiert. 390. 

Weniger oft wird Horaz verwendet von Augustinus: 
bei ihm lesen wir carm. 2, 2, 9 — 12. serm. 2, 7, 86. epist. 1, 
1, 36-37 zweimal. 1, 2, 40. 1, 2, 69. 1, 7, 29 mit der höchst 
wichtigen Bestätigung von vulpecula unserer Hss. ; 1, 10, 41. 
1, 16, 55. ars 390 vielleicht aus Hier. 

Zweimal nur gebraucht Symmachus Worte des Horaz: 
epist. 1, 47 Circae pocula (cf. Hör. epist. 1, 2, 23) ist kein 
wirkliches Citat, und ars poet. 1 wird frei umschrieben. 

Dagegen nimmt Ausonius in seine eigenen Werke 
hinüber carm. 1, 12, 33. 2, 3, 15. 3, 11, 38. 4, 7, 16. epod. 5, 
27 f. epist. 2, 2, 4, citiert carm. 2, 16, 27. Gewiß keinen 



-'*) Diese Verse resp. die Scholien mit ihnen fehlen in der auf un- 
genügender handschriftlicher Grundlage gemachten Ausgabe Jahnkes. 



Die Ueb erlief erungsgeschichte des Horaz. 275 

Ueberlieferungswert hat ars 141 f. moenia bei Ps. Auson 445, 
in den periochae Odysseae. 

Sidonius umschreibt frei carm. saec. 1, ars poet. 15 
und 21, citiert wörtlich sat. 2, 1, 82 ohne Variante. 

Nach Servius hat niemand eine so reiche Fülle von Ho- 
razcitaten wie P r i s c i a n u s. Sie gehen natürlich zum über- 
großen Teile auf ältere Grammatiker zurück, sind aber, wo 
diese verloren gingen, für uns höchst wertvoll. Man findet 
ein vollständiges Verzeichnis in Hertz' Priscian. II (gramm. III) 
p. 535 ff., ich brauche also hier nur die Varianten betreffenden 
Stellen zu berühren, carm. 1, 15, 5 sichert Priscians Citat die 
Lesung Nereus; carm. 1, 37, 23 ist enses statt ensem nicht 
ausdrücklich bezeugt, also vielleicht Schreibfehler ; 2, 2, 19 ist 
die Wortstellung zur Verdeutlichung der Construction geändert; 
2, 13, 5 patris statt parentis die Glosse statt des Textwortes 
abgeschrieben; 2, 13, 40 ausdrücklich timidos gesichert; 3, 4, 
69 wird wie 2, 17, 14 nicht ausdrücklich, aber durch zwei- 
maliges Citat gigas gesichert; o, 6, 10 Non aiispicatos bestä- 
tigt gegen die erste Klasse; 3, 6, 11 ist leider das an sich sehr 
gute nostris nicht ausdrücklich bezeugt, sonst würde ich nicht 
anstehen, nostros in unsern Hss. für angeglichen an impetus 
zu erklären ; 3, 6, 44 ist in aheunte nocte die Glosse zu abeunte 
curru in den Text geglitten ; für 3, 14, 14 scheint die Stelle 4, 
15, 18 zu beweisen, daß Priscians leider nicht ausdrückliches 
Citat mit ea)igit (so auch tt:) zur Bestätigung der Lesung von 
B eociget zu verwerten ist, während alle andern Hss. eximet 
geben ; freilich ist die Möglichkeit nicht abzuweisen , dass B 
und 71 ihr eoßig- aus Priscian selbst haben. 4, 2, 10 Cum statt 
Seit natürlich zur Verdeutlichung des Citates. carm. saec. 49 
wird hohiis bestätigt. Serm. 1, 2, 120 pauhmi Prise, vgl. S. 
283 Anm. 42; 1, 8, 38 veniant statt veniat vielleicht richtig; 
1, 9, 48 vivimus bestätigt ; 2, 1, 42 ferrum (nicht ausdrücklich) 
statt telwn; 2, 2, 121 ümt mit €> gegen tunc; 2, 3, 97 ne aus- 
drücklich bestätigt gegen qtie; 2, 3, 117 die Tmesis unde- 
odoginta ausdrücklich gesichert ; 2, 3, 163 zur Vereinfachung 
des Citats ind. statt coni. ; 2, 3, 310 maiore Schreibfehler der 
Priscianhss. ; 2, 5, 26 partem statt artetn dgl. ; 2, 7, 109 peccauit 
dgl.; 2, 8, 2 Wortstellung leicht verändert; 2, 8, 10 tit bestätigt. 

Philologus, Supplementband X, zweites Heft. 19 



276 Vollmer, 

2, 8, 90 zum leichtern Verständnis edit in die Form seiner 
Zeit edat geändert; ebenso epist. 1, 6, 63 Vlixis einmal der 
Kürze wegen citiert, aber an einer andern Stelle ausdrücklich 
Vlixei bestätigt; 1, 13, 6 iirat flüchtig statt uret\ 1, 17, 30 
angui bestätigt. Besonders interessant ist das Citat von carm. 
B, 17, 4 wo uns zuerst von duplex scriptura und alii Codices 
in der Horaztradition berichtet wird: Priscian sagt 6, 72 p. 256, 
16 apud Horatium diiplicem invenio scriphtram et ''fastos' 
et '•fastus' . . . ^fastus'' in aliis codicibus. Nun trifft es sich, 
daß unsere Horazhss. -Klassen ziemlich reinlich sich scheiden : 
die IL Klasse hat fastus^ die I (mit ihr XIO, die oft aus ihr 
corrigiert sind) hat fastos ^ wie auch Servius liest. Natür- 
lich würde weit in die Irre gehen wer aus diesem Zufall fol- 
gern wollte, Priscian habe bereits unsere beiden Hss. -Klassen 
vor Augen gehabt: höchst wahrscheinlich besagt seine Notiz 
weiter nichts, als daß in seinem eigenen Exemplar, das fastos 
hatte, zunotiert war al. fastus. 

Die Citate des Eutyches, Priscians Schüler, sind we- 
niger zahlreich und auch, weil ohne erhebliche Varianten, we- 
niger wichtig. Citiert werden: Hör. carm. 1, 2, 7 (cf. Serv.). 
1, 4, 4 (cf. Prise). 1, 5, 13—16. 1, 34, 3—5. 2, 3, 18. 3, 27, 
25—28. 4, 4, 34. epod. 12, 11. serm. 1, 2, 34. 1, 2, 45. 1, 3, 
66. 1, 5, 24. 1, 6, 125 (cf. Serv.). 1, 8, 46 (cf. Prise). 1, 9, 76. 
1, 10, 71. 1, 10, 79 (ind. zur Erleichterung statt coni.). 2, 2, 
10 (coni. st. ind.). 2, 7, 35. epist. 1, 12, 8. 1, 18, 40 (zerstörte 
XJeberlieferung). 2, 1, 33 {saltamus statt luctamur aus dem 
vorhergehenden Citat). 2, 1, 126. 2, 2, 159. 

Reihe ich hier noch an , daß Boethius sat. 2, 5, 59 
citiert, so meine ich die für die Ueberlieferungsgeschichte be- 
deutsamen Citate erschöpft zu haben. Denn, abgesehen von 
zwei, wie ich denke, auch abgeleiteten Citaten bei Venant. Fort, 
(ars 9) und bei Braulio (sat. 1, 4, 34), finden wir vom 6. Jahrh. 
ab außer bei Columba keine directen Horazcitate mehr bis zu 
den Karolingern. Doch davon später genauer. 

Was lehrt uns nun, abgesehen von der Controle unserer 
Hss. im einzelnen, diese indirecte Ueberlief erung ? Vor allem 
dies, daß die Tradition unserer Hss. im ganzen zuverlässig 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 277 

und sicher ist. Denn an wirklich ernsthaften Varianten, die 
nicht in unsern Hss. auftauchen, lernen wir in Hunderten von 
Versen durch die indirecte üeberlieferung nur kennen sat. 
1, 2, 27 = 1, 4, 92 JBuccülus Seneca, carm. 1, 13, 2 ladea Ca- 
per gegen cerea Hss. und Servius, 3, 7, 1 Candida (Diomed.) 
statt candide, vielleicht 3, 14, 19 vagacem Char. (nicht direct 
bezeugt), 2, 18, 30 sede Serv., 3, 6, 11 nostris Prise, (nicht aus- 
drücklich bezeugt). Freilich trijfft es sich, daß die schwersten 
Wunden unserer Üeberlieferung in den Citaten nicht erschei- 
nen ; aber wir würden noch viel öfter unsicher sein, wenn uns 
nicht die indirecte üeberlieferung im Wirrwarr der hand- 
schriftlichen Varianten Führer und Licht wäre. 

n. 

Nun zu dieser directen handschriftlichen 
üeberlieferung des Horaz selbst. Natürlich kann von 
einer umfassenden Beurteilung derselben überhaupt erst seit 
Keller-Holders Ausgabe die Rede sein. Die ausführlichste 
und verständlichste Darstellung dessen, was die Herausgeber 
selbst gefolgert haben, finden wir in Kellers Epilegomena 
zu Horaz S. 777 ff. Schon sie sahen ein ^^), daß unsere Hss. 
auf ein Archetypon zurückgingen ; freilich nahm Keller wieder 
dieser Erkenntnis alle Wahrscheinlichkeit, indem er dies Arche- 
typon ins erste ^^) oder zweite Jahrhundert n. Chr. setzte: was 
in aller Welt sollte denn damals Liebhaber und Schulmänner 
veranlaßt haben, ihre Exemplare nur aus einem und demselben 
Codex abzuschreiben? Und einen einzigen Codex für den 
ganzen Horaz gab es doch damals überhaupt nicht. Also: 
eine richtige Erkenntnis ^'^) ad absurdum geführt durch eine 
ganz unwahrscheinliche, weil unhistorische Erklärung. 

Einen anderen Weg schlug Christ ein (Horatiana p. 
114); er meint: 'die alten . . . Codices . . . gehen auf mehrere 

^'°) Denn das Märchen, B e n 1 1 e y habe geglaubt, alle unsere Hss. 
gingen auf die recensio des Mavortius zurück (entstanden aus Bentley 
praef. p. XXIV) tat ab Peerlkamp p. XXIII. 

^^) Die vermeintlichen Indicien für Neronische Zeit (Epileg. zu 
carm. 3, 17, 1 und ars 387) sind phantastisch. 

^') Das Verzeichnis der den Hss. gemeinsamen Fehler (Epileg. p. 
778) ist richtig begonnen: wie es aussehen mußte, wird im folgenden 
(S. 279) sich zeigen. 

19* 



278 Vollmer, 

mindestens drei Arclietypi des Altertums und zwar des 5. oder 
6. Jahrliunderts zurück'. Dabei sind übersehen oder nicht an- 
erkannt die allen unseren Hss. gemeinsamen Fehler. 

Consequenter und durchgreifender ist der Versuch ^^), den 
Leo (a. a. 0.) bei Gelegenheit der Anzeige von Keller-Holders 
zweiter Auflage macht, die Gesamtheit unserer Ueberlieferung 
zu erklären. Daß diese eine 'einheitliche' ist, erkennt auch 
Leo (S. 851 f.). Er folgert das in Ergänzung des Kellerschen 
Beweises mit Recht einmal aus der trotz der Verschiebung 
von ars poetica und Satiren doch im ganzen einheitlichen An- 
ordnung der verschiedenen Bücher in den Hss., die um so be- 
weiskräftiger ist, als sie auf Willkür beruht, d. h. weder so 
weit wir wissen auf Horaz selbst zurückgeht ^^) noch chrono- 
logischer Folge ^°) entspricht, weiter aus der Gleichheit der 
Büchertitel, die freilich, weil sie vom Dichter selbst herstammt, 

^^) Nur als solchen will ihn Leo selbst gelten lassen ; vgl. S. 856 oben. 
''^^) Ueber die Frage einer Gesamtausgabe durch Horaz selbst rich- 
tig Christ, Horatiana S. 87, der nur die Technik der Edition nicht be- 
rührt. Horaz hätte selbst bei einer Gesamtausgabe seiner Werke kein 
anderes Mittel gehabt ihre Folge dauernd festzulegen als sie durchzu- 
numerieren. Es gab eben damals noch kein 'Buch' irgend welcher Art, 
das alle Horatiana zugleich gefaßt hätte. Von einer Durchnumerierung 
der Horazischen Gedichtbücher aber giebt unsere Ueberlieferung nicht 
die mindeste Spur. Denn der Zangemeistersche Traum von einem Com- 
mentar des Scaurus zu lU Büchern Horaz ist eben ein Traum; die Ci- 
tate sagen klipp und klar, daß Scaurus 10 Bücher Commentar zur 
ars poetica geschrieben hat, und das ist bei der Menge des darin zu 
besprechenden literarischen Materials durchaus glaubwürdig. 

^°) Ich halte für beinahe sicher, daß bei der definitiven Zusammen- 
schreibung von Volumina in einen Codex wie bei den plautinischen 
Stücken die (nur auf den ersten Buchstaben sich erstreckende) alpha- 
betische Ordnung maßgebend war: dann wäre die in der H. Klasse 
überlieferte Ordnung die althergebrachte : 

C armina 

D e arte poetica 

Epodon 

carm. saeculare 

E pistulae 

S ermones 
Daß das kleine carm. saec. unstät bleiben konnte, zeigt ja auch Porph, 
So würden sich am leichtesten die Ordnungsänderungen verstehen : Apo- 
graphon I wurde von jemand gemacht, der sich besonders für die 
lyrischen Metra interessierte (eine Parallele bietet die im Bernensis er- 
folgte Umordnung sogar der einzelnen Gedichte nach den Versmaßen) 
und darum die hexametrische Ars vor die Epist. u. Serm. zurückschob ; 
über die auf Grund von Porphyrions chronologischer Notiz zu epist. 
1, 1, 1 in späteren Vertretern von Klasse II erfolgte Umordnung von 
epist. nach sat. s. unten S. 290 Anm. 70. Daß noch Nonius den Horaz 
in einzelnen Rollen hatte, zeigt Fr. Marx, Lucilius S. LXXXIII. 



Die Ueberlieferuügsgescliiclite des Horaz. 279 

nicht viel beweist, sodann aus den Titeln, Charakterisierungen, 
Inhaltsangaben der einzelnen Gedichte, die in der Tat auf ein- 
heitliche , nach-Horazische Formulierungen zurückgehen ^^). 
Endlich, und das ist das wichtigste, auch von Leo an erster 
Stelle behandelte: aus den allen Hss. gemeinsamen Corrupteln. 

Aber Leo interpretiert diese 'Einheitlichkeit' anders als 
ich für richtig halten kann. Ich muß darum das von ihm 
nur angedeutete Material vollständig vorlegen. 

Wenigstens für die allen Hss. gemeinsamen Corruptelen. 
Denn sie sind und bleiben ^^) unser schärfstes Mittel, der Ge- 
schichte einer Ueberlieferung nachzuspüren. Titel und Scho- 
llen sind ihrer Natur nach jeder Veränderung ausgesetzt : sie 
werden verbreitert, gekürzt, geändert nach dem Belieben des- 
sen, der sich die neue Hs. herstellt : nur was der Schreiber 
nicht nach Willkür herstellen kann, verlorene oder bis zur Un- 
kenntlichkeit verderbte Worte des Autors selbst können in einer 
so verwickelten Ueberlieferung wie der des Horaz als untrüg- 
liche Wegweiser angesehen werden. 

Es folge also ein Verzeichnis der in allen unsern Hss. 
sich findenden überlieferten Fehler im Texte des Horaz ^^). 
carm. 1, 2, 39 maiiri Hss. Porph., Marsi Bentley. 

12, 31 quia {qiii B) Hss. (Bland.) ^*), (metri- 
scher Fehler), Verbesserung unsicher. 

31) Darüber unten S. 315 Anm. 126. 

3'^) Trotz Christ, Horatiana p. 105. 

33) Ich füge aus später zu erklärendem Grunde ausdrücklich, wo 
er bekannt, den Bland, antiquissimus zu, desgl. Porph. und die andern 
Scholien, natürlich nur die wirklich interpretierten Lesarten, nicht falsche 
Lemmata und Zufälligkeiten. JBland. ohne Klammer bedeutet ausdrück- 
liches Zeugnis des Cruquius wie '■Bland, antiquissimus' oder '4. Bland.\ 
[Bland.) in Klammern allgemeiner gefaßte oder indirecte Bezeugungen. 

3*) Ich glaube, daß hier Porph. die letzte Spur des Echten bewahrt 
hat, denn von einer Verschreibung wie quod in D^ (R^?) oder einer 
Conjectur wie qua, die eine hier ganz unverständliche Beschränkung 
des Gedankens einführen würde, darf ich wohl absehen. Porph. sagt: 
^quia voluere' pi'O cum [con trad.) voluere. Eine merkwürdige Glosse : 
quia verstand im 3. wie in späteren Jahrhunderten jedermann ! Viel 
eher bedurfte causales cum einer Glosse. Gewiß ist, wie so oft, das 
Lemma in Porph. interpoliert und wir haben zu versuchen, ob nicht 
aus der Erklärung das alte echte Lemma zu gewinnen sei. Ich vermute 
Porph. schrieb : 'ut voluere' ]}ro cum voluere; temporales ut, bei Horaz 
gewöhnlich, bedurfte später der Erklärung. Es leuchtet aber, meine 
ich, ein, wie gut ut dem simul v. '27 entspricht, das auch 1, 9, 9 im 
gleichen Gedanken steht. Das quia der Hss. {quae 0^ Conjectur) ist 
nichts als schiefe Glosse für ut, das causal interpretiert wurde. 



280 Vollmer, 

carm. 1, 20, 1^^) potabis Hss. Porph., potavi Vollmer ^^). 
5 care Hss.. clare g 
21, 13 Hie Hss., Haec Duhamel. 
23, 1 Uitat Hss. (metrischer Fehler), Uitas 
(comm. Cruq.) g 
5 ueris . , . aduentus Hss. Bland. Porph., 
uepris . . . ad uentiim Gongavinus und 
Muretus. 
25, 20 hebro Hss. Porph., euro g 
27, 19 lahorahas (laboras E§0) Hss. Bland., la- 

horas in g 
31, 9^^) calena Hss., calenam lemma Porph. 



^°) 1, 13, 2 halte ich trotz Bentley das von Serv. und auch wohl 
von Porph. (d. h, schol. AT) ausdrücklich bezeugte cerea für richtig. 
Das Citat bei Caper gramm. VII 98, 3 mit der Lesung lactea scheint 
interpoliert, freilich vor dem 9. Jahrh., da es in unsern ältesten Hss. 
schon steht. 

^^) Die UnVerständlichkeit des kleinen Gedichtes in der überliefer- 
ten Form wird allgemein anerkannt und ist durch zahllose Conjecturen 
für V. 10 Tu bibes (zuletzt Leo, Hermes 38, 306 Tu dares) zum Ausdruck 
gebracht. Durch potavi lösen sich alle Schwierigkeiten ; natürlich ge- 
hört nun der Temporalsatz datus in theatro cum tibi plausus nicht zu 
levi sondern zu potavi. Damit findet das ganze Gedicht verständliche 
Veranlassung und Datierung : Horaz legt scherzend dem Gönner nahe, 
ihn den Freudentag bei besseren Sorten mitfeiern zu lassen. — Aber 
die Metriker lesen alle potabis ? Nein , keiner bezeugt ausdrücklich 
dies Wort, sie citieren nur um des Versmaßes willen, und ihre Ci- 
tate sind nach den landläufigen Hss. des Horaz selbst abcorrigiert. 
Darüber mehr zu carm. 1, 8, 2 S. 262. Aber Porphyrie bezeugt aus- 
drücklich potabis mit den Worten Maecenatem ad cenam invitat u. s. w. ? 
Das beweist nur das Alter des Fehlers. Darüber weiter unten im Zu- 
sammenhange (S. 314 f.). 

^^) Ich muß in diesem Zusammenhange auf einen alten, zuletzt 
von L. Müller, Q. Horatius Flaccus, Oden und Epoden I S. 127 mit 
Recht wieder hervorgehobenen Gedanken zurückkommen: sein nächster 
Ertrag ist zwar die Fälschung der Pallavicini'schen beiden Oden ge- 
wesen, aber zu Ende gedacht werden muß er doch ganz gewiß. Der 
Bestand unsers l. Odenbuches mit 38 Gedichten ist besonders auffällig, 
da carm. 1, 38 Persicos odi puer apparatus, mit den kleinen Gebeten 
carm. 1, 30 und 3, 22 das kleinste Gedicht, einen sehr lahmen Buch- 
schluß gegen die deutlichen Schlußgedichte 2, 20. 3, 30 abgiebt. Wie 
anders epod. 17, das Prachtstück, als letztes einer unregelmäßigen Ge- 
dichtzahl! Man kann doch bei allem Respect vor der Tradition von 
Jahrhunderten die Absicht der runden Zahlen 
sat. I 10 Gedichte 
carm. II 20 „ 
r, HI 30 

epist. I 20 „ 
nicht verkennen: sollte da (die 17 Epoden stehen abseits) wirklich das 
erste Buch carmina, das doch mit II und III zusammen redigiert ist, 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 281 

carm. 1, 31, 18 at Hss., ac g 

2, 18, 30 fme Hss., sede Serv. Aen. 6, 152 aus- 

drücklich. 

3, 1, 39 et ausgelassen Hss. 

14, 11 iam uirum expertae (schol. AP) male 
(n)ominafis (Porpli.) (ominatis Bland.) 
Hss., Verbesserung unsicher. 

20, 8 Uli Hss. schol. T, illa PeerlJcanip. 

24, 4 Tyrr(h)enum oder Tirr-Hss., Terrenmn 

Porph. Lachmann. 

25, 9 Ex(s)omnis Hss. schol. AP , Edonis 

Bentley. 

26, 7 et arcus Hss., securisque Bentley. 

27, 60 l(a)edere Hss., elidere Lambinus. 

4, 2, 49 Tec[. dum procedis Hss. Porph., Verbes- 

serung ungewiß. 
4, 17 r(a)eti Hss. Porph., raetis 0^ Heinsius. 

4, 22 Nescire Hss., iVec 5a>e AO^ Porph. ^^). 

5, 18 Nutrit (r)nra Hss., Nutrit farra Bentley. 
8, 15 ff. schwer interpoliert, nie zu heilen; die 

Scholiasten commentieren verschiedene 
der unsicheren Verse. 
4, 10, 5 ligur intim Hss., Ligurine Torrentius. 
14, 28 minitatur Hss., meditatur R Serv. zwei- 



mit n. 38 versiegen ? Langten des Dichters Sclieden wirklich nicht zu 
40 ? Ich wäre der letzte, die Nummern eines lyrischen Gedichtbuches 
zu zählen, wenn es nicht Horaz offenbar selbst getan hätte. Hinzu 
kommt, daß ich von der Unversehrtheit von carm. 1, 38 nicht sicher 
überzeugt bin : ich verkenne nicht, daß iieque te ministrum dedecet myrtus 
als verblümte Liebeswerbung die Pointe des kleinen Gedichts gewesen 
sein kann, muß aber durchaus die Möglichkeit ofifen halten, daß die 
Myrten bei Herrn und Diener doch auf eine noch zu rufende Myrtale 
oder Rhode berechnet sind. Es könnten also 2V2 carmina fehlen. Den 
Verlust auf ein ausgefallenes Blatt unseres Archetypons zu schieben 
geht nicht an, da keinerlei antike Tradition, weder Grammatiker noch 
Metriker, das etwa Verlorne kennen. Also müßte nicht nur die Ausgabe 
des Porphyrio, sondern schon die Ausgabe des Probus den Verlust ge- 
habt haben. Das ist so unwahrscheinlich, daß wir nach einer andern 
Erklärung des Bestandes carm. I 1 — 38 suchen müssen. Horaz wird, 
so meine ich, carm. I 4 — 38, d. h. 35 Gedichte schon vor der Redaction 
von Buch I— HI im Kreise des Maecenas bekannt gemacht haben: bei 
der definitiven Ausgabe wurden dann 1 — 3 an Maecenas, den Caesar, 
Vergil nach Gebühr vorangefügt und die metrische Ordnung getroffen. 
^^) Bei Porph. ist zu emendieren fas non est statt fas est non. 



282 Vollmer, 

mal ausdrücklich, dieselbe Lesart geta- 
delt von Porph., minatur (so) Non. in 

Citat für düuvium ^^). 

laborem Hss. (metrisch falsch), labore 

Glareanos. 

Fontes Hss. (Porph.), Frondes Markland 

(schol. A?). 

ter Hss., irmtn Barth. 

currens Hss. schol. AY, Laurens Hein- 

sius. 

Ex(s)ecta Hss. Bland. 

magmim Hss. Porph., maga non Haupt. 

caecus Hss., caecos q 

Lücke nach v. 16 oder v. 17 verderbt 

Ad hunc. 

an falscher Stelle Hss. schoL TV. 
serm. 1, 1, 81 adflixit Hss. (Bland.), adfixit q 
88 Si Hss., sie ^ 
108 redeo nemon ut auarus Hss., redeo qui 

nemo ut auarus Bland., redeo: cum ne- 
mo ut auarus Keck *^). 
2, 45*^) quidam . . . demeteret Hss., cuidam . . . 

demeterent q 
49 ut Hss., at g- 
63 ue Hss. (Bland.), ne g 



epod. 1, 


15 


2, 


27 


4, 


8 


5, 


28 




37 




87 


7, 


13 


9, 


16 


16, 61. 


62 


3. 1, 1, 


81 



^^) Diese Stelle ist nächst 1, 8, 2 eine der lehrreichsten zu zeigen, 
wie genau die Grammatikerzeugnisse abgewogen sein wollen. Die 
alte echte Lesart meditatur ist schon vor Porph. und Non. glossiert 
worden: ungefährlich, weil dem Verse nicht genügend, ist die Glosse 
bei Nonius minatur, die gefährlichere minitatur stand schon im codex 
des Porph., der sie in seiner Schulmeisterweisheit vor dem guten medi- 
tatur bevorzugte; sie hat Apographon I occupiert; Apographon II über- 
nahm aus dem Archetypon meditatur mit der Glosse minitatur, daher 
konnte in R meditatur gewahrt werden, während die andern Hss. der 
Klasse II das glattere minitatur substituierten. Dies ist der einzige 
Fall, wo eine Discrepanz unserer Hss. -Klassen schon in älteren Zeugen 
erscheint (Porph. rechne ich hier nicht mit): daß er nichts für Zurück- 
datierung unserer Klassenteilung vor Nonius beweist, ist klar (vgl. 
S. 297 Anm. 80). 

^0) Ueber diese Stelle siehe unten S. 311 f. 

'^^) Serm. 1, 2, 27 rufülus Hss., bucciUus Sen. epist. ist oben S. 265 f. 
behandelt. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 283 

est ausgelassen Hss. 

conpenset Hss. (Porph.), conpensat Sa- 
nadon J 

capitolinis Hss. Capitolini a Porph. 
ueniat Hss., ueniet g 
claiidi Hss. (Bland.), Caudi Porph. und D. 
cogat Hss., cogit ^ 

ac Hss., aut lemma Porph. {nee Bland.). 
peregre aut Hss., peregreue q 
rabiosi tempora signi Hss. Porph., eam- 
pum lusumq. trigonem Bland. Goth. 
patruus Hss. Porph., praetor Bücheier. 
quo modo Hss., qua modo Bentley. 
hihidi Hss., Bibide Muretus. 
gesserat Hss. (Bland.), cesserat g 
auidienus Hss. metrisch falsch, Aufidie- 
nus ^ 

puenmi Hss., puer X Goth. (emendiert). 
In Hss., Tu Bentley. 
mixto Hss., 7nusto g 
quassa Hss. (Bland.), cassa g 
ac? Hss., at g Goth. 

in falscher Ordnung Hss. , verbessert 
in E g 

distinet (dest-) Hss. (Bland.?), detinet 
Goth. g 

Heu . . . heu Hss. (Bland.) (exempla Va- 
tic), Seu . . . seu g 

ac? summam Hss. (Bland.), adsumam E g 
s(a)euum Hss., scaeuum Pithoeus (Zae- 
miwi E g). 

*^) Serm. 1, 2, 120 pme?o Hss. , paulum Priscian. 18, 245, aber das 
Citat ist beschädigt, wahrscheinlich sind 2 Stellen contaminiert. 

*^) 1, 3, 56 ist die Glosse cupimus in beiden Hss.-Klassen mächtig 
geworden. Nur Spuren führen auf das Echte : der cod. Goth. (Klasse 
II) hat es erhalten: furwius, und daß in der andern Klasse B fugimus 
hat, ist eine nur durch einen Schreibfehler gestörte Bestätigung dieses 
Echten. 

**) 1, 3, 128 ist die Glosse quomodo für qui die Ursache geworden, 
daß in allen Hss. außer B zu lesen steht quo. 



serm. 1, 2, 


82^2 


.43) 




3, 70^^) 




4, 


94 
141 




5, 


51 




6, 


37 

68 

102 

126 

131 




8, 


15 




10, 


86 


2, 


1, 


31 




2, 


55 
112 




3, 


234 




4, 


19 




5, 


36 




6, 


54 


epist. 1, 1, 


57 u. 58 




2, 


5 




3, 


33 




5, 


28 




6, 


50 



284 Vollmer, 

epist. 1, 7, 96 simid Hss. (Bland.), semel <? 

10, 25 fastigia {uest- Bland.), fastidia g 

11, 3 ue Hss. (Bland.), ne ^ 
13, 16 ne Hss., neu ^ 

15, 43. 44 an falscher Stelle ARtc Goth. , corri- 

giert in den übrigen. 

16, 9 5^ ausgelassen AR, si ergänzten EOFXl. 

et 71 andere, {ni Bland.?). 
43 responsore Hss., res Sponsore Bland. 
45 Inprorsum überliefert (so AR) daraus 
Hunc prorsus ^. Richtig verbessert In- 
trorsum oder -us in aEO und jüngeren. 
59 clare einmal ausgelassen Hss., zugefügt 
in E g 

c(h)lamidem Hss., chlanidem Cruquius. 
iillius Hss., illius ^ 
nach 18, 90 Lücke. 

potiorihus AERtt, potoribus richtig OO. 
2, 1, 31 oleam Hss., olea g 

J(a)eiii aEORTi (Porph.), emendiert in O 
zu Livi(i). 
an falscher Stelle. 
boetum Hss., boeotum a. 
est ausgelassen oder übergeschrieben, 
falsch gestellt in aER. 
80 contacta Hss. cantata Bland. ; noch nicht 
verbessert. 
123 calentia Hss. Bland., carentia DO^. 
167 quoniam Hss. (Bland.), quondam ^ 
175 Si (Sed 0) Hss., Sic ^ 
ars poet. 45. 46 in falscher Ordnung (3mal ebenso falsch 
Serv.). 
101 adsunt Hss., adflent ^ 
197 peccare Hss., pacare ? 
458 Sic Hss., Si §g. 
Diese Liste, die ich hätte bedeutend vergrößern können, 
wenn ich mich nicht auf durchaus Sicheres hätte beschränken 



17, 


31 


18, 


37 


18, 


90 


19, 


3 


1, 


31 




69 




101 




244 


2, 


18 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 285 

wollen *^) , und die durch Emendation heute noch corrupter 
Stellen in Zukunft wird wachsen müssen, bietet eine sichere 
Grundlage für die Entscheidung der Hauptfrage bei der Ueber- 
lieferung des Horaz ^^). Was lehrt sie uns ? 

Mustern wir die Art der Fehler, so zeigen sich zwei Grup- 
pen: eine große Reihe solcher Corruptelen, wie wir sie ganz 
gut einer alten Ausgabe *^) zutrauen dürfen, die auch zum Teil 
durch die Scholien als alt bestätigt werden: so maur% pota- 
biSj veris adventus^ hehro, Jam uirum expertae^ Teque dum 
procedis u. s. w. Aber daneben taucht eine andere Reihe auf 
von solchen Fehlern, die unmöglich durch eine antike Ausgabe 
sanctioniert und so weiter verbreitet worden sein können ^^) : so 
serm. 1, 6, 102 peregre aut, 2, 3, 234 In statt Tu^ epist., 1, 3, 33 
Heu . . . heu statt Seit . . . seu, 1, 16, 45 Inprorsum statt In- 
trorsum, 2, 2, 123 calentia statt carentia^ 167 quoniam statt 
quondam^ ars 197 peccare statt pacare^ um nur die ganz deut- 
lichen aufzuzählen. Diese gemeinsamen Fehler aller unserer 
Hss. lassen für mich nur eine sichere und schlagende Er- 
klärung zu: unsere ganze directe Ueberliefe- 
rung des Horaz geht auf ein einziges anti- 
kes Exemplar zurück ^^). 

*^) Z. B. halte ich epist. 1, 15, 4 perriuor in ARu d. h. den besten 
Vertretern beider Klassen für verderbte üeberlieferung, also PERIÜOR 
statt PERLUOR; in allen andern Hss. ist die Verbesserung ^erZ^*or in 
den Text aufgenommen. 

*®) Ich habe die verschiedenen Grade der Zuverlässigkeit unserer 
üeberlieferung, die im wesentlichen durch die Erhaltung der besten 
Zeugen wie A B C R bedingt wird, in der Liste nicht bezeichnet, weil 
sie für das Gesamtbild kaum in betracht kommen. 

^^) Hier befinde ich mich in Uebereinstimmung mit Leo. Dieser 
folgert (S. 851): 'die gesamrate handschriftliche üeberlieferung hat 
einen im späteren Alterthum zu suchenden gemeinsamen Urquell' und 
weiter (S. 852): es 'sind aus gangbaren grammatischen und rhetorischen 
Tractaten die metrische und Gattungsbezeichnung einmal hinzugefügt 
worden ; einmal d. h, in einer Ausgabe, die nach der Natur dieser An- 
gaben nicht älter sein kann als das 2. Jahrhundert'. (S. 853) : 'diese 
Ausgabe war eine commentierte Schulausgabe', (S. 854) : 'es kann kein 
Zweifel sein, daß der Horaztext deshalb einheitliche üeberlieferung 
hat, weil Probus ihn philologisch fixiert hat'. Gegen diesen letzten 
Satz Leos habe ich einzuwenden, daß der Zustand unseres doch auch 
von Probus rezensierten Vergiltextes gerade nicht für weitgehenden 
Erfolg der Sicherung und Einheitlichhaltung durch Probus spricht; 
vgl. Ribbeck, Prolegomena S. 265 ff. 

*^) Völlig beiseite lasse ich Fehler, die in jeder neuen Abschrift 
von neuem gemacht werden konnten wie care, calena, raeti, nescire u. s.w. 

*®) Mit dieser Folgerung gehe ich über Leo hinaus. — Mein Schluß 



286 Vollmer, 

III. 

Dieser Schluß wird manchem, der nicht gewohnt ist solche 
Dinge zu erwägen, ungeheuerlich erscheinen: Horaz, der be- 
liebteste römische Lyriker, soll uns nur in einem einzigen 
Exemplare des Altertums überkommen sein ? Und doch zeigt 
eine ruhige historische Erwägung, daß wir, auch wenn uns 
die Fehler der Hss. nicht zwängen, diesen Fall als höchst 
wahrscheinlich ansetzen müßten ^^). 

Es ist eine noch nicht ins rechte Licht gesetzte Tatsache, 
daß die Leetüre und Benutzung des Horaz nicht wie die des 
Vergil in unabgerissener Kette Altertum und Mittelalter verbin- 
det, sondern daß Horaz fast zwei Jahrhunderte 
lang ganz ungelesen geblieben i s t ^^). 

Bekanntlich verdanken wir dem Fleiße von Martin 
Hertz die Änaleda ad carminum Horatianorum historiam 
(ind. VratisL I 1876. H 1878. III 1879. IV 1880. V 1882), 
eine Geschichte der Verbreitung und Wirkung der Horatiani- 
schen Dichtungen bis zum 6. Jahrb., die freilich auf kritische 
Ausnutzung des gesammelten Materials nur gelegentlich, nicht 
systematisch Rücksicht nimmt. Die Arbeit von Hertz hat 
dann, zum Teil auf Grund von dessen Materialien, M. Mani- 
t i u s bis etwa zur Renaissance fortgesetzt in den Andlek- 
ten zur GeschicJite des Horaz im Mittelalter, Göttingen 1893. 

würde noch eine bedeutende Stütze erhalten durch die Betrachtung 
der festen Bücherordnung unserer Hss. : vor dem 4. Jahrh. war doch 
ein Codex, der den ganzen Horaz enthielt, höchstens eine Merkwürdig- 
keit; die feste Folge der nicht durch Zahlenordnung zusammengehal- 
tenen Bücher in unsern Hss., die weiter unten noch darzutun ist, ver- 
langt den Ansatz eines Archetypon frühestens des 4. Jahrhunderts. 
Wenn aber, wie ich oben S. 278 Anm. 80 vermutet, die Ordnung der 
Bücher alphabetisch ist, verliert dieser Schluß allerdings an Bündigkeit. 

^^) Tatsächlich ist er gar nicht ungeheuerlich ; Traube sagt 
(Sitz. ßer. Bayr. Ak. d. Wiss. III. El. XXIV 1904 S. 14) 'der gewöhn- 
lichste Fall, nämlich daß nur eine alte Hs. den Text forttrug und in 
Karolingischer Zeit verschwand, nachdem sie ihn der mittelalterlichen 
Tradition überwiesen hatte'. 

°^) Natürlich versteht sich diese wie ähnliche Behauptungen im 
folgenden cum grano salis: daß z. B. f actisch im 8. Jahrh. in Italien 
nirgend ein Horaz gelegen oder von niemand gelesen worden sei, wird 
kein Vernünftiger zu beweisen sich unterfangen. Wohl aber fehlt es 
an wirksamer Verbreitung und allgem einer Beachtung : nur so 
ist es zu verstehen, daß von unsern erhaltenen Hss. keine einzige auf 
ein anderes antikes Exemplar zurückgeht als dasjenige welches zur 
Karolingerzeit allgemein verbreitet wurde. 



Die üeberlieferungsgeschiclite des Horaz. 287 

Aber fordert schon die Sammlung von Hertz oft zur Con- 
trols und Ergänzung auf, so muß bei Manitius jeder Satz 
und jedes Citat geprüft werden. Indessen darf sein Buch 
wohl nach der negativen Seite als beweiskräftig gelten and nur 
in diesem Sinne will ich es verwerten. 

Es ist sicher : mit dem 6. Jahrhundert reißt überall die 
Kenntnis des Horaz ab: weder in Afrika Corippus, noch in 
Spanien ^^) Isidor, Braulio, Eugenius, noch in Gallien Alcimus 
Avitus oder Venantius ^^) haben selbst den Horaz gelesen. 

Nur in Italien ^^) hat Kloster Bobbio den Horaz besessen; 
das beweisen Columbans Citate ; aber er ist frühe verloren ge- 
gangen: der Catalog saec. X hat ihn nicht mehr^^). 



°^) Ich muß hier die Belege von Manitius S. 15 durchsieben: 


Hor.carm. 1, 12, 


3 


b. Isid. oriff. IG, 3, 


10, vielmehr in Arevalos Note 










dazu. 


1, 16, 


20 


n n 


„ 15, 2, 


4 aus Serv. 


1, 20, 


7 


W )) 


„ 16, 3, 


10, vielmehr in Arevalos Note. 


2, 10, 


11 


v ?1 


rer. nat. 30, 


5 aus Hier. 


2, 18, 


1 


n Ji 


orig. 15, 8, 


6 = 19, 12 aus Serv. 


3, 18, 


1 


n n 


8, 11, 


104 


4, 5, 


23 


» 51 


„ 11, 2, 


14 = diff. 1, 448 also aus älte- 
rer Quelle. 


epod. 1, 


1 


n 5) 


. 19, 1, 


12 sicher aus Schiffsnamen- 
katalog. 


2, 


1 


n « 


« 1, 39, 


24 aus Metrikern. 


12, 


1 




. 16, 5, 


19 aus Serv. 


sat. 1, 6, 


103 


)i n 


. 20, 12, 


4 aus vollständigerem Serv.? 


epist. 1, 2, 


26 


5) n 


„ 12, 1, 


25 aus Serv. 


1, 17, 


25 




„ 19, 24, 


11 aus Serv. 


ars 


220 


n n 


8, 7, 


5 aus Serv. 


Es ist kein Zweifel : 


Isidor hat seine Horazcitate nicht aus dem Dichter 



selbst, wenn wir auch an em paar Stellen das Mittelglied der Verbrei- 
tung nicht mehr kennen. Beweiskräftig scheint auf den ersten Blick 
zu sein das Citat Faenum habet in cornu, longe fuge (sat. 1, 4, 34) bei 
Braulio epist. 11 (Migne 80, 657 C); wer aber im gleichen Briefe liest 
En dum urceum fingere volo, ut ait Terentius, ampJioram finxit ma- 
nus und vergleicht was ich zu dieser Stelle adnotiert habe (Mon. Germ, 
bist. auct. antiq. XIV 290, 12), wird mit mir glauben, daß Braulio aus 
einer Verssammlung, nicht aus Horaz selbst schöpft. Die weiteren 
Stellen bei Manitius beweisen nichts: Hör. carm. 1, 6, 6 bei Julianus 
stammt aus Charisius. 

^^) Daß die Verse über Dichtkunst und Malerei (ars 9 f.) von Ve- 
nantius (carm. 5, 6 praef. 7) zuerst citiert worden seien, ist doch auch 
nicht zu glauben, obwohl wir heute keine Quelle nachweisen können. 
Die andern Anklänge bei Hertz V 23 sind nicht beweiskräftig. 

^*) Zu Anfang des 6. Jahrh. hat zweifellos Maximian noch gründ- 
lich seinen Horaz gelesen : Nachweise, besonders zur ersten Elegie, in 
Wernsdorfs Anmerkungen. 

^^) Aber eine Spur von seinem Vorhandensein geben sicher die 
Fragmenta Bobiensia saec. VIII — IX gramm. VII 541 sqq., die vielleicht 
zum Teil direct aus den Glossen dieser Hs. abgeschrieben sind. 



288 Vollmer, 

Erst bei den Karolingern ^^) und zwar durchaus nicht bei 
den ältesten ^^) finden wir wieder lebendige d. h. directe Be- 
nutzung und Kenntnis des Dichters. 

Das älteste Zeugnis nämlich, das wir für wirkliche Lee- 
türe des Horaz in dieser Zeit haben, sind die Exempla 
diversoriim Äuctoriim, prosodische Beispiele wohl gegen Ende 
des VIII. Jahrh. in der Lombardei gesammelt ^^). Die Horaz- 
citate darin ^^) sind sehr interessant. Sie zeigen ganz deut- 
lich, daß auch der Urheber der Sammlung keinen andern Ho- 
raz kannte als den Archetypus unserer Hss. : die Fehler epist. 
1, 3, 33 Heu . . . heu statt Seu . . . seu, 1, 13, 14 pyrria 
reden ganz sicheres Zeugnis. Andrerseits tragen sie Spu- 
ren der Entwicklung, welche die IL Klasse der Hss. ge- 
nommen hat: während sie richtig geben epist. 1, 1, 76 quem^ 
1, 5, 19 Faciindi^ 1, 16, 49 negitatque^ fehlen sie schon mit 
RStt epist. 1, 6, 53 Jiis statt hie, mit ^ serm. 2, 2, 95 Occu- 
pat, 2, 5, 7 aut qui und vor allem epist. 2, 2, 71 Flures statt 
Purae, wo R Plu7'ae hat. Einen Teil der Stellen des Flori- 
legiums hat vor 825 M i c o n in sein gleichartiges Opus ^^) 
aufgenommen, auch 5 neue hinzugefügt, in denen aber charac- 
teristische Varianten fehlen. 

Mit dem 9. Jahrhundert sind wir dann mitten im vollen 
Zuge der Wiederverbreitung des Horaz: die Hss.-Kataloge er- 
wähnen ihn jetzt ^^) und unsere noch jetzt führenden Hss. 

°^) Daß auch Aldhelm und Baeda Horaz nicht aus eigener Leetüre 
kennen, beweist wider Willen Manitius Sitz. Ber. Wien. Ak. 1886 
CXII S. 563 und Analekten S. 17; die Citate Baedas stammen aas Pris- 
cian, Augustin, Hieronymus; nur für ars poet. 111 weiß ich den Ver- 
mittler nicht anzugeben. 

^7) Darüber siehe P. v. Wi n t e r f e 1 d, Rhein. Mus. 60, 1905, 33 ff. 
Er beschränkt sich auf die indirecten Zeugnisse, hat die Horaz-Hss. 
selbst nicht verhört: dennoch kommt sein Resultat so ziemlich der 
Wahrheit nahe. 

°8) Ed. H. Keil, progr. Halle 1872 vgl. Traube PMA III S. 273 
Rhein. Mus. 44, 479. Mündlich belehrte mich Traube, daß sie eventuell 
doch erst in den Anfang des IX. Jahrhunderts zu setzen seien und daß 
die uns erhaltene Hs. doch wohl aus Tours stamme. 

^9) Liste bei Traube PMA III p. 782 f, darin auch die Miconstellen. 

«0) Traube PMA III p. 280 ff. 

^^) Die ersten Erwähnungen sind die in Lorsch (IX. Jahrh.) Über 
Horatii poetae in uno codice Becker, catalogi p. HO n. 429 und in Ne- 
vers ; siehe Manitius, Philologisches aus alten Bibliothekskatalogen 
Rh. Mus. 47 Erg. Heft S. 28 ff. Gegen die Annahme, Corvey habe im 
IX. Jahrh. einen Horaz besessen, Traube PMA III p. 42 not. 3. 



Die üeberlieferungsgescliichte des Horaz. 289 

stammen aus dieser Zeit. Dies ins einzelne hinein zu verfol- 
gen, kann nicht meine Aufgabe sein: dazu bedarf es anderer 
Sammlungen als sie bis jetzt gemacht sind und als ich sie 
machen könnte ^^): ich wende mich wieder meinem Hauptziele, 
der Analyse der uns jetzt vorliegenden Ueberlie- 
ferung zu. 

IV. 

Von dem Kellerschen 3-Klassen- System unserer Hss. brau- 
che ich hier wohl nicht mehr zu reden. Der leise Nachklang 
dieses Gedankens bei Christ (Horatiana S. 114) entbehrt der 
Beweise. Schärfer hatte schon W. Teuffei durchgegriffen. Ein 
neues 3-Klassen-System , wonach unsere erhaltenen Hss. in 
2 Klassen zerfallen, die dritte vom Blandinius antiquissimus 
gebildet werde, stellt Leo auf (S. 850). Die Prüfung dieser 
Theorie verbindet sich mit der Begründung einer neuen. 

Die eine alte Handschrift^^), welche aus Italien her den 
Horaz der fränkisch-germanischen Bildung vermittelt hat, ist 
zweimal selbst abgeschrieben worden und dann verloren 
gegangen. Aus den beiden Apographa, die selbst ebenfalls 
verloren zu sein scheinen, stammen alle unsere älteren Hss. *'*). 
Diese zwei Apographa waren untereinander verschieden einmal 
durch die Anordnung der Bücher, sodann durch eine Reihe 
von Abschreibefehlern und durch den Schollen- und Glossen - 
bestand. 

Ein sehr wichtiges äußeres Kriterium nämlich für uns, 
die Horaz-Handschriften zu sondern, ist die Anordnung der 
Bücher ^^), denn so leicht wie sich aus andersartigen Hss. ein- 
zelne Lesarten übertragen Hessen, konnte natürlich nicht die 
ganze Ordnung der ursprünglichen Hs. geändert werden. Diese 
Ordnung war in I, der ersten Klasse, folgende: 

®'^) Hinweisen möchte ich doch beispielshalber für die Erklärung 
des Zustandes unserer zusammengeflickten Münchener Hs. (CE) auf den 
Brief Froumunds bei Becker catalogi 40, 2. 

^^) Wie sie aussah, wird unten noch auszuführen sein. 

®*) Ich berücksichtige aus der Masse der Kellerschen Hss. nur 
A(a)BC(E)D R und * = (FSAItt): es hat keinen Wert noch mehr Exem- 
plare der jüngeren Mischhss. heranzuziehen. Dazu tritt der Bland.; 
ist jung und wertlos (s. S. 264 Anm. 5). 

®°) Ueber sie, nicht durchgreifend und auch nicht verläßlich genug, 
Christ a. a. 0. S. 89. Schärfer L e o S. 851. 



290 


Voll 


m e r , 




C(E) 


D 




B 


A 


1. carm. 


carm. 




carm. 


carm. 


2. epod. 


~ 




epod. 


epod. 


3. carm. saec. 


— 




carm. saec. 


carm. saec. 


4. ars 


— 




ars 


— 



5. epist. epist. — (epist.) ®®) 

6. serm. serm. serm. — 

Von dieser Folge unterscheidet sich Klasse II im wesent- 
lichen nur, aber doch deutlich genug, durch die Stellung der 
ars poetica^''). Hier finden wir nämlich geordnet: 





RFXlOTT 









Forph. 




Bland. 


1. 


carm. 




1. 


carm. 


1. 


carm. 


1. 


carm. 


4. 


ars 




4. 


ars 


4. 


ars 


4. 


ars 


2. 


epod. 




2. 


epod. 


3. 


carm. saec. 


2. 


epod. 


3. 


carm. 


saec. 


3. 


carm. saec. 


2. 


epodon 


3. 


carm. saec.®^) 


5. 


epist. 




6. 


serm. 


6. 


serm. ^ s . 


6. 


serm. ^') 


6. 


serm. 




5. 


epist. 


5. 


epist. ^r 


5. 


epist. 



Es zeigt sich also, daß im Laufe des Fortlebens der 
Klasse II noch einmal, und zwar auf Grund von Porphyrions 
Notiz zu epist. 1, 1, 1, eine Umstellung vollzogen worden ist, 
die Umordnung von epist. und serm. '^^). Daß das kleine carm. 



*'®) Die Epistelnverse in A von anderer Hand als die carmina. 

^^) Aus den Worten des Sidonius carm. 9, 221 non quod post sa- 
tiras, epistularum sermonumque sales, novmnque epodon, libros carminis 
ac poeticam artem Phoebi laudibus et vagae Dianae conscriptis voluit 
sonare Flaccus wird niemand eine bestimmte Folge in einer Hs. er- 
schließen wollen, nicht einmal für ars poetica oder Carmen saeculare. 
Mit keiner in Hss. sich findenden Ordnung deckt sich, daß Charis. 
gramm. I 202, 26 und 204, 5 die ars poetica als m epistulis citiert, 
während doch schon Quint. das gesonderte Buch kennt. 

^^) Es verläßt uns für die Stellung der ars im Bland, das positive 
Zeugnis des Cruquius p. 3091: in codicibus Blandiniis duobus . • . ante 
libros STiwöcöv . . . locum habet. Aber das negative S. 308 I (s. Anm. 69) 
genügt. Vgl. Mutz eil, Zeitschr. f. d. Gymn. Wes. IX 1855, 868 
Schweikert, Cruquiana p. 10. 

^^) Die sonderbare Nachricht des Cruquius p. 308 1 Äntiquissimus 
. . . ex Bibliotheca Blandinia . . . habet, Q. H. F. Carmen seculare expli- 
cit: incipit Eclogarum Über primus, maiusculis quibusdam (ita tarnen ut 
aliquo modo legi possentj characteribus erasis , atque in earum Jods de- 
pictis äliis, qui lectori x6 Sermonum exhibent besagt wohl in Wirklich- 
keit, daß auch im Bland, zuerst EPISTULARUM libri folgen sollten 
statt der SERMONUM; der Titel ECLOGARUM für die Satiren steht 
in keiner Hs. Cruquius wird unter der Rasur gelesen haben was er 
wünschte, ECLOGARUM statt EPISTULARUN. 

'''^) Hiebei hat gelehrte Ueberlegung der Karolinger mitgewirkt: 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 291 

saec. bei Porph. seine Stelle mit den epod. vertauscht hat, ist 
ganz unwesentlich, wie das Saeculargedicht denn auch in der 
mit dem sog. Porphyrie zusammen tradierten vita Orafii nur 
nachtragsweise genannt wird^^). 

Zu der Scheidung der Hss. nach der Bücherordnung stim- 
men aber auch die T ext Varianten. Ich verzeichne hier das 
Charakteristische, ohne auf Orthographica und ähnliche Klei- 
nigkeiten einzugehen. Aber ich mache von vornherein darauf 
aufmerksam, daß AF^) und im ersten Teile (carm. epod.) 
oft von Klasse I her interpoliert sind, hingegen E ab und zu 
und seltener D von Klasse II her beeinflußt wird, während der 
ältere C^^) rein die I Klasse widerspiegelt. 

carm. 

1, 3, 19 turhidum'"') ADEXIO Bland. turgidum R$. 

20 acroceraunia ADEO acrocerauniae R*. 

7, 17 perpetuos ADE (Serv.) perpetuo OR''* perpetuus R^ ? 

12, 2 clio ABDEIO c{a]elo R*. 

15 ac ABXl et EDR, aut *, qui 0. 



schol. yF zu epist. 1, 1, 1 ^epistularum libri'' Ultimi sunt sui operis 
libri, licet scriptorum uitio in multis codicibus locum sermonum occupaue- 
rint Das ist natürlich geschöpft aus Porphyrio z. d. St. Aber eben 
so sicher ist m. E. , daß man die Abschreiberphilologie des Porphyrio 
überschätzte, wenn man aus seiner Notiz einen Beweis entnähme, daß 
er, d. h. der Grammatiker des 3. .Jahrhunderts, die serra. vor den 
epist. gelesen hätte wie seine Hss. sie bieten; im Gegenteil: die Ord- 
nung epist. serm. war der Anlaß zu der Notiz, die sich ja unmittelbar 
aus epist. 1, 1, 10 ergab. 

'^) Ob der Servius Fortunatiano dn gramm. IV 468 überhaupt ir- 
gend welchen Ueberlieferungswert hat, ist mir äußerst zweifelhaft; 
jedenfalls zeugt seine Notiz p. 472, 10 höchstens für die Ursprünglich- 
keit der Folge epist. serm., für nichts weiteres. Daß ich in der Aus- 
gabe die übliche Anordnung belasse, wird mir hoffentlich niemand als 
Verehrung des heiligen mumpsimus auslegen: wer zur Vorstellung der 
Entwicklung des Horaz eine gedruckte Folge nötig hat, dem ist ohnedies 
nicht zu helfen, und im übrigen haben wir Philologen gerade genug 
Citiernot und- ärger. 

'-) Diese Beeinflußung zeigt sich außer der Uebernahme der Ma- 
vortius-Subscription in XI und besonders in XI deutlich dadurch, daß 
hier wie in A hinter Buch III der carmina derselbe index der griechi- 
schen Odenbezeichnungen mit Erklärungen folgt: Erotice : amatorie, prag- 
matice : causative u. s. w. In scheint dies Stück nicht zu stehen. — 
Vgl. ferner noch carm. 4, 14, 5 lux al{ii) libri sol X, lux {ve)l sol 1. — 
ist übrigens, wie die entstellte Subscriptio zeigt, nächstverwandt mit 
Brux. 9776—8. 

") Ich erinnere hier daran, daß bis carm. 3, 27, 1 in Kellers edi- 
tio minor 1878 und auch in P 1899 überall fälschlich im Apparate C 
statt E gedruckt ist; der ältere Teil C beginnt erst mit diesem Verse. 

''•*) Die echten alten und richtigen Lesarten habe ich gesperrt, da- 
mit um so leichter die gemeinsamen Fehler ins Auge springen. Bei 
zweifelhaften Lesungen fehlt die Sperrung. 

Philologus, Supplementband X, zweites Heft. 20 



292 



Vollmer, 



12, 


57 


15, 


20 


16, 


3 


19, 


11 


20, 


3 


29, 


13 


5, 


13 


10, 


6 


1, 


44 


2, 


16 




22 




27 


3, 


7 


4, 


14 


5, 


10 




54 


6, 


10 




27 


12, 


11 


14, 


6 


17, 


4 


24, 


4 



laetum ABDE 
Crines ADE Bland. 0' 
Pones ABDEXIO 
Auersis A, Versis E 
leui ABDEO Porph. 
nohilis AEO 
currit ADE (Porph.) 
obsoleti ABDEäIO 
uites ABDEO 
ue ABD 
ire ADEXIO'-' 
Vulgauü ADE 
inlabetur AXl 
acheront{h)iae ABE 
et ausgelassen ABE 
Biiudicata ABE 
Inauspicatos AB XI 
intermissa AE 
ei ausgelassen ABXlö 
aZio ABEO 
s acri s ABnO 
/asios ABEXIO 
ponticum ABXIO 



25, 6 consilio ABEXIO (Bland.) 
14 naidum ABEXIO^ 

27, 5 rumpat ABCXIO 

10 inminentium ABCXIO 
71 reddit ABCXl 

28, 6 et ABCXIO 

9 inuicem ABCXIO 

29, 2 uersum ABCX1(0?) 
& Nee ABCO 

8 iura ABC 
34 alueo ABC RXIO^ 
57 africus ABC(Oi ?) 
4, 1, 9 domo ABCXl 
18 Largi ABC 
20 ciirea ABCO (Porph.) 

2, 2 IWe {-li 0) ABCXIO (Porph.) 
14 Sanguine ABCXl 

27 auis ABC 

3, 10 qua ACXl 

4, 1 Verni ABC 

36 Dedecorant ABCO (schol. Juv.) 
65 MersMS ABCXIO 

5, 7 it ABCXl 

34 X)i;fMso ABCXlu 

6, 10 inpressa ABCXl 

8, 15 celeris fuga ABXl 
34 duxit ABXl 

9, 8 ue ABXIO 

31 silebo ABXIO 



latum R0$. 

Cultus R$(0*?) 

Poms R*. 

i;^ wems DRO*. 

eZem R<1>. 

nobiles R<E>. 

cur r et R0$. 

obsoletis R*. 

uitis R*. 

^we ERO*. 

*ier RO»* (Porph.). 

Volgarit RO* (Porph.). 
inlab atur ERO$. 
acheruntiae R0$ (Porph.). 
ei haben Bland. RO<J> (Porph.). 
Disiudicata (R^?)0<l>. 
iV^on at*sj)icaios ERO$. 
inpermissa R0<1>. 
ei haben EROFii. 
ario Bland. R<E>. 
6?Mws ER* Porph. 
fastus R$ (Porph.).; cf. Prise. 
publicum Bland. Rti*, apu- 
licum E^O^ 

concilio R*. 

nai adum R0^$ (Porph.). 

rumpit R*. 

inminentum R*. 

reddet RO* Porph. 

ac R*. 

m m'ces R*. 

uerso R* Porph. 

JVe R*. 

tM^a RO* (Porph.). 

aequore ^0'^ '"). 

africis RO<l> (Porph.). 

domum R0$ (Porph.) 

Largis RO*. 

cyprea R$. 

Im He R*. 

Sang uinem R0$. 

apis RO*. 

quae 0<5 (Porph.), g;m R 

Ferms (R?)Oi$. 

Jn decorant R$ Porph. 

Merses R5 Messes u? üfer- 
sae F. 

ei ROSu (F?). 

Befuso Bland. RO^Fa. 

inpu Is a RO*. 

celeres fugae R0$. 

ducit RO*. 

gjwe R*. 

sileri R*. 



^) Vgl. S. 289 Anm. 83. 



Die Ueberlieferungsgeechichte des Horaz. 



293 



carm. 

4, 9, 35 
52 

10, 6 

11, 7 

13, 14 

14, 5 

15, 10 

carm. saec. 

5 
23 
39 

epod. 

1,21 

Porph. 

28 

29 

34 

2, 25 



que ausgelassen ABXl 

periMt ABXl 

in ABOXl 

au et ABO 

dari ABXl 

lux AXl 

euag anti Au Porph. 

Quod ABCXl Bland. 0^ 
totidem ABCXIO 
urbes ABCXIO 

ut ad Sit auxilii ABXIO 

pascua ABCXl 
ca(n) dens ABCXIO 
nepos ABCXIO^ 
ripis ABCXIO 



5, 3 aut ABCXIO (Porph.) 

Ih illigata ABCXIO (Porph.) 
18 cupressos ABCXIO 

20 strigis nocturnae ABCXIO 

21 aut ABCXIO 

60 laborarunt ABCXIO 
63 superba ABCXIOk 

infectum AB CO 

mari ABCX102 

effugerint ABCXIO 

uerti s ABCXl 

petis ABCXl 

lacon ABCO 

albus ora pallor ABCXIO 
(Porph.) 

sinu notus AC Bland. 

per GUS s um AB (metrici) 

quid ABCO 

mittes ABXl 

er e seit ABCXIO (Porph.) 

cecinit grandi ABCXl 

utsi ABCXItiO^ 

N{on) acreonta AB Äcreonta C 

uiri ABCXIO Porph. 

JEqui (Etqui B, Eque C) ABC 

uidere ABCXIO^ 

perpremat ABCO^ (Porph.) 

Befixa ABCO 

Luxere ABCXIO^ 

Belatus ABCXl 

amictus ABCXIO^ 

sacrum ABCXIR^O^ 

pro der at ABXl 

laboribus ABCXl 

72 innectes {-is 0) ABCXIO 





79 




102 


6, 


3 




5 


7, 


15 


10, 


19 


11, 


2 


12, 


2 




3 




8 


13, 


11 


14, 


3 




10 


15, 


12 


16, 


12 




14 




38 


17, 


5 




11 




18 




22 




57 




60 




64 



que R0$. 

perire Bland. RO*. 

in ausgelassen R<JE>. 

habet R*. 

cari Bland. RO*. 

s l RO*. 

etuaganti R0$. 

Quos RO* Quo Tl. 
totiensU{Cenaorm)potiens^. 
u rb em R<l». 

ut sit auxili{i) R$, uti sit au- 
xili g 'quartus Blandinius'. 
pascuis Bland. RO*. 
tangens RFS(7i?). 
ut nepos RO^<I>. 
ripis Tc^ risis R* riuis Bland. 

et R*. 

implieata R<J>. 
cupressus R$. 
nocturnae strigis R* 

(Porph.). 
at que R^ (Porph.). 
lab orarint Bland. R^. 
sup e rb am Bland. R$. 
imbutum R<E> (Porph.). 
mare RO^* 

effugerit R* Porph. 
uertis R^ti^ uerte Bland. R'-'O^^. 
petis R^Ti^ pete R-O2*. 
laco R*. 
ora pallor albus R$. 

sinus noto {notu R) R0$. 

percidsum RO*C. 

cur R*. 

mittis RO*C. 

crescat R*. 

grandi cecinit RO*. 

uti RO^*. 

Anacreonta RO<E>. 

uirium R<5E», 

Eques R0$. 

uideri RO'*. 

perprimat RO'-^*. 

Befixa R<^. 

Unxere Bland. R0-$. 

Belapsus RO* (Sacerd.). 

amicta RO^*. 

Sacra R'O'^*. 

proderit RO<I>C. 

doloribus RO'^* (Porph.) cru- 

ciatibus 0^ 
nectes R*. 

20* 



294 



Vollmer, 



epod. 

17, 80 pocula ABCXIO 
81 exitus ABOXl 

serm. 

1, 1, 38 patiens aBDE RO^ 

55 mallem {-e B) BDEO'^ 
79 optarem aBDEO' 
2, 6 pr opellere aBDEO^ 



poculum R* (Porph.). 
exitum RO* (Porph.). 

sapiens (Bland.) 0^$ Porph. 
malim R0^$ (exempla Vat.) 
optarim R0"^<|). 
depellere RO^«!», 



Serm. 1, 2, 100 scheint Klasse II ausgelassen zu haben: 
in FXl ist 100 falsch vor 99 gestellt, 100 ließen aus R^a. 
Der Fehler hängt zusammen mit der Abirrung von circumdata 
V. 96 auf circumdata v. 99 ; denn 99 haben ^R nicht palla, 
sondern nam te (aus 96) und R^ hat Lücke. Also ganz deut- 
lich : Fehler einer Abschrift, nicht einer Ausgabe. 



1, 2, 121 philodemus aBDEO 
124 dat aBE (Porph.) 
127 uereor aBDE 
130 Desiliat aBDE 

3, Sl filix aBDEOa 
43 A c BDE 

56 incurtare BDE, 

4, 15 Accipe iam aDE ^^) 

25 elige aDE(0^?) 

26 misera ambitione aDEO 
^0 tepet aDEO schol. T 

35 non hie aDEO 
50 grandi aDEO 
54 puris aDEO 
58 u erb um aDEO'^ 

65 et 70 sulcius und sulciaJ)'^0 
79 Inquit aDE 

93 si quae aDE (Porph.) 
103 aliud aDE 
HO Baius aDE Bland. 
123 selectis aDO^ 

5, laccepita.CE (Serv. Porph.) 
15 ut ausgelassen CDO (Porph.) 
73 dilapso aED 

97 dein aCDE 

6, 4 imperitarint aCDEO^ 

6 ut D02, at ut E, aut ut C 
nato s aE, natus CD 

7, 21 concurrunt aDE 

8, Q Ast aDEO 

1, i), 52 atqui aDE 

62 uenis et aEO (Porph.) 

66 bilis aDE 
10, 13 urbani aDEO 



philodamus R<& (Porph.). 

det RO* D. 

metuo RO*. 

Dissiliat RO*. 

filsx 0*$ '«). 

At 0*. 

incrustare 0$ Porph. 

Accipiam (Bland.) R0$ 

(exempla Vatic.) Porph. 
erue RO^«!}. 
miser ambitione R^. 
patet R*. 
non non R*. 
grandem R$. 
pueris R<1>. 
uersum R0^<1>. 
sulgius und sw?^i R*. 
Inquis RO*. 
si g'wa ROcE>: 
aliquid R0$. 
Barus R0$. 
eZeciis R0^<E> e?eci» E. 
excepit {-ipit R) R0<X> D. 
t«< R$ aE. 
delapso R^ C. 
de[h)inc *0R2 (R» non liquet) 

(Porph.). 
imperitarent R0*$. 
aw« RO^*a. 
natum R^O^. 
procurrunt R0<^. 
jE/s^ R*. 
ai^^e R^. 
uenisset R^ D. 
6eMts K*. 
urbane $ Porph. urbem R*. 



76) Serm. 1, 3, 28—83 fehlt R. 

") Von serm. 1, 3, 135 an fehlt B durch serm. 



epist. 



Die Ueb erlief er ungBgeschichte des Horaz. 



295 



10, 24 ut aDEO Porph. 

27 latini aDEO (Bland.) 
39 spectanda {-tia E) aDE 
A^ potes aDEO 
44 ducit aDE (Serv.) 

1, 18 ct^m aDEO 
22 gt*e aDE 

2, 30 tepetere (dep-E) aDE Porph. 
35 g**o aDE (Porph.) 

60 repotia aDEO'^ 
99 trausius aDEX 
116 e<^^ Z««ce aDE 



latin{a)e R*. 
spectata RO*. 
po^es^ R*. 
diictu R<1>. 

we 0<I> (Porph.). 
/e _pa^e^ $0. 
g^mVZ <l>, quod 0. 
reportia *0^ (Porph.). 
trauius ^0 (Porph.). 
e* etZM/c6 {de luce X) * e^ di- 
luce 0, (et^ edulce (Porph.). 
at ip sis $ Bland. 
uerum <E>0^ 
perisset *0. 
g; IC i discrepat (Bland.) 0$a. 
u{a)esania *0. 
e^ $. 

ausgelassen *0. 
Edicit $0. 
uerris (Bland.) 0$. 
ex{s)orberet 0*. 
Mane 0*. 
g'we 0$. 

u in Cent Bland. *. 
peraget 0*. 

doctor Bland. <E>. 
ac prior 0'-$. 

ecquis *, acMS corr. in ec- 
<i;wis 0. 

JDicere R*. 

ausgelassen in II, denn 
et ÜO'dK, ac FXl 
putat R^, puta corr. in putes 
Plenius (Bland,?) RO^*. 
aestum Bland. RO*^^. 
atque Bland. R<I>. 
ter7'as Bland. RO^Stt. 
exterret {-itR) utrumgue RO*. 
Suspice ROFo Porph. 
primum R0^$. 
{h)is ROSti (Ex. Vat.) 
patri{a)e RO<I>. 
non RO<I>. 

ausgelassen R*, dafür est in- 
terpoliert XI. 
uenturüs Bland. 0^$. 
Tu Bland. RO^*. 



'^) Von sat. 2, 1, 16 an fehlt in den Satiren R. 
'®) Ich halte das für durchaus richtig: nur gehört utrum zum fol- 
genden Satze. 



3, 4 ab ipsis aEXO (D fehlt) 


33 ueri aEO^ 


93 periret aDE 


108 quid discrepat DE 


174 insania aDE 


183 aut aDEO 


213 ^*^i^o aDEl 


227 Et dicit aDE 


235 uellis aDEl 


240 ahsorberet aDE 


291 Jfa^ne (-wo E) aDE 


292 ue aDE 


4, 2 uincunt aDElO 


22 peragit aDE 


6, 57 e^ aE (D fehlt) 0^ 


7, 13 doctus aElO 


19 acnor aEO^ 


34 fert ElO- 


e< g|wis E 


epist. 


1, 1, 48 Di scere AEO 


12 aut AEO'-^ 


101 ?}wias AEIS Porph. 


2, 4 Planius AEO'^ 


8 aesit«s AEXO^ 


33 a i g t« ^ AEO 


3, 4: turres AE Porph. FXIO^ 


6, 11 exterruit utrum AE ^9' 


18 Suscipe AEXItl 


48 ^r*mi*s AE02 


53 Ä^c AEFAl 


64 p atria AEcp 


68 w * Z AE 


7, 73 hie AEO 


8, 12 weniostts AE (Serv.) RO^ 


11, 24 Ut AEO^ 



296 



Vollmer, 



epist. 




1, Ib, S2 donabat AEO^ 


donarat Bland. RO'*. 


16, 5 s^■ AE (Porph. lemma) 


ni R0$. 


8 benigni AE 


benign{a)e RO*. 


51 Suspectus AEO 


Suspectus R*. 


11, 2S loca AEO^ 


^oca R0-*. 


30 angue AEO 


angui R* Priscian. 


18, 82 et quid AE RO 


ec qui(d) * Porph. 


107 ut AEO^ Porph. 


e^ Bland. RO'*. 


111 donat AE RO 


ponit {-at n) (Bland.) *. 


19, IS textore AEO Porph. 


extore R, e:c ore *. 


30 oblitiat A]^ 


obtinet R*. 


47 *sie (om. A) E 


i7Ze R*. 


2, 1, 27 Dictitet aO^ Doci^•iei EO^ 


Dici^ e^ Rtt, Dicai et *. 


37 gwe aE 0^ 


we R*02. 


46 etiam aE 0'^ 


e< idem Rtc, et *iem 0*, 


73 et ausgelassen AE 


et RO*. 


Ibd lata aE 


nato R*. 


ISQ gaudeto^E Bland. (Porph.) 


plaudet R*. 


198 nimio aE Ru Bland. 


mimo 0* Porph. 


205 Z (a) e t* a e aEO'^ 


Z(a)eMa RO^*. 


226 eo rem ueniuram aEO 


forem uenturam Rix, item /ore 




uenturum FXl. 


2, 2, 8 imitaberis aE Bland. 


imitabimur {-itur XIO) RO*. 


11 ext rudere aEO 


excludere Bland. R*. 


44 u eil ein aE02 


jpossm (-em 0^) RO^*. 


63 iw gM06^ aE50 


quod tu R*. 


77 urbem aE Porph. 


wr&es R*. 


87 ifc^ aEgO 


e« R*. 


112 feruntur aDESO^ 


ferentur RO**. 



ars 

49 et ausgelassen aBC 
76 in du s a est BCO 

111 effert (-eret B) aBC03 

117 uir enti s aBCO 

196 amice aBCO 

203 p au CO aBC Porph. Ott 

212 haben aBCO 

223 Inlecebris aBCO 

237 et BC Bland.* 

279 Aeschylus aBC 

294 Praesectum BC Bland. 

305 ex(s)ortita aBC Rtc 

319 locis aBC Bland. 

327 aZöam aBC 

328 triens{h)eu aBC Bland. 
339 uelit aBCO (Serv.) 

400 honor aBC 
421 aör^ BC 



et (Bland.) RO*. 

iunctis {-US Utz) aus Vers 75 R* 

et certi R*. 

uigentis R*. 

amici Ftiö amicis RXl. 

paruo R*. 

lassen aus R*. 

Incelebris R*. 

an R Bland. 2 0*. 

Aeschynus vel -mws RO*. 

Perfectum RO*. 

eic(s)ors ^J) sa 0*. 

iods RO*. 

{al)bini RO*. 

trienem Rtc, triens est *. 

i*oZet R*. 

Äowos RO*. 

a^ns RO*a. 



In dieser Liste — sie wird nicht lang erscheinen, wenn man 
bedenkt, daß sie abgesehen von den oben aufgeführten ge- 
meinsamen Fehlern der Hss. und den Zeugnissen der indirec- 
ten Ue herlief er ung eigentlich den ganzen kritischen Apparat 
zu Horaz birgt — sind für den, der sie zu lesen versteht, die 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 297 

wichtigsten Tatsachen der Ueberlieferung und damit die Richt- 
schnur der recensio beschlossen. Ich will versuchen das zu 
entwickeln. 

Zunächst ist klar, daß diese Varianten nicht Ausgaben ^^), 
sondern Abschriften bedeuten : ganz significante Schreibfehler 
z. B. carm. 1, 12, 2 CELO statt CLIO, 3, 2. 22 IRE statt ITER, 
4, 15, 10 ET VAGANTI statt EVAGANTI, epod. 14, 10 
NACREONTA statt ANACREONTA, serm. 1, 4, 15 ACCIPE 
lAM statt ACCIPIAM u. s. w. , dann eine Reihe von Wort- 
umstellungen, ferner Abirrungen wie serm. 1, 2, 100, ars 76, 
Auslassungen wie ars 212; ganz klar erkennen wir die Capi- 
talschrift des Archetypons epist. 2, 1, 226 wo FOREM statt 
EO REM in Klasse II übergegangen ist, vgl. auch epist. 1, 
15, 32 DONARAT II und Bland, statt DONABAT. 

Welche Abschrift ist die bessere? Das zeigt deutlich die 
Verteilung des Sperrdruckes, der auf der linken Seite über- 
wiegt : I ist zweifellos die getreuere Copie, aber auch sie wim- 
melt von Fehlern und kann daher nur bei ganz gleichwerti- 
gen Lesungen relativ größeres Ansehen beanspruchen. Es ist 
ja überhaupt nicht die Aufgabe der Recensio, Lesarten nach 
ihrer Güte zu zählen, sondern für jede einzelne Stelle den Ar- 
chetypus zu rekonstruieren. 

Und nun beginnen die Zweifel. Ist denn die oben ste- 
hende Liste beweiskräftig, ist sie nicht willkürlich und un- 
sicher? Niemand weiß besser als ich, wie schwer sie zusam- 
menzustellen war, wie genau jede Stelle geprüft werden mußte, 
mit wie viel verschiedenen Möglichkeiten zu rechnen war. Und 
ich fühle durchaus die Verpflichtung, für eine Reihe von Stel- 
len meine Erwägungen klarzulegen, damit mein Urteil nicht 
als Willkür erscheine. 

V. 

Während im ganzen die Reconstruction der I. Abschrift 
kaum Schwierigkeiten macht ^^), wird dieselbe Aufgabe für 

^°) Nirgends finden sich Spuren einer Recensionsarbeit wie z. ß. in 
den alten Plautusausgaben A und P ; auch werden die Varianten 
dieser beiden Klassen nicht von antiken Zeugen be- 
stätigt (über carm. ^, 17 , 4 fastus oder fastos siehe S. 276), mit 
einer Ausnahme, die ich oben S. 282 Anm. 39 behandelt habe. 

^^) Diese erheben sich nur da, wo die führenden Hss. ABC nicht 



298 Vollmer, 

Apographon II durch eine ganze Reihe von Umständen er- 
schwert. Hier spielt mit die Unvollständigkeit und Unzuver- 
lässigkeit der Collation des Blandinianus vetustissimus , das 
Fehlen von R in einem Teil der Satiren, der aber auch, wo 
er erhalten, bisweilen durch Glossen und Varianten getrübt 
ist. So müssen wir uns oft genug statt des sicheren Zeug- 
nisses Bland. RO mit dem magern R$ oder gar O genügen 
lassen ^^). Vor allem aber kommt in Betracht der Zustand 
der Kerngruppe von Klasse II, der Gruppe O. Wäre sie so 
wenig getrübt wie etwa i?, so würden uns Hunderte von Zwei- 
feln erspart bleiben ^^). In Wirklichkeit ist aber die Gruppe 
^, in der sich zusammenschließen F (=tpcp)oXl7r, lauter sicher 
oder wahrscheinlich mittelfranzösische Hss. , ganz besonders 
fehlerhaft und verderbt. Ihre Verwandtschaft im einzelnen histo- 
risch zu erklären, muß ich einer besonderen Untersuchung über- 
lassen; für mich genügt hier festzustellen, daß sie durch hun- 
derte von gleichen Fehlern zusammengehalten werden und 
daß nur in den Carmina und Epoden X\ oft von der I. Klasse 
her beeinflußt sind, wie sie auch die Mavortius-Unterschrift, 
indirecter Herkunft , tragen. Ich muß aber hier wenigstens 
die große Menge der charakteristischen Fehler zusammen- 
stellen, damit das Zeugnis dieser Gruppe nicht länger über- 
schätzt werde : die Gruppe ist zahlreich und mächtig geworden 
vor allem weil Heiric^^) und sein Kreis den Horaz in dieser 
Form kennen gelernt, nachgeahmt und verbreitet hat ; tatsäch- 



erhalten sind, also vor allem in den Satiren und Episteln, und auch 
hier giebt in der Regel der Consensus aE, wo nicht Glossen die reine 
Ueberlieferung gestört haben, den rechten Weg an. 

^2) Unter den von Keller-Holder verglichenen Hss. habe ich nach 
einem weiteren von <X> unabhängigen Vertreter gesucht, aber keinen 
gefunden : auch u hängt von * ab: vgl. z. B. carm. 4, 4, 43. A, 6, 17. 
4, 7, 15. 4, 10, 5 u. a. 

^^) Die Fälle wo $ allein das Echte bewahrt hat, sind selten: am 
wichtigsten carm. 3, 29, 34 wo aegruore für das glatte Flußbett (vgl. 
Thes. ling. lat. I 1027, 32) in allen andern Hss. und natürlich auch 
in den Ausgaben durch die Glosse dlveo verdrängt worden ist; 3, 27, 
55 Defluat mag Conjectur sein; siehe noch serm. 2, 3, 183 et, 2, 7, 19 
ac prior ; über ars 305 vgl. unten S. 305. 

^*) Siehe vor allem die schon von Traube PMA. III S. 424 Anm. 3 
hervorgehobene Stelle carm. 2, 20, 13. 

^'°) Wo andere Hss. zu <l> hinzutreten, ist meist derselbe Schreib- 
fehler oder dieselbe Glosseninterpolation zwei- oder mehrere Male ge- 



Die Ueberlieferungsgescbichte des Horaz. 



299 



lieh ist dieser Zweig der Ueberlieferung der wildeste , am 
meisten durch Schreibfehler wie Interpolation entartet. Hier 
in der Gruppe O haben wir in der Tat eine Art von recensio 
vor uns, freilich keine des Altertums, sondern eine des 9. Jahr- 
hunderts und eine, in der die kühnsten Interpolationen neben 
den törichtesten Schreibfehlern stehen. 



1, 2, 

4, 

7, 



9, 

10, 
12, 



13, 
14, 

18, 

25, 

27, 
28, 

33, 
35, 

37, 

2, 2, 

3, 

4, 



9, 
10, 
11, 
12, 
13, 

16, 

17, 



11 super iacto <E> 


statt 


superiecto 


18 uelorum <l> 


^ 


ultorem. 


8 urit^") *0 


n 


uisit. 


27 teucro^") *D0 


» 


teucri. 


2 hoc deos oro Stc 1 
te deos oro ¥X\0 / 


« 


hoc deos vere. 


6 Largiri potis $ 


^ 


Large reponens. 


7 Depone * 


» 


Beprome. 


17 animas laetis * 


^ 


laetis animas. 


13 parentum FöreDO Bland. 






marg. ^^) 


„ 


pareniis. 


15 aut terram FSu 


n 


ac {et EDR) terras. 


51 fatis ausgelassen Fau 


v 


fatis. 


57 regit Fön 


» 


reget. 


5 tum $D 




tunc. 


5 actus «l> 


^ 


saucius. 


5 increpat FökEO^ 


J> 


crepat 


15 ExtoUens [Ät t. n) FauO' 


j, 


Et tollens. 


5 facües FdnlO^ Porph. 


n 


facilis. 


14 te ausgelassen <X> 


w 


te. 


3 litus <J> (ohne n^) q 




latum. 


19 et Fdn 


^ 


ac. 


6 te torret FSu 


5, 


torret. 


17 s{a)eua *0 




serva. 


26 fugiunt FSu 


n 


diffugiunt. 


5 Antehanc «l> (Porph.) 


)) 


Antehac. 


7 oö»« *0 (Porph.) 


n 


aget. 


28 exitium $02 




exilium. 


8 öresei? FSu 


« 


hriseis. 


6 tegmess{a)e $0 




tecmessae. 


5 Fompili * (Porph.) 


?i 


Pompei. 


7 comptus FöuO 


n 


coronatus. 


14 a& aere FSti aö aere veZ aere 0^ 


» 


aere. 


11 cßc^Mw^ FSuO 




decedunt. 


18 cytharae Fb-n 


» 


cythara. 


24 com am FbK 


^ 


comas. 


25 jDwm F57iO 




Cum. 


8 Colchica $ (Porph.) co7c/i«a 


„ 


Colcha. 


23 discretas FaIu^O (6 deest) 


» 


discriptas. 


13 paterno Ftc (5 deest) 


5) 


paternum. 


31 forset Fd7t02 




forsan. 


19 LoetaUs Fa^i 


» 


Natalis. 



macht, in den jüngeren Hss. wie auch einfach aus $ übertragen 
worden. 

^^) Was sich die Abschreiber bei der Verbreitung dieser ganz tö- 
richten Lesart gedacht haben, kann ich nicht erraten. 



300 


Vollmer, 




carm. 






2, 17, 


25 alas ausgelassen F5k 








te FbK 


statt 


; cum. 


18, 


8 clientes $0 




clientae. 




36 Beui{n}xit FSti 


n 


Beuexit. 


20, 


3 terra FotiO 




terris. 




13 (o)aor FSkEO Heiric 




notior. 


3, 1, 


43 DeZmii (-we^ 0) *D0 


M 


Delenit 


3, 


10 Innisus FaTxO 


5) 


Enisus. 




12 hibit FStiOE (Porph.) 


« 


bibet. 


4, 


10 Urnen apuliae <l>OE (Porph.) 


)1 


limina pulUae. 




16 ferenti ^0^ (Porph.) 


fl 


forenti. 




31 arentes Föjt: 


51 


urentes. 


5, 


51 amicos F3tiO 


V 


propinquos. 




53 clientium ^0 (Porph.) 




cUentum. 


6, 


35 et ausgelassen FöTtO 






8, 


27 rape {spe n^) F3k 


n 


cape. 


9, 


9 riget <E> 


n 


regit. 




21 Quamuis FbnO^ 


j» 


Quamquam. 


10, 


6 situm FaTtO (Porph.) 


71 


satum. 


13, 


11 sub uomere FSirO^ 


n 


uomere. 




16 Nymphae ¥dr. 


« 


Lymphae. 


18, 


7 creterrae * (Porph.) 


11 


craterae. 


19, 


11 Munere FSti 


« 


Murenae. 




14 attonitiis cyathos FbnO 




cyathos attonitus. 




27 c/iZoe FoTi 


5) 


rhode. 


20, 


3 paulum Fött: 


« 


paulo. 


23, 


9 aZcicZo Fa:: 


J1 


algido. 


24, 


26 aut FaTiO 


J1 


et. 




27 quaerit F37X 


51 


quaeret. 




60 hospitem FXtcO 


11 


hospites. 


25, 


16 fraxinus Fök (Porph.) 


11 


fraxinos. 


27, 


7 gM^■c^ aXluO 


J1 


cui. 




37 culpa FuO^ (Porph.) 




cuJpae. 


3, 27, 


55 Uefluat richtig FaTiO 


11 


Defiuit. 




71 m'sMS ^ 


n 


inuisus. 


29, 


34 aeguore richtig FduO^ 


» 


aloeo. 




62 Tum Fa;tO 


n 


Timc. 


4, 1, 


11 Comitahere FaTtO^ 


n 


Comissabere. 




37 e^o ie Fa^ {te 0^) 


11 


ego. 


2, 


6 Cmw? . . . saluere Fbn Bland. 


« 


Quem . . . aluere. 




58 orbem bXln 


n 


ortum. 


4, 


6 propulü bXlnO 


n 


protuUt. 




41 arma <l> 


11 


alma. 




43 weZ ausgelassen $ (per F, ei au) 






6, 


17 captis ausgelassen Farc 

38 nocte lucem Fbn {noctem lu- 








cem 0') 


11 


noctüucam. 


7, 


19 herebis vel -bit $ 


n 


heredis. 


8, 


25 aequum Fau 


^ 


aeacum. 


10, 


5 falsche Wortstellung FbtiO 






12, 


11 Belectante{m) FbK 


„ 


Belectantque. 




16 mereberis FbTt 


n 


merebere. 


14, 


5 ^eferne e« Fau 


» 


Aeternet. 


15, 


23 ue FbnO^ 


11 


que. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 



301 



carm. saec. 

26 est ausgelassen F871C* 






51 imperet FbXR'O^ 


statt 


impetret. 


hl honos <E> 


„ 


honor. 


epod. 






1, 10 Quem *0 


n 


Qua. 


2, 19 gaudens F871 


n 


gaudet. 


5, 1 regis $0 


5) 


regit. 


21 colc{Ji)os $0 


5) 


lolcos. 


34 immemori Fbnl 




inemori. 


55 dum Fau 


fl 


cum. 


6, 15 oppetiverit F (Ö^?) u* 


» 


peiiverit. 


13, 9 cyllena Ftii 


» 


cyllenea. 


15, 17 tu ausgelassen Fdu 






16, 33 flauos FStiRO, saeuos XI 


» 


rauos. 


17, 17 circ{a)e FSItiO 


n 


Circa. 


62 Si *02 Ps. Porph. 


j) 


Sed. 


67 alite FbnRO^ 




aliti. 


serm. 

1, 1, 88 at FXISO2 


j) 


an. 


91 campum FXia02 


n 


campo. 


94 habebas <PB^ 


51 


avebas. 


105 fteseZ/* («es- 0^) <S)0^ 




Viselli. 


2, 3 tigilli *0^ 


51 


Tigelli. 


12 fusidius *02 


51 


Fufidius. 


19 /lOC FAISO 




hie. 


34 Hac FAla 




■ Huc. 


51 Munificum $0^ 


n 


Munifico 


71 /'er&m"« $ 87) 




conferbuit. 


90 lineeis FXIO (Z^/wcees E) 


^ 


Lyncei. 


98 depygis <l>aO 


,, 


depugis. 


97 dMw <l> 




tum. 


officiunt FXIO2 


l 


officient. 


117 praesfo awi ^O^ ^») 


n 


praesto. 


133 2^2/^6 * 


n 


puga. 


3, 29 actus * 




aptus. 


33 pectore ^0^ 


v 


corpore. 


35 insederit <l> (Porph. lemma) 


51 


inseuerit. 


38 aw?ia * 


j^ 


amicae. 


64 {h)aut ^ 


55 


ut. 


65 modestm ^ 


5) 


molestus. 


76 quatinus ^ 




quatenus. 


92 anfe me *0 




ante mea. 


4, 32 ampUcet WXIO^ 


'^ 


ampliet. 


49 msanii *R 


51 


insanus. 


54 uerbum <l> 




uerbis. 


73 iV^ow * 


51 


Nee. 


87 imMS ^ 




unus. 


125 fraglet * 


51 


flagret. 


126 m'des * 


51 


auidos. 


131 Ignoscat * 


51 


iqnoscas. 


139 Incumho ^0^ (Porph.) 




Iniudo. 


5, 3 lingu{a)e $0^ 


fl 


lange. 



^^) 7t fehlt von 1, 2, 70 ab in den serm. 

«8) Von serm. 1, 2, 114 fehlt auch a, also ^ = FXl. 



302 Vollmer, 



1, 5, 


26 anxyr * 




statt Anxur. 




40 uarus *0 




„ Varius (ebenso 93. 1, 6, 
55. 1,9,23. 1,10,44.81). 




71 recte *D0 




„ recta. 




97 graüa $00^ 




y, Gnatia. 


6, 


65 aut * 




„ ac. 




73 et ^0^ 




„ e. 




75 octonis . . . aera {-re ') 


*0 


„ octonos . . . aem. 




83 seruabat ^ 




„ seruauit. 




96 si * 




„ siö«;. 


7, 


7 iumidusque * 




„ tumidus. 




28 multum $0 




„ WM^eO. 


8, 


9 uilis $0^ 




„ Mli«. 




12 ciprMs * 




„ cippus. 




48 caliandrum * (Porph. 4 


mal) 


„ caliendrum. 


9, 


12 agebam *E 




„ aiebam. 




13 /icos $ Ps. Charis. 




„ Micos. 




16 Prosequar ^DO 




„ Persequar. 




63 ^ewcZii <D 




„ tendis. 


1, 10, 


*1— *8 diese falschen Verse 
jüngeren Hss. ^^). 


sind 


nur in $ erhalten und einigen 



^^) Diese Tatsache zwingt uns gegenüber den früheren Betrach- 
tungen (zuletzt F. Marx, Rhein. Mus. 41, 1886, 552 ff.) die Frage zu 
erwägen, ob es denn ganz undenkbar sei, daß diese 8 Verse in der 
Karolingerzeit interpoliert worden seien. Höchst verdächtigend ist doch 
außer der beschränkten hslichen Bezeugung der Umstand, daß Porphy- 
rie sie nicht commentiert hat, ein Umstand, der nach der unten zu 
erschliessenden Lage unserer Ueberlieferung fast völlig die Möglichkeit 
abschneidet, daß die Verse aus dem Altertum überkommen seien. Und 
daß die Verse, wie Marx meint, ursprünglich für einen andern Zweck, 
ein litterarhistorisches Gedicht oder als prooemium einer Luciliusrecen- 
sion gedacht und gemacht und erst nachträglich der Satire vorgeflickt 
seien, ist unerwiesen, unerweislich und bei dem Uebergang mitten im 
Verse ut redeam illuc ganz unwahrscheinlich. Hinzu kommt eine wich- 
tige Kleinigkeit: die übliche Emendation in v. 4 quo melior vir l^et) 
est ist schlecht, wie auch Marx erkannte ; mit longe subtilior fängt not- 
wendig eine zweite, von quo unabhängige Apposition an. Vir an sich 
ist gut, es gehört nicht zum Praedicat, sondern zu ille: hoc lenius ille 
vir quo melior est. Der Fehler vir aber zeigt uns m. E. deutlich, in 
welche Zeit die Verse gehören; seit dem 5. Jahrh. werden einsilbige 
Wörter, die auf Consonant ausgehen, verschiedentlich als Länge be- 
handelt (z. T. natürlich nach Beispielen von Nachwirkung Ursprung, 
lieber Doppelconsonanz wie pes und par) : fac, ac, cor, an, nee u. s. w- 
und solche Dinge bildeten die Karolinger nach; so haben wir bei Hei - 
ric von Auxerre (PMA IH p. 427 ff.) in der vita Germ. 1, 34 vel 
(in thesi) und 1, 480 nee (in thesi) ; für vir selbst beweist der Vers 6, 6 
hoc vir, hoc mulier, hoc u. s. w. nichts. Den folgenden Vers lese ich 
mit Marx: qui multum puerum et loris et funibus ussit Exoratus und 
erkenne mit ihm eine Nachahmung von Juvenal. 6, 414 quae vicinos 
humiles rapere et concidere loris Exorata solet. Diese Nachahmung 
Juvenals passt wiederum vortrefflich auf Heiric, der diesen Dichter 
vielfach nachbildet, ihn sogar glossiert hat (Traube PMA III p. 424 
Anm. 3). Kurz, ich halte Heiric für den Verfasser die- 
ser 8 Verse, die von ihm eben für die interpolierte Recension des Ho- 
raz gemacht worden sind, die wir in <1» erhalten haben und von der wir 



Die Ueberlieferung8geschiclite des Horaz. 



SOS 



1, 10, 5 num ^Oa 


statt 


nam. 


65 urhanis * 


B 


urbanus. 


75 müihus WXl 


51 


uilibus. 


2, 1, 49 quis . . . certet $0D 


J) 


quid . . . certes. 


2, 22 lagonis $ (Porph.) 




lagois. 


38 raris * (Porph.) 


„ 


raro. 


41 quamuis $ 


„ 


quamquam. 


58 /mdere * 


n 


defundere. 


65 qui *0 


n 


qua. 


95 Occupat $ (exempla Vat.) 


« 


Occupet. 


99 .4sm ^M<<) * 


51 


As laquei. 


114 metatum <E> 


51 


metato. 


2, 3, 21/a&er * (0^?) 




uafer. 


39 urget *0 


51 


angit. 


41 sie* * 


55 


si erit. 


63 simiUs cuncta FP 


55 


similem cunctum. 


72 iura ^aO^ 




ius. 


96 contraxerit *0 


51 


constriixerit. 


98 Me^^t^m ^ 




ueluti. 


108 is^e * 


„ 


istis. 


128 <w insanus $ 


51 


tun sanus. 


142 opimus $ 


51 


Opimius. 


152 gwod VIS *D* 




quid vis. 


156 ewp^i * 


51 


emptae. 


246 ut ausgelassen $0 






247 postella {-lo V) * 


55 


plostello. 


266 habet ausgelassen Fl 






272 Qui Fl 


55 


Quid. 


286 uulgo * wie es scheint 


55 


uulgus. 


317 tandem $0a 


51 


tantum. 


4, 3 utique {antique 1) ^ 


51 


Anytique. 


11 celebraUtur $ 


55 


celabitur. 


14 prohihent ^ 


55 


coliibent. 


47 tarnen * (om. 0) 


J5 


tantum. 



sahen , daß eine charakteristische Lesart eben von Heiric in eigenem 
Gedichte verwandt wurde (oben S. 289). Wie aber kam denn Heiric 
zu solch ausgezeichneten Kenntnissen über Lucilius, Valerius Cato, Or- 
bilius? Man beachte doch, daß alles was in diesen Versen erwähnt 
oder gestreift wird, bei Sueton de gramm. steht oder aus dessen Noti- 
zen zusammenphantasiert werden konnte; Suet. 2 (Lucilii saturas) le- 
gisse se . . . apud Philocomuni Valerius Cato praedicat, 11 das Capitel 
über Cato, mit dem Lobe seiner Tätigkeit als Lehrer: er war eben ein 
anderer und besserer Mann als der plagosus Orbilius {puerum ist na- 
türlich Horaz , nicht Cato) ; aber von Cato stand auch der Vers bei 
Suet. qui solus legit ac facit poetas : da haben wir das emendare parat 
und den defensor des Lucilius. Also Heiric kannte aus Fulda (vgl. Sue- 
ton. ed. Reifferscheid S. 410 f.) her das kostbare Fragment über die Ge- 
schichte der römischen Grammatik: er fand in seinen Hss. die 10. Sa- 
tire des Horaz mit Nempe incomposito wie ihm schien abrupt beginnen 
und dichtete nun unter der Maske des Horaz den falschen Eingang, 
nicht ohne Witz und Geschick. Daß Heiric diese Verse machen konnte, 
wird jeder zugeben, der in der vita Germani neben ausgeleierten Versen 
und mancherlei Fehlern Reihen findet, denen man genaue Leetüre der 
Horazischen Satiren anfühlt auch ohne daß directe Nachahmung vorläge. 



304 


Vollmer, 




serm. 








2, 4, 


49 nescit FX 




statt 


i ne sint. 




66 quae * 




n 


qua. 




68 addens * 






addes. 


5. 


3 dolosos * 






doloso. 




6 recZeai Fl 






redeam. 




7 am qui Fl (exempl. 


Vat.) 


n 


atqui. 




38 si [sis 0) FlO 




n 


fi- 




48 Ärripe * 




n 


Adrepe. 




89 »zeweZ Fla 






neue. 




104 multum FlO 




n 


uuUum. 


6, 


27 ^ocM^^■ <l> 




" 


locuto. 




38 «aöeZZas Fl 






tabellis. 




40 proprior $a 




n 


propior. 




61 /ioriis * 






horis. 




89 ausgelassen in F, an 


. falscher 








Stelle X* 








106 ubi ausgelassen FX 










109 aßlat FX 




57 


affert 


7, 


19 est melius $ 




fl 


leuius. 




38 supino Fl 




» 


supinor. 




49 urgentis Fl 




>l 


turgentis. 




53 Tecum Fl 




J» 


Tu cum. 




78 supra FXO^ 




)1 


super. 




79 ut est mos FXO^ 




J» 


uti mos. 




88 potestne <l> 






potesne. 




99 morientes FX 




n 


mouentes. 




100 ei ausgelassen * 










105 qui dum FV- 




« 


qui tu. 


8, 


4 da FX 




y) 


die. 




40 mis *C0^ 




n 


imi. 




95 atris (deest 1) $C 




n 


Afris. 


epist. 








1, 1, 


6 exornet F8X1 




n 


exoret. 




14 addictus * (= FSXlu) Porph. 


51 


adductus. 




76 quae * 




n 


quem. 


2, 


10 ^MOti FSXIO^ 






Quid. 




13 Nunc * 




5» 


Hunc. 




34 eures FaXlO 




57 


curres. 




59 iram * 




n 


irae. 


4, 


11 modus et $ 






mundus. 


6, 


26 et Uta FXlS 




5) 


uia. 




51 pondere * 




51 


pondera. 


7, 


3 Sanum ausgelassen, 


teilweise 


recteque interpoliert $0. 




22 agit FaXlO^ 




statt 


ait. 




52 Zem' <l> 






laeue. 




57 locum *0^ 






loco. 




93 dicere ^R 




5) 


ponere. 


11, 


7 glabiis $ 




55 


gdbiis; ebenso 1, 15, 9. 


15, 


45 aZ*o * 




5) 


aio. 




46 ««a^Zis * 






uilUs. 


16, 


14 utilis utüis *E02 




51 


aptus et utilis ^°). 



^") Diese Stelle ist sehr lehrreich: jeder ist zunächst geneigt das 
pointierte utilis utilis als Horatianisch anzusprechen, und doch bezeugt 
die Abwägung der Ueberlieferung , daß aptus et utilis (so ARO^n) im 
Archetypon gestanden haben muß : in * ist der Fehler begangen und 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 305 

epist. 

1, 16, 45 Hunc prorsus $ statt Inprorsum, richtig In- 

trorsum. 

61 iustum sanctumque FXIO „ iusto sanctoque. 

63 Quo . . .quo^ {Qui . . . quo 0^) „ Qui . . . qui. 

17, 14. 15 Verwirrung in $ und wegen der gleichen Versschlüsse. 
19 regibus ¥X\ statt rectius. 

38 peruenerit *0' „ peruenit. 

18, 45 quotiensque {quoUens quoque 



2, 



X\) ducit (- 


•e« u) * 


„ 


quotiensque e 


81 fidens est FXO^ 




n 


fidentem. 


19, 23 patrios ^ 




n 


Parios. 


20, 2 *?M(?MS FXl 




n 


mundus. 


1, 79 ne{c) * 




„ 


necne. 


91 Jiäberes ^ 




51 


haberet. 


98 Tmwc * 




» 


Nunc. 


149 uerti coepit FXl 




« 


coepit uerti. 


159 2)ei)erere FXIO^ 




51 


pepulere. 


207 imitare * 




^ 


imitata. 


2, 71 Flures <5 (exempl. 


Vat.) 


n 


Purae. 


83 curii \ld% {curiis C 


)2) 


55 


curis. 


135 parentem $ 




5) 


patentem. 


199 procM? * 




55 


domus procui 


203 coJore $ 




55 


loco re. 


ars. 

18 fiuvius * 




1» 


pluvius. 


154 p?MS orw * (0^ ?) 




55 


plausoris. 


168 permutare $0 




„ 


mox mutare. 


190 spectata XlSuO 




55 


spectanda. 


462 proiecerü *0 




55 


deiecerit 



Zu der Gruppe <X> treten nun für die Reconstruction der 
IL Abschrift ^^) Bland, und R. Für R wird die Zugehörigkeit 
zur II. Klasse hinlänglich durch die Bücherfolge erwiesen ; im 
übrigen reden die Varianten der Klassenliste. Doch muß ich 
einige Stellen berühren, die in R aus Klasse II herausfallen, 
serm. 1, 1, 33 mu& patiens alte Glosse zu sapiens gewesen sein, 
die apographon I occupierte und dann auch in R in den Text 
drang; ebenso liegt die Sache epist. 1, 18, 111, wo donat 
Glosse für ponit ist; über epist. 1, 8, 12 siehe unten S. 307 
über carm. 4, 14, 28 meditatur vgl. S. 282; dieselben Schreib- 
fehler sind 2mal gemacht in I und R epist. 1, 18, 82 et quid 
statt ecquid^ 2, 1, 198 nimio IRtc Bland, statt mimo; ars 305 
wird ex{s)ortita IRtt zu ex{s)ors ipsa aus Schollen gebessert sein. 

Schwieriger, aber doch auch mit vollkommen ausreichen- 



verschlimmbessert worden, daraus nach E übertragen. Anders und 
doch für E gleichwertig 1, 16, 59 clare (clare). 

®^) Ich lasse als zu junge und unselbständige Abschrift von 
jetzt ab außer Betracht. 



306 Vollmer, 

der Sicherheit läßt sich beweisen, daß auch der Bland, nicht 
etwa, wie Leo (natürlich in anderem Sinne als ich) meint, ein 
drittes Apographon für sich darstellt, sondern aus dem II. ge- 
flossen ist. Zunächst der freilich nur für die Unabhängigkeit 
von I, nicht für die Gebundenheit an II ziehende Beweis aus 
der Bücherfolge ^^): aber auch Cruquius' unvollständige Zeug- 
nisse für die Varianten ^^) genügen vollauf. 

Ich zähle zunächst aus der Liste S. 291 ff. noch einmal die 
Fehler auf, welche beweisen, daß der Bland, aus unserm ein- 
zigen Archetypon stammt: carm. 1, 12, 31. 1, 23, 5. 1, 27, 19. 
epod. 5, 37. serm. 1, 1, 81. 1, 2, 63. 2, 1, 31. 2, 5, 36. epist. 
1, 2, 5. 1, 3, 33. 1, 7, 96. 1, 10, 25. 1, 11, 3. 2, 2, 123. 2, 2, 
167: natürlich nicht alle gleich beweiskräftig, aber in ihrer 
Gesamtheit unerschütterlich. Die dagegen zu sprechen schei- 
nenden Stellen, an denen der Bland, ganz allein das Echte 
hat, werde ich Aveiter unten behandeln. 

Die Ableitung des Bland, aus unserm IL Apographon be- 
weisen mit Sicherheit folgende gemeinsame Fehler ^*) : 

^') S. oben S. 278 und 290. 

^^) Viel zu groß ist das Verzeichnis der Lesarten des Bland, bei 
Mewes, Festschr. d. Friedr. Werd. Gymn. Berlin 1881 S. 63 ff., bes- 
ser, aber auch noch nicht genügend gesiebt das bei H ö h n , de cod. 
Bland, antiq. S. 27 ff. Ich habe selbst die Notizen des Cruquius noch 
einmal durchgearbeitet und verwerte nur ganz ausdrückliche Zeugnisse : 
mein Standpunkt in dieser Frage deckt sich , von Einzelheiten abge- 
sehen, mit dem von K u k u 1 a , de Cruquii codice vetustissimo Wien 
1885 ; sein Verzeichnis der Lesarten des Bland, steht S. 45 — 64. Zu 
scharf urteilt Häussner, Cruq. und die Horazkritik S. 54. 

^^) Ausscheiden muß eine Reihe von Stellen. Zuerst carm. 3, 24, 4 
da hier der Bland, mit Rtc das Richtige hat. Die diplomatische Lage 
an dieser viel behandelten Stelle ist folgende : Apographon I hatte 
ponticum [AB-, XIO^ wie oft aus I), Apographon II publicum (so B Bland. 
u^), dafür interpolierte ^ mit metrischem Fehler apulicum, was die 
jüngeren EO^ recipierten. Es sind also ponticum und publicum ganz 
gleich gut überliefert: was stand im Archetypus? Durch Schreibfehler 
die eine Lesung aus der andern ableiten zu wollen wäre Spielerei. Die 
Entscheidung giebt hier Porph., der (zu v. 1 non terram tantum, verum 
etiam maria occupantem) terrenum , Lachmanns glänzende Conjectur, 
sichert. Excerpt aus Porph. ist auch das im Haupt-Porph. ausgelas- 
sene Scholion A et mare publicum : omnihus patens mit dem Vergilcitat. 
Bezeichnend ist, daß Schol. A die Discrepanz zwischen diesem Scho- 
lion und der Lesart in A zu beseitigen suchte und ins Lemma des 
Scholions ponticum hineincorrigierte. Also ist in Klasse I dieselbe In- 
terpolation, die schon im Archetypon Tyrrhenum aus Terrenum machte, 
fortgesetzt und publicum in ponticum verderbt worden. Der Schol. V 
(Karolinger) verwendet dann Tyrrhenum auch in der Erklärung neben 
publicum, carm. 4, 13, 14 ist die Entscheidung zwischen cari und clari 





8 




33 


3, 


4 


8, 


12 


11, 


24 


15, 


32 



Die üeberlieferungsgeschichte des Horaz. 307 

carm. 4, 2, 6 Cum . . . saluere Bland. ^ statt Quem . . . aluere. 
epod.2,25nM5Bland.R^(rm5Ri) <l^gegenWp^5ABCOXl7ll ^^). 
epod. 6, 3 t^eri^e Bland. R^O^cJ) statt uertis^^O'^Ti'^KQQW^ 
serm. 2, 7, 13 dodor Bland. <X) schol. V statt 6?odz<.s aElO ^^). 
epist. 1, 2, 4 Plenius (Bland.) ^^) RO^^I) gegen Planius 

AE02. 
aestum Bland. RO^^ gegen aestus AEXO^. 
atque Bland. R<I> statt atqui. 
terras Bland. RO^Stt statt turres^^). 
uenfurus Bland. O^O (Porpli.) statt uento- 
sus'^'] AER02 (Serv.) Schol. T. 
Tu Bland. RO^^ statt üt. 
donarat Bland. RO^^ statt donahat. 
18, 107 et Bland. RO^O statt ut AEO^ Porph. 
2, 2, 11 excludere Bland. R^ statt extrudere. 
Diese Stellen beweisen zur Genüge die Abhängigkeit des 
Bland, von Apographon 11, seinen Schreibfehlern wie Glos- 
sen ^^^). Dagegen beweisen nichts die Stellen, wo Bland, in 

zu unsicher zur Verwertung in unserer Frage ; schol. A gemmarum 
pretiis ist wohl interpolierter Porphyrio, nicht gemmis (Vatican.) ge- 
kürzter, epod. 1, 21 ist unwahrscheinlich, daß der quartus Bland., der 
das interpolierte uti sit auxili hat, der älteste ist. Vgl. Höhn, de 
cod. Bland, antiq. Jenae 1883 p. 15; Mew es, de cod. Horat. q. Bland, 
voc. nat. atq. indole p. 59. 

^°) Die Verteidigung von ripis durch Keller Epileg. p. 360 halte 
ich für wohlbegründet. Zu beachten ist, daß möglicherweise riuis nicht 
einmal in Apographon II stand : fl^ hat risis, was schon Keller richtig 
als Mißverständnis aus 'langobardischer', besser insularer Schrift er- 
klärt, und ripis hatte auch u^. Der Bland, wäre also hier schon von 
secundärer Interpolation in tt; abhängig, genau wie an der folgenden 
Stelle. 

^^) Hier ist wohl auch dem IL Apographon unbedingt uertis, etwa 
mit der Glosse uerte (zu quin uertis gehörig) zuzugestehen : R^tt:* schrie- 
ben noch das Richtige ab, die andern die Glosse. 

^^) Ob doctor wirklich schon im Apographon II stand , ist nicht 
auszumachen, da B fehlt und 10 zu unselbständige Zeugen sind. Scho- 
lion r ist hier natürlich karolingisch. 

^^) sie habent Bland. Divaei Martin. Nann. Codices Cruquius. 

^^) Vielleicht hat hier Apographon II noch turres mit Glosse terras 
gehabt, denn JBXl haben noch turres, was freilich auch aus Porph. re- 
stituiert sein kann. 

^^^) Hier möchte ich wegen des Porphyriocitats (s. u. S. 314) glau- 
ben, daß wirklich der Schreibfehler uenturus schon im Archetypen II 
stand und daß in R das Echte aus der Randglosse (= Schol. T) oder 
aus Serv. restituiert wurde. 

"^) Ich warne ausdrücklich davor, aus dem Umstände, daß nur 
eine dieser significanten Stellen in den carmina steht, irgend etwas zu 

Philologus, Suppleraentband X, zweites Heft, 21 



308 Vollmer, 

Falschem oder Wahrem gegen II zu I stimmt. Es sind folgende : 

carm. 1, 15, 20 Cr Ines Glosse statt CuUus. 

carm. saec. 5 Quod als Interpolation im Bland., was in I 
als Schreibfehler sich fortpflanzte ^^^). 

epod. 10, 19 sinu notus gleiche, naheliegende Interpolation 

wie in I. 

serm. 1, 10, 27 latini kann nach patrisque Schreiberverbesse- 
rung statt des wie es scheint in II überlieferten latin{a)e sein. 

epist. 2, 1, 198 nimio gleicher Schreibfehler statt mimo wie inl. 

ars 237 et gegen an^^^). 

ars 294 Praesedum gegen Perfedum ^^*). 

ars 319 locis leichte Verbesserung statt iocis. 
328 Trienseu gegen trienem'^^^). 
Bleiben übrig folgende, für die eine sichere Erklärung nicht 
auf der Hand liegt, vielleicht einfach directe Uebertragung der 
Varianten von I, etwa gar erst durch Bland. ^, anzunehmen ist^®^): 

carm. 1, 3, 19 turbidum 'Bland, cod. omnes.' 

serm. 1,4, 110 Baius '4. Bland.' 

epist. 2, 1, 186 gaudet 'cod. Bland, antiquiss.' 

epist. 2, 2, 8 imitaheris 'omnes Bland.' 

Es bleiben zu betrachten die Stellen, an denen der Bland, 
allein von allen Hss. das Richtige bietet ^^''), Das sind die 
Stellen, denen die verlorene Hs. ihren Ruhm verdankt; Bent- 
ley hat ihn begründet und seine Nachfolger ^^^) haben ihn ins 
Ungemessene und Unangemessene vergrößert. Die Frage ist, 
wie weit ist dieser Ruhm verdient und wie erklärt er sich 
aus den Tatsachen der Ueberlieferungsgeschichte ? 

folgern: diese Zufälligkeit würden wir zu prüfen haben, wenn wir die 
Hs. selbst hätten ; die jämmerliche Collation des Cruquius verdient 
kaum, daß man die Frage aufwirft. 

^^'^) Bezeichnend ist , daß Schol. A die Lesart Quos erklärt. In 
stand zuerst Quos, was die zweite Hand in Quod änderte (falsches be- 
zeugt hier Wickham). 

^*^^) Die Stelle zeigt, daß in Abschrift U die Interpolation an über- 
geschrieben war: et nahm daraus noch richtig Bland.^, acceptierte dann 
aber die Correctur an wie R0$ (freilich ist Cruq. mehrdeutig). 

*"*) Auch hier sind wohl R0$ durch Glosse verderbt und praesec- 
tum stand noch im Texte von Abschrift IL 

*"°) Auch hier wohl eu noch in Abschrift IL 

106^ Immer vorausgesetzt die Richtigkeit der Collation des Cruqui- 
us, über die in einzelnen Fällen zu streiten ich nicht erst anfange. 

''') Vgl. H ö h n p. 44 ff. K u k u 1 a p. 67 ff. 

^°^) Siehe besonders Haupt opusc. III p. 45. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 309 

Ich greife gleich den Stier bei den Hörnern. Daß serm. 
1, 6, 126 campum lusumque trigonem Bland, der echte Horaz 
ist und rahiosi tempora signi (I II Porph.) krasse Interpolation, 
brauche ich wohl nicht mehr zu beweisen ^°^). Wie ist zu 
verstehen, daß allein der Blandinianus (denn der ganz junge 
Goth. ist von ihm beeinflußt) diese kostbare Lesart ge- 
rettet hat? Hier ist einmal das Zeugnis des Cruquius un- 
schätzbar, weil vollständig : sed supposita sunt puncta viilga- 
taque lectio est adnotata. Wir erkennen deutlich den Sieges- 
lauf der bestechenden Interpolation, welche die Erklärer der 
Mühe enthob das schwere lusumque trigonem zu bewältigen. 
Ein Zufall — statt der Expungierung Rasur im Bland. — 
und das Echte war unwiederbringlich verloren. Niemand, der 
meinen Auseinandersetzungen über Klasse II der Hss. gefolgt 
ist , wird sich wundern , daß die Interpolation eben diese 
Klasse II ganz occupiert hat : wie konnte sie aber auch Klasse I 
ergreifen ? Hier muß ich einsetzen : es ist durch nichts zu er- 
weisen, daß rahiosi tempora signi im Apographon I gestanden 
hat; freilich haben es unsere einzigen Vertreter dieses Apo- 
graphons heute aED^ aber diese sind auch an anderen Stellen 
vielfach interpoliert, die reinen alten Zeugen ABC f eh- 
l e n in diesem Teil der Satiren ; hätten wir sie, so würde 
ohne Zweifel der Bland, nicht allein stehen. Aber Porphyrio 
bezeugt doch auch rahiosi tempora signi? Nein, wir haben 
hier einfach zu folgern, daß die dürftige Glosse caniculares 
dies dicit qui sunt caloratissimi und ihr Ableger im Schol. T 
nicht echter Porphyrio ^^^), sondern karolingische Weisheit ist, 
die natürlich, nachdem im Texte die alte Lesart verschwunden 
war, auch das alte Scholion zu der Stelle verdrängte ^^^). 

Wir sahen, wie sich diese Stelle, das 'Schiboleth' der Horaz- 
kritik, im Rahmen unserer Ueberlieferungsgeschichte erklären 
ließ: in ähnlicher oder anderer Weise sind andere Stellen zu 
begreifen. 

*"^) Ich verweise einfach auf B e n 1 1 e y und auf M e w e s, Progr. 
Friedr. Werd. Gymn. Berlin 1882 S. 19. 

"**) lieber die Abhängigkeit des Vaticanischen Porph. von Apo- 
graphon II, seinen Fehlern und Glossen s. u S. 314. 

^") Daß Porph. das Wort trigonem erklärt hatte, ist sicher. Und 
ich würde unbedenklich die Glossen trigone und trigona (Gloss. VII p. 
366) auf ihn zurückführen, wären nicht gleichartige Stellen aus Mar- 
tial vorhanden. 

21* 



310 Vollmer, 

Zuerst epist. 1, 16, 43: res Sponsore 'sie habet cod. Bland, 
antiquissimus' statt responsore der anderen Hss. (AE ROO). 
Daß das Zeugnis des Cruquius hier wahr sei, bezweifle ich 
nicht, glaube auch mit Höhn (S. 43), daß Cruquius von selbst 
nie an der Vulgata Anstoß genommen haben würde. Aber 
die Stelle vermag ebensowenig für Selbständigkeit der Ueber- 
lieferung des Bland, zu zeugen wie etwa carm. 4, 4, 22 Nee 
scire (falsch Nescire BC RO) für Selbständigkeit von AO^ oder 
sat. 2, 7, 19 ac prior (gegen acnor aE) für die von $0^ ^^''^). 
Ist res Sponsore im Bland. Ueberlieferung, was ich durchaus 
für möglich halte, so ist eben in Apographon I und den andern 
Vertretern von II der äußerst nahe liegende Schreibfehler re- 
sponsore öfters gemacht worden: ist es secundär, so kann es selbst 
durch Schreiberirrtum, kaum durch Conjectur entstanden sein. 

Eng verwandt sind die beiden folgenden Stellen sat. 2, 
4, 44 fecundae leporis und 2, 8, 88 anseris alhae: an beiden 
hat allein der Bland, das fem. erhalten, richtig verteidigt von 
Hoehn p. 45 ff. nach andern. Daß in den andern Hss., des 
Horaz wie des Donat, das üblichere masc. fecundi und albi 
nterpoliert ist, kann nicht wunder nehmen: wahrscheinlich 
aber würden wir doch auch anderswo das Echte erhalten ha- 
ben, wenn nicht an diesen Stellen wieder die führenden codd. 
beider Klassen ABCR fehlten. 

Völlig ausscheiden muß meines Erachtens die Stelle serm. 
1, 7, 17; wer in pigrior , der nüchternen Glosse des Bland, 
echte Lesung anerkennt , beraubt den Horaz eines der nied- 
lichsten Witze in diesem scherzhaften Gedichte: 

aut si disparibus bellum incidat, ut Biomedi 
cum Lycio Glauco^ discedat — pulcrior 
dann zieht den Kürzeren der — Langsamere: wie witzlos wäre 
das: der Mann, der die eherne Rüstung gegen die goldene ein- 
tauschte, TW §£ cpp£va$ i^iXsTo Zeu?, war sprichwörtlich ob seiner 
gutmütigen Dummheit, nein — der Schönere ; das genügte zur 
Kennzeichnung des Typus wie der gleichartigen Zeitgenossen. 
Wie man ferner aus der ganz fehlerhaften und unsicheren 
Lesung des Cruquius serm. 1, 3, 131 clausaque ustrina Tonsor 

"''^) Vgl. nocli etwa carm. 3, 14, 14 exiget B, 4, 14, 28 meditatur R, 
sat. 1, 3, 56 furimus Goth. (cf. B), zum Teil anderer Art. 



Die üeberlieferungsgeschichte des Horaz. 311 

erat überhaupt hat Tonsor in die Horaztexte aufnehmen kön- 
nen, verstehe ich nicht. 

Verlockender war gewiß serm. 2, 3, 303 manibus in Er- 
wägung der künstlerischen Darstellungen der Scene. Aber, 
diplomatisch betrachtet, ist auch hier der Lesung des Bland, 
unbedingt zu mißtrauen. Cruquius bezeugt für den Bland. 
antiquissimus manihus portauit statt demens cum portat^ d. h. 
er verwechselt offenbar ein Glossem mit dem Texte ; dagegen 
beweist nichts der Gothanus mit manibus cum portal^ im Gegen- 
teil, er zeigt, daß im Bland, auch andere Leser als Cruquius 
zwischen Glosse und Text nicht mehr zu unterscheiden ver- 
mochten. Außerdem genügt portal vollkommen zur Schil- 
derung des Bildes und demens im Vordersatze erhöht die Wir- 
kung der im Nachsatze folgenden Frage ganz bedeutend. Und 
wie in aller Welt sollte demens durch Verschreibung oder 
Glossierung entstanden sein? 

Weiter carm. 4, 6, 21 flexus Bland, gegen victus der Hss. 
Die Differenz kann nur aus Glossierung hervorgegangen sein. 
Da ist aber doch wohl alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß 
nicht ein verständliches flexus durch ein viel kühneres Bild 
victus erklärt worden ist, was dann beide Hss. -Klassen occu- 
piert haben müßte, sondern daß victus das Alte ist, für das 
in einer einzigen Hs. die Glosse flexus in den Text glitt. 

Aus dem Bland, wird in die üblichen Texte auch aufge- 
nommen serm. 1, 3, 60 versemur statt versetur der andern^ Hss.; 
aber versetur ist scharf und richtig, versemur wird aus einer 
allgemeiner gehaltenen Umschreibung (etwa wie beim Schol. 
F) in den Text gedrungen sein. 

Noch bleibt allein ^^^) übrig die schwierige Stelle serm. 1, 

1, 108, wo die Lesung des Bland, qui nemo ut auarus reci- 

^'^) Denn carm. 1, 31, 18 kann ich ac nicht als genügend bezeugt 
für den Bland, ansehen; natürlich würde auch dann die Stelle keine 
Bedeutung haben. Ob sat. 2, 3, 313 tantum des Bland, gegen tanto 
richtig ist, bezweifle ich sehr. In keinem Falle hat die Stelle entschei- 
denden Wert für unsere Fragen, da sie sich leicht erklären ließe. 
Vollends rein orthographische Differenzen wie at epist. 1, 10, 3 ; quoi (??) 
ars 426 sind wert- und bedeutungslos. Daß sat. 1, 6, 68 nee des Bland. 
Irrtum oder ungenaues Referat des Cruquius sei, hat schon Bentley 
vermutet ; Porph. hat richtig aut im Lemma; in Cruquius Notizen wird 
wohl Lambins Conjectur anstelle der hs.-Lesart geglitten sein. Wert- 
los sind auch Stellen wie serm. 2, 3, 189 at, epist. 2, 2, 16 laedit, carm. 
4, 4, 73 perficiunt 



312 Yollmer, 

piert zu werden pflegt. Alle übrigen Hss. BDERO<I> haben 
nemon (ne non DO<l>) ut auarus. Da diese Lesung vollkom- 
men unsinnig ist^^*), so ist die Annahme ausgeschlossen, daß 
sie sich wie etwa rahiosi tempora signi sieghaft ausgebreitet 
habe. Zudem haben wir an unserer Stelle anders als serm. 
1, 6, 126 von den reinen Führern der I Klasse wenigstens B, 
so daß, sogar die Selbständigkeit des Bland, als III. Abschrift 
vorausgesetzt, zwei Zeugen gegen einen stehen würden. Es 
bleibt nichts übrig : qid nemo ut ist nicht Ueberlieferung, son- 
dern aus serm. 1, 1, 1 leicht zu machende Conjectur sei es 
eines Karolingers im Bland, oder seiner Vorlage sei es des Cru- 
quius (man bedenke, daß Nannius mit cur vorangegangen war). 
Und ich kann diese Conjectur nicht einmal für richtig halten : 
Horaz stellt am Schlüsse des Sermo gar nicht mehr die Frage 
qui fit? das ist längst geschehen, und sie ist beantwortet; er 
faßt nur noch einmal die Tatsache in anschaulicher Schilde- 
rung zusammen, um mit inde fit ut v. 117 die Bionisch-Epi- 
kureische Maxime anzuknüpfen. Darum ist für mich kein 
Zweifel, daß die Conjectur cum nemo, die ich mit Keck's 
Namen bei Holder finde, richtig ist ^^^). Wie dem aber auch 
sei : als Ueberlieferung hat nur zu gelten nemon ut ; sie mag, (so 
schon Keller, Epileg. 432) , da die Schreibungen nemon^ vin 
u. ä. auch sonst im Archetypon gestanden haben, aus dem 
Zwange hervorgegangen sein, den durch die Lücke entstande- 
nen Hiat zu beseitigen ^ ^^). 

Somit hoffe ich erwiesen zu haben, daß keine Tatsachen 
vorliegen, die uns zwängen, den Blandinius als III. selbstän- 
diges zu Apographon oder gar als Vertreter eines IL Archetypon 
anzusetzen. Vielmehr ist der Bland, eine der wichtigsten Stüt- 
zen der IL Klasse unserer Hss. : R und Bland, zeigen uns, daß 
das IL Apographon noch lange nicht so corrupt war als die 
Gruppe O es erscheinen lassen würde, wäre sie allein erhalten. 

"*) Daß sie Bentley hat passieren lassen, ist historisch bedeutsam. 

^*^) Zu beachten ist, daß auch Porph. zu v. 117 zusammenfaßt cum 
nemo suo contentus sit . . . merito evenit, ut nemo se feliciter mxisse credat. 
Natürlich beweist dies allein nicht, daß Porph. noch cum nemo las, 
aber es spricht doch auch nicht dagegen. 

"^) Zusetzen möchte ich doch noch, daß ich ut avarus mit Porph. 
verstehe a quibus dissentire tarnen avarum ait qui proposito suo gaudeat 
solus (vgl. v. 66 f.), nicht mit den neueren Erklärern als utpote avarus. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 313 

VI. 

Außer den Hss. haben wir noch einen Vertreter der IL 
Klasse in den Lemmata unseres Porphyrio ^^^). 

Ich kann natürlich hier nicht die ganze Porphyrio-Frage 
behandeln, muß aber einiges Wesentliche und Wichtige strei- 
fen, da bis in die neuesten Abhandlungen hinein i^^) die Ge- 
schichte der Horaz-Scholien sehr zum Schaden der Klarheit 
und Wahrheit getrennt von der Geschichte des Dichtertextes 
selbst behandelt wird^^^). 

Was wir Porphyrio zu nennen gewohnt sind, die Scho- 
lienmasse des Vatic. 8314 und Monac. lat. 181, ist weder der 
vollständige, noch der reine d. h. in seiner Gesamtheit echte 
Commentar des Porphyrio : es ist vielmehr eine in der Karo- 
lingerzeit wohl zu Lorsch ^^^) gemachte und dann weiter ver- 
breitete ^^^) willkürliche Sonderabschrift der Schollen einer 
Handschrift der zweiten Klasse des Horaz. Daß darin echte 
Porphyrio-Notizen in Masse fehlen, ist eben so natürlich und 
sicher wie daß Karolinger-Zusätze in Masse darin stehen: wir 
müssen uns nur gegenwärtig halten^ daß dies Scholienconglo- 
merat vor der Sonderabschrift eben als Randscholien eines 
Textexemplars fortlebte, bei jeder neuen Abschrift mit neuen 
Auslassungen weitergegeben, in jedem einzelnen Exemplar be- 
liebiger Erweiterung und Interpolation ausgesetzte"^). 

Bei der Sichtung und Wertung der im Porph. steckenden 
Horazüberlieferung ist nun principiell folgendes zu beachten: 



"'') In der Ausgabe lasse ich diese Bezeuc^ungen im allgemeinen, 
weil sie secundär sind, unberücksichtigt: Kellers Angaben PpK und 
Porph. führen fast immer irre. 

^^8) Vgl. (xraffunder, Rhein. Mus. 60, 1905, 128 ff. Ausgabe 
der Scholia Pseud-Acronis von K e 1 1 e r II S. III ff. W e s s n e r , Berl. 
Phil. Woch. 1905, 249 ff. 

"^) Hier ist erst L e o S. 853 und 856 richtig vorgegangen. 

1-0) Ygi^ (Jas Zeugnis in B : pomponii expositionem in oratium quam 
vidi in lorashaim bei Holder, Porph. p. 612. 

121) ^jj, fiji(jen sie saec. XII zu St. Bertin, zu Corbie, noch oder 
wieder mit Horaz verbunden zu Salzburg (siehe Becker, catalogi 
antiqui ind. s. v. Horatius) , während die glosae super poetriam oder 
super sermones, super odas wohl spätere Producte sind. Jüngeres bei 
Manitius Philolog. a. alt. Bibliothekscatalogen S. 29, darunter ein 
Horaz cum commentario Servii grammatiei, natürlich Phantasie. 

^") Vgl. A. Kiesslincr, de personis Horatianis comm. ind. 
schol. Gryph. 1880 p. 6, W. Meyer, Porph. praef. p. VI. 



314 Vollmer, 

im allgemeinen sind sowohl die Lemmata wie sonstige directe 
Anführungen immer der Gefahr ausgesetzt gewesen nach dem 
Texte des Exemplars, in dem die Scholien gerade standen, ab- 
corrigiert zu werden ebenso wie die oben behandelten Metri- 
kercitate: instructiv ist carm. 2, 7, 1, wo aus dem Texte von ^ 
ad Pompüium socialem corrigiert worden ist , während zu 2, 
7, 15 das richtige Pompeium stehen blieb; oder epod. 16, 37, 
wo ins Lemma hinein expers corrigiert wurde, während das 
Scholion das richtige eoc(s)pes erklärt, dem aber dann noch ein 
Zusatz expersque virtutis angehängt wurde. Bis zu welchem 
Grade diese Abcorrigierung der Lemmata ging, zeigt deutlich 
serm. 2, 2, 116, wo der ganz unsinnige Schreibfehler et edulce 
aus in das Lemma von Porph. überging, obschon das Scho- 
lion selbst deutlich auf hice hinwies. Andere Beispiele serm. 
1, 3, 35 insederit mit $ im Lemma, inseuerit richtig erklärt, 
serm. 1, 3, 92 me mit ^ im Lemma, 7nea richtig in der Er- 
klärung, carm. 4, 14, 27 minitatur im Lemma, meditatur in der 
Erklärung getadelt, serm. 1, 4, 139 Incubo im Lemma u. s. w. 
in Mengen. Ab und zu springt die Interpolation auch weiter: 
z. B. finden wir die falsche Lesung uenturus epist. 1, 8, 12 im 
Citate des Porph. zu serm. 2, 7, 28^^^), während der echte 
Porph. vielleicht in der Glosse T erhalten ist ventosus : flui- 
taiis. Ganze Scholien sind zu falschen Lesungen der Gruppe O 
oder von ihr ausgegangener Interpolationen gefälscht worden 
z. B. zu sat. 1, 6, 126 die Erklärung von rahiosi tempora signi'^^*)^ 
zu carm. 3, 14, 6 diuis^ zu epod. 17, 62 Si, zu serm. 2, 3, 201 
quorum^ zu epist. 2, 2, 83 Curii^^^) u. s. w. 

Von diesen jungen, bei der Tradition mit Apographon II 
entstandenen Fehlern und Interpolationen ist zu scheiden eine 
ältere Gruppe von falschen Erklärungen, die sich an Irrtümer 
aller unserer Hss. anschließen, deren Entstehungsart aber die 
gleiche sein könnte, nur daß die Fälscher nunmehr im 4. — 5. 
Jahrh. zu suchen wären. Natürlich kann man bei solchen 
Fällen zweifeln, ob nicht Fehler der Vorlage des Porphyrie 



'''^) Vgl. oben S. 307 Anm. 100. 
*'-^) Vgl. oben S. 309. 



Dies ein ganz besonders schlagöndes Beispiel, weil Curi über- 
haupt nur Schreibfehler für curis war. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 315 

oder Irrtümer des Grammatikers selbst die Ursache unserer 
handschriftlichen Corruptelen sind. Und ich gestehe, daß mir 
diese letztere Erklärung weitaus die einfachste erscheint, die 
mit einem Schlage die Lösung zahlreicher Schwierigkeiten er- 
möglicht. Nehmen wir an, daß Porphyrie im 3. Jahr h. 
eine commentierte Ausgabe ^^^) des Horaz besorgt 
hatte, daß das Archetypon unserer Hss. aus dem 6. Jahrh. 
ein Exemplar dieser Ausgabe war, so, glaube ich, haben 
wir alle Wege geöffnet, die zur Erklärung der Einzelheiten un- 
serer Horazüberlieferung nötig sind. So würde sich z. B. ver- 
stehen die Zustimmung des Porph. zu den Fehlern carm. 1, 
2, 39 maur% 1, 20, 1 potabis, 1, 23, 5 ueris . . . adventus, 1, 
25, 20 hehro^ 4, 2, 49 Teque dum procedis^ 4, 4, 17 raeti^ epod. 

2, 27 Fontes (?), 5, 28 currens Schol. AV, 5, 87 magnuni^ 
serm. 1, 6, 131 patruus, alles Fehler, die ihrer Natur nach 
recht alt sein können. 

Diesem consensus der Fehler widerspricht natürlich nicht, 
daß, während in einem späteren Exemplare der Ausgabe Text- 
fehler sich einschlichen, im Commentar versteckt und unent- 
deckt von den alles gleichmachenden Lesern das Echte sich 
erhielt: solche Beispiele finde ich in carm. 1, 31, 9 calenam^ 

3, 24, 4 Terrenum, 4, 4, 22 Nee scire mit A, 4, 14, 28 medi- 
tatur^ serm. 1, 4, 94 capitolini, 1, 5, 51 caudi,, 1, 6, 68 aut, 
und Aehnlichem^^''). 



^'^^) Einen Beweis für Entstehung des Porphyrio-Commentars in 
Verbindung mit dem Text, also einer Ausgabe, hat schon W e s s n e r , 
comm. philol. Jenens. V 1894 p. 161 gefunden in dem scholion zu serm. 
1, 9, 52 ne neeesse sit frequenter ostendere, quis quae verba habeat aut unde 
incipiat loqiii, hoc öbservandum est deinceps ut supra, ut, ubi duo puncta 
interposita sunt, alter am personam loqui intellegas. Sicherer als diese 
Notiz, die späteren Ursprungs sein kann, ja wohl sicher ist, scheint mir 
der Umstand, daß Porph. die Sueton-vita seinem Commentar vorge- 
schrieben hatte: das gehört zur Alexandrinischen Technik der 'iy-booiq. 
Im allgemeinen vgl. jetzt über das Verhältnis antiker Commentare zum 
Texte Diels, Didymos p. XXVII Leo, Nachr. Gott. Ges. 1904p. 258. 
— Auf diese Ausgabe des Porph. geht nun gewiß auch die ältere For- 
mulierung der Gedichttitel mit z. Teil uns sonst unbekannten Perso- 
nendaten (vgl. Kiessling de Horatian. carm. inscriptionibus ind. 
Gryph. 1876) zurück; daß sie zum Teil nur in Apographon II erhalten 
sind, ist nichts auffälliges. 

^'''') Die in unserem 'Porphyrio' erwähnten Textvarianten sind fol- 
gende: carm. 2, 6, 24 legitur et 'vatis Orati\ carm. saec. 4 non tempore 
priscd dicendum fuit, sed : tempore quo(d) prisca imitatur. serm. 2, 1, 79 



316 Vollmer, 

Wie aber schon mehrfach angedeutet, ist das, was wir 
heute Porph. zu nennen gewohnt sind, mit nichten alles, was 
wir von Porphyrio haben. Während unser 'Porph.' mit Apo- 
graphon II und dann mit O sich verbreitete, gingen Excerpte 
aus der in Apographon II noch vollständigeren Sammlung in 
den Bland, über. Das wichtigste Plus dieses Armes ist die 
außer in O auch im Bland, erhaltene vita Suetoni. Also hatte 
Porph., der bekanntlich allein diese vita citiert (zu epist. 2, 1, 1; 
comm. Cruq. zu carm. 4, 1, 1) seinem eigenen kümmerlichen Ela- 
borat (wenn es überhaupt sein eigenes ist und nicht späteres 
Machwerk, denn das Citat zu serm. 1, 6, 41 könnte auch auf 
die Suetonvita gehen) die Suetonvita vorausgeschickt. Jede 
gute Nachricht, jedes Autoren-Fragment in dem commentator 
Cruquianus geht auf die vollständigere Porphyrio-Sammlung 
in Apographon II zurück. 

Und genau so liegt, wie wir nach dieser Analogie ruhig 
annehmen dürfen, die Sache mit den Scholien A und den übri- 
gen Pseud-Acronischen Scholien: Apographon I wie Apogra- 
phon II haben jedes ad libitum von den Porphyrionischen 
Randscholien des Archetypon excerpiert ^^^). Mit dieser Er- 
kenntnis ist der Weg zur Reconstruction des wirklich echten 
und einigermaßen vollständigen Porphyrio-Commentars vorge- 
zeichnet. 



'diffingere' legitur et 'diffidere^. 2, 2, 50 'victor^ legitur et 'auctor\ 2, 3, 
69 qiddam 'Anerio' ucp' §v legunt. 2, 3, 166 verum quidam legunt 'hara- 
thro' ut veniat a nominativo barathrus. 2, 3, 238 '7iocte citata' legitur et 
'vocata\ epist. 1, 11, 12 'uolet' (legitur) et 'uouet\ 2, 2, 54 ist die Va- 
riante verloren {ne oder m7?). 2, 2, 80 zu lesen: ^Et cont{r)acta s. u. 
u.' legitur et 'cont[r]acta' : caute impressa ut ea sequendo contigerit imi- 
tator. 2, 2, 82 Hnsenuitque l.' legitur et HnsonuiV. Dazu die Conjectur 
epist. 1, 3, 10 %austu{sy : num 'haustu' ? Daß von diesen Varianten ir- 
gend etwas auf Probus zurückgehe, ist unerweislich; die meisten sind 
junge Schreibfehler und ihre Verbesserungen gewiß erst karolingisch. 
Auch, vovet epist. 1, 11, 12 ist kaum alt. 

^'■^^) Ein directes Zeugnis für dieses Verhältnis haben wir bei dem 
Scholion T zur ars poet. 288. K i e s s 1 i n g , (de pers. Horatianis p. 7) 
wunderte sich mit Recht , woher der Scholiast solche Weisheit habe, 
und meinte, der Pseudo-Acron habe Sueton excerpiert. Nun aber steht 
ein Teil dieser Notiz im Scholion des alten Victorianus zu Ter. Haut, 
prol. 36 (S c h 1 e e p. 76) mit der Quellenangabe secundum Porphyrio- 
nem. Damit haben wir den unumstößlichen Beweis , daß Schol. TV 
authentische Porphyrio-Scholien enthalten, die in unserem 'Porph.' ein- 
fach fehlen. Vgl. noch im allgemeinen über das Verhältnis von Schol. A 
und Schol. T W essner, quaest. Porph. p. 167 ff. bes. p. 185. 



Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 317 

Der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Hypothese 
liegt darin, daß sich ebenso wie im 'Porph.' auch in den 
Blandinischen und den übrigen Scholien echte Lesarten ver- 
steckt erhalten haben : besonders lehrreich ist epod. 2, 27, wo 
unser Porph.- Scholion gar nichts besagt und sicher späteres 
Product ist, während Schol. AT durch das Vergilcitat, dessen 
Subject saepes ist, für Frondes gegen Fontes eintreten, carm. 
1, 23, 1 hat der comm. Cruq. das richtige Vitas statt Vitat 
bewahrt (in der expos. metr. scheint es rückverbessert zu sein 
wie in den jüngeren Hss.). Und derartiges wird sich wohl 
noch mehr finden. 

VII. 

Es bleibt für die Geschichte der Ueberlieferung noch ein 
Punkt zu besprechen. Wir sahen, daß die Hs. des Horaz, 
welche in die Karolingerzeit übertrat, ein Exemplar der Aus- 
gabe des Porphyrio war. Wir können es nun aber noch genauer 
bestimmen. Es war nach der bekannten Subscription dasje- 
nige Exemplar dieser Ausgabe, das nach dem Jahre 527 Vet- 
tius Agorius Basilius Mavortius besessen und emendiert 
hatte. Daß es eben diese Hs. selbst und nicht eine Abschrift 
derselben war, wird mir durch die fehlerlose Erhaltung der 
Subscriptio wahrscheinlich ^^^). Die Subscriptio ist uns be- 
kanntlich hinter den Epoden mit dem Titel des carm. saec. 
erhalten und zwar allein im Apographon P^^) und hier wie- 
der nur in A^^^). Daß damit kein Anlaß gegeben ist zu 
glauben, Apographon II sei von Mavortius unabhängig, zeigt 



*'^®) Gerade umgekehrt scheint es mit dem Puteaneus des Pruden- 
tius zu sein: wenn der Name am Ende der Cathemerinon, wie doch 
seine Stellung wahrscheinlich macht, Rest der subscriptio ist, so ist 
der Puteaneus eine Abschrift des Mavortius-Exemplars, nicht dieses 
selbst. 

^^^) Denn ihr Erscheinen in XlOq Brux. ist secundär, wie wir schon 
oben (S. 291) sahen ; für vgl. Wickham Horace 1 p. 407. Daß diese 
Hss. nicht direct aus A beeinflußt sind, zeigt neben Textvarianten ihr 
richtiges EX COM. DOM. neben dem falschen EX COMEN. DOM. in A. 

^^') Da wir den Schluß von A nicht haben, da ferner das subscri- 
bierte Exemplar, nach dem die Vorlage von XI und abcorrigiert wor- 
den ist, auch nur die carm. und epod. enthielt oder nur für die erste 
Hälfte benutzt worden ist, so wissen wir nicht, ob die Subscription 
von Mavortius am Ende des ganzen Horaz wiederholt worden ist. 



318 Vollmer, 

am besten das Beispiel des Vegetius, wo die subscriptio des 
Eutropius auch nur in einer Hss. -Klasse (E) erhalten ist, 
während die Abhängigkeit beider Klassen von einem Urcodex 
außer Zweifel steht ^^^). Die Schreiber ließen eben ad libi- 
tum die ihnen unnütz scheinende subscriptio fort. Unter die- 
sen Umständen gewährt uns die Tatsache der emendatio durch 
Mavortius weiter gar keine Belehrung, als daß wir den ter- 
minus post quem des Archetypon kennen : irgend welche Les- 
arten als Mavortianisch zu erkennen, fehlt uns jeder Anhalts- 
punkt. 

Dies Exemplar des Mavortius, den Text und den Com- 
mentar des Porphyrio umfassend ^^^), fand also (etwa in Bob- 
bio ?^^*) irgend einer der wohl von Kaiser Karl mit der Suche 
nach einem Horaz beauftragten Gelehrten. Der Text war 
noch in Capitalis rustica geschrieben ■^^^) , die Scholien etwa 
in Cursive. Es wurde zweimal abgeschrieben , wie ich ver- 
mute, beidemale in insularer Schrift ^^^). Während die für 
die Schreiber der damaligen Zeit leicht lesbaren Abschriften 
oft und schnell vervielfältigt wurden, ging das Urexemplar 
zu Grunde. Die ersten Abschriften enthielten verhältnismäßig 
noch nicht allzuviel Fehler, aber die Verderbnisse steigerten 
sich in den jüngeren schnell : die hauptsächlichste Fehlerquelle 
war das Eindringen der Glossen in den Text anstelle der 
schwierigeren echten Lesarten ^^''); seltener, aber doch nicht 

^3-) S. Vegetius ed. Lang ^ p. XVII. 

133^ Um sich die äußere Einrichtung eines solchen Codex vorzu- 
stellen, sehe man etwa das Bild eines Blattes von A (Chatelain, pa- 
leogr. des class. lat. I planche 82) an. 

^^^) Vgl. oben S. 287. Daß der Bland, aus Rom stamme (Cruq. 
p. 647 in Blandiniis iam ante annos septingentos aut circiter scripHs Mo- 
maque Gandavum perlatis) ist natürlich naive Anschauung des Cruquius. 

^^') Vgl. oben S. 297. 

i36j Ygj f^j. Apographon I: carm. 1, 19, 11 Äuersis A statt Äut 
versis, 3, 25, 14 naidum statt naiadum mit a unter der Zeile, 3, 29, 8 
iura statt iuga, serm. 1, 3, 56 fugimus statt furimus, 2, 3, 93 periret 
statt perisset, 2, 7, 19 acrior statt ac prior, epist. 1, 16, 5 si statt ni 
u. a. ; für Apographon II: epod. 2, 25 risis R* statt ripis, epist. 1, 8, 12 
uenturus statt uentosus, ars 117 uigentis statt uirentis. Die Fehler sind 
für I beweiskräftiger als für II ; ich halte nicht für unmöglich, daß II 
westgotisch war, und erst ^ insular. Doch darüber mögen Kundigere 
entscheiden, wenn die Frage überhaupt sicher aus den Fehlern zu ent- 
scheiden ist. 

*^') Ein paar der älteren Beispiele wenigstens seien hier zur Kenn- 
zeichnung und gegenseitigen Sicherung zusammengestellt: carm. 4, 7, 



Die üeberlieferungsgeschichte des Horaz. 



319 



ganz ausgeschlossen sind directe Uebertragungen der Lesungen 
der einen Hss.-Klasse in die andere ^^«). So entstanden un- 
sere Hss., die das historische Entwicklungsverhältnis vielfach 
durch solche Correcturen verdunkelt haben. 

Um nun kurz die Geschichte des Horaztextes zu recapi- 
tulieren und anschaulich zu machen, setze ich ein Stemma her : 

Horatius 

I 

editio Probi 

I 
editio Porphyrionis cum commento 

exemplar Mavorti cum commento Porphyrionis 




II cum Torph.' et vi- 
ta Suetoni 



C E 



D Bland. R 




FXIStt: Torph. 



Damit bin ich am Ziele. Niemand verkennt weniger als 
ich, daß im einzelnen zu dieser Untersuchung Nachträge und 
Verbesserungen geliefert werden müssen, daß besonders für 
die richtige und gesicherte Ordnung und Herstellung der II. 
Klasse noch viel zu tun bleibt. Es muß eben ein Teil der 
Arbeiten Holders und Kellers, die genaue Beschreibung und 



17 vitae Bland. OStc statt summae, 4, 14, 28 minitatur viele statt medi- 
tatur, 1, 15, 20 crines I Bland. statt cultus, 3, 29, 34 alueo ABC RXl 
statt aequore, epod. 5,65 infectum ABCO statt imbutum, epod. 17,64 
doloribus und cruciatibus statt laboribus u. s. w. 

"^) Das deutlichste Beispiel ist die Abcorrigierung der Vorlage von 
XI und nach der ersten Klasse durch die ganzen Oden und Epoden 
hindurch. 



320 Vollmer, Die Ueberlieferungsgeschichte des Horaz. 

Prüfung der Hss. unter historischen Gresichtspunkten 
von neuem gemacht werden. Sollte diese meine Untersuchung 
dazu anregen, so würde einer ihrer Hauptzwecke erreicht sein. 
Aber ich hoffe , auch der andere wird gefördert werden : zu 
einer von historisch begründeter Würdigung 
der Ueberlieferung ausgehenden Nachprüfung 
des Horaztextes einzuladen ^^^). Ich selbst habe schon, 
niemandem zu liebe noch zu leide, eine Reihe von eingebürger- 
ten Lesungen beseitigt oder verdächtigt, wahrhaftig nicht aus 
Neuerungssucht. Aber ich meine allerdings: heute, wo wir haupt- 
sächlich durch die mittellateinische Philologie gelernt haben 
die Geschichte eines Klassikertextes wirklich nachzuerleben, 
hat vor allem Horaz ein Recht darauf, daß man sich nicht 
länger auf die Willkür früherer Kritiker, seien sie auch so 
genial wie Bentley, verlasse, sondern methodisch die wirkliche 
Ueberlieferung herstelle und prüfe. 



*^^) Ich wollte gleichzeitig mit diesem Aufsatze eine kritische Aus- 
gabe, deren Ms. fertig bei mir liegt, erscheinen lassen, muß aber nun, 
plötzlich vor neue große Aufgaben gesetzt, die Ausgabe um einige Zeit 
zurückschieben. Den Aufsatz halte ich (auf die Gefahr einiger Ver- 
sehen und Lücken hin) nicht länger zurück, um genauere Untersu- 
chungen in Fluß zu bringen. 



Inhalt. 

Seite 

Neuere Urteile über Horazkritik und -recensio. Die recensio ist 

noch nicht gemacht 261 

I. Indirecte Ueberlieferung 264 

II. Directe Ueberlieferung. Frühere Beurteilung. Verzeichnis 
der allen Hss. gemeinsamen Fehler. Alle Hss. gehen auf 
ein Archetypon zurück 277 

III. Horaz im 7. und 8. Jahrb. verschollen, erst im 9. durch die 
Karolinger wieder verbreitet 286 

IV. Zwei Hss.-klassen, d. h. zwei Apographa der Urhs. . . . 289 
V. Das zweite Apographon schwierig zu reconstruieren : Ver- 
derbnis der mittelfranzös. Gruppe $. Auch der Bland, ge- 
hört zur 2. Klasse, ist nicht selbständig 297 

VI. Gemeinsame Fehler des Porphyrio und der Hss. : also das 

Urexemplar eine commentierte Ausgabe des Porphyrio . . 313 
VII. Die Urhs. das Einzelexemplar des Mavortius 317 



Inhalt. 



321 



Notanda, 



Seite 

Buccillus: Buflllus 265 

W. V. Christ 261. 263 Anm. 2. 278 
Anm. 29; 32. 289 
commentator Cruquianus 316 

Gesamtausgabe d.Horaz 278 Anm.29 
Handschriften : einzelne : 

alte zu Lorsch 288 Anm. 61 
alte zu Bobbio 287. 318 

A 317 Anm. 130. 131 

B 264 Anm. 5 

Bland. 279. Anm. 33. 290 Anm. 
68 u. 69. 298. 306ff. 318 Anm. 184 
CE 289 Anm. 62. 291 Anm. 73 
aE 297 Anm. 81 

AI 291 Anm. 72. 317 Anm. 130 
264 Anm. 5. 291 Anm. 72. 
317 Anm. 130 
R 298. 305 

u 298 Anm. 82 

* 298 IF. 

Heiric von Auxerre 298. 302 ff. 
Hertz 261. 286 

Holder u. Kellers Ausgabe 262 f. 
264 Anm. 5. 271 Anm. 22 
indirecte Ueberlieferung : 264 ff. 
Agroecius 270 

Aldhelm 288 Anm. 56 

Augustin 274 

M. Aurelius 268 

Ausonius 274 

Baeda 288 Anm. 56 

Boethius 276 

Braulio 287 Anm. 52 

Caesius Bassus 266 

Carmen de figuris 269 

Censorinus 268 

Gharisius 269 

Cledonias 269 

Columbanus 287 

Consentius 269 

Diomedes 269 

Donatus in Terentium 270 

Dositheus 269 

Eutyches 276 

Exempla divers, auctorum 288 
Fl. Caper 268 

fragmenta Bobiensia 287 Anm. 55 
Fronto 268 

Gellius 268 

glossae Placidi 270 

gramm. de ult. syllabis 270 

gramm. de dub. nominibus 270 
Hieronymus 274 

Horatius 265 

Isidorus 287 Anm. 52 

luvenalis 268 

Lactantius 268 



Seite 

Macrobius 269 

Maximianus 287 Anm. 54 

metrici 262. 272 

Metrorius 269 

Micon 288 

Nonius 268 

Phocas 270 

Fun. maior 266 

Plutarch 268 

Porapeius 269 

Priscianus 275 

Probus 267 

Quintilianus 266 

ßufinianus 269 

Sacerdos 268 

Scaurus 268 

schol. Juvenalis 273 

schol. Lucani 273 

schol. Statu 273 

Seneca 265 

Serenus 268 

Ps. Sergius 269 

Servius 271 

Sidonius 275 

Suetonius 268 

Symmachus 274 

Venantius 287 Anm. 53 

Victorinus 269 

Juvenalis sat. 7, 226 267 Anm. 15 

Keller (s. auch Holder) 277 

Leo 263 Anm. 4. 278. 289 

Manitius 286 

Mavortius 277 Anm. 25. 317 

monosyllaba gelängt 302 

Nonius 278 Anm. 30 

Ordnung der Horazbücher 278 

Anm. 30. 285 Anm. 49. 289 ff. 

Pallavicini's Oden 280 Anm. 37 

Porphyrio 290. 313 ff. 

in Lorsch 313 Anm. 120 

interpoliert 313 ff. 

Ausgabe des Horaz 315 

zu c. 4, 4, 2-2 281 Anm. 38 

zu sat. 1, 6, 126 309 

Probus 266. 267. 285 Anm. 47 

Prudentii cod. Puteaneus 317 

Anm. 129 

Rufillus : Buccillus 265 

scholiasta A 316 

Sueton de gramm. 303 

Sueton vita Horati 316 

Titel der Bücher 278 

Titel der Gedichte 315 Anm. 126 

Usener 263 Anm. 2 

Zahl der Gedichte in einz. 

Büchern 280 Anm. 37 



322 



Inhalt. 

Grenauer behandelte Horazstellen. 







Seite 




Seite 


carm. 1, 8, 


2 


262 


serm. 1, 1 108 


311 f. 


12, 


31 


279 Anm. 34 


2, 27 


265 




41 


267 


120 


283 Anm. 42 


13, 


2 


280 Anm. 35 


3, 56 


283 Anm. 43 


15, 


5 


275 


60 


311 




20 


308 


128 


283 Anm. 44 


19, 


11 292. 318 Anm. 136 


131 


310f. 


20, 


1 


280 Anm. 36 


4, 92 


265 


23, 


1 


280. 317 


6, 126 


309 


31, 


18 


311 Anm. 113 


7, 17 


310 


38 




281 Anm. 37 


10, 1*— 8* 


302 Anm. 89 


liber I nicht unvollständig 281 


2, 3, 117 


275 






Anm. 87 


303 


311 


2, 17, 


14 


275 


313 


311 Anm. 113 


18, 


30 


272 


4, 44 


310 


3, 4, 


69 


275 


7, 13 


307 Anm. 97 


6, 


10 


275 


19 


310 




11 


275 


8, 88 


310 


7, 


1 


273 


epist. 1, 3, 4 


307 Anm. 99 


14, 


14 


275 


6, 11 


295 Anm. 79 




19 f. 


269 


63 


276 


17, 


4 


276 


7, 29 


274 


24, 


4 


306 Anm. 94 


8, 12 


307 Anm. 100 


29, 


34 


298 Anm. 83 


11, 12 


316 Anm. 127 


4, 4, 


22 


310 


15, 4 


285 Anm. 45 


6, 


21 


311 


16, 14 


304 Anm. 90 


13, 


14 


306 Anm. 94 


43 


310 


14, 


28 


282 Anm. 39 


45 


284 


carm. saec. 5 


308 


18, 111 


305 


epod. 1, 


21 


307 Anm. 94 


ars poetica 45 f. 


272 


2, 


25 


307 Anm. 95 


237 


308 Anm. 103 




27 


317 


294 


308 Anm. 104 


6, 


3 


307 Anm. 96 


328 


308 Anm. 105 


serm. 1, 1, 


38 


305 







Juni — Juli 1905. 



DE 



SENECAE HERCULE OETAEO 



SCRIPSIT 



AEMILIUS ACKERMANN. 



PMlologus, Supplementband X, drittes Heft. 22 



lara iterum ac saepius disputaverunt viri docti, utrum 
Hercules Oetaeus fabula nomine Senecae inscripta tota et in- 
divisa sit tragoedia ab uno eodemque poeta scripta an diversis 
ex partibus composita compluribus anctoribus originem debeat. 
nee magis nimirum de poeta ipso constabat. alii enim non- 
nullas fabulae partes spurias, alii totam tragoediam Senecae 
abiudicandam, alii totam clarissimo illi philosopho esse relin- 
quendam demonstrare stiiduerunt. et magna est series virorum 
doctorum, qui in Hercule Oetaeo tractanda operam ac Studium 
collocaverunt. quos cum Mich. Muellerus (in Senecae tragoedias 
quaestiones criticae p. 1 sq.), Scbanzius (Handbuch der klas- 
sischen Altertumswissenschaft VHI, H 2 p. 39 sq. et p. 50), 
G. Richterus (in editionis [1902] nota titulo subiecta p. 319 sq.) 
diligenter enumeraverint , hanc quaestionem iterum ab ovo 
tractare supersedeo et satis habeo nihil commemorare nisi 
haec. Richtero , qui quondam totam tragoediam a Seneca 
abiudicaverat (de Seneca tragoediarum auctore a. 1862 p. 31), 
Melzerus probavit (de Hercule Oetaeo Annaeana a. 1890) fabulam 
a Seneca breviter delineatam, non absolutam et perpolitam 
esse, itaque Richterus iam ad id progressus est, ut in anno- 
tationibus eis, quas memoravi, scriberet sententiam Leonis, qui 
solam priorem fabulae partem a Seneca esse profectam statue- 
rat (de Senecae tragoediis observationes criticae a. 1878), stare 
non posse. sed Leoni non item Melzerus persuadere potuit. 
Leo enim cum nuper dixerit (Göttingische Gelehrten-Anzeigen 
a. 1903 fasc. 1 p. 5): 'Man wird mir glauben, dass ich dieser 
Jugendarbeit wie einer fremden gegenüberstehe; so darf ich 
wohl sagen, dass ich fast alle gegen meine Beweisführung er- 
hobenen Einwendungen für unrichtig halte', in pristina opi- 
nione sua perseverat. Birtius autem, qui olim Herculem Oetaeum 
spuriam fabulam esse contenderat (zu Senekas Tragödien, Mus. 
Rhen. t. 34), per colloquium mecum communicavit se nunc 

22* 



326 Aemilius Ackermann, 

propensiorem esse in partem eorum qui genuinam eam esse as- 
severent; certe unius poetae esse, itaque rogavit me vir doc- 
tissimus, ut ipse quoque huic quaestioni operam navarem. quae 
cum ita essent, meum esse putavi denuo has res excutere et 
disputare, praesertim cum nonnulla me invenisse crederem ar- 
gumenta adhuc a viris doctis neglecta. quaenam sunt haec ar- 
gumenta? aut Leonem aut Melzerum recte dixisse comprobare 
nolo ; solummodo demonstrare conabor argumenta eorum, qui 
Herculem Oetaeum totam et indivisam tragoediam a Seneca 
scriptam esse negant, parum valere. quae res tractanda tres 
sibi requirit partes, primum enim de auctoritate, tum de uni- 
tate, tertium de consilio buius tragoediae quaeram. 

I. De Herculis auctore. 

Quis igitur sit auctor Herculis Oetaei nunc considerandum 
est. Leo, qui hanc quaestionem ex integro instituit^ argumen- 
tationem suam incipit bis a verbis (1. s. p. 48): Jiahet autem 
haec fabula quihus vel ohiter intuenti a reliquis differre vi- 
deatur: titulum antiquitus praefert cum prima fabula commu- 
nem; agitur primum ad OecJialiam^ dein Trachine; cJiori au- 
diuntur duo ; spatium complet reliquis fere duplo ampliorem (sie). 
communem titulum vir doctissimus, quamquam ipse priorem 
tragoediae partem (v. 1 — 740)^) genuinam aestimat, argumen- 
tum esse contendit. sed versus 1 — 740 quemnam titulum ha- 
bent? Birtius qui traditi fabularum Annaeanarum ordinis causis 
sciscitandis diligenter operam dedit (Mus. Rhen. 34 p. 532), 
secundum res et titulorum naturam ordinatas esse tragoedias 
recte dixisse videtur. sed cum Hercules alter et in re et in 
tituli forma cum antecedente fabula egregie concordet (utro- 
bique enim viri nomen est), non est cur cum Birtio Her- 
culem Oetaeum spuriam esse credamus, praesertim cum Her- 
culi priori fabulae in initio positae respondeat Hercules alter 
in fine exstans. atque cum post Herculem furentem semper bi- 
narum fabularum tituli inter se congruant, non versimile esse 
mihi quidem videtur Thyestem non habere quo spectet. prae- 
terea Herculem Oetaeum non unicum exemplum esse puto quo 
indicetur eundem poetam duas tragoedias eodem titulo prae- 

^) Numeris a Richtero editore adhibitis sum usus. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 327 

scriptas fecisse. Sophocles enim duos Aiaces scripsit, Aiacem 
IxaaTLyocpopov et Aiacem Aoxpov. atque in Aiacis superstitis hy- 
pothesi legimus hanc fabulam Aiacem fJtaaTLyocpopov nomina- 
tam esse, ut ab altero Aiace discerni posset, nam £V zodQ 6i5a- 
öY.ot.Xiocic, ^iXOic, Axoic, dvayeypaTiTai. hac re mihi probatur Sopho- 
clis Aiacibus eundem titulum (sc. Al'ag) fuisse ^). sed haec om- 
nia, quae protuli, si falsa essent, cum infra (in tertia parte) dixe- 
rim quibus causis commotus poeta iterum Herculem tractaverit, 
non ita aegre ferrem^). reliqua Leonis argumenta, quae supra 
(p. 326) commemoravi, cum Hercules Oetaeus sit 6pa|jLa dva- 
yvwaxcxov (cf. part. alt.), nullius momenti sunt, sed ponamus 
hanc fabulam in scaenam esse productam, tamen in eo, quod 
duobus locis res agitur, offendere non possumus. nemo enim 
nescit et in Aeschyli Eumenidibus et in Sophoclis Aiace idem 
fieri. ac Birtius vir doctissimus non solum in Curiatii Materni 
Domitio praetextata, sed etiam in Senecae Phoenissis scenam 
mutari comprobare conatus est (p. 526 sqq.). quod duo chori 
inducuntur, cum in Agamemnone idem deprehendamus, ab An- 
naeano usu non abhorret. accedit quod Melzerus (1. s. p. 12) 
et Steinbergerus (commentationes Guilelmo de Christ dedicatae 
p. 189) dubitant, an in Medea quoque duplex sit statuendus 
chorus. nee est cur versuum multitudinem vituperemus. cum 
enim Hercules alter ex versibus 1996, Hercules prior ex 1326 
constet, difperentia non tanta est, quae ferri non possit. atque 
cum Aristoteles dicat (ars poet. cap. 7): xou (jiyjxou? öpo;<6> 
[jiev Tzpbc, Tobc, dywvag xal ty]v alaö-yjaLV, ou xfiQ li^yr^c, saxtv, 
solummodo deliberandum est, utrum spatium, quod Hercules 
Oetaeus complet, sit tantum, ut in scaenam produci non possit 
an etiam aliae tragoediae eiusdem longitudinis inveniantur. 
Sophoclis Oedipus Coloneus 1779 ex versibus composita est et 
Euripidis Phoenissis sunt versus 1766. luvenalis ingentes fa- 
bulas irridet I 4 sqq. : 

impune diem consumpserit ingens 
Telephus aut summi plena iam margine libri 
scriptus et in tergo necdum finitus Orestes ? *) 

^) Cf. G. Hippenstiel de Graecorum tragicorum principum fabularum 
nominibus p, 15 sqq. 

^) De communi titulo etiam Melzerus disputavit p. 13. 
*) Cf. Friedlaenderum ad 1., qui duos alios adnotavit. 



328 Aemilius Ackermann, 

itaque in Herculis alterius versuum numero haerere non pos- 
sum ^) (cf. partem alteram et tertiam). aegre quoque tulerunt 
Bentleius ^) et Leo ^), quod Hercules Oetaeus et Octavia fabulae 
solae cantico terminantur. contra dici potest Annaeanas tra- 
goedias omnes praeter Phaedram et Octaviam, in quarum initiis 
monodia invenitur, a prologo incipere. hac re num Phaedram 
esse spuriam probatur? 

Multos vero Herculis Oetaei locos imitatione e ceteris Se- 
necae tragoediis expressos esse contenderunt Goebelius ^), Rich- 
terus^), Leo ^°), Birtius^^), Tachavus^^). sed haec res, cum et Leo 
(I p. 49) et Tachavus (1. s.) lubenter concesserint iure optimo 
obici posse Senecam solere semet ipsum exscribere etiam in 
reliquis fabulis, praesertim ubi de rebus similibus agatur, sine 
dubio cautionem habet, atque Melzerus, qui plurimos locos a 
viris doctis collectos iniuria huc referri putaverit, quinque 
tantum versiculos fortasse alicuius momenti esse dixit (p. 21 sq.). 
ego autem reliquas fabulas Annaeanas perscrutatus aliam tra- 
goediam inveni, in qua eadem licentia atque in Hercule Oetaeo 
admissa est. conferas enim inter se haec: 
Med. 222: huc ferat et illuc 

Hf. 999: huc eat et illuc 
Med. 215: vidua Thermodontiis 

Hf. 246: vidua Thermodontiae 
Med. 270: libera cives metu 

Troad. 581: libera Graios metu 
Med. 288 : precor brevem largire fngienti moram, 
dum extrema natis mater infigo oscula 
Troad. 760 : brevem moram largire dum offi- 
cium parens 
nato supremum reddo 



^) Conferas etiam Melzerum p. 13. 

*) Albert Stachelscheid, Bentleys Emendationen zu Senecas Tragoe- 
dien, ann. Fleck 125, p. 492. 

^) Die Komposition der Chorlieder Senecas, Mus. Rhen. 52 p. 512. 

^) Quaestiones Horatianae, pars II in Muetzell, Zeitschrift für das 
Gymnasialwesen XVI, p. 738 adn. 1. 

^) De Seneca tragoediarum auctore p. 30 sq. 

^<>) Editionis vol. I p. 51 sq. 

") L. 8. p. 522 sqq. et p. 536. 

*2) Zu Senecas Tragoedien, Philol. 46 [1887], p. 378 sqq. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 329 

Med. 431 : o dura fata semper et sortem asperam 

Troad. 1056 : o dura fata saeva miseranda 
horrida 
Med. 432 : cum saevit et cum parcit 

Phoen. 35 : cum occidis et cum parcis 
Med. 446: totus in vultu est dolor 

Äg. 128: totus in vultu est dolor 
Med. 493: dum licet abire, profuge teque hinc eripe 

Thp. 428 : reflecte gressum, dum licet, teque eripe 
Med. 531 : nunc summe toto luppiter caelo tona 

Hf. 1202 : nunc parte ab omni, genitor, iratus 
tona 
Med. 550: bene est. tenetur 

Troad. 630 : bene est, tenetur 
Med. 561: excidimus tibi? 

HO 1332: excidimus tibi? 
Med. 652 : quamvis bene fata nosset 

Phoen. 83: fata bene novi mea 
Med. 896 : pars ultionis ista qua gaudes quota est? 

Hf. 1191: cladis tuae pars ista quam nosti 
quota est? 
Med. 945: unicum afflictae domus 

Troad. 462 : unica afflictae domus 
Med. 1019 : bene est, peractum est 

Oed. 998: bene habet, peractum est. 
Hos locos si vidisset Richterus qui, cum in Hercule Oetaeo 
octo tantum versiculos imitando effectos exstare credidisset, di- 
cere iam ausus est (1. s. p. 30): imitatoris imhecilUtas vel eo 
se prodit, quod miilta ex aliis fabulis, imprimis ex Hercule 
prior e^ in usum suum convertit^ aut verbis imitatoris imhecil- 
Utas non usus esset, aut Medeam quoque spuriam putavisset. 
itaque si Medea genuina est fabula, etiam Hercules Oetaeus 
a Seneca scripta esse potest. 

Sed ne dicas non satis diligenter me bac in re versatum 
esse, versus iam affero hos : 

Hf. 46 : nee satis terrae patent 

Hf. 605: non satis terrae patent 
Med. 185: liberet fines metu 



330 Aemilius Ackermann, 

Med. 270 : libera cives metu 
Thy. 279: bene est, abunde est 

Thy, 889: bene est, abunde est 
Thy. 348: rex est qui posuit metus 

Thy. 388: rex et qui metuit nihil i^) 
Hf. 522: infernus imo sonuit e fundo fragor^*) 

Thy. 262: imo mugit e fundo solum 
Hf. 330: talis incessu venit 

Troad. 465: talis incessu fuit 
Hf. 1189: His etiam, pater, 

quicquam timeri maius aut gravius potest? 

Oed. 828 : malum timeri maius hisaliquod potest? 
Hf. 1202 : nunc parte ab omni, genitor, iratus tona 

Thy. 1080 : committe et omni parte violentum 
intona 
Hf. 953 : quo, nate, vultus huc et huc acres refers 

Troad. 1092: pro turre, vultus huc et huc 
acres tulit 
Hf. 1009: Megara furenti similis e latebris fugit 

Phoen. 427 : vadit furenti similis aut etiam furit 
Hf. 1283: fortis in pueros modo 

Troad. 755: fortis in pueri necem 
Hf. 1012: quo misera pergis? 

Thaed. 142: quo misera pergis? 
Phaed. 155: quid ille qui mundum quatit 

vibrans corusca fulmen Aetnaeum manu 
sator deorum ? 
Oed. 1028 : non si ipse mundum concitans divum 
sator corusca saeva tela iaculetur manu 
Phaed. 258 : decreta mors est 

Phoen. 244: decreta mors est 
Phaed. 525: non equidem reor 

Troad. 868 : non equidem reor 
Phaed. 1271 : o dira fata, numinum o saevus furor 

Oed. 75 : o saeva nimium numina, o fatum grave 
Oed. 521: mitteris Erebo vile pro cunctis caput 

Ag. 231: oppone cunctis vile suppliciis caput 



*3) Versum delevit Leo vol. II p. 251. '*) Delevit Leo II p. 375. 



De Senecae Hercale Oetaeo. 331 

Oed. 868 : dehisce tellus, tuque 

Troad. 519 : dehisce tellus, tuque 
Hf, 1148: nescio quod animus grande praesagit malum 
Phoen. 278: magna praesagit mala 

paternus animus 
Thy. 958 : mens ante sui praesaga mali 
HO 745^^) : nescio quod animus grande praesa- 
git malum 
Hf. 1138: quis hie locus, quae regio, quae mundi plaga? 
Troad. 498: quis te locus, quae regio seducta, 
invia 

tuto reponet ? 
HO 1797^^): quis me locus, quae regio, quae 
mundi plaga 
defendet ? 
Alios locos coUegit et cum Octaviae versibus composuit 
Fr. Ladek (de Octavia praetexta. dissertationes Vindobonenses 
III p. 52 sqq.). sed iam satis me demonstravisse credo ceteris 
in fabulis locos imitatione expressos non minus raro quam in 
Hercule Oetaeo inveniri. ac si tales loci in altero Hercule ali- 
quanto crebrius exstarent, non multum valeret. tale quid etiam 
alii poetae et scriptores sibi permiserunt. in fine Euripidis 
Alcestis, Medeae, Andromachae, Baccharum, Helenae scriptum 
videmus: 

izoXkocl {jLopcpat Tö)V oatpiovtwv 
TZoXkoc S'aeXTCTW? xpatvouat -ö-soi" 

TÜ)V §' aOOXYjTWV TTOpOV £0p£ ö-SO?. 

TocovS' aTreßyj xoSe Tipayiia^^). 
ex Xenophontis Hellenicis totas paragraphos ad verbum fere 
in Agesilaum translatas esse recte vidit H. Hagenius (de Xe- 
nophonteo qui fertur Agesilao capita V p. 11), nee ab Dione 
Chrysostomo tales repetitiones sunt alienae; confer H. de Ar- 

;^Leo solummodo versus Hf. 1148 et HO 745 vidit (I p. 51); 
pertinent autem haec verba ad sermonem cottidianam , legimus eiiim 
iam apud Terentium (Heautont. 23G): 
sed nescio quid profecto mi animus praesagit mali. 

^^) Non igitur in Hercule priore et altero fabulis solis haec verba 
exstant. confer Leonem I p. 52. 

*^) Hos versus non semper genuines esse contendit Lindskog non 
primus (Studien zum antiken Drama p. 17). 



332 Aemilius Ackermann, 

nim Leben und Werke des Dio von Prusa p. 416 sqq. haec 
omnia si animo complectemur, etiam Senecae eorundem verbo- 
rum iterationem indulgebimus^^). 

Nonnumquam autem verbis iterum usurpatis aliquid durius- 
culi vel obscuri et contorti inbaerere dixerunt D. Heinsius, Leo, 
Birtius, Tachavus. atque Heinsius (apud Scriverum p. 346) 
Herculis Oetaei versus 661/62: 

nee gemmiferas detrahit aures 
lapis Eoa lectus in unda 
rettulit ad Phaed. 391 : 

nee niveus lapis 
deducat auris, Indiei donum maris. 
credidit enim detrahit (HO 661) inepte pro deducit positum 
esse, idem vituperavit Leo (p. 50 adn. 2), qui eum versus 
1 — 740 genuinos aestimaret, hunc locum a Seneca esse seriptum 
ipse contendebat. atque quamquam aures deducere paulo melius 
dictum est quam aures detrahere, tarnen hoc non ita aegre fere- 
mus, ut argumentum contra fabulae auctoritatem esse coneedamus. 
Plura Leo protulit (I p. 51 sqq.), sed numquam recte. 
quamquam iam Melzerus argumenta eins diluere studuit (p. 22), 
tamen cum paene nusquam satis accurate eontradixerit, aliqua 
mihi erunt addenda. versus {HO 1048) : 

abrumpit scopulos Atbos 

Centauros obiter ferens 

facile intellegi possunt, nam vertendum est: 'Der Atbos reisst 

Felsen ab, auf denen er oben Centauren trägt', alii poetae 

similiter locuti sunt cf. Claudiani Gigantomach. Graee. v. 59 : 

TzpoppiQov TioXesaacv specSoptIvyjv öpleaac 

V. 65 £v 5s TS VYjatp 

osvSpsa xac 7i:oTa|jtoc -öfjpsg x'saav bpvi^-ec, x£. 
et Apollin. Sidon. c. IX, 88 : 

Nee Flegrae legis ampliata rura, 
missi dum volitant per astra montes 
Pindus, Pelion, Ossa, Olympus, Othrys 
cum silvis, gregibus, feris, pruinis 

*^) Addere poteram in Aristophanis Vespis (1030 — 36) eosdem versus 
exstare, qui in Face (752 sqq.) leguntur. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 333 

saxis, fontibus, oppidis levati 
vibrantum spatiosiore dextra. 
Ad HO 1293: inter Infernos lacus 

possessus atra nocte cum Fato steti 
Leo non recte adnotavit : Heinsius scribere voluit obsessus^ recto 
iudicio, nam de homine male dici sensit quod apte de rebus 
dicitur. Melzerus iam attulit 

Troad. 562 : nate, quis te nunc locus 

fortuna quae possedit. 
praeterea conferendi sunt loci hi : Stat. Theb. VII 550 : 
Tene ille, heu demens, semel intra moenia clausuni 
possessumque odiis Argiva in castra remittet? 
X 676 : iuvenis multo possessus numine. 
carm. epigr. lat. 1243 v. 3: quem numquam cupidae possedit 

gloria famae. — 
HO 1347: agnosce mater — ora quid flectis retro 
vultumque mergis ? 
Leo negavit merger e idem significare posse quod abscondere. 
hoc iam notum erat N. Heinsio (adversariorum libri IV p. 279) 
et ex lexicis satis superque constat. 

HO 1392 : surgat hinc illinc nemus 

artusque nostros durus immittat Sinis : 
sparsus^^) silebo. 
Leo aegre tulit participium perfectum sparsus^ quod Melzerus, 
cum duo illi loci, quos attulit, in hanc rem omnino non quadrent, 
non feliciter defendit, videas autem ipse: 
Troad. 344: Illo ex Achille, genere qui mundum suo 

sparsus per omne caelitum regnum tenet^^). 
poeta dicit Achillem genere suo per omne regnum sparsum 
totum teuere mundum. Achillis corpus num Melzerus credidit 
multas in partes divisum esse? alter locus est Med. 625 sqq.: 
ille vocali genitus Camena, 
cuius ad chordas modulante plectro 
restitit torrens, siluere venti, 
cum^^ suo cantu volucris^^ relicto 



*^) Sparsus hoc loco idem est atque in partes divisus. 
^^) His de versibus iam Leo dixit (G. G. A. p. lü adn. 1): Troad. 
344 ist überhaupt anders. 

■''*) Tum praebet E. ^^) volucres E. 



334 Aemilius Ackermann, 

adfuit tota comitante silva, 

Thracios sparsus iacuit per agros, 

at Caput tristi fluitavit Hebro^^: 

conti git notam Styga Tartarumque, 

non rediturus. 
in sententia : Thracios sparsus iacuit per agros Orpheum esse 
subiectum Melzerus contendit, quod tarnen prorsus incredibile 
est. neque enim Orpheus, dum canit, sparsus iacebat, neque, 
cum magnitudo eins tot cubitorum non esset, per agros iacere 
poterat, neque in partes divisus lyram modulabatur. atque 
cum Melzero si in eadem sententia sumus, contextus sermonis 
male interrumpitur. quid enim sibi volunt verba at caput^ quae 
sine dubio ad antecedentia respiciunt ? re vera autem in versu 
630 subiectum est Hebrus casus nominativus , qui ex dativo 
in sequente versu exstante supplendus est. Seneca igitur 
narrat fluminis prope Orpheum partem substitisse, Hebri caput 
autem fluxisse. Similis locus in Hercule Oetaeo invenitur 
(cf. p. 340). itaque cum Melzeri propugnatio non prospera 
fuerit, alio modo huic participio perfecto sparsus excusatio 
paranda est. legas autem, quae infra (p. tert.) hac de re disputavi. 
De versu 1556 quae Leo disseruit, cum optime a Melzero 
(p. 23) refutata sint, sufficit commemorare, non Leonem pri- 
mum, sed Peiperum post versum 1556 lacunam statuisse. 

Hf. 745 sqq. Theseus de iudicibus infernis locutus 
reges adhortatur, ne crudelitati assuescant. eandem hor- 
tationem prorsus inepte et xaxo^'/jXw^ HO 1560 — 63 inser- 
tam esse idem Leo autumavit, cui oblocutus est Melzerus verbis 
bis: HO 1556 sq. autem aliquis est rerum contextus: inter 
inferorum iudices dehinc Hercules quoque erit; quanto igitur 
gravior erit post mortem regum et tyrannorum poena^ praeser- 
tim cum illos potissimiim ulcisci vivus solitus sit. liceat mihi 
paulo accuratius hanc rem explicare. poeta dicit (v. 1550 sqq.): 
,nunc ad Acherontem vadit Hercules, quem Charonis cumba non 
solum, sed una cum multis vilibus umbris transferet. tamen 
Hercules inter viles umbras non manebit, sed inter iudices in- 
fernos sedebit 

23) Hoc coniecit Gronovius, traditum est in E: ad caput tristis 
fluitavit Hebri, in A: ad caput tractus fluvialis Hebri. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 335 

facta discernens^ feriens tyrannos, 
proinde, o tyranni, iusti este ac ierrum tenete purum.' itaque 
haec hortatio non prorsus inepte, sed plane apte inserta est. 
cur autem auctor eam indiderit, infra (cf. tert. part.) dixi. 

HO 1721 plane rustico ohiurgio in Phüoctetem invehitur 
Ms verbis: ,ignave iners inermis' ceterum compositus et man- 
suetus^ sed transtulit hoc ex Thy. 176 : ^iguave^ iners^ enervis\ 
hoc recte dictum esse Melzerus Leoni concessit, ego non item 
concedo. in versu 1717 Hercules Philoctetem flammas poscit. 
V. 1718 hortatur Philoctetem, ne segniter facem comprehendat. 
sed Philoctetes segnis est. hac re iratus exclamat Hercules: 
quid dextra tremuit et Philoctetae manum pavidam appellat 
(v. 1719). etiam arcum reposcit. atque cum Philoctetes etiam 
nunc cunctetur , periratum Herculem verba ignave , iners^ 
inermis adhibere non mirum est. neque quae sequuntur sunt 
mansueti. dicit enim Hercules : eyi nostros mamis quae tendat 
arcus. intellegenda autem haec verba sunt sie: haec tua ma- 
nus, quae pavida et ignava est nee rogum incendere audet, no- 
strum nunc tenet arcum omnibus populis notum. itaque obiur- 
gatio illa et cum antecedentibus et cum sequentibus verbis 
concinit. neque hoc loco neglegamus rem non ipsam in scaena 
agi, sed a nuntio narrari. ceterum vide Melzerum. 

Totam vero scaenam quae est HO 1399 sqq. ex Hercule fu- 
rente male expressam esse contendit Leo, qui enixe operam dedit, 
ut imitatoris manum detegeret. statuit autem hanc de fu- 
rore scaenam inepto loco fabulae immissam esse, cum dixit: 
de calamitate sua multum midtumque declamavit et decantavit 
(sc. Hercules)^ de furore nihil audivimus ; nee quae novissimo 
loco dicit magis sunt reliquis insana. subito docemur Alcme- 
nae verbis furorem instare : 

1402 : ei mihi, sensum quoque 

excussit illi nimius impulsus dolor, 
quod Melzerus contra dixit , nihili est. multis autem annis 
ante Melzerum excellenter de hoc loco disputavit vir doctissi- 
mus Birtius (1. s. p. 516). recte enim ostendit ea, quae Her- 
cules novissimo loco loquatur, sine dubio magis esse reliquis 
insana. 'Plötzlich' inquit 'schlägt Herkules statt der (voran- 
gegangenen) Klagen einen kampflustigen Ton an , indem er 



336 Aemilius Ackermann, 

mit seiner Krankheit zu fechten verlangt: 

V. 1399 : ubi morbus, ubinam est? estne adhuc aliquid mali 

in orbe mecum? veniat, huc aliquis mihi 

intendat arcus: nuda sufficiet manus. 
Diese Herausforderung macht auf Alkmene mit Recht den Ein- 
druck des Wahnsinns', hoc recte dictum esse pro certo habeo. 

De versibus 1408 sqq. satis bene disseruit Melzerus (p. 24). 
nee vituperandus est locus 1415 — 1418. 

Denique Birtius (p. 511) et Melzerus (1. s.) mihi probave- 
runt in Megara v. 1452 memorata offendi non posse. quae cum 
ita sint, iam in illa de Herculis furore scaena conexus verbo- 
rum nusquam interrumpitur. 

Neque verum est quod Leo ad versum 1406 : dolor iste 
furor est: Herculem solus domat adscripsit: huius enini coloris 
gratia omnis de furore scaena inserta est. aeque perperam 
Melzerus dixit (p. 23) : deniqite ne id quidem spernendum est^ 
quod Leo ipse adnotavit, ideo nostro loco Herculem für entern 
fingi, ut color ille magnificus (HO 1407) inseratur. veram 
causam, quam in tertia huius libelli parte explanabo, viri docti 
non deprehenderunt. 

Birtium offendit (p. 532), quod in prologo Hercules nimis 
se efferat et caelum expugnare in animo habeat. idem in Her- 
cule priore fieri, ibi autem Herculem furore impulsum tale 
quid loqui. cur poeta Herculem ita insolescentem fecerit, ibi- 
dem (tert. p.) expositurus sum. 

Ultimus Tachavus in Hercule Oetaeo sententias imitatione 
male expressas animadvertisse se opinatus est ^*). ac primum 
comparavit 

HO 170: commoda cladibus 

magnis magna patent ; nil superest mali 
iratum miserae vidimus Herculem 
cum 

Troad. 422: hie mihi malorum maximum fructum abstulit, 

nihil timere. 

dubitavit enim, num verba commoda . . . patent satis intellegi 

possint et cum antecedentibus cohaereant. negavit autem vir- 

gines, cum tempus futurum ignorent, dicere posse : nil superest 

2*) Zu Senecas Tragoedien, Philol. 46 [1887] p. 378 sqq. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 337 

mali. in verbis commoda . . . patent quicquam obscuri non Vi- 
deo atque verto: 'Großes Unglück ist zugänglich für große 
Vorteile' vel 'Großes Unglück ist oft von großen Vorteilen be- 
gleitet'. V. 119 — 142 virgines Oechalides de clade sua conque- 
runtur; hanc cladem eis intulit Hercules, immanis ille lieros 
(143 — 170). tarnen unum commodum magnum hac clade nac- 
tae sunt: nullum malum superest, nam iratum Herculem vi- 
derunt, quo maius malum inveniri non potest (170 — 172). ita- 
que verba commoda . . . patent cum antecedentibus conveniunt 
atque conspirant et virgines, cum Herculem iratum omnium 
maximum esse malum sciant, dicere possunt: nü superest mali. 
Herculis iram haud dubie perquam horribilem poeta finxit, sed, 
quod infra (p. tert.) demonstrare studui, non sine consilio ac 
iudicio hoc fecit. 

Deinde Tachavus HO 107 sq. cum Troad. 150 contulit. 
hac quoque de re inspicias quae in altera parte dixi. 

Postremo vir doctissimus composuit 

HO 122: felices sequeris, mors, miseros fugis 

cum 
Troad. 1171 : Mors votum meum, 

infantibus violenta virginibus venis, 
ubique properas, saeva: me solam times 
vitasque, gladios inter ac tela et faces 
quaesita tota nocte, cupientem fugis. 
credidit enim Tachavus Hecubam, cum diu mortem quaesivisset, 
verba felices sequeris^ mors^ miseros fugis sane dicere potuisse, 
sed virgines Oechalides, quae ante urbem expugnatam nondum 
miserae fuissent, inepte sie loqui. hae sane argutiae ac spinae 
sunt, fortasse autem, dum Hercules Oechaliam obsidet, virgi- 
nes tot calamitates perpessae sunt, ut iam paulo ante urbem 
penitus expugnatam miserae essent quaererentque mortem, quis 
ita ut Tachavus cum poeta aget? nusquam ergo in Hercule 
Oetaeo versus stolida imitatione ex ceteris tragoediis expressi 
inveniuntur. 

Consideremus nunc quo iure Herculis Oetaei scriptorem 
stultum atque ineptum hominem esse dixerint. primus D. Hein- 
sius ineptias deprehendisse sibi visus est. adnotavit enim ad 

HO 387 : quicquid in nobis fuit 



338 Aemilius Ackermann, 

olim petitum cecidit aut pariter labat. 
aetas citato senior eripuit gradu 
materque multum rapuit ex illo mihi ^^). 
inepte redundat locus et pueriliter luxuriat (apud Scriv. p. 
347). at equidem tantam luxnriam non video. quod in ea- 
dem sententia et eripuit et rapuit invenimus, non ab usu poe- 
tico abhorret et rerum progressus est planus neque ullam 
praebet ofFensionem. — 

D. Heinsius si bis temporibus vixisset, versus 1792, 1890, 
1697 sq., cum iam diu emendati sint, non reprehendisset (cf. 
p. 345). et quia eidem viro doctissimo codex Florentinus nondum 
notus erat, etiam in versibus 761 et 1599 haerere potuit 
(p. 347 et 344). nee Richterus tunc, cum libellum quo de Se- 
neca tragoediarum auctore agitur scripsit, Etruscum satis no- 
vit (p. 26). ipse quoque in versu 1595 : passus an pondus ti- 
tubavit Atlas? eadem de causa ac D. Heinsius ofFendit. credi- 
dit enim Florentinum praebere lassus ^ editionem principem 
passus. sed cum neque lassus neque passus ei placuisset, fas- 
sus scribi voluit. opinionem suam ut defenderet, statuere de- 
buit active positum esse titubandi verbum pro quatiendo. haec 
igitur coniectura prorsus reicienda est et nuper Richterus ipse 
passus in textum recepit, quod sine dubio satis apte dictum est. 
HO 424: causa bellandi est amor. 

totiens timebit Herculi natam parens 
quotiens negavit, hostis est quotiens socer 
fieri recusat : si gener non fit ^^), ferit. 
haec verba D. Heinsio nauseam moverunt (p. 347), sed quid 
vituperandum sit, non dixit. quam ob rem de hoc loco verba 
facere nolim. 

HO 644: caespes Tyrio moUior ostro 

solet impavidos ducere somnos 
D. Heinsius caespitem somnum ducere posse negavit (p. 346), 
sed iniuria; nam somnos ducere non solum dormire significat (hoc 
modo loquitur Yergilius Aen. IV 560: nate dea,potes hoc suh casu 
ducere somnos)^ sed etiam somnos afferre vel somnos inducere. 

^^) Sic legendum esse mihi probavit M. Muellerus (in Senecae 
tragoedias quaestiones criticae p. 43 sq.). 

^®) Fit legimus ex coniectura N. Heinsii (1. s. p. 444) ; Codices 
praebent est. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 339 

cf. Horat. epod. 14, 3: 

Pocula Lethaeos ut si ducentia somnos 
arente fauce traxerim 
et Ovid. Metam. II 735 : 

ut teres in dextra, qua somnos ducit et arcet, 
virga sit. 
itaque poeta non dicit caespitem dormire, sed sopire. 

Post D. Heinsium Swoboda nonnulla invenit quae vitu- 
peraret ^^). liuius viri doctissimi opus ipsum, quod ut ex bib- 
liothecis mutuarer mihi non contigit, me non inspexisse con- 
fiteor. sed Melzerus Swobodae argumenta, quae diluere studuit, 
attulit p. 26. ac pauca Melzeri verbis mihi addenda sunt. 
Swoboda aegre tulit (p. 335), quod Hercules HO 80 sqq. 
stulta et ridicula promittat, simili ex causa haesit in versibus 
1741 sqq. (p. 348). poetam autem consulto Herculem adeo 
intumescentem induxisse infra studui probare (p. tert.). 

Aliud argumentum est hoc : HO 907 sq. ab Hf 1341 sq., 
cum hie Athenis, illic Cinyphio fönte Hercules Megarae et li- 
berorum caedem expiasse feratur, ita dissentit, ut unus utrius- 
que fabulae auctor statui non possit (p. 343). iam Melzerus etiam 
in ceteris tragoediis tales sententias inter se pugnantes inveniri 
conatus est demonstrare. sed Optimum exemplum, quod vidit 
A. Pais (II teatro di Seneca p. 83), est hoc: locasta dicit 
Oed. 1034: hoc iacet ferro meus 

coniunx 
et similiter Oedipus loquitur 

Phoen. 105: ensem parenti trade, sed notum nece 
e n s e m paterna. 
iam legas Oedipodis verba 

Oed. 768 : redit memoria tenue per vestigium 

cecidisse nostri s t i p i t i s pulsu obvium 

datumque Diti e. q. s. 

nunc ense, nunc stipite Laium a filio suo interfectum esse 

poeta dicit. nonnumquam igitur Seneca cum se ipso discrepat. 

Versus vero HO 1036 — 1099 ab homine insulsissimo et 

absurdissimo scriptos esse Goebelius praepropere contendit 



'^^) L. A. Senecas Tragoedien übersetzt und erläutert, Wien 1830, 
III p. 335 sqq. 

Philologus, Supplementband X, drittes Heft. 2ö 



340 Aemilius Ackermann, 

(1. s. p. 738 sq.). cuius argumenta cum iam Melzerus maxi- 
mam in partem infirmaverit (p. 27), pauca adiungere verba suf- 
ficit. vir doctissimus in eo offendit, quod poeta Bistones Hebrum 
accolentes (v. 1042) et Getas in Rhodope habitantes (v. 1032, 
1092) fecit. item credidit (p. 743) HO 161 Parthos prorsus 
inepte commemorari, qua re simul contra temporum regionum- 
que rationera peccetur ^^). vir doctissimus si locos, quos Leo (I 
p. 202 sq.), Melzerus (p. 28), F. Harderas ^9) (p. 451) attule- 
runt, inspicere potuisset, talem neglegentiam a Seneca alienam 
esse non dixisset. 

HO 1040: et dum fluminibus mora est, 
defecisse putant Getae 
Hebrum Bistones ultimi. 
Goebelius adnotavit: quid? quod Bistones Hebrum defecisse 
putant ! nimirum^ si totus fluvius tamquam persona stetit^ non 
aliter id fieri potuit^ nisi ut continuum flumen staret a fönte 
usque ad ostia^ nee animo concipi potest usquam ita aquas 
discissas fuisse, ut altera pars moraretur^ altera flueret, sive 
ut usquam aqua deficeret^ intermitteret. contra monendum est 
poetam omnino non dicere totum flumen stetisse. undae, quae 
prope Orpheum fluunt, cum morentur, fieri non potest, quin 
flumen paulatim ex ostiis deficiat (cf. Melzerum p. 27). ac si 
tibi mirum videtur alteram fluminis partem subsistere, alteram 
fluere, revoco te ad Medeae locum, quem supra (p. 333 sq.) tractavi. 
Versum HO 1059 : et serpens latebras fugit si ponamus 
serpentes latebras raro relinquere solere, facile intellegi posse 
Melzerus recte dixit (p. 27). sed cum exempla non addidit, 
afi'ero haec: 

Oed. 152: perdidit pestem latebrosa^") serpens. 
Med. 684: tracta magicis cantibus 

squamifera latebris turba desertis adest. 
Stat. Theb. II 410 : dixerat. ast illi tacito sub pectore dudum 
ignea corda fremunt, iacto velut aspera saxo 
comminus erigitur serpens, cui subter inanes 
longa sitis latebras totum que agitata per artus 

^^) Wem iam D. Heinsius vituperavit (apud Scr. p. 348). 
^^) Bemerkungen zu den Tragödien des Seneka. Aus der Feätschrift 
Johannes Vahlen zum 70. Geburtstag gewidmet. 

^°) Significationem huius adiectivi exposuit Richterus (deS. tr. a. p.28). 



De Senecae Hercule Oetaeo. 341 

convocat in fauces et squamea colla venenum. 
Ad HO 1088: cantus praemia perdidit Goebelius in- 
dignatus quaesivit (p. 740) : quid faciens ? at apertissime poeta 
dixit: nee credens e. q. s. (1086). quia enim Orpheus non cre- 
didit Eurydicem sequi, retro se vertit, quo factum est, ut con- 
iugem perderet. in versu 1079 sie^ non sed^ in v. 1090 tunc, 
non ümi tradituni est. atque haee pronomen demonstrativum 
in versu 1092 optime positum est, quod iniuria negavit Goe- 
belius. idera versus 1036 — 1099 spurios esse eo quoque con- 
firmari putavit, quod eadem de Orpheo narratio et Hf. 569 sqq. 
et Med. 625 sqq. legitur. hac eadeni re pro Seneca auctore 
pugnari Melzerus fortasse recte dixit (p. 28). chorum HO 
163 — 172 ineptias proferre Goebelius contendit (p. 743), sed 
argumentis nullis probavit. itaque hoc omittamus. 

Herculis Oetaei auctorem prave et perverse cogitantem 
hominem fuisse etiam Leo studuit ostendere (I p. 53 sq.). at- 
que ut poetam magnopere ineptire satis demonstraret , multa 
collegit, sed omnia falso. ego, cum iam Melzerus (p. 28 sq.) 
nonnulla recte contra dixerit, paucis rem absolvere potero. 
HO 842 : factum est scelus, 

natum reposcit luppiter, Inno aemulum. 

reddendus orbi est; quod potest reddi exhibe^^: 

eat per artus ensis exactus meos. 
Leo adnotavit: si superi Heretdem reposcunt, non est Dei- 
anirae scelus quo occidit; quod orhi illum reddendum pidat 
non est cur se ipsa interficiat. hunc locum Leo non intellexit. 
Steinbergerus (1. s. p. 192) optime docuit reposcere hie idem 
esse ac morti eripere vel vitae reddere^ non autem ad superos 
vocare. reddere idem significare posse quod dare satis notum 
est^^). Deianirae hac in scena inconstantiam, qua ad ferrum, 
quod bis capessit bisque improbat , ad extremum revolvitur 
(v. 868), non miram esse Melzerus exemplis ex ceteris tra- 
goediis collectis demonstravit (p. 29). praeterea conferas quae 
diximus in altera parte. 

A poetis numquam Herculei ensis mentionem fieri Leo 



^*) Bedde praebet E, sed reddi legendum esse mihi probavit Birtius 
(1. s. p. 540). 

3^) Cf. Tachav. Philol. 48 p. 742 et p. 747 et Melzer. p. 29. 

23* 



342 Aemilius Ackermann, 

perperam putavit. Steinbergerus {1. s. p. 193) vidit Aristopha- 
nis locum, ran. 664 xat xö ^i^oc, Y ^cfTiaio {xacveai^ac Soxwv 
(sc. 'HpaxX-^?). Harderus attulit (1. s. p. 456) Horatii versum 
c. IV 4,61: non hydra secto corpore firmior. quin etiam 
in Herculis furentis versu 1229 Herculeus ensis commemoratur. 
Bentleius ^^) autem et Withofius^*), quos Leo (G. Gr. A. p. 11 
adn. 1) et alii secuti sunt, pro voce ensem coniecerunt arcum. 
contra Melzerus (p. 4 adn. 2 et p. 29) et Harderus (1. s. p. 455 sq.) 
ensem hoc loco retinendum esse statuerunt. quae res utut se 
habet, certum est Herculis alterius auctorem ense Herculeo 
commemorato non peccavisse. 

Deianira mortis consilium bis verbis confirmat (922) : 
frustra tenetur ille qui statuit mori, 
proinde lucem fugere decretum est mihi, 
vixit satis quicumqae cum Aleide occidit. 
quo de loco Leo haec dixit: dehuit: proinde frustra me 
tenetis. dixit: frustra tenetur qui mori decrevit^ proinde 
mori decrevi; frustra tenetur qui statuit mori^ proinde mori 
statui. sine dubio aliter haec verba intellegenda sunt. Deia- 
nira dicit y. 922: 'frustra mihi quae mori statui mortem dis- 
suades, proinde moriendi mihi consilium non labefactatum est', 
quae interpretatio si tibi non placet, cum Melzero (p. 29) ver- 
sum 924 ante 923 ponas. 

HO 1268: quis dies fletum Herculis, 

quae terra vidit? siccus aerumnas tuli. 
tibi illa virtus, quae tot elisit mala, 
tibi cessit uni; prima et ante omnis mihi 
fletum abstulisti: durior saxo horrido 
et chalybe voltus et vaga Symphlegade 
rictus meos infregit et lacrimam expulit. 
Leo adnotavit : suum scilicet vultum superari non potuisse nisi 
alio vultu etiam durior e putidus sensus est; quo quantopere 
ineptiat scies si praecedentem sermonis partem perlegeris, 
nempe iterum iterumque questus est quod pestem quae fixa 
meduUis lateat corpusque intus depopuletur videre nequeat 
multumque divinavit serpensne sit an malum aliquod et Her- 

") Ann. Fleck. 125 p. 483. 

^*) Praemetium crucium criticarum praecipue ex Seneca tragico 
p. 121. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 343 

culi ignohim. iam eins vultu ridus suos infrados esse nuntiat, 
Melzerus perperam concessit (p. 29) his versibus putidum 
sensum inesse. rectissime Steinbergerus (1. s. p. 193) vidit 
Herculem non de alio, sed de suo ipsius vultu cogitare. Leo 
fortasse huuc in errorem non cecidisset, si in versu 1274 pro 
meos scriberetur suos^ quod pronomen sane paulo melius in 
sensum quadrat. sed id, quod nunc in codicibus exstat, cum 
rictus illi et ad Herculeum vultum et ad Herculem ipsum 
pertineant, ego facile feram, Birtius minus, qui coniecit : rictus 
et OS infregit et lacrimam expulit. 

HO 1472 HERC. : Habet, peractum est, fata se nostra explicant; 
lux ista summa est: quercus hanc sortem mihi 
fatidica quondam dederat et Parnassio 
Cirrhaea quatiens templa mugitu specus^^): 
*dextra perempti victor. Aleide, viri 
olim iacebis ; hie tibi emenso freta 
terrasque et umbras finis extremus datur'. 
in comparationem vocavit Leo Sophoclis locum (Trach. 1159): 
£[AOt yap ^v TcpocpavTov Ix Tiaxpo; TiaXac, 
avSpöv 7T:v£a|(Tü)V [iYjSevö? -ö-avetv utio, 
aXX öax:? "A:§oi) cpö-Lfievo? otxifjTwp tieXoc. 
65' oöv 6 'O'Yjp Ksviaupog, w? xö -ö-eLov i^v 
TrpocpavTov, ouxto ^wvxa ja' exxecvev -d-avcbv. 
cpavö) 5' eyo) xouxo:ac auptßatvovx' l'aa 
^avxela xacva, xoig tzoiXoli ^uvyjyopa, 
a xwv öpsLwv Ttat 'YOL\io(.iY.oixGi^ eya) 
SeXXwv eaeX'O'tbv aXao? etasypa^^apiTjv 
Tz^oc, X7]5 Tcaxpwag -/.od TcoXuyXwaaou 5pu6?. 
contendit autem vir doctissimus poetam Romanum duo oracula 
a Sophocle commemorata tarn claude (sie Leo) et oblique inter 
se coniunxisse, ut de una tantum sorte loqui videatur ^^). ar- 
gumenta, quae Melzerus protulit (p. 19/20), cum ad rem ip- 
sam vix spectent, non nisi ambages sunt, facile autem Leo- 
nis verba refutari possunt, nam poeta Romanus satis aperte 

^^) Traditum est nemus. specus coniecit primus N. Heinsius (1. s. 
p. 286), deinde Wilamowitzius (cf. Leo I p. 55 adn. 5). 

^^) Si Leo recte dixisset, non multum valeret. talia enim Senecam 
nonnumquam sibi indulsisse demonstravit Harderus (Festschrift Johan- 
nes Vahlen p. 451). 



344 Aemilius Ackermann, 

de duobus oraculis cogitat. dicit enim: quercus Jianc softem 
mihi dederat et specus (sc. hanc sortem mihi dederat). hanc 
sortem singularem numerum poeta pro plurali posuit, ut ma- 
gis fortiter et efficaciter loqueretur. et alterum oraculuni est 
hoc (1476) : dextra perempti victor , Alcide^ viri olim iacehis^ 
alterum (1477): hie tibi emenso freta 

terrasque et umbras finis extremus datur. 
verba finis extremus non de morte, quod Melzerus voluit 
(p. 20), sed, ut apud Sophoclem, de fine migrandi et laboran- 
di intellegenda sunt, differentia, quae in eo agnoscitur, quod 
Herculi oraculum alterum datum esse a love Sophocles dicit, 
ab Apolline autem poeta Romanus narrat, Leonis opinionem 
confirmare non potest. nam poeta aut ita rem sibi finxit, ut 
Hercules lovis oraculum ore Apollinis acceperit (cf. Leo I 
p. 55), aut, quod Seneca saepius sibi concedebat, ab exemplo 
suo recessit. praeterea monendum mihi videtur cum Herculis 
fama notissima esset breviter loqui poetae Romano licuisse. 
HO 1595: Heu quid hoc? mundus sonat. ecce maeret, 

maeret Aleiden pater; an deorum 

clamor, an vox est timidae novercae 

Hercule et viso fugit astra luno ? 

passus an pondus titubavit Atlas ? 

an magis diri tremuere manes 

Herculem et visum canis inferorum 

fugit abruptis trepidus catenis? 
Leo adnotavit: mundus sonuit: inde coniecturas capit cho- 
rus ; at ut conicere possit manes trepidare Cerberoque aufu- 
giente tumultum exoriri^ fragorem imo de fundo audisse dehet^ 
ut Hf. 521: cur mugit solum? 

infernus imo sonuit e fundo fragor. 
hunc Herculis furentis versum fortasse aptissime allatum esse 
dices, sed conferas , quid de eodem loco idem Leo iudicaverit 
(Tl p. 375). hoc, inquit, recte dictum esset^ si ex inferis nunc 
demum Hercules emergeret; at per, viain publicam ad Thebas 
accedit. itaque in Hercule priore idem factum est quod in 
Hercule altero. sed cum illum versum vir doctissimus deleret, 
Herculis Oetaei locum auctori opprobrio dedit. adde quod Leo 
plane perperam hunc locum tentavit, nam mundum non caelum, 



De Senecae Hercule Oetaeo. 345 

sed rerum universitatem significare Melzerus recte vidit^') (p. 29). 

De cantico HO 1518 sqq. Leo dixit (G. G. A. p. 9): Der 
Schluß ist mißglückt, wie auch einiges im Liede selbst; ar- 
gumenta autem vir doctissimus non addidit. 

Denique Birtius in Hercule Oetaeo res insulsas deprehen- 
disse sibi visus est. 

HO 278 DEL : lole nieis captiva germanos dabit 

natis (lovisque fiet ex famula nurus)? 
non flamma cursus pariter et torrens feret 
et ursa pontum sicca caeruleum bibet. 
vir doctissimus adnotavit (p. 535) : Hilflos verunglückt bei aller 
Gesuchtheit ist z. B. folgender Vergleich (278—281). In 
hohem Masse beeinträchtigt wird derselbe überdies durch die 
zwischengestellten Worte , die in Parenthese stehen, 
haec recte dixisset Birtius , si versus 280 sie legendus esset. 
neque enim dubium mihi videtur, quin nonnulli Codices de- 
teriores meliorem lectionem praebeant hanc: 

num flamma cursus pariter et torrens feret ^^) 
et ursa pontem sicca caeruleum bibet? 
dicit igitur Deianira : 'prius flamma et torrens pariter cursus 
feret et ursa pontum bibet quam patiar lolam Herculi natos 
parere et lovis nurum fieri.' 

HO 1452: Megara appellatur clara. quod adiectivum non 
satis apte positum esse Birtius suo iure contendit (p. 511). 
similem locum inveni in Troad. 1112: signa clari corporis ^^). 
fortasse cum N. Heinsio (1. s. p. 285) scribendum est cara. 

Itaque viri docti Herculis Oetaei auctorem esse hominem 
ineptum ac stolidum iniuria dixerunt. 

Aliud est, quod Herculis Oetaei scriptorem esse linguae 
inopem et scribendi socordem poetam contenderunt*^). iam 

^^) Nonnumquam mundus idem est atque inferi cf. Macrob. I 16, 
16—18, Festum (ed. Thewrewk) I p. 120 et p. 146-149. 

^^) Forma feret et in E et in A tradita retinenda est. solent enim 
nonnulli poetae, in quorum numero etiam Seneca est, verbi n. singularem 
usurpare, si ullo modo tolerari potest. exempla huius rei postea for- 
tasse occasione data afferam. 

^^) Similis non siniilis est locus PJiaed. 1247: huc, huc reliquias 
vehite caris corporis. 

*<*) D. Heinsius (ap. Scriv. p. 347), Goebelius (1. s. p. 740), Richte- 
rus (d. S. tr. a. p. 30), Leo (I p. 57), Birtius (p. 535, 537 sq.). in eo 
quod Deianira lolam novies captivam vel paelicem appellat (v. 278 — 391) 
Birtium haerere non debuisse probavit Melzerus (p. 30). 



346 Aemilius Ackermann, 

Leo, qui ipse concessit (I p. 57) Senecam in tragoediis non 
semper curiosissimum variandi sermonis fuisse, ceteris ex fa- 
bulis pauca exempla huc pertinentia collegit. multa autem con- 
gessit Melzerus (p. 30). quae qnamquara sufficiunt nonnulla 
mihi liceat addere. in Troadibus inveni: v. 610 timent, 612 
timere, 618 timet, 626 timor, 632 timorem, 642 timor; Oed.: 
519 regis, 520 reges, 524 rege, 525 regi, regno; Hf.: 1192 
manus, 1196 manus, 1203 manum, 1211 manum, 1236 ma- 
nus, 1260 manus (semper in trimetri fine) , praeterea 1193 
manus, 1244 manibus, 1255 manibus; in Thyeste: 434 timo- 
ris, 435 timendum, timeo, 447 timentur, 449 timere, 468 ti- 
memur, 473 timendum, 482 times, 483 timori, 486 timendum, 
times et 414 regni, 425 regno, 432 regni, 442 regnare, 444 
regnum, 470 regnum, regno, 472 regnes. quod non in versi- 
bus 410, 415, 441, 451, 455, 458, 459, 463, 468, 489 et nee in 
vss. 457, 460, 463, 465, 466, 471, 472 legitur, urgere nolim. 
sed praeterea conferendi sunt versus hi: 529 regnum, 531 re- 
giam, 534 regnum, 540 regna, 542 regni et 564 timuit, 572 
timor, 580 timuere, 590 timuit, 595 timuere et 889 sat, 890 
satis, 895 sat, 899 satis, 900 satisque, 913 satur. fortasse mi- 
hi concedes Thyestis auctorem copiosiorem poetam scriptore 
Herculis Oetaei non fuisse, praesertim cum ex eadem fabula 
iam Melzerus alias voces saepe iteratas collegerit. 

Neque vero repetitis tantum dictionibus incuriosam elo- 
cutionem offendere, sed magis etiam sententiis neglegenter 
constructis sive vitiose pronuntiatis contendit Leo (I p. 57). 
sed omnia argumenta quae protulit aut a Melzero (p. 30/31) 
aut nunc ab ipso (G. G. A. p. 10 adn. 1) refutata sunt *^). 
itaque eis, qui Herculem Oetaeum a Seneca abiudicaverunt, 
iam multa argumenta erepta sunt. 

Iam vero metricas rationes inter hanc ceterasque fabulas 

admodum aequales esse viri docti, qui hac in re versati sunt, 

omnes concesserunt. nihilo setius nonnulla a Senecae arte ali- 

ena in Hercule altero inveniri dixerunt. ac Leo protulit hoc 

(I p. 59) : itaque in summa aequalitate modo neglectam modo 

duriorem in Hercule Oetaeo synaloepham deprehendimus. 

**) Ad HO 1604 quem tulit Poeans etiam comparandus est ver- 
sus Hf. 494 : vel ex coacta nobilem partum f e r a m. 
praeterea conferas infra p. 876 sq. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 347 

Schmidtius*^) et Leo (I p. 58) iam satis demonstrarunt in re- 
liquis Herculis Oetaei senariorum locis eodem modo quo in 
Annaeanis fabulis verba verbis coagmentari. de synaloepha 
quae in fine versuum admittitur plura verba mihi facienda sunt, 
scilicet in trimetrorum exitu omnium fabularum monosyllabum 
cum antecedente vocabulo nusquam coalescit, nisi quod aphae- 
resis vocis est saepius invenitur. conglutinatur autem est nus- 
quam cum antecedente monosyllabo, contra cum bis'yllabo in 
Ef. sexies (55, 383, 952, 1172, 1191, 1268), in Troad. quater 
(298, 787, 909, 997), in Fhoen. octies (55, 79, 288, 368, 378, 
454, 598, 629), in Med. sexies (230, 448, 896, 921, 976, 1004), 
in Phaed. sexies (358, 435, 636, 697, 711, 1239), in Oed. ter 
(274, 834, 865), in Agam. quinquies (109, 152, 154, 426, 924), 
in Thy. quinquies (205, 257, 449, 899, 906), in HO octies 
(59, 236, 405, 824, 1242, 1258, 1806, 1820), in Octav. quater 
(108, 458, 604, 825). cum trisyllabo copulatur est Troad. 911, 
Med. 25, Thy. 718, 1013, HO 882, 940, cum quadrisyllabo ver- 
bo HO 1979, Oct. 442, 496, cum quinque syllabarum voce 
Oed. 515. 

Porro bisyllabum in senarii fine positura nusquam cum 
antecedente vocabulo coalescit, contra trisyllabum, de quo in- 
fra (p. 349 sq.) paulo fusius loquar, creberrime. etiam verbum 
quadrisyllabum coalescit Med. 407, 471, Oed. 823, Agam. 787; 
quinque syllabarum vocabulum Fhaed. 580, 955, Thy. 911; 
vox sex e syllabis composita Phoen. 133, 165, Oct. 446, 541, 870. 

Monosyllabum in trimetri exitu invenitur Hf. 1162, Troad. 
42, 56, 475, Phoen. 205, 234, 495, 3Ied. 125, 692, Phaed. 713, 
Oed. 938, 1016, HO 870, 939, 1206, 1351, 1354, 1826, ISbQ''). 
monosyllabum in versus fine non ferri nisi antecedente mono- 
syllabo dixit Leo (I p. 59). itaque vituperavit Herculis Oetaei 
poetam qui scripserit v. 939: para lahorem. scelera quae quis- 
quam ausus est. neque enim animadvertit vir doctissimus Me- 
deae versum 692: caelo petam veneria, iam iam **) tempus est. 



*^) De emendandarum Senecae tragoediis rationibus prosodiacis 
et metricis p. 17 sqq. 

*^) Non omnia exempla deprehenderunt Schmidt p. 39 et Leo I p. 59. 

**) In E iarn semel exstat, in A legitur iam nunc. Gronovium 
autem recte iam iam scripsisse eo apparet, quod in E saepius ea vox, 
quam bis positam esse postulamus, semel tantum tradita est. legimus 



348 Aemilius Ackermann, 

quem si vidisset, non delevisset (I p. VII) Herculis furentis 
trimetrum (1162) : 

quis tanta Thebis scelera moliri ausus est, 
praesertim cum hie illi Herculis Oetaei senario (939) similis 
sit. ter igitur bis in fabulis monosyllabo non coalescenti ante- 
cedit bisyllabum. 

Porro Leo reprehendit quod auctor iratae sat est {HO 
1354) et tanto sat est {HO 1558) scribere maluit quam iratae 
est satis et tanto est satis (I p. 60). sed legat Oed. 938 : pen- 
sabis ictu? moreris ; hoc patri sat est. 

Bisyllabum non coalescens saepissime in trimetri fine in- 
venies, item trisyllabum. verbum quadrisyllabum non coales- 
cens exstat in Hf. quater decies (11, 92, 218, 232, 244, 325, 
408, 484, 516, 626, 758, 908, 915, 997), in Troad. ter decies 
(60, 183, lb5, 222, 280, 325, 558, 652, 809, 901, 1069, 
1080, 1106), in FJioen, sexies (129, 191, 206, 448, 550, 566), 
in 3Ied. undecies (14, 33, 39, 266, 268, 456, 512, 709, 713, 
718, 731), in PJiaed. quater (384. 1023, 1225, 1229), in Oed. 
quater (768, 812, 847, 1048), in Agam. sexies (137, 186, 566, 
797, 928, 935), in Thy. novies (115, 195,679, 707, 745, 1012, 
1039, 1055, 1060), in i^O undecies (733, 804, 1135, 1227, 1237, 
1273, 1380, 1389 1474, 1485, 1650), in Oct. bis (835, 837). 
Richterus (de S. tr. a. p. 18) vidit Herculis Oetaei poetam a lege 
qua cavetur, ne in trimetrorum exitu vocem quadrisyllabam prae- 
cedat iambica, sexies recessisse (804, 1273, 1380, 1389, 1485, 
1650). sed Richterus ipse concessit quinque exemplis (804, 1273, 
1380, 1485, 1650) excusationem a nomine proprio paratam 
esse, idem vidit legem illam etiam in Phoenissis bis (191, 
206) *^) violatam esse, ubi nomen proprium veniam non praebet. 
fortasse ex Agamemnone quoque versus 797 huc referri potest: 

AGAM. : secura vive. CASS. mihi mori est securitas. 
nam mori est^ quia est cum mori coalescit, tamquam una vox est. 
differentia igitur non exstat. quinque syllabarum verbum in 
trimetri fine positum non coalescit Hf. 246, Troad, 861. Phoen. 
223, Med. 215, Phaed. 229, 271, 852, Oed. 395. Agam. 660, 



enim Troad. 191 ite pro ite, ite, 625 Jiac pro hac hac, 627 ite pro ite, 
ite, 1141 iam pro iam iam, HO 753 ille pro ille, ille, 1234 quid pro 
quid, quid, 1506 quam pro quamquam 1980 fallor pro fallor, fallor. 
*^) pro novos in E traditum est 7ion vos. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 349 

Thy. 23, 424, HO 21, 1642. vocabulum non coalescens, cui 
sex syllabae sunt, invenitur Fhaed. 1157. 

Restant cretici in senarii exitu positi. Senecae in tragoe- 
diis fere legitimum esse creticos hoc loco exstantes cum an- 
tecedente vocabulo coalescere Schmidtius recte vidit (p. 37 sq.). 
inter centenos trimetros clauduntur creticis coalescentibus in 
Hf. 12, non coalescentibus 2, 1, in Troad. coalesc. 10, non c. 1, 19, 
in Fhoen. c. 10, non c. 1, 95, in Med. c. 12, 5, non c. 2, 29, in 
Fhaed. c. 10, 2, non c. 1, 05, in Oed. c. 9, 27, non c. 0, 67, in Ag. 
c. 8, 36, non c. 1, 46, Thy. c. 11, non c. 1, 94, in HO c. 9, 6 non c. 
1, 14, in Oct. c. 7, 7 non c. 0, 52. Leo numeros semper fere paulo 
a meis recedentes computavit (I p. 58). qui vir doctissimus creti- 
corum coalescentium usum in Octavia rariorem esse quamquam 
recte dixit, tarnen hac in fabula plures inveniuntur quam ipse 
in Agamemnone exstare sibi persuaserat. idem creticos non 
coalescentes in Octavia prorsus evitatos esse contendit. sed 
scriptos videmus tales v. 237, 457, 468. Leo cum solum ver- 
sum 457 vidisset, perperam eum delevit (cf. Herrn. 10 p. 439). 
atque ut opinionem suam nobis probaret aliis argumentis 
allatis hunc versum inepte intercalatum esse demonstrare stu- 
duit. Flane idem^ inquit, hoc versu Nero dicit atque sequenti 
et synaloephae locus non est in personis mutandis. versus 
Octaviae 456 — 458 sunt hi: 

NER. ferrum tuetur principem. SEN. melius fides. 

NER. decet timeri Caesarera. SEN. at plus diligi. 

NER. metuant necesse est. SEN. quicquid exprimitur grave est. 
qui versus exstant in colloquio , quod inter Neronem et 
Senecam habetur. Seneca ut Imperator moderate regnet po- 
stulat, contra Nero vi uti mavult. cum Senecae reclamatione 
Caesaris animus magnopere concitatus sit, Imperator ira im- 
pulsus bis idem dicere facile potest. praecipue autem quae iam 
dixit iterat, ut sua plurimum interesse timeri quam maxime 
manifestet declaretque omnino non se curare amorem populi. 
accedit quod Nero non plane idem his duobus versibus dicit, nam 
gradatio inest in verbis : decet timeri . . . metuant necesse 
est. hoc vidit Fr. Ladek (1. s. p. 102). praeterea conferas quae 
Richterus editor adnotavit. ceterum hoc loco in personis mu- 
tandis synaloepham admittendam esse equidem censeo. exstat 



350 Aemilius Ackermann, 

enim talis verborum cpnglutinatio etiam in Agamemnonis 
versu 794 : 

AGA. credis videre te llium? CAS. et Priamum simul. 
huic versui a Graeco nomine excusationem paratam esse, Oc- 
taviae loco a Latino non item Leo dixit (I p. 59 adn. 8). sed 
haec inter nomen Latinum et Graecum difFerentia minima est. 
neque Fr. Ladek (1. s. p. 102) neque Lucianus Muellerus (ann. 
philol. 89, p. 423) hoc discrimen statuere voluerunt. nescio 
igitur, cur Octaviae versus in codicibus bene traditus, si Aga- 
memnonis genuinus est, spurius aestimandus sit. itaque cum 
Octaviae scriptor ter (237, 457, 468) trimetrum cretico non 
coalescente terminaverit, nulla hac in re differentia exstat. 

Sed in ceteris Senecae fabulis non coalescenti cretico semper 
syllaba longa antecedit, contra in Octavia serael (v. 393 genus 
impium) et in Hercule Oetaeo ter (v. 406 caret Hercule^ 1hl ferar 
obruta^ 1847 dar et Hercules ^^) eadem sede bisyllabum bibreve 
invenimus. parva igitur differentia artis sane adest. atque quam- 
quam concedo hanc rem momenti alicuius esse, tamen, si nihil 
aliud accedit, minimum valere existimo. ei, qui hanc ob cau- 
sam Herculem alterum Senecae a'biudicari vult , etiam Aga- 
memno, cum non nisi in hac fabula et in Octavia synaloepha 
in personis mutandis admissa sit, insitiva ducenda est. neque 
putabit idem Phoenissas genuinam tragoediam esse, nam sex 
syllabarum vox in senarii fine posita coalescit bis tantum in 
Phoenissis et ter in Octavia (cf. p. 347). itaque illo argumento 
uti iam non licet. 

Cretico non coalescenti in Hercule Oetaeo nusquam ante- 
cedere vocabulum, cui plus tres morae sint, contra idem in re- 
liquis tragoediis saepissime admitti, contendit Birtius (p. 559 sq.); 
itaque emendandum esse censuit versum HO 899: nemo no- 
cens sibi ipse poenas abrogat , praesertim cum sensus inep- 
tissimus esset, vir doctissimus cum tradita verba intellegi non 
possint Gronovium totum versum genuinum esse falso credi- 
disse suo iure dixit *^). ipse autem coniecit : nemo innocens sibi 
ipse si poenam abrogat. quae verba, quam vis bonum sensum 



■*^) Exempla haec coUegit Schmidtius (1. s. p. 53). 

^^) Inrogat legimus in A. 

*^) Gronovii sententiam iniuria defendit Tachavus, Philol. 48 p. 749. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 351 

praebeant , tarnen cum nimis abhorreant a tradita lectione, 
mihi non satis placent. aliam autem emendandi rationem in- 
grediendam esse puto. Deianiram Nessi fraude deceptam Her- 
culem necare Birtius ipse vidit (p. 511 sq.). quod facinus morte 
sua expiare constituit , ut se non nefariam aut perditam fe- 
minani , sed dolo captam esse indicet. facinorosi hominis non 
esse poenas sibi adrogare Birtius recte dixit. itaque Deianira, 
si poenas sibi vindicat, non scelerata femina est, sed, ut ma- 
gistri mei verbis utar , eine tragische Heldin, quam ob rem 
Hyllo dicenti : si te ipsa damnas , scelere te misera argiiis 
Deianira respondet: 

nemo nocens*^) sibi ipse poenas adrogat ^^). 
adrogare idem fere significare quod vindicare notum est. ita- 
que cretico adrogat antecedit tradita vox poenas^ cui quattuor 
morae sunt, iam legas HO 15: 

quod terra genuit, pontus aer inferi. 
aer habet quattuor moras. atque ne dicas verbum aer (= arjp), 
cum accentum in altera syllaba habeat, facilius ferri posse, de- 
monstrabo Senecae temporibus hoc vocabulum in priore syllaba 
acutum esse, aer efficit spondeum. quodsi verba spondiaca in 
secundo vel tertio vel quarto trimetri pede posita sunt, ictus 
rhythmicos et verborum accentus inter se consentire necesse 
est (cf. p. 358). iam intuearis 

Hf. 677 : sie pronus aer urget atque avidum chaos 
Hf. 704 : immotus aer haeret et pigro sedet 
Phaed. 474 : solis et aer pervius ventis erit. 
haec exempla si cui non sufficiunt, afferre possum hexametros 
dactylicos, quorum in fine eadem vox exstat ^^). conferas Ovid. 
Met. VI 47; Lucan. I 646; Stat. Theb. II 3; VI 399; VI 
617; VIII 413; XII 248. etiam verbum aether = ocl%iip'^) et 
nomina propria velut TJieseus^ Peleus Romani in prima syl- 
laba acuebant. 

Qaod Birtius HO 445 pro propius exigat scripsit poenas exi- 
gat (p. 514), cum ipse postea hanc coniecturam reiciendam esse 

*^) Nocens hoc loco eum significat, qui scelestus atque improbus est. 
^^) Richterus per errorem scripsit in E traditum esse arrogat. 
^^) Etiam in hexametri exitu verborum accentus cum versus nu- 
mero concinere notum est. 

'0 Cf. Hf. 959; Phaed. 524; Oed. 220; Agam. 121; HO 52, 1764. 



352 Aemilius Ackermann, 

dixerit (p. 559) , mihi auxilio vocare non possum. conceden- 
dum autem est in Hercule Oetaeo creticum in trimetri fine 
positum cum antecedente plus trium morarum voce non coa- 
lescentem bis (15, 899) inveniri. consideremus vero, quo modo 
haec res in ceteris fabulis se habeat. antecedit cretico non 
coalescenti vocabulum, cui plus tres morae sunt, in Hf. duo- 
decies (255, 397, 495, 641, 652, 657, 698, 715, 992, 998, 
1042, 1333), vocabulum, cui duae tantum morae sunt^^), de- 
cies (265, 406, 654, 1139, 1197, 1246, 1252, 1290, 1323, 1329); 
in Troad. illud septies (519, 523, 889, 898, 936, 951, 1112) 

— hoc quater (8, 191, 224, 227); in Fhoen. illud sexies (148, 
249, 256, 285, 501, 619) — hoc septies (64, 163, 244, 279, 358, 
491, 520) ; in Med. illud decies (127, 151, 152, 203, 547, 562, 
572, 684, 700, 887) — - hoc quinquies (167, 412, 493, 735,916); 
im Fhaed. illud septies (1(36, 213, 238, 563, 896, 1247, 1256) 

— hoc ter (715, 884, 1170) ; in Oed. illud ter (12, 78, 965) 

— hoc bis (89, 1014) ; in Äga, illud. sexies (252, 394a, 435, 
472, 551, 802) ~ hoc quater (243, 280, 282, 783); in Thijest 
illud quater (52, 320, 1011, 1061) — hoc undecies (59, 111, 
176, 261, 280, 295, 334, 409, 1067, 1082, 1093); in HO illud 
bis (15, 889) — hocnovies (43, 406, 465, 757, 9G5, 1143, 1218, 
1750, 1847)5*); in Od. illud nusquam — hoc quater (237, 393, 
457, 468). Octaviam fabulam, quae maxime a reliquarum usu 
discrepat, ab anonymo quodam auctore scriptam esse constat. 
vidimus autem Senecam ipsum sibi non constare. atque hac 
in re Thyestes et Hercules Oetaeus vix inter se differunt. credo 
igitur Birtii quoque argumentum a me abolitum esse. 

Senecam creticum in trimetri fine positum ubi longa syl- 
laba antecedit fere semper cum antecedente voce coalescentem 
facere iam vidimus (p. 349). itaque consentaneum est creticorum 
non coalescentium eos, quibus prima littera vocalis vel h est, 
cum facilius coalescere possint, creticis a consonante incipien- 
tibus rarius usurpari. exstat autem creticus non coalescens, 
cuius prima littera vocalis vel h est, in Hf. quinquies (v. 397,. 
406, 657, 715, 1329), creticus qui a consonante incipit septies 



°^) Verbum tres moras habens nusquam antecedit cretico non co- 
alescenti. 

^*) Versus 445 dubius est; de versu 574 p. 353 disputavi. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 353 

decies (155, 265, 495, 641, 652, 654, 698, 992, 998, 1042, 
1139, 1197, 1246, 1252, 1290, 1323, 1333); in Troaä. ille 
ter (227, 519, 898) — hie octies (8, 191, 224, 523, 889, 
936, 951, 1112); in Phoen. ille quater (64, 148, 358, 491) — 
hie novies (163, 244, 249, 256, 279, 285, 501, 520, 619); in 
Med. ille quinqiiies (412, 493, 562, 735, 887) — hie decies 
(127, 151, 152, 167, 203, 547, 572, 684, 700, 916); in Phaed. 
ille bis (563, 884) — hie oeties (166, 213, 238, 715, 896, 
1247, 1256, 1170); in Oed. ille bis (89, 1014) — hie ter 
(12, 78, 965); in Äga. ille quater (234, 252, 282, 472) — 
hie sexies (280, 394% 435, 551, 783, 802); in Thj. ille ter 
(280, 295, 1061) — hie duodecies (52, 59, 111, 176, 261, 
302, 334, 409, 1011, 1067, 1082, 1083); in HO ille bis (15, 
899) — hie sexies (43, 465, 965, 1143, 1218, 1750); in Od. 
ille bis (237, 468) — hie semel (457). itaque Hereules Oetaeus 
hae in re eum Annaeanis fabulis plane eongruit, Oetavia non 
item, bis in Hereule altero cretieum non eoaleseentem a voeali 
vel h littera incipere dixi, quamquam v. 574 vulgo legitur : 

dum poscit lolen; sed ieeur fors horridum. 
cum Hereulis Oetaei poeta nusquam alibi fors^ sed novies for- 
san vel forsitan (361, 408, 473, 1781, 768, 912, 1398, 1429, 
1791) usurpaverit, verisimile mihi videtur, etiam in versu 574 
olim forsan exstitisse. atque quod ereticus horridum ab h litte- 
ra ineipit, id indiciolum est, quo affirmetur horridum ab auetore 
ipso eum antecedente voee eonglutinatum esse, itaque eum in 
optimo eodiee non fors, sed forsan traditum sit, re vera seri- 
bendum esse forsam mihi persuasum est^^). forsam vel forsitam 
legimus earm. epigr. Lat. 1013, 4 et 1279, 12 ^^). in eodieibus 
saepius forsam vel forsitam esse scriptum multis loeis allatis 
demonstraverunt Ribbeekius ^^) et Schuchardtius (1. s.). addere 
possum etiam in Annaeanis tragoediis ter forsam exstare (ef. 
Troad. 274, 660, Ag. 990). elisam autem alteram voeis for- 
sam syllabam nusquam alibi inveni. 

Haee omnia quae de synaloepha dixi si diligenter consi- 

^^) Sic emendandum esse per colloquium me dociiit Birtius. coniec- 
tura Melzeri forsan rüde non probabilis est (p. 34). 

^®) Hunc locum iam vidit Schuchardtius, der Vokalismus des Vul- 
gärlateins I p. 117. 

°^) Proleg. Vergil. p. 420 et ann. Fleck. 57 p. 188. 



354 Aemilius Ackermann, 

deraveris, fortasse concedes Herculis Oetaei poetam eodem 
modo, quo Senecam, elisionibus usum esse. 

Eundem non aliter ac Senecam caesuris usum esse expo- 
suerunt Schmidtius (1. s. p. 55 sq.) et Richterus (d. S. tr. a. 
p. 16). in caesurae loco hiatum facilius ferri mihi probavit 
R. Klotzius (Grundzüge altrömischer Metrik a. 1890 p. 172). 
quem virum doctissimum recte defendisse puto traditam lec- 
tionem in versibus his: 

Hf. 1284: pavidamque matrem? arma nisi dantur mihi, 
Thy. 302: prece commovebo: hinc vetus regni furor, 
HO 1201: sortis carerem. o ferae, victae ferae, 
Oct. 516 : tristes Philippi, hausit et Siculum mare, 
praesertim cum hiatus semper littera h vel m molliatur. 
Klotzium secutus est Gleditschius (Metrik der Griechen und 
Römer ^ p. 287 adn. 2), contra impugnaverunt L. Muellerus 
(de re metrica^ p. 185) et Birtius (Mus. Rhen. 34 p. 12). 
Thyestis locus est hie (296): 

gnatis tarnen mandata quae patruo ferant 
dabimus: relictis exul hospitiis vagus 
regno ut miserias mutet atque Argos regat 
ex parte dominus, si nimis durus preces 
spernet Thyestes, liberos eins rüdes 
malisque fessos gravibus et faciles capi 
prece commovebo ^^) : hinc vetus regni furor e. q. s. 
haec Atrei verba sunt. Muellerus et Birtius singularem nu- 
merum commovebo^ cum non Atreus ipse, sed eins filii ii sint, 
qui Thyestis liberos commoveant, non apte positum esse dixe- 
runt. sed olim legi haec: Caesar castra posiiit. at constat 
Caesarem non ipsum castra posuisse. ut Caesar castra poni, ita 
x4treus liberos Thyestis commoveri iussit. sensus igitur satis 
aptus est. 

HO 1200: ubique mors me fugit, ut leto inclitae 

sortis ^^) carerem. o ferae, victae ferae. 
editio princeps habet pro ferae^ victae ferae. hanc coniecturam, 
tametsi mihi magis placet ea, quam Birtius proposuit [ubique 

58^ Precommovebunt A ; preces movebunt editio Aid. ; pueri movebunt 
Bentleius; prece commovebunt L, Muellerus. 

'°^) Sic cum Leone pro tradito verbo mortis legi velim ; fortis prae- 
bet A. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 355 

mors me fugit. ut titulo inditae mortis carerem^ ceterae vidae 
ferae) ^^), tarnen cum hiatus et a caesura et a littera m satis 
excusationis habeat, accipere nolim. 

In Hercule furente Hercules facinus voluntaria morte 
expiaturus est ; dicit enim (v. 1277) : 

Si vivo, feci scelera; si morior, tuli. 
purgare terras propero. iamdudum mihi 
monstrura impium saevumque et immite ac ferum 
oberrat: agedum dextra, conare aggredi 
ingens opus, Labore bis seno amplius. 
ignava cessas, fortis in pueros modo 
pavidamque matrem? arma nisi dantur mihi e. q. s. 
pro pavidamque matrem legimus in A pavidasque matres^ quae 
verba ab editoribus in textum recepta sunt, sed sine dubio 
Etruscus, ut solet, lectionem meliorem praebet, nam verbis : 
fortis in pueros modo pavidamque matrem Hercules aperte allu- 
dit ad scelus, quod commodum in se suscepit. qui cum unam 
matrem necaverit, dicere non potest pavidasque matres. itaque 
etiam hoc loco hiatus admittendus est. eandem licentiam de- 
prehendimus in Octavia (v. 516), ad quem versum viri docti 
nihil quod persuadeat coniecerunt. 

Accedit Herculis Oetaei locus hie (1399): 
HERC. : ubi morbus, ubinam est ? estne adhuc aliquid mali 
in orbe mecum ? veniat, huc aliquis mihi 
intendat arcus: nuda sufficiet manus. 
procedat agedum. ALCM. Ei mihi e. q. s. 
sie versus 1402 et in E et in A traditus est. itaque etiam hoc 
loco hiatus exstat, nam coniectura Avantii, qui huc post age- 
dum inferre volait, vacillat et Claudicat, superest locus unus, 
qui vulgo sie legitur 

HO 1260: quaecumque pestis sive quaecumque es fera, 
palam timere ! quis tibi in raedias locum 
fecit medullas ? ecee direpta cute 
viscera manus detexit; ulterior tarnen 
inventa latebra est — o malum simile Herculi! 
unde iste fletus? unde in has lacrimae genas? 

60^ Birtio oblocutus est Tachavus, Philol. 48 p. 750. nuperrime Birtius 
editionem principem secutus esse videtur (cf. Philol. 63 fasc. 3 p. 431). 

Philologus, Siipplementband X, drittes Heft, 24 



356 Aemilius Ackermann, 

invictus olim voltus et numquam malis 
lacrimas suis praebere consuetus (pudet) 
iam flere didicit. 
sed Etruscus praebet v. 1265 : unde Jias lacrimas gerit. quam 
ob rem hoc modo legendum est (1265) : 

unde iste fletus? unde has lacrimas gerit 
invictus olim voltus et numquam malis 
lacrimas suis praebere consuetus? pudet: 
iam flere didicit ^^). 
Hiatus vero, quem in versu 1265 deprehendimus, semiseptena- 
ria ^^) et h littera vocis has tolerabile fit. sexies igitur bis in fa- 
bulis admissus est hiatus, cui semper et a caesura et a littera 
h vel m excusatio parata est. praeterea Birtius mihi probavit 
(der Hiat bei Plautus p. 97 sq,) apud Terentianum Maurum 
aliosque poetas hiatum non solum in caesurae sede, sed etiam 
aliis versus locis h littera molliri. itaque inter Herculem 
Oetaeum ceterasque fabulas huius rei differentia non invenitur. 
Pessimum vero esse versum HO 1298: votum spopondit; 
nulla propter me sacro dixit Leo (I p. 60). desideravit enim 
semiseptenariam qua, ut eiusmodi trimeter asperior leniatur, 
effici putavit. hanc ob rem placuerunt viro doctissimo versus. 
HO 299 : pro me gerebas bella, propter me vagas, 
Phoen. 336 : superate et aliquid facite propter quod patrem. 
praeterea autem comparandi sunt senarii hi: 

Troad. SOO: quis proteget? qui semper, etiam nunc tuos, 
Phoen. 35: cum occidis et cum parcis, olim iam tuum, 

176: eduxit oculos. haeret etiam nunc mihi, 
Med. 278 :• lacerumque fratrem, quicquid etiam nunc novas, 
520: fortuna semper omnis infra me stetit, 
567: quicquid potest Medea, quicquid non potest, 
Oed. 618 : Pentheus tenetque saevus etiam nunc minas, 
Äga. 197: patrique Orestes similis? horum te mala, 
HO 724: vix ora solvi patitur etiam nunc timor. 
atque in versibus Phoen. 176, Med. 278, HO 1298 non so- 
lum caesura semiquinaria inest, sed post quartam arsin (Sen- 
kung) etiam incisio (i. e. semiseptenaria) exstat. bis autem 

®^) Sic interpungendum et E sequöndum esse mihi persuasit Birtius. 
^^) In versu 1265 semiquinariam maiorem vim habere concedo. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 357 

trimetris, cum etiam cum nunc et propter cum me in unam 
quasi vocem coeat, excusatio satis superque parata est^^). 

Perpauca porro de interpunctione dicenda sunt. Leo vidit 
(I pc 59) HO 907 post arsin (Senkung) anapaesti primum 
trimetri pedem obtinentis levem interpunctionem positam esse, 
quod cum idem Hf. 514, Med, 426, Oecl. 927 inveniamus, a 
Senecae arte non alienum est. 

HO 465: quas Pontus herbas generat aut quas Thessala 
sub rupe Pindus aluit (sie E): ubi inveniam malum 
cui cedat ille? 
versus 466 sine dubio corruptus est : interpolati Codices prae- 
bent Pindus aut uhi, quod nibili est. Peiperus editor pro 
aluit scribi voluit alit. hanc coniecturam si accipimus post 
solutam tertiam thesin (Hebung) gravem exstare interpunctio- 
nem nobis concedendum est. quod cum ßirtio non tolerabile 
videretur, coniecit (p. 537): Pindus: tale ubi e. q. s. egoPei- 
perum sequi malim, nam vidi Agamemnonis versum (969) : 
EL. Tuto quietus, regna non metuens nova: 

iustae parenti satis CLYT. at iratae parum. 
Post primam thesin solutam interpunctio gravis invenitur 
Thy, 39; levis Hf. 504, Troad. 607, 31ed, 447, P/^aed 1180, 
Aga. 660, Thy. 1089, Od. 146. 

HO 981 vulgo legitur: 

et quicquid aliud restitit: ab illis tarnen, 
post priorem moram quartae thesis solutae interpunctio exstat 
gravis, talem trimetrum sane pessimum neque alibi in Hercule 
Oetaeo neque in reliquis fabulis inveni. atque cum in Floren- 
tino pro restitit traditum sit cessit, in propatulo est versum a 
poeta aliter scriptum esse. Leo tunc cum hunc locum tractavit, 
de virorum doctorum coniecturis iudicavit (I p. 59) : quidquid 
tentatum est^ pingui Minerva tentatum est. nosse enim non 
potuit Birtii qui cessit imhellis scite coniecit emendationem, 
de qua Tachavus dixit (Philol. 48 p. 746): die endliche Hei- 
lung der mit vielen Konjekturen beglückten Stelle. 

Ante ultimum senarii pedem levem interpunctionem cre- 



®^) Itaque paulo maiorem quam Seneca licentiam sibi concessit Au- 
sonius, quem exempli causa affero, in hoc senario (epigr. 48): 
cor ergo versus, immo Rufus non habet. 

24* 



358 



Aemilius Ackermann 



brius invenire possumus, gravem tantum Hf. 373, Troad. 1000, 
1005, PJwen. 205, 234, Med. 125, Phaed. 425, Oed. 697, 698, 
Ag. 52, HO 1000, 1006, 1016, (fortasse v. 1267 cf. p. 356), 1806. 
Et quoniam omnia persequimur, volumus quidem certe, 
etiam de accentu verborum cum numerorum rationibus exae- 
quando dicendum est^*). quae res quomodo apud veteres Ro- 
manos se habuerit nos docuit Ose. Brugmannus (Quemadmo- 
dum in iambico senario Romani veteres verborum cum numeris 
consociarint), qui in tertio pede^ inquit (p. 52), i. e. in medio 
versu verborum accentus et ictus rhythmici semper concinerent 
oportuit^ in altero et quarto^ tertio proximis^ sola fere iambica 
verba ceteris quodammodo levlora admissa erant^ primo loco 
et ultimis^ qui maxime distant a tertio, omni modo verborum 
accentum neglegere licuit. Seneca, quem Brugmannus non ex- 
cussit, hanc legem ipse quoque in omnibus fabulis secutus 
est; conferas locos in tabula adiecta conscriptos **). 

Verborum accentus cum numeris non concinentes. 



fabu- 
lae 



in altero pede 



in quarto pede 



Herc. 
lur^ 



1, 35, 46, 230, 258, 264, 298, 313, 829, 
840, 349, 354, 371, 406, 412, 426, 427, 
428, 448, 473, 474, 488, 603, 605, 614, 
628, 633, 634, 645, 656, 690, 707, 723, 
927, 960, 996, 1027, 1031, 1150, 1151, 
1157, 1161, 1172, 1173, 1175, 1177, 1220, 
1232, 1234, 1272, 1273, 1275, 1288, 1292, 
1294, 1309, 1321, 1328, 941; (59 ex.). 

2, 23, 31, 46, 56, 167, 208, 209, 232, 
242, 248, 279, 300, 3l5, 318, 334, 347, 
350, 360, 365, 413, 414, 419, 429, 457, 
466, 474, 476, 482, 496, 490, 499, 522, 
546, 548, 574, 577, 592, 595, 598, 601, 
610, 646, 655, 661, 690, 694, 737, 740, 
746, 749, 758, 763, 766, 777, 773, 786, 
788, 792, 803, 869, 881, 895, 913, 916, 
972, 977, 979, 992, 993, 1005, 1008, 1058, 
1059, 1072, 1090, 1095, 1109, 1110, 1135, 
1138, 1143, 1144, 1152, 1157, 1162, 1168; 

(87 ex.). 

^*) Perpauca hac de re disseruerunt Schmidtius (1. s. p. 41 sq.) et 
Richterus (de S. tr. a. p. 18 sq.). 

**) neglexit bis in quarto pede : 

Oed. 766: superi inferique, sed animus contra innocens, 
Tliy. 415: fulgore non est quod oculos falso auferat. 



Troa- 
des 



12, 103, 310, 332, 359, 382, 
395,434,440,446,492, 513, 
644, 818, 939, 975, 1046, 
1049,1149,1138,1156,1176, 
1191,1193,1194,1208,1257, 
1267,1276,1282,1303,1305. 
(32 ex.). 



12, 35, 61, 196, 207, 210, 
261,291,307,334,336,369, 
417,426,438,451,498,508, 
513,515,516,547,587, 618, 
626, 654, 676, 697, 702, 736, 
741,760, 861,882,904,911, 
961, 1003, 1057, 1087, 1129. 
(41 ex.). 



De Senecae Hercule Oetaeo. 



359 



in altero pede 



in quarto pede 



32, 40, 49, 104, 105, 117, 
134, 158, 166, 182, 201, 204, 
211,219,226,235,258,308, 
312, 323, 337, 344, 366, 386, 
392,400,451,469,478,500, 
509, 525,532, 604,612,623, 
633, 634; (38 ex.). 

3, 21, 155, 161, 163, 167, 
176, 180, 200,207,234,245, 
271, 280,288,406,441,442, 
491, 539,545,564,567,676, 
681,692,911,912, 935,949, 
1017; (31 ex.). 

100, 115, 136, 139, 155, 215, 
266, 380,381,388,425,584, 
607, 637, 657, 663, 682, 690, 
709, 998, 1012, 1039, 1166, 
1231, 1235, 1240, 1267; 
(27 ex.). 



29, 249, 266, 294, 296, 328, 

330,334,373,398,511,526, 

663,672, 776,781,790,792, 

824; (19 ex.). 



415,524,697,724,726,787, 
791,802,991,1011; (lOex.). 



13, 39, 42, 176, 210, 243, 
263, 287, 296, 406, 407, 416, 
418, 442,454,462,484,485, 
489, 497, 50B, 523, 526, 682, 
717,720,723,890,893,896, 
898, 970,973,975,991,992, 
1029,1031,1035,1052,1075, 
1082, 1084; (43 ex.). 



34, 85, 54, 58, 79, 99, 258, 
263, 272, 278, 294, 350, 404, 
405, 535, 560, 739, 743, 747, 
752,769,811,820,825,886, 
899, 910,911,924,945,961, 



11, 23, 26, 28, 80, 39, 51, 66, 71, 73, 
79, 149, 158, 163, 180, 190, 191, 195, 
199, 202, 206, 238, 248, 271, 284, 289, 
294, 800, 305, 857, 442, 447, 476, 477, 
506, 507, 518, 535, 548, 552, 555, 557, 
559, 563, 582, 599, 615, 645; (48 ex.). 



19, 53, 126, 140, 141, 160, 168, 169, 186. 
218, 221, 233, 240, 242, 245, 246, 260, 
262, 281, 880, 436, 437, 453, 458, 474, 
479, 488, 485, 488, 497, 536, 543, 574, 
726, 728, 735, 881, 886, 901, 908, 915, 
932, 971, 1006, 1010; (45 ex.). 

92, 112, 119, 167, 178, 207, 251, 358, 
865, 404, 412, 423, 441, 448, 452, 453, 
454, 479, 497, 498, 508, 519, 546, 618, 
647, 656, 678, 683, 686, 690, 699, 847, 
859, 868. 876, 892, 924, 930, 948, 1020, 
1051, 1062, 1084, 1087, 1089, 1121, 1173, 
1176, 1226, 1242, 1250; (51 ex.). 

15, 26, 68, 81, 263, 297, 347, 387, 390. 
512, 518, 527, 550, 579, 614, 631, 682, 
636, 655, 664, 666, 667, 673, 694, 695, 
700, 766, 767, 770, 787, 795, 798, 814, 
849, 864, 872, 94o, 948, 953, 999, 1008, 
1012, 1031, 1084; (44 ex.). 

5, 9, 35, 47, 49, 112, 113, 124, 131, 142, 
145, 149, 151, 154, 188, 198, 199, 206, 
218, 242, 246, 272, 280, 283, 286, 297, 
301, 304, 398% 405% 407% 414, 452, 481, 
489, 555, 575, 587, 695, 699, 735, 742, 
747, 799, 886, 931, 961; (47 ex.). 

9, 19, 29, 87, 62, 86, 88, 106, 116, 200, 
218, 219, 241, 244, 252, 254, 278, 279, 
280, 286, 294, 299, 302, 304, 313, 314, 
335, 410, 415, 417, 428, 430, 444, 481, 
482, 483, 496, 499, 541, 625, 628, 629, 
631, 634, 667, 677, 684, 687, 690, 713, 
716, 719, 731, 749, 769, 782, 897, 899, 
919, 973, 1001, 1036, 1088, 1092 1096, 
1099; (66 ex.). 

7, 10, 18, 30, 43, 52, 56, 64, 98, 101, 
266, 268, 278, 289, 305, 306, 308, 310, 
311, 312, 313, 314, 327, 331, 334, 359, 
367, 372, 377, 378, 395, 396, 401, 406, 
427, 432, 434, 438, 439, 459, 463, 477, 



360 



Aemilius Ackermann 



fabu- 
lae 



in altero pede 



in quarto pede 



1139,1172,1192,1224,1241, 488, 513, 532, 546, 547, 569, 574, 714, 

1248,1258,1263,1267,1274, 750, 756, 760, 761, 804, 807, 823, 842, 

1291,1307,1333,1435,1488, 844, 846, 848, 855, 857, 869, 889, 909, 

1491,1502,1511,1678,1693, 917, 943, 955, 959, 965, 972, 976, 986, 

1697,1709,1710,1721,1723, 991, 994, 1020, 1027, 1028, 1134, 1165, 

Hercu- 1726,1748,1786,1787,1797, 1166, 1168, 1183, 1201, 1244, 1264, 1268, 

les 1805,1825,1830,1836,1855, 1290, 1295, 1296, 1302, 1309, 1323, 1325, 

Oe- 1859, 1975; (68 ex.). 1328, 1336, 1349, 1372, 1376, 1880, 1389, 

taeus 1406, 1408, 1402, 1415, 1419, 1434, 1436, 

1444, 1457, 1462, 1469, 1485, 1613, 1629, 
1646, 1650, 1698, 1716, 1719, 1722, 1739, 
1745, 1760, 1774, 1778, 1781, 1782, 1802, 
1803, 1809, 1814, 1822, 1827, 1845; 
(186 ex.). 

Cum illa regula a Brugmanno constituta non discrepat, 
quod nescio verbum in tertio pede accentum rhythmicuin ter 
in media syllaba habet cf. 

HO 752 : urit Ines nescio qua ; qiii domuit feras, 
PJiaed. 1019: provolvitur: nescio quid onerato sinu, 
Oed. 334 : pudet deos nescio quid, buc propere admove. 
verba nescio quid vel nescio qua tamquam unam vocem effi- 
ciunt. neque bac re tragoedias inter se differre neque multi- 
tudine locorum, ubi verborum accentus ictui rhytbmico repu- 
gnat, ex tabula illa apparet, cum senarios singularum fabula- 
rum numerans Herculem Oetaeum penitus cum reliquis An- 
naeanis congruere videas. iam Richterus hunc numerum iniit 
— non semper subtiliter executus (d. S. tr. a. p. 16). 

Seneca, qui aut secundo aut quarto pedi creberrime vocem 
ita immisit, ut praeter linguae consuetudinem acueretur, simul et 
in secundo et in quarto pede eiusdem versus verborum accentus 
a numeris abhorrere noluit. cuius rei perpauca exempla exstare 
videntur: 

Troad. 334: quod non vetät lex, hoc vetät fieri pudor, 
PJwen. 158: totus nocens sum ; qua voles mortem exige, 
Med. 245 : hoc est penes te. si placet damna ream, 
Thy. 973 : satias dapis me nee minus Baccbi tenet. 
et in secundo et in tertio trimetri pede verborum accentus 
neglecti sunt bis : 

Oed. 334: pudet deös nescio quid, huc propere admove, 



De Senecae Hercule Oetaeo. 361 

HO 752: urit lues nescio qua; qui domoit feras. 
ex quibus locis discimus Romanos pronuntiasse re vera penes 
te et nocens siim. item uni trium syllabarum voci respondent 
verba nön vetat et nee minus, de versibus Oed. 334 et HO 
752 p. 360 dixi. 

Vocabula proceleusmatici vel paeonis quarti mensurä com- 
prehensa cum Romani temporibus Plautinis in prima syllaba, 
postea autem in secunda acuerint^^), mihi examinandum est, 
utrum Herculis Oetaei scriptor eodem modo quo Seneca talia 
quadrisyllaba ictu percusserit necne. inveniuntur autem haec 
verba in trimetri initio et exitu et medio in senario iambico. 
si in initio exstant, semper in secunda syllaba accentum habent, 
si in fine leguntur , semper in prima acuta sunt, ergo is 
poeta, qui tales voces in versus initio rarius quam in fine po- 
suit, in prima syllaba eas acuere maluit; contra is, qui sae- 
pius in initio eas posuit, secundam acuere solebat. cum medio 
in senario haec verba modo in prima modo in secunda syllaba ac- 
centum habeant, nobis numerandum erit, utrum acuendi genus cre- 
brius usurpatum sit. exstant autem eins modi vocabula in initio un- 
decies (Med. 53, 172, 272, 433, 490, 556, Fhaed. 619, Oed. 278, 
Agam. 14, 194, 283), in fine quinquies (Hf. 408, Med, 266, 
268, 471, Oed. 847). medio in trimetro acuit poeta has voces 
in Hf. in prima syllaba bis (757, 1183), in secunda semel 
(1050); in Troad. quater (195, 607, 752, 757) — ter (329, 330, 
429); in Fhoen. quinquies (61, 108, 242, 331, 533) — ter (88, 
105, 240) ; in Med. quinquies (253, 499, 559, 561, 925) — bis 
(249, 450) ; in Fhaed. septies (161, 240, 242, 732, 937, 1082, 
1186) — quater (732, 1002, 1230, 1247) ; in Oed. quinquies (35, 
515, 821, 879, 1030) — quinquies (240, 245, 768, 937, 1021); 
in Ag. septies (7, 25, 115, 165, 169, 449, 929) — ter (145, 288, 
403*^) ; in Thij. semel (641) — ter (298, 307, 897), in HO octies 
(433, 754, 877, 953, 1467, 1756, 1823, 1829) — ter (361, 432, 
1305). Hercules Oetaeus igitur melius quam Thyestes cum 
reliquarum usu convenit. sed mirum est, quod poeta haec 
quadrisyllaba verba saepius in initio (quo loco accentus in se- 



^°) Cf. W. M. Linclsay, über die Yersbetonung- von Wörtern wie 
facilius in der Dichtung der Republik , Philol. 51 [1892] p. 364 sq. 
et Fr. Stolz, Lateinische Grammatik^ p. loi. 



362 Aemilius Ackermann, 

cunda syllaba haeret) quam in fine posuit, contra medio in 
senario primam syllabam crebrius acuit. quin etiam semel (in 
Thyeste) medio in trimetro secundam acuere maluit. atque in 
Oed. quinquies prima, quinquies secunda accentum habet, hac ex 
re sine dubio concludi potest Senecae temporibus genus acuendi 
anceps et incertum fuisse. fortasse autem cum hae voces, si 
omnia exempla computamus, undequinquagies in prima, unde- 
quadragies tantum in secunda syllaba acutae sint, etiam tunc 
prius illud acuendi genus, quod postea desiit esse, magis quam 
alterum floruit. hoc non ab omni probabilitate abhorrere ap- 
paret ex usu P h a e d r i, qui paulo ante Senecam scripsit. hie in 
initio senarii tale quadrisyllabum verbum nusquam posuit, con- 
tra in fine undenonagies (I pr. 5 ; 5, 1 ; 17, 1; 19, 8; 20, 4; 22 
6; 24,9; 25, 1; 27,5; 28, 1 ; 29, 5; 30, 9; II pr. 10; pr. 15; 2 
8; 3,2; 4,2; 4,3; 4, 5; 6, 2; 7, 13; 8, 1; 8,26; III pr. 23 
pr. 25; pr. 44 ; 1, 6; 2, 17; 3,6; 5,6; 7,22; 10,14; 10,24 
10, 30; 10, 32; 10, 34; 11,4; 14, 10; 15, 16; 16,6; 17, 8 

18, 2; 19, 1; ep. 3; ep. 5; ep. 15; ep. 35; IV pr. 1; pr. 19 
1, 3; 2, 4; 5, 21; 7, 26; 11, 4; 11, 16; 11, 20; 15, 1; 19, 3 

19, 5; 20, 16; 21, 3; 22,3; 22,7; 22,15; 22,23; 25,3 
25, 19; ep. 2; ep. 10; V4,10; 4,11: 5,34; 7,23; App. 2,10 
3, 11; 3, 13; 4,23; 5,6; 6,4; 10,15; 13,19; 13,27, 15,12 
16, 7; 17, 5; 26, 5; 27, 3; 28, 8 ; 29, 9). medio in versu acuit 
haec verba Phaedrus in prima syllaba quaterdecies (1 1, 2; 19, 4 
19, 10; 20, 6; 26, 6 ; III 3, 1; 10, 21; IV 5, 36; 7, 16; 11,9 
V 4, 3; App. 3, 1 ; 13, 15; 16, 6), in secunda vicies quinquies 
(Ipr. 7; 31, 13; II pr. 9; 1, 12; 3,3; 5, 7; 1114,2; 7, 13 
10, 8; 13, 8; ep. 14 «<^); ep. 26; IV 2, 15; 6, 5; 24, 13; 25, 2 
25, 12; Vpr. 5; 4, 12; App. 8, 28; 10,7; 13,8; 18,1; 29,3 
29, 10). apud Phaedrum centies ter prima syllaba, quinquies 
et vicies secunda acuta est. quam ob rem versimile videtur 
Romanos etiam Phaedri ac Seneae temporibus voces quibus 
mensura proceleusmatici vel paeonis quarti erat, in prima syl- 
laba acuere maluisse quam in secunda. 

In Herculis Oetaei canticis synaloepham longarum voca- 
lium magis etiam quam in reliquis vitatam esse ea docere, 



^) Versus III epil. 14, in quo celerius legimus, fortasse spurius est. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 363 

quae Schmidtius (p. 25 sq.) composuerit, dixit Leo (I. p. 60). 
sed hoc omnino verum non est, nam differentia nulla exstat 
nisi haec: ,longa vocalis cum brevi copulata bis in tragoediis 
semel tantum invenitur (HO 1956 certe ego)'. Senecam cum 
in metris lyricis etiam lenissimo atque usitatissimo genere 
coniungendarum vocalium abstineret, hoc loco semel licentiam 
sibi permisisse concedendum est. esto igitur hoc singulare, 
sed etiam in ceteris tragoediis nonnulla aeque singularia in- 
veniuntur; vide Troacl 191, TJitj. 233, PJioen. 426, Ag. 146 
(cf. Schmidt p. 12 sq.). 

R. Bentleius (opuscula philologica, Lipsiae a. 1781 p. 232 et 
p. 228/229) argumentum esse voluit, quod nonnumquam in 
Hercule Oetaeo anapaesticum versum tribracho terminari vidit. 
at si nunc viveret, hoc non proferret. sciret enim Agamemno- 
nem fabulam, quam eodem vitio ^^) laborare ipse deprehendit, 
a Seneca scriptam esse. 

Goebelius (1. s. p. 740) aegre tulit, quod HO 1060 phe- 
recrateus versibus glyconeis insertus est. si non satis consta- 
ret hunc versum delendum esse, afferrem Phaedrae locum (v. 783), 
quo versus glyconeus intra systema asclepiadeum exstat ^^). 

In anapaestum terna vocabula perraro admissa sunt ^^), 
HO 173 (at ego infelix) ^ 186 (yel in Eridani), 191 (vel in 
Edonas), Thy. 827 (quidquid id est), 963 (quidqiiid id est), Hf. 
1090 (sed ut ingenti) ^°), Med. 815 (atque eadem est), differentia 
igitur quae Richterum offendit (de. S. tr. a. p. 23) non adest. 

In anapaesticis versibus verbum dactylicum in secunda 
syllaba acutum voci anapaesticae anteponere boni poetae no- 
luerunt. haec lex bis in HO (186 fingite siiperi, 1883 Arca- 
des ohitus), semel in Hf. (1064 solvite siiperi) frangitur (cf. 
Leo I p. 60). 

HO 151; nullis vulneribus pervia membra sunt, asclepia- 
deum versum monosyllabo terminatum vituperavit Leo (I p. 60). 
sed legas Horatii versus (c. IV 13, 1 et 6): 

®') Hanc rem re vera vitium esse, cum ultima syllaba versus aua- 
paestici apud Senecam anceps sit, credere non possum. 

^^) Corruptus versus 1080 Goebelio non vituperandus erat; accedit 
quod in E integer glyconeus traditus est. 

®^) Exempla haec praeter quod in Medea exstat iam vidit Schmid- 
tius (1. s. p. 68). 

''^) Hie locus non emendandus est. 



364 Aemilius Ackermann, 

andivere^ Lyce^ di mea vota, di 
et lentum soUicitas: ille virentis et. 

praeterea simile vitium in Thyeste invenitur. Seneca enim 
vitare studebat, ne versum anapaesticum monosyllabo clauderet. 
quod sibi concessit semel in Aga. (v. 78) et quater in Thy. 
(827, 883, 963, 968). si vero in anapaesti fine monosyllabum 
posuit, semper aliud monosyllabum antecedens fecit. bisyllabum 
autem antecedit semel in Thy. 968. ceterum illud argumen- 
tum leve esse Leo cum priorem Herculis Oetaei partem genui- 
nam putaret, ipse confessus est (I p. 70). 

Birtius iure aegre tulit (1. s. p. 516) locum hunc HO 198: 
sihi Tantalis est facta super stes^ quo in versu anapaestico vox 
dactylica in prima syllaba acuta {Tantalis) exstat. quamquam 
hoc apud Senecam sane nusquara alibi inveni, tamen non ab 
omni arte metrica alienum esse cognosces, si videris Terentiani 
Mauri versus hos (G. L. ed. K. VI p. 379): 

atque ille poeta Faliscus 
cum ludicra carmina pangit 
,uva uva sum et uva Falerna 
et ter feror et quater anno' 
libro quoque dixit eodem 
undae unde colonus eoae 
a flumine venit Oronti. 

itaque non solum Terentianus ipse bis in eodem versu (ludicra 
carmina) verbum dactylicum posuit in prima syllaba acutum, 
sed etiam Faliscus ille poeta, quem Annianum esse Lachmannus 
nos docuit (ad Terent. Maur. p. XIII), similiter peccavit {flu- 
mine). praeterea conferas versus hos: 

fuge m o e n i a iam Telamoniade, 
date Pierides mihi carmina doctiloquorum, 
sua m u n e r a fert Venus alma rosas iuveni Cinyreidae, 
date vina mihi, date serta, iuvat dare tempora tota Lyaeo. 
haec exempla inveni apud Servium (G. L. ed. K. IV p. 462). 
concedo autem versus a me allatos paulo diversos esse ab Her- 
culis Oetaei loco, quo, si prorsus singularis esset, cum etiam 





























Verba, 


in quibus mutae 


cum liquida copulat 


modo 


positionem facit, modo non 


facit (cf 


p. 365). 
































Tra)?oe. 
diae 


«ge 




iltre 


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itridas 


cere- 
brum 


Oyclas 


dMplex 


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latebra 


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nigrare 


pater 


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pharetra 


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retro 


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mum 


tenebrae 


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Hercules 
furens 


934 












100 


7 








716 






507 




46 

222 




1335 


996 
1009 
1012 


626 




689 




305 
438 
446 
458 
898 
966 
1002 


51 

65 
888 
440 
988 
1022 
1310 
1315 






1234 


993 






55 

280 
678 
817 
825 
941 




56 
301 
617 
713 
898 
1246 


1039 




488 


1289 










436 










750 
7i6 


1209 


Troades 








341 




596 


nie 








106E 








889 










504 










300 
326 
464 
691 
801 
1113 


238 
313 
461 
486 
660 
702 
1117 














433 
503 
1151 




641 
643 
1006 
1102 
1162 


53 

778 




342 








761 




283 


644 






893 






Pboenis- 
sae 


130 
562 
636 














180 














547 




















55 
121 
301 
572 
617 


3 

86 
49 
90 
95 
261 
333 
386 
496 














192 
541 




126 

277 


507 














143 


233 






551 


383 
449 
461 
489 






Medea 


































701 






250 
685 












24,118 
132,209 
277,441 
912,950 
957,982 








710 










6 
299 
577 
680 
770 
913 
































Phaedra 


529,1051 
1057,1105 
1278 
















1021 






















988 




990 
1262 






171 


947 


1023 






396 






93 
676 




107 


424 
499 


684 


160,560 
689 
726 


935 
1158 






949 
1273 


94 


679 














Oedipus 


























357 
377 
391 












608 


362 


553 








18 
988 


54,635 
866,951 

1043 










534 




367 
576 


349 
364 


302 
306 
336 
351 
379 
884 
522 


322 
397 

876 




664 










999 


320 
592 
868 
1012 




1036 




861 

680 






Agamem- 
non 










513 


275 
292 
410» 












729 


807 


















922 


756 




34,35 
587 
941 


28 
512 


468 






217 






574 


34,239 

488 
714 


177 
721 


155 


1009 












493 


472 
727 


3 




























































985 


















758 
























Thyestes 




182 


180,271 
281,412 
513,683 
704,712 
737 




















757 
1064 




98 




















41 
283 
310 


887 
890 
976 
979 














115 
419 
459 

776 




93 
695 
981 


407 


46 
222 




655 
1016 
1019 










786 
897 
994 
1008 
1094 








709 
743 
1088 






HO 




















803 








947 
1221 
1277 


1386 
1662 


1005 
1363 


19 
94 
284 
918 
1194 
1292 
360 
1650 


914 




1264 
1406 
1408 
1798 








988 




31 
988 
1142 
1246 
1303 
1426 
1785 




804 




787 
1720 






49 


1347 


1634 


957 
1298 




367 




849 


1488 






531 
1370 
1440 








1425 




1378 
1632 
1654 


Ootavia 






























50 
182 






















102 

249 
444 
487 
510 
586 
641 












513 






416 
559 


156 
230 
387 
489 
606 
746 
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De Senecae Hercule Oetaeo. 365 

in ceteris fabulis liaec vel illa a commnni usu abhorreant (cf. 
Leo. I p. 71), nihil probaretur''^). 

Breviter, ut ad res prosodiacas transeamus, de syllabarum 
natura brevinm ea productione disputandum est quam mutae 
cum liquida coniunctio efficit. qua de re praeclare disseruit 
Schmidtius (1. s. p. 32 sq.). qui fabulas Annaeanas, praeter- 
quam quod verba Hehrus, Cyclas^ hydra^ fihra correptis sylla- 
bis prioribus non nisi in Herc. Oet. posita essent, omnes inter 
se congruere recte vidit^^). de mensura nominis Hebri cuius 
syllaba prior semel in HO (v. 19) correpta est, in reliquis 
autem tragoediis tantummodo in primi vel tertii pedis arsi 
(Senkung) invenitur, omitto quaerere. vocabulorum Cyclas^ 
Jiydra, fihra syllabae priores in ceteris fabulis semper productae 
sunt, quam rem tarnen noli putare quantulumcumque contra 
Herculis Oetaei auctoritatem indicium. nam apud Senecam 
mutae cum liquida copulatio modo positionem facit, modo non 
facit. quod ut demonstrarem verba ad hanc quaestionem per- 
tinentia collegi et conscripsi in adiecta tabula, ex qua, quanta 
sit inter singulas tragoedias differentia, facile cognosci potest. 
vide modo quatenus e. g. in voce patris patrem Medea discordet 
cum Herc. für. et in voce retro Agam. cum eodem Herc. für. vel 
utrumque producta prima non occurrere nisi in Phoenissis. 
itaque eo , quod verborum Cyclas , hydra , fihra syllabae 
priores nonnumquam in HO corripiuntur, nihil efficitur. quo 
argumento perperam usus est Leo (I p. 61). 

Contractae perfecti formae velut abit^ perit^ quas his in 
tragoediis in senario saepius adhibitas, a metris vero lyricis 
exclusas esse Schmidtius monuit (1. s. p. 10), ter admissae sunt 
in anapaesticis versibus Herculis Oetaei (1865 perit^ 1868^6- 
rit^ 1911 ahit) et semel in glyconeo (1062 adit). contra dicere 
possum in verbis deesse et deerrare similem contractionem 
fieri, quae crebro in trimetris, semel tantum in canticis inve- 
nitur Hf. 832 derat hoc solum numero laborum. locos, 
quibus hae contractae formae exstant, coUegit Schmidtius 
(1- s- P. 11). 

'^) Ceterum moneo eos versus vitio metrico Jaborantes, quos non 
tetigi, aut correctos esse aut certe emendatione indigere velut 368, 
1176, alios. 

") Trimetri soli a Schmidtio hanc in quastionem vocati sunt. 



366 Aemilius Ackermann, 

Richterus aegre tulit (de S. tr. a. p. 15) quod HO 1095 
quattuor bisyllabum est. at si tunc vidisset locos, quos Geor- 
ges (s. V. quattuor) attulit, et verba legisset, quae Fr. Stol- 
zius fecit (Lateinische Grammatik ^ p. 33/34), fortasse hoc ar- 
gumento non usus esset, praeterea iam Schmidtius (p. 13) de- 
prehendit in Agamemnone u vocalem vocis suapte ad consonan- 
tem depressam esse v. 250. atque in Ovidii quae feruntur 
Halieuticis milvus bisyllabum efficit v. 95. talia igitur Sene- 
cae temporibus ^^) non inaudita erant. 

Quae Richterus de nominibus propriis velut Oechdlia^ 
Electra^ Phaedra et de o vocali in ablativo gerundi casu cor- 
repta disputavit, cum Hercules Oetaeus his in rebus penitus 
cum Annaeanis fabulis consentiat, nullius momenti sunt (cf. 
Richter de S. tr. a. p. 15) '% 

HO 782: hie rupe celsa, multa quam nubes ferit, 
annosa fulgent templa Cenaei lovis. 
ut stetit ad aras omne votivum pecus e. q. s. 
poeta cum in versu 783 templum commemoret, sequenti au- 
tem arae mentionem faciat, continuationem sermonis inter- 
mittere videtur. hanc ut restitueret, Birtius templum et aram 
hoc loco unum idemque esse nobis probare voluit (Mus. Rhen. 
34 p. 533). sed mihi quidem viri doctissimi sententia non 
placet. nam scriptor non solum aram sed etiam templum in 
illa rupe exstitisse dicit^^). quam ob rem bene res se haberet, 
si legeremus: 'ut stetit ad aras templi Cenaei lovis omne 
e. q. s.' et quamquam haec verba (templi Cenaei lovis) re vera 
in versu 784 non scripta videmus, tamen ex antecedente fa- 
cile audire possumus. duae igitur atque inter se diversae res 
sunt templum et ara. itaque huius fabulae poeta, cum So- 
phocles templum non commemoret (cf. Trach. v. 238 et v. 993), 
ab exemplo suo recessit. nunc vide versus 

HO 101 sqq. : vos pecus rapite ocius 



'^) Piacent enim mihi Birtii verba haec: innotuisse Halieutica dixi- 
mus simul atque edita sunt post nonum. Plini lihrum et ante tricesimum 
alterum neque post Vespasiani aetatem neque ante Neroneam (De Hali- 
euticis Ovidio poetae falso adscriptis p. 159). 

'*) addere possum Phoen. 558: petendo patriam perdis? 

'^) ex poetae verbis (annosa fulgent) sequitur, ut tempkim hoc 
loco non -cejisvog, sed aedificium sit. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 367 

qua templa pollens ara Cenaei lovis 
austro timendum specfcat Euboicum mare. 
quaeritur quid sibi velint verba templa pollens ara. Birtius 
vertit (p. 533): der Altar vertritt den Tempel, at non solum 
aram sed etiam templum illo loco fuisse iam vidimus. prae- 
terea hanc significationem verbi pollendi nusquam alibi inve- 
nimus. bis tantum pollere idem est quod valere, wert sein (cf. 
Birt), nam in Agamemnonis versu 805 cuncta pollens dictum 
est pro omnipotens. verba templa tollens ara in codicibus de- 
terioribus (A) tradita sensum non praebent. quibus de causis 
hie locus einendandus est. iam anno MDCXVIII Rutgersius 
coniecit (cf. Yariarum lectionum libri VI p. 92) templa tollens 
acta Sophoclem (Trach. v. 237) secutus. sed non recte conie- 
cit, nam vocis actae^ cum esset Graecum verbum axr/], casu 
nominativo Romani non utebantur. itaque fortasse tibi place- 
bit emendatio haec : qua templa tollens ora Cenaei lovis. ora vox 
simillima est arae et templa tollens in A traditum facile mutari 
poterat in templa pollens. conferendi autem sunt versus hi: 
Phaed. 1042: opima cervix arduos tollit toros, 
Stat. Silv. V 2, 70 : silva comas tollit, 
Hf. 662: Spartana tellus nobile attollit iugum, 
Phoen. 602: hinc nota Baccho Tmolus attollit iuga, 
Äg. 729 : geminumque duplices Argos attollit domus. — 

Transeo ad 
HO 746 : regna triumphi, templa lunonis pete : 
haec tibi patent, delubra praeclusa omnia. 
verba regna triumphi, sequentibus {templa lunonis) apposita, 
non scite dicta sunt pro regna tibi luno triumphat. accedit 
quod hie versus, cum a vocalis verbi regna producta sit, prop- 
ter metrum quoque suspectus est. bis de causis Birtii qui 
pigeat triumphi scripsit (p. 538) emendationem accipio; nam 
ceteri viri docti quod coniecerunt , id mihi non probaverunt. 
si vero tradita verba retinere mavis, tibi concedendum est bre- 
vem vocalem ante duas consonantes sequens verbum incohan- 
tes productam esse, poetam autem propter hoc reprehendi no- 
lim, quia exempla huius rei exstant haec: 

Hf. 950 : hiemsque gelido frigid« spatio refert, 

Phaed. 1026: immugit, omnes undique scopuli adstrepunt. 



368 Aemilius Ackermann, 

praeterea Leo apud Tibullum, Lucanum , Statium , Manilium 
scriptos vidit Septem locos huc spectantes (cf. I p. 203 adn. 4). 

Haec omnia cum ita sint, constat rationes metricas et res 
prosodiacas Herculis Oetaei nusquam cum Senecae usu dis- 
crepare. 

Quo constituto properemus ad ea virorum doctorum ar- 
gumenta consideranda quae ad orthographiam pertinent. talia 
autem argumenta sine dubio levissima sunt, nam fortasse Se- 
neca ipse nunc hoc, nunc illo modo scripsit et quid verisimi- 
lius est quam scribas has rationes arbitrio suo mutavisse? 
Richterus (d. S. tr. a. p. 27) formam abbreviatam viden pro 
videsne nusquam invenit in bis tragoediis nisi HO 1207 vi- 
den iit laudis conscia virtus. sed hie locus, cum in E traditum 
sit videt^ non satis certus est. Phoen. 394 legimus in E viden., 
sed etiam hie locus corruptus est. quod tamen sufficit ut de- 
monstretur Richterum hoc argumento uti non debuisse. atque 
cum ipsa forma videsne in Senecae fabulis omnino non exstet, 
nescimus utrum videsne maluerit scribere poeta quam viden 
necne. ac ne dicas formam viden non nisi ad sermonem vul- 
garem pertinere tecum communico Statu locum hunc: 

Theb. X, 812: haec erat, haec metuenda manus ferrumque 

quod amens 

ipsa dedi; viden ut iugulo consumpserit ensem? 

similis forma satin ^^) exstat Oed. 956 , contra satisne le- 
gimus Phaed. 635. 

Idem Richterus contendit (1. s. p. 27) in sola hac fabula 
bis adiectivorum in is^ e formatorum inveniri ablativum , qui 
e pro i adsumsperit (v. 1450 quäle (sc. stipite) et 1844 inco- 
lume nato). neque enim vidit Agamemnonis locum 807 [sup- 
plice fibra)^ neque novit verba haec: Zuweilen haben jedoch 
die Dichter , namentlich Ovidius nach Bequemlichkeit des 
Versmasses den Ablativ auf e zugelassen (cf. Neue- Wagener, 
Lateinische Formenlehre^ II p. 54, ubi permulta exempla con- 
gesta sunt), eundem librum (p. 529) si inspexeris dativum toto 
pro toti etiam a bonis poetis velut a Propertio et Ovidio non 
evitatum esse primo obtutu cognosces. itaque Senecae quoque 
hoc indulgebimus (cf. Leo I p. 61). 

'^) traditum est statim, quod Leo correxit. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 369 

Substantiva domus et colus in Hercule Oetaeo praeter 
Senecae usum plurali numero quartana declinationem sequi di- 
xit Leo (I p. 61). sed domüs quarto casu semel tantum exstat 
V. 1916, nam locus v. 1633, quem vir doctissimus huc rettulit, 
cum in E et in A traditum sit nemiis et recentiores Codices 
domos praebeant, nimis incertus est. domos autem scriptum 
videmus HO 1870. itaque in HO nunc forma domus, nunc 
domos usurpata est. ac si Leo recte dixisset substantivum do- 
mus plurali numero apud Senecam nusquam quartam declina- 
tionem sequi, tarnen hoc argumentum non esset. Statins enim 
domtts adhibuit Theb. V 97 et IX 798, domos V 107, 149, 
427. sed re vera invenitur domüs apud Senecam : 

Ag. 729 : geminumque duplices Argos attollit domus, 

Hf. 239 : post haec adortus nemoris opulenti domus. 
quo loco altera manus domus in domos mutavit. colos tradi- 
tum est Hf. 559, HO 372, 668 ''), colus HO 218, 768, 1084 ^^^^ 
modo igitur habemus formam colos, modo colus. velut Statins 
scripsit colus Silv. III 1, 172, Ach. I 582 et 635, Theb. X 649, 
colos Silv. I 4, 64, Theb. V 150. ac mihi persuasum est Sene- 
cam si saepius in reliquis fabulis quartum casum substantivi 
colus plurali numero adhibuisset, nonnumquam colus scriptu- 
rum fuisse. idem Leo contendit (I p. 61 adn. 9) HO 520 vocem 
tabum usurpatam esse contra usum Senecae, qui tahes prae- 
tulerit. tabes traditum est: Phoen. 164, Med. 641, Oed. 652, 
HO 528, 716, 738, 1194, Oct. 512, tabum Hf. 785, HO 520, 
786. Statius voce tabum decies usus est : Theb. VII 765, IX 
19 et 72, X 290, 298, XI 87, 582, XII 283, 567, XIII 701 ; 
formam tabes inveni ter : Theb. II 14, 677, III 129. 

Sequitur scriptura quom. Leoni concedendum est in hac 
fabula sola formae quae est quom certa vestigia comparere: 
V. 587, 596 quum, 607 quem, 610 quom, 301 qum, 209 quin. 
quod argumentum vir doctissimus cum priorem tragoediae par- 
tem, in qua hae formae exstant, genuinam aestimaret, nihil va- 
lere ipse credidit. apud Statium, qui alibi semper cum scripsit, ter 



'') HO 668: altera manus colus fecit ex colos. 

'^) versus HO 1097 et 1180 non iure Leo huc revocavit, nam 1097 
colus est genetivus singularis (velut Oed. 985), et v. 1180 legimus in E 
turpe scelus. 



370 Aemilius Ackermann, 

in Silvis legimus quom (I 4, 29 ; I 5, 39 ''), II 3, 69) ; hac re 
num comprobatur Silvas non a Statio profectas esse? 

Praeterea Leo sibi persuasit Herculis Oetaei auctorem fere 
ubique volgus^ voltus^ inclutus scripsisse, contra Senecam sem- 
per vulgus , viiUus , inclitus. exempla autem vir doctissimus 
non attulit, neque enim potuit afferre. nusquam volgus in HO 
traditum esfc®°), ter tantum exstat vulgus 605,806, 1745. in- 
clUus legimus: Hf. 339, 247, Troad. 236, 463, Phoen. 185, 536, 
Med 130, 226, 367, 511, Äga. 125, 310, 400a, Thy. 123, 190, | 
HO 422, 1200, 1984, inclutus: Hf. 134, Troad. 714, Oed, 221, 
Ag. 369, 918, HO 332, 882, 1415, 1427, 1481, 1515, 1832. 
itaque si severe agere volumus, Oedipus, cum nusquam inclitus 
habeat , maxime a ceteris fabulis abhorret. vultus vel voltns 
in Hercule Oetaeo invenitur tricies bis (v. 165, 170, 199, 227, 
230, 247, 251, 356, 483, 700, 705, 808, 1017, 1258,1266,1273, 
1290, 1296, 1348, 1489, 1555, 1574, 1603, 1608, 1645, 1684, 
1708, 1724, 1726, 1753, 1978, 1992). sed dubii sunt loci 356, 
808, 1753, nam 356 traditum vtdtumque depravatum videtur 
esse ex nmltumque, quod in A legimus. 808 scriptum videmus 
vidtus , sed prior u exstat in rasura alterius manus. versus J 
1753 in E omissus est. supersunt igitur loci undetriginta. inter ^ 
quos voltus legimus terdecies (251, 1258, 1266, 1273, 1290, 
1296, 1489, 1603, 1608, 1645, 1708, 1724, 1992), vuUus sexies 
decies (165, 170, 199, 227, 230, 247, 483, 700, 705, 1017, 1348, 
1555, 1574, 1684, 1726, 1978). itaque auctor non fere ubique 
voltus^ sed saepius vultus scripsit. hoc cum constet, facile cre- 
das etiam dubiis illis locis (808 et 1753) olim vultus exsti- 
tisse. ergo duodevicies formam vultus deprehendimus. itaque 
Richterus, si iterum Senecae tragoedias edendas curabit, locis 
quibus vidtus traditum est, non scribet voltus^ quod nuper 
fecit (cf. V. 247, 1348, 1684, 1726, 1978), sed quibus voltus 
exstat , vultus in textum recipiet. dicet aliquis : differentia 
quamvis parva inter Annaeanas tragoedias et Herculem Oetae- 
um profecto exstat, nam non nisi in hac fabula nonnumquam 

'^) I 5, 39 : traditum est quoque. Vollmerus editor coniecit cum- 
que. sed apertum videtur hoc loco olim quomque exstitisse. quomque, ut 
pauca exempla afferam, legimus Plaut. Bacch. 252, Capt. 356, 924, 926, 
927, Truc. 451, 516, Terent. Andr. 63, 488, Heaut. 578. 

«<*) cf. etiam ßirt (1. s. p. 516). 



De Senecae Hercule Oetaeo. 371 

voUus et quarto pluralis casu cohts scriptum est. itaque mihi 
liceat addere perpauca quibus demonstratur in ceteris tragoe- 
diis rem orthographicam non melius se habere, ablativum sin- 
gularis vocis laurus legimus Äg. 779 laiiru, Thy. 54 autem 
lauro. suholes scriptum est Troad. 463, 528, Phaed. 468, so- 
holes Ag. 157. semel set pro sed traditum est Oed. 1009. vae- 
cors exstat Fhoen. 291, Med. \^, Phaed. 1155, Oed. 1005, 
Ag. 734, HO 1408, contra vecors Troad. 285. vaesamts legi- 
mus Phoen. 584, Med. 128, 738 Ag. 724, HO 1930, vesanus 
Hf. 1095. decumus deprehendimus Troad. 76, decimus Ag. 502. 
claudere inveni Hf. 306, 986, Troad. 167, P/ioen. 246, Med. 
458, 464, P/^aec?. 222, 534, 781, 863, 939, 1226, Oed. 505, 
Ag. 109, 559, 718, 889, Thy. 335, 491, 1068, HO 956, d««- 
dere Hf. 281, Tröa^^. 139, 186, 317, Phoen. 148, 467, Med. 
820, PÄaec?. 47, T%. 232, 916, 1041, HO 599, 1441 «i). cui haec 
non sufficiunt, inspiciat indicem orthographicum editionis Rich- 
terianae, ubi plura huc pertinentia collecta sunt. 

Ne quis miretur quod HO 771 hocne^^) et 1243 haecne 
invenitur, affero locos hos: Phaed. 1269 haecne; Stat. Theb. 
1 173 hancne, I 189 hicne, V 633 hocne, VII 20 hicne, VII 705 
hicne^ IX 421 huncne^ IX 715 haecne. 

lam absolvimus atque redarguimus omnia argumenta ad 

res orthographicas spectantia. sed haec leviora, illa vero gra- 

via atque magna sunt, quae ad usum loquendi pertinent. pri- 

mus, quod sciam, huic rei operam ac studium navavit D. Hein- 

sius (apud Scriv. p. 344 sqq.). qui quae de usu verborum 

ictus et amho disputavit, ea bene diluta sunt a Leone (I p. 66) 

et a Melzero (p. 31). recte autem vidit HO 150 (vetare So- 

lem) et 1624 (vetare Phoehum) vetare pro arcere positum esse. 

hunc usum ut excusaret Melzerus (p. 32) attulit Statu locum 

Theb. XII 558 : quos vetat igne Creon h. e. rogis et igne 

supremo interdicit. praeterea autem comparandi sunt loci hi: 

Valer. Flaccus VIII 303: nee longius inter 

quam quod tela vetet, superest mare, 

Stat. Silv. III 1, 173: avertam luctus et tristia damna vetabo, 

^^) cludere, ut hoc addam, etiam repperi luven. VII, 26, Stat. Silv. 
III 4,11; IV 6,67; V 1, 168; Theb. II 6; II 307; VI 727; VII 434; 
VIII 198; X 451; XI 58; 

^^) in E traditum est hoccine, sed res metrica poscit Jiocne. 

Philologus, Supplementband X, drittes Heft. 25 



372 Aemilius Ackermann, 

Tacit. ann. XI 20 : inter Mosam Rhenumque trium et vi- 
ginti milium spatio fossam perduxit (sc. Corbulo), qua incerta 
Oceani vetarentur. 

D. Heinsius aliique aegre tulerunt, quod HO 1586 (quam 
tuas laudes populi quiescant) quiescendi verbum accusativum 
recipit. Melzerus dixit apud Plautum et apud Statium idem 
inveniri, sed exempla non attulit Georgium secutus. loci au- 
tem Plautini qui huc referri possint, non satis quadrant, nam 
Most. 1173 (üi quiesce Jianc rem modo x)etere) non accusativus 
sed infinitivus e quiesce pendet et Mil. gl. 927 (quiescas cetera) 
cetera fortasse adverbii vicem tenet. apud Statium quiescere 
semel active positum est 

Theb. IV 432: bic late iaculis circum undique fixis 

effusam pbaretra c e r v i c e m excepta quiescit. 
accedit quod Servius ad Verg. Ecl. 8, 4 adnotat: quiesco du- 
plicem habet significationem \ et aliter dico quiesco ego et ali- 
ter quiesco servum. 

HO 987 (Deianira alloquitur Hyllum) : 

ignave dubitas? Herculem eripuit tibi 
haec, haec peremit dextra cui debes patri 
avum Tonantem. maius eripui decus, 
quam in luce tribui. si tibi ignotum est nefas, 
a matre disce. 
hoc loco in luce tribuere male pro parere dictum esse credidit 
idem Heinsius. neque enim vidit Deianiram verbis maius eripui 
decus quam in luce tribui non in Universum loqui, sed Hyllum 
compellare. ad eripui et tribui semper supplendum est tibi. 
itaque Deianirae verba hoc modo intellegenda sunt : maius do- 
num nunc tibi eripui quam tunc tibi tribui cum te in lucem edidi. 
HO 517: tum longum ferens 

harundo vulnus tenuit haerentem fugam 
mortemque fixit. 
fixit pro intulit usurpatum D. Heinsio displicuit. sed vulnera 
figere legimus apud Martialem (epigr. I 60, 4) : 
alta iuvencorum vulnera figet ubi? 
Non iniuria D. Heinsius in eo haesit quod genus quater 
pro genere humano positum est HO 63, 760, 1810, 1863. hoc 



De Senecae Hercule Oetaeo. 373 

prorsus singulare esse concedimus, quod tarnen excusatione non 
caret. legas Phaed. 466 ; 

providit ille maximus mundi parens, 
cum tarn rapaces cerneret Fati manus, 
ut damna semper subole repararet nova. 
excedat agedum rebus humanis Venus, 
quae supplet ac restituit exhaustum genus: 
orbis iacebit squalido turpis situ, 
vacuum sine ullis piscibus stabit mare, 
alesque caelo derit et silvis fera 
solis et aer pervius ventis erit. 
pro ,exbaustum genus' Codices deteriores praebent ,humanum ge- 
nus' non recte, nam genus non de genere humano solo, sed de Om- 
nibus animalibus dictum est, quod ex sequentibus verbis apparet. 
itaque Seneca similiter atque Herculis Oetaei auctor peccavit ^^). 
HO 1883: flete Herculeos, Arcades, obitus, 
nondum Phoebe nascente genus. 
D. Heinsius . adnotavit : ,nescit (sc. poeta) quid dicat'. vir doc- 
tissimus ipse non cognovit hoc loco ablativum absolutum {non- 
dum Phoebe nascente) e substantivo (genus) pendentem ad- 
missum esse, quam ad rem infra redibit disputatio (p. 376 sq.). 
Quae Goebelius de usu adiectivi immemor dixit (1. s. p. 740), 
refutata sunt a Melzero p. 31/32. 

Richterus vidit (de. S. tr. a. p. 25) HO 1861 quamquam 
non ad verbum finitum accedere. idem HO 1506 fieri depre- 
hendit Leo (I p. 62). perperam autem Richterus contendit (1. s. 
adn. 1) solos recentiores scriptores et poetas sie locutos esse, iam 
Georges attulit exempla haec : Sallust. bist. I fr. 48 § 2 : nam 
bellum atque arma^ quamquam vobis invisa^ tarnen quia Lepido 
placent^ sumunda sunt et Cicer. de finib. V § 68; nee vero 
umquam swnmum bonum assequi quisquam posset, si omnia illo^ 
quae sunt extra, quamquam expetenda^ summo bono contineren- 
tur. praeterea repperi Statu locos hos : Silv III 3, 70 ; V 2, 103 ; 
Theb I 669 ; IV 820 ; V 300 ; VI 41 ; XI 399 ; XII 206, 394. 
Richterum id quoque ofFendit quod genus ter (HO 40, 
1699, 1884) nationem significat. sed hanc signiiicationem sae- 
pissime inveniri inter omnes constat. quae Richterus de loco 

^^) Phaedrae locum iam Richterus vidit (p. 26 adn. 1). 

25=s= 



374 Aemilius Ackermann, 

HO 1849 {aliqua mater) disputavit, a Leone (I p. 66) et a 
Melzero (p. 32) profligata sunt et verba sua de versibus 191 et 
482 facta nuper in editione vir doctissinius ipse tacite in irritum 
vindicavit. nee magis valent, quae de HO 520 (tahum) disse- 
ruit (cf. Leo II p. 383). 

Sonandi verbum pro praedicari positum {HO 692) aegre 
tulerunt Richterus (p. 26) et Birtius (p. 516). Ovidius scrip- 
sit^*) te carmina nostra sonabunt (unsere Lieder werden dich 
preisen) , apud Senecam legimus (Oed. 402) : Carmen sonet 
(ein Lied soll gesungen werden), modo igitur transitive, 
modo intransitive usurpatum est sonare. atque cum Mar- 
tialis dicat I 61, 6: Nasone Paeligni sonant (die Päligner 
werden wegen Naso gepriesen), verba: felix olius magnusque 
sonet (ein anderer mag glücklich und groß gepriesen werden) 
non adeo mira sunt, praeterea Birtius ipse dixit etiam 
apud Nemesianum sonare idem significare quod praedicari, 
accedit quod locus non ita bene traditus est, ut certissime aliquid 
affirmari possit. Codices enim deteriores pro sonet praebent volet. 

Porro Richterus in eo haesit (p. 26), quod HO 668 colus 
per synecdocham pro lana et 1661 nodus pro clava dictum 
est. tales translationes notissimas atque omnibus poetis usi- 
tatissimas esse contendit Melzerus (p. 31). addo Val. Flacci 
verba 6, 645: diva supremas rumpit iniqua colus. 

HO 887 : quicumque fato ignoscit et parcit sibi, 

HO 982: parce iam, mater, precor. 

ignosce fatis ; error a culpa vacat. 
Richterus adnotavit (p. 26): singulari deinde phrasi poeta 
utitur, fatis ignosce^ id est delictum fati culpa commissum non 
vindicare. similem locum in Troadibus inveni v. 22 : 
stat avidus irae victor et lentum Ilium 
metitur oculis ac decem tandem ferus 
ignoscit annis. 
cf. etiam Melzeri verba p. 33. 

Denique Richterus, qui Oedipum quoque et Agamemnonem 
fabulas spurias existimabat, attulit (p. 29) edisserendi verbum 
non nisi HO 1617, Äg. 966, Oed. 787 exstare. nobis qui scia- 
mus has duas tragoedias genuinas esse, hac re nihil probatur. 

^*) hunc locum Ovidianum esse testatur Georges. 



De Senecae Hercule Oefcaeo. 375 

idem credidit in bis solis fabulis vocabulum paedor inveniri. 
sed legitur Hf. 628 ^^). autumare non solum in Hercule Oetaeo 
et Oedipode, sed etiam in Phaedra (257) exstare Richterus ipse 
vidit. adiectivum altisonus HO 530 traditum praeterea rep- 
peri Ag. 582 et Fhaed. 1134. adiectiva in ficus terminata neque 
in HO neque in Thy. exstant (cf. Rieht, p. 29 et p. 3 adn. 2). 
praepositionem propter etiam PJioen. 336 usurpatam esse iam 
Leo deprehendit (I p. 66). cf. Rieht, p. 25. 

Iam Leonem audiamus. qui vir doctissimus aegre tulit 
(I p. 56) quod HO 1600 magis pro potius positum est. iam 
Melzerus (p. 34) hoc leve argumentum diluit. 

HO 1652 * victrice felix, iuvenis, has numquam irritas 
mittes in hostem ; sive de media voles 
auferre volucres nube, descendent aves 
et certa praedae tela de caelo fluent. 
Leo reprehendit (I p. 62) quod v. 1653 sive secundo loco tan- 
tum diiunctis sententiae membris apparet^^). ac Birtius ad- 
notavit (p. 549) : Unmöglich richtig aber ist das sive, da kein 
zweites sive daneben steht, dem es entspräche, cum Leoni, qui 
lacunam statuit (cf. editionem), sententia per sive incohata 
fuisse videretur (velut sive eris in acie), Birtius pro sive de 
coniecit si vel e. quam viri doctissimi emendationem appella- 
verunt Tachavus 'eine evidente Textverbesserung' (cf. Philol. 48 
p. 745/46) et Melzerus egregiam coniechiram (p. 34). mihi 
autem carus magister mens sententiam suam non probavit. 
nam certum videtur hoc loco praepositionem de retinendam esse. 
simillimus enim locus exstat in 

FJiaedra (816) ^^) aut si tela modo spargere Parthico 
in caelum placeat, nulla sine alite 
descendent, tepido viscere condita 
praedam d e mediis nubibus afferent, 
praeterea compares HO 1621: mihe de media vocat, HO 1655: 
tela de caelo fluent^ 

Med. 799 : tibi d e medio rapta sepulchro 
fax nocturnos sustulit ignes. 



^°) quod vidit Habruckerus (quaestionum Annaeanarum capita IV 
pars I p. 6). 

^^) moneo in E non sive, sed si traditum esse, 
8^) attulit Leo (I p. 51). 



376 Aemilius Ackermann, 

itaque censeo particulam sive servandam esse. Hercules enim 
sagittas Philoctetae dat, ut vel hostes vel aves interficiat. et 
legi apud Draegerum (Historische Syntax der lateinischen Spra- 
che ^ n p. 148) : sive ,oder wenn' ist zuweilen in vel si auf- 
zulösen, so dass vel von si getrennt gedacht, zu einem Satze ge- 
hört, von dem der Bedingungssatz mit si abhängt, ac non solum 
Draegerus ipse, sed etiam CFW. Muellerus (Ueber den Ge- 
brauch von sive p. 9 sq.) locos collegerunt, ubi particula sive 
secundo loco tantum exstans hanc significationem habet. Muel- 
leri libellum si inspicies facile cognosces Terentium, Horatium 
(ter), Vergilium, Tibullum (bis), Propertium (ter), Ovidium, 
Persium eandem licentiam atque Herculis Oetaei auctorem sibi 
permisisse. hoc igitur non argumentum est, quo aliquis uti 
possit. ceterum concedendum est Senecam tragicum particulam 
sive hac significatione alibi non adhibuisse. 

Versus HO 1592 et 1830 Leoni, cum ipse videret Her- 
culis Oetaei poetam his locis ab usu aliorum non abhorrere, 
non afferendi erant^®). 

HO 1760: quanta, Titan, ad nihil moles abit. 
A praebet : in nihil. Leo adnotavit (I p. 63) : noverat inter- 
polator {sc. autor lectionis A) constantem Senecae aliorumque 
usum; praecipue ex Ovidii transformationibus notissimum est 
abeundi verhum translato sensu, quod idem significat quod 
mutari^ cum in praepositione coniimctum. mihi non verisi- 
mile videtur hoc loco abire pro mutari positum esse, verba 
ad nihil abire per analogiam orta sunt ex locutione quae 
fuit abire ad plures, ad inferos (= mori) ^^). similiter Cicero 
dicit Tusc. I § 32: abiit ad deos Hercules, ceterum ne id 
quidem veri dissimile est hoc loco praepositionem ad, quae in 
codicibus deterioribus non tradita est, librariis imputandam 
esse, praesertim cum HO 962 {in hanc abire coninguni turbam 
Übet) verbum abeundi, quamquam sensum translatum non habet, 
tamen cum in coniunctum sit. 

Neque plus valet quod bis ^^) in HO (975 teque languenit 

^^) HO 1592 Richterus fortasse recte coniecit impendens et ad HO 
1830 comparandus est Hf. 605 : atque in labores non satis terrae patent 

ä^) cf. Birt, Das Arvallied, Archiv für Lexikographie XI p, 165, 
168, 183. 

^0) iniuria huc rettulit Leo HO 1500, ubi vulgo legitur sive 



De Senecae Hercule Oetaeo. 377 

manu Non audit arcus et 1884 flete Herculis, Ärcades, ohi- 
tus^ Nonäum Phoehe nascente genus) ablativus absolutus sub- 
stantivo obnoxius invenitur (cf. Leo I p. 57 et p. 62). facile 
enim intellegitur quid poeta dicat. de loco HO 975 optime 
disputavit Melzerus p. 31. verba 1885 nondum Fhoehe nascente 
genus dicta sunt pro: Arcades iam genus erant cum Fhoehe 
nondum nata esset, quam ob rem poetae hunc ablativum ab- 
solutum bis tantum adhibitum ignoscemus. 

Quod pronominis persoualis casus genetivus interdum ad 
substantivum ita accedit ut ultro cum pronomine possessivo 
mutari possit vituperaverunt Leo (I p. 64) et Birtius (L s. 
p. 516). loci, quos iam Leo vidit, sunt hi: HO 557 perhihat 
formam mei (flammas mei A)^ 954 nunc veram tui (tuam A) 
agnosce prolem^ 1216 nam quis dignus necis Herculeae super- 
est auctor nisi dextra tui?^ 1502 licet sit falsa progenies mei 
[mihi A). versus 949 recipe me comitem tibi {tui A), 1242 haec 
moles mea est {mei est A), 1966 qiiicquid in nohis tui Mortale 
fuerat ignis evictus tulit Leo afferre non debuit. nam verba 
tibi (v. 949) et mea (v. 1242) in E tradita satis apte dicta 
sunt et V. 1966 genetivum legi necesse est; pendet enim tui 
e quicquid ^^). primum moneo locos, cum modo in E, modo 
in A pronominis personalis genetivus pro possessivo pronomine 
exstet, non satis certos esse, deinde Leo ipse concessit huius 
genetivi usum qui mediae latinitatis scriptoribus frequentatus 
sit, certe plerumque librariorum culpa ortum esse, tum apud 
Senecam rhetorem, Ovidium, Vergilium, Catullum eandem li- 
centiam admissam esse idem vir doctissimus vidit. et nescio 
an haec sufficiant, ut loci illi excusentur. sed pauca addere 
possumus. Melzerus recte dixit (p. 32) genetivo pronominis 
personalis personam gravius premi quam pronomine possessivo. 
hac de causa Deianira dicit (555) : 

si quas decor 

loles inussit pectori Herculep faces 

extingue totas, perbibat formam mei, (non loles). 

hac de causa chorus Herculem alloquitur verbis bis (1216) : 

nascente Hercule Nox illa certa est. sed in E traditum est sive nas- 
centeni Herculem e. q. s. et A praebet sive nascente Hercule Non illa 
certa est. itaque hie locus nimis. dubius est. 

^^) locum recte interpretatus est Melzerus p. 9 adn. 2. 



378 Aemilius Ackermann, 

uam quis dignus necis Herculeae 
superest auctor nisi dextra tui? 
nam Hercule dignus auctor Herculeae necis solummodo Her- 
cules ipse ist. hac de causa Deianira certior facta quantum 
facinus commiserit dicit (952) : 

adde me comitem tuis, 
Threica coniunx, sceleribus; natam tuam, 
Althaea mater, recipe, nunc veram tui 
agnosce prolem. 
prolem tui, quae sceleratissima femina fuisti. 

Restat locus 1502 licet sit falsa progenies mei {mihi Ä}^ 
qui simili excusatione caret. itaque credo hoc loco mei ex 
mihi depravatum esse, talis enim error facillime evenire po- 
terat, velut HO 949 legimus in E recipe me comitem tihi^ in 
A autem comitem tui. fortasse eo quoque, quod hie tibi in E 
traditum est, opinio mea paulum affirmatur. itaque etiam hoc 
argumentum refellimus, quod levius esse Leo ipse concesserat 
(I. p. 70). praeterea alia causa inveniri potest, cur huic pro- 
nominis personalis usui venia tribuenda sit (cf. part. tert.). 

Age nunc illa videamus quae Birtius castigavit. qui vir 
doctissimus ad HO 104 {par ille est superis cui pariter dies 
Et fortuna fuit) adnotavit (p. 533) : wo fast unverständlich 
fuit gesagt ist statt esse desiit^^). sed iam N. Heinsius dixit 
(1. s. p. 436) traditam lectionem non temere sollicitandam esse. 
vidit enim duos Vergilii locos hos : sed fortuna fuit (Aen. VII 
413) et fuimus Troes^ fuit Ilium (Aen. II 335). nonnumquam 
igitur fuisse idem significat quod esse desiisse. conferas etiam 
Melzer. p. 32/33. 

In Hercule Oetaeo verborum quota est et vitam reddere 
usum, qui Birtio displicuit (p. 533 et p. 534), ab Annaeano 
non abhorrere demonstravit Melzerus (p. 32). vide etiam infra 
(p. tert.). 

Idem Birtius in plurali populi haesit p. 537/38: Ueber- 
haupt, inquit, braucht der Dichter dieses Herkules fast ständig 
bombastisch den Plural populi cf. v. 1586, 1818, 1811 und 
1536 sogar Arcades populi vetusti, 1018, 1918, 1993, 1335, 
855 und sonst, seltener den Singular wie 1541; dagegen hat 
9-) hoc Tachavo quoque molestum erat, Philol. 46 p. 381, 



De Senecae Hercule Oetaeo. 379 

Serieka meist den Singular und würde ihn auch in der Mehr- 
zahl der angeführten Stellen angewandt haben, vituperavit igi- 
tur vir doctissimus quod poeta pluralem singularis loco posuit, 
nam in Universum si rem consideramus, Seneca huius vocis plu- 
ralem saepius singulari usurpavit^^). cum Birtius contenderet 
3Ied. 58, 484, 794, Fhoen. 614, Troad. 772, Hf. 1241, Fhaed, 
158 pluralem adhibitum esse, quia singularis intelligi non 
posset, Melzerus non solum Thy. 648 et Äg. 602, sed etiam 
Med. 58 et Troad. 772 pluralem pro singulari legi dixit (p. 31). 
Troad. 766 sqq. Andromacha filium suum alloquitur, quem 
mox necatum iri seit, ac magnopere lamentatur misera mater, 
quod Scamandrius numquam rex et dominus fiet. dicit enim 
V. 771 : 

Iliaca non tu sceptra regali potens 
gestabis aula, iura nee p o p u 1 i s dabis 
victasque gentes sub tuum mittes iugum, 
non Graia caedes terga, non Pjrrhum trahes. 
sane Birtio concedendum est hoc loco singularem popido intel- 
legi non potuisse ; nam Andromacha non tam de Troiano po- 
pulo quam de omnibus eis populis cogitat, quos Astyanax rex 
in dicionem potestatemque suam redegerit. 
Med. 56 chorus canit: 

Ad regum thalamos numine prospero 
qui caelum superi quique regunt fretum 
assint cum populis rite faventibus. 
etiam hoc loco Birtium quam Melzerum sequi malim. verba 
enim in Universum dicta sunt, itaque cum legamus ad regum 
thalamos, poscimus pluralem cum populis. contra recte attulisse 
videtur Melzerus locos Thy. 648 et Ag. 602. nee desunt alia 
exempla. HO 1916 poeta Alcmenam inducit quaerentem quo 
loco Hercules mortuus versetur: 



93) pluralis exstat in ^/. novies (191, 280, 293, 557, 560, 667, 708, 
775, 1241), singularis ter (169, 382, 838); in Troad. bis (772, 1137) — 
quater (893, 1009, 1083, 1120); in moen. ter (265, 325, 614) — semel 
(551); in Med. ter (58, 484, 794) — bis (604, 977); in Fhaed. sexies 
(150, 494, 529, 562, 759, 911) — bis (488, 983); in Oed. bis (573, 607) 
— septies (33, 76, 396, 589, 744, 784, 874); in Äga. semel (602) — semel 
(181); in Thy. bis (88, 648) — sexies (188, 204, 206, 411, 644, 875); 
in HO duodevicies (27, 420, 607, 608, 612, 672, 855, 1018, 1335, 1536, 
1586, 1605, 1811,1818, 1871, 1876,1918, 1993) — ter (1541, 1810,1824). 



380 Aemilius Ackermann, 

iamne Elysias, o nate, domus 
iam litus habes 

ad quod populos natura vocat? 
pluralem populos reprehendit Birtius. sed conferas 
Hf. 186 : nimium, Aleide, pectore forti 

properas maestos visere manes: 
certo veniunt tempore Parcae. 
nulli iusso cessare licet, 
nuUi scriptum proferre diem: 
recipit populos urna citatos. 
Hf. 701: Quid ille opaca qui regit sceptro loca, 

qua sede positus temperat populos leves? 
praeterea afferre possum Hf. 293, Phoen. 265, Phaed. 529, 
Ocd. 573. maxime idoneus locus est Troad. 1136, ubi in versu 
892 Helena ab Andromacha appellatur pestis exituim Ines 
utriusque populi (sc. Graecorum et Troianorum) ; similiterque 
nuntius dicit (1160): uterque flevit coetus. at in versu 1136 le- 
gimus : (error aUonitos tenet utrosque populos. haec verba sine 
dubio bombastisch dicta sunt, compares etiam quae infra hac 
de re disputavi (p. tert.). differentia ergo non adest. 

Tachavus haesit (Philol. 46 p. 380) in voce ultimus; cf. 
HO 107: quisquis sub pedibus fata rapacia 
et puppem posuit fluminis ultimi. 
hoc enim loco contra usum Senecae, qui Phaed. 98, Oed. 869, 
Hf. 1107, Troad. 146 adiectivum imus adhibuerit, ultimi pro 
imi vel inferni positum esse. Oed. 869 legimus: 
Dehisce tellus, tuque tenebrarum potens, 
in Tartara ima, rector umbrarum, rape 
retro reversas generis ac stirpis vices. 
exstat autem similis locus Troad. 519 : 

Dehisce tellus, tuque, coniunx, ultimo 
specu revulsam scinde tellurem et Stygis 
sinu profundo conde depositum meum. 
ultimus specus idem significat quod Tartara ima . praeterea, 
quod summum est, Tachavus omnino non recte contendit HO 
108 tdtimi pro imi dictum esse, ultimum flumen est der letzte 
Fluss. homines dum vivunt multa flumina transire et saepius 
in mari navigare solent. si vero mortui sunt, ultimum flumen 



De Senecae Hercule Oetaeo. 381 

(sc. Acheron) eis transeundum est. quo traiecto nnmquam post- 
hac flumen ullum transgredi possunt , nam Acherontis undae, 
ut Vergilii verbis utar, irremeabiles sunt*^*). 

lara pervenithaec disputatio ad particularum iisum, qui ubi de 
auctore quaeritur magni momenti est. nee tarnen necesse est Sene- 
cam omnes particulas, quibus uti solebat, in omnibus tragoediis 
adhibuisse (cf. Melzer p. 33). itaque si discrimen non nisi parvum 
exstat, circuinspectius nobis iudicandum est. etiam particulam in 
omnibus ceteris fabulis usurpatam in HO prorsus desiderari et 
bis tan tum (v. 710, 724) etiamnum legi contendit Richterus 
(d. S. tr. a. p. 24). inveni etiam in HO 1406, qui tamen lo- 
cus corruptus est. Senecam hac particula perraro usum esse 
iam Melzerus vidit. exstat enim semel in Phoen. 427 , semel 
in Oecl 678, semel in Äg. 983, bis in Med. 499, 678 bis in 
Phaed. 226, 705, Thi/. 889, 896; quater in Hf. 492, 965, 1189, 
1261, quater in Troad. 303, 570, 670, 733. itaque non differentia, 
sed similitudo Ricbtero statuenda erat, etiamnum traditum est 
in Hf. semel 936, Troad. semel 500, Phoen. ter 176, 273, 368, 
31ed. bis 278, 1012, Oed. bis 618, 680, Thj. bis 257, 914, 
HO bis 710, 724, Phaed. nusquam. itaque cum Melzero quaero: 
hac re num contra Phaedram suspicio nobis movebitur? 

Idem Richterus aegre tulit quod sattem septies in HO 
(87, 932, 1259, 1317, 1374, 1416, 1914) legitur , in ceteris 
ter tantum Med. 1015, Äg. 492, Hf. 1204 (hunc locum primus 
Melzerus vidit). contra dico particulam nuper in bis omnibus 
fabulis vitatam semel exstare in Phaedra 788. 

Porro Richterus in eo haesit, quod in HO particula nempe 
paulo crebrius quam in ceteris tragoediis invenitur. nempe 
enim scriptum videmus in Hf. semel 44, Troad. ter 325, 340, 
744^5), Phoen. bis 522, 523, Phaed. bis 244, 645, Oed. semel 
76, ^^. semel 702, Thy. semel 412, HO decies 332, 353, 363,366, 
369, 374, 437, 903, 1911, 1912 (cf. Melz. p. 33). Phoenissae 
fabula composita est ex versibus 664, contra Hercules Oetaeus, 
quae ex 1996 versibus constat, triplo maius spatium complet. 

^^) Vergilium hoc loco (Aen. 4, 425) non de Acheronte, sed de 
Styge loqui mihi non ignotum est. 

^°) Troad. 933 pro sicrc perperam Richterus coniecisse videtur 
nempe cf. Symbola Doctorum Jenensis Gymnasii in honorem Gymnasii 
Isenacensis coUecta, particula prior p. 32. 



382 Aemilius Ackermann, 

itaque si sexies tantum nempe in HO exstaret, Hercules alter 
optime cum Phoenissis conveniret. nunc autem, cum decies^^) 
nempe in HO legatur, auctorem huius tragoediae Richterus 
vituperare ausus est. quam ob rem memorabile esse mihi vi- 
detur nempe bis {HO 332 et 437) in E omissum et locum 369, 
cum in Florentino traditum sit nempe Thespides vacant, in A 
autem mene Thespiades vocant^ non satis certum esse ^^). prae- 
terea et Leo (I p. 66) et Melzerus huic particulae id quoque 
praesidio esse contenderunt, quod v. 351 — 379 quinquies quasi 
in una periodo membra argumentationis conectat. iam vero 
particulas autem^ ceu^ comminus, nonnumquam^ proprie non nisi 
in Troadibus inveni (cf. v. 927, 20, 348, 904, 435). neque ta- 
men Troades spurias dices. 

Fere particulam a Senecae usu alienam bis tantum in 
HO (407, 452) adhibitam esse Richterus dixit (p. 25). pri- 
mum moneo fere in Etrusco omnino non traditum esse, nam 
versus 407 omissus est et v. 452 fare invenitur. deinde exstat 
fere Troad. 438 et fortasse 1143. qui locus corruptus est: 
legimus enim in A et fere, in E autem effert, quod nihili est 
et metrum delet. maxime igitur verisimile est Codices deterio- 
res meliorem lectionem praebere. 

Forte quater in HO positum (500, 522, 722, 929) offen- 
dit eundem Richterum. nisi forte scriptum vidi Ag. 960 et 
Fhaed, 628 ^®). adde quod neque nusquara invenitur nisi semel 
in Oed. 381. iamne concludi potest Oedipum insitivum esse? 

Bonec non solum semel in HO 429, sed etiam quater in 
Oed. 622, 745, 760, 960 exstare Richterus ipse vidit. accedit 
quod versus HO 429 in E non traditus est. 

Palam legimus Äg, 258, HO 1261, 1516, 1517^^). Rich- 
tero displicuit quod palam Äg. 258 praepositionis vicem tenet, 
contra in HO semper adverbium est. at inter omnes constat 
palam adverbium poetis et scriptoribus prosae orationis usi- 
tatissimum esse, palam autem praepositionem perraro inveniri. 

»^) Richterus ipse novies tantum nemfe deprehendit, recte autem 
numeravit Melzerus p. 33. 

^^) HO 374 N. Heinsius pro nemfe illa cervix scribi voluit Ne- 
meaea cervix (1. s. p. 442). 

®^) Agamemnonis locum iam Richterus vidit. 

^9) locos HO 1516 et 1517 non attulit Richterus, 



De Senecae Hercule Oetaeo. 383 

atque Ag. 258 (ultimum est nuptae malum, Falam marita pos- 
sidens paelex domum) iam prima manus marita correxit in 
mariti, quod Ricliterus nnper ipse in textum recepit. differen- 
tia igitur non exstat. sed pro coroUario addo praepositionem 
coram semel tantum usurpatam esse Hf. 1264 (genitore cor am), 

Potius, quod Hf. 1265 Thy, 522, Phoen. 110, 494, Phaed, 
613, 655, 622, Med. 507, Troad. 355, 694, Oct. 76, 580 re- 
periatur , nusquam in JTO, Oed. , Äg. legi Richterus dixit. 
re Vera autem haec particula invenitur : Hf. 427, 1014, 1094b, 
1265, Troad. 351, 650, 690, 1059, Phoen. 110, 494, Med. 507. 
Phaed. 443, 612, 655, 622, Oed. 629, Äg. 308, 882, Thy. 413, 
522, 1021, HO 852 (i. e. in ea parte quam Leo spuriam 
aestimat) , Oct. 177, 578. Hercules Oetaeus , cum etiam in 
Med. et Oed. semel tantum potius admissum videamus, pror- 
sus cum Annaeanis fabulis consentit. 

Interim legimus Troad. 997, Phaed. 1274, HO 4:09^^% 481, 
930. atque cum haec particula Troad. 997, Phaed. 1274, HO 
409 proprio sensu usurpata sit, habet HO 481 et 930 notionem 
particulae interdum, quod vituperaverunt D. Heinsius (ap. Scr. 
p. 340 sq.), Richterus (p. 25), Birtius (p. 516). sed hunc usum 
in Senecae scriptis prosa oratione conditis frequentatissimum 
esse vidit Melzerus p. 34. quod solummodo in HO bis in- 
terim pro interdum positum est, cum haec particula rarissime 
in tragoediis inveniatur , sine dubio casui tribuendum est. 
adiungo particulam actutum semel tantum in Phaedra (624) 
exstare. 

Handdum HO 80 pro nondum positum esse contendit Leo 
(I p. 65), qui ipse vidit (I p. 30) in E non hauddum^ sed haud 
traditum esse^^^) : 

HO 79: si post feras, post bella, post Stygium canem 
haud astra merui, Siculus Hesperium latus 
tangat Pelorus, una iam tellus erit. 
ego quidem hos versus intellegere possum. neque sensus neque 
res metrica postulat ut hauddum scribamus. neque alibi Her- 
culis Oetaei poeta usquam hauddum usurpavit, contra nondum 
septies 201, 213, 546, 774, 1159, 1614, 1884. 

"^) versus 409 in E desideratur. 
*"*) A praebet nondum. 



384 Aemilius Ackermann, 

Ultra HO 1245 idem significare quod postJiac Leo recte 
dixit (I p. 62). sed legas Fhaed. 945: 

En perage donum triste, regnator freti! 
non cernat ultra lucidum Hippolytus diem 
adeatque manes iuvenis iratos patri. 

Leonem usum particularum hinc et inde Herculis Oetaei 
auctori perperam crimini dedisse demonstravit Melzerus p. 34. 

Bis in HO (859 et 1408) deinde ad particulam interroga- 
tivam ita accedit, ut non temporis progressum indicet, sed id 
quod ante dictum est cum vi quadam repetat. hunc usum sin- 
gularem esse Leoni concedendum videtur (cf. Leo I p. 63 et 
Melz. p. 34). sed etiam reliquae tragoediae nonnuUa a com- 
muni usu aliena habent. particulae ilico, citra, iniro'^^^) non 
nisi in Oed. exstant (v. 598, 951, 557). in Medea sola in- 
veniuntur perpetuo^ priusquam^ quippe (v. 196, 298, 256^^^) 
438). solummodo in Phaedra leguntur minime^ pone, verum, 
vero (v. 895, 1046, 428, 1082). 

Leo (I p. 64) et Birtius (p. 516) vituperaverunt fors HO 
574 pro forsan positum, a Seneca alienum. hoc loco non /br5, 
sed forsam legendum esse iam Birtius mihi persuasit cf. supra 
p. 353. praeterea Leo ipse concessit (I p. 70) hoc argumentum 
non multum valere. 

Forsitan vel forsan a poetis saepe cum indicativo futuri, 
multo rarius cum indicativo praesentis vel praeteriti coniungi 
dixit idem Leo (I p. 63). itaque cum bis tantum in reliquis 
fabulis, quater autem in HO forsitan vel forsan cum indicativo 
praesentis vel praeteriti coniunctum esse animadverterit, Her- 
culis Oetaei poetam contra Annaeanum usum peccavisse con- 
tendit. Leo ipse apud Vergilium, Ovidium, Propertium, Tibullum, 
Lucanum, Statium, Valerium deprehendit tres et triginta locos, 
quibus idem admissum est^*^*). ac non omnes poetae forsan vel 
forsitan cum indicativo futuri coniungere maluerunt. Statins 
enim has particulas e quibus sexies indicativum praesentis vel 
praeteriti pendere vir doctissimus vidit, non nisi quater, quan- 
tura scio, indicativo futuri adiunxit (cf. Silv. I 3, 62 ; 11 3, 63 ; 



^^'^) traditum est antro. 

^"^) Med. 256 quippe in E omissum est. 

*°*) apud Ovidium solum inveniuntur tredecim exempla. 



De Senecae Hercule Oetaeo. 385 

V 3, 154; Theb. X 447). in HO forsan vel forsitan cum in- 
dicativo futuri coniunctum est quinquies 408, 473, 574, 912, 
1429, cum indicativo praesentis vel praeteriti quater 361, 1781, 
768, 1398. dubius locus est v. 1791, quo futurum legendum 
esse mihi Melzerus satis probavit (p. 34). constat igitur Her- 
culis Oetaei auctorem forsan vel forsitan saepius cum indica- 
tivo futuri coniunxisse quam cum indicativo praesentis vel 
praeteriti. itaque cum Leo ipse viderit bis ^^^) in ceteris tragoe- 
diis [Phaecl. 238, Thtj. 747) et in pedestribus Senecae sermonibus 
haud raro eandem licentiam inveniri, contendere audeo hac in re 
Herculem Oetaeum cum Annaeano usu omnino non discrepare. 

Aliud Leonis argumentum est hoc (I p. 66): pro Seneca 
saepius ita adhibuit, ut ad numen testemve qui invocatur pro- 
xime accedat. Hercules Oetaeus eo a reliquis recedit, ut p r o 
non invocandis tantum numinihus addat^ sed suhinde idem non 
arte cum alia voce conexum ut o aliasque exclamandi particulas 
ponat. In Herc. Oet. pro ad numen testemve accedit v. 290, 
966, 1173, 1175, 1275, 1364, 1531, non accedit 219, 770, 965, 
1231, 1419 bis, 1803^06) (cf. Melz. p. 34). itaque si rem ad 
calculos vocare placet pro septies ad numen testemve accedit 
et septies exlamandi particulae vicem tenet. Melzerus recte 
vidit pro etiam Ag, 35 et Oed, 19 ut exclamandi particulam 
positum esse, pro facinus scripsit Seneca de brevit. vitae 12, 2^^''). 
apud Statium pro fere semper particulae o vicem tenet cf. 
Silv. I 1, 101; Theb. II 92; III 308, 370; V 324, 674, 718; 
IX 14, 180; X 270, 874; XII 382. adde quod desuper, tan- 
tisper non nisi in Thjeste inveniuntur (v. 163, 451, 280). 
neque tamen spurius est Thyestes. 

lam unum argumentum nondum refutatum superest. inter- 



^^°) perperam addidit Melzerus Med. 290 et Thy. 316, quibus locis 
non forsan vel forsitan, sed fortasse exstat. 

*^'^) HO 211 pro in A traditum in E omissum est. hoc loco olim 
a exstitisse coniecit Wilamowitzius. cum lole in sequenti versu patrem 
appellet , fortasse tibi supplendum estt {tibi si tumulum fata dedissent). 
— HO 1201 traditam particulam o retinendam esse supra (p. 354 sq.) 
exposui. — bene Melzerus de versibus 1231 et 1803 disputavit (p. 
34/35). — HO 1778: o nimis felix nimis, HO 1803: 'pro nimis felix 
nimis. his exemplis usum particulae pro optime illustrari Leo credi- 
difc. legat vir doctissimus HO 1827 : o misera pietas et Oed. 19 : pro 
misera pietas. 

^^^) hoc exemplum et alia vidit Birtius (Fhiiol. 63 fasc. 3 p. 430 sq.). 



335 Aemilius Ackermann, 

iectionem ei mihi sexies (1024, 1172, 1181, 1205, 1402, 1784) 
in IfO, in reliquis fabulis nusquam legi dixit Leo (I p. 69). sed 
duo loci 1181 et 1205 nimis dubii sunt; nam 1181 in E tra- 
ditum est potuisset mihi et in A potuissem' mihi, atque cum 
Lipsius potuissem ei mihi coniecisset, Birtius placuisset mihi 
scribi maluit (p. 541). HO 1205 in E legimus: perdidi et 
mortem mihi totiens honestam^ in A perdidi mortem hei mihi 
e. q. s. ^^^) itaque quattuor tantum loci satis certi sunt: 1024, 
1172 1«»), 1402110)^ 1784. Leoni concedendum est hanc inter- 
iectionem ceteris in tragoediis nusquam usurpatam esse, parva 
igitur differentia exstat. sed cum hoc fere solum argumentum 
sit quod non infirmari potest, non credibile videtur hac una 
particula effici, ut Herculem Oetaeum spuriam esse cuiquam 
persuadeatur (cf. Melz. p. 35). an credis etiam Herculem furen- 
tem, Phoenissas, Agamemnonem fabulas non a Seneca scriptas 
esse? inveniuntur enim particulae mox^ furtim^ istuc'^'^'^)^ raro 
undecumque non nisi in Hercule furente ^^^). agite^ ideo, mem- 
hratim, suhinde in Phoenissis tantum leguntur ^^^). atque in 
sola Agamemnone exstant attamen 405^^^*), hodie 752^ 971^ 
interea 965^ posthac 964^ siquidem 306^ extra 967^ encliticum 
-pte (suapte) 250 ^^^). addere liceat interiectionem ei mihi bonis 
poetis usitatam esse (cf. Leo I p. 67 sq. ). 

Quis igitur sit auctor Herculis Oetaei noniam incertum 
esse credo. omnia enim